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Wi­der­rufs­vor­be­halt in Ar­beits­ver­trag, der vor 2002 ver­ein­bart wur­de

Nach neu­em AGB-Recht un­wirk­sa­me Wi­der­rufs­klau­seln in Alt­ver­trä­gen sol­len im We­ge der er­gän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung „ge­ret­tet“ wer­den: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 20.04.2011, 5 AZR 191/10

30.06.2011. Ar­beits­ver­trä­ge wer­den meist vom Ar­beit­ge­ber vor­for­mu­liert. Dann sind ih­re Ne­ben­be­stim­mun­gen ("das Klein­ge­druck­te") All­ge­mei­ne Ge­schäfts­be­din­gun­gen (AGB).

Ar­beits­ver­trag­li­che AGB wer­den seit 2002 stren­ger als zu­vor ge­richt­lich über­prüft, da seit­dem die ge­setz­li­chen Kon­troll­vor­schrif­ten der §§ 305 ff. Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) auch auf Ar­beits­ver­trä­ge an­wend­bar sind. Da­bei hat­ten Ar­beit­ge­ber vom 01.01. bis zum 31.12.2002 Zeit, ih­re be­ste­hen­den Ar­beits­ver­trä­ge an das neue Recht an­zu­pas­sen. Da­nach gilt das neue Recht auch für Alt­ver­trä­ge.

Ob ein voll­stän­di­ger Weg­fall von Klau­seln, die mit dem neu­en Recht un­ver­ein­bar sind, Ar­beit­ge­bern zu­zu­mu­ten ist, ist um­strit­ten. Im­mer­hin ist ei­ne Ver­trags­aus­bes­se­rung nur mit Zu­stim­mung des Ar­beit­neh­mers mög­lich. Der fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) meint, Alt­ver­trags­klau­seln durch ei­ne "er­gän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung" ret­ten zu müs­sen. Die­se An­sicht hat der Se­nat vor kur­zem be­stä­tigt (Ur­teil vom 20.04.2011, 5 AZR 191/10).

Ein Tier­arzt klag­te auf ei­ne Zu­la­ge, die in sei­nem Alt-Ar­beits­ver­trag als frei wi­der­ruf­lich be­zeich­net wor­den war. Nach neu­em AGB-Recht muss ein Wi­der­rufs­vor­be­halt aber die Grün­de für ei­nen mög­li­chen spä­te­ren Wi­der­ruf be­nen­nen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Mün­chen wand­te das neue Recht wie der neun­te BAG-Se­nat (Ur­teil vom 19.12.2006, 9 AZR 294/06) oh­ne Wenn und Aber an und gab der Kla­ge statt (Ur­teil vom 08.12.2009, 7 Sa 584/09). Der fünf­te BAG -Se­nat ur­teil­te da­ge­gen pro Ar­beit­ge­ber.

Fa­zit: Mit sei­nem Ur­teil bleibt der fünf­te BAG-Se­nat bei sei­ner schon frü­her ver­tre­te­nen (Ur­teil vom 12.01.2005, 5 AZR 364/04) ar­beit­ge­ber­freund­li­chen Recht­spre­chung, der aber an­de­re Se­na­te des BAG und vie­le LAGs nicht zu­stim­men. Ar­beit­neh­mern mit Alt­ver­trä­gen ist an­ge­sichts die­ser un­kla­ren Rechts­la­ge zu ra­ten, wi­der­ru­fe­ne Lohn­be­stand­tei­le not­falls ein­zu­kla­gen. Denn vie­le Ge­rich­te mei­nen, dass sich der Ar­beit­ge­ber auf ei­ne nach neu­em Recht un­wirk­sa­me Wi­der­rufs­klau­sel nicht mehr be­ru­fen kann.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 15. Februar 2014

Bewertung: Wi­der­rufs­vor­be­halt in Ar­beits­ver­trag, der vor 2002 ver­ein­bart wur­de 2.0 von 5 Sternen (1 Bewertung)

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