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IG Me­tall will steu­er­frei­en Teil­lohn­aus­gleich für kür­ze­re Ar­beits­zeit

Den al­ten Slo­gan "Sams­tags ge­hört Pa­pi mir" hat die IG Me­tall längst er­wei­tert: Nun heißt es ge­schlech­ter­ge­recht "Nach­mit­tags ge­hö­ren Mut­ti und Va­ti mir". Die ge­for­der­te Ar­beits­zeit­ver­kür­zung für jun­ge El­tern und an­de­re Grup­pen sol­len teil­wei­se die Ar­beit­ge­ber be­zah­len

21.05.2014. (dpa) - We­ni­ger Ar­beit in be­son­de­ren Le­bens­si­tua­tio­nen für fast das glei­che Geld: Im Kon­flikt um ta­rif­lich ver­kürz­te Ar­beits­zei­ten für jun­ge El­tern, pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge und Be­schäf­tig­te in Wei­ter­bil­dung will die IG Me­tall ei­nen teil­wei­sen Lohn­aus­gleich er­rei­chen.

Die von den Ar­beit­ge­bern zu zah­len­den Aus­gleichs­gel­der müss­ten zu­dem vom Staat steu­er­frei und teil­wei­se ab­ga­ben­frei ge­stellt wer­den, er­klär­te der Zwei­te Vor­sit­zen­de der größ­ten deut­schen Ge­werk­schaft, Jörg Hof­mann, am Diens­tag bei ei­ner Be­triebs­rä­te­kon­fe­renz in Frank­furt.

Die Ge­werk­schaft rech­net mit har­tem Wi­der­stand der Ar­beit­ge­ber ge­gen die Plä­ne. "Den Teil­lohn­aus­gleich müs­sen wir er­kämp­fen und er­strei­ten. Das wis­sen wir", sag­te Hof­mann ein hal­bes Jahr vor Be­ginn der Ta­rif­ver­hand­lun­gen für den größ­ten deut­schen In­dus­trie­zweig Me­tall und Elek­tro mit rund 3,7 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten.

Ge­samt­me­tall-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Oli­ver Zan­der be­zeich­ne­te die vor­ge­schla­ge­ne Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit mit Lohn­aus­gleich als "völ­lig un­rea­lis­tisch". Die Be­trie­be der Bran­che sei­en bei der Ge­wäh­rung fle­xi­bler Ar­beits­zei­ten be­son­ders en­ga­giert, wie der "Un­ter­neh­mens­mo­ni­tor Fa­mi­lie" des IW Köln zei­ge. Da­nach bö­ten 77 Pro­zent der Be­trie­be in­di­vi­du­el­le Ar­beits­zei­ten und 67 Pro­zent ver­füg­ten über fle­xi­ble Ta­ges- und Wo­chen­ar­beits­zei­ten. Nach ei­ner re­prä­sen­ta­ti­ven Al­lens­bach-Um­fra­ge hät­ten 75 Pro­zent al­ler Mit­ar­bei­ter über­haupt kei­ne Schwie­rig­kei­ten bei der Ver­ein­bar­keit von Be­ruf und Fa­mi­lie.

IG-Me­tall-Chef Det­lef Wet­zel ver­lang­te die ge­sell­schaft­li­che De­fi­ni­ti­on für ein neu­es Nor­mal­ar­beits­ver­hält­nis. Es müs­se bes­se­re Rah­men­be­din­gun­gen für le­bens­la­gen­ge­rech­te Ar­beits­zeit be­inhal­ten und den Be­schäf­tig­ten Frei­räu­me und Wahl­op­tio­nen er­öff­nen, oh­ne sie von der be­ruf­li­chen Ent­wick­lung ab­zu­kop­peln. Nach wie vor sei es um die Ba­lan­ce zwi­schen Ar­beit und Le­ben in Deutsch­land schlecht be­stellt, stell­te Wet­zel fest. Fle­xi­bi­li­tät in der Ar­beits­welt wer­de all­zu häu­fig als Ein­bahn­stra­ße zu­guns­ten der Un­ter­neh­men ver­stan­den.

Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) sag­te der Ge­werk­schaft ih­re Un­ter­stüt­zung zu. Beim Recht auf Teil­zeit ha­be man ver­ges­sen, den Be­trof­fe­nen ei­nen Rechts­an­spruch auf die Rück­kehr in Voll­zeit mit­zu­ge­ben. Zahl­rei­che Be­schäf­tig­te wünsch­ten sich ei­ne Be­schäf­ti­gung ir­gend­wo zwi­schen 30 St­un­den und den heu­ti­gen Voll­zeit­gren­zen. Teil­zeit­be­schäf­tig­te mit 20 oder we­ni­ger St­un­den mach­ten die Er­fah­rung, dass sie von Wei­ter­bil­dun­gen aus­ge­schlos­sen wür­den und in ih­ren Be­trie­ben ge­rin­ge­re Kar­rie­re­chan­cen hät­ten.

Mit dem vor 30 Jah­ren er­streik­ten Ein­stieg in die 35-St­un­den-Wo­che hat­te die Ge­werk­schaft gleich­zei­tig fle­xi­ble­re Ar­beits­zei­ten ak­zep­tiert. Die na­he­zu un­ver­än­der­ten rea­len Ar­beits­zei­ten heu­te zeig­ten, dass die ge­leb­te 35-St­un­den-Wo­che im All­tag für vie­le kei­ne Rol­le spie­le, sag­te Hof­mann. Statt der an­ge­streb­ten täg­li­chen Ver­kür­zung re­agier­ten vie­le Be­trie­be mit Ar­beits­zeit­kon­ten, aus­ge­zahl­ten Über­stun­den, Frei­schich­ten oder dem frü­he­ren Ar­beits­en­de am Frei­tag.

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Letzte Überarbeitung: 15. November 2014

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