Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Betriebsänderung, Kündigung, Sozialauswahl
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 2 AZR 773/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 23.02.2012
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Landesarbeitsgericht Hamm - 18 Sa 139/10
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

2 AZR 773/10
18 Sa 139/10
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Hamm

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

23. Fe­bru­ar 2012

UR­TEIL

Schmidt, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Kläge­rin, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 23. Fe­bru­ar 2012 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Kreft, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ey­lert, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Ber­ger so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Cla­es und Wolf für Recht er­kannt:


- 2 -

1. Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 7. Ju­li 2010 - 18 Sa 139/10 - auf­ge­ho­ben.

2. Die Sa­che wird zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung, auch über die Kos­ten der Re­vi­si­on, an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner or­dent­li­chen, be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung.

Die im Jahr 1953 ge­bo­re­ne Kläge­rin ist seit dem 27. Ja­nu­ar 1992 als me­cha­ni­sche Hel­fe­rin bei der Be­klag­ten beschäftigt. In de­ren Be­trieb sind et­wa 800 Ar­beit­neh­mer tätig. Auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en fin­den auf­grund ein­zel­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me die Ta­rif­verträge für die Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie Nord­rhein-West­fa­len An­wen­dung. Nach § 20 Nr. 4 des am 1. Ja­nu­ar 2002 in Kraft ge­tre­te­nen Man­tel­ta­rif­ver­trags vom 24. Au­gust 2001 (MTV)

„(kann) Beschäftig­ten, die das 55., aber noch nicht das 65. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben und dem Be-trieb/Un­ter­neh­men zehn Jah­re an­gehören, ... nur noch aus wich­ti­gem Grund gekündigt wer­den.

Dies gilt auch bei Ände­rungskündi­gun­gen im Ein­zel­fall zum Zwe­cke der Ent­gelt­min­de­rung;

nicht je­doch

- bei al­len sons­ti­gen Ände­rungskündi­gun­gen oder
- bei Be­triebsände­run­gen, wenn ein an­de­rer zu­mut­ba­rer Ar­beits­platz nicht vor­han­den ist, oder
- bei Zu­stim­mung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en.“

Der am 1. März 2005 in Kraft ge­tre­te­ne, in sei­ner be­trieb­li­chen Gel­tung von der Einführung des Ent­gelt­rah­men­ab­kom­mens im be­tref­fen­den Be­trieb


- 3 -

abhängi­ge Ein­heit­li­che Man­tel­ta­rif­ver­trag (EMTV) enthält ei­ne wort­glei­che Re­ge­lung.

Auf­grund ei­nes er­heb­li­chen Auf­tragsrück­gangs schloss die Be­klag­te mit dem Be­triebs­rat am 5. März 2009 ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich mit Na­mens­lis­te. Von der Be­triebsände­rung, die Ge­gen­stand des In­ter­es­sen­aus­gleichs war, wa­ren ins­ge­samt 156 der 368 me­cha­ni­schen Hel­fer der Be­klag­ten be­trof­fen, dar­un­ter die Kläge­rin. Für die So­zi­al­aus­wahl bil­de­te die Be­klag­te Al­ters­grup­pen in Fünf-Jah­res-Schrit­ten. In der Al­ters­grup­pe 55 bis 59 Jah­re er­hiel­ten 14 von 30 Ar­beit­neh­mern ei­ne Kündi­gung. Die Kläge­rin wies in­ner­halb die­ser Al­ters­grup­pe mit 87 Punk­ten die zehnt­schlech­tes­te Punkt­zahl auf und ist in der Na­mens­lis­te auf­geführt.


Mit Schrei­ben vom 26. März 2009, in dem auf die „Na­mens­lis­te der zu kündi­gen­den Mit­ar­bei­ter/In­nen“ ver­wie­sen wur­de, hörte die Be­klag­te den Be­triebs­rat zur be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung der Kläge­rin an. Mit Schrei­ben vom sel­ben Tag stimm­te der Be­triebs­rat der Kündi­gung zu. Die Kläge­rin lehn­te das An­ge­bot ab, in ei­ne Trans­fer- und Beschäfti­gungs­ge­sell­schaft zu wech­seln. Dar­auf­hin kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en mit Schrei­ben vom 27. März 2009 zum 30. Sep­tem­ber 2009.


