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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Kündigungschutzprozess, Urlaubsanspruch
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Nürnberg
Akten­zeichen: 7 Sa 220/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 09.03.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bamberg, Urteil vom 20.05.2009, 3 Ca 61/06 C
   


7 Sa 220/10
3 Ca 61/06 C
(Ar­beits­ge­richt Bam­berg - Kam­mer Co­burg -)

Verkündet am: 09.03.2010


Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le


Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg


Im Na­men des Vol­kes

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

 

H… L…

- Kläge­rin und Be­ru­fungskläge­rin -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te/r:
Rechts­an­walt M… L…


ge­gen


Fir­ma A… K…, In­ha­ber Herr S… T…

- Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te/r:
Rechts­anwälte G… und Kol­le­gen

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hat die 7. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nürn­berg auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 9. März 2010 durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt Weißen­fels und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Bach­mann und Zieg­ler

für Recht er­kannt:


1. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das En­dur­teil des Ar­beits-ge­richts Bam­berg vom 20.05.2009 in Zif­fer III geändert wie folgt:

Der Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin über Zif­fer II hin­aus wei­te­re EUR 2.305,47 brut­to so­wie Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit 07.12.2007 zu zah­len.

Der wei­ter­ge­hen­de An­trag vom 21.09.2009 (Zif­fer 2 des Schrift­sat­zes) wird zurück­ge­wie­sen.
 

2. Von den Kos­ten des Rechts­streits trägt die Kläge­rin 1/3, die Be­klag­te trägt 2/3.


3. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten, so­weit hier von Be­deu­tung, um Ansprüche der Kläge­rin we­gen Ur­laubs­ab­gel­tung.

Die Kläge­rin war seit 01.09.2004 beim Be­klag­ten als Buch­hal­te­rin beschäftigt. Sie be­zog ein mo­nat­li­ches Ar­beits­ent­gelt in Höhe von 900,00 € brut­to.

Der jähr­li­che Ur­laubs­an­spruch der Kläge­rin be­trug 31 Ar­beits­ta­ge.

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Der Be­klag­te be­haup­te­te, er ha­be der Kläge­rin am 31.10.2005 ei­ne Kündi­gung zum 30.11.2005 aus­gehändigt. Er mel­de­te die Kläge­rin zum 30.11.2005 bei der D… K… ab.

Die Kläge­rin er­hob am 16.01.2006 Kla­ge zum Ar­beits­ge­richt Bay­reuth und be­an­trag­te, fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en un­gekündigt fort­be­ste­he.

Mit Teil­ur­teil vom 16.05.2007 gab das Ar­beits­ge­richt Bam­berg dem Fest­stel­lungs­an­trag statt. Das Ur­teil ist rechts­kräftig.

Mit Kla­ge­er­wei­te­rung vom 04.12.2007 mach­te die Kläge­rin erst­mals Ur­laubs­ansprüche gel­tend. Für 2005 for­der­te sie die Ab­gel­tung von 24,5 Ta­gen, für die Jah­re 2006 und 2007 je­weils 31 Ta­ge.

Die Par­tei­en be­en­de­ten das Ar­beits­verhält­nis zum 30.11.2007.

Mit Ur­teil vom 20.05.2009 (Bl. 153 ff d.A.) sprach das Ar­beits­ge­richt Bam­berg der Kläge­rin als Scha­dens­er­satz für nicht gewähr­ten Ur­laub für das Jahr 2007 ei­nen Be­trag in Höhe von 1.287,74 € brut­to zu. Den wei­ter­ge­hen­den Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch bzw. Scha­dens­er­satz­an­spruch der Kläge­rin in Höhe von 2.305,47 € brut­to wies es ab.

Das Ur­teil wur­de der Kläge­rin am 08.07.2009 zu­ge­stellt.

Die Kläge­rin leg­te am 07.08.2009 Be­ru­fung ein. Auf ih­ren An­trag wur­de die Be­ru­fungs­be­gründungs­frist mit Be­schluss vom 09.09.2009 bis 22.09.2009 verlängert. Die auf den 21.09.2009 da­tier­te Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift ging am 23.09.2009 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg ein.

