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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Zeugnis: Dankesformel
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Düsseldorf
Akten­zeichen: 12 Sa 974/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 03.11.2010
   
Leit­sätze:

1. Im Rah­men des § 109 Ge­wO sind wech­sel­sei­tig klei­ne­re, ephe­me­re Un­voll­kom­men­hei­ten hin­zu­neh­men (Fortführung der Be­zirks­recht­spre­chung seit ArbG Düssel­dorf NZA 1985, 812 0 = NJW 1986, 1281). Dem­ent­spre­chend hat der Ar­beit­ge­ber, dem ge­setz­lich die wohl­wol­len­de Be­trach­tung des Ge­samt­bil­des an­ge­son­nen wird, das Ar­beits­verhält­nis bzw. das Ar­beits­zeug­nis nach gu­ter Leis­tung und Führung mit dem Dank an den Ar­beit­neh­mer für die ge­leis­te­te Ar­beit und gu­ten Wünschen für den wei­te­ren Be­rufs­weg aus­klin­gen zu las­sen.

2. Es bleibt un­ent­schie­den, ob es der ef­fi­zi­en­ten Ausübung des Rechts auf El­tern­zeit (Art 33 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on) ent­ge­gen­steht, wenn der Ar­beit­ge­ber das Zeug­nis oh­ne höfli­che Schluss­for­mel mit dem Satz ab­sch­ließt, dass die Ar­beit­neh­me­rin "nach ih­rer dreijähri­gen El­tern­zeit im bei­der­sei­ti­gen Ein­ver­neh­men aus dem Un­ter­neh­men aus­schei­de".

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 08.06.2010, 7 Ca 1575/10
   

12 Sa 974/10

7 Ca 1575/10
Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf  

Verkündet

am 03. No­vem­ber 2010

Es­ser Re­gie­rungs­beschäftig­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT DÜSSEL­DORF

IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

der Frau E. X., I. str. 86, C.,

- Kläge­rin und Be­ru­fungskläge­rin -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte C., L. u.a.,
B. Str. 2 - 4, C.,

g e g e n

die H. Kanz­lei Con­sul­ting GmbH, ver­tre­ten durch die Geschäftsführe­rin L. I., I.-I.-Str. 28, F.,

- Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte Q. u.a.,
L. str. 34, E.,

hat die 12. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 03.11.2010
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Plüm als Vor­sit­zen­den so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Les­ke und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Horst­mann

für R e c h t er­kannt:

Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 08.06.2010 teil­wei­se ab­geändert und die Be­klag­te ver­ur­teilt, das Schluss­zeug­nis der Kläge­rin vom 31.05.2009 da­hin­ge­hend zu ändern, dass im letz­ten Satz fol­gen­de For­mu­lie­rung an­gefügt wird:

„Wir dan­ken Frau X. für ih­re ge­leis­te­te Ar­beit und wünschen ihr auf ih­rem wei­te­ren Be­rufs­weg al­les Gu­te und wei­ter­hin viel Er­folg.“

 

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Die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens wer­den ge­gen­ein­an­der auf­ge­ho­ben.
Die Kos­ten ers­ter In­stanz tra­gen die Kläge­rin zu 4/5 und die Be­klag­te zu 1/5.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

T A T B E S T A N D :

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob die Be­klag­te in das Ar­beits­zeug­nis der Kläge­rin als Schluss­satz ei­ne Dan­kes- und Wunsch­for­mel auf­zu­neh­men hat.

Die Kläge­rin war seit dem 01.03.2003 bei der Be­klag­ten, die als Sys­tem­part­ner der DA­TEV Steu­er­be­ra­ter und de­ren Man­dan­ten be­treut, als Team­spre­che­rin beschäftigt.

Un­ter dem 19.07.2006 er­teil­te die Be­klag­te der Kläge­rin anläss­lich der In­an­spruch­nah­me von El­tern­zeit wunsch­gemäß ein Zwi­schen­zeug­nis.

Im Jah­re 2009 kam es zwi­schen den Par­tei­en zu ei­nem Rechts­streit (ArbG Düssel­dorf 11 Ca 4116/09) über die Wei­ter­beschäfti­gung der Kläge­rin in der Funk­ti­on der „Mit­ar­bei­te­rin des Ser­vice Cen­ters“ und ei­ner am 30.03.2009 aus­ge­spro­che­nen Ände­rungskündi­gung. Zur so­zia­len Recht­fer­ti­gung der Kündi­gung be­rief sich die Be­klag­te dar­auf, dass während der El­tern­zeit der Kläge­rin die Po­si­ti­on der Team­spre­che­rin be­trieb­lich in Weg­fall ge­bracht wor­den sei. Die Kläge­rin, die das Ände­rungs­an­ge­bot ab­ge­lehnt hat­te, und die Be­klag­te verständig­ten sich in ei­nem am 19.07.2009 ge­schlos­se­nen Pro­zess­ver­gleich dar­auf, dass das zwi­schen ih­nen be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis auf­grund ar­beit­ge­ber­sei­ti­ger frist­gemäßer be­triebs­be­ding­ter Kündi­gung vom 30.03.2009 mit Ab­lauf des 31.05.2009 sein En­de ge­fun­den ha­be. Wei­ter­hin ver­pflich­tet die Be­klag­te sich in dem Ver­gleich, „der Kläge­rin ein wohl­wol­len­des und qua­li­fi­zier­tes

 

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End­zeug­nis auf der Ba­sis des be­reits er­teil­ten Zwi­schen­zeug­nis­ses vom 19.07.2006“ zu er­tei­len.