Mit ih­rer Kla­ge hat die Kläge­rin gel­tend ge­macht, sie sei nach § 20 Nr. 4 Satz 1 MTV/EMTV or­dent­lich unkünd­bar und nicht in die So­zi­al­aus­wahl ein­zu­be­zie­hen. Der ta­rif­li­che Son­derkündi­gungs­schutz sei bei Be­triebsände­run­gen nur sus­pen­diert, wenn kein an­de­rer zu­mut­ba­rer Ar­beits­platz vor­han­den sei. Da es un­ter den 212 ver­gleich­ba­ren und nicht gekündig­ten Ar­beit­neh­mern zahl­rei­che jünge­re und kürzer beschäftig­te Kol­le­gen ge­be, de­ren Ar­beits­verhält­nis­se oh­ne ta­rif­li­che Be­schränkung gekündigt wer­den könn­ten, sei­en aus­rei­chend an­de­re zu­mut­ba­re Ar­beitsplätze vor­han­den. Dar­an ände­re auch die Bil­dung von Al­ters­grup­pen nichts; mit ihr wer­de der ta­rif­li­che Aus­schluss der or­dent­li­chen Künd­bar­keit um­gan­gen. Auch ken­ne sie die So­zi­al­da­ten der ver­gleich­ba­ren und nicht gekündig­ten Ar­beit­neh­mer nicht. Ent­spre­chen­de Un­ter­la­gen ha­be die Be­klag­te nicht vor­ge­legt. Ei­ne So­zi­al­aus­wahl, die oh­ne Berück­sich­ti­gung der ta­rif­li­chen Vor­ga­ben aus § 20 Nr. 4 MTV/EMTV er­fol­ge, sei grob feh­ler­haft iSd.


- 4 -

§ 1 Abs. 5 KSchG. Im Übri­gen sei die Be­triebs­rats­anhörung nicht ord­nungs­gemäß. Die Be­klag­te ha­be den Be­triebs­rat nicht über ih­ren - der Kläge­rin - ta­rif­li­chen Son­derkündi­gungs­schutz un­ter­rich­tet.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt 


fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en nicht durch die or­dent­li­che Kündi­gung vom 27. März 2009 zum 30. Sep­tem­ber 2009 auf­gelöst wor­den ist.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat die An­sicht ver­tre­ten, die Kündi­gung sei so­zi­al ge­recht­fer­tigt iSv. § 1 Abs. 2, Abs. 3 KSchG. Die Kläge­rin sei nicht mit den Ar­beit­neh­mern an­de­rer Al­ters­grup­pen ver­gleich-bar. Sie sei nicht ver­pflich­tet, über de­ren So­zi­al­da­ten Aus­kunft zu ge­ben. Da ei­ne Be­triebsände­rung vor­lie­ge und kein an­de­rer zu­mut­ba­rer Ar­beits­platz frei ge­we­sen sei, sei die ta­rif­li­che Unkünd­bar­keits­re­ge­lung nicht an­zu­wen­den. Im Übri­gen er­stre­cke sich die Ver­mu­tungs­wir­kung des § 1 Abs. 5 KSchG auf das Feh­len ei­ner an­de­ren Beschäfti­gungsmöglich­keit.

Die Vor­in­stan­zen ha­ben der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Mit ih­rer Re­vi­si­on er­strebt die Be­klag­te wei­ter­hin die Ab­wei­sung der Kla­ge.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on ist be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt durf­te mit der von ihm ge­ge­be­nen Be­gründung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge nicht statt­ge­ben. Die Kündi­gung vom 27. März 2009 verstößt je­den­falls nicht auf­grund der­je­ni­gen Umstände, wel­che das Lan­des­ar­beits­ge­richt in­so­weit für er­heb­lich hielt, ge­gen den Aus­schluss der or­dent­li­chen Kündi­gung in § 20 Nr. 4 Satz 1 MTV/EMTV. Ob dies aus an­de­ren Gründen der Fall ist, ver­mag der Se­nat auf­grund der bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen nicht ab­sch­ließend zu be­ur­tei­len. Die Kündi­gung ist auch nicht aus sons­ti­gen Gründen iSd. § 4 Satz 1 KSchG rechts­un­wirk­sam. Dies führt zur Auf­he­bung des Be­ru­fungs­ur­teils und zur Zurück­ver­wei­sung der Sa­che an das Lan­des­ar­beits­ge­richt.

- 5 -

I. Ent­ge­gen der An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts kann auf der Grund­la­ge der bis­her ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen nicht be­ur­teilt wer­den, ob die Kündi­gung vom 27. März 2009 ge­gen § 20 Nr. 4 Satz 1 MTV/EMTV verstößt. Die zum Kündi­gungs­zeit­punkt 55 Jah­re al­te und seit 17 Jah­ren bei der Be­klag­ten beschäftig­te Kläge­rin erfüllt zwar die persönli­chen Vor­aus­set­zun­gen des be­son­de­ren Kündi­gungs­schut­zes nach die­ser Be­stim­mung. Der Schutz des § 20 Nr. 4 Satz 1 MTV/EMTV fin­det aber nach Satz 2 Halbs. 2 Spie­gel­strich 2 der Be­stim­mung kei­ne An­wen­dung, wenn die Kündi­gung anläss­lich ei­ner „Be­triebsände­rung“ er­folgt und „ein an­de­rer zu­mut­ba­rer Ar­beits­platz nicht vor­han­den ist“. Ob die letzt­ge­nann­te Vor­aus­set­zung vor­liegt, steht nicht fest.


