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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Urlaubsabgeltung, Befristung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Köln
Akten­zeichen: 12 Sa 1448/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 20.04.2010
   
Leit­sätze:

1. Der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch ent­steht mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses und wird gleich­zei­tig un­abhängig von bei ei­ner theo­re­ti­schen Ur­laubs­gewährung be­ste­hen­den Erfüllungs­hin­der­nis­sen fällig.

2. Er ist ent­ge­gen der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts nicht auf das En­de des Ka­len­der­jah­res oder des Über­tra­gungs­zeit­raums nach § 7 Abs. 3 BUrlG be­fris­tet, un­ter­liegt aber als Geld­an­spruch den (ta­rif­li­chen) Aus­schluss­fris­ten.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 13.07.2009, 10 Ca 2355/09
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, 12 Sa 1448/09

 

Te­nor:

1. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 13.07.2009 (10 Ca 2355/09) wird die­ses teil­wei­se ab­geändert und wie folgt neu ge­fasst:

„Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.“

2. Die An­schluss­be­ru­fung wird zurück­ge­wie­sen.

3. Die Kos­ten des Rechts­streits trägt die Kläge­rin.

4. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über den An­spruch der Kläge­rin auf Ab­gel­tung ih­res Jah­res­ur­laubs für die Jah­re 2007 und 2008. Die Kläge­rin war von Ok­to­ber 1975 bis zum 31.03.2008 als Kran­ken­schwes­ter bei der Be­klag­ten beschäftigt. Zu­letzt ar­bei­te­te sie in Teil­zeit für ein Ge­halt in Höhe von 829,86 € brut­to im Mo­nat. Auf das Ar­beits­verhält­nis fin­det der TV-L An­wen­dung. § 37 Abs. 1 TV-L lau­tet:

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"Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­fal­len, wenn sie nicht in­ner­halb ei­ner Aus­schluss­frist von sechs Mo­na­ten nach Fällig­keit von den Beschäftig­ten oder vom Ar­beit­ge­ber schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den. Für den­sel­ben Sach­ver­halt reicht die ein­ma­li­ge Gel­tend­ma­chung des An­spruchs auch für später fällig wer­den­de Leis­tun­gen aus."

Seit dem 19.10.2006 ist die Kläge­rin ar­beits­unfähig er­krankt. Mit Schrei­ben vom 25.02.2009 ver­lang­te sie von der Be­klag­ten die Ab­gel­tung ih­res Jah­res­ur­laubs in Höhe von 35 Ta­gen für das Jahr 2007 so­wie 8,75 Ta­ge für das Jahr 2008.

Sie hat be­an­tragt, 

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 1.613,62 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 17.03.2009 zu zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Das Ar­beits­ge­richt Köln hat mit Ur­teil vom 13.07.2009 die Be­klag­te ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 957,50 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 17.03.2009 zu zah­len und die Kla­ge im Übri­gen ab­ge­wie­sen. Es hat sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen da­mit be­gründet, dass der Kläge­rin un­ter Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs und der sich dar­an an­sch­ließen­den Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ein An­spruch auf Ab­gel­tung des ge­setz­li­chen Ur­laubs für die Jah­re 2007 und 2008 zu­ste­he, da die­ser auf­grund der Ar­beits­unfähig­keit der Kläge­rin nicht nach ur­laubs­recht­li­chen Be­stim­mun­gen er­lo­schen sei. Die­se Ansprüche sei­en auch nicht durch die ta­rif­li­che Ver­fall­frist er­lo­schen, da § 13 Abs. 1 BUrlG dem ent­ge­gen ste­he. Hin­ge­gen sei­en die über den ge­setz­li­chen Ur­laubs­an­spruch hin­aus­ge­hen­den Ur­laubs­ansprüche der Kläge­rin zwar nicht nach ur­laubs­recht­li­chen Be­stim­mun­gen ver­fal­len, da kei­ne An­halts­punk­te dafür bestünden, dass die Par­tei­en die­se Ansprüche an­ders als den ge­setz­li­chen Ur­laubs­an­spruch be­han­deln woll­ten; je­doch sei­en die­se Ansprüche durch Ab­lauf der ta­rif­ver­trag­li­chen Ver­fall­frist mit Ab­lauf des 30.09.2008 er­lo­schen.

Ge­gen die­ses ihr am 26.11.2009 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Be­klag­te am 14.12.2009 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se am 21.01.2010 be­gründet. Die Be­ru­fungs­be­gründung ist der Kläge­rin am 02.02.2010 zu­ge­stellt wor­den, wor­auf­hin die­se am 02.03.2010 An­schluss­be­ru­fung ein­ge­legt hat.

