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Wis­sen­schafts­rat: Stu­di­um und Leh­re nicht ge­gen­ein­an­der aus­spie­len

2013 gab es erst­mals mehr Stu­di­en­an­fän­ger als neue Lehr­lin­ge: Wirt­schaft und kon­ser­va­ti­ve Po­li­ti­ker fürch­ten bei wei­ter zu­neh­men­der Aka­de­mi­sie­rung ei­ne Aus­höh­lung der be­trieb­li­chen Aus­bil­dung. Der Wis­sen­schafts­rat for­dert Re­for­men - in bei­den Bil­dungs­be­rei­chen

15.04.2014. (dpa) - Der Wis­sen­schafts­rat warnt da­vor, Hoch­schul­stu­di­um und be­trieb­li­che Leh­re ge­gen­ein­an­der aus­zu­spie­len.

Bei­de Bil­dungs­be­rei­che müss­ten sich wei­ter­ent­wi­ckeln.

"Das Aus­bil­dungs­pro­fil al­ler Be­ru­fe muss ins­ge­samt ver­scho­ben wer­den hin zu mehr wis­sens­ba­sier­ter Qua­li­fi­ka­ti­on", sag­te der Vor­sit­zen­der des Ex­per­ten­gre­mi­ums, Wolf­gang Mar­quardt, am Mon­tag bei der Vor­stel­lung von Emp­feh­lun­gen zur "Ba­lan­ce" von Stu­di­um und be­trieb­li­cher Aus­bil­dung in Ber­lin.

Ge­for­dert wird dar­in mehr Be­rufs­ori­en­tie­rung schon in der Ober­stu­fe der Gym­na­si­en, mehr Durch­läs­sig­keit zwi­schen den Bil­dungs­be­rei­chen, die ge­gen­sei­ti­ge An­er­ken­nung er­brach­ter Leis­tun­gen, mehr kom­bi­nier­te Aus­bil­dun­gen in Be­trieb und Stu­di­um so­wie Hil­fen für Stu­di­en­ab­bre­cher beim Wech­sel in ei­ne Leh­re.

Aus­lö­ser der De­bat­te sind jüngs­te War­nun­gen aus der Wirt­schaft und von kon­ser­va­ti­ven Po­li­ti­kern, wei­ter stei­gen­de Stu­di­en­an­fän­ger­zah­len und ei­ne zu­neh­men­de Aka­de­mi­sie­rung der Ge­sell­schaft ge­fähr­de­ten das deut­sche Sys­tem der be­trieb­li­chen Be­rufs­aus­bil­dung. Mit über 500 000 Erst­se­mes­tern hat­ten im ver­gan­ge­nem Jahr erst­mals mehr jun­ge Men­schen ein Stu­di­um auf­ge­nom­men als ei­ne Leh­re neu be­gan­nen (482 000). Da­zu hat­ten al­ler­dings auch die dop­pel­ten Ab­itu­ri­en­ten­jahr­gän­ge in Fol­ge der Schul­zeit­ver­kür­zung bei­ge­tra­gen.

Mar­quardt sag­te, nie­mand kön­ne heu­te ei­ne Quo­te nen­nen, wie vie­le be­trieb­lich Aus­ge­bil­de­te und wie vie­le Aka­de­mi­ker der Ar­beits­markt in Zu­kunft be­nö­ti­ge. "Bei­de Bei­ne müs­sen kräf­tig sein und bei­de Bei­ne gut ko­or­di­niert vor­an­schrei­ten, um die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung auch in Zu­kunft tra­gen zu kön­nen." Es ge­he dar­um, für die Ge­win­nung von Fach­kräf­ten "al­le ge­sell­schaft­li­chen Ta­lent­po­ten­zia­le zu er­schlie­ßen".

Der Wis­sen­schafts­rat, der die Re­gie­run­gen von Bund und Län­dern be­rät, plä­diert für mehr Durch­läs­sig­keit zwi­schen Be­rufs- und Hoch­schul­bil­dung - in bei­de Rich­tun­gen. Un­ter an­de­rem schlägt das Gre­mi­um vor, bei der Stu­di­en­zu­las­sung von Nicht-Ab­itu­ri­en­ten auf die heu­te in der Re­gel noch üb­li­che Fach­bin­dung der bis­he­ri­gen Aus­bil­dung zu ver­zich­ten. Prak­tisch heißt das, dass ein Me­cha­tro­ni­ker auch Ger­ma­nis­tik stu­die­ren kann. Es han­de­le sich hier­bei meist um be­son­ders hoch­mo­ti­vier­te Stu­di­en­in­ter­es­sen­ten, sag­te Mar­quardt.

Der Wis­sen­schafts­rat geht al­ler­dings da­von aus, dass der Stu­den­ten­an­teil be­ruf­lich Qua­li­fi­zier­ter oh­ne Ab­itur in Deutsch­land wei­ter eher ge­ring blei­ben wird. Für be­deut­sa­mer hält er da­ge­gen die Ent­wick­lung "hy­bri­der Aus­bil­dungs­for­ma­te", et­wa dua­le Stu­di­en­gän­ge von Hoch­schu­le und Be­trieb oder be­ruf­li­che Bil­dungs­gän­ge, die mit wis­sen­schaft­li­chen Mo­du­len an­ge­rei­chert wer­den.

Zu­gleich regt er re­gio­na­le Ko­ope­ra­ti­ons­platt­for­men an, wo Schu­len, Hoch­schu­len, Kam­mern, Be­trie­be und Ar­beits­agen­tu­ren zu­sam­men­ar­bei­ten und ört­lich ab­ge­stimm­te Bil­dungs- wie Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­te ent­wi­ckeln sol­len. Die am Mon­tag vor­ge­leg­ten Emp­feh­lun­gen sind der ers­te Teil ei­ner ins­ge­samt vier­tei­li­gen Se­rie des Wis­sen­schafts­ra­tes, die sich mit dem The­ma be­ruf­li­che und aka­de­mi­sche Bil­dung be­fasst.

Die IG Me­tall nann­te die vom Wis­sen­schafts­rat ge­for­der­te Auf­wer­tung der dua­len Aus­bil­dung als "bit­ter not­wen­dig". IG-Me­tall-Chef Det­lef Wet­zel sag­te dem "Han­dels­blatt" (Diens­tag): "Be­ruf­li­che Qua­li­fi­ka­tio­nen müs­sen auch in Zu­kunft das Rück­grat der deut­schen Wirt­schaft bil­den. Die Ar­beit­ge­ber ha­ben es selbst in der Hand, ei­ne schlei­chen­de Ero­si­on des Be­rufs­bil­dungs­sys­tems durch ei­ne ein­sei­ti­ge Aka­de­mi­sie­rung zu ver­mei­den." Die Be­trie­be müss­ten wie­der mehr aus­bil­den und stär­ker um Nach­wuchs wer­ben.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 14. Juni 2016

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