Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Witwenrente, Betriebliche Altersversorgung, Betriebsrente, Hinterbliebenenversorgung, Diskriminierung: Alter, Spätehenklausel
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 3 AZR 137/13
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 04.08.2015
   
Leit­sätze: Ei­ne Späte­hen­klau­sel, die ei­nem Ar­beit­neh­mer Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung für sei­nen Ehe­gat­ten nur für den Fall zu­sagt, dass die Ehe vor Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res des Ar­beit­neh­mers ge­schlos­sen ist, be­nach­tei­ligt den Ar­beit­neh­mer un­zulässig we­gen des Al­ters.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht München, Endurteil vom 4.6.2012 - 3 Ca 9945/11
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 15.1.2013 - 7 Sa 573/12
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

3 AZR 137/13
7 Sa 573/12
Lan­des­ar­beits­ge­richt

München

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

4. Au­gust 2015

UR­TEIL

Kauf­hold, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläge­rin, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Drit­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 4. Au­gust 2015 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Zwan­zi­ger, die Rich­te­rin­nen am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Schlewing und Dr. Ah­rendt so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­te­rin­nen Dr. Möller und Trunsch für Recht er­kannt:


- 2 -

Auf die Re­vi­si­on der Kläge­rin wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts München vom 15. Ja­nu­ar 2013 - 7 Sa 573/12 - auf­ge­ho­ben.

Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das En­dur­teil des Ar­beits­ge­richts München vom 4. Ju­ni 2012 - 3 Ca 9945/11 - ab­geändert:

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin rückständi­ge Wit­wen­ren­te für die Mo­na­te März 2011 bis Mai 2013 iHv. ins­ge­samt 19.534,23 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz aus je­weils 723,49 Eu­ro seit dem je­wei­li­gen Ers­ten des je­wei­li­gen Fol­ge­mo­nats be­gin­nend mit dem 1. April 2011 und en­dend mit dem 1. Ju­ni 2013 zu zah­len.

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin ab dem 1. Ju­ni 2013 le­bens­lang zum En­de ei­nes je­den Mo­nats ei­ne mo­nat­li­che Wit­wen­ren­te iHv. 723,49 Eu­ro brut­to zu zah­len.

Die Be­klag­te hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, an die Kläge­rin ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu zah­len.

Die am 10. Ok­to­ber 1956 ge­bo­re­ne Kläge­rin ist die Wit­we des am 29. April 1947 ge­bo­re­nen und am 14. De­zem­ber 2010 ver­stor­be­nen G. Die Ehe war am 8. Au­gust 2008 ge­schlos­sen wor­den.


Der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin war bei der Be­klag­ten beschäftigt. Das Ar­beits­verhält­nis be­stand seit dem 1. De­zem­ber 1989. Der Ar­beits­ver­trag vom 22. Au­gust 1989 war noch mit der S GmbH ge­schlos­sen wor­den. In die­sem Ar­beits­ver­trag heißt es ua.:

„3. Ge­halts­fort­zah­lung
...
 

- 3 -

b) Soll­ten Sie, so­lan­ge Sie sich in un­se­ren Diens­ten be­fin­den, ster­ben, wer­den an Ih­ren Sie über­le­ben­den Ehe­part­ner oder, falls bei­de Ehe­part­ner ver­stor­ben sind, an Ih­re Sie über­le­ben­den, noch nicht volljähri­gen Kin­der die Bezüge gemäß 2.a) für den Ster­be­mo­nat und für wei­te­re 2 Mo­na­te aus­ge­zahlt.


...

4. Ne­ben­leis­tun­gen


a) Bei der S GmbH exis­tiert ein Pen­si­ons­plan, der zur Zeit übe­r­ar­bei­tet wird. Wir si­chern Ih­nen zu, daß Sie durch den neu­en Plan nicht schlech­ter ge­stellt wer­den als die Mit­ar­bei­ter un­se­rer Mut­ter­ge­sell­schaft, der L AG.“

Ein neu­er Pen­si­ons­plan kam bei der S GmbH für vor dem 1. Ja­nu­ar 2002 ein­ge­tre­te­ne Mit­ar­bei­ter nicht zu­stan­de.

Die Ver­sor­gungs­ord­nung der S GmbH vom No­vem­ber 1982 (im Fol­gen­den VO S) enthält ua. die fol­gen­den Re­ge­lun­gen:

„I. Ver­sor­gungs­zu­sa­ge

1. Ar­beit­neh­mer der Fir­ma er­hal­ten ei­ne Zu­sa­ge auf Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung (Ver­sor­gungs­zu­sa­ge) vor­aus­ge­setzt, daß sie

- in ei­nem un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis zur Fir­ma ste­hen und

- das 25. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben.

...

3. Kei­ne Ver­sor­gungs­zu­sa­ge er­hal­ten Ar­beit­neh­mer,

- die bei ih­rem letz­ten Dienstein­tritt in die Fir­ma das 60. Le­bens­jahr be­reits voll­endet ha­ben,

...

4. Ar­beit­neh­mer, die ei­ne Ver­sor­gungs­zu­sa­ge er­hal­ten, er­wer­ben da­mit ei­ne An­wart­schaft auf Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung.

Sie wer­den nach­fol­gend ‚Mit­ar­bei­ter (Anwärter)‘ ge­nannt.

II. Leis­tun­gen

1. Die­se Ver­sor­gungs­zu­sa­ge um­faßt fol­gen­de Leis­tun­gen (nach­fol­gend ‚Fir­men­ren­ten‘ ge­nannt):

- 4 - 

A l t e r s r e n t e ,

v o r z e i t i g e A l t e r s r e n t e ,

I n v a l i d e n r e n t e ,

W i t w e n r e n t e .

2. Ein An­spruch auf Fir­men­ren­te wird er­wor­ben, wenn die War­te­zeit (III) ab­ge­lau­fen ist und die für die je­wei­li­ge Leis­tung er­for­der­li­chen An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen (V, VI, VII) erfüllt sind.

III. War­te­zeit

Die War­te­zeit ist ab­ge­lau­fen, wenn der Anwärter ei­ne an­re­chen­ba­re Dienst­zeit (XI 1) von min­des­tens fünf Jah­ren zurück­ge­legt und das 30. Le­bens­jahr voll­endet hat.

IV. Fes­te Al­ters­gren­ze

Die fes­te Al­ters­gren­ze ist bei Männern und Frau­en mit der Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res er­reicht. ...

V. An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen für Al­ters­ren­te

...

1. Den An­spruch auf Al­ters­ren­te er­wirbt der Mit­ar­bei­ter (Anwärter), des­sen Ar­beits­verhält­nis zur Fir­ma m i t oder n a c h Er­rei­chen der fes­ten Al­ters­gren­ze (IV) en­det.


...

VII. An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen für Wit­wen­ren­te

1. Den An­spruch auf Wit­wen­ren­te er­wirbt die hin­ter­las­se­ne Ehe­frau ei­nes Mit­ar­bei­ters (Anwärters) mit des­sen To­de.

Zusätz­li­che An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen sind, daß der Mit­ar­bei­ter (Anwärter) die Ehe vor der Voll­endung sei­nes 60. Le­bens­jah­res ge­schlos­sen hat und daß be­reits am 1. Mai vor sei­nem To­de so­wohl die War­te­zeit (III) ab­ge­lau­fen ist, als auch die Ehe min­des­tens ein Jahr be­stan­den hat.

...

X. Höhe der Wit­wen­ren­te

1. Be­mes­sungs­grund­la­ge für die Wit­wen­ren­te ist

- nach dem To­de ei­nes Mit­ar­bei­ters (Anwärters) die ‚er­reich­ba­re Al­ters­ren­te‘ (IX 1) und


- 5 -

- nach dem To­de ei­nes Ren­ten­empfängers die Fir­men­ren­te, auf die er bei sei­nem To­de An­spruch ge­habt hat.

2. Die Wit­wen­ren­te beträgt 60 % der Be­mes­sungs­grund­la­ge nach Zif­fer 1.

Ist die hin­ter­las­se­ne Ehe­frau mehr als 15 Jah­re jünger als der ver­stor­be­ne Ehe­mann, so wird die Wit­wen­ren­te für je­des wei­te­re vol­le Jahr des Al­ters­un­ter­schie­des um 5 % ih­res Be­tra­ges gekürzt.

...

XVI. Zah­lung der Fir­men­ren­ten

1. a) Die Fir­men­ren­te wird je­weils am En­de ei­nes Mo­nats fällig, und zwar erst­mals für den Mo­nat, der auf den Er­werb des An­spruchs (V, VI, VII) folgt.


...

2. a) Der An­spruch auf Fir­men­ren­te ruht bis zum Ab­lauf des Mo­nats, für den noch an­de­re Bezüge aus ei­nem Ar­beits­verhält­nis zur Fir­ma gewährt wer­den, bis zur Höhe die­ser Bezüge.

...

3. a) Je­de Fir­men­ren­te wird le­bensläng­lich ge­zahlt, je­doch en­det


- der An­spruch auf In­va­li­den­ren­te mit dem Weg­fall der In­va­li­dität vor Er­rei­chen der fes­ten Al­ters­gren­ze (IV)


- der An­spruch auf Wit­wen­ren­te mit der Wie­der­ver­hei­ra­tung der Wit­we.“


Im „Nach­trag zur Ver­sor­gungs­ord­nung vom No­vem­ber 1982“ der S GmbH vom 15. Sep­tem­ber 1986 wur­de der An­spruch auf Wit­wen­ren­te auch auf Wit­wer aus­ge­dehnt.
 

In der Pen­si­ons­ord­nung der L AG vom Ok­to­ber 1989 (im Fol­gen­den PO L AG) ist ua. Fol­gen­des ge­re­gelt:

„§ 1 Be­rech­tig­te, Leis­tungs­ar­ten

1. Mit­ar­bei­ter im Sin­ne die­ser Pen­si­ons­ord­nung sind al­le Be­leg­schafts­mit­glie­der der L AG, die kei­ne ein­zel­ver­trag­li­che Pen­si­ons­zu­sa­ge von der L AG er­hal­ten bzw. er­hal­ten ha­ben. Mit­ar­bei­ter im Sin­ne die­ser Pen­si­ons­ord­nung sind nicht

...


- 6 -

2. Gewährt wer­den Al­ters-, In­va­li­den- und Hin­ter­blie­be­nen­pen­sio­nen.

...

§ 4 Vor­aus­set­zun­gen für Hin­ter­blie­be­nen­pen­si­on

1. Hin­ter­blie­be­nen­pen­si­on (Wit­wen-, Wit­wer- und Wai­sen­pen­si­on) wird gewährt, wenn für den ver­stor­be­nen Mit­ar­bei­ter im Zeit­punkt des To­des die Vor­aus­set­zun­gen auch un­ter Berück­sich­ti­gung von Ab­satz 3 für die Pen­si­ons­gewährung erfüllt wa­ren. Die Wit­wen- (Wit­wer-) Pen­si­on wird mit Ab­lauf des Mo­nats ein­ge­stellt, in dem die Wit­we (der Wit­wer) sich wie­der ver­hei­ra­tet.

2. Wit­wen- (Wit­wer-) Pen­si­on wird gewährt, wenn die Ehe vor Be­ginn der Al­ters­pen­si­on des Mit­ar­bei­ters ge­schlos­sen wur­de.

Ist der Ehe­part­ner mehr als 15 Jah­re jünger als der Mit­ar­bei­ter, so wird die Wit­wen- (Wit­wer-) Pen­si­on für je­des vol­le Jahr, das die­se Al­ters­dif­fe­renz über­steigt, um 5 % ih­res Be­tra­ges gekürzt. Die Kürzung entfällt, wenn die Ehe zum Zeit­punkt des To­des min­des­tens 15 Jah­re be­stan­den hat.

...

§ 10 Höhe der Hin­ter­blie­be­nen­pen­si­on

1. Die Wit­wen- (Wit­wer-) Pen­si­on beträgt 60 % der Pen­si­on, die der Pen­si­ons­empfänger er­hal­ten hat oder der Mit­ar­bei­ter er­hal­ten hätte, wenn er im Zeit­punkt sei­nes Ab­le­bens In­va­li­de ge­wor­den wäre.“


Un­ter dem 14. April 2008 schlos­sen der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin und die Be­klag­te ei­nen „Al­ters­teil­zeit-Ar­beits­ver­trag“. Die­ser Ver­trag enthält ua. die fol­gen­den Ver­ein­ba­run­gen:

„§ 1 Be­ginn der Al­ters­teil­zeit­ar­beit


Das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Voll­zeit­ar­beits­verhält­nis wird in Abände­rung und in Ergänzung des be­ste­hen­den Ar­beits­ver­tra­ges mit Wir­kung ab dem 01. Ju­li 2008 als Al­ters­teil­zeit­ar­beits­verhält­nis fort­geführt.

...

- 7 - 


§ 3 Ar­beits­zeit


1. Die Ar­beits­zeit des Ver­trags­part­ners beträgt ab Be­ginn der Al­ters­teil­zeit während der Lauf­dau­er die­ses Ver­tra­ges die Hälf­te sei­ner bis­he­ri­gen in­di­vi­du­el­len re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit. Das sind nun­mehr 19,5 St­un­den/ Wo­che. ...


