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Schlech­te Ar­beits­be­din­gun­gen bei Za­lan­do

Schrei vor Schreck! Za­lan­do schockt mit men­schen­un­wür­di­gen Ar­beits­be­din­gun­gen
05.09.2012. Min­dest­löh­ne, Sitz­ver­bo­te, ei­ne ein­zi­ge Con­tai­ner­toi­let­te für die ge­sam­te Werks­hal­le: Der On­line-Ver­sandrie­se Za­lan­do pro­du­ziert nicht nur sat­te Um­sät­ze, son­dern auch schlech­te Schlag­zei­len. Denn durch ei­ne in­ves­ti­ga­ti­ve ZDF-Re­por­ta­ge wur­den die un­zu­rei­chen­den Ar­beits­be­din­gun­gen am Stand­ort Groß­bee­ren, na­he Ber­lin, nun öf­fent­lich be­kannt.

Za­lan­do gibt es erst seit dem Jah­re 2008. Größ­ter An­teils­eig­ner sind die 3 Sam­wer-Brü­der, die sich vor­her be­reits mit Pro­jek­ten wie „Jam­ba“, „Stu­di­VZ“ oder auch „Alan­do“ ei­nen Na­men ge­macht ha­ben. Das Un­ter­neh­men ist in den letz­ten Jah­ren stark ge­wach­sen. Im Jahr 2011 wur­de nach Fir­men­an­ga­ben ein Um­satz von 510 Mil­lio­nen EUR er­reicht. Wie hoch der Ge­schäfts­er­folg nach all­dem aus­fällt, ist bis­lang ein gut ge­hü­te­tes Fir­men­ge­heim­nis. Ein rie­si­ges Loch dürf­te al­ler­dings re­gel­mä­ßig der Wer­be­etat rei­ßen, denn be­kannt wur­de „Za­lan­do“ ins­be­son­de­re durch sei­ne schril­len und ag­gres­si­ven Wer­be­spots und dem ein­deu­ti­gen Ver­spre­chen: „Schrei vor Glück, oder schick´s zu­rück“.

Von die­ser Mög­lich­keit ma­chen vie­le Kun­den gern Ge­brauch. So wer­den in der Groß­bee­re­ner Werks­hal­le aus­schließ­lich Re­tou­ren aus­ge­packt, ge­rei­nigt und wie­der neu ver­packt. Be­schäf­tigt sind hier meist Leih­ar­bei­ter, die für den in Ost-deutsch­land gel­ten­den Min­dest­lohn von 7,01 EUR pro St­un­de in drei Schich­ten rund um die Uhr ar­bei­ten. Mit ei­nem Ein­kom­men von rund 1.100,00 EUR brut­to mo­nat­lich dürf­ten vie­le der deut­schen Ar­beit­neh­mer auf staat­li­che Trans­fer­leis­tun­gen an­ge­wie­sen sein. Al­ler­dings wer­den in Groß­bee­ren zu ei­nem gro­ßen Teil pol­ni­sche Bür­ge­rin­nen und Bür­ger be­schäf­tigt, die in Fahr­ge­mein­schaf­ten je­den Tag pen­deln.

Ne­ben den Löh­nen sind al­ler­dings auch die Ar­beits­be­din­gun­gen auf Mi­ni­mum ge­trimmt. Am Stand­ort Groß­bee­ren ar­bei­tet Za­lan­do mit dem Lo­gis­tik­un­ter­neh­men DocDa­ta zu­sam­men. Die­ser stellt die Werks­hal­le und die In­fra­struk­tur. Nach jah­re­lan­ger Zu­sam­men­ar­beit muss­te Za­lan­do nun aber ein­räu­men, dass sich sein Part­ner­un­ter­neh­men in der Ver­gan­gen­heit nicht be­son­ders in­ten­siv um die Ge­währ­leis­tung men­sch­li­cher Ar­beits­be­din­gun­gen ge­küm­mert hat und ver­sprach reu­mü­tig, de­ren Ein­hal­tung künf­tig bes­ser zu ver­fol­gen.