Der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin wur­de mit Schrei­ben vom 23.09.2009 darüber in­for­miert, dass der Schrift­satz vom 21.09.2009 erst am 23.09.2009 bei Ge­richt ein­ge­gan­gen sei. Mit Schrift­satz vom 25.09.2009, beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg ein­ge­gan­gen am 28.09.2009, be­an­trag­te der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin vor­sorg­lich Wie­der­ein­set­zung in den vo­ri­gen Stand. Zur Be­gründung führ­te er aus, der Schrift­satz sei,

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nach­dem er ge­gen 17.10 Uhr fer­tig ge­stellt wor­den sei, an das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg ge­faxt wor­den.

Dem Schrift­satz vom 25.09.2009 war der Sen­de­be­richt bei­gefügt. Aus ihm er­gibt sich, dass der fünf­sei­ti­ge Schrift­satz vom 21.09.2009 am sel­ben Tag um 17.15 Uhr an das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg ge­faxt wor­den ist.

Die Kläge­rin wand­te sich mit der Be­ru­fung auch in­so­weit ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bam­berg, als die Kla­ge im Rah­men des gel­tend ge­mach­ten An­nah­me­ver­zugs bezüglich der er­spar­ten Auf­wen­dun­gen ab­ge­wie­sen wur­de. In­so­weit wur­de der Rechts­streit ab­ge­trennt, das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gemäß Art. 100 GG zur Ent­schei­dung vor­ge­legt.

Die Kläge­rin macht gel­tend, nach der nun­meh­ri­gen Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs sei­en die nach deut­schem Recht be­ste­hen­den Ver­falls­re­geln un­zulässig. Der Ver­fall von Ur­laubs­ansprüchen sei nur dann ge­recht­fer­tigt, wenn der Ar­beit­neh­mer tatsächlich die Möglich­keit ge­habt ha­be, den Ur­laub zu neh­men.


Die Kläge­rin be­an­tragt:

1. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin wei­te­re 3.593,21 € brut­to nebst Zin­sen hier­aus in Höhe von 5% über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.

2. Die Be­klag­te trägt die Kos­ten des Rechts­streits.


Der Be­klag­te be­an­tragt:

I. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das En­dur­teil des Ar­beits­ge­richts Bam­berg – Kam­mer Co­burg – vom 20.05.2009 – Ak­ten­zei­chen 3 Ca 61/06 C – wird zurück-ge­wie­sen.

II. Die Kläge­rin trägt die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens.


Der Be­klag­te macht gel­tend, der Kläge­rin ste­he we­der ein Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch noch ein Scha­dens­er­satz­an­spruch zu. Die Re­ge­lung über die Be­fris­tung des Ur­laubs­an­spruchs und da­mit des Erlöschens nach Zeit­ab­lauf zähl­ten zu den Mo­da­litäten der Ur­laubs­gewährung im Sin­ne des Art. 7 Ab­satz 2 der Richt­li­nie 2003/88/EG und fal­le da­mit in die Re­ge­lungs­be­fug­nis der ein­zel­nen Mit­glieds­staa­ten. Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts müsse der Ar­beit­neh­mer auch im gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis sei­nen Ur­laubs­an­spruch gel­tend ma­chen. Nur dann ge­ra­te der Ar­beit­ge­ber in Ver­zug.

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We­gen des wei­ter­ge­hen­den Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die zwi­schen ih­nen ge­wech­sel­ten Schriftsätze Be­zug ge­nom­men.

Ei­ne Be­weis­auf­nah­me hat nicht statt­ge­fun­den.


Ent­schei­dungs­gründe:

Die Be­ru­fung ist teil­wei­se zulässig.

Sie ist statt­haft und frist­ge­recht ein­ge­legt wor­den, §§ 64 Ab­satz 2b, 66 Ab­satz 1 Satz 1 ArbGG.

Sie war ins­be­son­de­re nicht gemäß § 64 Ab­satz 6 ArbGG iVm § 522 Ab­satz 1 Satz 1 ZPO zu ver­wer­fen. Zwar hat die Kläge­rin die frist­ge­recht ein­ge­leg­te Be­ru­fung nicht in­ner­halb der bis 22.09.2009 verlänger­ten Frist be­gründet. Der Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift­satz vom 21.09.2009 ist (im Ori­gi­nal) erst am 23.09.2009 bei Ge­richt ein­ge­gan­gen.

Der Kläge­rin ist in­des Wie­der­ein­set­zung in den vo­ri­gen Stand zu gewähren, § 64 Ab­satz 6 ArbGG iVm den §§ 525, 233, 234, 236 ZPO.