2. Die Ar­beits­zeit wird so ver­teilt, dass sie im ers­ten Ab­schnitt des Al­ters­teil­zeit­ar­beits­verhält­nis­ses vom 01. Ju­li 2008 bis 31. Mai 2010 voll ge­leis­tet (Ar­beits­pha­se) und der Ver­trags­part­ner an­sch­ließend bis zum En­de des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses von der Ar­beits­leis­tung frei­ge­stellt (Frei­stel­lungs­pha­se) wird.
...


§ 9 Be­trieb­li­che Leis­tun­gen


...


4. Al­ters­ver­sor­gung

Die Leis­tun­gen aus der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung wer­den nach Maßga­be der je­wei­li­gen Pen­si­ons­ord­nun­gen auf der Grund­la­ge des Brut­to­voll­zeit­ar­beits­ent­gel­tes er­mit­telt, das der Ar­beit­neh­mer oh­ne Al­ters­teil­zeit er­zielt hätte (fik­ti­ves Ar­beits­ent­gelt). Ein ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­scher Ab­schlag wird nicht vor­ge­nom­men.
...

§ 12 En­de des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses

1. Das Beschäfti­gungs­verhält­nis en­det oh­ne Kündi­gung am 30. April 2012.“

Mit Schrei­ben vom 4. Ja­nu­ar 2011 teil­te die L AG der Kläge­rin un­ter dem Be­treff „Hin­ter­blie­be­nen­zah­lung“ Fol­gen­des mit:

„...,

wie Sie be­reits wis­sen, be­kom­men Sie von uns ab dem 15.12.2010 ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­zah­lung bis zum Be­ginn der Fir­men-Wit­wen­ren­te ab 01.03.2011.

Da­mit wir die­se Hin­ter­blie­be­nen-Ab­rech­nung durchführen können, benöti­gen wir noch fol­gen­de In­for­ma­tio­nen bzw. Un­ter­la­gen von Ih­nen:
 

- 8 - 


...


Aus der Al­ters­teil­zeit von Hr. G ist noch ein Wert­gut­ha­ben i.H. von net­to ... Eu­ro vor­han­den. Die­ses Wert­gut­ha­ben ist an den Erb­be­rech­tig­ten nach Vor­la­ge des Erb­scheins aus­zu­zah­len.
Des­halb bit­ten wir eben­falls um Zu­sen­dung ei­nes Ori­gi­nal-Erb­scheins, da­mit die­ses Wert­gut­ha­ben ent­spre­chend zur Aus­zah­lung ge­bracht wer­den kann.
...“


Mit Schrei­ben vom 6. Mai 2011 wand­te sich die Be­klag­te an die Klägrin und teil­te die­ser un­ter dem Be­treff „Ster­be­fall: Herr G/Fir­men­pen­si­on“ mit: „...,

auf­grund Ih­res An­ru­fes mit dem Hin­weis auf den Punkt 4a im An­stel­lungs­ver­trag vom 22.08.1989 des Herrn G ha­ben wir den Sach­ver­halt we­gen ei­ner mögli­chen Ände­rung in den Pen­si­ons-Richt­li­ni­en der S-L GmbH noch mal über­prüft.

Die im An­stel­lungs­ver­trag an­ge­spro­che­ne Übe­r­ar­bei­tung des Pen­si­ons­plans der S-L GmbH war zwar zum da­ma­li­gen Zeit­punkt ge­plant, ist dann aber nie rea­li­siert wor­den. Es wur­de nur für neu ein­ge­tre­te­ne Mit­ar­bei­ter ab dem 01.01.2002 ei­ne neue Pen­si­ons­ord­nung ins Le­ben ge­ru­fen, die­se gilt aber nur für neue Mit­ar­bei­ter, nicht für den Mit­ar­bei­ter­be­stand bis zum 31.12.2001.

Dem­zu­fol­ge galt die Ver­sor­gungs­ord­nung vom 01.07.1982 wei­ter­hin für Herrn G und da­mit wa­ren die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Fir­men-Wit­wen­pen­si­on der S-L GmbH lei­der nicht erfüllt.
...“

Aus­weis­lich der von der Be­klag­ten im Ver­lau­fe des Rechts­streits er­stell­ten fik­ti­ven „Be­rech­nung der Wit­wen­pen­si­on für Frau G, geb. 10.10.1956“ vom 24. Ok­to­ber 2011 beläuft sich ein et­wai­ger An­spruch der Kläge­rin auf Wit­wen­pen­si­on nach der VO S auf mo­nat­lich 723,49 Eu­ro brut­to.

Die Kläge­rin hat - so­weit für die Re­vi­si­on von Be­deu­tung - die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Be­klag­te sei nach der VO S ver­pflich­tet, an sie ab dem Mo­nat März 2011 ei­ne Wit­wen­ren­te iHv. mo­nat­lich 723,49 Eu­ro brut­to zu zah­len. Die un­ter VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S auf­geführ­te Be­stim­mung, wo­nach der Mit-
 

- 9 -

ar­bei­ter die Ehe vor der Voll­endung sei­nes 60. Le­bens­jah­res ge­schlos­sen ha­ben muss, ste­he ih­rem An­spruch nicht ent­ge­gen. Dies fol­ge be­reits aus Ziff. 4 Buchst. a des Ar­beits­ver­trags vom 22. Au­gust 1989. Die­se Be­stim­mung des Ar­beits­ver­trags ent­hal­te das Ver­spre­chen, dass ihr ver­stor­be­ner Ehe­mann im Hin­blick auf die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ge­nau so be­han­delt wer­de, wie die Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten der L AG, de­ren Pen­si­ons­ver­ein­ba­rung ei­ne Späte­hen­klau­sel nicht ent­hal­te. Zu­dem ha­be die Be­klag­te ihr das Be­ste­hen ei­nes An­spruchs auf Wit­wen­ren­te mit Schrei­ben vom 4. Ja­nu­ar 2011 bestätigt. Die­ses Schrei­ben stel­le ein kon­sti­tu­ti­ves Schuld­ver­spre­chen bzw. Schuld­an­er­kennt­nis, zu­min­dest ein de­kla­ra­to­ri­sches Schuld­an­er­kennt­nis dar mit der Fol­ge, dass die Be­klag­te ihr die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S nicht ent­ge­gen­hal­ten könne. Je­den­falls sei die Späte­hen­klau­sel we­gen Ver­s­toßes ge­gen § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam. Sie be­wir­ke ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters, die nicht nach § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG ge­recht­fer­tigt wer­den könne. Die­se Be­stim­mung sei auf die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nicht, auch nicht ana­log an­wend­bar. Die Vor­aus­set­zun­gen für die Recht­fer­ti­gung ei­ner un­mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters nach § 10 Satz 1 und Satz 2 AGG lägen nicht vor.


Die Kläge­rin hat zu­letzt be­an­tragt, 


1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie rückständi­ge Wit­wen­ren­te für die Mo­na­te März 2011 bis De­zem­ber 2012 iHv. ins­ge­samt 15.916,78 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus je­weils 723,49 Eu­ro seit dem je­wei­li­gen Ers­ten des Fol­ge­mo­nats, be­gin­nend mit dem 1. April 2011 und en­dend mit dem 1. Ja­nu­ar 2013 zu zah­len,


2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie ab dem 1. Ja­nu­ar 2013 le­bens­lang zum En­de ei­nes je­den Mo­nats ei­ne mo­nat­li­che Wit­wen­ren­te iHv. 723,49 Eu­ro brut­to zu zah­len,

hilfs­wei­se zu 1. und 2.,

fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ihr be­gin­nend mit dem 1. März 2011 ei­ne be­trieb­li­che Wit­wen­ren­te nach der Ver­sor­gungs­ord­nung der S GmbH von No­vem­ber 1982 un­ter Berück­sich­ti­gung des Nach­trags vom 15. Sep­tem­ber 1986 iHv. ka­len­der­mo­nat­lich der­zeit 723,49 Eu­ro brut­to zu zah­len hat.


- 10 -

Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Kläge­rin könne ei­ne Wit­wen­ren­te nicht be­an­spru­chen, da die Ehe ent­ge­gen der in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ge­trof­fe­nen Be­stim­mung erst nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res des ver­stor­be­nen Ehe­man­nes der Kläge­rin ge­schlos­sen wor­den sei. Aus dem Ar­beits­ver­trag vom 22. Au­gust 1989 fol­ge nichts Ab­wei­chen­des. Die Zu­sa­ge, dass der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin nicht schlech­ter ge­stellt wer­de als die Mit­ar­bei­ter der L AG, sei nur für den Fall ge­macht wor­den, dass ein „neu­er“ Plan er­ar­bei­tet wer­de. Ein An­spruch auf An­wen­dung be­stimm­ter Re­ge­lun­gen der PO L AG er­ge­be sich hier­aus nicht. Die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S sei zu­dem nicht gemäß § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam. Sie be­wir­ke kei­ne un­zulässi­ge Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters. Ih­re Rechts­vorgänge­rin ha­be mit der Späte­hen­klau­sel den Zweck ver­folgt, nicht noch kurz vor dem Ver­sor­gungs­fall ho­he Rück­stel­lun­gen bil­den zu müssen. Hier­durch ha­be das Ri­si­ko un­kal­ku­lier­ba­rer zusätz­li­cher Ver­sor­gungs­ansprüche aus­ge­schlos­sen wer­den sol­len, um die Fi­nan­zier­bar­keit der be­ste­hen­den Ver­sor­gungs­ansprüche der Ar­beit­neh­mer zu gewähr­leis­ten. Soll­te sich die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S als un­wirk­sam er­wei­sen, müss­ten ggf. Zu­sa­gen für künf­ti­ge Mit­ar­bei­ter re­du­ziert wer­den, da un­kal­ku­lier­ba­re, später ein­ge­tre­te­ne Er­eig­nis­se (wie wei­te­re Leis­tungs­be­rech­tig­te) die Fi­nan­zie­rung der Be­triebs­ren­ten ins Un­gleich­ge­wicht führen könn­ten. Auch die Be­stim­mung der Al­ters­gren­ze auf das 60. Le­bens­jahr sei nicht zu be­an­stan­den. Die zeit­li­che Gren­ze von 60 Jah­ren knüpfe an die Nähe zum Ver­sor­gungs­al­ter an und le­ge mit­hin den Zeit­raum fest, ab dem neue bio­me­tri­sche Ri­si­ken nicht mehr be­gründet wer­den sol­len. Im Übri­gen wir­ke sich aus, dass nach der un­ter I Ziff. 3 der VO S ge­trof­fe­nen Be­stim­mung Ar­beit­neh­mer, die bei ih­rem letz­ten Dienstein­tritt in die Fir­ma das 60. Le­bens­jahr be­reits voll­endet hat­ten, von Ver­sor­gungs­leis­tun­gen ins­ge­samt aus­ge­schlos­sen sei­en. Vor die­sem Hin­ter­grund sei die An­knüpfung an die Ehe­sch­ließung vor der Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res für Ansprüche auf Hin­ter­blie­be­nen­ren­te erst recht nicht zu be­an­stan­den.


- 11 -

Die Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin nun­mehr fol­gen­de Anträge:

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie rückständi­ge Be­triebs­ren­te für die Mo­na­te März 2011 bis Mai 2013 iHv. ins­ge­samt 19.534,23 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus je­weils 723,49 Eu­ro seit dem je­wei­li­gen Ers­ten des je­wei­li­gen Fol­ge­mo­nats, be­gin­nend mit dem 1. April 2011 und en­dend mit dem 1. Ju­ni 2013 zu zah­len,

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie ab dem 1. Ju­ni 2013 le­bens­lang zum En­de ei­nes je­den Mo­nats ei­ne mo­nat­li­che Wit­wen­ren­te iHv. 723,49 Eu­ro brut­to zu zah­len,

3. hilfs­wei­se fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ihr be­gin­nend mit dem 1. März 2011 ei­ne be­trieb­li­che Wit­wen­ren­te nach der Ver­sor­gungs­ord­nung der S GmbH von No­vem­ber 1982 un­ter Berück­sich­ti­gung des Nach­trags vom 15. Sep­tem­ber 1986 iHv. mo­nat­lich 723,49 Eu­ro brut­to zu zah­len hat.

Die Be­klag­te be­gehrt die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on. 


Ent­schei­dungs­gründe

Die zulässi­ge Re­vi­si­on ist be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge mit den Haupt­anträgen zu Un­recht ab­ge­wie­sen. Die Haupt­anträge zu 1. und 2. sind zulässig und be­gründet. Ei­ner Ent­schei­dung über den Hilfs­an­trag der Kläge­rin be­darf es des­halb nicht.


A. Die Kla­ge ist zulässig. 


I. Dies gilt auch für den Haupt­an­trag zu 2. Der Kla­ge­an­trag zu 2. ist auf die Zah­lung wie­der­keh­ren­der Leis­tun­gen iSd. § 258 ZPO ge­rich­tet. Bei wie­der­keh­ren­den Leis­tun­gen, die - wie Be­triebs­ren­ten­ansprüche - von kei­ner Ge­gen­leis­tung abhängen, können gemäß § 258 ZPO grundsätz­lich auch künf­tig fällig


- 12 -

wer­den­de Teil­beträge ein­ge­klagt wer­den. Im Ge­gen­satz zu § 259 ZPO muss nicht die Be­sorg­nis be­ste­hen, der Schuld­ner wer­de sich der recht­zei­ti­gen Leis­tung ent­zie­hen (vgl. et­wa BAG 10. Fe­bru­ar 2015 - 3 AZR 37/14 - Rn. 17; 17. Ju­ni 2014 - 3 AZR 529/12 - Rn. 21 mwN).