1. Der be­son­de­re ta­rif­li­che Kündi­gungs­schutz gilt - un­ter der ge­nann­ten Vor­aus­set­zung - nicht „bei Be­triebsände­run­gen“.

a) Der in § 20 Nr. 4 Satz 2 Halbs. 2 Spie­gel­strich 2 MTV/EMTV ver­wand­te Be­griff „Be­triebsände­rung“ ist so zu ver­ste­hen wie in § 111 Be­trVG. Ge­brau­chen Ta­rif­ver­trags­par­tei­en Be­grif­fe, die auch in Ge­set­zen ver­wen­det wer­den und dort ei­nen be­stimm­ten In­halt ha­ben, so ist re­gelmäßig an­zu­neh­men, dass sie die­se mit der ent­spre­chen­den Be­deu­tung an­ge­wen­det wis­sen wol­len (vgl. BAG 22. Ja­nu­ar 2004 - 2 AZR 111/02 - zu VI der Gründe, AP Be­trVG 1972 § 112 Na­mens­lis­te Nr. 1 = EzA KSchG § 1 In­ter­es­sen­aus­gleich Nr. 11).

b) Ei­ne Be­triebsände­rung iSv. § 111 Satz 3 Nr. 1 Be­trVG kann in ei­nem bloßen Per­so­nal­ab­bau lie­gen. Dies zeigt die Re­ge­lung in § 112a Abs. 1 Satz 1 Be­trVG. Vor­aus­set­zung für die An­nah­me ei­ner Ein­schränkung des gan­zen Be­triebs oder von we­sent­li­chen Be­triebs­tei­len iSv. § 111 Satz 3 Nr. 1 Be­trVG ist, dass der Per­so­nal­ab­bau ei­ne re­le­van­te Zahl von Ar­beit­neh­mern er­fasst. Maßge­bend sind dafür die Schwel­len­wer­te des § 17 Abs. 1 KSchG; in Be­trie­ben mit mehr als 600 Ar­beit­neh­mern müssen al­ler­dings min­des­tens 5 vH der Be­leg­schaft be­trof­fen sein (BAG 31. Mai 2007 - 2 AZR 254/06 - Rn. 16, AP Be­trVG 1972 § 111 Nr. 65 = EzA KSchG § 1 In­ter­es­sen­aus­gleich Nr. 12).

Da die Be­klag­te ge­genüber ins­ge­samt 222 von knapp 800 Ar­beit­neh­mern Kündi­gun­gen aus­ge­spro­chen hat, ist die­ser Wert er­reicht.


- 6 -

2. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, an­de­re zu­mut­ba­re Ar­beitsplätze sei­en zu­min­dest sol­che, auf de­nen mit der Kläge­rin ver­gleich­ba­re Ar­beit­neh­mer, oh­ne dass die­se ih­rer­seits ta­rif­li­chen Son­derkündi­gungs­schutz besäßen, wei­ter­hin beschäftigt würden. Das über­zeugt nicht. Die An­nah­me des Lan­des­ar­beits­ge­richts be­ruht auf ei­nem un­zu­tref­fen­den Verständ­nis der Re­ge­lung in § 20 Nr. 4 Satz 2 Halbs. 2 MTV/EMTV. Das zeigt ei­ne die Sys­te­ma­tik und den Sinn und Zweck der Vor­schrift in den Blick neh­men­de Aus­le­gung.


a) Der Wort­laut der Be­stim­mung lässt kein ein­deu­ti­ges Verständ­nis zu. 


aa) Ein „an­de­rer“ zu­mut­ba­rer Ar­beits­platz kann ein­mal je­der Ar­beits­platz sein, der bis­lang nicht mit dem son­der­geschütz­ten Ar­beit­neh­mer be­setzt war, den die­ser aber nach sei­nen Fähig­kei­ten ein­neh­men könn­te und der ihm zu­mut­bar ist. Bei ei­nem sol­chen Verständ­nis - das dem des Lan­des­ar­beits­ge­richts ent­spricht - sind sämt­li­che mit dem Ar­beits­platz des son­der­geschütz­ten Ar­beit­neh­mers ver­gleich­ba­ren Ar­beitsplätze „an­de­re“ und oh­ne Wei­te­res zu­mut­ba­re Ar­beitsplätze iSv. § 20 Nr. 4 Satz 2 Halbs. 2 Spie­gel­strich 2 MTV/EMTV. Bei Be­triebsände­run­gen ent­fie­le der Son­derkündi­gungs­schutz des­halb al­len­falls dann, wenn zu­gleich die Ar­beits­verhält­nis­se sämt­li­cher In­ha­ber ver­gleich­ba­rer Ar­beitsplätze - et­wa im Rah­men ei­ner Sch­ließung gan­zer Be­triebs­tei­le - gekündigt würden.