Die Be­klag­te ist der An­sicht, der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch müsse, nach­dem er nicht mehr nach ur­laubs­recht­li­chen Be­stim­mun­gen ver­fal­le, der ta­rif­li­chen Ver­fall­frist un­ter­lie­gen. Dem ste­he auch das Ge­mein­schafts­recht nicht ent­ge­gen.

Sie be­an­tragt, 

das erst­in­stanz­li­che Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 13.07.2009 – 10 Ca 2355/09 – ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin be­an­tragt, 

das erst­in­stanz­li­che Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 13.07.2009 – 10 Ca 2355/09 – hin­sicht­lich der Kla­ge­ab­wei­sung auf­zu­he­ben und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie über den erst­in­stanz­lich zu­er­kann­ten Be­trag hin­aus wei­te­re 656,10 € brut­to nebst Zin­sen in Höh von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 17.03.2009 zu zah­len.

Sie ver­tritt die Auf­fas­sung, die über den ge­setz­li­chen Ur­laub hin­aus­ge­hen­den Ur­laubs­ansprüche könn­ten eben­falls nicht den ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten un­ter­lie­gen, da

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für die­se Ansprüche das Glei­che gel­ten müsse, wie für den ge­setz­li­chen Ur­laub.

Hin­sicht­lich der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf den Ak­ten­in­halt Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

Die zulässi­ge, ins­be­son­de­re form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te Be­ru­fung der Be­klag­ten hat Er­folg. Die An­schluss­be­ru­fung ist hin­ge­gen un­be­gründet.

Die Kla­ge ist ins­ge­samt un­be­gründet. 

I. Die Ansprüche der Kläge­rin auf Ab­gel­tung des Ur­laubs für die Jah­re 2007 und 2008 sind mit Ab­lauf des 30.09.2008 nach der ta­rif­li­chen Ver­fall­frist des § 37 Abs. 1 TV-L ver­fal­len.

1. Bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin stan­den die­ser zunächst noch 43,75 Ur­laubs­ta­ge aus den Jah­ren 2007 und 2008 zu. Dem An­spruch stand nicht ent­ge­gen, dass die Kläge­rin seit dem Jah­re 2006 er­krankt war. Der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten hat im Ein­klang mit der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts er­kannt, dass der von Art. 1 der Richt­li­nie 2003/88/EG gewähr­leis­te­te An­spruch auf Min­dest­jah­res­ur­laub von vier Wo­chen auch ent­steht, wenn der Ar­beit­neh­mer im ge­sam­ten Be­zugs­zeit­raum oder in Tei­len da­von ar­beits­unfähig ist (EuGH, Ur­teil vom 20.01.2009 – C-350/06 – C-520/06; BAG, Ur­teil vom 24.03.2009 – 9 AZR 983/07 – zi­tiert nach ju­ris, Rn. 21). Da die­ser An­spruch durch die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht mehr rea­li­siert wer­den konn­te, war er gemäß § 7 Abs. 4 BUrlG ab­zu­gel­ten.

2. Der Ab­gel­tungs­an­spruch ist ent­stan­den mit Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses und wur­de zu­gleich fällig. Dem steht ins­be­son­de­re nicht ent­ge­gen, dass die Kläge­rin bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ar­beits­unfähig er­krankt war.

a. Nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts wan­delt sich der nich­terfüll­te Ur­laubs­an­spruch des Ar­beit­neh­mers mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses in ei­nen Ab­gel­tungs­an­spruch um, oh­ne dass es wei­te­rer Hand­lun­gen des Ar­beit­ge­bers oder des Ar­beit­neh­mers be­darf (BAG, Ur­teil vom 19.08.2003 – 9 AZR 619/02 – zi­tiert nach ju­ris). Der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung ent­sprach es, den ge­setz­li­chen Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch nach § 7 Abs. 4 BUrlG nicht als Ab­fin­dungs­an­spruch, son­dern als Er­satz für den we­gen der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht mehr erfüll­ba­ren An­spruch des Ar­beit­neh­mers auf Be­frei­ung von der Ar­beits­pflicht an­zu­se­hen. Hier­aus wur­de ge­fol­gert, dass der Ab­gel­tungs­an­spruch – ab­ge­se­hen von der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses – an die glei­chen Vor­aus­set­zun­gen ge­bun­den sei wie der Frei­stel­lungs­an­spruch selbst. Wie die­ser erlösche er auf­grund sei­ner Be­fris­tung spätes­tens mit En­de des Über­tra­gungs­zeit­raums, wenn der Frei­stel­lungs­an­spruch bis da­hin bei fort­be­ste­hen­dem Ar­beits­verhält­nis – z. B. we­gen Ar­beits­unfähig­keit – nicht ha­be erfüllt wer­den können (BAG, Ur­teil vom 10.05.2005 – 9 AZR 253/04 – zi­tiert nach ju­ris, Rn. 25).
b. In sei­nem Ur­teil vom 20.01.2009 hat der Eu­ropäische Ge­richts­hof in den Rechts­sa­chen C-350/06 und C-520/06 dann ent­schie­den, dass Art. 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/88/EG da­hin aus­zu­le­gen sei, dass er ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und Ge­pflo­gen­hei­ten ent­ge­gen ste­he, nach de­nen der An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub nach Ab­lauf des Be­zugs­raums und/oder im na­tio­na­len Recht fest­ge­leg­ten Über­tra­gungs­zeit­raums auch dann erlösche, wenn der Ar­beit­neh­mer während des ge­sam­ten Be­zugs­zeit­raums oder ei­nes Teils da­von krank­ge­schrie­ben ge­we­sen sei und sei­ne Ar­beits­unfähig­keit bis zum En­de sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses fort­ge­dau­ert ha­be, wes­halb er sei­nen An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub nicht ha­be ausüben können. Art. 7 Abs. 1 der Ar­beits­zeit­richt­li­nie ste­he ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung, die für die Ausübung des mit der Richt­li­nie aus­drück­lich ver­lie­he­nen An­spruchs auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub Mo­da­litäten vor­se­he, nicht ent­ge­gen. Die­se Mo­da­litäten könn­ten so­gar den Ver­lust des An­spruchs am En­de des Be­zugs­zeit­raums oder