II. Der Zulässig­keit der Kla­ge mit den Haupt­anträgen steht auch nicht ent­ge­gen, dass die Kläge­rin ih­ren Haupt­an­trag zu 1. um rückständi­ge Wit­wen­ren­te für die Zeit von Ja­nu­ar 2013 bis Mai 2013 er­wei­tert hat und dem­ent­spre­chend mit ih­rem Haupt­an­trag zu 2. künf­ti­ge Leis­tun­gen erst ab dem 1. Ju­ni 2013 ver­langt.

Zwar sind Kla­geände­run­gen in der Re­vi­si­ons­in­stanz grundsätz­lich un­zulässig. An­tragsände­run­gen können al­ler­dings aus pro­zessöko­no­mi­schen Gründen je­den­falls zu­ge­las­sen wer­den, wenn es sich da­bei um Fälle des § 264 Nr. 2 ZPO han­delt, der neue Sach­an­trag sich auf den in der Be­ru­fungs­in­stanz fest­ge­stell­ten Sach­ver­halt stützt und be­rech­tig­te In­ter­es­sen des Geg­ners nicht be­ein­träch­tigt wer­den (BAG 18. Sep­tem­ber 2007 - 3 AZR 560/05 - Rn. 14; 25. April 2006 - 3 AZR 184/05 - Rn. 13; 27. Ja­nu­ar 2004 - 1 AZR 105/03 - zu III der Gründe; 26. Au­gust 2003 - 3 AZR 431/02 - zu A der Gründe, BA­GE 107, 197).

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind vor­lie­gend erfüllt. Die Kläge­rin hat ih­ren Haupt­an­trag zu 1. um bis zum Zeit­punkt der Re­vi­si­ons­be­gründung fällig ge­wor­de­ne mo­nat­li­che Beträge und da­mit le­dig­lich quan­ti­ta­tiv er­wei­tert und dem­ent­spre­chend ih­ren Haupt­an­trag zu 2. ein­ge­schränkt, oh­ne dass sich ir­gend­et­was an dem bis­he­ri­gen Kla­ge­grund geändert hätte, § 264 Nr. 2 ZPO.

B. Die Kla­ge mit den Haupt­anträgen zu 1. und 2. ist be­gründet. Die Be­klag­te ist nach VII Ziff. 1 der VO S ver­pflich­tet, an die Kläge­rin ab dem Mo­nat März 2011 ei­ne Wit­wen­ren­te iHv. un­strei­tig mo­nat­lich 723,49 Eu­ro brut­to nebst ein­ge­klag­ter Zin­sen zu zah­len.

I. Die S GmbH hat­te dem ver­stor­be­nen Ehe­mann der Kläge­rin ei­ne Ver­sor­gung nach der VO S zu­ge­sagt, die auch ei­ne Wit­wen­ver­sor­gung um­fass­te. Da die­ser bis zu sei­nem To­de am 14. De­zem­ber 2010 bei der Be­klag­ten be-


- 13 -

schäftigt war, ist für den An­spruch der Kläge­rin auf Wit­wen­ren­te VII Ziff. 1 der VO S maßgeb­lich, nach des­sen Satz 1 die hin­ter­las­se­ne Ehe­frau ei­nes Mit­ar­bei­ters (Anwärters) den An­spruch mit des­sen To­de er­wirbt.


II. Die Kläge­rin erfüllt auch die zusätz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für den Be­zug ei­ner Wit­wen­ren­te ab dem Mo­nat März 2011 nach VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S. Die War­te­zeit nach III der VO S von fünf Jah­ren war be­reits am 1. De­zem­ber 1994 und da­mit Jah­re vor dem maßgeb­li­chen Da­tum 1. Mai 2010 erfüllt. Zu­dem hat­te zu die­sem Zeit­punkt die am 8. Au­gust 2008 ge­schlos­se­ne Ehe min­des­tens ein Jahr be­stan­den.

Dass die Ehe zwi­schen der Kläge­rin und ih­rem ver­stor­be­nen Ehe­mann ent­ge­gen der in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ge­trof­fe­nen Be­stim­mung erst ge­schlos­sen wur­de, nach­dem die­ser sein 60. Le­bens­jahr voll­endet hat­te, steht dem An­spruch der Kläge­rin nicht ent­ge­gen. Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Kläge­rin hat­ten ihr ver­stor­be­ner Ehe­mann und die S GmbH die in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ent­hal­te­ne Späte­hen­klau­sel zwar nicht durch Ziff. 4 Buchst. a des Ar­beits­ver­trags vom 22. Au­gust 1989 ab­be­dun­gen; eben­so we­nig hat­te die Be­klag­te der Kläge­rin mit Schrei­ben vom 4. Ja­nu­ar 2011 un­abhängig von den Be­stim­mun­gen der VO S ei­ne Wit­wen­ren­te zu­ge­sagt oder den An­spruch der Kläge­rin auf Wit­wen­ren­te an­er­kannt; die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ist je­doch gemäß § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam, da sie ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters nach §§ 1, 3 Abs. 1 Satz 1, § 7 Abs. 1 AGG be­wirkt, die nicht nach § 10 AGG ge­recht­fer­tigt ist.

1. Wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend an­ge­nom­men hat, hat­ten der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin und die S GmbH die in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ent­hal­te­ne Späte­hen­klau­sel nicht durch Ziff. 4 Buchst. a des Ar­beits­ver­trags vom 22. Au­gust 1989 ab­be­dun­gen.

a) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die­se Be­stim­mung des Ar­beits­ver­trags des ver­stor­be­nen Ehe­man­nes der Kläge­rin vom 22. Au­gust 1989 da­hin aus­ge­legt, dass die in der PO L AG nie­der­ge­leg­ten Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen als


- 14 -

Min­dest­stan­dard nur für den Fall der Übe­r­ar­bei­tung der VO S ga­ran­tiert wur­den.

b) Die­se Aus­le­gung ist re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den, wo­bei da­hin­ste­hen kann, ob es sich bei den im Ar­beits­ver­trag vom 22. Au­gust 1989 ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen um aty­pi­sche oder ty­pi­sche Wil­lens­erklärun­gen, mit­hin um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen han­delt. Die Aus­le­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts hält auch ei­ner un­be­schränk­ten re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung stand.

aa) Aty­pi­sche Wil­lens­erklärun­gen sind nach §§ 133, 157 BGB so aus­zu­le­gen, wie die Par­tei­en sie nach Treu und Glau­ben un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te ver­ste­hen müssen. Da­bei ist vom Wort­laut aus­zu­ge­hen, zur Er­mitt­lung des wirk­li­chen Wil­lens der Par­tei­en sind je­doch auch die außer­halb der Ver­ein­ba­rung lie­gen­den Umstände ein­zu­be­zie­hen, so­weit sie ei­nen Schluss auf den Sinn­ge­halt der Erklärung zu­las­sen. Vor al­lem sind die be­ste­hen­de In­ter­es­sen­la­ge und der mit dem Rechts­geschäft ver­folg­te Zweck zu berück­sich­ti­gen. Die Aus­le­gung in­di­vi­du­el­ler Wil­lens­erklärun­gen kann der Se­nat als Re­vi­si­ons­ge­richt nur dar­auf­hin über­prüfen, ob das Be­ru­fungs­ge­richt Aus­le­gungs­re­geln ver­letzt, ge­gen Denk- und Er­fah­rungssätze ver­s­toßen oder we­sent­li­che Tat­sa­chen un­berück­sich­tigt ge­las­sen hat (BAG 15. Ju­ni 2010 - 3 AZR 994/06 - Rn. 26 f.; 11. De­zem­ber 2001 - 3 AZR 334/00 - zu I 2 a aa der Gründe).

bb) Dem­ge­genüber sind All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den. Da­bei sind nicht die Verständ­nismöglich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu­grun­de zu le­gen. Die Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ob­liegt auch dem Re­vi­si­ons­ge­richt (BAG 10. De­zem­ber 2013 - 3 AZR 715/11 - Rn. 17; 25. Ju­ni 2013 - 3 AZR 219/11 - Rn. 19 mwN, BA­GE 145, 314).


- 15 -

cc) Die Aus­le­gung von Ziff. 4 Buchst. a des Ar­beits­ver­trags vom 22. Au­gust 1989 durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt hält auch ei­ner un­be­schränk­ten re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung stand.


Der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin und die S GmbH ha­ben un­ter Ziff. 4 Buchst. a des Ar­beits­ver­trags vom 22. Au­gust 1989 zunächst auf den bei der S GmbH be­ste­hen­den Pen­si­ons­plan, und da­mit auf die VO S Be­zug ge­nom­men. Fer­ner enthält Ziff. 4 Buchst. a des Ar­beits­ver­trags die For­mu­lie­rung, dass die­ser Plan „zur Zeit übe­r­ar­bei­tet“ wird. Hier­bei han­delt es sich er­kenn­bar nur um ei­nen Hin­weis. Da­her konn­te die in Ziff. 4 Buchst. a Satz 2 des Ar­beits­ver­trags zu­dem ent­hal­te­ne Zu­si­che­rung, der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin wer­de durch den neu­en Plan nicht schlech­ter ge­stellt als die Mit­ar­bei­ter der Mut­ter­ge­sell­schaft, der L AG, bei verständi­ger Würdi­gung nur so ver­stan­den wer­den, dass die­se Zu­si­che­rung nur gel­ten soll­te, wenn ein neu­er Pen­si­ons­plan tatsächlich zu­stan­de kom­men würde. Vor die­sem Hin­ter­grund kann Ziff. 4 Buchst. a des Ar­beits­ver­trags des ver­stor­be­nen Ehe­man­nes der Kläge­rin ins­be­son­de­re nicht da­hin aus­ge­legt wer­den, dass für des­sen Ansprüche auf Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung die je­weils güns­ti­ge­ren Re­ge­lun­gen der VO S und der PO L AG An­wen­dung fin­den sol­len.

2. Wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt eben­falls in re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den­der Wei­se an­ge­nom­men hat, hat die Be­klag­te der Kläge­rin mit Schrei­ben vom 4. Ja­nu­ar 2011 we­der un­abhängig von den Be­stim­mun­gen der VO S ei­ne Wit­wen­ren­te zu­ge­sagt noch den An­spruch der Kläge­rin auf Wit­wen­ren­te an­er­kannt. Das Schrei­ben der Be­klag­ten vom 4. Ja­nu­ar 2011 enthält in Be­zug auf die Wit­wen­ren­te we­der ein kon­sti­tu­ti­ves abs­trak­tes Schuld­ver­spre­chen iSv. § 780 BGB bzw. kon­sti­tu­ti­ves abs­trak­tes Schuld­an­er­kennt­nis iSv. § 781 BGB, noch ein de­kla­ra­to­ri­sches Schuld­an­er­kennt­nis, auf­grund des­sen der Be­klag­ten ei­ne Be­ru­fung auf die Späte­hen­klau­sel ver­wehrt wäre.

Das Schrei­ben der Be­klag­ten vom 4. Ja­nu­ar 2011 ent­hiel­te nur dann ein selbständi­ges abs­trak­tes Schuld­ver­spre­chen iSv. § 780 BGB bzw. ein selbständig ver­pflich­ten­des Schuld­an­er­kennt­nis iSv. § 781 BGB, wenn sich ihm im We­ge der Aus­le­gung der Wil­le der Be­klag­ten ent­neh­men ließe, ei­ne selbstän-

- 16 -

di­ge, von den zu­grun­de lie­gen­den Rechts­be­zie­hun­gen - hier: den Be­stim­mun­gen der VO S - los­gelöste Ver­pflich­tung zur Zah­lung ei­ner Wit­wen­ren­te an die Kläge­rin zu über­neh­men (vgl. et­wa BGH 14. Ja­nu­ar 2008 - II ZR 245/06 - Rn. 15 mwN; 7. De­zem­ber 2004 - XI ZR 361/03 - zu II 2 b aa der Gründe, BGHZ 161, 273; 14. Ok­to­ber 1998 - XII ZR 66/97 - zu 2 b der Gründe mwN). Ein de­kla­ra­to­ri­sches Schuld­an­er­kennt­nis stell­te das Schrei­ben der Be­klag­ten vom 4. Ja­nu­ar 2011 nur dann dar, wenn sei­ne Aus­le­gung ergäbe, dass die Par­tei­en das Ver­sor­gungs­verhält­nis ganz oder teil­wei­se dem Streit oder der Un­ge­wiss­heit ent­zie­hen und es endgültig fest­le­gen woll­ten (vgl. BGH 28. Mai 2014 - XII ZR 6/13 - Rn. 26; 12. März 2009 - IX ZB 157/08 - Rn. 2; 11. Ja­nu­ar 2007 - VII ZR 165/05 - Rn. 8 mwN; vgl. BAG 27. Fe­bru­ar 2014 - 6 AZR 931/12 - Rn. 40; 13. März 2002 - 5 AZR 43/01 - zu II 2 a der Gründe). So­wohl ein selbständi­ges abs­trak­tes Schuld­ver­spre­chen iSv. § 780 BGB bzw. ein selbständig ver­pflich­ten­des Schuld­an­er­kennt­nis iSv. § 781 BGB als auch ein de­kla­ra­to­ri­sches Schuld­an­er­kennt­nis set­zen dem­nach ei­nen Rechts­bin­dungs­wil­len vor­aus. Dar­an fehlt es, so­weit der Schuld­ner le­dig­lich ei­ne Mit­tei­lung macht. Dann han­delt es sich al­len­falls um ei­ne rein de­kla­ra­to­ri­sche Wis­sens­erklärung oh­ne Rechts­bin­dungs­wil­len und nicht um ei­ne Wil­lens­erklärung (vgl. et­wa BAG 14. Fe­bru­ar 2012 - 3 AZR 685/09 - Rn. 59; 23. Au­gust 2011 - 3 AZR 669/09 - Rn. 15 für die Aus­kunft nach § 4a Abs. 1 Nr. 1 Be­trAVG; 29. Sep­tem­ber 2010 - 3 AZR 546/08 - Rn. 19 mwN für den Be­scheid nach § 9 Abs. 1 Be­trAVG). Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist mit na­he­lie­gen­der Be­gründung da­von aus­ge­gan­gen, dass es an ei­nem sol­chen Rechts­bin­dungs­wil­len hier fehlt. Un­ter Zu­grun­de­le­gung des ein­ge­schränk­ten re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfungs­maßstabs (oben B II 1 b aa) ist da­her da­von aus­zu­ge­hen, dass sich dem Schrei­ben vom 4. Ja­nu­ar 2011 ein An­ge­bot der Be­klag­ten, an die Kläge­rin ab dem 1. März 2011 un­ge­ach­tet der in der VO S be­stimm­ten Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen ei­ne Wit­wen­ren­te zu zah­len, nicht ent­neh­men lässt.


3. Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts be­wirkt die in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ent­hal­te­ne Vor­aus­set­zung, dass die Ehe vor der Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res durch den Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten ge­schlos­sen sein muss, ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters nach


- 17 -

§§ 1, 3 Abs. 1 Satz 1, § 7 Abs. 1 AGG, die nicht nach § 10 AGG ge­recht­fer­tigt und des­halb nach § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam ist.

a) Das AGG ist an­wend­bar. 


aa) Das AGG gilt trotz der in § 2 Abs. 2 Satz 2 ent­hal­te­nen Ver­wei­sung auf das Be­triebs­ren­ten­ge­setz auch für die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung, so­weit das Be­triebs­ren­ten­ge­setz nicht vor­ran­gi­ge Son­der­re­ge­lun­gen enthält (BAG 11. De­zem­ber 2007 - 3 AZR 249/06 - Rn. 22, BA­GE 125, 133). Letz­te­res ist nicht der Fall.

bb) Das AGG ist auch in zeit­li­cher Hin­sicht an­wend­bar. Sei­ne An­wen­dung setzt vor­aus, dass un­ter sei­nem zeit­li­chen Gel­tungs­be­reich ein Rechts­verhält­nis zwi­schen dem Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten und dem Ver­sor­gungs­schuld­ner be­stand. Da­bei ist auf den Beschäftig­ten (§ 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AGG) und nicht auf den Hin­ter­blie­be­nen ab­zu­stel­len (BAG 15. Ok­to­ber 2013 - 3 AZR 653/11 - Rn. 31 mwN). Zum Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens des AGG am 18. Au­gust 2006 (vgl. Art. 4 Satz 1 des Ge­set­zes zur Um­set­zung eu­ropäischer Richt­li­ni­en zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung vom 14. Au­gust 2006 - BGBl. I S. 1897) stand der Ehe­mann der Kläge­rin noch im Ar­beits- und da­mit in ei­nem Rechts­verhält­nis zur Be­klag­ten.

b) Nach § 7 Abs. 1 Halbs. 1 AGG dürfen Beschäftig­te nicht we­gen der in § 1 AGG ge­nann­ten Gründe, ua. we­gen des Al­ters, be­nach­tei­ligt wer­den. Un­zulässig sind un­mit­tel­ba­re und mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gun­gen. Ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung ist nach § 3 Abs. 1 Satz 1 AGG ge­ge­ben, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt als ei­ne an­de­re Per­son in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on. Nach § 3 Abs. 2 AGG liegt ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung vor, wenn dem An­schein nach neu­tra­le Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren Per­so­nen we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ge­genüber an­de­ren Per­so­nen in be­son­de­rer Wei­se be­nach­tei­li­gen können, es sei denn, die be­tref­fen­den Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt und die Mit­tel sind zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich. Be­stim-
 

- 18 -

mun­gen in Ver­ein­ba­run­gen, die ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 7 Abs. 1 AGG ver­s­toßen, sind nach § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam (vgl. et­wa BAG 18. März 2014 - 3 AZR 69/12 - Rn. 17, BA­GE 147, 279; 12. No­vem­ber 2013 - 3 AZR 356/12 - Rn. 20 mwN).

c) Die in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ent­hal­te­ne An­spruchs­vor­aus­set­zung, dass die Ehe vor der Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res durch den Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten ge­schlos­sen wur­de, be­wirkt ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters iSd. §§ 1, 3 Abs. 1 Satz 1 und § 7 AGG, wo­bei auch für die Be­ur­tei­lung, ob ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung vor­liegt, auf den Beschäftig­ten (§ 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AGG) und nicht auf den Hin­ter­blie­be­nen ab­zu­stel­len ist (vgl. et­wa BAG 15. Sep­tem­ber 2009 - 3 AZR 294/09 - Rn. 28). Die Re­ge­lung knüpft un­mit­tel­bar an die Über­schrei­tung des 60. Le­bens­jah­res an und führt da­zu, dass Mit­ar­bei­ter, die die Ehe erst nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res schließen, von der Wit­wen­ver­sor­gung vollständig aus­ge­schlos­sen sind. Da­mit er­fah­ren Mit­ar­bei­ter, die - wie der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin - die Ehe schließen, nach­dem sie das 60. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, we­gen ih­res Al­ters ei­ne ungüns­ti­ge­re Be­hand­lung.

d) Die durch die Späte­hen­klau­sel be­wirk­te Un­gleich­be­hand­lung ist nicht nach § 10 AGG sach­lich ge­recht­fer­tigt.

aa) Nach § 10 Satz 1 AGG ist ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters zulässig, wenn sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt ist. Die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels müssen nach § 10 Satz 2 AGG an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sein. § 10 Satz 3 AGG enthält ei­ne Aufzählung von Tat­beständen, wo­nach der­ar­ti­ge un­ter­schied­li­che Be­hand­lun­gen ins­be­son­de­re ge­recht­fer­tigt sein können. Nach § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG ist dies der Fall bei der Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit als Vor­aus­set­zung für die Mit­glied­schaft oder den Be­zug von Al­ters­ren­te oder von Leis­tun­gen bei In­va­li­dität ein­sch­ließlich der Fest­set­zung un­ter­schied­li­cher Al­ters­gren­zen im Rah­men die­ser Sys­te­me für be­stimm­te Beschäftig­te oder Grup­pen von Beschäftig­ten und die Ver­wen­dung von Al­ters­kri­te­ri­en im Rah­men die­ser Sys­te­me für ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche


- 19 -

Be­rech­nun­gen. In­dem der Ge­setz­ge­ber den in Nr. 4 ge­re­gel­ten Tat­be­stand in die Recht­fer­ti­gungs­gründe des § 10 Satz 3 AGG ein­ge­ord­net hat, hat er zum Aus­druck ge­bracht, dass die Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen für den An­spruch auf Leis­tun­gen aus den dort auf­geführ­ten be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit grundsätz­lich ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und durch ein le­gi­ti­mes Ziel iSv. § 10 Satz 1 AGG ge­recht­fer­tigt ist. Da ei­ne sol­che Al­ters­gren­ze in der je­wei­li­gen Ver­sor­gungs­re­ge­lung fest­zu­set­zen ist, muss die kon­kret gewähl­te Al­ters­gren­ze al­ler­dings iSv. § 10 Satz 2 AGG an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sein (vgl. et­wa BAG 9. De­zem­ber 2014 - 1 AZR 102/13 - Rn. 25; 18. März 2014 - 3 AZR 69/12 - Rn. 20, BA­GE 147, 279; 12. No­vem­ber 2013 - 3 AZR 356/12 - Rn. 22 mwN).


bb) § 10 AGG dient der Um­set­zung von Art. 6 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (ABl. EG L 303 vom 2. De­zem­ber 2000 S. 16, im Fol­gen­den Richt­li­nie 2000/78/EG) in das na­tio­na­le Recht. Die Be­stim­mung ist mit Uni­ons­recht ver­ein­bar (vgl. im Ein­zel­nen et­wa BAG 18. März 2014 - 3 AZR 69/12 - Rn. 21 ff., BA­GE 147, 279; 12. No­vem­ber 2013 - 3 AZR 356/12 - Rn. 23 mwN).


cc) Die durch die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 VO S be­wirk­te Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters kann nicht nach § 10 Satz 3 Nr. 4 iVm. Satz 2 AGG ge­recht­fer­tigt wer­den.


(1) Ein­schlägig ist hier al­lein die in § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG auf­geführ­te Fall­grup­pe der „Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit als Vor­aus­set­zung für den Be­zug von Leis­tun­gen“. Es geht we­der dar­um, ob der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin über­haupt ei­nen An­spruch auf Leis­tun­gen nach der VO S hat und da­mit nicht um die „Mit­glied­schaft“ im Ver­sor­gungs­sys­tem, noch um die Durchführung ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­scher Be­rech­nun­gen in­ner­halb des Ver­sor­gungs­sys­tems. Viel­mehr legt die VO S in VII Ziff. 1 Satz 2 be­son­de­re Vor­aus­set­zun­gen für den Be­zug ei­ner Wit­wen­ren­te fest.


- 20 -

(2) § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG knüpft für die Fall­grup­pe der „Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit als Vor­aus­set­zung für den Be­zug von Leis­tun­gen“ be­reits von sei­nem Wort­laut her aus­sch­ließlich an die Ri­si­ken „Al­ter“ und „In­va­li­dität“ und nicht an das Ri­si­ko des „To­des“ an und er­fasst des­halb aus­sch­ließlich die Al­ters- und In­va­li­ditäts­ver­sor­gung, nicht je­doch die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung und da­mit auch nicht die Wit­wen­ver­sor­gung, um die es vor­lie­gend geht.

(3) Dass ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung re­gelmäßig nur dann ver­spro­chen wird, wenn auch ei­ne Al­ters­ver­sor­gung zu­ge­sagt ist und dass sich die Höhe ei­ner Wit­wen- und Wit­wer­ver­sor­gung re­gelmäßig an der Höhe der be­trieb­li­chen Al­ters­ren­te oder - so­fern ver­spro­chen - der In­va­li­ditäts­ren­te ori­en­tiert, die Wit­wen- und Wit­wer­ren­te dem­nach re­gelmäßig in ei­nem be­stimm­ten Abhängig­keits­verhält­nis zur Al­ters- und In­va­li­ditäts­ren­te steht, führt ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Be­klag­ten nicht da­zu, dass die Wit­wen- und Wit­wer­ren­te als „An­nex“ von der in § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG auf­geführ­ten Al­ters- bzw. In­va­li­ditäts­ren­te mit­er­fasst würde. Dies folgt aus ei­ner uni­ons­rechts­kon­for­men Aus­le­gung der Be­stim­mung.

Mit § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG hat der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber von der Ermäch­ti­gung in Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG Ge­brauch ge­macht und die­se Be­stim­mung in na­tio­na­les Recht um­ge­setzt. Da­nach können die Mit­glied­staa­ten vor­se­hen, dass bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit die Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen als Vor­aus­set­zung für die Mit­glied­schaft oder den Be­zug von Al­ters­ren­te oder von Leis­tun­gen bei In­va­li­dität ein­sch­ließlich der Fest­set­zung un­ter­schied­li­cher Al­ters­gren­zen im Rah­men die­ser Sys­te­me für be­stimm­te Beschäftig­te oder Grup­pen bzw. Ka­te­go­ri­en von Beschäftig­ten und die Ver­wen­dung im Rah­men die­ser Sys­te­me von Al­ters­kri­te­ri­en für ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche Be­rech­nun­gen kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters dar­stellt, so­lan­ge dies nicht zu Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen des Ge­schlechts führt. Die Aus­le­gung von § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG hat des­halb uni­ons­rechts­kon­form iSv. Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG zu er­fol­gen.


- 21 -

Der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on hat zu Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG mit Ur­tei­len vom 26. Sep­tem­ber 2013 (- C-546/11 - [Dansk Ju­rist] Rn. 39 bis 43; - C-476/11 - [HK Dan­mark] Rn. 44 bis 48) er­kannt, die­se Be­stim­mung sei da­hin aus­zu­le­gen, dass sie nur auf ei­ne Al­ters­ren­te oder Leis­tun­gen bei In­va­li­dität ei­nes be­trieb­li­chen Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit an­wend­bar ist. Sie gilt da­nach al­so nur für ein be­trieb­li­ches Sys­tem der so­zia­len Si­cher­heit, das die Ri­si­ken von „Al­ter“ und „In­va­li­dität“ ab­deckt. Ei­ne Aus­le­gung da­hin, dass die­se Vor­schrift für al­le Ar­ten von be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit gilt, stellt da­nach ei­nen Ver­s­toß ge­gen das Er­for­der­nis dar, die Vor­schrift eng aus­zu­le­gen und würde ei­ne un­zulässi­ge Aus­deh­nung ih­res Gel­tungs­be­reichs be­wir­ken.


