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Bil­lig kann so teu­er sein

Töd­li­che Tex­til­fa­bri­ken in Pa­kis­tan und Ban­gla­desh: von Dipl. Wirt­schafts­ju­ris­tin Ni­co­le Rin­kau, Ber­lin

06.12.2012. Im Sep­tem­ber 2012 ver­brann­ten mehr als 259 Ar­bei­ter in ei­ner pa­kis­ta­ni­schen Tex­til­fa­brik. In der Fol­ge war es wie­der ein­mal der Tex­til­dis­coun­ter KiK, der bei der Fra­ge nach ge­schäft­li­chen Be­zie­hun­gen zu der Un­glücks­fa­brik die Hand he­ben muss­te, als es sich nach Hin­wei­sen aus Pa­kis­tan wohl nicht mehr ver­mei­den ließ.

Die Ten­gel­mann-Toch­ter aus dem west­fä­li­schen Bö­nen hat­te sich erst zu er­ken­nen ge­ge­ben, nach­dem der Vor­sit­zen­de des pa­kis­ta­ni­schen Un­ter­neh­mer­ver­ban­des PRG­MEA, Sheh­z­ad Sa­leem, der Nach­rich­ten­agen­tur dpa be­rich­tet hat­te, die be­trof­fe­ne Fa­brik „Ali En­t­er­pri­ses“ ha­be mit min­des­tens ei­nem deut­schen Part­ner zu­sam­men­ge­ar­bei­tet. Er nann­te in die­sem Zu­sam­men­hang KiK. Ein Po­li­zei­spre­cher in Ka­ra­chi be­stä­tig­te die Ge­schäfts­kon­tak­te nach Deutsch­land. Da­mit ließ sich die Ver­bin­dung nicht mehr ver­schwei­gen.

Ein mög­li­cher Grund da­für, dass KiK die Lie­fe­ran­ten­be­zie­hung zu der Un­glücks­fa­brik gern ver­ber­gen woll­te, liegt auf der Hand: Erst im Jahr 2010 hat­te das Un­ter­neh­men ei­nen Image­wech­sel voll­zie­hen müs­sen, als die dor­ti­gen skan­dal­träch­ti­gen Ar­beits­be­din­gun­gen be­kannt wur­den. Da­mals be­rich­te­ten der „Spie­gel“ und das Nach­rich­ten­ma­ga­zin „Pan­ora­ma“ dar­über, un­ter welch un­wür­di­gen Be­din­gun­gen die bil­li­gen Pro­duk­te un­ter an­de­rem in Ban­gla­desch für et­wa 25 EUR pro Mo­nat (von Frau­en und Kin­dern) her­ge­stellt wer­den.

Aber auch in Deutsch­land mach­te der Tex­til­dis­coun­ter von sich Re­den: Über­wa­chung, Druck und (sit­ten­wid­rig) nied­ri­ge Löh­ne wa­ren an der Ta­ges­ord­nung (wir be­rich­ten dar­über in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 10/174 KiK will sein Image ver­bes­sern).

Zwei Jah­re spä­ter nun wie­der ne­ga­ti­ve Schlag­zei­len: Die Nach­rich­ten­agen­tur dpa be­rich­tet un­ter Be­ru­fung auf Un­ter­neh­mens­an­ga­ben, dass KiK ein un­ab­hän­gi­ges Un­ter­neh­men mit der Kon­trol­le der Ar­beits­be­din­gun­gen und des Brand­schut­zes be­auf­tragt ha­be. Nach Hin­wei­sen auf Män­gel ha­be es Nach­bes­se­run­gen ge­ge­ben, ein Prüf­be­richt be­stä­ti­ge die Ein­hal­tung der ge­bo­te­nen Maß­nah­men.

Jetzt muss­te das Un­ter­neh­men al­ler­dings ein­räu­men, das auch dies­mal schlech­ter Ar­beits­schutz zu­min­dest (mit-)ur­säch­lich für das Dra­ma ge­we­sen ist, das sich im pa­kis­ta­ni­schen Ka­ra­chi ab­ge­spielt hat. In der frag­li­chen Fa­brik gab es kei­ne Not­aus­gän­ge, und die Fens­ter wa­ren ver­git­tert...