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ei­nes Über­tra­gungs­zeit­raums be­inhal­ten. Das gel­te al­ler­dings nur un­ter der Vor­aus­set­zung, dass der Ar­beit­neh­mer tatsächlich die Möglich­keit ha­be, den ihm von der Richt­li­nie ver­lie­he­nen Ur­laubs­an­spruch aus­zuüben. Art. 7 Abs. 2 der Richt­li­nie 2003/88 sei da­hin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass er ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten oder Ge­pflo­gen­hei­ten ent­ge­gen ste­he, nach de­nen für nicht ge­nom­me­nen Jah­res­ur­laub am En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses kei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung ge­zahlt wer­de, wenn der Ar­beit­neh­mer während des ge­sam­ten Be­zugs­zeit­raums und/oder Über­tra­gungs­zeit­raums oder ei­nes Teils da­von krank­ge­schrie­ben bzw. im Krank­heits­ur­laub ge­we­sen sei und des­halb sei­nen An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub nicht ha­be ausüben können (EuGH, Ur­teil vom 20.01.2009 – C-350/06 – C-520/06 – Rn. 52, 43, 62).
c. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat auf­grund die­ser Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung mit Ur­teil vom 24.03.2009 (9 AZR 983/07) da­hin­ge­hend geändert, dass § 7 Abs. 3 und 4 BUrlG so zu ver­ste­hen sei, dass ge­setz­li­che Ur­laubs­ab­gel­tungs­ansprüche nicht erlöschen, wenn Ar­beit­neh­mer bis zum En­de des Ur­laubs­jah­res und/oder des Über­tra­gungs­zeit­raums er­krankt und des­we­gen ar­beits­unfähig sei­en. Zur Be­gründung hat es an­geführt, dass es of­fen blei­ben könne, ob die­ses Er­geb­nis durch ei­ne richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung zu ge­win­nen sei, wofür zum Ei­nen spre­chen könne, dass das Er­for­der­nis der Erfüll­bar­keit der Frei­stel­lung, der Ver­fall des Ur­laubs­an­spruchs und der Sur­ro­ga­ti­ons­cha­rak­ter des Ab­gel­tungs­an­spruchs nicht aus­drück­lich im Ge­set­zes­wort­laut an­ge­legt und dem Ge­set­zes­zu­sam­men­hang nicht in ei­ner Wei­se zu ent­neh­men sei­en, die je­de an­de­re Aus­le­gung aus­sch­ließe; je­den­falls sei aber ei­ne richt­li­ni­en­kon­for­me Rechts­fort­bil­dung durch theo­lo­gi­sche Re­duk­ti­on der zeit­li­chen Gren­zen der §§ 7 Abs. 3 S. 1, 3 und 4 BUrlG in Fällen krank­heits­be­ding­ter Ar­beits­unfähig­keit bis zum En­de des Ur­laubs­jah­res und/oder des je­wei­li­gen Über­tra­gungs­zeit­raums ge­bo­ten und vor­zu­neh­men (BAG, Ur­teil vom 24.03.2009 – 9 AZR 983/07 – zi­tiert nach ju­ris, Rn. 59, 62 und 64).
d. Der Ent­schei­dung lässt sich nicht ex­pli­zit ent­neh­men, ob der nach Ab­lauf des Be­zugs­zeit­raums bzw. Über­tra­gungs­zeit­raums nach den Grundsätzen des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs auf­recht er­hal­te­ne Ab­gel­tungs­an­spruch wei­ter­hin nur bei Ar­beitsfähig­keit erfüll­bar sein soll, in­wie­weit al­so die bis­her ver­tre­te­ne Sur­ro­ga­ti­ons­theo­rie noch auf­recht er­hal­ten wird. Die Fra­ge ist nach Auf­fas­sung der er­ken­nen­den Kam­mer da­hin­ge­hend zu be­ant­wor­ten, dass der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch un­abhängig da­von erfüll­bar ist, ob bei Fort­be­ste­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses Ur­laub gewährt wer­den könn­te. Der An­spruch wird al­so un­abhängig da­von, ob der Ar­beit­neh­mer ar­beitsfähig ist, mit Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses so­fort fällig und ist auch erfüll­bar (so auch Düwell, Münche­ner Hand­buch für Ar­beits­recht, 3. Auf­la­ge 2009, § 80 Rn. 67; LAG Hamm, Ur­teil vom 29.04.2009 – 18 Sa 1594/08; so­wohl auch Gaul, DB 2009, 1013, 1016). Nähme man an, dass der nach der geänder­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts nicht mehr ver­fal­len­de Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch wei­ter­hin nur erfüllt wer­den könn­te, wenn der Ar­beit­neh­mer sei­ne Ar­beits­unfähig­keit wie­der er­langt, trüge man der Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs vom 20.01.2009 nicht hin­rei­chend Rech­nung. Bei ei­nem bis zum Le­bens­en­de ar­beits­unfähi­gen Ar­beit­neh­mer wäre da­mit nämlich ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung für den Ur­laub aus­ge­schlos­sen, was aus­weis­lich der Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs nach Art. 7 Abs. 2 der Richt­li­nie 2003/88/EG aber ge­ra­de aus­ge­schlos­sen sein soll (vgl. Er­fur­ter Kom­men­tar/Dörner, 10. Auf­la­ge 2010, Rn. 59; Su­bat­zus, DB 2009, 510 f.). Hier­von scheint auch das Bun­des­ar­beits­ge­richt in sei­nem Ur­teil vom 24.03.2009 (9 AZR 683/07) aus­zu­ge­hen, da es den Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch zu­ge­spro­chen hat, oh­ne Ausführun­gen zur Wie­der­er­lan­gung der Ar­beitsfähig­keit der Kläge­rin zu ma­chen. In sei­ner Ent­schei­dung vom 23.03.2010 (9 AZR 128/09) hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt nun aus­weis­lich der vor­lie­gen­den Pres­sen­mit­tei­lung of­fen­bar ent­spre­chend der hier ver­tre­te­nen An­sicht ent­schie­den.
e. Die Fällig­keit des Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spru­ches tritt so­fort mit Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ein. Dies be­deu­tet, dass der aus­ge­schie­de­ne Ar­beit­neh­mer sei­nen Ab­gel­tungs­an­spruch gleich nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses gel­tend ma­chen kann und nicht et­wa den Ab­lauf des Über­tra­gungs­zeit­raums ab­war­ten muss. Dies er­gibt sich dar­aus, dass es sich um ei­nen ein­heit­li­chen Ab­gel­tungs­an­spruch han­delt, der nach der