(4) Ent­ge­gen ih­rer Rechts­auf­fas­sung kann die Be­klag­te aus dem Ur­teil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 27. Mai 2009 (- 8 CN 1.09 - BVerw­GE 134, 99) für ei­ne An­wen­dung von § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG auf die in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ge­re­gel­te Späte­hen­klau­sel nichts zu ih­ren Guns­ten ab­lei­ten. Zwar hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in die­ser Ent­schei­dung die In­va­li­ditäts­ver­sor­gung als von Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG er­fasst be­trach­tet; es hat aus­geführt, die Zulässig­keit der Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters sei in Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG zwar aus­drück­lich nur für den Be­zug von Al­ters- und In­va­li­ditäts­ren­te ge­re­gelt, nicht hin­ge­gen für die Hin­ter­blie­be­nen­ren­te. Die Hin­ter­blie­be­nen­ren­te lei­te sich je­doch zwin­gend von der Al­ters- und In­va­li­ditäts­ren­te ab und leh­ne sich an­tei­lig an. Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist je­doch vor der ge­gen­tei­li­gen Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on er­gan­gen.


dd) Die durch die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 VO S be­wirk­te Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters kann auch nicht in er­wei­tern­der Aus­le­gung von § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG oder in ana­lo­ger An­wen­dung von § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG ge­recht­fer­tigt wer­den.


(1) Zwar heißt es in § 10 Satz 3 AGG, dass der­ar­ti­ge un­ter­schied­li­che Be­hand­lun­gen „ins­be­son­de­re“ die un­ter den Nr. 1 bis 6 auf­geführ­ten Fälle ein-schließen können. Da­mit zählt § 10 Satz 3 AGG sei­nem Wort­laut nach nur Bei-


- 22 -

spielsfälle auf und enthält kei­nen ab­sch­ließen­den Ka­ta­log von An­wen­dungsfällen denk­ba­rer Recht­fer­ti­gun­gen für ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters (vgl. et­wa BAG 24. Ja­nu­ar 2013 - 8 AZR 429/11 - Rn. 45; 25. Fe­bru­ar 2010 - 6 AZR 911/08 - Rn. 35, BA­GE 133, 265; 22. Ja­nu­ar 2009 - 8 AZR 906/07 - Rn. 40, BA­GE 129, 181). Den­noch ist die Ver­wen­dung von Al­ters­kri­te­ri­en in den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit als Vor­aus­set­zung für den Be­zug von Leis­tun­gen im To­des­fall, mit­hin für den Be­zug ei­ner Wit­wen- und Wit­wer­ren­te, kein denk­ba­rer - über die aus­drück­lich ge­nann­ten Bei­spielsfälle hin­aus­ge­hen­der - An­wen­dungs­fall ei­ner Recht­fer­ti­gung iSv. § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG. Ei­ne ergänzen­de Aus­le­gung die­ser Be­stim­mung da­hin, dass sie auch die Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen in Be­triebs­ren­ten­sys­te­men als Vor­aus­set­zung für den Be­zug ei­ner Hin­ter­blie­be­nen­ren­te er­fasst oder ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung von § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG auf sol­che Al­ters­gren­zen schei­det aus. Dies folgt eben­falls aus ei­ner uni­ons­rechts­kon­for­men Aus­le­gung von § 10 Satz 3 AGG im Lich­te von Art. 6 der Richt­li­nie 2000/78/EG.

(2) Nur Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG enthält - wie die Ver­wen­dung des Be­griffs „ins­be­son­de­re“ ver­deut­licht - ei­nen nicht ab­sch­ließen­den Ka­ta­log von An­wen­dungsfällen denk­ba­rer Recht­fer­ti­gun­gen für ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters iSd. Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie (EuGH 18. No­vem­ber 2010 - C-250/09 und C-268/09 - [Ge­or­giev] Rn. 36, Slg. 2010, I-11869). Dem­ge­genüber hat der Uni­ons­ge­setz­ge­ber ei­ne mögli­che Recht­fer­ti­gung ei­ner un­mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit nicht in den Bei­spiel­ka­ta­log von Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG auf­ge­nom­men, son­dern in Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG ei­ner ei­genständi­gen Re­ge­lung zu­geführt. Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG, der es den Mit­glied­staa­ten ge­stat­tet, ei­ne Aus­nah­me vom Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen des Al­ters vor­zu­se­hen, ist nicht nur eng aus­zu­le­gen (EuGH 26. Sep­tem­ber 2013 - C-546/11 - [Dansk Ju­rist] Rn. 41; 26. Sep­tem­ber 2013 - C-476/11 - [HK Dan­mark] Rn. 46), son­dern auch ab­sch­ließend. Ei­ne Aus­nah­me von dem Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters iSv. Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG ist bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit aus-


- 23 -

schließlich in den in Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG aus­drück­lich g-nann­ten Fällen möglich. Hätte der Uni­ons­ge­setz­ge­ber den Gel­tungs­be­reich die­ser Be­stim­mung über die dort ge­nann­ten Fälle hin­aus aus­deh­nen wol­len, hätte er dies - wie in Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG ge­sche­hen - durch ei­ne ein­deu­ti­ge For­mu­lie­rung, zB un­ter Ver­wen­dung des Ad­verbs „ins­be­son­de­re“ ge­tan (EuGH 26. Sep­tem­ber 2013 - C-546/11 - [Dansk Ju­rist] Rn. 39; 26. Sep­tem­ber 2013 - C-476/11 - [HK Dan­mark] Rn. 44).

ee) Die durch die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S be­wirk­te un­mit­tel­ba­re Un­gleich­be­hand­lung des ver­stor­be­nen Ehe­man­nes der Kläge­rin we­gen des Al­ters ist auch nicht nach § 10 Satz 1 und Satz 2 AGG ge­recht­fer­tigt. Nach § 10 Satz 1 AGG ist ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters ge­stat­tet, wenn die­se ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt ist; nach § 10 Satz 2 AGG müssen die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sein. Es kann vor­lie­gend da­hin­ste­hen, ob die durch die Späte­hen­klau­sel be­wirk­te Un­gleich­be­hand­lung der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten we­gen des Al­ters durch ein le­gi­ti­mes Ziel iSv. § 10 Satz 1 AGG ge­recht­fer­tigt ist. Je­den­falls ist die Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S zur Er­rei­chung der mit ihr ver­folg­ten Zie­le nicht an­ge­mes­sen und er­for­der­lich iSv. § 10 Satz 2 AGG.

(1) Es kann of­fen­blei­ben, ob die durch VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S be­wirk­te Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters durch ein le­gi­ti­mes Ziel iSv. § 10 Satz 1 AGG ge­recht­fer­tigt ist.


(a) Der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on hat nicht nur er­kannt, dass le­gi­ti­me Zie­le iSv. Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG we­gen der als Bei­spie­le ge­nann­ten Be­rei­che Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung sol­che aus dem Be­reich „Ar­beits- und So­zi­al­po­li­tik“ sind (vgl. EuGH 26. Fe­bru­ar 2015 - C-515/13 - [In­ge­niørfo­ren­gin­gen i Dan­mark] Rn. 19; 28. Ja­nu­ar 2015 - C-417/13 - [Star­ja­kob] Rn. 34; 26. Sep­tem­ber 2013 - C-546/11 - [Dansk Ju­rist] Rn. 50; 13. Sep­tem­ber 2011 - C-447/09 - [Prig­ge] Rn. 81, Slg. 2011, I-8003; 18. Ju­ni 2009 - C-88/08 - [Hütter] Rn. 41, Slg. 2009, I-5325; 5. März 2009 - C-388/07 - [Age Con­cern Eng­land] Rn. 46, Slg. 2009,


- 24 -

I-1569; 12. Ok­to­ber 2010 - C-499/08 - [An­der­sen] Rn. 33, Slg. 2010, I-9343; 12. Ok­to­ber 2010 - C-45/09 - [Ro­sen­bladt] Rn. 41, Slg. 2010, I-9391; 16. Ok­to­ber 2007 - C-411/05 - [Pa­la­ci­os de la Vil­la] Rn. 68, Slg. 2007, I-8531; 22. No­vem­ber 2005 - C-144/04 - [Man­gold] Rn. 63, Slg. 2005, I-9981; vgl. auch BVerfG 24. Ok­to­ber 2011 - 1 BvR 1103/11 - Rn. 15). Er hat zu­dem mit Ur­teil vom 26. Sep­tem­ber 2013 (- C-476/11 - [HK Dan­mark]) aus­geführt, dass auch Zie­le im Be­reich der Ar­beits- und So­zi­al­po­li­tik, die ein Ar­beit­ge­ber mit ei­ner im Ar­beits­ver­trag vor­ge­se­he­nen be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge an­strebt, le­gi­ti­me Zie­le iSv. Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG sein können. Gleich­zei­tig hat er die Le­gi­ti­mität der Zie­le für den Fall be­jaht, dass die­se im Rah­men so­zi­al-, beschäfti­gungs- und ar­beits­markt­po­li­ti­scher Be­lan­ge den In­ter­es­sen al­ler Beschäftig­ten Rech­nung tra­gen, um die­sen bei Ein­tritt in den Ru­he­stand ei­ne Al­ters­ver­sor­gung in an­ge­mes­se­ner Höhe zu gewähr­leis­ten (EuGH 26. Sep­tem­ber 2013 - C-476/11 - [HK Dan­mark]). Da nach al­le­dem le­gi­ti­me Zie­le iSv. Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG al­ler­dings nur sol­che im Rah­men so­zi­al-, beschäfti­gungs- und ar­beits­markt­po­li­ti­scher Be­lan­ge sind, die den In­ter­es­sen der Beschäftig­ten Rech­nung tra­gen, können Zie­le, die aus­sch­ließlich im Ei­gen­in­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers lie­gen, wie Kos­ten­re­du­zie­rung und Ver­bes­se­rung der Wett­be­werbsfähig­keit, ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters nicht nach § 10 Satz 1 AGG recht­fer­ti­gen (vgl. et­wa BAG 19. De­zem­ber 2013 - 6 AZR 790/12 - Rn. 26, BA­GE 147, 89).


(b) Ob die mit der un­ter VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ge­trof­fe­nen Späte­hen­klau­sel be­wirk­te Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters durch ein le­gi­ti­mes Ziel iSv. § 10 Satz 1 AGG ge­recht­fer­tigt ist, ist zwei­fel­haft.


(aa) Die Be­klag­te hat­te sich bis zum Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung in der Tat­sa­chen­in­stanz aus­sch­ließlich dar­auf be­ru­fen, ih­re Rechts­vorgänge­rin ha­be mit der Späte­hen­klau­sel das Ziel ver­folgt, nicht noch kurz vor dem Ver­sor­gungs­fall ho­he Rück­stel­lun­gen bil­den zu müssen. Es ha­be das Ri­si­ko un­kal­ku­lier­ba­rer zusätz­li­cher Ver­sor­gungs­ansprüche aus­ge­schlos­sen wer­den sol­len, um die Fi­nan­zier­bar­keit be­ste­hen­der Ver­sor­gungs­ansprüche der Ar­beit­neh­mer zu gewähr­leis­ten. Im ungüns­tigs­ten Fall müss­ten Zu­sa­gen für


- 25 -

künf­ti­ge Mit­ar­bei­ter re­du­ziert wer­den, da un­kal­ku­lier­ba­re, später ein­ge­tre­te­ne Er­eig­nis­se (wie wei­te­re Leis­tungs­be­rech­tig­te) die Fi­nan­zie­rung der Be­triebs­ren­ten ins Un­gleich­ge­wicht führen könn­ten. In der Re­vi­si­on hat sie zu­dem aus­geführt, die Rück­stel­lun­gen für die Al­ters­ver­sor­gung be­ruh­ten auf ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Be­rech­nun­gen, die sich ih­rer­seits an die Ster­be­ta­feln an­lehn­ten. Die­se Be­rech­nun­gen hätten mit der Späte­hen­klau­sel ab­ge­si­chert wer­den sol­len; es sei dar­um ge­gan­gen, un­kal­ku­lier­ba­re Ri­si­ken zu ver­mei­den. Das Ri­si­ko ei­ner höhe­ren Kos­ten­last ver­wirk­li­che sich bei ei­ner Hei­rat im ho­hen Le­bens­al­ter al­lein da­durch, dass der Al­ters­un­ter­schied der Ehe­leu­te im­mer größer wer­de und die Ver­sor­gungs­leis­tun­gen des­halb über ei­nen länge­ren Zeit­raum er­bracht wer­den müss­ten. Wel­chen Weg ein Ar­beit­ge­ber zur Mi­ni­mie­rung des Ri­si­kos von Späte­hen wähle, ob durch ei­ne Al­ters­ab­stands- oder durch ei­ne Späte­hen­klau­sel, müsse ihm über­las­sen blei­ben.

(bb) So­weit die Be­klag­te mit ih­rem Vor­brin­gen zu den Rück­stel­lun­gen zum Aus­druck brin­gen will, dass die Späte­hen­klau­sel da­zu dient, den ad­mi­nis­tra­ti­ven Auf­wand bei der nach § 249 HGB vor­zu­neh­men­den Bil­dung und Auflösung von Pen­si­onsrück­stel­lun­gen ge­ring zu hal­ten, stellt sich die­ses Ziel - für sich be­trach­tet - als Ziel im aus­sch­ließli­chen Ei­gen­in­ter­es­se der Ver­sor­gungs­schuld­ne­rin dar und ist da­mit kein le­gi­ti­mes Ziel iSv. § 10 Satz 1 AGG (vgl. EuGH 28. Ja­nu­ar 2015 - C-417/13 - [Star­ja­kob] Rn. 36 zu „Haus­halts­erwägun­gen“ und „ad­mi­nis­tra­ti­ven Erwägun­gen“ ei­nes Mit­glied­staats).

