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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Urlaubsanspruch, Teilzeit
   
Gericht: Arbeitsgericht Nienburg
Akten­zeichen: 2 Ca 257/12 Ö
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 19.12.2013
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen:
   

AR­BEITS­GERICHT NIEN­BURG

Ge­richts­an­ge­stell­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

2 Ca 257/12 Ö

IM NA­MEN DES VOL­KES

SCHLUSSUR­TEIL

In dem Rechts­streit

Kläge­rin,

Proz.-Bev.:

ge­gen

be­klag­tes Land,

Proz.-Bev.:

hat die 2. Kam­mer des Ar­beits­ge­richts Nien­burg

auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 19. De­zem­ber 2013

durch den

den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin als Bei­sit­zer

für Recht er­kannt:

1. Es wird fest­ge­stellt, dass die Kläge­rin aus den Jah­ren 2010 und 2011 ei­nen rest­li­chen Ur­laubs­an­spruch von wei­te­ren 12 Ur­laubs­ta­gen hat.

2. Die Kos­ten des Rechts­streits ha­ben die Kläge­rin zu 29,3 % und das be­klag­te Land zu 70,7 % zu tra­gen.

3. Der Streit­wert wird auf 1.161,12 Eu­ro fest­ge­setzt.

4. Die Be­ru­fung wird zu­ge­las­sen.

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Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten noch darüber, ob der Kläge­rin aus den Jah­ren 2010 und 2011 ein Ur­laubs­an­spruch von 12 Ar­beits­ta­gen zu­steht.

Die im Jahr 1984 ge­bo­re­ne Kläge­rin ist bei dem be­klag­ten Land seit dem 01. April 2009 beschäftigt. Die Par­tei­en ver­ein­bar­ten ein Voll­zeit­ar­beits­verhält­nis, das zunächst bis zum 31. März 2011 be­fris­tet war (An­la­ge K 2 zur Kla­ge­schrift vom 28. Ju­ni 2012, BI. 8 u. 9 d. A.); mit Ver­ein­ba­rung vom 29. Sep­tem­ber 2009 wur­de das be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis mit so­for­ti­ger Wir­kung in ein un­be­fris­te­tes um­ge­wan­delt (An­la­ge K 3 zur Kla­ge­schrift vom 28. Ju­ni 2012, Bl. 10 u. 11 d. A.). Das Ar­beits­verhält­nis rich­tet sich gemäß den Ver­ein­ba­run­gen nach dem Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst der Länder vom 12. Ok­to­ber 2006 (TV-L) in der je­wei­li­gen Fas­sung.

Im Jahr 2010 trat bei der Kläge­rin ei­ne Schwan­ger­schaft ein. Während der Schwan­ger­schaft un­ter­lag die Kläge­rin ei­nem Beschäfti­gungs­ver­bot. Am 22. De­zem­ber 2010 ge­bar die Kläge­rin ein Kind. im An­schluss an die Zeit des Mut­ter­schut­zes nahm die Kläge­rin ab dem 17. Fe­bru­ar 2011 bis zum 21. De­zem­ber 2011 El­tern­zeit in An­spruch.

Am 13. Sep­tem­ber 2011 ver­ein­bar­ten die Par­tei­en, dass die Kläge­rin in der Zeit vom 22. Sep­tem­ber 2011 bis zum 21. De­zem­ber 2013 als Teil­zeit­beschäftig­te mit 1/2 der durch­schnitt­li­chen re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit ei­ner ent­spre­chend Voll­beschäftig­ten bei dem be­klag­ten Land beschäftigt wer­de (An­la­ge K 1 zur Kla­ge­schrift vom 28.06.2012, Bl. 6 u. 7 d. A.). Die La­ge der ver­rin­ger­ten Ar­beits­zeit ist in die­ser Ände­rungs­ver­ein­ba­rung nicht fest­ge­legt. Tatsächlich wird die Kläge­rin von dem be­klag­ten Land seit der Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit an 3 Ta­gen in der Ka­len­der­wo­che beschäftigt. Sie erhält hierfür zu­letzt ei­ne mo­nat­li­che Vergütung in Höhe von 1.257,88 Eu­ro brut­to.