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neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (je­den­falls bei Ar­beits­unfähig­keit des Ar­beit­neh­mers) le­dig­lich nicht mehr verfällt. Der Ab­lauf des Be­zugs- bzw. Über­tra­gungs­zeit­raums hat so­mit kei­ne Aus­wir­kun­gen auf den An­spruch, al­so auch nicht im Übri­gen. Der An­spruch behält sei­nen Cha­rak­ter. Es lässt sich nicht be­gründen, war­um es bis zum Ab­lauf des Über­tra­gungs­zeit­raums auf die theo­re­ti­sche Erfüll­bar­keit des Ur­laubs­an­spruchs bei Fort­be­ste­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses an­kom­men soll, da­nach je­doch nicht mehr. Die bis­her vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­tre­te­ne Theo­rie, der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch un­ter­lie­ge als Sur­ro­gat des Ur­laubs­an­spruchs – ab­ge­se­hen von der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses – den glei­chen Re­geln wie die­ser, ver­liert da­mit ih­ren Haupt­an­wen­dungs­fall und ist nach An­sicht der Kam­mer ins­ge­samt auf­zu­ge­ben. Sie wur­de ge­ra­de für die Fälle ent­wi­ckelt, in de­nen Ar­beit­neh­mer ar­beits­unfähig aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­schei­den (BAG, Ur­teil vom 23.06.1983 – 6 AZR 180/80). Be­deu­tung hat sie zwar auch in an­de­ren Fällen der theo­re­tisch nicht mögli­chen Ur­laubs­gewährung, aber auch auf die­se Fälle ist die Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs über­trag­bar, so­fern die Gründe, die der Ur­laubs­gewährung ent­ge­gen ste­hen, nur vom Wil­len des Ar­beit­neh­mers un­abhängig sind (vgl. Fie­berg, NZA 2009, 929, 933). Der Ge­set­zes­wort­laut spricht eben­falls nicht zwin­gend ge­gen ei­ne Auf­ga­be der bis­lang vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­tre­te­nen Theo­rie. § 7 Abs. 4 BUrlG sieht le­dig­lich vor, dass Ur­laub, der we­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ganz oder teil­wei­se nicht mehr gewährt wer­den kann, ab­zu­gel­ten ist. Hier­aus kann nicht zwin­gend ab­ge­lei­tet wer­den, dass Vor­aus­set­zung für die Ab­gel­tung ist, dass die Ur­laubs­gewährung al­lei­ne we­gen der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht mehr er­fol­gen kann. Der Ab­gel­tungs­an­spruch ist ein Zah­lungs­an­spruch, des­sen Erfüll­bar­keit an­de­ren Re­geln fol­gen kann als der Ur­laubs­an­spruch selbst (vgl. Rum­mel, AUR 2009, 160 f., 164). Aus die­sem Grun­de ist auch schwer nach­voll­zieh­bar, war­um die Erfüll­bar­keit ei­nes ein­mal ent­stan­de­nen Zah­lungs­an­spruchs von der hy­po­the­ti­schen Erfüll­bar­keit ei­nes An­spruchs auf Frei­zeit­gewährung abhängen soll. Auch die frühe­re Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts war da­von aus­ge­gan­gen, dass auch bei dau­ern­der
Ar­beits­unfähig­keit ein An­spruch auf Ab­gel­tung des zu­vor nicht gewähr­ten Ur­laubs be­ste­he (BAG, Ur­teil vom 06.06.1968 – 5 AZR 410/67). Der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch ist mit­hin als ein Geld­an­spruch an­zu­se­hen, der nicht mehr an die ur­laubs­recht­li­chen Vor­ga­ben ge­bun­den ist (so auch Ar­beits­ge­richt Re­gens­burg, Ur­teil vom 04.02.2010 – 8 Ca 1022/09; Düwell, Münche­ner Hand­buch für Ar­beits­recht, 3. Auf­la­ge 2009, § 80 Rn. 66; Schlach­ter, RdA-Bei­la­ge 2009, 31 f.; a. A. Dorn­busch/Ah­ner, NZA 2009, 180, 182).

3. Der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch der Kläge­rin un­terfällt auch ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten. Ob ein Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch Aus­schluss­fris­ten un­ter­fal­len kann, hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­letzt in sei­ner Ent­schei­dung vom 24.03.2009 (9 AZR 983/07, zi­tiert nach ju­ris, Rn. 77) aus­drück­lich of­fen ge­las­sen. In sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt dies je­doch aus zwei Gründen ab­ge­lehnt. Es be­gründe­te dies zum Ei­nen da­mit, dass ei­ne ta­rif­li­che Aus­schluss­frist den ge­setz­li­chen Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch nicht er­fas­sen könne, da die­ser un­ab­ding­bar sei (vgl. BAG, Ur­teil vom 20.05.2008 – 9 AZR 219/07 – zi­tiert nach ju­ris, Rn. 48; BAG, Ur­teil vom
24.03.1988 – 2 AZR 630/87 – un­ter Hin­weis auf BAG, Ur­teil vom 05.04.1984 – 6 AZR 443/81). Zum An­de­ren er­ge­be sich die Nicht­an­wend­bar­keit der Aus­schluss­fris­ten dar­aus, dass das Ge­setz in § 7 Abs. 3 BUrlG ei­genständi­ge Ver­fall­fris­ten vor­se­he (BAG, Ur­teil vom 20.01.2009 – 9 AZR 650/07 – zi­tiert nach ju­ris, Rn. 27; BAG, Ur­teil vom 24.11.1992 – 9 AZR
549/91). 

