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Up­date: In­te­gra­ti­ons­ge­setz in Kraft ge­tre­ten

Die neu­en Re­ge­lun­gen fin­den ab jetzt An­wen­dung: Nach dem Mot­to "För­dern und For­dern" sol­len Flücht­lin­ge bes­ser in­te­griert wer­den

12.08.2016. Seit dem 06.08.2016 ist das neue In­te­gra­ti­ons­ge­setz in Kraft (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 16/236 Neu­es In­te­gra­ti­ons­ge­setz un­ter dem Mot­to "För­dern und For­dern").

Das Ge­setz sieht un­ter an­de­rem vor, dass die bis­lang prak­ti­zier­te Vor­rang­prü­fung in ei­ni­gen Agen­tur­be­zir­ken der Bun­des­agen­tur für Ar­beit für ei­nen Zeit­raum von drei Jah­ren aus­ge­setzt wird. Wel­che Re­gio­nen da­von be­trof­fen sind, wur­de zu­nächst nicht be­kannt ge­ge­ben.

Dies hat Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les nun nach­ge­holt. Zeit­gleich mit dem In­te­gra­ti­ons­ge­setz trat auch die Ver­ord­nung zum In­te­gra­ti­ons­ge­setz in Kraft, die ei­ne Lis­te mit Agen­tur­be­zir­ken der Bun­des­agen­tur für Ar­beit ent­hält, in de­nen in den kom­men­den Jah­ren nicht mehr ge­prüft wird, ob ein ver­gleich­ba­rer Deut­scher, EU-Bür­ger oder ein an­de­rer be­vor­rech­tig­ter Aus­län­der für den Ar­beits­platz zur Ver­fü­gung steht.

Vorrangprüfung wird in 133 Agenturbezirken ausgesetzt

Nach mo­na­te­lan­gem po­li­ti­schen Rin­gen ist das An­fang Ju­ni ver­ab­schie­de­te In­te­gra­ti­ons­ge­setz am 06.08.2016 in Kraft ge­tre­ten. Da­mit be­an­spru­chen die neu­en Be­stim­mun­gen fort­an Gel­tung. So auch die Re­ge­lung, dass die Vor­rang­prüfung bei ei­ner Beschäfti­gung von Ge­dul­de­ten und Asyl­be­wer­bern, über de­ren Asyl­an­trag noch nicht ent­schie­den wur­de, für den Zeit­raum von drei Jah­ren aus­ge­setzt wird (vgl. Ar­beits­recht ak­tu­ell: 16/236 Neu­es In­te­gra­ti­ons­ge­setz un­ter dem Mot­to "Fördern und For­dern").

Dies re­gelt der neue § 32 Beschäfti­gungs­ver­ord­nung (BeschV). Die Ver­ord­nung enthält ei­ne Lis­te mit Agen­tur­be­zir­ken, in de­nen die Vor­rang­prüfung aus­ge­setzt wird. Die Lis­te wur­de un­ter Berück­sich­ti­gung der Ar­beits­markt­la­ge in den je­wei­li­gen Re­gio­nen und in Zu­sam­men­ar­beit mit den Bun­desländern er­stellt. Im Er­geb­nis wird die Vor­rang­prüfung nun in 133 von ins­ge­samt 156 Agen­tur­be­zir­ken aus­ge­setzt, al­so in fast al­len.

Aus­ge­nom­men sind nur ei­ni­ge Re­gio­nen in Bay­ern, im Ruhr­ge­biet so­wie al­le Agen­tur­be­zir­ke in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Hier wird auch in Zu­kunft noch ge­prüft, ob ein ver­gleich­ba­rer inländi­scher Ar­beit­neh­mer ei­nem Asyl­be­wer­ber als Beschäftig­ter vor­zu­zie­hen ist.