Im Jahr 2010 konn­te die Kläge­rin auf­grund ih­rer Schwan­ger­schaft und des da­mit zu­sam­menhängen­den Beschäfti­gungs­ver­bo­tes bzw. auf­grund der Zei­ten des Mut­ter­schut­zes ei­nen auf der Grund­la­ge ih­rer voll­zei­ti­gen Beschäfti­gung er­rech­ne­ten Ur­laubs­rest in Höhe von 22 Ar­beits­ta­gen nicht neh­men. Für das Jahr 2011 er­gibt sich auf der Grund­la­ge der ver­trag­lich bis zum 21. De­zem­ber 2011 wei­ter­be­ste­hen­den Ver­ein­ba­rung ei­ner voll­zei­ti­gen Beschäfti­gung ein Ur­laubs­an­spruch von 7 Ar­beits­ta­gen.

Die Kläge­rin ist der Auf­fas­sung, ihr stünden wei­ter­hin 29 Ar­beits­ta­ge Ur­laub aus den Jah­ren 2010 und 2011 zu. Die Ände­rung ih­rer Ar­beits­be­din­gun­gen in ein Teil­zeit­ar­beits­verhält­nis führe nicht da­zu, dass ihr er­wor­be­ner Al­t­ur­laubs­an­spruch zu quo­tie­ren sei. Die Um­rech­nungs­re-

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ge­lun­gen nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts für Al­t­ur­laub bei Über­gang von ei­nem Voll­zeit- in ein Teil­zeit­ar­beits­verhält­nis sei­en uni­ons­rechts­wid­rig.

Die Kläge­rin hat mit ih­rer am 04. Ju­li 2012 dem be­klag­ten Land zu­ge­stell­ten Kla­ge ursprüng­lich den An­trag an­gekündigt, fest­zu­stel­len, dass sie aus den Jah­ren 2010 und 2011 ei­nen rest­li­chen Ur­laubs­an­spruch von 29 Ar­beits­ta­gen hat. Im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung vor der Kam­mer vom 19. De­zem­ber 2013 ha­ben die Par­tei­en ei­nen Teil­ver­gleich darüber ge­schlos­sen, dass die Kläge­rin aus den Jah­ren 2010 und 2011 zu­min­dest ei­nen Ur­laubs­an­spruch von 13 bzw. 4 (= ins­ge­samt 17) Ar­beits­ta­gen hat, so­weit die­ser nicht be­reits gewährt und ge­nom­men wor­den ist. Die Kläge­rin be­an­tragt zu­letzt,

fest­zu­stel­len, dass sie aus den Jah­ren 2010 und 2011 ei­nen rest­li­chen Ur­laubs­an­spruch von wei­te­ren 12 Ar­beits­ta­gen hat.

Das be­klag­te Land be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Es ver­tritt — un­ter an­de­rem un­ter Be­ru­fung auf die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts — die Auf­fas­sung, der in den Jah­ren 2010 und 2011 er­wor­be­ne Ur­laubs­an­spruch sei auf­grund des Wech­sels von Voll- in Teil­zeit zu quo­tie­ren. Hier­zu sei die An­zahl der wöchent­li­chen Ar­beits­ta­ge vor und nach der Ver­tragsände­rung ins Verhält­nis zu set­zen. Das be­klag­te Land macht fol­gen­de Rech­nung auf: 29 Ta­ge Ur­laub ge­teilt durch 5 Ar­beits­ta­ge mal 3 Ar­beits­ta­ge er­gibt 17,4 Ta­ge Ur­laub. Da­mit ste­he der Kläge­rin — ent­spre­chend der Re­ge­lung im ge­richt­li­chen Teil­ver­gleich — ein Rest­ur­laubs­an­spruch von nur 17 Ar­beits­ta­gen zu.