(cc) So­weit die Be­klag­te gel­tend macht, die Späte­hen­klau­sel be­zwe­cke, die mit der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­bun­de­nen zusätz­li­chen Ri­si­ken zu be­gren­zen, um den Ver­sor­gungs­auf­wand für die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­si­che­rungs­ma­the­ma­tisch verläss­lich kal­ku­lie­ren zu können, ist al­ler­dings zwei­fel­haft, ob die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten we­gen des Al­ters durch ein le­gi­ti­mes Ziel iSv. § 10 Satz 1 AGG ge­recht­fer­tigt ist.

Zwar ent­schei­det der Ar­beit­ge­ber bei ei­ner von ihm fi­nan­zier­ten be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung frei über de­ren Einführung. Ent­schließt er sich hier­zu, so ist er auch frei in der Ent­schei­dung, für wel­che der in § 1 Abs. 1 Be­trAVG ge­nann­ten Ver­sor­gungsfälle er Leis­tun­gen zu­sagt und wie hoch er die ent­sp­re-


- 26 -

chen­de Leis­tung do­tiert. Er kann Leis­tun­gen der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­spre­chen; ei­ne Rechts­pflicht hier­zu trifft ihn nicht. Aus die­sem Grund ist er grundsätz­lich auch be­rech­tigt, die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung von zusätz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen abhängig zu ma­chen und da­mit Per­so­nen, die die­se Vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllen, von die­ser Ver­sor­gung aus­zu­sch­ließen (vgl. BAG 20. April 2010 - 3 AZR 509/08 - Rn. 74 mwN, BA­GE 134, 89). Auch liegt ei­ne Be­gren­zung des Krei­ses der an­spruchs­be­rech­tig­ten Drit­ten durch zusätz­li­che an­spruchs­be­gründen­de oder be­son­de­re an­spruchs­aus­sch­ließen­de Merk­ma­le ge­ra­de im Be­reich der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung na­he, weil ein da­hin­ge­hen­des Leis­tungs­ver­spre­chen zusätz­li­che Unwägbar­kei­ten und Ri­si­ken mit sich bringt. Die­se be­tref­fen nicht nur den Zeit­punkt des Leis­tungs­falls, son­dern auch die Dau­er der Leis­tungs­er­brin­gung.


Vor die­sem Hin­ter­grund be­stand im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ar­beit­ge­ber­sei­tig ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an, die mit der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­bun­de­nen zusätz­li­chen Ri­si­ken zu be­gren­zen, um den Ver­sor­gungs-auf­wand verläss­lich kal­ku­lie­ren zu können (BAG 15. Ok­to­ber 2013 - 3 AZR 653/11 - Rn. 38; 20. April 2010 - 3 AZR 509/08 - Rn. 75 mwN, BA­GE 134, 89). Die­ses Ziel ist zwar ein rechtmäßiges Ziel iSv. § 3 Abs. 2 AGG, das über das Vor­lie­gen ei­ner mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ent­schei­det (vgl. et­wa BAG 15. Ok­to­ber 2013 - 3 AZR 653/11 - Rn. 36 f.; 15. Ok­to­ber 2013 - 3 AZR 294/11 - Rn. 30 f., BA­GE 146, 200). Ob es je­doch ein le­gi­ti­mes Ziel iSv. § 10 Satz 1 AGG ist und da­mit ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters recht­fer­ti­gen kann (vgl. da­ge­gen noch et­wa BAG 15. Ok­to­ber 2013 - 3 AZR 653/11 - Rn. 36; 15. Ok­to­ber 2013 - 3 AZR 294/11 - Rn. 30, aaO), ist vor dem Hin­ter­grund auch der an­geführ­ten neue­ren Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on nicht oh­ne Wei­te­res ein­deu­tig zu be­ant­wor­ten. Ge­gen die Le­gi­ti­mität des Ziels iSv. § 10 Satz 1 AGG könn­te spre­chen, dass ei­ne Ri­si­ko­be­gren­zung zum Zwe­cke ei­ner verläss­li­chen Kal­ku­la­ti­on des für die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zur Verfügung ge­stell­ten Do­tie­rungs­rah­mens zunächst im Ei­gen­in­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers liegt; dafür könn­te in­des spre­chen, dass Ar­beit­ge­ber ih­ren Beschäftig­ten Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung nur zu­kom­men las­sen, wenn sie auch die Möglich­keit ha­ben, den aus der Ver­sor-


- 27 -

gungs­zu­sa­ge re­sul­tie­ren­den Ver­sor­gungs­auf­wand verläss­lich zu pro­gnos­ti­zie­ren.

(dd) So­weit die Be­klag­te sich dar­auf be­ruft, mit der Späte­hen­klau­sel wer­de auch be­zweckt, die für die Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung ins­ge­samt zur Verfügung ge­stell­ten Mit­tel nur ei­nem ein­ge­grenz­ten Per­so­nen­kreis zu­kom­men zu las­sen, um die­sem bei Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls „Tod“ ei­ne Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung in an­ge­mes­se­ner, weil sub­stan­ti­el­ler Höhe gewähren zu können, spricht vor dem Hin­ter­grund des Ur­teils des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on vom 26. Sep­tem­ber 2013 (- C-476/11 - [HK Dan­mark]) viel dafür, dass die Späte­hen­klau­sel durch ein le­gi­ti­mes Ziel iSv. § 10 Satz 1 AGG ge­recht­fer­tigt ist.


(2) Dies kann vor­lie­gend je­doch of­fen­blei­ben, da die in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S kon­kret auf die Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res be­stimm­te Al­ters­gren­ze zur Er­rei­chung der mit der Späte­hen­klau­sel an­ge­streb­ten Zie­le, die mit der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­bun­de­nen zusätz­li­chen Ri­si­ken zu be­gren­zen, um den er­for­der­li­chen Ver­sor­gungs­auf­wand verläss­lich kal­ku­lie­ren zu können so­wie die für die Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung ins­ge­samt zur Verfügung ge­stell­ten Mit­tel auf ei­nen be­stimm­ten Per­so­nen­kreis zu ver­tei­len, um die­sem bei Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls „Tod“ ei­ne Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung in an­ge­mes­se­ner Höhe gewähren zu können, nicht an­ge­mes­sen und er­for­der­lich iSv. § 10 Satz 2 AGG ist.

(a) Die in der Späte­hen­klau­sel auf die Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res be­stimm­te Al­ters­gren­ze ist - in uni­ons­rechts­kon­for­mer Aus­le­gung von § 10 Satz 2 AGG - nur dann an­ge­mes­sen und er­for­der­lich, wenn sie es er­laubt, das mit der Späte­hen­klau­sel ver­folg­te Ziel zu er­rei­chen, oh­ne zu ei­ner übermäßigen Be­ein­träch­ti­gung der le­gi­ti­men In­ter­es­sen der­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer zu führen, de­nen auf­grund der Klau­sel die Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung vor­ent­hal­ten wird, weil sie bei Ehe­sch­ließung be­reits das 60. Le­bens­jahr voll­endet hat­ten (vgl. et­wa EuGH 26. Fe­bru­ar 2015 - C-515/13 - [In­ge­niørfo­re­nin­gen i Dan­mark] Rn. 25) und sie nicht über das hin­aus­geht, was zur Er­rei­chung des an­ge­streb-
 

- 28 -

ten Ziels not­wen­dig ist (vgl. EuGH 26. Sep­tem­ber 2013 - C-546/11 - [Dansk Ju­rist] Rn. 59).

(b) Die in VII Ziff. 1 Satz 2 VO S auf die Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res fest­ge­leg­te Al­ters­gren­ze ist nicht an­ge­mes­sen und er­for­der­lich, weil sie zu ei­ner übermäßigen Be­ein­träch­ti­gung der le­gi­ti­men In­ter­es­sen der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten führt, die - weil sie bei Ehe­sch­ließung das 60. Le­bens­jahr voll­endet hat­ten - von der Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung vollständig aus­ge­schlos­sen wer­den. Zu­dem geht sie zum Teil auch über das hin­aus, was zur Er­rei­chung des an­ge­streb­ten Ziels not­wen­dig ist.

(aa) Die Zu­sa­ge der Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung nach der VO S ist Teil ei­ner um­fas­sen­den Ver­sor­gungs­re­ge­lung. Durch die Zu­sa­ge sol­len die Ar­beit­neh­mer in der Sor­ge um die fi­nan­zi­el­le La­ge ih­rer Hin­ter­blie­be­nen ent­las­tet wer­den. Die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nach dem Be­triebs­ren­ten­ge­setz knüpft an das ty­pi­sier­te Ver­sor­gungs­in­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an (vgl. BAG 15. Ok­to­ber 2013 - 3 AZR 653/11 - Rn. 38). Für die­ses Ver­sor­gungs­in­ter­es­se ist es je­doch un­er­heb­lich, zu wel­chem Zeit­punkt die Ehe ge­schlos­sen wur­de. Es exis­tiert vor al­lem kein all­ge­mei­ner Er­fah­rungs­satz, dass die Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten, die die Ehe erst nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res schließen, ein ge­rin­ge­res In­ter­es­se an der Ver­sor­gung ih­rer Wit­wen und Wit­wer ha­ben als Ver­sor­gungs­be­rech­tig­te, die die Ehe in ei­nem jünge­ren Le­bens­al­ter schließen. So­wohl die Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten, die die Ehe vor der Voll­endung ih­res 60. Le­bens­jah­res als auch die Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten, die die Ehe erst da­nach ge­schlos­sen ha­ben, ha­ben ein glei­cher­maßen an­er­ken­nens­wer­tes In­ter­es­se an der Ver­sor­gung ih­rer Ehe­part­ner.

(bb) Zu­dem wirkt sich aus, dass die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ih­ren Ur­sprung in der dem Ar­beit­neh­mer und der Ar­beit­neh­me­rin er­teil­ten Ver­sor­gungs­zu­sa­ge hat und dass be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung auch Ent­gelt der be­rech­tig­ten - männ­li­chen wie weib­li­chen - Ar­beit­neh­mer ist, das die­se als Ge­gen­leis­tung für die im Ar­beits­verhält­nis er­brach­te Be­triebs­zu­gehörig­keit er­hal­ten (vgl. et­wa BAG 12. No­vem­ber 2013 - 3 AZR 274/12 - Rn. 27 mwN). Da­nach ist es re­gelmäßig nicht an­ge­mes­sen, die un­ter Gel­tung ei­ner Ver­sor­gungs­zu­sa­ge ab­ge­leis-
 

- 29 -

te­te Be­triebs­zu­gehörig­keit im Hin­blick auf die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung al­lein des­halb vollständig un­berück­sich­tigt zu las­sen, weil der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­te bei Ehe­sch­ließung das 60. Le­bens­jahr be­reits voll­endet hat­te.


(cc) Die Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res stellt auch - an­ders als das En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses (vgl. hier­zu BAG 15. Ok­to­ber 2013 - 3 AZR 653/11 - Rn. 38) oder der Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mer selbst (vgl. hier­zu BAG 15. Ok­to­ber 2013 - 3 AZR 294/11 - Rn. 32, BA­GE 146, 200) - kei­ne „Zäsur“ dar, die es der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten aus­nahms­wei­se hätte ge­stat­ten können, in den Be­stim­mun­gen über die Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung zur Be­gren­zung des mit der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge ver­bun­de­nen Ri­si­kos und Auf­wands hier­an an­zu­knüpfen und die Le­bens­ge­stal­tung des Ar­beit­neh­mers ab die­sem Zeit­punkt bei der Ab­gren­zung ih­rer Leis­tungs­pflich­ten un­berück­sich­tigt zu las­sen.


Dies folgt aus den Wer­tun­gen des § 1 Abs. 1 Satz 1 Be­trAVG, wo­nach be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung iSd. Be­triebs­ren­ten­ge­set­zes nur vor­liegt, wenn dem Ar­beit­neh­mer Leis­tun­gen der Al­ters-, In­va­li­ditäts- oder Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung vom Ar­beit­ge­ber „aus An­lass sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses“ zu­ge­sagt wer­den. Da­nach muss zwi­schen dem Ar­beits­verhält­nis und der Zu­sa­ge ein Kau­sal­zu­sam­men­hang be­ste­hen (vgl. et­wa BAG 20. April 2004 - 3 AZR 297/03 - zu I 2 der Gründe, BA­GE 110, 176; 25. Ja­nu­ar 2000 - 3 AZR 769/98 - zu II 2 der Gründe). Im Hin­blick dar­auf über­nimmt der Ar­beit­ge­ber mit der Zu­sa­ge von Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung be­stimm­te Ri­si­ken, die Al­ters­ver­sor­gung deckt ei­nen Teil der „Lang­le­big­keits­ri­si­ken“, die In­va­li­ditäts­si­che­rung ei­nen Teil der In­va­li­ditäts­ri­si­ken und die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ei­nen Teil der To­des­fall­ri­si­ken ab (vgl. et­wa BAG 25. Ju­ni 2013 - 3 AZR 219/11 - Rn. 13, BA­GE 145, 314). Vor die­sem Hin­ter­grund sind zwar das En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses und der Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mer, zu dem ty­pi­scher­wei­se auch das Ar­beits­verhält­nis sein En­de fin­det, sach­ge­rech­te An­knüpfungs­punk­te für Re­ge­lun­gen über den Aus­schluss von der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung, nicht aber ein vom En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses un­abhängi­ges Al­ter.


