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Wei­ter­be­schäf­ti­gung oder Zwangs­geld

An die Be­schrei­bung der ge­wünsch­ten Tä­tig­keit im An­trag auf Wei­ter­be­schäf­ti­gung sind kei­ne über­trie­ben ho­hen An­for­de­run­gen zu stel­len: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 25.06.2013, 12 Ta 418/12

06.12.2013. Wer nach ei­ner Kün­di­gung ei­ne Kün­di­gungs­schutz­kla­ge er­hebt, ist trotz­dem nach Ab­lauf der Kün­di­gungs­frist erst ein­mal ar­beits­los.

Da­ge­gen hilft der An­spruch auf Wei­ter­be­schäf­ti­gung. Mit sei­ner Hil­fe kann der ge­kün­dig­te Ar­beit­neh­mer durch­set­zen, dass er vor­läu­fig bis zum rechts­kräf­ti­gen Ab­schluss des Kün­di­gungs­schutz­ver­fah­rens be­schäf­tigt wird.

Hat der Ar­beit­neh­mer die­sen An­spruch ti­tu­lie­ren las­sen, d.h. ei­ne ge­richt­li­che Ent­schei­dung dar­über her­bei­ge­führt, dass der Ar­beit­ge­ber ihn vor­läu­fig wei­ter ein­set­zen und be­zah­len muss, kann der Ar­beit­ge­ber aber im­mer noch Ein­wen­dun­gen er­he­ben, näm­lich in der Zwangs­voll­stre­ckung.

Ein be­lieb­ter Ein­wand lau­tet, dass der Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­ti­tel zu un­ge­nau ist, d.h. nicht klar er­ken­nen lässt, wo und wie bzw. mit wel­chen Auf­ga­ben der Ar­beit­ge­ber den Ar­beit­neh­mer ein­set­zen muss. Die­ser Ein­wand hat kei­nen Er­folg, wenn der Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­ti­tel das Be­rufs­bild der Ar­beit­neh­mers er­ken­nen lässt, d.h. es muss nicht je­de ein­zel­ne ge­schul­de­te Tä­tig­keit in den Ti­tel auf­ge­nom­men wer­den: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 25.06.2013, 12 Ta 418/12.

Wie genau muss ein Antrag auf vorläufige Weiterbeschäftigung die Art der gewünschten Beschäftigung umschreiben?

Wer sei­nen An­spruch auf Wei­ter­beschäfti­gung ge­richt­lich durch­set­zen will, muss im Rah­men sei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge oder in ei­nem ge­son­der­ten (Eil-)Ver­fah­ren ei­nen An­trag stel­len, dem gemäß der Ar­beit­ge­ber da­zu ver­ur­teilt wird, ihn vorläufig bis zum Ab­schluss des Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens wei­ter zu beschäfti­gen.

Ein sol­cher An­trag ist hei­kel. Denn zum ei­nen muss er die vom Ar­beit­neh­mer gewünsch­te Art der Tätig­keit aus­rei­chend deut­lich er­ken­nen las­sen, weil der ge­richt­li­che Ti­tel Grund­la­ge für die Zwangs­voll­stre­ckung ist, und spätes­tens dann muss der Ar­beit­ge­ber als Voll­stre­ckungs­schuld­ner wis­sen, was er gemäß dem ge­richt­li­chen Ti­tel tun soll.

Ei­ne all­zu ge­naue Be­schrei­bung al­ler mögli­cher kon­kre­ter Ar­beitstauf­ga­ben kann aber da­zu führen, dass der An­trag auf Wei­ter­beschäfti­gung ab­ge­wie­sen wird. Denn der Ar­beit­ge­ber hat ein Wei­sungs­recht und kann dem Ar­beit­neh­mer da­her ver­schie­de­ne wech­seln­de Tätig­kei­ten zu­wei­sen. Ein zu ge­nau­er An­trag auf Beschäfti­gung ist da­her mögli­cher­wei­se un­be­gründet, weil er mit dem Wei­sungs­recht un­ver­ein­bar ist.