Bessere Chancen auf eine Beschäftigungsmöglichkeit

Grundsätz­lich dürfen Asyl­su­chen­de, über de­ren An­trag noch nicht ent­schie­den wur­de, nach drei Mo­na­ten ar­bei­ten (§ 32 Abs.1 (BeschV)). Da­mit der Asyl­su­chen­de aber tatsächlich beschäftigt wer­den konn­te, muss­te die Agen­tur für Ar­beit bis­her zu­erst noch kon­trol­lie­ren, dass kein ver­gleich­ba­rer inländi­scher Ar­beit­neh­mer, EU-Bürger oder ein an­de­rer vor­zugswürdi­ger Ausländer für die Stel­le zur Verfügung stand (sog. Vor­rang­prüfung gem. § 29 Abs.2 Nr.1b Auf­ent­halts­ge­setz (Auf­en­thG) ).

Zusätz­lich muss­te ge­prüft wer­den, ob der Asyl­su­chen­de nicht zu ungüns­ti­ge­ren Kon­di­tio­nen ein­ge­setzt würde als ein ver­gleich­ba­rer inländi­scher Ar­beit­neh­mer (sog. Prüfung der Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen gem. § 39 Abs.2 Auf­en­thG).

Die theo­re­ti­sche Ar­beitsmöglich­keit von Asyl­su­chen­den wur­de in der Ver­gan­gen­heit durch die­se Hürden fak­tisch unmöglich ge­macht. Durch die Aus­set­zung der Vor­rang­prüfung für die Dau­er von drei Jah­ren soll sich das nun ändern.

Von die­ser Re­ge­lung sind al­ler­dings nur Asyl­su­chen­de er­fasst, de­ren Asyl­ver­fah­ren noch nicht ab­ge­schlos­sen ist, die al­so ei­ne Auf­ent­halts­ge­stat­tung gem. § 55 Abs.1 Asyl­ge­setz (AsylG) ha­ben, und sol­che mit ei­nem Dul­dungs­sta­tus gem. § 60a Auf­en­thG.

Regelung erfasst keine anerkannten Flüchtlinge oder Menschen aus sicheren Herkunftsstaaten

Nicht er­fasst sind an­er­kann­te Flücht­lin­ge mit ei­ner Auf­ent­halts­er­laub­nis. Sie sind gem. § 22 Satz 3 Auf­en­thG oh­ne­hin be­fugt, ei­ne Er­werbstätig­keit aus­zuüben.

Eben­so we­nig können sich Men­schen aus so­ge­nann­ten si­che­ren Her­kunfts­staa­ten auf die Neu­re­ge­lung be­ru­fen. Ih­nen wird im Ge­gen­satz zu den an­de­ren Asyl­su­chen­den während der ge­sam­ten Dau­er ih­res Asyl­ver­fah­rens ver­bo­ten, zu ar­bei­ten (§ 61 Abs. 2 AsylG).

Als si­che­re Her­kunfts­staa­ten gel­ten gem. Art. 16a Abs.3 Grund­ge­setz (GG) sol­che Staa­ten, bei de­nen auf Grund der Rechts­la­ge, der Rechts­an­wen­dung und der all­ge­mei­nen po­li­ti­schen Verhält­nis­se ei­ne po­li­ti­sche Ver­fol­gung oder ei­ne un­mensch­li­che oder er­nied­ri­gen­de Be­hand­lung oder Be­stra­fung aus­ge­schlos­sen er­scheint.

Der Asyl­an­trag ei­nes Men­schen aus ei­nem sol­chen si­che­ren Her­kunfts­staat wird gem. § 29a Abs.1 AsylG höchst­wahr­schein­lich ab­ge­lehnt. Um das Asyl­ver­fah­ren und die an­sch­ließen­de Aus­wei­sung des Be­trof­fe­nen möglichst ein­fach durchführen zu können, müssen die­se Men­schen während des ge­sam­ten Ver­fah­rens in ei­ner Auf­nah­me­ein­rich­tung woh­nen blei­ben (§ 47 Abs.1a AsylG) und dürfen auch nicht ar­bei­ten (§ 61 Abs.2 Satz 4 AsylG).

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 20. September 2016

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