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Ver­di-Chef for­dert Min­dest­lohn in Rich­tung zehn Eu­ro

Ver­di-Chef Bsirs­ke sieht beim Min­dest­lohn noch viel Luft nach oben: Den Ar­beit­ge­bern wirft er Blo­cka­de vor - wenn jetzt kei­ne deut­li­che Er­hö­hung der Lohn­gren­ze kom­me, dro­he so­gar ei­ne Dau­er­blo­cka­de

27.06.2016. (dpa) - Vor der Ent­schei­dung über die künf­ti­ge Hö­he des Min­dest­lohns in Deutsch­land hat Ver­di-Chef Frank Bsirs­ke ei­ne spür­ba­re An­he­bung ver­langt.

"Der Min­dest­lohn muss im kom­men­den Jahr neun Eu­ro er­rei­chen und dann in schnel­len Schrit­ten in Rich­tung zehn Eu­ro wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den", sag­te Bsirs­ke der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Ber­lin.

Die Be­din­gun­gen da­für sei­en sind im Mo­ment aber nicht güns­tig, be­dau­er­te der Ver­di-Chef.

"Die Ar­beit­ge­ber ver­su­chen, die nö­ti­ge An­pas­sung zu blo­ckie­ren." Sie re­de­ten von welt­wirt­schaft­li­chen Ri­si­ken und al­len mög­li­chen an­de­ren Grün­den, um ei­ne deut­li­che Er­hö­hung zu tor­pe­die­ren. "Die­se Stra­te­gie darf nicht auf­ge­hen."

An die­sem Diens­tag will die Min­dest­lohn­kom­mis­si­on von Ar­beit­ge­bern und Ar­beit­neh­mern die Hö­he der Lohn­un­ter­gren­ze ab 2017 fest­le­gen. Der­zeit liegt sie bei 8,50 Eu­ro. Die Kom­mis­si­on ori­en­tiert sich an der Stei­ge­rung des durch­schnitt­li­chen ta­rif­li­chen St­un­den­lohns seit 2014, die 3,2 Pro­zent be­trägt. Dann wä­re man bei 8,77 Eu­ro.

"Ab­wei­chun­gen vom Ta­ri­f­in­dex brau­chen in der Min­dest­lohn­kom­mis­si­on ei­ne Zwei-Drit­tel-Mehr­heit – das ist sehr un­glück­lich", kri­ti­sier­te Bsirs­ke. "Es ist ei­ne Fehl­kon­struk­ti­on, wenn nur das Ein­gang fin­den darf, was be­reits an die Be­schäf­tig­ten aus­ge­zahlt wird." Bsirs­ke for­der­te, dass die ab­ge­schlos­se­nen, aber noch nicht wirk­sa­men Ta­rif­ver­trä­ge für Me­tall und Elek­tro so­wie den Öf­fent­li­chen Dienst mit zur Grund­la­ge ge­macht wer­den. Dann wä­re man bei 8,87 Eu­ro.

"Wir re­den schließ­lich über ei­ne Er­hö­hung des Min­dest­lohns ab Ja­nu­ar 2017", sag­te er. "Ein ge­wis­ses Maß an Fle­xi­bi­li­tät ist das Min­des­te, was man von der Kom­mis­si­on er­war­ten kann."

An­dern­falls müss­te die Er­hö­hung in zwei Jah­ren um­so hö­her aus­fal­len. "Es ge­hört we­nig Fan­ta­sie da­zu, sich die Hal­tung der Ar­beit­ge­ber bei ei­ner vor­ge­schla­ge­nen Er­hö­hung von acht, neun oder zehn Pro­zent vor­zu­stel­len", sag­te Bsirs­ke. "Dann droht ei­ne Dau­er­blo­cka­de."

Ho­he Ta­rif­ab­schlüs­se hät­ten ei­ne Schub­funk­ti­on für den Min­dest­lohn. Auf der an­de­ren Sei­te be­güns­ti­ge der Min­dest­lohn auch wie­der gu­te Ab­schlüs­se. "Denn vie­le Bran­chen und Un­ter­neh­men dürf­ten sich schon aus Grün­den des An­se­hens von der Lohn­un­ter­gren­ze ab­set­zen wol­len."

Die Min­dest­löh­ne in an­de­ren eu­ro­päi­schen Län­dern hät­ten deut­lich an­ge­zo­gen. "Wir ha­ben teils rück­läu­fi­ge Prei­se", sag­te er. "Man muss den Min­dest­lohn als He­bel an­set­zen, um der Null­in­fla­ti­on ent­ge­gen­zu­wir­ken." Das Ni­veau von 8,50 Eu­ro rei­che in vie­len Bal­lungs­räu­men zu­dem schon heu­te nicht, um über die Run­den zu kom­men.

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Letzte Überarbeitung: 29. Juni 2016

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