Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Arbeitsunfähigkeit
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz
Akten­zeichen: 9 Sa 692/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 11.03.2011
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Kaiserslautern, Urteil vom 16.11.2010, 8 Ca 1094/10
   

Ak­ten­zei­chen:
9 Sa 692/10
8 Ca 1094/10
ArbG Kai­sers­lau­tern
Ent­schei­dung vom 11.03.2011

Te­nor:
Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Kai­sers­lau­tern vom 16.11.2010, Az.: 8 Ca 1094/10, ab­geändert:

Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 28.07.2010 nicht be­en­det wor­den ist.

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, den Kläger bis zum rechts­kräfti­gen Be­schluss des Kündi­gungs­schutz­rechts­streits zu un­veränder­ten ar­beits­ver­trag­li­chen Be­din­gun­gen als Gerüstbau­er wei­ter­zu­beschäfti­gen.

Die Kos­ten des Rechts­streits trägt die Be­klag­te.
Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.


Tat­be­stand:
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob ihr Ar­beits­verhält­nis durch die or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten mit Schrei­ben vom 28.07.2010 mit Ab­lauf des 28.02.2011 be­en­det wor­den ist.

Der am 28.02.1961 ge­bo­re­ne Kläger ist bei der Be­klag­ten seit dem 10.03.1979 als Gerüstbau­er bei ei­ner Brut­to­mo­nats­ar­beits­vergütung von 2.636,-- € beschäftigt. Auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en fin­det das Kündi­gungs­schutz­ge­setz An­wen­dung.

Für Sams­tag, den 10.07.2010, war we­gen ei­nes dro­hen­den Un­wet­ters Sams­tags­ar­beit zum Ab­bau ei­nes Gerüsts an­ge­ord­net. Am Tag zu­vor kam es zwi­schen dem Kläger und sei­nem Vor­ge­setz­ten zu ei­nem Gespräch. Nach Dar­stel­lung der Be­klag­ten ver­ab­schie­de­te sich der Vor­ge­setz­te an die­sem Frei­tag von sei­nen Mit­ar­bei­tern und wies dar­auf hin, dass man sich ja mor­gen se­he. Der Kläger soll nach Dar­stel­lung der Be­klag­ten geäußert ha­ben, dass er nicht kom­me und - nach­dem der Vor­ge­setz­te ihm ge­sagt ha­be, dass er kom­men müsse, geäußert ha­be: "Ich kom­me nicht oder willst du dass ich mich krank mel­de?".

Die Be­klag­te sprach dar­auf hin mit Schrei­ben vom 28.07.2010 die streit­ge­genständ­li­che or­dent­li­che Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 28.02.2011 aus.

Hin­sicht­lich der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des un­strei­ti­gen Sach­ver­halts des strei­ti­gen Vor­brin­gens der Par­tei­en ers­ter In­stanz wird gem. § 69 Abs. 2 ArbGG Be­zug ge­nom­men auf das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Kai­sers­lau­tern vom 16.11.2010, Az.: 8 Ca 1094/10 (Bl. 53 ff. d. A.).

Nach Ver­neh­mung des Vor­ge­setz­ten des Klägers als Zeu­gen hat das Ar­beits­ge­richt die auf Fest­stel­lung der Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung und auf tatsächli­che Wei­ter­beschäfti­gung ge­rich­te­te Kla­ge ab­ge­wie­sen und zur Be­gründung -zu­sam­men­ge­fasst- aus­geführt:

Die Kündi­gung sei aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen so­zi­al ge­recht­fer­tigt. Die Be­weis­auf­nah­me ha­be er­ge­ben, dass der Kläger die von der Be­klag­ten be­haup­te­te Äußerung getätigt ha­be. Hier­in lie­ge die Dro­hung mit der Vor­la­ge ei­ner Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung. Ei­ne der­ar­ti­ge Dro­hung stel­le ei­nen Kündi­gungs­grund dar. Die Kündi­gung schei­te­re auch nicht an der durch­zuführen­den In­ter­es­sen­abwägung. Da die Be­klag­te nur ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung aus­ge­spro­chen ha­be, ha­be sie auch aus­rei­chend den Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit berück­sich­tigt.