Die Kam­mer hat den Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on (im Fol­gen­den: EuGH) mit Be­schluss vom 04. Sep­tem­ber 2012 (BB 2012, 3080 = LA­GE § 4 Tz­B­fG Nr. 8) um Vor­ab­ent­schei­dung gemäß Ar­ti­kel 267 des Ver­tra­ges über die Ar­beits­wei­se der Eu­ropäischen Uni­on (AEUV) über fol­gen­de Fra­ge er­sucht:

„Ist das ein­schlägi­ge Uni­ons­recht, ins­be­son­de­re § 4 Nr. 1 u. 2 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit im An­hang der Richt­li­nie 97/81 zu der von UN­ICE, CEEP und EGB ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit in der durch die Richt­li­nie 98/23 geänder­ten Fas­sung, da­hin aus­zu­le­gen, dass es na­tio­na­len ge­setz­li­chen oder ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen oder Ge­pflo­gen­hei­ten ent­ge­gen­steht, nach der bei ei­ner mit der Ände­rung der Zahl der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit ver­bun­de­ne Ände­rung des Beschäfti­gungs­maßes ei­nes Ar­beit­neh­mers das Aus­maß des noch nicht ver­brauch­ten An­spruchs auf Er­ho­lungs­ur­laub, des­sen Ausübung dem Ar­beit­neh­mer im Be­zugs­zeit­raum nicht möglich war, in der Wei­se an­ge­passt wird, dass der in Wo­chen

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aus­ge­drück­te Ur­laubs­an­spruch der Höhe nach zwar gleich bleibt, je­doch hier­bei der in Ta­gen aus­ge­drück­te Ur­laubs­an­spruch auf das neue Beschäfti­gungs­aus­maß um­ge­rech­net wird?"

Der EuGH hat mit Be­schluss vom 13. Ju­ni 2013 (-C-415/12, EzA Richt­li­nie 97/81 EG-Ver­trag 1999 Nr. 2) er­kannt:

„Das ein­schlägi­ge Uni­ons­recht, ins­be­son­de­re Art. 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 4. No­vem­ber 2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung und Pa­ra­graf 4 Nr. 2 der am 6. Ju­ni 1997 ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit im An­hang der Richt­li­nie 97/81 EG des Ra­tes vom 15. De­zem­ber 1997 zu der von UN­ICE, CEEP und EGB ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit in der durch die Richt­li­nie 98/23 EG des Ra­tes vom 7. April 1998 geänder­ten Fas­sung, ist da­hin aus­zu­le­gen, dass es na­tio­na­len Be­stim­mun­gen oder Ge­pflo­gen­hei­ten wie den im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen­steht, nach de­nen die Zahl der Ta­ge be­zahl­ten Jah­res­ur­laubs, die ein voll­zeit­beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer im Be­zugs­zeit­raum nicht in An­spruch neh­men konn­te, we­gen des Über­gangs die­ses Ar­beit­neh­mers zu ei­ner Teil­zeit­beschäfti­gung ent­spre­chend dem Verhält­nis gekürzt wird, in dem die von ihm vor die­sem Über­gang ge­leis­te­te Zahl der wöchent­li­chen Ar­beits­ta­ge zu der da­nach ge­leis­te­ten Zahl steht."

We­gen der Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die Schriftsätze, Pro­to­kol­le und an­de­ren Un­ter­la­gen ver­wie­sen.

Ent­schei­dungs­gründe

A. Die zulässi­ge Kla­ge ist be­gründet. Der Kläge­rin sind we­gen des in den Jah­ren 2010 und 2011 zwar ent­stan­de­nen, aber nicht voll erfüll­ten Ur­laubs­an­spruchs noch wei­te­re 12 Ur­laubs­ta­ge zu gewähren.

I. Die Fest­stel­lungs­kla­ge ist zulässig. Die Kläge­rin hat ein recht­li­ches In­ter­es­se dar­an, durch das Ge­richt fest­stel­len zu las­sen, ob ihr für die Jah­re 2010 und 2011 noch Ur­laub zu­steht (§ 256 Abs. 1 ZPO). Die Fest­stel­lungs­kla­ge ist nicht we­gen des Vor­rangs der Leis­tungs­kla­ge un­zulässig (vgl. BAG, Urt. v. 10. Ju­li 2012 - 9 AZR 11/11, AP BUrIG § 7 Nr. 60; BAG, Urt. v. 12. April 2011 - 9 AZR 80/10, AP BUrlG § 7 Nr. 50).

