Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Wett­be­werbs­ver­bot - An­rech­nung von Ar­beits­lo­sen­geld auf die Ka­ren­zent­schä­di­gung?

Al­len­falls das aus­ge­zahl­te ("Net­to-")Ar­beits­lo­sen­geld ist auf die Ka­ren­zent­schä­di­gung an­zu­rech­nen, nicht aber fik­ti­ve, vom Ar­beits­lo­sen­geld er­rech­ne­te Steu­ern und So­zi­al­an­ga­ben: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 14.09.2011, 10 AZR 198/10

14.03.2012. Mit ei­nem nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bot will der Ar­beit­ge­ber ver­hin­dern, dass sein ehe­ma­li­gen Ar­beit­neh­mer zum Kon­kur­ren­ten wird. Da­für muss er wäh­rend der Dau­er des Wett­be­werbs­ver­bots ei­ne Ka­ren­zent­schä­di­gung zah­len.

Aus Ar­beit­ge­ber­sicht kann das bei er­folg­rei­chen Mit­ar­bei­tern das klei­ne­re Übel sein. Au­ßer­dem kann an­der­wei­ti­ger Ver­dienst ab ei­ner be­stimm­ten Hö­he auf die Ka­ren­zent­schä­di­gung an­ge­rech­net wer­den. Ei­ne An­rech­nung von Ar­beits­lo­sen­geld ist aber im Re­gel­fall kaum mög­lich. Das ist die Kon­se­quenz ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (Ur­teil vom 14.09.2011, 10 AZR 198/10).

Kann Arbeitslosengeld auf eine Karenzentschädigung angerechnet werden?

Ist das Ar­beits­verhält­nis be­en­det, darf der Ex-Ar­beit­neh­mer sei­nem Ex-Ar­beit­ge­ber Kon­kur­renz ma­chen. Das ist nur dann un­zulässig, wenn die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ein nach­ver­trag­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot ver­ein­bart ha­ben. Ein sol­ches Ver­bot darf höchs­tens zwei Jah­re dau­ern. In die­ser Zeit muss der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer die Hälf­te sei­ner zu­letzt be­zo­ge­nen (Ge­samt)Vergütung als Ka­ren­zentschädi­gung zah­len, § 74 und § 74a Abs.1 Han­dels­ge­setz­buch (HGB).

Auf die Entschädi­gung ist ein während des Wett­be­werbs­ver­bots er­ziel­ter an­der­wei­ti­ger Ver­dienst an­zu­rech­nen (§ 74c Abs.1 HGB). Vor­aus­set­zung der An­rech­nung ist al­ler­dings, dass die neue Ein­nah­me­quel­le zu­sam­men mit der Ka­ren­zentschädi­gung mehr als 110 Pro­zent der beim Ex-Ar­beit­ge­ber zu­letzt be­zo­ge­nen Brut­to-(Ge­samt-)Vergütung aus­ma­chen. Der Ar­beit­neh­mer darf sich al­so während des Wett­be­werbs­ver­bots fi­nan­zi­ell ver­bes­sern, aber nicht um mehr als 10 Pro­zent.

Frag­lich ist, ob auch Ar­beits­lo­sen­geld I ein an­re­chen­ba­rer Ver­dienst ist - schließlich ist das Ar­beits­lo­sen­geld kein Ar­beits­lohn, d.h. nicht das Er­geb­nis der Ver­wer­tung der Ar­beits­kraft. Und falls das Ar­beits­lo­sen­geld im Prin­zip an­zu­rech­nen ist, fragt sich, ob es dann nur auf den an den Ar­beits­lo­sen ge­flos­se­nen Aus­zah­lungs­be­trag an­kommt oder ob auch Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben hin­zu­zu­rech­nen sind.

Sol­che Zah­lun­gen hat der Ar­beits­lo­se von der Ar­beits­agen­tur zwar nicht er­hal­ten, aber wenn man das ge­zahl­te ("Net­to-")Ar­beit­lo­sen­geld mit ei­nem Net­to­ar­beits­lohn gleich­setzt, könn­te man Steu­ern und den Ar­beit­neh­mer­an­teil am So­zi­al­bei­trag aus dem ge­zahl­ten Ar­beits­lo­sen­geld er­rech­nen. Das könn­te man mit dem Ziel recht­fer­ti­gen, den Ar­beits­lo­sen nicht bes­ser­zu­stel­len als ei­nen Er­werbstäti­gen, und außer­dem da­mit, dass der Ar­beits­lo­se ja über die Ar­beits­agen­tur so­zi­al­ver­si­chert ist.

