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Über 15 Mil­lio­nen Teil­zeit­be­schäf­tig­te in Deutsch­land

Im­mer mehr Ar­beit­neh­mer in Deutsch­land sind in Teil­zeit oder Ne­ben­jobs be­schäf­tigt. Voll­zeit­stel­len wer­den da­ge­gen we­ni­ger. Po­li­ti­ker und Ge­werk­schaf­ten strei­ten dar­über, ob dies ein po­si­ti­ver oder ne­ga­ti­ver Trend ist.

28.04.2017. (dpa/wie) - Be­reits im März kri­ti­sier­te die Lin­ke-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Sa­bi­ne Zim­mer­mann den gro­ßen An­teil an Teil­zeit­kräf­ten in Pfle­ge­be­ru­fen (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 17/082 Teil­zeit in Pfle­ge­be­ru­fen). Im Hin­blick auf den Tag der Ar­beit am 1. Mai stellt sie nun den Zu­wachs bei der Teil­zeit in der ge­sam­ten Bun­des­re­pu­blik an den Pran­ger.

Un­ter Be­ru­fung auf Zah­len des In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB), der For­schungs­ein­rich­tung der Bun­des­agen­tur für Ar­beit, sieht Zim­mer­mann vie­le Ar­beit­neh­mer in "nicht exis­tenz­si­chern­der und un­frei­wil­li­ger Teil­zeit und Ne­ben­jobs, um über die Run­den zu kom­men".

Laut der Stu­die des IAB ist die Zahl der Voll­zeit­be­schäf­tig­ten in den letz­ten 20 Jah­ren um knapp zwei Mil­lio­nen auf 24 Mil­lio­nen ge­sun­ken, wo­hin­ge­gen der Zu­wachs bei der Teil­zeit im sel­ben Zeit­raum auf sie­ben Mil­lio­nen (ins­ge­samt 15,3 Mil­lio­nen) be­zif­fert wird. Der An­teil an Teil­zeit­kräf­ten lag im letz­ten Jahr bei fast 40 Pro­zent.

Au­ßer­dem gab es rund drei Mil­lio­nen Per­so­nen mit Ne­ben­job. Ins­ge­samt wa­ren 2016 fast 40 Mil­lio­nen Deut­sche in ei­nem Ar­beits­ver­hält­nis. Die durch­schnitt­li­che Wo­chen­ar­beits­zeit sank seit 1991 von 35 auf 30 St­un­den.

Nun stellt sich die Fra­ge, ob Ar­beit­neh­mer von die­sem Boom in der Teil­zeit pro­fi­tie­ren oder dar­un­ter lei­den.

Für Sa­bi­ne Zim­mer­mann ist die­se Ent­wick­lung schuld dar­an, dass vie­le Men­schen trotz Ar­beit arm sei­en. Sie for­dert von der Bun­des­re­gie­rung u.a. ei­ne deut­li­che Er­hö­hung des Min­dest­lohns und die Ab­schaf­fung der Mög­lich­keit der sach­grund­lo­sen Be­fris­tung. "Das Nor­mal­ar­beits­ver­hält­nis in Voll­zeit muss wie­der für mehr Men­schen mög­lich wer­den.", so Zim­mer­mann.

Die Bun­des­ver­ei­ni­gung Deut­scher Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de (BDA) sieht die Teil­zeit da­ge­gen als Er­leich­te­rung auf dem Weg in den Ar­beits­markt. So wür­de die Rück­kehr ins Er­werbs­le­ben nach ei­ner fa­mi­liä­ren Aus­zeit er­mög­licht, was vor al­lem die Er­werbs­be­tei­li­gung von Frau­en er­hö­he. Au­ßer­dem gin­gen rund 87 Pro­zent der Frau­en und 76 Pro­zent der Män­ner frei­wil­lig ei­ner Teil­zeit­be­schäf­ti­gung nach, teil­te die BDA un­ter Be­ru­fung auf das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt mit.

Al­ler­dings sieht auch die BDA Ent­wick­lungs­po­ten­ti­al im Teil­zeit­recht. Hier be­dür­fe es der Ein­füh­rung ei­nes An­spruchs auf be­fris­te­te Teil­zeit. Der ent­spre­chen­de Ge­set­zes­ent­wurf von Ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 17/008 An­spruch auf be­fris­te­te Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung) liegt mo­men­tan je­doch auf­grund un­ter­schied­li­cher Vor­stel­lun­gen in­ner­halb der Ko­ali­ti­on auf Eis.


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Letzte Überarbeitung: 5. August 2017

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