Das ge­nann­te Ur­teil ist dem Kläger am 24.11.2010 zu­ge­stellt wor­den. Er hat hier­ge­gen mit ei­nem am 22.12.2010 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit Schrift­satz vom 21.01.2011, beim Lan­des­ar­beits­ge­richt am glei­chen Tag ein­ge­gan­gen, be­gründet.

Zur Be­gründung sei­ner Be­ru­fung macht der Kläger nach Maßga­be des ge­nann­ten Schrift­sat­zes so­wie des wei­te­ren Schrift­sat­zes vom 02.03.2011, auf die je­weils ergänzend Be­zug ge­nom­men wird (Bl. 96 ff., 116 f. d. A.), im We­sent­li­chen gel­tend:

Das Ar­beits­ge­richt ha­be nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt, dass es nicht um die Fra­ge ge­gan­gen sei, ob der Kläger sich an ei­nem übli­chen Ar­beits­tag krank mel­de. Die Ge­fahr ei­ner un­be­rech­tig­ten Ent­gelt­fort­zah­lung ha­be da­her nicht be­stan­den. Das Feh­len ei­nes Ar­beit­neh­mers hätte sich nur da­hin­ge­hend aus­ge­wirkt, dass die wei­te­ren Ar­beit­neh­mer bei gleich­blei­ben­der Kos­ten­be­las­tung ei­ne St­un­de länger hätten ar­bei­ten müssen. Das Ar­beits­ge­richt ha­be auch die be­haup­te­te Äußerung des Klägers un­rich­ti­ger Wei­se als Dro­hung mit ei­ner un­be­rech­tig­ten Krank­mel­dung an­ge­se­hen. Wie auch der Be­klag­ten be­kannt ge­we­sen sei, lei­de er un­ter Pro­ble­men mit der Band­schei­be und ha­be 2007 ei­nen Band­schei­ben­vor­fall er­lit­ten, wes­halb er auch vom 07.06. bis 18.06.2010 ar­beits­unfähig er­krankt ge­we­sen sei. Der Kläger ha­be von der Mehr­ar­beit aus­ge­nom­men wer­den wol­len, um an­sons­ten dro­hen­de Rücken­be­schwer­den zu ver­mei­den. Un­ter Berück­sich­ti­gung der Fürsor­ge­pflicht ha­be die Be­klag­te den Kläger nicht zu Mehr­ar­beit her­an­zie­hen dürfen, da auch oh­ne den Kläger genügend Ar­beits­kräfte zur Er­le­di­gung der an­ste­hen­den Ar­bei­ten zur Verfügung ge­stan­den hätten.

Der Kläger be­an­tragt,
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Kai­sers­lau­tern vom 16.11.2010, Az.: 8 Ca 1094/10, ab­zuändern und

fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 28.07.2010 nicht be­en­det wor­den ist und
im Fal­le des Ob­sie­gens mit dem An­trag zu 1) die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, den Kläger bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens zu un­veränder­ten ar­beits­ver­trag­li­chen Be­din­gun­gen als Gerüstbau­er wei­ter­zu­beschäfti­gen.

Die Be­klag­te be­an­tragt,
die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Sie ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil mit ih­rer Be­ru­fungs­er­wi­de­rung gemäß Schrift­satz vom 25.02.2011, auf den ergänzend Be­zug ge­nom­men wird (Bl. 108 ff. d. A.), als zu­tref­fend. Die erst­in­stanz­li­che Be­weis­auf­nah­me ha­be ih­re Be­haup­tung zur Äußerung des Klägers bestätigt. Hier­aus er­ge­be sich auch, dass der Kläger anläss­lich des Gesprächs mit dem Vor­ge­setz­ten nicht auf ge­sund­heit­li­che Be­schwer­den hin­ge­wie­sen ha­be. Der Kläger ha­be viel­mehr be­reits zu­vor geäußert, dass er nicht kom­me, weil er Ge­burts­tag fei­ern wol­le.

Auch im Übri­gen wird ergänzend auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe:
I.
Die Be­ru­fung des Klägers ist zulässig. Das Rechts­mit­tel ist an sich statt­haft. Die Be­ru­fung wur­de auch form- und frist­ge­recht ein­ge­legt so­wie - auch in­halt­lich aus­rei­chend - be­gründet.