- 30 -

Die Nähe der Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res zum Ver­sor­gungs­fall „Al­ter“ ändert dar­an ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Be­klag­ten nichts. Es be­steht für sich ge­nom­men kein hin­rei­chen­der in­ne­rer Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Ab­stand zu die­sem Ver­sor­gungs­fall und der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung.

(dd) Ent­ge­gen der An­nah­me des Lan­des­ar­beits­ge­richts, die die Be­klag­te ver­tei­digt, lässt sich die in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S be­stimm­te Späte­hen­klau­sel auch nicht mit der zusätz­li­chen Be­gründung recht­fer­ti­gen, die Be­rufstätig­keit des Ar­beit­neh­mers, der bei Ehe­sch­ließung das 60. Le­bens­jahr voll­endet hat, wer­de nicht mehr ent­schei­dend durch die Fürsor­ge des Ehe­gat­ten mit­ge­tra­gen. Die Be­klag­te hat kein an­er­ken­nens­wer­tes In­ter­es­se dar­an, zur Ab­gren­zung ih­rer Leis­tungs­pflich­ten zwi­schen den Ehen, die vor der Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res des Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten und den Ehen, die erst da­nach ge­schlos­sen wur­den, mit die­ser Be­gründung zu dif­fe­ren­zie­ren. Auch dies macht die in der Späte­hen­klau­sel be­stimm­te Al­ters­gren­ze nicht an­ge­mes­sen.

Die et­wai­ge „Fürsor­ge“ des Ehe­gat­ten für sich be­trach­tet steht in kei­nem recht­lich re­le­van­ten Zu­sam­men­hang mit dem Ar­beits­verhält­nis des Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten, anläss­lich des­sen die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu­ge­sagt wur­de, son­dern be­trifft die pri­va­te Le­bens­ge­stal­tung. So­weit nicht der „Fürsor­ge­ge­dan­ke“ im Vor­der­grund ste­hen soll­te, son­dern be­ab­sich­tigt war, nach der noch mögli­chen Ehe­dau­er bis zum Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls „Al­ter“, mit dem das Ar­beits­verhält­nis re­gelmäßig en­det, zu dif­fe­ren­zie­ren, be­steht zwar ein Be­zug zum Ar­beits­verhält­nis. Die Dau­er der Ehe während des Ar­beits­verhält­nis­ses ist aber kein an­ge­mes­se­ner An­knüpfungs­punkt für Leis­tun­gen der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung, weil die­se Leis­tun­gen Ge­gen­leis­tung für die Beschäfti­gungs­zeit, nicht aber für die Ehe­dau­er sind. Zu­dem führt ein Ab­stel­len auf ei­ne noch mögli­che Ehe­dau­er bis zum Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls „Al­ter“ zu ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten ge­genüber an­de­ren Ar­beit­neh­mern, die bei Ein­tritt des Nach­ver­sor­gungs­falls eben­falls noch nicht für ei­ne be­stimm­te Zeit während des Ar­beits­verhält­nis­ses ver­hei­ra­tet wa­ren.


- 31 -

Aus der von der Be­klag­ten an­ge­zo­ge­nen Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 1. März 2010 (- 1 BvR 2584/06 - BVerfGK 17, 120) folgt nichts Ab­wei­chen­des. Zum ei­nen hat­te sich das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Nicht­an­nah­me­be­schluss vom 1. März 2010 (- 1 BvR 2584/06 - aaO) mit ei­ner Sat­zungs­be­stim­mung ei­nes Ver­sor­gungs­werks ei­ner Ärz­te­kam­mer zu be­fas­sen, das durch ei­ge­ne Bei­trags­leis­tun­gen der Ver­si­cher­ten fi­nan­ziert wur­de, und bei dem nur die ori­ginär ei­ge­ne Ren­te des Ver­si­cher­ten (Al­ters- und In­va­li­ditäts­ver­sor­gung) Ge­gen­leis­tung der Bei­trags­leis­tung war, während die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung - an­ders als die ar­beit­ge­ber­fi­nan­zier­te be­trieb­li­che Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nach der VO S - aus­sch­ließlich Ver­sor­gung­s­cha­rak­ter hat­te, weil sie nicht auf ei­ner dem Ver­si­cher­ten zu­re­chen­ba­ren Ei­gen­leis­tung be­ruh­te. Zum an­de­ren sah die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu be­ur­tei­len­de Sat­zungs­be­stim­mung des Ver­sor­gungs­werks der Ärz­te­kam­mer - an­ders als die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S - nicht vor, dass Ver­sor­gungs­be­rech­tig­te, die die Ehe erst nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res ge­schlos­sen hat­ten, von der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus­ge­schlos­sen wa­ren. Viel­mehr be­stimm­te sie, dass der ver­wit­we­te Ehe­teil aus ei­ner Ehe, die das Ver­sor­gungs­werks­mit­glied erst nach Be­ginn der Al­ters­ren­te ge­schlos­sen hat­te, kei­nen An­spruch auf ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung hat. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die­se Sat­zungs­be­stim­mung mit der Be­gründung ge­bil­ligt, der An­spruch auf Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung könne da­von abhängig ge­macht wer­den, dass der Ver­si­cher­te und der Hin­ter­blie­be­ne be­reits während der Er­werbstätig­keit des Ver­si­cher­ten mit­ein­an­der ver­hei­ra­tet ge­we­sen sei­en; es sei nicht zu be­an­stan­den, wenn der Sat­zungs­ge­ber Hin­ter­blie­be­nen­ren­te nur den­je­ni­gen Hin­ter­blie­be­nen gewähren wol­le, die zu­min­dest zu ei­nem Teil den Be­rufs­weg des Ver­si­cher­ten als Ehe­gat­ten be­glei­tet ha­ben.

(ee) Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, die die Be­klag­te in der Re­vi­si­on eben­falls ver­tei­digt, lässt sich die An­knüpfung an das 60. Le­bens­jahr in der Späte­hen­klau­sel auch nicht mit der Be­gründung recht­fer­ti­gen, mit ihr würden zulässi­ger­wei­se Ansprüche auf ei­ne Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung in den Fällen aus­ge­schlos­sen, in de­nen nur ei­ne sog. Ver­sor­gungs­ehe geführt wird. Zwar läge dar­in ei­ne Be­gren­zung des Ri­si­kos auf Fälle, in de-
 

- 32 -

nen das Ver­sor­gungs­ri­si­ko nicht ge­zielt zu­las­ten des Ar­beit­ge­bers ge­schaf­fen wird. Es ist je­doch be­reits zwei­fel­haft, ob die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S über­haupt dem Zweck dient, Ver­sor­gungs­ehen von der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus­zu­sch­ließen und das ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Ri­si­ko ent­spre­chend zu be­gren­zen. Die Be­klag­te hat sich auf die­sen Zweck der Klau­sel zu kei­nem Zeit­punkt aus­drück­lich be­ru­fen. Aber selbst wenn die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S - wo­von das Lan­des­ar­beits­ge­richt aus­ge­gan­gen ist - dem Zweck die­nen soll­te, sog. Ver­sor­gungs­ehen von der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus­zu­sch­ließen, ließe sich die durch die Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren be­wirk­te un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters nicht nach § 10 Satz 2 AGG recht­fer­ti­gen. Die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S wäre zur Er­rei­chung des mit ihr an­ge­streb­ten Ziels nicht ge­eig­net.


Von ei­ner Ver­sor­gungs­ehe kann nur dann ge­spro­chen wer­den, wenn die Hei­rat al­lein oder über­wie­gend zu dem Zweck er­folg­te, dem Ehe­gat­ten ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu ver­schaf­fen (De­fi­ni­ti­on in An­leh­nung an § 46 Abs. 2a SGB VI, § 19 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Be­amt­VG). Zwar kann bei ei­ner Ehe, die zum Zeit­punkt des Ein­tritts des Ver­sor­gungs­falls „Tod“ - un­abhängig vom gleich­zei­ti­gen Be­ste­hen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zum Ver­sor­gungs­schuld­ner - erst von kur­zer Dau­er war, die Ver­mu­tung ge­recht­fer­tigt sein kann, dass die Ehe un­ter Ver­sor­gungs­ge­sichts­punk­ten ge­schlos­sen wur­de. So ent­hal­ten bei­spiels­wei­se § 46 Abs. 2a SGB VI und § 19 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Be­amt­VG für Ehen, die nicht min­des­tens ein Jahr vor Ein­tritt des Ver­si­che­rungs- bzw. Ver­sor­gungs­falls ge­schlos­sen wur­den, ei­ne ge­setz­lich wi­der­leg­ba­re Ver­mu­tung, dass die Be­gründung ei­nes An­spruchs auf Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung der al­lei­ni­ge oder über­wie­gen­de Zweck der Hei­rat war. Hin­ge­gen exis­tiert kein all­ge­mei­ner Er­fah­rungs­satz des In­halts, dass ei­ne Ehe­sch­ließung nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res des Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten aus­sch­ließlich oder über­wie­gend un­ter Ver­sor­gungs­ge­sichts­punk­ten er­folg­te. Viel­mehr ist bei Ehe­sch­ließun­gen nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res ein an­de­rer Zweck der Ehe­sch­ließung min­des­tens eben­so wahr­schein­lich wie der Ver­sor­gungs­zweck.


- 33 -

(ff) Die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S lässt sich ent­ge­gen den Ausführun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts auch nicht mit der Be­gründung recht­fer­ti­gen, bei Ein­ge­hung ei­ner ver­sor­gungs­na­hen Ehe sei eher da­von aus­zu­ge­hen, dass der Ehe­gat­te über ei­ge­ne Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten oder Vermögen verfüge und des­halb auf ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nicht in dem Maße an­ge­wie­sen sei wie ei­ne jun­ge Fa­mi­lie. Auch un­ter die­sem Ge­sichts­punkt liegt kei­ne an­ge­mes­se­ne Ri­si­ko­be­gren­zung vor. Es kann da­hin­ste­hen, ob die An­nah­me des Lan­des­ar­beits­ge­richts über­haupt zu­trifft. Nach den Wer­tun­gen der VO S kommt es hier­auf nicht an. Die VO S knüpft mit der in X zur Höhe der Wit­wen-/Wit­wer­ren­te ge­trof­fe­nen Be­stim­mung aus­sch­ließlich an das Aus­maß an, in dem der durch den Tod des Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten ver­ur­sach­te Weg­fall der er­reich­ba­ren bzw. be­zo­ge­nen Be­triebs­ren­te kom­pen­siert wer­den soll und de­fi­niert so den Ver­sor­gungs­be­darf. Be­stim­mun­gen über ei­ne An­rech­nung von Einkünf­ten oder Vermögen des hin­ter­blie­be­nen Ehe­gat­ten auf die Wit­wen-/Wit­wer­ren­te enthält die VO S nicht. Die­se Umstände ma­chen deut­lich, dass es nach den Wer­tun­gen der VO S für den An­spruch auf Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung un­er­heb­lich ist, wie die pri­va­te Le­bens­ge­stal­tung des Wit­wers oder der Wit­we im Hin­blick auf Er­werbs­ein­kom­men und Ver­sor­gung vor der Ehe­sch­ließung war.

(gg) Aus dem Um­stand, dass nach I Ziff. 3 der VO S Ar­beit­neh­mer, „die bei ih­rem letz­ten Dienstein­tritt in die Fir­ma das 60. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben“, kei­ne Ver­sor­gungs­zu­sa­ge er­hal­ten, mit­hin von vorn­her­ein we­der An­spruch auf ei­ne Al­ters­ren­te noch auf ei­ne In­va­li­den- oder Wit­wen-/Wit­wer­ren­te er­wer­ben können, kann die Be­klag­te eben­falls nichts für sich her­lei­ten. Dies gilt auch un­ter Berück­sich­ti­gung des­sen, dass der Se­nat mit Ur­teil vom 12. Fe­bru­ar 2013 (- 3 AZR 100/11 - BA­GE 144, 231) so­gar ei­ner Be­stim­mung in ei­ner vom Ar­beit­ge­ber ge­schaf­fe­nen Ver­sor­gungs­ord­nung Wirk­sam­keit zu­er­kannt hat, nach der ein An­spruch auf Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung nur be­steht, wenn der Ar­beit­neh­mer ei­ne min­des­tens 15-jähri­ge Be­triebs­zu­gehörig­keit bis zur Re­gel­al­ters­gren­ze in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zurück­le­gen kann. Mit der un­ter I Ziff. 3 der VO S ge­trof­fe­nen Be­stim­mung wird zum Aus­druck ge­bracht, dass für den Fall, dass der Ar­beit­neh­mer bei sei­nem Ein­tritt in

- 34 -

das Un­ter­neh­men das 60. Le­bens­jahr be­reits voll­endet hat, über­haupt kein Ver­sor­gungs­ri­si­ko über­nom­men wer­den soll. Hier­von zu un­ter­schei­den ist die Fra­ge, ob ei­ne be­reits grundsätz­lich er­folg­te Ri­si­koüber­nah­me, dh. zu­ge­sag­te Ver­sor­gung - hier die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung - von zusätz­li­chen an­spruchs­be­gründen­den oder an­spruchs­aus­sch­ließen­den Vor­aus­set­zun­gen abhängig ge­macht wer­den darf und da­mit Per­so­nen, die die­se Vor­aus­set­zun­gen (nicht) erfüllen, von der Ver­sor­gung ih­rer Hin­ter­blie­be­nen aus­ge­schlos­sen wer­den dürfen.

