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Ur­laubs­ab­gel­tung und Aus­schluss­fris­ten

Nach lan­ger Krank­heit an­ge­sam­mel­te Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­sprü­che wer­den im Aus­schei­dens­zeit­punkt fäl­lig und un­ter­lie­gen ar­beits- und ta­rif­ver­trag­li­chen Aus­schluss­fris­ten: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 09.08.2011, 9 AZR 352/10
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16.08.2011. Ar­beit­neh­mer, die über Jah­re ar­beits­un­fä­hig krank sind, dür­fen we­gen des Grund­satz­ur­teils des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs (EuGH) vom 20.01.2009 (C-350/06 - Schultz-Hoff) ih­ren Ur­laubs­an­spruch für die Zeit der Er­kran­kung nicht ver­lie­ren.

Die­sen Grund­satz hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) um­ge­hend für das deut­sche Ar­beits­recht über­nom­men (BAG, Ur­teil vom 24.03.2009, 9 AZR 983/07).

Da­her wächst der Ur­laubs­an­spruch im Lau­fe ei­ner lan­gen Krank­heit im­mer wei­ter an, und mit ihm auch der An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung, wenn das Ar­beits­ver­hält­nis schließ­lich be­en­det wird. Dann kom­men auf den Ar­beit­ge­ber oft ho­he Zah­lungs­pflich­ten zu.

Frag­lich ist, ob ar­beits­ver­trag­li­che, ta­rif­ver­trag­li­che oder in Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en (AVR) ent­hal­te­ne Aus­schluss­fris­ten den An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung zu­nich­te ma­chen, wenn der Ar­beit­neh­mer die Fris­ten nicht ein­hält. Das war nach der vor dem Schultz-Hoff-Ur­teil gel­ten­den Recht­spre­chung des BAG nicht der Fall, da das BAG den Ab­gel­tungs­an­spruch als eben­so zwin­gend an­sah wie den ge­setz­li­chen Ur­laubs­an­spruch selbst. Nun hat das BAG sei­ne Mei­nung ge­än­dert (BAG, Ur­teil vom 09.08.2011, 9 AZR 352/10).

Ei­ne Kran­ken­schwes­ter war von Ok­to­ber 2006 zur Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­ver­hält­nis­ses En­de März 2008 ar­beits­un­fä­hig er­krankt. Erst im Fe­bru­ar 2009 ver­lang­te sie von ih­rem Ex-Ar­beit­ge­ber schrift­lich Ur­laubs­ab­gel­tung im Um­fang von 35 Ta­gen für 2007 so­wie von 8,75 Ta­ge für 2008. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln wies die Kla­ge ab, da die Ar­beit­neh­me­rin die ta­rif­ver­trag­li­che Aus­schluss­frist von sechs Mo­na­ten nicht ein­ge­hal­ten hat­te (Ur­teil vom 20.04.2010, 12 Sa 1448/09). So sah das auch das BAG.

Fa­zit: Auch wenn Ar­beit­neh­mer bei Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses krank sind und den Ur­laub in Na­tur nicht neh­men könn­ten, wird der An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung so­fort fäl­lig und un­ter­liegt ein­zel- und ta­rif­ver­trag­li­chen Aus­schluss­fris­ten. Er ist da­mit als rei­ner Geld­an­spruch schwä­cher als der zwin­gen­de Ur­laubs­an­spruch selbst. Ar­beit­neh­mer, die nach lan­ger Krank­heit aus dem Ar­beits­ver­hält­nis aus­schei­den, müs­sen da­her in­ner­halb der für sie gel­ten­den Aus­schluss­fris­ten Ur­laubs­ab­gel­tung ver­lan­gen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­grün­de schrift­lich ab­ge­fasst und ver­öf­fent­licht. Die Ent­schei­dungs­grün­de im Voll­text fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 12. August 2016

Bewertung: Ur­laubs­ab­gel­tung und Aus­schluss­fris­ten 5.0 von 5 Sternen (1 Bewertung)

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