bb) Un­ter ei­nem „an­de­ren“ Ar­beits­platz im Sin­ne der ta­rif­li­chen Be­stim­mung kann statt­des­sen auch ein sol­cher zu ver­ste­hen sein, der mit dem des son­der-geschütz­ten Ar­beit­neh­mers ge­ra­de nicht ver­gleich­bar, son­dern von die­sem nach tätig­keits­be­zo­ge­nen Merk­ma­len un­ter­schie­den und in ei­nem sol­chen Sin­ne „an­ders“ ist. Bei Be­triebsände­run­gen ent­fie­le der Son­derkündi­gungs­schutz dem­nach nur dann nicht, wenn ein Ar­beits­platz ge­ra­de außer­halb des Krei­ses der ver­gleich­ba­ren Ar­beitsplätze „vor­han­den“ und für den be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer zu­mut­bar ist.


cc) Besäße die (Rück-)Aus­nah­me vom be­son­de­ren Kündi­gungs­schutz nach der ers­ten Les­art bei Be­triebsände­run­gen ei­nen eher klei­nen An­wen­dungs­be­reich, weil der be­son­de­re Schutz, so­lan­ge ei­ne So­zi­al­aus­wahl statt­zu-

- 7 -

fin­den hätte, nicht ein­ge­schränkt wäre, so wäre der An­wen­dungs­be­reich der (Rück-)Aus­nah­me nach der zwei­ten Verständ­nis­al­ter­na­ti­ve im Fal­le von Be­triebsände­run­gen recht groß, weil sich der be­son­de­re Kündi­gungs­schutz im Rah­men der So­zi­al­aus­wahl un­ter den ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mern eben nicht aus­wirk­te.


b) Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat­te sich mit der hier zu be­ant­wor­ten­den Fra­ge bis­lang nicht zu be­fas­sen. In dem sei­ner Ent­schei­dung vom 22. Ja­nu­ar 2004 (- 2 AZR 111/02 - AP Be­trVG 1972 § 112 Na­mens­lis­te Nr. 1 = EzA KSchG § 1 In­ter­es­sen­aus­gleich Nr. 11) zu­grun­de lie­gen­den Fall war mit dem im Rah­men ei­ner Be­triebsände­rung gekündig­ten Kläger bei der So­zi­al­aus­wahl kein Ar­beit­neh­mer ver­gleich­bar und war ein an­de­rer zu­mut­ba­rer Ar­beits­platz un­strei­tig nicht vor­han­den. Auf das rich­ti­ge Verständ­nis der frag­li­chen Be­stim­mung im dar­ge­leg­ten Sin­ne kam es nicht an.

c) Sys­te­ma­ti­sche und te­leo­lo­gi­sche Erwägun­gen spre­chen für die Rich­tig­keit der zwei­ten Les­art von § 20 Nr. 4 Satz 2 Halbs. 2 Spie­gel­strich 2 MTV/EMTV. Bei Kündi­gun­gen im Rah­men von Be­triebsände­run­gen entfällt der be­son­de­re Kündi­gungs­schutz, es sei denn, ein mit dem bis­he­ri­gen Ar­beits­platz nach tätig­keits­be­zo­ge­nen Merk­ma­len ge­ra­de nicht ver­gleich­ba­rer „an­de­rer“ Ar­beits­platz ist „vor­han­den“ und zu­mut­bar.

aa) Im An­schluss an die Re­ge­lung über das Ent­ste­hen des be­son­de­ren Kündi­gungs­schut­zes in Satz 1 der Vor­schrift dehnt Satz 2 Halbs. 1 den Schutz auf „Ände­rungskündi­gun­gen im Ein­zel­fall zum Zwe­cke der Ent­gelt­min­de­rung“ aus. Satz 2 Halbs. 2 Spie­gel­strich 1 nimmt den be­son­de­ren Schutz so­dann zurück „bei al­len sons­ti­gen Ände­rungskündi­gun­gen“. Dem­nach entfällt der be­son­de­re Kündi­gungs­schutz ua. bei Ände­rungskündi­gun­gen zum Zwe­cke der Ent­gelt­min­de­rung, die nicht auf ei­nen Ein­zel­fall be­schränkt sind, son­dern - et­wa im Rah­men ei­ner Sa­nie­rungs­maßnah­me - die ge­sam­te Be­leg­schaft oder Tei­le von ihr be­tref­fen.


bb) Dies zeigt, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en im Fall von kol­lek­ti­ven Maßnah­men, die nicht nur ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer, son­dern die Be­leg­schaft als


- 8 -

gan­ze oder doch Tei­le der Be­leg­schaft be­tref­fen, die Möglich­keit ei­ner or­dent­li­chen Ände­rungskündi­gung auch für den Per­so­nen­kreis des § 20 Nr. 4 Satz 1 MTV/EMTV nicht aus­sch­ließen woll­ten.