II. Das Rechts­mit­tel hat auch in der Sa­che Er­folg. Die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung ist nicht im Sin­ne des § 1 Abs. 2 KSchG so­zi­al ge­recht­fer­tigt und des­halb nach § 1 Abs. 1 KSchG rechts­un­wirk­sam. Im Hin­blick dar­auf steht dem Kläger auch der gel­tend ge­mach­te An­spruch auf tatsächli­che Wei­ter­beschäfti­gung zu.

1. Die Be­ru­fungs­kam­mer ist al­ler­dings in Übe­rein­stim­mung mit dem Ar­beits­ge­richt und der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung (BAG 05.11.1992 - 2 AZR 147/92 - EzA § 626 n.F. BGB Nr. 143; BAG 12.03.2009 - 2 AZR 251/07 - EzA § 626 BGB 2002, Nr. 26) der Auf­fas­sung, dass die Ankündi­gung ei­ner zukünf­ti­gen, im Zeit­punkt der Ankündi­gung nicht be­ste­hen­den Er­kran­kung durch den Ar­beit­neh­mer für den Fall, dass der Ar­beit­ge­ber be­stimm­ten Ver­lan­gen des Ar­beit­neh­mers nicht nach­kommt, oh­ne Rück­sicht auf ei­ne später tatsächlich auf­tre­ten­de Er­kran­kung an sich ge­eig­net ist, so­gar ei­nen wich­ti­gen Grund für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung und da­mit erst Recht für ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen ab­zu­ge­ben. Ver­sucht der Ar­beit­neh­mer auf die­se Wei­se, ei­nen ihm nicht zu­ste­hen­den Vor­teil zu er­rei­chen, so ver­letzt er hier­durch sei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Rück­sicht­nah­me­pflicht. Die­se ver­bie­tet es ihm, den Ar­beit­ge­ber auf ei­ne der­ar­ti­ge Wei­se un­ter Druck zu set­zen. Ein sol­ches Ver­hal­ten be­ein­träch­tigt das Ver­trau­ens­verhält­nis zum Ar­beit­ge­ber, weil es in ihm den be­rech­tig­ten Ver­dacht auf­kom­men las­sen kann, der Ar­beit­neh­mer miss­brau­che not­falls sei­ne Rech­te aus den Ent­gelt­fort­zah­lungs­be­stim­mun­gen, um ei­nen un­be­rech­tig­ten Vor­teil zu er­rei­chen. Hier­in liegt be­reits die kon­kre­te Störung des Ar­beits­verhält­nis­ses.

2. Nach den Fest­stel­lun­gen des Ar­beits­ge­richts, an de­ren Rich­tig­keit und Vollständig­keit kei­ne Zwei­fel im Sin­ne des § 529 Abs. 1 ZPO gel­tend ge­macht wur­den oder sonst er­sicht­lich sind, hat der Kläger am En­de des Gesprächs mit sei­nem Vor­ge­setz­ten geäußert: "…. oder ist es dir lie­ber, wenn ich mich krank mel­de?". Das Ar­beits­ge­richt ist zu­tref­fend auch da­von aus­ge­gan­gen, dass es sich bei die­ser Äußerung bei ob­jek­ti­ver Be­trach­tung aus Sicht des Vor­ge­setz­ten um die Dro­hung mit ei­ner Krank­mel­dung für den Fall han­del­te, dass die­ser an der an­ge­ord­ne­ten Sams­tags­ar­beit fest­hal­te. Zwar mag dem Vor­ge­setz­ten be­kannt ge­we­sen sein, dass der Kläger im Jah­re 2007 ei­nen Band­schei­ben­vor­fall er­lit­ten hat und we­gen Rücken­be­schwer­den vom 07.06. bis 18.06.2010 ar­beits­unfähig er­krankt ge­we­sen ist. An­de­rer­seits lag die­se Ar­beits­unfähig­keit be­reits knapp drei Wo­chen zurück und der Kläger hat­te seit­dem oh­ne er­kenn­ba­re ge­sund­heit­li­chen Be­schwer­den sei­ne Ar­beits­leis­tung er­bracht. Es wäre zu­dem dem Kläger oh­ne wei­te­res möglich ge­we­sen, den Vor­ge­setz­ten dar­auf hin­zu­wei­sen, dass er den Ein­tritt ge­sund­heit­li­cher Be­schwer­den befürch­te, wenn ihm der Sams­tag nicht zur Er­ho­lung zur Verfügung steht.