Das dar­auf­hin un­ter dem 31.05.2009 aus­ge­stell­te End­zeug­nis ist – ab­ge­se­hen von der Schluss­for­mu­lie­rung – vom Wort­laut her iden­tisch mit dem Zwi­schen­zeug­nis. Nach der Dar­stel­lung des Auf­ga­ben­be­reichs wer­den Leis­tung und Führung wie folgt be­schrie­ben:

„Frau X. er­le­dig­te al­le ihr über­tra­ge­nen Auf­ga­ben völlig selbständig zu un­se­rer volls­ten Zu­frie­den­heit. Sie en­ga­gier­te sich sehr für ih­re Auf­ga­ben und wies ein ho­hes Maß an Ein­satz­be­reit­schaft bei gu­ter Ar­beits­qua­lität auf.

Auf­grund ih­rer ak­ti­ven und ko­ope­ra­ti­ven Mit­ar­beit wur­de Frau X. von Vor­ge­setz­ten und Kol­le­gen glei­cher­maßen geschätzt und an­er­kannt. Her­vor­zu­he­ben ist ihr freund­li­cher und an­ge­neh­mer Um­gang mit den Kun­den, der ihr für die Ak­qui­se neu­er Pro­jek­te und für die Fes­ti­gung lang­fris­ti­ger Kun­den­be­zie­hun­gen sehr zum Vor­teil ge­reich­te.“

Während das Zwi­schen­zeug­nis mit dem Satz en­det, dass „das Zwi­schen­zeug­nis auf Wunsch von Frau W. auf­grund ih­rer mehrjähri­gen El­tern­zeit aus­ge­stellt“ wer­de, ist in dem End­zeug­nis for­mu­liert: „Nach ih­rer dreijähri­gen El­tern­zeit schei­det Frau W. aus un­se­rem Un­ter­neh­men im bei­der­sei­ti­gen Ein­ver­neh­men aus.“

Mit der im März 2010 vor dem Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf er­ho­be­nen Kla­ge hat die Kläge­rin ei­ne umfäng­li­che Ände­rung des Zeug­nis­ses und u.a. die Auf­nah­me ei­ner Dan­kes- und Wunsch­for­mel als Schluss­satz be­gehrt.

Das Ar­beits­ge­richt hat durch Ur­teil vom 08.06.2010 die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­ten und be­gründe­ten Be­ru­fung greift die Kläge­rin mit dem zu­letzt ge­stell­ten An­trag das Ur­teil, auf das hier­mit zur nähe­ren Dar­stel­lung des Sach- und Streit­stan­des ver­wie­sen wird, in­so­weit an, als sie die Dan­kes- und Wunsch­for­mel in das Zeug­nis auf­ge­nom­men wis­sen möch­te.

 

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Die Kläge­rin be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 08.06.2010 teil­wei­se ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, das Schluss­zeug­nis der Kläge­rin vom 31.05.2009 da­hin­ge­hend zu ändern, dass im letz­ten Satz fol­gen­de For­mu­lie­rung an­gefügt wird:

„Wir dan­ken Frau X. für ih­re ge­leis­te­te Ar­beit und wünschen ihr auf ih­rem wei­te­ren Be­rufs­we­ge al­les Gu­te und wei­ter­hin viel Er­folg.“

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

We­gen der Ein­zel­hei­ten des Par­tei­vor­brin­gens wird auf den In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze mit den hier­zu über­reich­ten An­la­gen Be­zug ge­nom­men.

E N T S C H E I D U N G S G R Ü N D E :

I. Die Be­ru­fung ist an sich statt­haft, § 64 Abs. 1 ArbGG, nach dem Wert
des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des zulässig, § 64 Abs. 2 lit. b ArbGG, so­wie in ge­setz­li­cher Form und Frist ein­ge­legt und be­gründet wor­den, §§ 519, 520 ZPO, 66 Abs. 1 Satz 1 ArbGG.
Der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des über­steigt € 600,00.

1. Bei dem Zeug­nis­rechts­streit han­delt es sich um ei­ne vermögens­recht­li­che Strei­tig­keit (BAG 13.02.1984 – 7 AZB 22/83 – Ju­ris Rn. 5). Gemäß § 64 Abs. 2 lit. b ArbGG ArbGG fin­det ge­gen ein erst­in­stanz­li­ches Ur­teil die Be­ru­fung statt, wenn der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des € 600,00 über-

 

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steigt. Die Be­rech­nung des Be­schwer­de­wer­tes er­folgt nach § 3 ZPO. Maßgeb­lich sind die in der Be­ru­fungs­in­stanz ge­stell­ten Anträge (BAG 04.06.2008 – 3 AZB 37/08 – NJW 2009, 172 = Ju­ris Rn. 11, vgl. GK-ArbGG/Vos­sen, § 64 Rn. 44). Die Kläge­rin hat sich nach teil­wei­ser An­fech­tung des klag­ab­wei­sen­den Ur­teils zu­letzt auf das Ver­lan­gen nach Auf­nah­me ei­ner ab­sch­ließen­den Dan­kes- und Wunsch­for­mel in das Zeug­nis be­schränkt.

