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Vor­sicht, der Chef surft mit - Sor­gen um Da­ten­schutz im Job

Wer sich im In­ter­net be­wegt, hin­ter­lässt Spu­ren: Dass die auch der Vor­ge­setz­te le­sen kann, macht sich nicht je­der Ar­beit­neh­mer klar. Die neue Da­ten­sam­mel­wut sorgt eben­falls für zu­neh­men­den Kon­troll­druck in Un­ter­neh­men

30.03.2016. (dpa) - Sie ar­bei­ten im Ho­me­of­fice oder von un­ter­wegs per Smart­pho­ne und Ta­blet - vie­le Chefs be­kom­men ih­re Mit­ar­bei­ter im­mer sel­te­ner zu Ge­sicht.

Und trotz­dem kön­nen sie sich dank di­gi­ta­ler Da­ten­strö­me ein ge­nau­es Bild dar­über ma­chen, wo, wann und wie lan­ge die Be­schäf­tig­ten ak­tiv sind.

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So schafft die di­gi­ta­le Ar­beits­welt auch neue Mög­lich­kei­ten der Leis­tungs­kon­trol­le und Über­wa­chung - zur Sor­ge von Ge­werk­schaf­tern und Da­ten­schüt­zern.

Pro­ble­me be­rei­tet vor al­lem die zu­neh­men­de Ver­schmel­zung von Ar­beit und Pri­vat­le­ben über Ak­ti­vi­tä­ten in so­zia­len Netz­wer­ken, wie Ex­per­te Karl-Heinz Brandl von der Bun­des­ver­wal­tung der Ge­werk­schaft Ver­di sagt. Un­ter­neh­men kön­nen in kür­zes­ter Zeit In­ter­net-Pro­fi­le von Mit­ar­bei­tern oder Be­wer­bern durch­stö­bern. Des­halb ist Vor­sicht bei der Selbst­dar­stel­lung im Netz ge­bo­ten, mahnt Brandl. Selbst ein ver­meint­lich harm­lo­ses Fo­to, ei­ne Mei­nungs­äu­ße­rung oder auch nur ein un­be­dach­ter Ge­fällt-mir-Klick kann viel aus­sa­gen über In­ter­es­sen und Ver­hal­ten ei­nes Mit­ar­bei­ters.

Aber auch im Job selbst hin­ter­las­sen die Be­schäf­tig­ten zu­neh­mend di­gi­ta­le Spu­ren, und das nicht nur, wenn sie am Com­pu­ter ar­bei­ten oder an der Kas­se ei­nes Ge­schäfts, die per Ka­me­ra über­wacht wird. Wie ei­ni­ge gro­ße Lo­gis­tik-Un­ter­neh­men setzt auch so man­cher Hand­werks­be­trieb in­zwi­schen auf die GPS-Or­tung sei­ner Fahr­zeu­ge und weiß so Be­scheid über Stand­ort, Fahr- und Stand­zei­ten und Kraft­stoff­ver­brauch. Die­se Form der Über­wa­chung führt im­mer wie­der auch zu Rei­bungs­punk­ten zwi­schen Un­ter­neh­mern und Be­schäf­tig­ten, wie der Prä­si­dent des Baye­ri­schen Lan­des­am­tes für Da­ten­schutz­auf­sicht, Tho­mas Kra­nig, be­rich­tet. 999 Be­schwer­den zähl­te sei­ne Be­hör­de im ver­gan­ge­nen Jahr, das wa­ren 46 mehr als im Vor­jahr. Bei 63 der Be­schwer­den ging es um Da­ten­schutz-Pro­ble­me am Ar­beits­platz.

Be­den­ken ha­ben Ex­per­ten auch bei so­ge­nann­ten Fit­ness-Arm­bän­dern und Apps. Wenn sie in Fir­men für Sport-Pro­gram­me ein­ge­setzt und Be­schäf­tig­te da­zu auf­ge­ru­fen wer­den, Fit­ness- und Ge­sund­heits­da­ten zu sam­meln und zu ver­glei­chen, kann schnell so­zia­ler Druck ent­ste­hen, sagt der baye­ri­sche Lan­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­te, Tho­mas Pe­tri. Pro­ble­me wie in an­de­ren Län­dern, wo Ar­beit­neh­mer, die ei­ne Preis­ga­be solch hoch­sen­si­bler Da­ten ver­wei­gern, ent­las­sen wer­den kön­nen, ge­be es in Deutsch­land zwar noch nicht. Trotz­dem: "Wer nicht mit­macht, grenzt sich un­ter Um­stän­den aus", sagt Pe­tri.

Recht­li­che Re­ge­lun­gen für all die­se The­men feh­len weit­ge­hend - ein Ge­set­zes­vor­ha­ben zum Ar­beit­neh­mer­da­ten­schutz liegt schon län­ger auf Eis. Der Ruf da­nach war vor Jah­ren nach meh­re­ren Be­spit­ze­lungs- und Da­ten­skan­da­len in gro­ßen Un­ter­neh­men lau­ter ge­wor­den. Aus sol­chen Fäl­len hat man in der Wirt­schaft zwar ge­lernt, glaubt Ver­di-Ex­per­te Brandl, trotz­dem ge­be es durch­aus noch Pro­ble­me.

Wenn Leis­tungs- und Ver­hal­tens­kon­trol­len in Un­ter­neh­men tech­no­lo­gisch mög­lich sind, greift grund­sätz­lich die Mit­be­stim­mung. Des­halb ha­ben sich Be­triebs­rä­te be­son­ders in vie­len grö­ße­ren Fir­men in Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen auf Spiel­re­geln für den Um­gang mit per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten ge­ei­nigt. "Wo es kei­ne Be­triebs­rä­te gibt, herrscht teil­wei­se Wild­wuchs»" sagt Brandl.

Auch nach Ein­schät­zung der In­ter­net- und Da­ten­schutz­recht­le­rin Pa­tri­cia Lotz von der Münch­ner rbi Rechts­an­walts­ge­sell­schaft sind nicht al­le Un­ter­neh­men aus­rei­chend für Da­ten­schutz-The­men ge­rüs­tet. "Hier­zu ge­hört der rich­ti­ge Um­gang mit Be­wer­bungs­un­ter­la­gen ge­nau­so wie kla­re Richt­li­ni­en für die Ar­beit­neh­mer, ob Dienst­com­pu­ter, Dienst­han­dys oder auch das be­trieb­li­che WLAN für pri­va­te Zwe­cke ge­nutzt wer­den dür­fen oder eben nicht", sagt Lotz. Be­ra­tungs­be­darf ge­be es vor al­lem im Mit­tel­stand.

Auch ge­setz­li­che Re­ge­lun­gen könn­ten nach Ein­schät­zung der Ex­per­ten hel­fen, die Un­ter­neh­men wei­ter zu sen­si­bi­li­sie­ren. Die neue Da­ten­schutz-Grund­ver­ord­nung der Eu­ro­päi­schen Uni­on räumt den Mit­glieds­staa­ten da­für ei­ge­ne Ge­stal­tungs­spiel­räu­me ein. Am 21. April soll der EU-Mi­nis­ter­rat dar­über ab­stim­men, da­nach muss das EU-Par­la­ment die Ver­ord­nung noch ab­seg­nen. In Deutsch­land könn­te das The­ma dann in der nächs­ten Le­gis­la­tur­pe­ri­ode wie­der auf den Tisch kom­men - das er­war­ten zu­min­dest ei­ni­ge Ex­per­ten.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 15. Juli 2016

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