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Warn­streiks im öf­fent­li­chen Dienst - Kein An­ge­bot der Ar­beit­ge­ber

Die ers­te Run­de der Ta­rif­ver­hand­lun­gen für den öf­fent­li­chen Dienst geht aus wie er­war­tet: Die Ar­beit­ge­ber le­gen kein An­ge­bot vor, die Ge­werk­schaf­ten kün­di­gen Warn­streiks an. Die Aus­wir­kun­gen wer­den vie­le Bür­ger schnell zu spü­ren be­kom­men

14.03.2014. (dpa) - Der öf­fent­li­che Dienst steht vor ei­ner Wel­le von Warn­streiks.

Ver­di-Chef Frank Bsirs­ke kün­dig­te am Don­ners­tag de­zen­tra­le Ak­tio­nen an, nach­dem die Ar­beit­ge­ber bei der ers­ten Run­de der Ta­rif­ver­hand­lun­gen in Pots­dam kein An­ge­bot vor­ge­legt hat­ten.

Ers­te Ar­beits­nie­der­le­gun­gen soll es be­reits an die­sem Frei­tag in Nie­der­sach­sen ge­ben.

Be­trof­fen sind Stadt- und Kreis­ver­wal­tun­gen, Ab­fall­be­trie­be, Spar­kas­sen und Kin­der­ta­ges­stät­ten so­wie das Kli­ni­kum in Wolfs­burg.

Bis zur nächs­ten Ver­hand­lungs­run­de am Don­ners­tag und Frei­tag kom­men­der Wo­che soll es Warn­streiks in ganz Deutsch­land ge­ben. Auch der dbb-Be­am­ten­bund gab sei­nen Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten freie Hand für Ar­beits­nie­der­le­gun­gen. Die Ge­werk­schaf­ten for­dern ei­ne pau­scha­le An­he­bung der Ge­häl­ter um 100 Eu­ro so­wie ei­nen wei­te­ren Lohn­zu­wachs von 3,5 Pro­zent für die 2,1 Mil­lio­nen An­ge­stell­ten von Bund und Kom­mu­nen.

Die Ar­beit­ge­ber hal­ten das für über­zo­gen. Sie leg­ten in der ers­ten Run­de noch kein An­ge­bot vor. Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU), der für den Bund die Ver­hand­lun­gen führt, sag­te, die Po­si­tio­nen lä­gen noch weit aus­ein­an­der. Be­son­ders pro­ble­ma­tisch sei die For­de­rung nach ei­nem So­ckel­be­trag von 100 Eu­ro für je­den Be­schäf­tig­ten: "Das Vo­lu­men ist zu hoch." Ein An­ge­bot der Ar­beit­ge­ber sei erst dann sinn­voll, wenn es ei­nen Weg zu ei­ner Ei­ni­gung eb­ne und nicht er­schwe­re. "Wir sind aber ei­ni­gungs­fä­hig und -be­reit", be­ton­te de Mai­ziè­re.

Die Ver­ei­ni­gung der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber (VKA) rech­net bei Um­set­zung der Ge­werk­schafts­for­de­run­gen mit Zu­satz­kos­ten von mehr als sechs Mil­li­ar­den Eu­ro, der Bund mit zu­sätz­lich zwei Mil­li­ar­den Eu­ro. VKA-Prä­si­dent Tho­mas Böh­le kri­ti­sier­te, ein So­ckel­be­trag be­güns­ti­ge die un­te­ren Lohn­grup­pen. "Durch den ge­for­der­ten So­ckel­be­trag sind die For­de­run­gen un­ter­schied­lich hoch - zwi­schen 5,27 Pro­zent und 10,2 Pro­zent, im Durch­schnitt 7,1 Pro­zent", sag­te Böh­le. Er hal­te ge­son­der­te Er­hö­hun­gen für aus­ge­wähl­te Be­schäf­ti­gungs­grup­pen für aus­ge­spro­chen pro­ble­ma­tisch.

Die Ge­werk­schaf­ten zeig­ten sich kampf­be­reit. "Jetzt ist es an den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen in den Be­trie­ben, Ver­wal­tun­gen, Kran­ken­häu­sern, bei Müll­ab­fuhr, Nah­ver­kehr und Ki­tas, ein deut­li­ches Si­gnal zu set­zen und mit Im­pul­sen von un­ten Be­we­gung in die Ver­hand­lun­gen zu brin­gen", sag­te Bsirs­ke. dbb-Ver­hand­lungs­füh­rer Wil­li Russ sag­te: "Wir bit­ten die Be­völ­ke­rung schon jetzt um Ver­ständ­nis für die zu er­war­ten­den Be­hin­de­run­gen."

Die GEW-Vor­sit­zen­de Mar­lis Te­pe sag­te, der öf­fent­li­che Dienst ha­be in vie­len Be­rei­chen wie et­wa bei den Er­zie­he­rin­nen gro­ße Pro­ble­me, gu­te Fach­kräf­te und Nach­wuchs zu ge­win­nen. "Des­halb müs­sen wir in die­sen Be­ru­fen bes­ser be­zah­len, um sie at­trak­ti­ver zu ma­chen."

Aus Sicht von Bsirs­ke ist der So­ckel­be­trag ge­ra­de für die un­te­ren Lohn­grup­pen un­er­läss­lich. "Ein Müll­wer­ker ver­dient et­wa 1800 Eu­ro, und ein Bus­fah­rer in Sach­sen er­hält 1713 Eu­ro Grund­ge­halt", sag­te er. "Die­ser Lohn wird der ho­hen Ver­ant­wor­tung der Be­schäf­tig­ten nicht ge­recht."

Be­reits vor Be­ginn der Ver­hand­lun­gen hat­te Böh­le be­tont, dass die Hälf­te der Kom­mu­nen und ein Drit­tel der Land­krei­se in den ro­ten Zah­len steck­ten. So be­ste­he bei ei­nem ho­hen Ab­schluss die Ge­fahr, dass die Kom­mu­nen be­stimm­te Dienst­leis­tun­gen in den pri­va­ten Sek­tor aus­glie­dern müss­ten.

Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­ber ha­ben für den 20. und 21. März ei­ne zwei­te Ta­rif­run­de in Pots­dam ver­ein­bart. Die drit­te Ver­hand­lungs­run­de soll ab dem 31. März statt­fin­den. Bei der letz­ten Ta­rif­run­de vor zwei Jah­ren hat­ten die Ge­werk­schaf­ten nach ei­ner bis­lang bei­spiel­lo­sen Wel­le von Warn­streiks Ge­halts­ver­bes­se­run­gen von 6,3 Pro­zent er­zielt - bei ei­ner Lauf­zeit von zwei Jah­ren.

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Letzte Überarbeitung: 19. November 2015

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