2. Als Wert ei­ner Kla­ge auf Er­tei­lung ei­nes qua­li­fi­zier­ten Zeug­nis­ses hat sich das Mo­nats­ein­kom­men ein­gebürgert (BAG 20.02.2001 – 9 AZR 44/00 – BA­GE 97, 57, zu A II = Ju­ris Rn. 12, LAG Schles­wig-Hol­stein 19.03.2009 – 1 Ta 203/08 – JurBüro 2010, 306 = Ju­ris Rn. 15, LAG Köln 28.04.1999 – 13 Sa 96/99 – MDR 1999, 1336 = Ju­ris Rn. 4, GK-ArbGG/Schleu­se­ner, § 12 Rn. 338 f.). Des­halb muss sich am Mo­nats­ge­halt auch der Wert der Kla­ge auf Be­rich­ti¬gung des Zeug­nis­ses ori­en­tie­ren.

a) Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (20.02.2001 – 9 AZR 44/00 – BA­GE 97, 57-63 = Ju­ris Rn. 12) kommt es für die Be­wer­tung des Zeug­nis­be­rich­ti­gungs­an­spruchs mit ei­nem Mo­nats­ver­dienst nicht auf den Um­fang der vom Ar­beit­neh­mer ver­lang­ten Ände­run­gen an. Das Ge­setz ken­ne kei­nen Zeug­nis-Be­rich­ti­gungs­an­spruch, so dass der Ar­beit­neh­mer mit dem Ver­lan­gen nach ei­nem an­ders ge­fass­ten Zeug­nis in Wahr­heit ei­nen Erfüllungs­an­spruch auf Er­tei­lung ei­nes rich­ti­gen Zeug­nis­ses gel­tend ma­che.

Da­nach wäre die Be­ru­fung nach dem Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des, den das Ar­beits­ge­richt mit ei­nem Mo­nats­ge­halt (€ 3.059,00) an­ge­nom­men hat, gemäß § 64 Abs. 2 lit. b ArbGG statt­haft.

b) Die Statt­haf­tig­keit der vor­lie­gen­den Be­ru­fung steht auch dann nicht in Fra­ge, wenn man der Ab­schlags­theo­rie folgt. Da­nach ist bei ei­nem Streit nur über ein­zel­ne Ände­rungs­punk­te von dem re­gelmäßig an­zu­neh­men­den Mo­nats­ver­dienst ein Ab­schlag zu ma­chen (z.B. LAG Köln 29.12.2000 – 8 Ta 299/00 – NZA-RR 2001, 324 = Ju­ris Rn. 19, ErfK/Koch, 11. Aufl., § 12 ArbGG Rn. 21; vgl. BAG 13.02.1984 – 7 AZB 22/83 – Ju­ris Rn. 8) und auch sonst nach dem

 

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wirt­schaft­li­chen In­ter­es­se an der Ti­tu­lie­rung des Zeug­nis­an­spruchs zu dif­fe­ren­zie­ren (LAG Düssel­dorf 28.03.2006 – 6 Ta 137/06 – Ju­ris Rn. 2 ff., vgl. Säch­si­sches LAG 07.07.2009 – 4 Ta 59/09 [2] – Ju­ris Rn. 13 ff.).

Die Kam­mer folgt die­ser Sicht­wei­se.

Für die Wert­be­mes­sung in der Rechts­mit­tel­in­stanz ist das In­ter­es­se des je­wei­li­gen Rechts­mitt­elführers maßge­bend. Legt, wie hier, die Kläge­rin nach Ab­wei­sung ih­rer Kla­ge in der Vor­in­stanz Be­ru­fung ein, dann be­stimmt sich der Wert des Zeug­nis­be­rich­ti­gungs­an­spruchs nach dem wirt­schaft­li­chen In­ter­es­se, das sie an der Aus­stel­lung ei­nes geänder­ten Zeug­nis­ses hat. Der Kläge­rin geht es um Erhöhung der Be­wer­bungs­chan­cen durch ein „bes­se­res“ Zeug­nis. Die­se Wert­erhöhung hat das Ge­richt gemäß § 3 ZPO nach frei­em Er­mes­sen zu schätzen. An­zu­mer­ken ist, dass auch aus Sicht der Ar­beit­ge­bers der „Re­gel­wert“ von ei­nem Mo­nats­ver­dienst nicht er­reicht ist, wenn es nur um die Schluss­flos­kel geht und den Auf­wand an Zeit und Kos­ten für die Er­stel­lung ei­nes neu­en Zeug­nis­ses be­grenzt.