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11. Die Kla­ge ist be­gründet. Das be­klag­te Land ist gemäß § 275 Abs. 1 und Abs. 4, § 280 Abs. 1 und Abs. 3, § 283 Satz 1, § 286 Abs. 2 Nr. 3, § 287 Satz 2, § 249 Abs. 1 BGB ver­pflich­tet, der Kläge­rin 12 Ar­beits­ta­ge Er­satz­ur­laub für ver­fal­le­nen Ur­laub aus den Jah­ren 2010 und 2011 zu gewähren.

1. Hat der Ar­beit­ge­ber vom Ar­beit­neh­mer recht­zei­tig ver­lang­ten Ur­laub nicht gewährt, wan­delt sich der im Ver­zugs­zeit­raum ver­fal­le­ne Ur­laubs­an­spruch in ei­nen auf Gewährung von Er­satz­ur­laub als Na­tu­ral­re­sti­tu­ti­on ge­rich­te­ten Scha­dens­er­satz­an­spruch um (BAG, Urt. v. 06. Au­gust 2013 - 9 AZR 956/11, ju­ris; BAG, Urt. v. 14. Mai 2013 - 9 AZR 760/11, DB 2013, 2155).

2. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen im Streit­fall vor. Der Kläge­rin stan­den aus den Jah­ren 2010 und 2011 die streit­ge­fan­ge­nen 9 bzw. 3 Ar­beits­ta­ge als Ur­laub zu. Die­ser Ur­laub ver­fiel mit Ab­lauf des 31. De­zem­ber 2012. Zu die­sem Zeit­punkt be­fand sich das be­klag­te Land mit der Ur­laubs­gewährung in Ver­zug.

a) Während des Voll­zeit­ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin ist im Jahr 2010 ein Ur­laubs­an­spruch von 22 Ar­beits­ta­gen und im Jahr 2011 von 7 Ar­beits­ta­gen ent­stan­den. Da die Par­tei­en über den Um­fang der Ent­ste­hung die­ses Ur­laubs­an­spru­ches nicht strei­ten, be­darf es hierüber kei­ner Erwägun­gen der Kam­mer.

b) Die Par­tei­en ha­ben durch ge­richt­li­chen Teil­ver­gleich vom 19. De­zem­ber 2013 ge­re­gelt, dass die Kläge­rin aus dem Jahr 2010 zu­min­dest noch ei­nen Ur­laubs­an­spruch von 13 Ar­beits­ta­gen und aus dem Jahr 2011 von 4 Ar­beits­ta­gen hat, so­weit die­ser nicht be­reits gewährt und ge­nom­men wor­den ist. Über den im ge­richt­li­chen Teil­ver­gleich ge­re­gel­ten Ur­laubs­an­spruch hin­aus stand der Kläge­rin aus dem Jahr 2010 ein wei­te­rer Ur­laubs­an­spruch von 9 Ar­beits­ta­gen und aus dem Jahr 2011 von 3 Ar­beits­ta­gen zu. Der Um­fang des Ur­laubs­an­spru­ches hat sich durch das im Zeit­raum vom 22. De­zem­ber 2011 bis zum 21. De­zem­ber 2013 ver­ein­bar­te Teil­zeit­ar­beits­verhält­nis und die da­mit ein­her­ge­hen­de Ände­rung der Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit von 5 auf 3 Ar­beits­ta­ge in ei­ner Ka­len­der­wo­che nicht verkürzt.

aa) Das be­klag­te Land stützt sich für sei­ne ent­ge­gen­ste­hen­de Auf­fas­sung un­ter an­de­rem auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts. Die­ses ist bis­her da­von aus­ge­gan­gen, dass sich bei ei­ner Ände­rung der Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit auf we­ni­ger Ar­beits­ta­ge in ei­ner Ka­len­der­wo­che im Ver­lauf ei­nes Ka­len­der­jah­res die Dau­er des dem Ar­beit­neh­mer zu­ste­hen­den Ur­laubs ent­spre­chend verkürzt (vgl. BAG, Urt. v. 28. April 1998 - 9 AZR 314/97, AP BUrIG § 3 Nr. 7).

