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Ver­di ruft bei Ama­zon in Leip­zig zu sechs­tä­gi­gem Streik auf

Sechs Ta­ge lang soll bei Ama­zon in Leip­zig ge­streikt wer­den: Ver­di gibt sich kämp­fe­risch, Ama­zon bleibt ge­las­sen. Al­les wie im­mer. Wie lan­ge soll das noch so ge­hen?

22.09.2015. (dpa) - Die Ge­werk­schaft Ver­di ver­an­stal­tet ih­ren gro­ßen Bun­des­kon­gress in Leip­zig - und prompt wird bei Ama­zon wie­der ge­streikt.

Von Mon­tag bis ein­schließ­lich Sams­tag sei­en die Kol­le­gen im Leip­zi­ger Ver­sand­la­ger zur Ar­beits­nie­der­le­gung auf­ge­ru­fen, sag­te Ver­di-Streik­lei­ter Tho­mas Schnei­der.

Auch an an­de­ren deut­schen Stand­or­ten des US-Ver­sandrie­sen wie et­wa Bad Hers­feld in Hes­sen oder Gra­ben bei Augs­burg wur­de nach An­ga­ben der Ge­werk­schaft ge­streikt.

Ama­zon teil­te mit, die Mehr­heit der Be­schäf­tig­ten sei re­gu­lär zur Ar­beit er­schie­nen. Lie­fer­ver­zö­ge­run­gen für die Kun­den wer­de es nicht ge­ben.

Dass die Aus­stän­de mit dem Bun­des­kon­gress zu­sam­men­fal­len, sei kein Zu­fall, sag­te Schnei­der. "Wir ha­ben ent­schie­den, im Sep­tem­ber wie­der zu strei­ken. Und das pass­te mit dem Ter­min gut zu­sam­men." Ama­zon-Mit­ar­bei­ter sei­en mit ei­nem Stand auf dem Kon­gress auf der Leip­zi­ger Mes­se ver­tre­ten und woll­ten dort mit den De­le­gier­ten ins Ge­spräch kom­men.

In Leip­zig be­tei­lig­ten sich laut Schnei­der mehr als 400 Kol­le­gen der Früh- und Spät­schicht an dem Streik; ins­ge­samt wa­ren es bei dem In­ter­net-Ver­sand­händ­ler laut Ver­di 2000. Die Stim­mung sei gut - ob­wohl Ama­zon nach wie vor kei­ne An­stal­ten macht, die von Ver­di ge­for­der­ten Ta­rif­ver­hand­lun­gen auf­zu­neh­men. Schon seit mehr als zwei Jah­ren reiht sich Streik an Streik. "Wir ha­ben schon an­de­re di­cke Bret­ter ge­bohrt, die uns Zeit und Kraft ge­kos­tet ha­ben", be­merk­te Schnei­der.

Es stim­me auch nicht, dass mit den Streiks bei Ama­zon bis­lang nichts er­reicht wur­de. "Wir trei­ben Ama­zon vor uns her." Zu Be­ginn des Ar­beits­kamp­fes ha­be der St­un­den­lohn bei 8,40 Eu­ro ge­le­gen. In­zwi­schen wer­den laut Schnei­der 11,62 Eu­ro be­zahlt. Zu­dem gab es in den vo­ri­gen bei­den Jah­ren 400 Eu­ro Weih­nachts­geld. "Das macht den Kol­le­gen Mut."

Dass Ama­zon erst An­fang Sep­tem­ber ein gro­ßes Ver­teil­zen­trum im na­hen Tsche­chi­en er­öff­net hat, be­ein­druckt die Ge­werk­schaft nicht. "Deutsch­land ist der zweit­stärks­te Markt für Ama­zon", sag­te Schnei­der. Es sei nicht rea­lis­tisch, die­sen vom Aus­land aus zu be­lie­fern. Schnei­der fällt da­zu ein ab­schre­cken­des Bei­spiel ein: Als No­kia sein Werk in Bo­chum schloss und nach Ru­mä­ni­en wei­ter­zog, sei der Han­dy-Ab­satz der Fin­nen in Deutsch­land mas­siv ein­ge­bro­chen.

Ver­di will für die mitt­ler­wei­le rund 10 000 Mit­ar­bei­ter des US-Ver­sand­han­dels­rie­sen in Deutsch­land ei­nen Ta­rif­ver­trag auf dem Ni­veau des Ein­zel- und Ver­sand­han­dels durch­zu­set­zen. Ver­hand­lun­gen dar­über lehnt Ama­zon aber ab. Das Un­ter­neh­men mit Sitz in Mün­chen sieht sich als Lo­gis­ti­ker und ver­weist auf ei­ne Be­zah­lung am obe­ren En­de des Bran­chen­üb­li­chen.

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Letzte Überarbeitung: 5. Oktober 2016

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