cc) Die­ser Um­stand wie­der­um legt die An­nah­me na­he, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en auch bei Be­triebsände­run­gen - die stets die gan­ze Be­leg­schaft oder doch we­sent­li­che Tei­le von ihr be­tref­fen - die Möglich­keit der or­dent­li­chen Be­en­di­gungskündi­gung ge­genüber dem frag­li­chen Per­so­nen­kreis weit­ge­hend zu­las­sen woll­ten. Wenn schon bei Ände­rungskündi­gun­gen im Fal­le kol­lek­tiv wir­ken­der Maßnah­men nicht ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer al­lein we­gen der Kri­te­ri­en des § 20 Nr. 4 Satz 1 MTV/EMTV zu ih­ren Guns­ten aus der So­li­dar­ge­mein­schaft her­aus­ge­nom­men wer­den sol­len, so ist an­zu­neh­men, dass die­ser Grund­satz im Fal­le von Be­en­di­gungskündi­gun­gen auf­grund ei­ner Be­triebsände­rung glei­cher­maßen gel­ten soll. Es soll sich in die­sen Fällen auch der Per­so­nen­kreis des § 20 Nr. 4 Satz 1 MTV/EMTV mögli­chen Maßnah­men des Ar­beit­ge­bers - et­wa ei­ner So­zi­al­aus­wahl - nach den für al­le Ar­beit­neh­mer gel­ten­den Kri­te­ri­en stel­len müssen. Die­ses Ziel würde weit­ge­hend ver­fehlt, wäre bei ei­ner Be­triebsände­rung je­der ver­gleich­ba­re und nicht weg­ge­fal­le­ne Ar­beits­platz ein „an­de­rer“ im Sin­ne der ta­rif­li­chen Vor­schrift. Dann würde sich bei der So­zi­al­aus­wahl der son­der­geschütz­te Ar­beit­neh­mer al­lein auf­grund sei­nes Le­bens-al­ters von min­des­tens 55 Jah­ren und der Dau­er sei­ner Be­triebs­zu­gehörig­keit von min­des­tens zehn Jah­ren zum Bei­spiel durch­set­zen können ge­genüber ei­nem - ob­jek­tiv durch­aus vor­ran­gig zu schützen­den - Ar­beit­neh­mer mit ei­nem Le­bens­al­ter von 54 Jah­ren, ei­ner 20-jähri­gen Be­triebs­zu­gehörig­keit und Un­ter­halts­ver­pflich­tun­gen ge­genüber meh­re­ren Per­so­nen.


dd) An­ge­sichts die­ser Kon­se­quen­zen spricht schon der Um­stand, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en den Fall von „Be­triebsände­run­gen“ über­haupt ei­gens un­ter den Gründen für den Aus­schluss von Son­derkündi­gungs­schutz erwähnt ha­ben, dafür, dass sie die­sen Aus­schluss­grund nicht für den Re­gel­fall ei­ner Be­triebsände­rung - den der mit ihr ver­bun­de­nen Not­wen­dig­keit ei­ner So­zi­al­aus­wahl - zu­gleich wie­der deut­lich mar­gi­na­li­sie­ren woll­ten. Wenn die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­wollt hätten, es sol­le der Son­derkündi­gungs­schutz im Fal­le von


- 9 -

Be­triebsände­run­gen nur un­ter der Vor­aus­set­zung aus­ge­schlos­sen sein, dass ver­gleich­ba­re Ar­beitsplätze nicht mehr vor­han­den sind, ei­ne So­zi­al­aus­wahl al­so - et­wa we­gen Sch­ließung ei­ner gan­zen Be­triebs­ab­tei­lung - nicht er­for­der­lich ist, hätte es na­he­ge­le­gen, dies sprach­lich klar zum Aus­druck zu brin­gen. Es wäre zu er­war­ten ge­we­sen, dass § 20 Nr. 4 Satz 2 Halbs. 2 Spie­gel­strich 2 MTV/EMTV da­hin for­mu­liert wor­den wäre, der Aus­schluss der or­dent­li­chen Kündi­gung gel­te nicht „bei Be­triebsände­run­gen, wenn ein ver­gleich­ba­rer oder ein an­de­rer zu­mut­ba­rer Ar­beits­platz nicht vor­han­den ist“ oder „..., wenn we­der ein ver­gleich­ba­rer, noch ein an­de­rer zu­mut­ba­rer Ar­beits­platz vor­han­den ist“. Da es ein­fach ge­we­sen wäre, ei­nen ent­spre­chen­den Wil­len sprach­lich deut­lich aus­zu­drücken, und mit dem Feh­len bzw. Vor­han­den­sein des Aus­drucks „ver­gleich­ba­rer Ar­beits­platz“ in­halt­lich so weit rei­chen­de Fol­gen ver­bun­den sind, spricht der tatsächli­che Text der Ta­rif­re­ge­lung, in dem die­ser Aus­druck fehlt, dafür, dass ver­gleich­ba­re Ar­beitsplätze kei­ne „an­de­ren“ Ar­beitsplätze im Sin­ne der Be­stim­mung sind. Hin­zu kommt, dass nach der gewähl­ten For­mu­lie­rung der Son­derkündi­gungs­schutz bei Be­triebsände­run­gen entfällt, wenn ein „an­de­rer zu­mut­ba­rer“ Ar­beits­platz nicht vor­han­den ist. Da Ar­beitsplätze, die nach tätig­keits­be­zo­ge­nen Merk­ma­len ver­gleich­bar sind, stets „zu­mut­ba­re“ Ar­beitsplätze sind, hätte es, um den ver­meint­li­chen Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en aus­zurücken, des Zu­sat­zes „an­de­rer ... Ar­beits­platz“ nicht be­durft. Es hätte ge­reicht zu for­mu­lie­ren, dass der Aus­schluss der or­dent­li­chen Kündi­gung nicht gel­te, wenn ein „zu­mut­ba­rer Ar­beits­platz nicht mehr vor­han­den ist“.


