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15/107a Ver­band: So­zia­le Spal­tung wird tie­fer - Vie­le Kin­der und Rent­ner arm

Die Mas­se der Ar­men wächst laut ei­nem So­zi­al­ver­band in Deutsch­land: Trotz Re­kord­be­schäf­ti­gung sieht er im­mer mehr Men­schen dau­er­haft ab­ge­hängt. Nur noch ra­di­ka­les po­li­ti­sches Um­steu­ern kön­ne hel­fen

29.04.2015. (dpa) - Die Kluft zwi­schen Arm und Reich in Deutsch­land wird laut Pa­ri­tä­ti­schem Ge­samt­ver­band im­mer grö­ßer.

Kin­der und Äl­te­re sei­en be­son­ders be­trof­fen.

"Deutsch­land ist tief ge­spal­ten", sag­te der Ver­bands­vor­sit­zen­de Rolf Ro­sen­brock am Diens­tag in Ber­lin.

Bin­nen ei­nes Jah­res stieg der An­teil der von Ar­mut be­droh­ten Men­schen von 15 auf 15,5 Pro­zent im Jahr 2013 an, wie der Ver­band in sei­nem Jah­res­gut­ach­ten 2015 be­kräf­tigt.

"Gu­te Ar­beit wird im­mer sel­te­ner", so Ro­sen­brock. 7,8 Mil­lio­nen Men­schen wa­ren 2014 in so ge­nann­ter aty­pi­scher Be­schäf­ti­gung - die Zahl der Be­trof­fe­nen stieg bin­nen 20 Jah­ren um mehr als 70 Pro­zent. Die­se Men­schen ar­bei­ten be­fris­tet, in Teil­zeit mit 20 oder we­ni­ger Wo­chen­stun­den, Zeit­ar­beit oder sind ge­ring­fü­gig be­schäf­tigt.

Der An­teil der nur ge­ring­fü­gig Be­schäf­tig­ten an al­len Er­werbs­tä­ti­gen sinkt laut In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB) aber. Für 2014 er­war­tet das IAB ei­nen Rück­gang um 60 000 auf 5,6 Mil­lio­nen Men­schen. Die Zahl der Nor­mal­ar­beit­neh­mer stieg laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt seit 2005, als die Hartz-IV-Re­form in Kraft trat, von gut 22 Mil­lio­nen auf gut 24 Mil­lio­nen im Jahr 2013.

Ro­sen­brock wer­te­te als be­son­ders be­sorg­nis­er­re­gend die Sta­gna­ti­on bei den Lang­zeit­ar­beits­lo­sen mit mehr als ei­ner Mil­li­on Be­trof­fe­nen. Rund 1,3 Mil­lio­nen Hartz-IV-Be­zie­her be­kä­men seit mehr als zehn Jah­ren staat­li­che Leis­tun­gen.

15,4 Pro­zent der Un­ter-15-Jäh­ri­gen leb­ten in bit­te­rer Ar­mut. Be­droh­lich zu­ge­nom­men ha­be in den letz­ten Jah­ren die Al­ters­ar­mut, be­son­ders un­ter den Rent­nern. De­ren Ar­muts­quo­te (15,2 Pro­zent) sei seit 2006 vier­mal so stark wie in der Ge­samt­be­völ­ke­rung ge­stie­gen. "Kei­ne an­de­re Be­völ­ke­rungs­grup­pe zeigt ei­ne ra­san­te­re Ent­wick­lung in Rich­tung Ar­mut", sag­te Ro­sen­brock. Auf die­se of­fi­zi­el­len sta­tis­ti­schen Wer­te hat­te der Ver­band zu­letzt Mit­te Fe­bru­ar in ei­nem Ar­muts­be­richt hin­ge­wie­sen.

Ro­sen­brock for­der­te öf­fent­lich ge­för­der­te Be­schäf­ti­gung in gro­ßem Stil, weit mehr Al­ters­si­che­rung und Steu­er­er­hö­hun­gen. Der Bun­des­re­gie­rung stell­te er ein schlech­tes Zeug­nis aus.

Vor­wür­fe, der Ver­band sei alar­mis­tisch, ver­un­si­che­re die Men­schen und deu­te die Sta­tis­ti­ken in über­trie­be­ner Wei­se, wies Ro­sen­brock zu­rück. Der Ge­ne­ral­se­kre­tär des Deut­schen Ca­ri­tas­ver­ban­des, Ge­org Cre­mer, hat­te dem Ver­band in der "Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung" zu­dem Ir­re­füh­rung und Feh­ler vor­ge­wor­fen.

Der Ber­li­ner Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler Klaus Schro­eder sag­te der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Ber­lin: "Was in sol­chen Be­rich­ten ge­mes­sen wird, ist die Ver­tei­lung von Ein­kom­men, aber nicht Ar­mut." Der Lei­ter der Ar­beits­stel­le Po­li­tik und Tech­nik am Ot­to-Suhr-In­sti­tut sag­te: "Ver­bän­de, die auf die­se Wei­se vor Ar­mut war­nen, geht es auch dar­um, ih­re ei­ge­ne Be­deu­tung in den Vor­der­grund zu rü­cken."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 28. November 2016

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