(hh) Aus den in § 19 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Be­amt­VG ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen, wo­nach ein An­spruch auf Wit­wen­ren­te nicht be­steht, wenn die Ehe erst nach dem Ein­tritt des Be­am­ten in den Ru­he­stand ge­schlos­sen wor­den ist und der Ru­he­stands­be­am­te zur Zeit der Ehe­sch­ließung die Re­gel­al­ters­gren­ze nach § 51 Abs. 1 und Abs. 2 BBG be­reits er­reicht hat­te, kann die Be­klag­te eben­falls nichts für sich her­lei­ten. Dies folgt be­reits dar­aus, dass die­se Be­stim­mung - so­weit sie an das Le­bens­al­ter an­knüpft - auf die Re­gel­al­ters­gren­ze nach § 51 Abs. 1 und Abs. 2 BBG und da­mit auf den Zeit­punkt ab­stellt, zu dem re­gelmäßig das Dienst­verhält­nis zum Dienst­herrn en­det. Ei­ne sol­che An­knüpfung an ei­ne der­ar­ti­ge „Zäsur“ enthält die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S hin­ge­gen nicht.

(ii) Ent­ge­gen ih­rer Rechts­auf­fas­sung spricht auch das Ur­teil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 27. Mai 2009 (- 8 CN 1.09 - BVerw­GE 134, 99) nicht für die Be­klag­te. Die Erwägun­gen, die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in die­ser Ent­schei­dung an­ge­stellt hat, sind auf den vor­lie­gen­den Rechts­streit nicht über­trag­bar und können des­halb die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S nicht recht­fer­ti­gen. Zwar hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in die­ser Ent­schei­dung ei­ne Be­stim­mung in der Sat­zung ei­nes Ver­sor­gungs­werks als nicht al­ters­dis­kri­mi­nie­rend ge­bil­ligt, wo­nach die Wit­wen-/Wit­wer­ren­te nicht gewährt wird, wenn die Ehe nach Voll­endung des 62. Le­bens­jah­res oder nach Ein­tritt der Be­rufs­unfähig­keit des Mit­glieds ge­schlos­sen wur­de und nicht min­des­tens drei Jah­re be­stan­den hat. Al­ler­dings ging es in dem vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fah­ren um ein Ver­sor­gungs­werk ei­ner Rechts­an­walts­kam-

- 35 -

mer, das sich - wie ei­ne Ver­si­che­rung - aus­sch­ließlich durch Beiträge sei­ner Mit­glie­der fi­nan­zier­te. Zu­dem wur­de die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung oh­ne er-höhten Bei­trag des Mit­glieds für sei­ne Hin­ter­blie­be­nen gewährt, wo­von das ver­hei­ra­te­te Mit­glied des Ver­sor­gungs­werks pro­fi­tier­te. Der Zweck der Sat­zungs­re­ge­lung be­stand mit­hin in der fi­nan­zi­el­len Ri­si­ko­be­gren­zung der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft als So­li­dar­ge­mein­schaft. An­ders als in dem vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fah­ren bil­den die nach der VO S Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten in­des kei­ne So­li­dar- oder Ge­fah­ren­ge­mein­schaft, die die Las­ten, die dem Ein­zel­nen und den Hin­ter­blie­be­nen aus der Ver­wirk­li­chung der Ri­si­ken Al­ter, In­va­li­dität oder Tod er­wach­sen, auf den ge­sam­ten Stand ver­tei­len.


Aus den Ur­tei­len des Se­nats vom 28. Ju­li 2005 (- 3 AZR 457/04 - BA­GE 115, 317) und vom 19. De­zem­ber 2000 (- 3 AZR 186/00 -) folgt be­reits des­halb nichts Ab­wei­chen­des, weil die dort vom Se­nat ge­bil­lig­ten Späte­hen­klau­seln nicht am AGG zu mes­sen wa­ren.

(jj) Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Be­klag­ten ist die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S auch nicht an­ge­mes­sen und er­for­der­lich, weil die Möglich­keit be­stan­den hätte, an­stel­le der Späte­hen­klau­sel ei­ne Al­ters­ab­stands­klau­sel in die Ver­sor­gungs­ord­nung auf­zu­neh­men. Zwar be­gren­zen Al­ters­ab­stands­klau­seln das Ri­si­ko des Ar­beit­ge­bers, nämlich nach de­mo­gra­phi­schen Kri­te­ri­en. Je jünger die Ehe­part­ner im Verhält­nis zu den Ar­beit­neh­mern sind, de­nen ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu­ge­sagt wur­de, des­to länger ist der Zeit­raum, während des­sen der Ar­beit­ge­ber durch­schnitt­lich die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu gewähren hat. Auch be­wir­ken Al­ters­ab­stands­klau­seln, dass sich die für die Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung ins­ge­samt zur Verfügung ge­stell­ten Mit­tel auf ei­nen klei­ne­ren Kreis von Hin­ter­blie­be­nen ver­tei­len, so­dass die­se bei Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls „Tod“ ei­ne höhe­re Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung er­hal­ten. Sch­ließlich ist ei­nem ho­hen Al­ters­ab­stand in­ner­halb ei­ner Ehe im­ma­nent, dass der jünge­re Ehe­part­ner ei­nen er­heb­li­chen Teil sei­nes Le­bens oh­ne den älte­ren Ehe­part­ner und die an des­sen Ein­kom­mens­si­tua­ti­on ge­kop­pel­ten Ver­sor­gungsmöglich­kei­ten ver­bringt. Es kann da­hin­ste­hen, ob die­se Erwägun­gen un­ter Gel­tung des AGG, und wenn ja, für wel­che Klau­seln über­haupt noch
 

- 36 -

tra­gen. Die streit­be­fan­ge­ne Späte­hen­klau­sel stellt ge­ra­de kei­ne Al­ters­ab­stands­klau­sel dar.

4. Da die in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ge­trof­fe­ne Späte­hen­klau­sel we­gen Ver­s­toßes ge­gen das in § 7 Abs. 1 AGG nor­mier­te Ver­bot der Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters gemäß § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam ist, steht sie dem An­spruch der Kläge­rin auf Wit­wen­ren­te nicht ent­ge­gen. Die Be­klag­te ist des­halb ver­pflich­tet, an die Kläge­rin ab dem 1. März 2011 ei­ne Wit­wen­ren­te in un­strei­ti­ger Höhe von mo­nat­lich 723,49 Eu­ro zu zah­len. Dass da­durch der bei Schaf­fung der VO S für die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung be­reit­ge­stell­te Do­tie­rungs-rah­men ggf. in ei­nem Maße über­schrit­ten wird, dass die Fi­nan­zie­rung der Be­triebs­ren­ten ins­ge­samt ins „Un­gleich­ge­wicht“ gerät und die Be­klag­te des­halb Zu­sa­gen für künf­ti­ge Mit­ar­bei­ter re­du­ziert, ändert dar­an nichts. Die Be­klag­te kann im Hin­blick auf ei­ne Ein­hal­tung des für die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nach der VO S ursprüng­lich fest­ge­leg­ten Do­tie­rungs­rah­mens kei­nen Ver­trau­ens­schutz in An­spruch neh­men. Der zeit­li­che Gel­tungs­be­reich des AGG wird des­halb hier nicht durch den Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes be­schränkt (zu der­ar­ti­gen Be­schränkun­gen BAG 16. De­zem­ber 2008 - 9 AZR 985/07 - Rn. 38, BA­GE 129, 72). Die An­wen­dung der Be­stim­mun­gen des AGG auf die von der Kläge­rin gel­tend ge­mach­te Wit­wen­ren­te nach der VO S be­wirkt kei­ne ech­te, son­dern le­dig­lich ei­ne un­ech­te Rück­wir­kung. Die­se ist zulässig.

Ei­ne un­ech­te Rück­wir­kung oder tat­be­stand­li­che Rück­an­knüpfung liegt vor, wenn ei­ne Norm auf ge­genwärti­ge, noch nicht ab­ge­schlos­se­ne Sach­ver­hal­te und Rechts­be­zie­hun­gen für die Zu­kunft ein­wirkt und da­mit zu­gleich die be­trof­fe­ne Rechts­po­si­ti­on nachträglich ent­wer­tet oder wenn die Rechts­fol­gen ei­ner Norm zwar erst nach ih­rer Verkündung ein­tre­ten, de­ren Tat­be­stand aber Sach­ver­hal­te er­fasst, die be­reits vor der Verkündung „ins Werk ge­setzt“ wor­den sind (vgl. BAG 19. Ju­ni 2012 - 3 AZR 558/10 - Rn. 25 mwN). Die be­las­ten­de Rechts­fol­ge von § 7 Abs. 2 AGG, die für die Be­klag­te erst nach Verkündung des AGG ein­tritt, wur­de tat­be­stand­lich von der dem ver­stor­be­nen Ehe­mann der Kläge­rin er­teil­ten Ver­sor­gungs­zu­sa­ge und da­mit von ei­nem be­reits „ins Werk ge­setz­ten“, aber noch nicht ab­ge­schlos­se­nen Sach­ver­halt aus­gelöst.

- 37 - 


Die Gren­zen ei­ner zulässi­gen un­ech­ten Rück­wir­kung ei­ner ge­setz­ge­be­ri­schen Ent­schei­dung sind erst über­schrit­ten, wenn die un­ech­te Rück­wir­kung nicht ge­eig­net oder er­for­der­lich ist, um den Ge­set­zes­zweck zu er­rei­chen, oder wenn die Be­stands­in­ter­es­sen der Be­trof­fe­nen die Verände­rungs­gründe des Ge­setz­ge­bers über­wie­gen. Knüpft der Ge­setz­ge­ber für künf­ti­ge Rechts­fol­gen an zurück­lie­gen­de Sach­ver­hal­te an, sind die In­ter­es­sen der All­ge­mein­heit, die mit der Re­ge­lung ver­folgt wer­den, und das Ver­trau­en des Ein­zel­nen auf die Fort­gel­tung der Rechts­la­ge ab­zuwägen. Der vom Ge­setz­ge­ber zu be­ach­ten­de Ver­trau­ens­schutz geht al­ler­dings nicht so weit, den nor­mun­ter­wor­fe­nen Per­so­nen­kreis vor Enttäuschun­gen zu be­wah­ren (vgl. BAG 27. März 2014 - 6 AZR 204/12 - Rn. 46, BA­GE 147, 373). Die bloße all­ge­mei­ne Er­war­tung, das gel­ten­de Recht wer­de künf­tig un­verändert fort­be­ste­hen, ge­nießt kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz, wenn kei­ne be­son­de­ren Mo­men­te der Schutzwürdig­keit hin­zu­tre­ten (vgl. BVerfG 7. Ju­li 2010 - 2 BvL 14/02 ua. - Rn. 57, BVerfGE 127, 1).


Da­nach hat die Be­klag­te kein schutzwürdi­ges Ver­trau­en da­hin, dass die Wirk­sam­keit der in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S be­stimm­ten Späte­hen­klau­sel nicht an den Be­stim­mun­gen des AGG schei­tert und der ursprüng­lich für die Hi­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung fest­ge­leg­te Do­tie­rungs­rah­men nicht in­fol­ge­des­sen über­schrit­ten wird. Der Zweck des AGG, in Um­set­zung der Richt­li­nie 2000/78/EG und vor dem Hin­ter­grund des ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­ge­bots aus Art. 3 GG Un­gleich­be­hand­lun­gen zu be­sei­ti­gen, kann vor­lie­gend nur durch die Un­wirk­sam­keit der Klau­sel er­reicht wer­den. Zu­dem hält sich die Ände­rung der Ge­set­zes­la­ge im Rah­men des­sen, was als mögli­che Rechts­ent­wick­lung be­reits zu­vor an­ge­legt war. Be­son­de­re Mo­men­te der Schutzwürdig­keit be­ste­hen nicht.


5. Vor dem Hin­ter­grund der zi­tier­ten Ent­schei­dun­gen des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on be­darf es vor­lie­gend we­der der Ein­lei­tung ei­nes Vor­la­ge­ver­fah­rens an den Ge­mein­sa­men Se­nat der Obers­ten Ge­richtshöfe des Bun­des nach § 2 Abs. 1 iVm. § 11 RsprEinhG noch der Durchführung ei­nes Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­rens nach Art. 267 Abs. 3 AEUV. Die Fra­ge, ob die von der


- 38 -

Be­klag­ten zur Recht­fer­ti­gung der Späte­hen­klau­sel an­geführ­ten Zie­le le­gi­ti­me Zie­le iSv. § 10 Satz 1 AGG in uni­ons­rechts­kon­for­mer Aus­le­gung sind, muss­te vom Se­nat nicht ent­schie­den wer­den.


III. Der Zins­an­spruch er­gibt sich hin­sicht­lich der mit dem An­trag zu 1. gel­tend ge­mach­ten Rückstände aus § 286 Abs. 1, § 288 BGB. Gemäß XVI Ziff. 1 Buchst. a der VO S wird die Fir­men­ren­te je­weils am En­de ei­nes Mo­nats fällig.


C. Die Kos­tent­schei­dung folgt aus § 91 Abs. 1 ZPO. 


Zwan­zi­ger 

Schlewing 

Ah­rendt

H. Trunsch 

Möller

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 3 AZR 137/13  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880