Die Kläge­rin hat den An­trag auf Wie­der­ein­set­zung in den vo­ri­gen Stand frist­gemäß ge­stellt.

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Dass die Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift nicht recht­zei­tig bei Ge­richt ein­ging, be­ruht dar­auf, dass der Schrift­satz vom 21.09.2009 of­fen­sicht­lich nicht per Fax beim Empfänger an­ge­kom­men ist. Hier­von er­hielt der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin erst ab Zu­gang des ent­spre­chen­den ge­richt­li­chen Hin­wei­ses vom 23.09.2009 Kennt­nis. Der An­trag auf Wie­der­ein­set­zung in den vo­ri­gen Stand ging am 28.09.2009, al­so je­den­falls in­ner­halb der 2-Wo­chen­frist bei Ge­richt ein.

Der An­trag auf Wie­der­ein­set­zung in den vo­ri­gen Stand ist auch be­gründet.

Die Kläge­rin war oh­ne ihr Ver­schul­den ver­hin­dert, die Frist zur Be­ru­fungs­be­gründung ein­zu­hal­ten.

Der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin hat al­le Vor­keh­run­gen ge­trof­fen, um zu gewähr­leis­ten, dass der Schrift­satz mit der Be­ru­fungs­be­gründung frist­ge­recht ein­ge­reicht wur­de. Ins­be­son­de­re genügte es, den Schrift­satz vor­ab per Fax an das Ge­richt zu sen­den.

Dass der Schrift­satz an das Lan­des­ar­beits­ge­richt ge­sen­det wur­de, er­gibt sich aus dem vor­ge­leg­ten Sen­de­be­richt. Die­ser enthält als Empfänger des Fa­xes das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg mit der zu­tref­fen­den Fax­num­mer (0911/9282750) so­wie ei­nen Teil der ers­ten Sei­te, aus der sich die Par­tei­en, das Ak­ten­zei­chen des Be­ru­fungs­ver­fah­rens und das an­ge­foch­te­ne Ur­teil er­ge­ben.

Es ist da­her glaub­haft ge­macht, dass der Schrift­satz vom 21.09.2009 ord­nungs­gemäß auf den Weg ge­bracht wur­de und aus Gründen, die je­den­falls nicht von der Kläge­rin bzw. von ih­rem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten zu ver­tre­ten sind, das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg nicht er­reich­te.

Die Be­ru­fung ist al­ler­dings un­zulässig, so­weit die Kläge­rin 1.287,74 € brut­to be­an­tragt. Die Kläge­rin ist in­so­weit nicht be­schwert. Viel­mehr hat das Erst­ge­richt der Kla­ge in die­ser Höhe statt­ge­ge­ben. In die­ser Höhe war die Be­ru­fung des­halb zurück­zu­wei­sen.

Die Be­ru­fung ist, so­weit sie zulässig ist, be­gründet.

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Der Be­klag­te ist ver­pflich­tet, an die Kläge­rin für den in den Jah­ren 2005 und 2006 nicht ge­nom­me­nen Ur­laub Ur­laubs­ab­gel­tung zu zah­len, § 7 Ab­satz 4 BUrlG.

Für 2005 stand der Kläge­rin ein noch of­fe­ner Ur­laubs­an­spruch von 24,5 Ur­laubs­ta­gen zu, für das Jahr 2006 war ein Ur­laubs­an­spruch von 31 Ta­gen ent­stan­den.

Zwi­schen den Par­tei­en be­stand im streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum, 2005 und 2006, ein Ar­beits­verhält­nis. Dies ist – vor al­lem auch im Hin­blick auf das rechts­kräfti­ge Teil­ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bam­berg vom 16.05.2007 – zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig. Das Ar­beits­verhält­nis ist durch ei­ne ent­spre­chen­de Ei­ni­gung der Par­tei­en erst zum 30.11.2007 be­en­det wor­den. Der Kläge­rin stand fer­ner für je­des Ka­len­der­jahr ein An­spruch auf 31 Ar­beits­ta­ge Ur­laub zu. Auch darüber be­steht zwi­schen den Par­tei­en kein Streit. Sch­ließlich ist un­strei­tig, dass die Kläge­rin für 2005 noch Rest­ur­laub von 24,5 Ur­laubs­ta­gen hat­te und 2006 kei­nen Ur­laub ver­langt und ge­nom­men hat.