Ste­hen – wie vor­lie­gend – nur ein­zel­ne Punk­te im Streit, hat als Kon­se­quenz dar­aus, dass der Zeug­nis­rechts­streit vermögens­recht­li­cher Na­tur ist und das ins­ge­samt um­strit­te­ne Zeug­nis mit ei­nem Mo­nats­ge­halt aus­rei­chend be­wer­tet zu sein pflegt, den­knot­wen­dig der Streit­wert für ein nur teil­wei­se um­strit­te­nes Zeug­nis ge­rin­ger, nämlich der Bruch­teil ei­nes Mo­nats­ein­kom­mens, zu sein. Nach den Ge­set­zen der Lo­gik wäre die­ser Bruch­teil an­hand des wertmäßigen Verhält­nis­ses zwi­schen dem streit­be­fan­ge­nen Ände­rungs­punkt und dem Ge­samt­zeug­nis zu er­mit­teln (vgl. HWK/Gänt­gen, 3. Aufl., § 109 Ge­wO Rn. 53 a.E.). Dem­gemäß hat die Kam­mer er­kannt, dass der Streit nur über die Leis­tungs­be­ur­tei­lung mit 1/3 des Mo­nats­ge­halts an­ge­mes­sen be­wer­tet sein kann (LAG Düssel­dorf 08.08.1990 – 12 Sa 816/90 – Ju­ris Rn. 68). Al­ler­dings fängt die Bruch­rech­nung die par­ti­el­le Man­gel­haf­tig­keit des Ge­samt­akts „Zeug­nis“ nicht im­mer ein und leuch­tet dann nur spot­licht­ar­tig den Spiel­raum des frei­en Er­mes­sens (§ 3 ZPO) aus. So kann sich ei­ne ab­wei­chen­de Quo­tie­rung im Ein­zel­fall aus dem höhe­ren oder ge­rin­ge­ren wirt­schaft­li­chen In­ter­es­se des Ar­beit-

 

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neh­mers an ein­zel­nen Zeug­nis­punk­ten er­ge­ben oder die Un­zuläng­lich­keit ei­nes sin­gulären Zeug­nis­man­gels das Zeug­nis übermäßig in sei­nem Ge­samt­wert be­ein­träch­ti­gen. Ge­richt­li­che Klein­lich­keit würde – auch wenn dies kein recht­lich durch­schla­gen­der As­pekt ist – dem an­walt­li­chen Auf­wand mit Pro­zess und ei­ge­ner Par­tei nicht ge­recht wer­den und ge­ra­de in Zeug­nis­rechts­strei­tig­kei­ten als un­an­ge­mes­sen er­schei­nen.

c) Im Streit­fall ist das mit Aus­nah­me der Schluss­for­mu­lie­rung ord­nungs­gemäß er­teil­te Zeug­nis für die Kläge­rin durch­aus von Wert und bei Be­wer­bun­gen ver­wend­bar. Die Abände­rung des Zeug­nis­ses durch Einfügung der Dan­kes-und Zu­kunfts­for­mel dient der Erhöhung der Be­wer­bungs­chan­cen mit­tels ei­nes „bes­se­ren“ Zeug­nis­ses. In die­sem Licht hat die Kam­mer den Streit um die freund­li­che Schluss­flos­kel mit 20 % des Mo­nats­ver­diens­tes, d.h. € 611,80, be­wer­tet. Da­mit ist die Wert­gren­ze des § 64 Abs. 2 lit. b ArbGG über­wun­den.

II. Die Be­ru­fung ist be­gründet. Die Be­klag­te ist gemäß § 109 Ge­wO ver­pflich­tet, die in dem Be­ru­fungs­an­trag vor­for­mu­lier­te Dan­kes- und Wunsch­for­mel in das Schluss­zeug­nis auf­zu­neh­men.

1. Das Ar­beits­ge­richt hat zur Be­gründung sei­ner ge­gen­tei­li­gen Auf­fas­sung aus­geführt, dass grundsätz­lich kein An­spruch auf Auf­nah­me ei­nes der­ar­ti­gen Schluss­sat­zes be­ste­he und auch der Pro­zess­ver­gleich vom 19.07.2009 die Be­klag­te hier­zu nicht ver­pflich­te. „Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat in sei­ner Ent­schei­dung vom 20.02.2001 (9 AZR 44/00) ent­schie­den, dass sol­che Schlusssätze nicht zum ge­setz­lich ge­schul­de­ten In­halt ei­nes Ar­beits­zeug­nis­ses gehören. Das Feh­len sol­cher Schlusssätze macht ein Zeug­nis nicht un­vollständig. Dem Ar­beit­ge­ber ob­liegt die For­mu­lie­rung und Ge­stal­tung des Zeug­nis­ses. Ein Zeug­nis oh­ne Schluss­satz wird nicht zwin­gend ent­wer­tet. Oh­ne ge­setz­li­che Grund­la­ge kann ein Ar­beit­ge­ber nicht ver­ur­teilt wer­den, Dank oder Be­dau­ern aus­zu­drücken und dem Ar­beit­neh­mer sol­che Gefühle schrift­lich zu be­schei­ni­gen. Die vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf in der Ent­schei­dung vom 21.05.2008 (12 Sa 505/08) er­ho­be­nen Be­den­ken sind be­reits in der Ent­sch­ei-

 

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dung vom 20.02.2001 vom Bun­des­ar­beits­ge­richt berück­sich­tigt wor­den. Vor die­sem Hin­ter­grund schließt sich die Kam­mer der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts an.“