So ge­se­hen hat der Ar­beit­neh­mer im ge­richt­li­chen Streit um sei­ne vorläufi­ge Wei­ter­beschäfti­gung die Wahl zwi­schen Pest und Cho­le­ra: Ent­we­der be­schreibt er bei sei­nem An­trag auf Wei­ter­beschäfti­gung die gewünsch­te Tätig­keit ex­trem ge­nau, dann wäre ein ent­spre­chen­der Ti­tel zwar voll­stre­ckungsfähig, doch wird das Ge­richt den An­trag un­ter Hin­weis auf das Wei­sungs­recht des Ar­beit­ge­bers viel­leicht ab­wei­sen. Oder der An­trag auf Wei­ter­beschäfti­gung bleibt ex­trem va­ge, dann trägt er zwar dem Wei­sungs­recht Rech­nung, doch wäre ein ent­spre­chen­der Ti­tel mögli­cher­wei­se nicht voll­stre­ckungsfähig.

An die­ser Stel­le hilft es, das Be­rufs­bild un­ter Hin­weis auf den Ar­beits­ver­trag und den Ort der Tätig­keit im An­trag auf Wei­ter­beschäfti­gung zu nen­nen.

Der Fall des Hessischen LAG: Kaufmännischer Angestellter möchte als "Spezialist Handelsbetreuung" beschäftigt werden

Im Streit­fall er­hielt ein kaufmänni­scher An­ge­stell­ter im Ju­ni 2011 ei­ne Ände­rungskündi­gung aus be­triebs­be­ding­ten Gründen zum Jah­res­en­de 2011, weil sein Ar­beit­ge­ber das Res­sort "Fi­nan­ci­al Mar­kets" zum Jah­res­wech­sel 2011/2012 von Frank­furt nach Bonn ver­la­gern woll­te, und in die­sem Res­sort war der An­ge­stell­te als "Spe­zia­list Han­dels­be­treu­ung" tätig. Dem­ent­spre­chend hätte er, wenn er das Ände­rungs­an­ge­bot an­ge­nom­men hätte, ab An­fang 2012 in Bonn statt wie bis­her in Frank­furt ar­bei­ten müssen.

Der Ar­beit­neh­mer nahm das Ände­rungs­an­ge­bot aber nicht an, auch nicht un­ter dem Vor­be­halt des § 2 Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG), son­dern er­hob statt des­sen ei­ne iso­lier­te Kündi­gungs­schutz­kla­ge. Da­mit hat­te er in der ers­ten In­stanz vor dem Ar­beits­ge­richt Frank­furt Er­folg. Im Ju­ni 2013, d.h. zwei Jah­re nach Aus­spruch der Kündi­gung, war über die Kla­ge im­mer noch nicht endgültig ent­schie­den wor­den, denn der Ar­beit­ge­ber hat­te Be­ru­fung ein­ge­legt und das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) sein Ur­teil noch nicht gefällt.

Par­al­lel zum Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren hat­te der An­ge­stell­te im Eil­ver­fah­ren ein Ur­teil erstrit­ten, dem gemäß der Ar­beit­ge­ber ihn vorläufig wei­ter als "Spe­zia­list Han­dels­be­treu­ung" beschäfti­gen muss­te (Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main, Ur­teil vom 25.01.2012, 22 Ga 223/11). Auch ge­gen die­ses Ur­teil hat­te der Ar­beit­ge­ber zwar Be­ru­fung ein­ge­legt, doch war die­se rechts­kräftig ab­ge­wie­sen wor­den (Hes­si­sches LAG, Ur­teil vom 03.07.2012, 15 Sa­Ga 243/12).

Nach­dem der Ar­beit­ge­ber auch in zwei­ter In­stanz im Streit um die Wei­ter­beschäfti­gung den Kürze­ren ge­zo­gen hat­te, be­an­trag­te der An­ge­stell­te im Ju­li 2012 beim Ar­beits­ge­richt, ge­gen den Ar­beit­ge­ber ein Zwangs­geld zu verhängen. Auch da­mit hat­te er Er­folg, d.h. das Ge­richt setz­te ein Zwangs­geld fest (Ar­beits­ge­richt Frank­furt, Be­schluss vom 23.10.2012, 22 Ga 223/11).