In­fol­ge der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 30.11.2007 kann die Kläge­rin den Ur­laubs­an­spruch nicht mehr ein­brin­gen. Er ist des­halb gemäß § 7 Ab­satz 4 BUrlG ab­zu­gel­ten.

Dem An­spruch steht nicht ent­ge­gen, dass die Kläge­rin den Ur­laub während des Kündi-gungs­schutz­ver­fah­rens nicht ver­langt hat.

Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, der sich das er­ken­nen­de Ge­richt an­sch­ließt, ent­steht der ge­setz­li­che Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch als Er­satz für die we­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht mehr mögli­che Be­frei­ung von der Ar­beits­pflicht und nicht als Ab­fin­dungs­an­spruch, für den als ein­fa­chen Geld­an­spruch es auf die ur­laubs­recht­li­chen Merk­ma­le wie Be­stand und Erfüll­bar­keit des Ur­laubs­an­spruchs nicht mehr ankäme. Ab­ge­se­hen von der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ist der Ab­gel­tungs­an­spruch des­halb an die glei­chen Vor­aus­set­zun­gen ge­bun­den wie der Ur­laubs­an­spruch (vgl. Bun­des­ar­beits­ge­richt – Ur­teil vom 25.03.2003 - 9 AZR 174/02 = BA­GE 105/345 und NZA 2004/43). Er setzt al­so vor­aus, dass der Ur­laubs­an­spruch noch hätte erfüllt wer­den können, wenn das Ar­beits­verhält­nis fort­geführt wor­den wäre. Der Ur-

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laubs­ab­gel­tungs­an­spruch tritt als Sur­ro­gat an die Stel­le des Ur­laubs­an­spru­ches und muss des­halb nur un­ter den­sel­ben Vor­aus­set­zun­gen wie der Ur­laub gewährt wer­den.


Der noch nicht ge­nom­me­ne Ur­laub für die Jah­re 2005 und 2006 hätte, wäre das Ar­beits­verhält­nis von den Par­tei­en fort­geführt wor­den, von der Kläge­rin noch ein­ge­bracht wer­den können. Der Ur­laubs­an­spruch für die Jah­re 2005 und 2006 ist ins­be­son­de­re nicht ver­fal-len, § 7 Ab­satz 3 BUrlG.

Nach bis­he­ri­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ver­fie­len Ur­laubs­ansprüche al­ler­dings in je­dem Fall, wur­den sie nicht bis 31.03.des Fol­ge­jah­res ein­ge­bracht. Dies galt auch in dem Fall, dass der Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses zwi­schen den Par­tei­en strei­tig war und darüber ein Rechts­streit geführt wur­de. Der Ar­beit­neh­mer hat­te nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, ei­ner­lei ob es sich um ein un­gekündig­tes oder gekündig­tes Ar­beits­verhält­nis han­del­te, den Ar­beit­ge­ber durch die For­de­rung der Ur­laubs­gewährung im Ur­laubs­jahr oder spätes­tens im Über­tra­gungs­zeit­raum in Ver­zug zu set­zen, wenn er den Ar­beit­ge­ber für den mit Frist­ab­lauf ein­tre­ten­den Ver­fall des Ur­laubs­an­spruchs haft­bar ma­chen woll­te (vgl. Bun­des­ar­beits­ge­richt – Ur­teil vom 21.09.1999 - 9 AZR 705/98 = BA­GE 92/299 und BB 2000/881).

Im Hin­blick auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 24.03.2009 (9 AZR 983/07 = AP Nr. 39 zu § 7 BUrlG und NZA 2009/538) gilt dies nach Auf­fas­sung des er-ken­nen­den Ge­richts nicht mehr.