2. Dem folgt die Kam­mer nicht. Sie ist – un­ter An­knüpfung an ihr Ur­teil vom
12.05.2008 – 12 Sa 505/08 – NZA-RR 2009, 177 = LA­GE Nr. 5 zu § 630 BGB 2002 = Ju­ris Rn. 30 – der Auf­fas­sung, dass die Ver­pflich­tung zur Auf­nah­me ei­ner Dan­kes- und Zu­kunfts­for­mel ins­be­son­de­re dann in Be­tracht kommt, wenn die dem Ar­beit­neh­mer zu­ste­hen­de Leis­tungs- und Ver­hal­tens­be­wer­tung über ein "be­frie­di­gend" si­gni­fi­kant hin­aus­geht und In­halt und Form des vor­ge­leg­ten Ar­beits­zeug­nis­ses bei Be­wer­bun­gen bzw. der Be­wer­be­r­aus­wahl re­le­vant zu sein pfle­gen. In die­ser Kon­stel­la­ti­on stellt das Feh­len ei­ner Schluss­for­mu­lie­rung, mit der der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer für die ge­leis­te­te Ar­beit dankt und al­les Gu­te und Er­folg für den wei­te­ren Be­rufs­weg wünscht, ei­ne nach § 109 Abs. 2 Satz 2 Ge­wO un­zulässi­ge Ab­wer­tung der Leis­tungs- und Ver­hal­tens­be­ur­tei­lung dar. Mit ei­nem oh­ne ab­sch­ließen­de freund­li­che Schluss­flos­kel (clau­su­la co­mis be­ne­vo­len­tiae) aus­ge­stell­ten Zeug­nis genügt der Ar­beit­ge­ber nicht dem all­ge­mei­nen zeug­nis­recht­li­chen „Wohl­wol­lens­ge­bot“. Da­nach muss das Zeug­nis von verständi­gem Wohl­wol­len ge­genüber dem Ar­beit­neh­mer ge­tra­gen sein und darf des­sen wei­te­res Fort­kom­men nicht un­ge­recht­fer­tigt er­schwe­ren (BAG 21.06.2005 – 9 AZR 352/04 – BA­GE 115, 133 = Ju­ris Rn. 22, 10.05.2005 – 9 AZR 261/04 – BA­GE 114, 322 = Ju­ris Rn. 16, vgl. BAG 12.08.2008 – 9 AZR 632/07 – BA­GE 127, 237 = Ju­ris Rn. 19; an die „alt­ehrwürdi­ge Fürsor­ge­pflicht [§ 242 BGB]“ er­in­nernd: ArbG Ber­lin 07.03.2003 – 88 Ca 604/03 – AR-Blat­tei ES 1850 Nr .45 = Ju­ris Rn. 56). Das „Wohl­wol­lens­ge­bot“ er­gibt sich aus dem Ge­set­zes­zweck, wo­nach – im Rah­men der Zeug­nis­wahr­heits­pflicht – das Zeug­nis dem In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an sei­nem be­ruf­li­chen Fort­kom­men Rech­nung tra­gen soll (LAG Ham­burg 06.12.2007 – 8 Sa 51/07 –, Ju­ris Rn. 54/68, HWK/Gänt­gen, § 109 Ge­wO, Rn. 36 [ge­gen ei­nen kon­sti­tu­tio­nell über­spann­ten Ob­jek­ti­vis­mus]; kri­tisch Preis/Ben­der, NZA 2005, 1327 MüArbR/Wank, 3. Aufl., § 105 Rn. 20 [18], die aber ver­nachlässi­gen, dass „Wahr­heits­lie­be sich dar­in zeigt, daß man übe­r­all das Gu­te zu fin­den und zu

 

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schätzen weiß“ (Goe­the, Wil­helm Meis­ters Wan­der­jah­re II. Buch, Be­trach­tun­gen im Sin­ne der Wan­de­rer - - 2).

Im Ein­zel­nen:

3. Das Zeug­nis soll dem Ar­beit­neh­mer als Un­ter­la­ge für ei­ne neue Be­wer­bung die­nen und so­mit ei­nen Drit­ten, der die Ein­stel­lung des Zeug­nis­in­ha­bers erwägt, un­ter­rich­ten. In­dem es da­zu be­stimmt ist, in Un­ter­neh­men oder Ver­wal­tun­gen, bei de­nen der Ar­beit­neh­mer sich be­wirbt, den zuständi­gen Per­so­nen ei­nen Ein­druck über die bis­he­ri­ge be­ruf­li­che Tätig­keit des Be­wer­bers, des­sen Qua­li­fi­ka­ti­on und Leis­tungs- und Führungs­ver­hal­ten zu ver­schaf­fen, kommt es nicht dar­auf an, wel­che Vor­stel­lun­gen der Zeug­nis­ver­fas­ser mit sei­ner Wort­wahl und Zeug­nis­ge­stal­tung ver­bin­det. Viel­mehr ist maßge­bend die Sicht des Zeug­nis­le­sers (BAG 21.06.2005, a.a.O., Rn. 21 ff.). Die­ses Verständ­nis ist ge­prägt von den Gebräuch­lich­kei­ten des je­wei­li­gen Rechts­krei­ses. Da­mit sind, was Er­schei­nungs­bild und In­halt des Zeug­nis­ses an­be­langt, die Ge­pflo­gen­hei­ten im Ar­beits­le­ben zu berück­sich­ti­gen. Hier hat sich seit lan­gem ei­ne ei­ge­ne Kul­tur stan­dar­di­sier­ter Ge­stal­tungs­for­men und –in­hal­te in be­son­de­rer sti­lis­ti­scher Blüte ent­wi­ckelt und – über ge­sell­schaft­li­che Sprach- und Höflich­keits­for­men hin­aus – ei­ne ei­ge­ne Se­man­tik der Zeug­nis­spra­che her­aus­ge­bil­det (vgl. BAG, a.a.O., Rn. 23). So darf ein Zeug­nis nichts aus­las­sen, was der Le­ser ei­nes Zeug­nis­ses er­war­ten darf (LAG Düssel­dorf 03.05.2005 – 3 Sa 359/05 – DB 2005, 1799 = Ju­ris Rn. 33), oder hin­ter ei­ner zwei­deu­ti­gen Wort­wahl Ta­del ver­ste­cken (da­zu, dass et­wa ei­nem Metz­ger­lehr­ling, der Kno­chen ent­wen­det ha­be, nicht be­schei­nigt wer­den dürfe, er sei kor­rekt bis auf die Kno­chen, vgl. LAG Hamm 27.04.2000 – 4 Sa 1018/99 – Ju­ris Rn. 71). Das Zeug­nis darf kei­ne feh­ler­haf­ten An­ga­ben z.B. zur Per­son ent­hal­ten und soll­te Recht­schrei­be­feh­ler ver­mei­den (BAG 21.06.2005 – 9 AZR 352/04 – Ju­ris Rn. 14, un­ter ex­pli­zi­tem Hin­weis ArbG Düssel­dorf 19.12.1984 – 6 Ca 5682/84 – NJW 1986, 1281 = NZA 1985, 812, fer­ner BAG 03.03.1993 – 5 AZR 182/92 – NJW 1993, 2197 = Ju­ris 12 f.). Ar­beit­neh­mer müssen aber klei­ne­re, nicht ins Ge­wicht fal­len­de Un­voll­kom­men­hei­ten ih­rer Ar­beit­ge­ber hin­neh­men, glei­ches gilt auch dann um­ge­kehrt (cum le­ge­re vo­les ArbG Düssel­dorf 19.12.1984, a.a.O.).

 

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4. In­dem das Zeug­nis ty­pi­scher­wei­se ver­wen­det wird für Be­wer­bun­gen in Deutsch­land und na­ment­lich in der Re­gi­on des bis­he­ri­gen Wohn- und Ar­beits­or­tes, kommt es dar­auf an, was ein po­ten­ti­el­ler Ar­beit­ge­ber im deut­schen und – wie hier – im rhei­ni­schen Kul­tur- und Sprach­raum in Kennt­nis der Gebräuch­lich­kei­ten nach Form, In­halt und Spra­che von ei­nem Ar­beits­zeug­nis er­war­tet. Da­zu zählt die Wah­rung von Höflich­keits­for­meln.
Höflich­keit ist Rhein­kul­tur. Eben­so wird sie stets und zu Recht als ein Grund­wert der deut­schen Leit­kul­tur u.a. ne­ben Dis­zi­plin, Pünkt­lich­keit und Rück­sicht­nah­me ge­nannt. Höflich­keit ma­ni­fes­tiert sich in freund­li­cher Kon­zi­li­anz: „Die wah­re Höflich­keit be­steht dar­in, dass man ein­an­der mit Wohl­wol­len ent­ge­gen­kommt. So­bald es uns an die­sem nicht ge­bricht, tritt sie oh­ne Mühe her­vor“ (Rous­seau, Émi­le 2,4).

5. Am Schluss ei­nes End­zeug­nis­ses fin­det Höflich­keit ih­ren übli­chen Aus­druck in der Dank­sa­gung für die ge­leis­te­te Ar­beit und Wünschen für die Zu­kunft.
Wäre es so, dass in der freund­li­chen Schluss­flos­kel das Be­ste­hen von Gefühlen wie Wertschätzung, An­teil­nah­me und Be­dau­ern schrift­lich be­schei­nigt wer­den sol­le, würde al­ler­dings das „Wohl­wol­lens­ge­bot“ die Ver­ur­tei­lung des Ar­beit­ge­bers zu der­ar­ti­gen Aus­sa­gen über sei­ne persönli­che Emp­fin­dun­gen nicht bzw. erst nach ent­spre­chen­der ge­setz­li­cher Kon­kre­ti­sie­rung le­gi­ti­mie­ren (zu­tref­fend BAG 20.02.2001 – 9 AZR 44/00 – BA­GE 97, 62 zu = Ju­ris Rn. 26; skep­tisch auch Goe­the, zu Ecker­mann, 12. 3. 1828: „Wie soll ei­ner ge­gen an­de­re Wohl­wol­len emp­fin­den und ausüben, wenn es ihm sel­ber nicht wohl ist ?“). Es ist aber nicht so. We­der schul­det der Ar­beit­ge­ber im Ar­beits­zeug­nis Emo­ti­ons­ar­beit, noch wer­den im Zeug­nis­rechts­streit von ihm als Gefühls­aus­druck for­mu­lier­te Aus­sa­gen auf Echt­heit des Gefühls nach­ge­prüft und am tatsächli­chen oder recht­lich schutzwürdi­gen Vor­han­den­sein des­sel­ben ge­mes­sen.
Die freund­li­che (Schluss-)For­mel ist mit­hin nicht Kund­ga­be wirk­li­cher oder vor­geb­li­cher Emp­fin­dun­gen. Nicht an­ders als bei der Leis­tungs­wer­tung nach der sog. Zu­frie­den­heits­ska­la (oder auch bei all­ge­mei­nen Grußfor­meln) äußert der