3. Un­ge­ach­tet des­sen ist die Kündi­gung aber des­halb so­zi­al nicht ge­recht­fer­tigt, weil die stets durch­zuführen­de In­ter­es­sen­abwägung im Ein­zel­fall un­ter Berück­sich­ti­gung des Grund­sat­zes der Verhält­nismäßig­keit im vor­lie­gen­den Fall zu­guns­ten des Klägers ausfällt. Zwar wiegt die Pflicht­ver­let­zung des Klägers schwer und ist ge­eig­net, ei­nen ganz er­heb­li­chen Ver­trau­ens­ver­lust her­bei­zuführen. Eben­so ist zu Las­ten des Klägers zu berück­sich­ti­gen, dass ihn an die­ser Pflicht­ver­let­zung ein er­heb­li­ches Ver­schul­den trifft. Wie aus­geführt, wäre es dem Kläger oh­ne wei­te­res möglich und zu­mut­bar ge­we­sen, le­dig­lich auf die aus sei­ner Sicht un­ter ge­sund­heit­li­chen Ge­sichts­punk­ten be­ste­hen­de Er­ho­lungs­bedürf­tig­keit am Sams­tag zu ver­wei­sen. Zu­guns­ten des Klägers ist dem ge­genüber zu berück­sich­ti­gen, dass die­ser be­reits seit über 31 Jah­ren bei der Be­klag­ten beschäftigt ist und es bis­lang zu kei­nen Störun­gen des Ar­beits­verhält­nis­ses kam. So­weit die Be­klag­te erst­in­stanz­lich (Schrift­satz vom 14.10.2010, Bl. 33 d. A.) dar­auf ver­wie­sen hat, der Kläger ha­be im Jahr 2000 ei­ne Ab­mah­nung und auch noch ei­ne wei­te­re Ab­mah­nung er­hal­ten, ist ihr dies­bezügli­cher Sach­vor­trag gänz­lich un­sub­stan­ti­iert. Es fehlt jeg­li­che zeit­li­che Kon­kre­ti­sie­rung. Aus dem Sach­vor­trag der Be­klag­ten er­gibt sich auch nicht, ob es sich tatsächlich um ei­ne Ab­mah­nung im Rechts­sin­ne ge­han­delt hat. Ei­ne sol­che setzt vor­aus, dass dem Ar­beit­neh­mer für den Fall ei­ner wie­der­hol­ten Pflicht­ver­let­zung ver­deut­licht wird, dass dann In­halt oder Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses gefähr­det sind. Hin­sicht­lich der für das Jahr 2000 be­haup­te­ten Ab­mah­nung ist darüber hin­aus auch nicht er­sicht­lich, dass es sich tatsächlich um ei­ne Pflicht­ver­let­zung han­del­te.

Zu­guns­ten des Klägers war wei­ter auch des­sen Le­bens­al­ter zu berück­sich­ti­gen, wel­ches im Hin­blick auf die Chan­cen, im aus­geübten Be­ruf ei­nen an­der­wei­ti­gen Ar­beits­platz zu fin­den, we­gen der da­mit ver­bun­de­nen körper­li­chen Be­an­spru­chun­gen nicht un­pro­ble­ma­tisch ist.