Es fragt sich, war­um die Kon­trol­len, die KiK nach ei­ge­ner Dar­stel­lung in Auf­trag ge­ge­ben hat­te, of­fen­bar ins Lee­re lie­fen. Erst im Jah­re 2010 hat­te das Un­ter­neh­men in ei­nem Nach­hal­tig­keits­be­richt auf die ho­he Ver­ant­wor­tung der Auf­trag­ge­ber ge­gen­über den Lie­fe­ran­ten hin­ge­wie­sen.

Da­mals hat­te man sich un­ter an­de­rem die Über­prü­fung bzw. Au­di­tie­rung von Feu­er­prä­ven­ti­ons­stan­dards und Per­so­nen­schutz­aus­rüs­tun­gen auf die Fah­nen ge­schrie­ben. Wer weiß – mög­li­cher­wei­se hät­ten ei­ne aus­rei­chen­de Zahl an Feu­er­lö­schern auch bei die­sem Brand Le­ben ret­ten kön­nen, wä­ren sie denn vor­han­den ge­we­sen.

In der Rea­li­tät kann KiK statt der pro­pa­gier­ten Prä­ven­ti­on nur re­agie­ren und tut dies in­dem es mitt­ler­wei­le ei­ne hal­be Mil­li­on Dol­lar als So­fort­hil­fe für die Op­fer an­ge­kün­digt hat. Be­trof­fe­ne sol­len et­wa 1.490 EUR er­hal­ten.

Zu ei­nem Zeit­punkt, als je­doch die Op­fer aus Ka­ra­chi/Pa­kis­tan ih­re ver­spro­che­ne Ent­schä­di­gung wahr­schein­lich noch nicht ein­mal er­hal­ten hat­ten, er­eig­ne­te sich bei „Taz­re­en Fa­shions“ in Dha­ka/Ban­gla­desh die nächs­te Brand­ka­ta­stro­phe. Es war Sams­tag der 24.11.2012, als ein Feu­er 112 Men­schen das Le­ben kos­te­te und mehr als 200 zum Teil schwer ver­letzt wur­den. Nach Me­di­en­in­for­ma­tio­nen lie­ßen hier C & A und KiK Klei­dung für den deut­schen und ös­ter­rei­chi­schen Markt pro­du­zie­ren.

Nun hat die Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft Ver­di da­zu auf­ge­for­dert, ein in­ter­na­tio­na­les Brand­schutz-Ab­kom­men zu un­ter­zeich­nen. Ver­di-Ex­per­te Jo­hann Rösch kri­ti­sier­te, dass der Brand ein wei­te­res ent­setz­li­ches Bei­spiel da­für sei, dass die von west­li­chen Fir­men ge­prie­se­nen Kon­troll­ver­fah­ren nur die Be­rich­te der Un­ter­neh­men schön­ten.

Nach al­lem was man bis­her hört ent­spricht dies wohl der (grau­sa­men) Rea­li­tät: Frau­en, die sich un­ter 1 EUR am Tag den Rü­cken krumm schuf­ten, frei lie­gen­de Ka­bel, ver­git­ter­te Fens­ter und feh­len­de Not­aus­gän­ge spre­chen „Nach­hal­tig­keits­be­rich­ten“ und an­de­ren Be­kräf­ti­gun­gen über die Ver­ant­wor­tung der Auf­trag­ge­ber ge­gen­über ih­ren Lie­fe­ran­ten Hohn. In ei­ner „klei­nen An­fra­ge“, die die Frak­ti­on Bünd­nis 90 / Die Grü­nen am Mit­te Ok­to­ber an die Bun­des­re­gie­rung rich­te­te, ist gar von mo­der­ner Skla­ve­rei die Re­de.

Fa­zit: Bil­lig kann so teu­er sein, wenn Men­schen ihr Le­ben, min­des­tens aber ih­re Wür­de und Ge­sund­heit las­sen müs­sen, da­mit auf dem eu­ro­päi­schen Markt H & M, C & A, Za­ra, KiK und an­de­re An­bie­ter ih­re Kun­den mit Bil­lig­prei­sen lo­cken kön­nen. Zwei­fel­los ein Ge­schäfts­mo­dell, das funk­tio­niert - nur zu wel­chem Preis?

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 30. September 2016

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