 

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Ar­beit­ge­ber in der Schluss­for­mu­lie­rung nicht sei­ne sub­jek­tiv auf­rich­ti­gen Gefühle, son­dern wahrt ge­ra­de und nur all­ge­mei­ne Stan­dards und Höflich­keits­for­men. Das Weg­las­sen sol­cher For­meln kann dem­ent­spre­chend als Dis­tan­zie­rung und Brüskie­rung des be­ur­teil­ten Mit­ar­bei­ters auf­ge­fasst wer­den (Kam­mer 21.05.2008, Ju­ris Rn. 29 mwN.; vgl. zum Gan­zen: Hes­si­sches LAG 17.06.1999 – 14 Sa 1157/98 – BB 2000, 155 = Ju­ris Rn. 46 f., LAG Köln 29.02.2008 – 4 Sa 1315/07 – Ju­ris Rn. 22, LAG Nie­der­sach­sen 13.03.2007 – 9 Sa 1835/06 – Ju­ris Rn. 29, 118, LAG Hamm 12.07.1994 – 4 Sa 564/94 – LA­GE Nr. 26 zu § 630 BGB, ErfK/Müller-Glöge, § 109 Ge­wO Rn. 46, MüKo-BGB/Hens­s­ler, 5. Aufl., § 630 BGB Rn. 45, Kütt­ner/Rei­ne­cke, Per­so­nal­buch 2010, Rn. 34, HWK/ Gänt­gen, § 109 Ge­wO Rn. 28, Stück, MDR 2006, 795, Ko­ke­moor, ju­ris­PR-ArbR 16/2009 Anm. 3, Fuchs Be­ckOK BGB § 630 Rn. 7a).

6. Um­so mehr ist dann, wenn – wie hier – ei­ne über­durch­schnitt­lich po­si­ti­ve
Be­ur­tei­lung des Leis­tungs- und Führungs­ver­hal­tens des Ar­beit­neh­mers er­folgt ist, das Weg­las­sen der Schluss­for­mel ge­eig­net, die Be­ur­tei­lung ab­zu­wer­ten und Miss­trau­en zu er­re­gen. Das Feh­len der Dan­kes– und Wunsch­for­mel kann den Zeug­nis­le­ser zu­dem ver­an­las­sen, Nach­fra­ge bei dem frühe­ren Ar­beit­ge­ber zu hal­ten und po­si­tiv klin­gen­den Auskünf­ten Skep­sis ent­ge­gen­zu­brin­gen.

Da­ge­gen lässt sich nicht ein­wen­den, dass der Zeug­nis­le­ser das Feh­len der Dan­kes- und Zu­kunfts­for­mel als persönli­che Ei­gen­heit des Zeug­nis­aus­stel­lers oder des­sen Un­kennt­nis der Zeug­nis­spra­che ab­tun könn­te. Ei­ne sol­che Einschätzung des Aus­stel­lers könn­te nämlich den Zeug­nis­le­ser auf den Ge­dan­ken brin­gen, dass es auch sonst mit der Kom­pe­tenz des frühe­ren Ar­beit­ge­bers womöglich nicht zum Bes­ten be­stellt ge­we­sen sei, und dem­ent­spre­chend das er­teil­te Zeug­nis ent­wer­ten.

III. Im Licht der vor­erwähn­ten Rechts­grundsätze mo­niert die Kläge­rin zu Recht das Feh­len ei­ner Dan­kes- und Wunsch­for­mel im End­zeug­nis.

 

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1. Der eben­so schlich­te wie lieb­lo­se Schluss­satz, dass die Kläge­rin nach dreijähri­ger El­tern­zeit in bei­der­sei­ti­gem Ein­ver­neh­men aus dem Un­ter­neh­men aus­schei­de, steht in auffälli­gem Wi­der­spruch zu der über­durch­schnitt­lich po­si­ti­ven Leis­tungs- und Führungs­be­wer­tung und ent­wer­tet schon des­halb die Ge­samt­aus­sa­ge des vor­aus­ge­hen­den Zeug­nis­tex­tes. Das Aus­las­sen ei­ner Dan­kes- und Wunsch­for­mel kann nach dem ob­jek­ti­ven Empfänger­ho­ri­zont des Le­sers des Zeug­nis­ses als be­red­tes Schwei­gen und Hin­weis auf Un­stim­mig­kei­ten oder Enttäuschun­gen im Zu­ge der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ver­stan­den wer­den.