a. Das erst­ge­nann­te die­ser Ar­gu­men­te ver­mag nicht zu über­zeu­gen. Zwar ist der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch in Höhe des ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laubs un­ab­ding­bar
(BAG, Ur­teil vom 09.06.1998 - 9 AZR 43/97), aber auch ge­setz­lich un­ab­ding­ba­re Ansprüche können ei­ner Aus­schluss­frist un­ter­lie­gen. Dies hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt et­wa für den eben­falls gemäß § 12 EFZG un­ab­ding­ba­ren An­spruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall an­ge­nom­men. Das hierfür an­geführ­te Ar­gu­ment, die ta­rif­li­che Aus­schluss­frist be­tref­fe nicht den In­halt des An­spruchs son­dern des­sen Gel­tend­ma­chung und zeit­li­che Be­gren­zung (BAG, Ur­teil vom 16.01.2002 – 5 AZR

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230/00 – zi­tiert nach ju­ris, Rn. 20; ge­ne­rell zu Aus­schluss­fris­ten: BAG, Ur­teil vom 26.09.2007 - 5 AZR 881/06) trifft auch beim Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch zu.
b. Das zwei­te Ar­gu­ment kann hin­ge­gen nur durch­grei­fen, wenn man – nach An­sicht der Kam­mer un­zu­tref­fen­der­wei­se - wei­ter­hin an­nimmt, der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch ver­fal­le wie der Ur­laubs­an­spruch mit En­de des Ur­laubs­jah­res bzw. des Über­tra­gungs­zeit­raums, so­fern der Ar­beit­neh­mer ar­beitsfähig ist. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt geht in ständi­ger Recht­spre­chung da­von aus, dass der Ur­laubs­an­spruch auf das Ka­len­der­jahr be­fris­tet ist und gemäß § 7 Abs. 3 BUrlG bei Vor­lie­gen der dort ge­nann­ten Gründe auf das ers­te Vier­tel­jahr des Fol­ge­jah­res über­tra­gen wird, an­sons­ten je­doch verfällt (so schon BAG, Ur­teil vom 26.06.1969 – 5 AZR 393/68). Die Be­fris­tung des Ur­laubs­an­spruchs hat das Ge­richt dar­aus ab­ge­lei­tet, dass gemäß §§ 1, 7 Abs. 3 BUrlG je­der Ar­beit­neh­mer in je­dem Ka­len­der­jahr An­spruch auf be­zahl­ten Er­ho­lungs­ur­laub ha­be. Nach § 7 Abs. 3 BUrlG müsse der Ur­laub im lau­fen­den Ka­len­der­jahr gewährt und ge­nom­men wer­den. Der Ur­laubs­an­spruch be­ste­he im Ur­laubs­jahr, nicht je­doch für das Ur­laubs­jahr (BAG, Ur­teil vom 13.05.1982 – 6 AZR 360/80 – zi­tiert nach ju­ris, Rn. 13). Ursprüng­lich war das Bun­des­ar­beits­ge­richt noch da­von aus­ge­gan­gen, dass bei Unmöglich­keit der Ur­laubs­ver­wirk­li­chung im Ka­len­der­jahr in­fol­ge lang­dau­ern­der Ar­beits­unfähig­keit der Ur­laub oh­ne Be­schränkung auf die Drei­mo­nats­frist des § 7 Abs. 3 S. 3 BUrlG über­ge­he (BAG, Ur­teil vom 13.11.1969 – 5 AZR 82/69). Erst später ent­schied es, dass der Ur­laub auch im Fal­le der Ar­beits­unfähig­keit nach Ab­lauf der ers­ten drei Mo­na­te des Fol­ge­jah­res erlösche (BAG, Ur­teil vom 13.05.1982 – 6 AZR 360/80 – zi­tiert nach ju­ris, Rn. 15). Dem­ge­genüber nimmt die 12. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf in ständi­ger Recht­spre­chung an, dass der Ur­laubs­an­spruch über­haupt nicht be­fris­tet ist (vgl. LAG Düssel­dorf, Ur­teil vom 02.02.2009 – 12 Sa 486/06 – zi­tiert nach ju­ris Rn. 20 f. m. w. N.). Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat in sei­ner Ent­schei­dung vom 24.03.2009 (9 AZR 983/07, zi­tiert nach ju­ris, Rn. 62) kon­ze­diert, dass der Ver­fall des Ur­laubs­an­spruchs im Ge­set­zes­wort­laut nicht aus­drück­lich an­ge­legt und dem Ge­set­zes­zu­sam­men­hang nicht in ei­ner Wei­se zu ent­neh­men sind, die je­de an­de­re Aus­le­gung aus­sch­ließt. Erst Recht gilt dies aber für den Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch. § 7 Abs. 3 S. 1 BUrlG, aus dem die Be­fris­tung des Ur­laubs maßgeb­lich ab­ge­lei­tet wird, sieht nämlich nur vor, dass der Ur­laub im lau­fen­den Ka­len­der­jahr gewährt und ge­nom­men wer­den muss. Auf ei­nen Geld­an­spruch passt die­se For­mu­lie­rung nicht. Eben­so we­nig macht die Über­tra­gung des Ur­laubs auf das nächs­te Ka­len­der­jahr, die in § 7 Abs.3 S. 2 BUrlG für den Fall vor­ge­se­hen ist, dass drin­gen­de be­trieb­li­che oder in der Per­son des Ar­beit­neh­mers lie­gen­de Gründe dies recht­fer­ti­gen, bei ei­nem Zah­lungs­an­spruch Sinn, des­sen Erfüll­bar­keit un­abhängig von der Möglich­keit ist, im fort­be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis Ur­laub zu gewähren. Auch die Erwägun­gen, die dafür spre­chen können, den Ur­laubs­an­spruch selbst zu be­fris­ten, sind beim Ab­gel­tungs­an­spruch nicht ein­schlägig. Beim Ur­laubs­an­spruch macht ei­ne Be­fris­tung in­so­weit Sinn, als der Ar­beit­neh­mer durch sie an­ge­hal­ten wird, sei­nen Ur­laub im je­wei­li­gen Ur­laubs­jahr zu neh­men. Da­mit wird si­cher­ge­stellt, dass der An­spruch nicht über Jah­re an­gehäuft und so­mit der Zweck, dem Ar­beit­neh­mer re­gelmäßige Er­ho­lungs­pha­sen zu gewähren, gefähr­det wird. Beim Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch kann je­doch nur der Ur­laub ab­ge­gol­ten wer­den, der noch nicht ge­nom­men bzw. ver­fal­len ist. Wei­te­re Ur­laubs­ansprüche können nicht mehr hin­zu­tre­ten. Der Ar­beit­neh­mer muss auch nicht an­ge­hal­ten wer­den, den Ab­gel­tungs­an­spruch in­ner­halb ei­nes be­stimm­ten Zeit­raums zu ver­wirk­li­chen, da er das aus­zu­zah­len­de Geld zwar nut­zen kann, um sei­ne Frei­zeit da­mit zu be­strei­ten, dies je­doch nicht muss. Selbst wenn er sich dafür ent­schei­det, das Geld zur Frei­zeit­ge­stal­tung zu ver­wen­den, ist der Zeit­punkt der Ver­wen­dung un­abhängig vom Zeit­punkt der Aus­zah­lung durch den ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber. Die er­ken­nen­de Kam­mer ist da­her der Auf­fas­sung, dass der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch des Ar­beit­neh­mers nicht gemäß § 7 Abs. 3 BUrlG be­fris­tet ist und ab­ge­se­hen von den aus § 13 Abs. 1 BUrlG sich er­ge­ben­den Ein­schränkun­gen zu be­han­deln ist, wie je­der an­de­re Zah­lungs­an­spruch auch. Zu Recht wird da­her von ei­nem Teil der Li­te­ra­tur an­ge­nom­men, dass (je­den­falls ta­rif­ver­trag­li­che) Aus­schluss­fris­ten den