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bb) Ei­ne sol­che Verkürzung.. wi­der­spricht Uni­ons­recht. Das folgt aus dem Be­schluss des EuGH vom 13. Ju­ni 2013 (-C-415/12, a. a. 0.). Dort hat der EuGH in Aus­le­gung von Art. 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 4. No­vem­ber 2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung (ABI. EU Nr. L 299 vom 18. No­vem­ber 2003, S. 9) und § 4 Nr. 2 des An­hangs zu der Richt­li­nie 97/81/EG des Ra­tes vom 15. De­zem­ber 1997 zu der von UN­ICE, CEEP und EGB ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ei­ni­gung über Teil­zeit­ar­beit (ABI. EG Nr. L 14 vom 20. Ja­nu­ar 1998, S. 9) in der durch die Richt­li­nie 98/23/EG des Ra­tes vom 7. April 1998 (ABI. EG Nr. L 131 vom 5. Mai 1998, S. 10) geänder­ten Fas­sung im Rah­men der Vor­ab­ent­schei­dung nach Art. 267 AEUV der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ent­ge­gen­ste­hen­de Rechtssätze auf­ge­stellt. Die­se Aus­le­gungs­er­geb­nis­se sind für die Kam­mer in­halt­lich ver­bind­lich. Der EuGH ist als ge­setz­li­cher Rich­ter i. S. v. Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG zur endgülti­gen Ent­schei­dung über die Aus­le­gung des Uni­ons­rechts be­ru­fen (vgl. BVerfG, Be­schl. v. 22. Ok­to­ber 1986 - 2 BvR 197/83 - [So­lan­ge II], BVerfGE 73, 339).

c) Der Ur­laubs­an­spruch der Kläge­rin aus den Jah­ren 2010 und 2011 ver­fiel mit Ab­lauf des 31. De­zem­ber 2012.

aa) Hat ei­ne Ar­beit­neh­me­rin ih­ren Ur­laub vor Be­ginn ei­nes mut­ter­schutz­recht­li­chen Beschäfti­gungs­ver­bo­tes nicht oder nicht vollständig er­hal­ten, so kann sie gemäß § 17 Abs. 2 Satz 2 MuSchG nach Ab­lauf der Fris­ten den Rest­ur­laub im lau­fen­den oder im nächs­ten Ur­laubs­jahr be­an­spru­chen. Der Ur­laubs­an­spruch aus dem Jahr 2010 stand der Kläge­rin vor Be­ginn ih­res Beschäfti­gungs­ver­bo­tes zu. Nach­dem die Kläge­rin die War­te­zeit von 6 Mo­na­ten (§ 4 BUrIG i. V. m. § 26 Abs. 2 TV-L) erfüllt hat­te, ist die­ser Ur­laubs­an­spruch be­reits am 01. Ja­nu­ar 2010 ent­stan­den (vgl. BAG, Urt. v. 24. Ok­to­ber 2006 - 9 AZR 669/05, AP SGB IX § 125 Nr. 1). Ein Ver­fall des Ur­laubs­an­spruchs ist nicht mit Ab­lauf der Fris­ten des § 7 Abs. 3 BUrIG V. m. § 26 Abs. 1 und Abs. 2 a) TV-L) ein­ge­tre­ten, da § 17 Abs. 2 Satz 2 MuSchG ei­ne ge­setz­li­che Son­der­reg­lung enthält, die der Ver­falls­vor­schrift des § 7 Abs. 3 BUrIG und den ent­spre­chen­den ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen vor­geht (vgl. LAG Rhein­land-Pfalz, Urt. v. 29. Ja­nu­ar 2009 - 11 Sa 547/08, ju­ris; ErfK/Schlach­ter, 14. Aufl., § 17 MuSchG Rn. 1). Der auf Grund des mut­ter­schutz­recht­li­chen Beschäfti­gungs­ver­bots nach § 17 Abs. 2 Satz 2 MuSchG über­tra­ge­ne Ur­laub aus dem Jahr 2010 ist da­nach erst mit Ab­lauf des auf das En­de des Beschäfti­gungs­ver­bots am 16. Fe­bru­ar 2011 fol­gen­den Ur­laubs­jah­res und so­mit mit Ab­lauf des 31. De­zem­ber 2012 ver­fal­len.