Die zi­tier­te Ent­schei­dung er­ging im An­schluss an das Ur­teil des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs vom 20.01.2009 (C - 350/06). Das Bun­des­ar­beits­ge­richt führt dar­in aus, dass die Aus­le­gung, die § 7 Absätze 3 und 4 BUrlG in der Se­nats­recht­spre­chung für Fälle krank­heits­be­ding­ter Ar­beits­unfähig­keit, die bis zum En­de des Ur­laubs­jah­res und/oder des Über­tra­gungs­zeit­raums an­daue­re, er­fah­ren ha­be, se­kundärem Ge­mein­schafts­recht wi­der­spre­che. Das fol­ge aus dem Ur­teil des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten vom 20.01.2009 (C – 350/06 und C – 520/06). Dort ha­be der Eu­ropäische Ge­richts­hof in Aus­le­gung von Art. 7 Abs. 1 und 2 der Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 4. No­vem­ber 2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung im Rah­men ei­ner Vor­ab­ent­schei­dung nach Art. 234 EG der Recht­spre­chung des Se­nats ent­ge­gen­ste­hen­de Rechtssätze auf­ge­stellt. Die­se Aus­le­gungs­er­geb­nis­se sei­en für

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den Se­nat in­halt­lich ver­bind­lich. Der Se­nat schließe dar­aus, dass der Eu­ropäische Ge­richts­hof die Auf­recht­er­hal­tung des Ur­laubs­an­spruchs in den Aus­nah­mefällen, in de­nen vom Wil­len des Ar­beit­neh­mers un­abhängi­ge Gründe der Ur­laubs­gewährung ent­ge­genstünden, an en­ge Vor­aus­set­zun­gen bin­de.

Im Hin­blick auf die Be­gründung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs gilt dies nach Auf­fas­sung des er­ken­nen­den Ge­richts nicht nur in dem vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall fort­dau­ern­der Er­kran­kung, son­dern auch dann, wenn der Ar­beit­neh­mer aus sons­ti­gen, von ihm nicht zu ver­tre­ten­den Gründen nicht in der La­ge war, den Ur­laub tatsächlich an­zu­tre­ten.

Nach den Erwägun­gen des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs würde es ei­ne Be­ein­träch­ti­gung der den Ar­beit­neh­mern durch Art. 7 der Richt­li­nie 2003/88/EG gewähr­ten so­zia­len Rech­te be­deu­ten, ließe man es zu, dass die ein­schlägi­gen na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten, ins­be­son­de­re die über die Fest­le­gung des Über­tra­gungs­zeit­raums, das Erlöschen des in Art. 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/88/EG ga­ran­tier­ten An­spruchs des Ar­beit­neh­mers auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub vor­se­hen können, oh­ne dass der Ar­beit­neh­mer tatsächlich die Möglich­keit hat­te, den ihm durch die­se Richt­li­nie gewähr­ten An­spruch aus­zuüben.

Ei­ne ver­gleich­ba­re La­ge be­steht in ei­nem gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis während der Dau­er ei­nes über des­sen Be­stand geführ­ten Rechts­streits. Ins­be­son­de­re kommt es nicht dar­auf an, ob der Ar­beit­neh­mer während des Pro­zes­ses Ur­laub ver­langt.

Der Ar­beit­ge­ber ist bezüglich der Er­tei­lung des Ur­laubs Schuld­ner des Ar­beit­neh­mers (vgl. Lei­ne­mann/Linck, Ur­laubs­recht, 2. Auf­la­ge, Rd­Nr. 29 zu § 7). Da sich die Schuld­ner­stel­lung un­mit­tel­bar aus dem Ge­setz er­gibt (§ 7 Ab­satz 1 BUrlG), be­steht sie un­abhängig da­von, ob der Ar­beit­neh­mer ei­nen kon­kre­ten Ur­laubs­an­trag stellt. Der Ar­beit­ge­ber erfüllt sei­ne Ver­pflich­tung da­durch, dass er den Ur­laub un­ter Berück­sich­ti­gung der in § 7 Abs. 1 BUrlG nie­der­ge­leg­ten Merk­ma­le fest­legt. Da­bei ist ein dem Ar­beit­ge­ber mit­ge­teil­ter Ur­laubs­wunsch nicht Vor­aus­set­zung des Rechts des Ar­beit­ge­bers, die zeit­li­che La­ge des Ur­laubs fest­zu­le­gen. Nach § 7 Ab­satz 1 Satz 1 BUrlG hat der Ar­beit­ge­ber bei der Ur­laubser­tei­lung zwar die Ur­laubswünsche des Ar­beit­neh­mers zu berück­sich­ti­gen. Die oh­ne ei­nen sol­chen Wunsch des Ar­beit­neh­mers er­folg­te zeit­li­che Fest­le­gung des Ur­laubs durch den Ar­beit­ge­ber ist aber rechts­wirk­sam, wenn der Ar­beit­neh­mer auf die Erklärung des Ar-

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beit­ge­bers hin kei­nen an­der­wei­ti­gen Ur­laubs­wunsch äußert (vgl. Bun­des­ar­beits­ge­richt – Ur­teil vom 24.03.2009, aaO).