ee) Dafür, dass nach tätig­keits­be­zo­ge­nen Merk­ma­len ver­gleich­ba­re Ar­beitsplätze ge­ra­de kei­ne „an­de­ren“ im Sin­ne der Ta­rif­be­stim­mung sind, spricht schließlich die Erwägung, dass die Re­ge­lung an­dern­falls we­gen Ver­s­toßes ge­gen § 1 Abs. 3 Satz 1 KSchG, § 7 Abs. 1, Abs. 2, § 3 Abs. 1, § 1 AGG un­wirk­sam sein könn­te. Bei ei­ner er­for­der­lich wer­den­den So­zi­al­aus­wahl würde sich, wie erwähnt, der durch § 20 Nr. 4 Satz 1 MTV/EMTV geschütz­te Ar­beit­neh­mer al­lein auf­grund sei­nes Le­bens­al­ters ge­genüber ob­jek­tiv stärker zu schützen­den Be­leg­schafts­an­gehöri­gen durch­set­zen können. Dies er­scheint nicht un­pro­ble­ma­tisch.


- 10 -

ff) Dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ist ein­zuräum­en, dass bei ei­nem sol­chen Verständ­nis der Be­stim­mung dem Satz­teil „..., wenn ein an­de­rer zu­mut­ba­rer Ar­beits­platz nicht vor­han­den ist“ kei­ne be­son­ders große prak­ti­sche Be­deu­tung zu­kom­men wird. Gleich­wohl ver­bleibt ihm, wie dar­ge­legt, ein An­wen­dungs­be­reich. Das gilt et­wa dann, wenn die An­zahl der von ei­ner Kündi­gung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer - ein­sch­ließlich der­je­ni­gen, die die Vor­aus­set­zun­gen des § 20 Nr. 4 Satz 1 MTV/EMTV erfüllen - größer ist als die An­zahl der „vor­han­de­nen“ an­de­ren Ar­beitsplätze; dann vermöch­te sich der Son­derkündi­gungs­schutz durch­zu­set­zen. Die Les­art des Lan­des­ar­beits­ge­richts ver­fehlt dem­ge­genüber im Re­gel­fall das aus der Sys­te­ma­tik er­kenn­bar wer­den­de Ziel der Ta­rif­re­ge­lung. Die­ses be­steht dar­in, im Fal­le kol­lek­tiv be­deut­sa­mer Tat­bestände, zu de­nen Be­triebsände­run­gen zählen, den be­son­de­ren Schutz ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer(grup­pen) aus­zu­sch­ließen und sie in­ner­halb der be­trieb­li­chen So­li­dar­ge­mein­schaft nicht zu be­vor­zu­gen.


II. Die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts stellt sich nicht aus an­de­ren Gründen als rich­tig dar, so dass die Re­vi­si­on gem. § 561 ZPO trotz der fest­ge­stell­ten Rechts­ver­let­zung zurück­zu­wei­sen wäre. Die Kündi­gung vom 27. März 2009 ist nicht we­gen nicht ord­nungs­gemäßer Anhörung des Be­triebs­rats un­wirk­sam.