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Ab­gel­tungs­an­spruch zum Erlöschen brin­gen können (Gro­bys, NJW 2009, 2177, 2179; Gaul/Bo­nan­ni/Lud­wig, DB 2009, 1013, 1016; Schlach­ter, RdA-Bei­la­ge 2009, 31, 36; Bau­er/Ar­nold, NJW 2009, 631, 635; Gaul/ Jos­ten/Strauf, DB 2009, 497, 500; im Er­geb­nis wie hier auch Ar­beits­ge­richt Re­gens­burg, Ur­teil vom 04.02.2010 – 8 Ca 1022/09; a. A.: Zöller, Per­so­nal­buch 2009, Ur­laubs­ab­gel­tung, Rn. 7; Ar­beits­ge­richt Ber­lin, Ur­teil vom 22.04.2009 – 56 Ca 21280/08; für ei­nen Fall nur der über den ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub hin­aus­ge­hen­den An­spruch: Drei­er/Das­sau/Kie­fer /Thi­ves­sen, TV-L, Stand Ak­tua­li­sie­rung 6/2009, An­hang 1 zu § 26 TV-L, S. 119).
c. Ge­gen den Ver­fall des Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruchs, auch so­weit er den ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub be­trifft, spre­chen auch kei­ne eu­ro­pa­recht­li­chen Be­den­ken. Art. 7 der Richt­li­nie 2003/88/EG steht nämlich na­tio­na­len Re­ge­lun­gen nicht ent­ge­gen, die den Ar­beit­neh­mer ver­pflich­ten, sei­nen Min­des­t­ur­laub in­ner­halb ei­ner be­stimm­ten Zeit­span­ne gel­tend zu ma­chen. Da­bei spielt es eu­ro­pa­recht­lich kei­ne Rol­le, ob die na­tio­na­len Re­ge­lun­gen durch Ge­setz, Ta­rif­ver­trag oder Be­triebs­ver­ein­ba­rung oder Ar­beits­ver­trag ge­trof­fen wer­den. Wenn die­se Ge­stal­tungs­frei­heit be­reits für den Ur­laubs­an­spruch ein­geräumt wird, gilt sie ent­spre­chend auch für den Ab­gel­tungs­an­spruch. Vor­aus­set­zung ist nur, dass der Ar­beit­neh­mer als Fol­ge der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses den Ab­gel­tungs­an­spruch gel­tend ma­chen kann (wie hier: Gaul/Bo­nan­ni/Lud­wig, DB 2009, 1013, 1016; EuGH, Ur­teil vom 20.01.2009, a. a. O., Rn. 43).