Auf die Dan­kes- und Wunsch­for­mel kann vor­lie­gend um­so we­ni­ger ver­zich­tet wer­den, als der Um­stand, dass in dem vor­auf­ge­hen­den Text Be­en­di­gungs­tat­be­stand „bei­der­sei­ti­ges Ein­ver­neh­men“ an­ge­ge­ben wird, bei dem Zeug­nis­le­ser, der den be­triebs­be­ding­ten Auflösungs­grund nicht kennt bzw. einschätzen kann, leicht der Ein­druck ent­ste­hen kann, dass es anläss­lich der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin zu­zu­rech­nen­de ne­ga­ti­ve Be­gleit­umstände im An­schluss an die in An­spruch ge­nom­me­ne El­tern­zeit gab. In­dem die For­mel die­sen Ein­druck ver­wischt, hat die Kam­mer sich nicht mehr die uni­ons­recht­lich bri­san­te Fra­ge vor­zu­le­gen, ob die (dreijähri­ge) El­tern­zeit als ei­ne we­sent­li­che tatsächli­che Un­ter­bre­chung der Beschäfti­gung im Zeug­nis erwähnt wer­den darf oder gemäß § 7 Abs. 1, § 1, § 3 Abs. 2 AGG (Art. 3 Abs. 1 c EGRL 78/2000) zu be­an­stan­den wäre (da­zu BAG 10.05.2005, a.a.O., Rn. 35, LAG Köln 30.08.2007 – 10 Sa 482/07 – AE 2008, 276 = Ju­ris Rn. 42).

2. Das Zeug­nis (mit der be­gehr­ten Schluss­for­mel) ist für die Kläge­rin ei­ne bei künf­ti­gen Be­wer­bun­gen wich­ti­ge Un­ter­la­ge, ins­be­son­de­re wenn es um Stel­len geht, bei de­nen der mögli­che künf­ti­ge Ar­beit­ge­ber vom Ar­beit­neh­mer die „völlig selbständi­ge“ Auf­ga­ben­er­le­di­gung mit Pro­jekt- und Mit­ar­bei­ter­ver­ant­wor­tung (was die Be­klag­te der Kläge­rin in der Funk­ti­on der Team­spre­che­rin des Ser­vice-Cen­ters at­tes­tier­te) er­war­tet. Hier kann das Zeug­nis Grund­la­ge für die Per­so­nal(vor)aus­wahl sein. Die Dan­kes- und Wunsch­for­mel gehört dann, wie aus­geführt, zu ei­nem anständi­gen Zeug­nis.

 

- 13 -

IV. Da sich die be­an­spruch­te Zeug­nis­ergänzung be­reits aus dem § 109 Ge­wO im­ma­nen­ten „Wohl­wol­lens­ge­bot“ er­gibt, kann da­hin­ste­hen, ob der Pro­zess­ver­gleich vom 28.07.2009 die ge­stei­ger­te Ob­lie­gen­heit der Be­klag­ten zu ei­ner „wohl­wol­len­den“ Ab­fas­sung des Zeug­nis­in­halts be­gründet.

V. Die im Kla­ge­an­trag for­mu­lier­te Dan­kes- und Wunsch­for­mel liegt im Rah­men zeug­nisübli­cher Höflich­keit und ist das Min­des­te, was ein Ar­beit­ge­ber ei­nem über­durch­schnitt­lich be­ur­teil­ten Ar­beit­neh­mer schul­det. Die Be­klag­te hat auch kei­ne kon­kre­ten Einwände ge­gen die streit­ge­genständ­li­che For­mu­lie­rung er­ho­ben.

N e b e n e n t s c h e i d u n g e n

Die Kos­ten der Be­ru­fung sind gemäß § 92 Abs. 1 (§ 97 Abs. 1) ZPO ge­gen­ein­an­der auf­zu­he­ben, die Kos­ten ers­ter In­stanz gemäß § 91 Abs. 1 ZPO zu 4/5 der über­wie­gend mit der Kla­ge un­ter­le­ge­nen Kläge­rin und zu 1/5 der Be­klag­ten auf­zu­er­le­gen.

Die Kam­mer hat für die Be­klag­te die Re­vi­si­on an das Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­sen. Der Rechts­streit hat grundsätz­li­che Be­deu­tung i. S. v. § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG. Außer­dem be­steht Di­ver­genz zu dem – al­ler­dings zu § 630 BGB er­gan­ge­nen – BAG-Ur­teil vom 20.02.2001 (a.a.O.).

R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der Be­klag­ten

R E V I S I O N

ein­ge­legt wer­den.

 

- 14 -

Für die Kläge­rin ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich beim

Bun­des­ar­beits­ge­richt

Hu­go-Preuß-Platz 1

99084 Er­furt

Fax: 0361-2636 2000

ein­ge­legt wer­den.

Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

1. Rechts­anwälte,
2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
3. Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Num­mer 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Re­vi­si­ons­schrift un­ter­zeich­nen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­ter zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten.

* ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.

 

Dr. Plüm 

Les­ke 

Horst­mann

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