1. Nicht nur das gänz­li­che Feh­len ei­ner Anhörung, son­dern auch ei­ne feh­ler­haf­te Anhörung des Be­triebs­rats führt zur Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung nach § 102 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG (BAG 9. Ju­ni 2011 - 2 AZR 323/10 - Rn. 45, AP BGB § 626 Nr. 236 = EzA BGB 2002 § 626 Nr. 36; 16. Sep­tem­ber 1993 - 2 AZR 267/93 - zu B II 2 b cc (1) der Gründe, BA­GE 74, 185). Die Anhörung ist feh­ler­haft, wenn der Ar­beit­ge­ber sei­ne Mit­tei­lungs­pflicht ge­genüber dem Be­triebs­rat nicht aus­rei­chend erfüllt. Der Ar­beit­ge­ber muss dem Be­triebs­rat die Gründe mit­tei­len, die nach sei­ner sub­jek­ti­ven Sicht die Kündi­gung recht­fer­ti­gen und für sei­nen Kündi­gungs­ent­schluss maßgeb­lich sind. Die­sen Kündi­gungs­ent­schluss hat er re­gelmäßig un­ter An­ga­be von Tat­sa­chen so zu be­schrei­ben, dass der Be­triebs­rat oh­ne zusätz­li­che ei­ge­ne Nach­for­schun­gen die Stich­hal­tig­keit der Kündi­gungs­gründe prüfen kann. Teilt der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat


- 11 -

kündi­gungs­recht­lich er­heb­li­che Tat­sa­chen nicht mit, weil er auf sie die Kündi­gung nicht stützen will, wird die Anhörung da­durch nicht feh­ler­haft. In die­sem Fall ist es dem Ar­beit­ge­ber nur ver­wehrt, die frag­li­chen Gründe im Kündi­gungs­schutz­pro­zess nach­zu­schie­ben. Das gilt nicht für Tat­sa­chen, die der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat bei der Anhörung zwar nicht mit­ge­teilt hat, die die­sem aber be­kannt sind (BAG 11. De­zem­ber 2003 - 2 AZR 536/02 - zu II 3 der Gründe mwN, AP KSchG 1969 § 1 So­zia­le Aus­wahl Nr. 65 = EzA Be­trVG 2001 § 102 Nr. 5; 27. Fe­bru­ar 1997 - 2 AZR 302/96 - AP KSchG 1969 § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 36 = EzA KSchG § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 51). Was der Be­triebs­rat schon weiß, braucht ihm nicht mehr mit­ge­teilt zu wer­den (BAG 11. De­zem­ber 2003 - 2 AZR 536/02 - aaO).


2. Die Be­klag­te hat nicht ge­gen ih­re Un­ter­rich­tungs­pflich­ten ver­s­toßen. Zwar hat sie in ih­rem Anhörungs­schrei­ben vom 26. März 2009 den be­son­de­ren ta­rif­li­chen Kündi­gungs­schutz der Kläge­rin nicht aus­drück­lich erwähnt. Dem Be­triebs­rat war die­ser Schutz aber be­kannt. Er er­gab sich aus den Un­ter­la­gen zum In­ter­es­sen­aus­gleich und der Lis­te mit den So­zi­al­da­ten der Ar­beit­neh­mer in der Al­ters­grup­pe der Kläge­rin. In die­ser Lis­te wa­ren das Le­bens­al­ter und die Beschäfti­gungs­dau­er der be­tref­fen­den Beschäftig­ten ein­sch­ließlich der Kläge­rin auf­geführt. Der Be­triebs­rat wuss­te fer­ner, dass der MTV/EMTV auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en An­wen­dung fand und dar­in ein Son­derkündi­gungs­schutz ge­re­gelt ist. Ob für die Be­klag­te in­so­weit ei­ne ent­spre­chen­de Pflicht zur Un­ter­rich­tung nach § 102 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG über­haupt be­stand, kann des­halb da­hin­ste­hen.

III. Das an­ge­foch­te­ne Ur­teil war auf­zu­he­ben (§ 562 Abs. 1 ZPO) und die Sa­che zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen (§ 563 Abs. 1 ZPO). Ein Fall von § 563 Abs. 3 ZPO liegt man­gels Ent­schei­dungs­rei­fe nicht vor.

1. Sind „an­de­re zu­mut­ba­re Ar­beitsplätze“ iSv. § 20 Nr. 4 Satz 2 Halbs. 2 Spie­gel­strich 2 MTV/EMTV zwar, wie dar­ge­legt, nicht die­je­ni­gen, auf de­nen mit der Kläge­rin ver­gleich­ba­re Ar­beit­neh­mer auf­grund der durch­geführ­ten So­zi­al­aus­wahl wei­ter­beschäftigt wer­den, so steht doch nicht fest, ob es im Sin­ne der