bb) Hat ein Ar­beit­neh­mer den ihm zu­ste­hen­den Ur­laub vor dem Be­ginn der El­tern­zeit nicht oder nicht vollständig er­hal­ten, so hat der Ar­beit­ge­ber nach § 17 Abs. 2 BEEG den Rest­ur­laub nach der El­tern­zeit im lau­fen­den oder im nächs­ten Ur­laubs­jahr zu gewähren. Der Ur­laubsan-

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spruch aus dem Jahr 2011 stand der Kläge­rin vor Be­ginn ih­rer El­tern­zeit am 17. Fe­bru­ar 2011 zu. Die­ser Ur­laubs­an­spruch ist be­reits am 01. Ja­nu­ar 2011 ent­stan­den. Er ist nicht mit Ab­lauf der Fris­ten des § 7 Abs. 3 BUrIG V. m. § 26 Abs. 1 und Abs. 2 a) TV-L) ver­fal­len, da § 17
Abs. 2 BEEG als ge­setz­li­che Son­der­reg­lung der Ver­falls­vor­schrift des § 7 Abs. 3 BUrIG und den ent­spre­chen­den ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen vor­geht (vgl. BAG, Urt. v. 25. Ja­nu­ar 1994 - 9 AZR 312/92, AP BUr1G § 7 Nr. 16). Der auf Grund der El­tern­zeit nach § 17 Abs. 2 BEEG über­tra­ge­ne Ur­laub aus dem Jahr 2011 ist da­nach erst mit Ab­lauf des auf das En­de der El­tern­zeit am 21. De­zem­ber 2011 fol­gen­den Ur­laubs­jah­res und so­mit mit Ab­lauf des 31. De­zem­ber 2012 ver­fal­len.

d) Als der Ur­laubs­an­spruch der Kläge­rin aus den Jah­ren 2010 und 2011 ver­fiel, be­fand sich das be­klag­te Land mit der Ur­laubs­gewährung in Ver­zug.

aa) Spätes­tens mit der am 04. Ju­li 2012 zu­ge­stell­ten Kla­ge hat die Kläge­rin ih­re Ur­laubs­ansprüche gel­tend ge­macht (vgl. BAG, Urt. v. 12. April 2011 - 9 AZR 80/10, AP BUrIG § 7 Nr. 50).

bb) Oh­ne dass es ei­ner Mah­nung be­durf­te, trat der Ver­zug nach § 286 Abs. 2 Nr. 3 BGB ein, weil das be­klag­te Land die Erfüllung der streit­be­fan­ge­nen Ur­laubs­ansprüche ernst­haft und endgültig ver­wei­ger­te. Das be­klag­te Land hat je­den­falls mit dem An­trag auf Kla­ge­ab­wei­sung vom 09. Ju­li 2012 und so­mit in dem Zeit­raum vor dem Ver­fall des Ur­laubs­an­spru­ches aus den Jah­ren 2010 und 2011 zu er­ken­nen ge­ge­ben, die streit­be­fan­ge­nen 12 Ur­laubs­ta­ge nicht gewähren zu wol­len. Dar­in lag sei­ne ernst­haf­te und endgülti­ge Erfüllungs­ver­wei­ge­rung als Schuld­ner des Ur­laubs­an­spruchs, die gemäß § 286 Abs. 2 Nr. 3 BGB ei­ne Mah­nung der Kläge­rin ent­behr­lich mach­te (vgl. BAG, Ur­teil vom 20. März 2012 - 9 AZR 529/10, AP TVöD § 26 Nr. 2; BAG, Urt. v. 17. Mai 2011 - 9 AZR 197/10, EzA TVG § 4 Me­tall­in­dus­trie Nr. 138; BAG, Urt. v. 31. Ja­nu­ar 1991 - 8 AZR 462/89, EEK 1/1058).