4. Da die Kläge­rin ih­ren mit Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses zum 31.03.2008 fällig ge­wor­de­nen Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch nicht bin­nen sechs Mo­na­ten nach Fällig­keit gel­tend ge­macht hat, ist der An­spruch gemäß § 37 Abs. 1 TV-L, der al­le Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis er­fasst, ver­fal­len.
5. Hier­ge­gen spre­chen auch kei­ne Ver­trau­ens­schutz­ge­sichts­punk­te. In sei­nem Ur­teil vom 24.03.2009 (9 AZR 983/07, a. a. O., Rn. 69 f.) hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt er­wo­gen, Ar­beit­ge­bern im Hin­blick auf die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung, nach der Ur­laubs­ansprüche nach Ab­lauf des Über­tra­gungs­zeit­raums ver­fie­len, Ver­trau­ens­schutz zu gewähren, die­sen Schutz je­doch für bei Be­kannt­wer­den des Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 02.08.2006 in der Sa­che S (12 Sa 486/06, LA­GE Bun­des­ur­laubs­ge­setz § 7 Nr. 43) noch nicht ver­fal­le­ne Ur­laubs­ansprüche ab­ge­lehnt. Be­stand ab die­sem Zeit­punkt kein Grund mehr, auf den Fort­be­stand der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung zu ver­trau­en, gilt das Glei­che für das Ein­grei­fen von ein­zel­ver­trag­li­chen oder ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten (vgl. Gro­bys, NJW 2009, 2177, 2179). Ge­gen ei­ne Gewährung von Ver­trau­ens­schutz zu­guns­ten der Kläge­rin spricht zu­dem, dass ihr durch die Ände­rung der Recht­spre­chung nichts ge­nom­men wird, was ihr bei Fort­be­ste­hen der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung zu­ge­stan­den hätte. Auch dann wären nämlich die Ur­laubs­ansprüche für 2007 und 2008 auf­grund ih­rer fort­dau­ern­den Ar­beits­unfähig­keit, wenn auch nicht nach § 37 Abs. 1 TV-L, son­dern nach § 26 TV-L mit Ab­lauf des 31.05.2008 bzw. 31.05.2009 ver­fal­len.
6. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten war da­her das Ur­teil ab­zuändern und die Kla­ge ins­ge­samt ab­zu­wei­sen, während die An­schluss­be­ru­fung der Kläge­rin un­be­gründet ist.

II. Die Kos­ten­ent­schei­dung er­geht gemäß § 64 Abs. 6 ArbGG in Ver­bin­dung mit § 91 ZPO.

III. Die Re­vi­si­on war gemäß § 72 Abs. 2 Zif­fern 1 und 2 zu­zu­las­sen, da die Sa­che zum Ei­nen grundsätz­li­che Be­deu­tung hat und zum An­de­ren die Ent­schei­dung von der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ab­weicht.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der kla­gen­den Par­tei 

RE­VISION

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ein­ge­legt wer­den.

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich beim

Bun­des­ar­beits­ge­richt Hu­go-Preuß-Platz 1

99084 Er­furt

Fax: 0361 2636 2000 ein­ge­legt wer­den.

Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

1. Rechts­anwälte,
2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
3. ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Nr. 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung der Mit­glie­der die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on oder ei­nes an­de­ren Ver­ban­des oder Zu­sam­men­schlus­ses mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Re­vi­si­ons­schrift un­ter­zeich­nen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

Ei­ne Par­tei die als Be­vollmäch­tig­ter zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten. 

* ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.

Dr. Rech

Reint­gen

Reu­ber

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zur Übersicht 12 Sa 1448/09  

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