- 12 -

zu­tref­fen­den Les­art der ta­rif­li­chen Be­stim­mung ei­nen an­de­ren zu­mut­ba­ren Ar­beits­platz im Be­trieb oder Un­ter­neh­men der Be­klag­ten gibt und die Kündi­gung aus die­sem Grund ge­gen § 20 Nr. 4 Satz 1 MTV/EMTV verstößt. Da­zu ha­ben die Par­tei­en nichts vor­ge­tra­gen und hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Fest­stel­lun­gen nicht ge­trof­fen. Das Vor­han­den­sein ei­nes sol­chen Ar­beits­plat­zes ist gleich­wohl nicht aus­ge­schlos­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt wird auf ent­spre­chen­des Vor­brin­gen hin­zu­wir­ken und ggf. ei­ge­ne Fest­stel­lun­gen zu tref­fen ha­ben. Der Se­nat sieht man­gels jeg­li­chen Vor­trags von Hin­wei­sen da­zu ab, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein an­de­rer Ar­beits­platz im Sin­ne der Ta­rif­be­stim­mung „vor­han­den“ und „zu­mut­bar“ ist. Al­ler­dings spricht vie­les dafür, dass ein an­de­rer Ar­beits­platz nur „vor­han­den“ ist, wenn er auch frei und nicht schon be­setzt ist. Es kann schwer­lich an­ge­nom­men wer­den, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in­so­weit den An­wen­dungs­be­reich von § 1 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 Buchst. b KSchG ha­ben er­wei­tern wol­len.


2. Soll­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu dem Er­geb­nis ge­lan­gen, dass kein an­de­rer zu­mut­ba­rer Ar­beits­platz vor­han­den war, be­stand kein ta­rif­li­cher Son­derkündi­gungs­schutz zu­guns­ten der Kläge­rin. Es wird dann zu prüfen ha­ben, ob die Kündi­gung vom 27. März 2009 aus drin­gen­den be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­sen iSv. § 1 Abs. 2, Abs. 3 KSchG so­zi­al ge­recht­fer­tigt ist.


a) Ob sich die Be­klag­te für die so­zia­le Recht­fer­ti­gung auf § 1 Abs. 5 KSchG und ei­nen zu­grun­de lie­gen­den In­ter­es­sen­aus­gleich mit Na­mens­lis­te stützen kann, was für den Prüfungs­maßstab von Be­deu­tung ist, wird das Lan­des­ar­beits­ge­richt im Ein­zel­nen fest­zu­stel­len und zu be­wer­ten ha­ben. Hin­rei­chen­der Sach­vor­trag zu den for­mel­len Vor­aus­set­zun­gen ei­nes In­ter­es­sen­aus­gleichs mit Na­mens­lis­te fehlt bis­her.


b) Ggf. wird das Lan­des­ar­beits­ge­richt so­dann die Erfüllung der Aus­kunfts­pflicht der Be­klag­ten nach § 1 Abs. 3 Satz 1 Halbs. 2 KSchG näher auf­zuklären und zu prüfen ha­ben. Die Kläge­rin rügt zu Recht, die Be­klag­te ha­be ihr nicht die So­zi­al­da­ten sämt­li­cher ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mer mit­ge­teilt; ihr sei­en nur die Da­ten der 30 Per­so­nen aus ih­rer ei­ge­nen Al­ters­grup­pe, nicht aber die al­ler an­de­ren me­cha­ni­schen Hel­fer und Hel­fe­rin­nen vor­ge­legt wor­den.


- 13 -

aa) Nach § 1 Abs. 3 Satz 1 Halbs. 2 KSchG hat der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer auf Ver­lan­gen die Gründe an­zu­ge­ben, die zu der ge­trof­fe­nen so­zia­len Aus­wahl geführt ha­ben. Er hat un­ter An­ga­be der re­le­van­ten Aus­wahl­kri­te­ri­en und der Be­wer­tungs­maßstäbe im Be­son­de­ren An­ga­ben darüber zu ma­chen, wel­che Ar­beit­neh­mer für ihn zum aus­wahl­re­le­van­ten Per­so­nen­kreis gehört ha­ben (BAG 24. März 1983 - 2 AZR 21/82 - zu III 2 a der Gründe, BA­GE 42, 151; SPV/Preis Rn. 1133; ErfK/Oet­ker § 1 KSchG Rn. 339).


bb) Die­sen An­for­de­run­gen wird der Vor­trag der Be­klag­ten bis­her nicht ge­recht. Mit der An­ga­be der So­zi­al­da­ten al­lein der Ar­beit­neh­mer aus der Al­ters­grup­pe der Kläge­rin kann die­se die Kor­rekt­heit der So­zi­al­aus­wahl nicht über­prüfen. Ihr ist es ins­be­son­de­re nicht möglich zu er­ken­nen, ob sämt­li­che me­cha­ni­schen Hel­fer berück­sich­tigt und den ein­zel­nen Al­ters­grup­pen rich­tig zu­ge­ord­net wur­den. Dies gilt um so mehr, als ihr auch das der So­zi­al­aus­wahl zu­grun­de lie­gen­de Punk­te­sche­ma erst in der Re­vi­si­ons­be­gründung mit­ge­teilt wur­de.


Kreft 

Ber­ger 

M. Ey­lert

A. Cla­es 

Wolf

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 2 AZR 773/10  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880