Un­ter dem recht­li­chen Ge­sichts­punkt der Verhält­nismäßig­keit ist die Be­ru­fungs­kam­mer un­ter Berück­sich­ti­gung der vor­ste­hend ge­nann­ten Ge­sichts­punk­te der Auf­fas­sung, dass es der Be­klag­ten zu­mut­bar war, dem Kläger zunächst we­gen des der Kündi­gung zu­grun­de lie­gen­den Vor­falls ei­ne Ab­mah­nung zu er­tei­len. Als mil­de­re Re­ak­ti­on zu ei­ner auch or­dent­li­chen Kündi­gung ist ins­be­son­de­re auch ei­ne Ab­mah­nung an­zu­se­hen, wenn schon sie ge­eig­net ist, den mit der Kündi­gung ver­folg­ten Zweck - die Ver­mei­dung des Ri­si­kos künf­ti­ger Störun­gen - zu er­rei­chen. Bei ei­nem wie hier steu­er­ba­ren Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers ist grundsätz­lich da­von aus­zu­ge­hen, dass sein künf­ti­ges Ver­hal­ten schon durch die An­dro­hung von Fol­gen für den Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses po­si­tiv be­ein­flusst wer­den kann. Ei­ne Ab­mah­nung be­darf es in An­se­hung des Verhält­nismäßig­keits­grund­sat­zes des­halb nur dann nicht, wenn ei­ne Ver­hal­tensände­rung in Zu­kunft selbst nach Ab­mah­nung nicht zu er­war­ten steht oder es sich um ei­ne so schwe­re Pflicht­ver­let­zung han­delt, dass ei­ne Hin­nah­me durch den Ar­beit­ge­ber of­fen­sicht­lich aus­ge­schlos­sen ist. Die­se Grundsätze gel­ten un­ein­ge­schränkt auch bei Störun­gen des Ver­trau­ens­be­reichs (vgl. ausführ­lich BAG 10.06.2010 - 2 AZR 541/09 - NZA 2010, 1227).

Für die Zu­mut­bar­keit ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung un­ter Berück­sich­ti­gung des Grund­sat­zes der Verhält­nismäßig­keit ist es auch von er­heb­li­cher Be­deu­tung, ob das Ar­beits­verhält­nis zu­vor be­reits ge­rau­me Zeit oh­ne er­kenn­ba­re Störun­gen be­stan­den hat. Ei­ne für lan­ge Jah­re un­gestörte Ver­trags­be­zie­hung wird nicht not­wen­dig schon durch ei­ne erst­ma­li­ge Ver­trau­en­s­enttäuschung vollständig und un­wie­der­bring­lich zerstört. Je länger ei­ne Ver­trags­be­zie­hung un­gestört be­stan­den hat, des­to eher kann die Pro­gno­se be­rech­tigt sein, dass der da­durch er­ar­bei­te­te Vor­rat an Ver­trau­en durch ei­nen erst­ma­li­gen Vor­fall nicht vollständig auf­ge­zehrt wird. Hier­bei ist ein ob­jek­ti­ver Maßstab an­zu­le­gen. Die­se Grundsätze gel­ten nicht nur für ei­ne außer­or­dent­li­che, son­dern auch im Rah­men der Über­prüfung ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung (BAG, 10.06.2010, a. a. O.).

Der Kläger hat mehr als 30 Jah­re lang oh­ne er­kenn­ba­re oder näher dar­ge­leg­te Be­an­stan­dun­gen sei­ne Ar­beits­leis­tung für die Be­klag­te er­bracht. Die­se Dau­er der be­an­stan­dungs­frei­en Tätig­keit hat er­heb­li­ches Ge­wicht und war bei ob­jek­ti­ver Be­trach­tung ge­eig­net, ein er­heb­li­ches Maß an Ver­trau­en in den Kläger zu be­gründen. Die­ses er­wor­be­ne Ver­trau­en wird durch den ein­ma­li­gen Vor­fall nicht der­art erschüttert, dass die vollständi­ge Wie­der­her­stel­lung des Ver­trau­ens und ein künf­tig er­neut störungs­frei­es Mit­ein­an­der der Par­tei­en nicht in Fra­ge käme.

4. Da so­mit die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung rechts­un­wirk­sam ist, steht dem Kläger auch ein An­spruch auf tatsächli­che Wei­ter­beschäfti­gung zu.

III. Auf die Be­ru­fung des Klägers war da­her an­ge­foch­te­ne Ur­teil an­trags­gemäß ab­zuändern. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 91 ZPO. Ein Re­vi­si­ons­zu­las­sungs­grund be­steht nicht.

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 9 Sa 692/10  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880