Der Ar­beit­ge­ber, der sich dar­auf be­ruft, das Ar­beits­verhält­nis sei zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt be­en­det wor­den, be­strei­tet nicht nur ei­ne Ver­pflich­tung, den Ar­beit­neh­mer zu beschäfti­gen, son­dern fol­ge­rich­tig auch die Ver­pflich­tung, Ur­laub zu gewähren. Die dar­in lie­gen­de Wei­ge­rung des Ar­beit­ge­bers, die ihm ob­lie­gen­de Ver­pflich­tung zu erfüllen, ver-hin­dert ei­ne Ur­laubs­nah­me des gekündig­ten Ar­beit­neh­mers.

Dem­ent­spre­chend ist es ge­bo­ten, § 7 Ab­satz 3 BUrlG ge­mein­schafts­rechts­kon­form da­hin aus­zu­le­gen, dass – wie im Fall dau­ern­der Ar­beits­unfähig­keit – der Ur­laubs­an­spruch nicht verfällt, wenn der Ar­beit­ge­ber den Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses be­strei­tet und der Ar­beit­neh­mer des­halb den ihm zu­ste­hen­den Ur­laub nicht in dem dafür vor­ge­se­he­nen Ur-laubs­jahr ein­brin­gen kann.

Be­stan­den da­nach die aus den Jah­ren 2005 und 2006 re­sul­tie­ren­den Ur­laubs­ansprüche fort, wan­del­ten sie sich bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses am 30.11.2007 in ei­nen Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch um, § 7 Ab­satz 4 BUrlG.

Pro Tag beträgt das Ur­laubs­ent­gelt 41,54 € brut­to (900,00 € * 3 Mo­na­te / 13 Wo­chen / 5 Wo­chen­ta­ge). Für 55,5 Ur­laubs­ta­ge er­gibt sich ein Ab­gel­tungs­an­spruch von 2.305,47 € brut­to.

Der Zins­an­spruch er­gibt sich aus den §§ 288, 291 BGB.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf den §§ 97 Ab­satz 1, 91 Ab­satz 1 ZPO.

Die Re­vi­si­on war gemäß § 72 Ab­satz 2 Nr. 1 und 2 ArbGG zu­zu­las­sen.

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Rechts­mit­tel­be­leh­rung:

Ge­gen die­ses Ur­teil kann die Be­klag­te Re­vi­si­on ein­le­gen.

Für die Kläge­rin ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat ein­ge­legt und in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten be­gründet wer­den.

Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung des Ur­teils.

Die Re­vi­si­on muss beim

Bun­des­ar­beits­ge­richt
Hu­go-Preuß-Platz 1
99084 Er­furt

Post­an­schrift:
Bun­des­ar­beits­ge­richt
99113 Er­furt

Te­le­fax-Num­mer:
0361 2636-2000

ein­ge­legt und be­gründet wer­den.

Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein.

Es genügt auch die Un­ter­zeich­nung durch ei­nen Be­vollmäch­tig­ten der Ge­werk­schaf­ten und von Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie von Zu­sam­men­schlüssen sol­cher Verbände

- 12 -


- für ih­re Mit­glie­der
- oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der

oder

von ju­ris­ti­schen Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich in wirt­schaft­li­chem Ei­gen­tum ei­ner der im vor­ge­nann­ten Ab­satz be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen,
- wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt
- und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

In je­dem Fall muss der Be­vollmäch­tig­te die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

Zur Möglich­keit der Re­vi­si­ons­ein­le­gung mit­tels elek­tro­ni­schen Do­ku­ments wird auf die Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ar­beits­ge­richt vom 09.03.2006 (BGBl. I, 519 ff.) hin­ge­wie­sen. Ein­zel­hei­ten hier­zu un­ter http://www.bun­des­ar­beits­ge­richt.de/.

 

 

 


Weißen­fels, Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt


Bach­mann, eh­ren­amt­li­cher Rich­ter


D. Zieg­ler, eh­ren­amt­li­cher Rich­ter

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