e) Wird es dem Ar­beit­ge­ber während des Ver­zugs in­fol­ge der Be­fris­tung des Ur­laubs­an­spruchs unmöglich, dem Ar­beit­neh­mer Ur­laub zu gewähren, rich­tet sich der Scha­dens­er­satz­an­spruch des Ar­beit­neh­mers bei fort­be­ste­hen­dem Ar­beits­verhält­nis gemäß § 249 Abs. 1 BGB auf die Gewährung von Er­satz­ur­laub (BAG, Urt. v. 14. Mai 2013 - 9 AZR 760/11, a. a. 0.). Dem­zu­fol­ge hat das be­klag­te Land der Kläge­rin 9 Ar­beits­ta­ge Er­satz­ur­laub für ver­fal­le­nen Ur­laub aus dem Jahr 2010 so­wie 3 Ar­beits­ta­ge Er­satz­ur­laub für ver­fal­le­nen Ur­laub aus dem Jahr 2011 und so­mit ins­ge­samt 12 Er­satz­ur­laubs­ta­ge zu gewähren.

B. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 46 Abs. 2 Satz 1 ArbGG i. V. m. § 92 Abs. 1, § 98 ZPO, wo­bei bei ei­nem Gebühren­streit­wert in Höhe von ins­ge­samt 2.806,04 Eu­ro (1.257,88

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Eu­ro mal 3 Mo­na­te ge­teilt durch 39 Ar­beits­ta­ge mal 29 Ar­beits­ta­ge Ur­laub) die Par­tei­en hin-sicht­lich des durch den ge­richt­li­chen Teil­ver­gleich ge­re­gel­ten Streit­ge­gen­stan­des je­weils mit dem hal­ben Kos­ten­an­teil und das be­klag­te Land hin­sicht­lich des wei­ter­ge­hen­den Streit­ge-gen­stan­des auf­grund des Un­ter­lie­gens im Schlus­s­ur­teil voll­umfäng­lich zu be­las­ten wa­ren. Die Streit­wer­tent­schei­dung be­ruht auf § 61 Abs. 1 ArbGG i. V. m. § 3 ZPO. Da die Rechts­sa­che grundsätz­li­che Be­deu­tung hat, war die Be­ru­fung gemäß § 64 Abs. 3 Nr. 1 ArbGG zu­zu­las­sen.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil kann Be­ru­fung ein­ge­legt wer­den.

Die Be­ru­fungs­schrift muss von ei­nem bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein; an sei­ne Stel­le können Ver­tre­ter der Ge­werk­schaf­ten oder von Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern oder von Zu­sam­men­schlüssen sol­cher Verbände tre­ten, wenn sie kraft Sat­zung oder Voll­macht zur Ver­tre­tung be­fugt sind und der Zu­sam­men­schluss, der Ver­band oder de­ren Mit­glie­der Par­tei sind.

Die Be­ru­fungs­schrift muss bin­nen ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat nach Zu­stel­lung des Ur­teils bei dem

Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Sie­mens­s­traße 10, 30173 Han­no­ver

ein­ge­gan­gen sein.

Die Be­ru­fungs­schrift muss das Ur­teil be­zeich­nen, ge­gen das die Be­ru­fung ge­rich­tet ist und die Erklärung ent­hal­ten, dass ge­gen die­ses Ur­teil Be­ru­fung ein­ge­legt wer­de. Ihr soll fer­ner ei­ne Aus­fer­ti­gung oder be­glau­big­te Ab­schrift des an­ge­foch­te­nen Ur­teils bei­gefügt wer­den.

Die Be­ru­fung ist gleich­zei­tig oder in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung des Ur­teils in glei­cher Form zu be­gründen.

Die für die Zu­stel­lung an die Ge­gen­sei­te er­for­der­li­che Zahl von be­glau­big­ten Ab­schrif­ten soll mit der Be­ru­fungs- bzw. Be­gründungs­schrift ein­ge­reicht wer­den.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt bit­tet dar­um, die Be­ru­fungs­be­gründung und die Be­ru­fungs­er­wi­de­rung in fünf­fa­cher Aus­fer­ti­gung, für je­den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ein Ex­em­plar mehr, ein­zu­rei­chen.

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