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Nach Tod von Leih­ar­bei­tern: Zol­litsch be­klagt "un­halt­ba­re Zu­stän­de"

Wer­den Men­schen über Werk­ver­trä­ge aus­ge­beu­tet? Die De­bat­te dar­über ist in vol­lem Gan­ge, seit vor zwei Wo­chen zwei ru­mä­ni­sche Leih­ar­bei­ter in Pa­pen­burg star­ben: Nun hat sich ne­ben Ge­werk­schaf­ten auch die Kir­che ein­ge­schal­tet - und spart nicht mit Kri­tik

29.07.2013. (dpa) - Auch zwei Wo­chen nach dem Tod zwei­er ru­mä­ni­scher Leih­ar­bei­ter ebbt die Dis­kus­si­on um den Um­gang der deut­schen Wirt­schaft mit aus­län­di­schen Ar­bei­tern nicht ab.

"Im Sou­ter­rain des deut­schen Ar­beits­mark­tes ha­ben sich un­halt­ba­re Zu­stän­de aus­ge­brei­tet", sag­te der Vor­sit­zen­de der Deut­schen Bi­schofs­kon­fe­renz, Erz­bi­schof Ro­bert Zol­litsch dem Nach­rich­ten­ma­ga­zin "Fo­cus".

Er kri­ti­sier­te, das Sys­tem der Werk­ver­trä­ge, bei dem Wan­der­ar­bei­ter für Bil­lig­löh­ne an­ge­heu­ert wür­den, sei "viel­fach per­ver­tiert wor­den".

Nie­der­sach­sens Agrar­mi­nis­ter Chris­ti­an Mey­er (Grü­ne) gab un­ter­des­sen an, dass die gro­ße Mehr­heit der Ar­bei­ter an Schlacht­hö­fen über Werk­ver­trä­ge an­ge­stellt sei. "Ich schät­ze, dass 80 Pro­zent der Ar­bei­ter in den nie­der­säch­si­schen Schlacht­hö­fen über Werk­ver­trä­ge ein­ge­stellt sind, in­di­rekt ha­ben die gro­ßen Fleisch­kon­zer­ne das auch schon be­stä­tigt", sag­te Mey­er der "Welt" (Sams­tag). Sei­ner Ein­schät­zung nach se­he das in an­de­ren Bun­des­län­dern ähn­lich aus.

Nach An­sicht des Vor­sit­zen­den der Ge­werk­schaft Nah­rung-Ge­nuss-Gast­stät­ten (NGG), Franz-Jo­sef Möl­len­berg, steh­len sich Fir­men der Fleisch­in­dus­trie mit Werk­ver­trä­gen aus der Ver­ant­wor­tung. Sie han­del­ten "teil­wei­se ma­fi­ös", sag­te Möl­len­berg dem "Fo­cus". "Die Ar­bei­ter et­wa aus Ru­mä­ni­en sind schutz- und recht­los ih­ren Chefs aus­ge­lie­fert."

An­lass für die De­bat­te ist der Tod von zwei ru­mä­ni­schen Leih­ar­bei­tern der Pa­pen­bur­ger Mey­er Werft Mit­te Ju­li. Er hat­te für bun­des­wei­te Schlag­zei­len ge­sorgt. Die bei­den bei ei­nem Su­b­un­ter­neh­mer der Werft be­schäf­tig­ten Män­ner star­ben bei ei­nem Brand in ih­rer Un­ter­kunft an Rauch­ver­gif­tun­gen.

Die Staats­an­walt­schaft Os­na­brück er­mit­telt in­zwi­schen we­gen des An­fangs­ver­dachts des Men­schen­han­dels. Hin­wei­se auf ei­ne Be­tei­li­gung der Werft gibt es bis­lang nicht.

Als Re­ak­ti­on auf den Tod der Män­ner hat­te die Werft ei­ne So­zi­al­char­ta er­stellt. Sie soll Min­dest­stan­dards für die Ar­beits­be­din­gun­gen von Leih­ar­bei­tern si­chern. Ge­schäfts­füh­rer Ber­nard Mey­er hat­te er­klärt, die Char­ta sol­le hel­fen, "schwar­ze Scha­fe" bei den Werk­ver­trags­un­ter­neh­men aus­zu­schlie­ßen.

DGB-Vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach for­der­te der­weil bes­se­ren Schutz für Zu­wan­de­rer. "Vie­le Mi­gran­ten wer­den in men­schen­un­wür­di­ge Be­schäf­ti­gung ab­ge­drängt", sag­te sie der "Ber­li­ner Zei­tung" (Sams­tag). Aus­ge­beu­tet wür­den vor al­lem Zu­wan­de­rer, die über Werk­ver­trä­ge, grenz­über­schrei­ten­de Leih­ar­beit oder als Schein­selbst­stän­di­ge ins Land ge­holt wer­den. "Was wir hier er­le­ben, ist gut or­ga­ni­sier­te Lohn­drü­cke­rei." Die St­un­den­löh­ne be­trü­gen oft drei oder vier Eu­ro. Vie­le sei­en nicht kran­ken­ver­si­chert.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 29. Mai 2014

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