So hat­ten die Mit­ar­bei­ter in der Ver­gan­gen­heit of­fen­bar kei­ne Mög­lich­keit, per­sön­li­che Sa­chen weg­zu­schlie­ßen, ob­wohl es ih­nen un­ter­sagt war, Ta­schen oder Ruck­sä­cke mit in die Werks­hal­le zu neh­men. Es war ih­nen auch nicht ges-tat­tet, sich zu set­zen. Und sie wa­ren an­ge­hal­ten, et­wa 45 Re­tou­ren pro St­un­de zu er­le­di­gen. Die Ein­hal­tung die­ser Vor­ga­ben wur­de stän­dig per Mo­ni­tor und mit­hil­fe von Vor­ar­bei­tern, die an den Fließ­bän­dern auf- und ab­ge­hen, über­wacht. Bei Nicht­be­wäl­ti­gung des Ar­beits­pen­sums droh­te Zwangs­ver­set­zung.

Aben­teu­er­lich wa­ren (oder sind?) of­fen­bar auch die sa­ni­tä­ren An­la­gen für die Mit­ar­bei­ter. Der ZDF-Be­richt zeigt, dass es sich hier um ei­nen Con­tai­ner han­delt, der di­rekt in der Werks­hal­le steht. Meh­re­re hun­dert An­ge­stell­te nut­zen die­sen rund um die Uhr. Auf ei­nem Schild wer­den die Toi­let­ten­gän­ger in deut­scher und pol­ni­scher Spra­che da­zu auf­ge­for­dert, die Toi­let­ten­spü­lung doch bit­te früh­zei­tig zu be­tä­ti­gen. Ob die­se Maß­nah­me die Ge­räusch- oder eher die Ge­ruchs­be­las­tung in der Werks­hal­le ein­däm­men soll, bleibt frag­lich. Tat­sa­che ist, dass die Toi­let­te auf­grund der Viel­zahl an Mit­ar­bei­tern stark fre­quen­tiert wird und dem­ent­spre­chend ver­schmutzt ist.

Alar­miert durch die ZDF-Re­por­ta­ge ha­ben Mit­ar­bei­ter des Lan­des­am­tes für Ar­beits­schutz den Be­trieb dar­auf­hin be­sucht. Sie konn­ten die Miss­stän­de of­fen­bar be­stä­ti­gen. Denn wie die Nach­rich­ten­agen­tur dpa be­rich­tet, kün­dig­te der Bran­den­bur­ger Ar­beits­mi­nis­ter Gün­ter Baas­ke (SPD) nun in der Fra­ge­stun­de des Pots­da­mer Land­tags an, dass auf dem Ge­län­de zu­nächst wei­te­re pro­vi­so­ri­sche Toi­let­ten mit Be­lüf­tung auf­ge­stellt wer­den. Au­ßer­dem sei­en ge­lenk­scho­nen­de Bo­den­mat­ten in den Hal­len aus­ge­legt wor­den. Auch wei­te­re ab­schließ­ba­re Fä­cher für per­sön­li­che Din­ge der Mit­ar­bei­ter so­wie ei­ne bes­se­re Be­leuch­tung sei­en mit der Ge­schäfts­füh­rung ver­ein­bart und zum Teil schon rea­li­siert wor­den.

Fa­zit: Der On­line-Ver­sand­han­del boomt und schafft Jobs. Die Mit­ar­bei­ter pro­fi­tie­ren von die­sem Ge­schäfts­mo­dell je­doch nicht wirk­lich: Schlech­te Be­zah­lung und mi­se­ra­ble Ar­beits­be­din­gun­gen sind an der Ta­ges­ord­nung. Der Staat muss al­so nach­schie­ßen, denn ein Groß­teil der Be­leg­schaft ist ne­ben dem Ar­beits­ent­gelt auf ei­nen Aus­gleich durch das Job­cen­ter an­ge­wie­sen, um zu­min­dest die Grund­si­che­rung zu ge­währ­leis­ten. Da­mit sind die Mes­sen je­doch noch lan­ge nicht ge­sun­gen, denn in ei­ni­gen Jah­ren kommt die nächs­te Rech­nung, näm­lich dann, wenn die Ar­beit­neh­mer in Ren­te ge­hen. Hier wird der Staat ein wei­te­res Mal in die Ta­sche grei­fen müs­sen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 30. September 2016

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