BAG: Wenn das Arbeitslosengeld überhaupt auf die Karenzentschädigung anzurechnen ist, dann nur das effektiv ausgezahlte Arbeitslosengeld

Ge­klagt hat­te ein Ex-Außen­dienst­mit­ar­bei­ter, der auf­grund ei­nes nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bo­tes die Hälf­te sei­ner letz­ten Brut­to­vergütung als Ka­ren­zentschädi­gung ver­lan­gen konn­te. Da er ar­beits­los war, be­stand kein Zwei­fel dar­an, dass er kei­ne ver­bo­te­ne Kon­kur­renz ausübte. Al­ler­dings woll­te ihm sein Ex-Ar­beit­ge­ber nicht die vol­le Ka­ren­zentschädi­gung zah­len, son­dern er er­rech­ne­te aus dem ge­zahl­ten Ar­beits­lo­sen­geld ei­ne fik­ti­ve Lohn­steu­er (nebst So­li) und ei­nen fik­ti­ven Ar­beit­neh­mer­an­teil am So­zi­al­bei­trag, so dass das in die­ser Wei­se künst­lich hoch­ge­rech­ne­te Ar­beits­lo­sen­geld zu­sam­men mit der an sich zu zah­len­den Ka­ren­zentschädi­gung die Gren­ze von 110 Pro­zent zu­letzt be­zo­ge­nen (Ge­samt)Vergütung über­stieg.

Den ein­be­hal­te­nen Dif­fe­renz­be­trag klag­te der Außen­dienst­mit­ar­bei­ter ein und hat­te da­mit in al­len In­stan­zen Er­folg, d.h. vor dem Ar­beits­ge­richt Han­no­ver, vor dem Lan­des­ar­beits­dem Nie­der­sach­sen (Ur­teil vom 18.11.2009, 2 Sa 449/09) und beim BAG.

Das BAG ließ in sei­ner Be­gründung die Streit­fra­ge of­fen, ob das Ar­beits­lo­sen­geld über­haupt ein "Ver­dienst" ist, der auf die Ka­ren­zentschädi­gung an­re­chen­bar ist. Denn selbst wenn das Ar­beits­lo­sen­geld an­zu­rech­nen sein soll­te, dann nur der ef­fek­tiv an den Ar­beit­neh­mer aus­ge­zahl­te Be­trag, aber kei­ne rein theo­re­ti­schen bzw. fik­tiv er­rech­ne­ten Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben. Im Streit­fall hat­te das die Kon­se­quenz, dass der Ar­beit­neh­mer mit dem Ar­beits­lo­sen­geld plus der vol­len Ka­ren­zentschädi­gung un­ter­halb der 110-Pro­zent-Gren­ze blieb, d.h. nicht mehr er­hielt als 110 Pro­zent sei­nes al­ten Brut­to-Ge­samt­ge­hal­tes. 

Fa­zit: Da das Ar­beits­lo­sen­geld nicht mehr als gut die Hälf­te des letz­ten Net­to­ge­halts beträgt, sind kaum Fälle denk­bar, in de­nen der Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld zur Kürzung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung führen kann. Trotz­dem kann ein Ar­beit­lo­ser in­fol­ge des Zu­sam­men­tref­fens von Ka­ren­zentschädi­gung und Ar­beits­lo­sen­geld mehr „auf der Hand“ ha­ben als zu­letzt beim Ex-Ar­beit­ge­ber, denn die Ka­ren­zentschädi­gung ist so­zi­al­ver­si­che­rungs­frei. Und er kann sich auch net­to bes­ser ste­hen als er stünde, wenn er ar­bei­ten gin­ge an­statt Ar­beits­lo­sen­geld zu be­zie­hen. Wer in­fol­ge ei­nes Wett­be­werbs­ver­bots An­spruch auf ei­ne Ka­ren­zentschädi­gung hat, soll­te da­her ge­nau nach­rech­nen, be­vor er ei­ne neue Stel­le an­tritt.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 1. Dezember 2015

Bewertung: Wett­be­werbs­ver­bot - An­rech­nung von Ar­beits­lo­sen­geld auf die Ka­ren­zent­schä­di­gung? 5.0 von 5 Sternen (2 Bewertungen)

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880