Ein drei­vier­tel Jahr später muss­te das Hes­si­sche LAG darüber ent­schei­den, ob die Fest­set­zung des Zwangs­gel­des rech­tens war.

Hessisches LAG: Die Angabe des Berufsbildes genügt im Streit um die Weiterbeschäftigung

Das Hes­si­sche LAG bestätig­te die Fest­set­zung des Zwangs­gel­des ge­gen den Ar­beit­ge­ber. Die­ser muss da­her we­gen fort­ge­setz­ter Wei­ge­rung, den Ar­beit­neh­mer als "Spe­zia­list Han­dels­be­treu­ung" zu beschäfti­gen, ein Zwangs­geld be­rap­pen.

Im Streit um das Zwangs­geld hat­te der Ar­beit­ge­ber ein­ge­wandt, der ge­gen ihn ge­rich­te­te Ti­tel sei zu un­ge­nau, da mit "Spe­zia­list Han­dels­be­treu­ung" die ge­schul­de­te Beschäfti­gung nicht klar ge­nug be­schrie­ben wer­de. Außer­dem könne er den Ar­beit­neh­mer nicht beschäfti­gen, da der Ar­beits­platz endgültig weg­ge­fal­len sei.

Mit bei­den Einwänden hat­te er kei­nen Er­folg.

Zwar war der "nack­te" Ur­teils­aus­spruch ("Te­nor"), dem zu­fol­ge ei­ne Beschäfti­gung als „Spe­zia­list Han­dels­be­treu­ung“ ge­schul­det war, für sich al­lein noch nicht hin­rei­chend be­stimmt, so das LAG. In den Ur­teils­gründen wur­de aber aus­geführt, dass die Tätig­keit im "Res­sort Fi­nan­ci­al Mar­kets" an­ge­sie­delt ist, und es er­gab sich aus dem Ur­teil, dass die Po­si­ti­ons­be­zeich­nung „Spe­zia­list Han­dels­be­treu­ung“ mit der ar­beits­ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Tätig­keit iden­tisch ist. Da­mit, so das LAG, war hin­rei­chend deut­lich, in wel­chem Rah­men der Ar­beit­ge­ber Ar­beits­auf­ga­ben zu­wei­sen muss­te.

Auch mit dem zwei­ten Ein­wand (Weg­fall des Ar­beits­plat­zes bzw. Unmöglich­keit der Beschäfti­gung), wur­de der Ar­beit­ge­ber nicht gehört, denn die­sen Ein­wand hat­te er schon im Pro­zess um die Pflicht zur Beschäfti­gung vor­ge­bracht, und zwar oh­ne Er­folg. Dass der Ar­beits­platz erst da­nach, d.h. nach dem zweit­in­stanz­li­chen Ur­teil (03.07.2012), weg­ge­fal­len sein soll, hat­te er aber in dem Streit um das Zwangs­geld nicht vor­ge­tra­gen.

Fa­zit: Ar­beit­neh­mer soll­ten in ei­nem An­trag auf Wei­ter­beschäfti­gung das Be­rufs­bild un­ter Hin­weis auf den Ar­beits­ver­trag und den Ort der Tätig­keit nen­nen, dann hat auch die späte­re Zwangs­voll­stre­ckung Aus­sicht auf Er­folg.

Hier im Streit­fall hätte der An­ge­stell­te schon früher ei­nen Zwangs­geld­an­trag stel­len sol­len, denn so sind zwi­schen dem erst­in­stanz­li­chen Beschäfti­gungs­ur­teil En­de Ja­nu­ar 2012 und der "er­folg­rei­chen" Bestäti­gung der Zwangs­geld­fest­set­zung im Ju­ni 2013 durch das LAG fast ein­ein­halb Jah­re ver­gan­gen.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 26. Oktober 2016

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