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Zeug­nis: Be­dau­erns­for­mel, Dan­kes­for­mel, Wunsch­for­mel

Ha­ben Ar­beit­neh­mer bei sehr gu­tem Zeug­nis An­spruch auf ei­ne ab­schlie­ßen­de Be­dau­erns-, Dan­kes- und Wunsch­for­mel?: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 03.11.2010, 12 Sa 974/10

24.06.2011. En­den Ar­beits­ver­hält­nise, kön­nen Ar­beit­neh­mer ein Zeug­nis über Art und Dau­er ih­rer Tä­tig­keit, über ih­re Leis­tun­gen und ihr Ver­hal­ten ver­lan­gen.

Ein sol­ches qua­li­fi­zier­tes Zeug­nis muss klar und wahr, aber zu­gleich auch wohl­wol­lend for­mu­liert sein. Es darf kei­ne ge­hei­men Merk­ma­le oder un­kla­ren For­mu­lie­run­gen ent­hal­ten, durch die „ei­ne an­de­re als aus der äu­ße­ren Form oder aus dem Wort­laut er­sicht­li­che Aus­sa­ge über den Ar­beit­neh­mer“ ge­trof­fen wird (§ 109 Ge­wer­be­ord­nung - Ge­wO.

Frag­lich ist, ob ein gu­tes bis sehr gu­tes Zeug­nis durch ein ver­bo­te­nes Ge­heim­zei­chen ent­wer­tet wird, wenn es kei­ne ab­schlie­ßen­den warm­her­zi­gen Wor­te ent­hält, die das Aus­schei­den des Ar­beit­neh­mers be­dau­ern, ihm für al­les dan­ken und gu­te Wün­sche für die Zu­kunft äu­ßern.

Ei­ne sol­che ab­schlie­ßen­de Be­dau­erns­for­mel (Wunsch­for­mel, Dan­kes­for­mel) kommt in vie­len Zeug­nis­sen vor, aber kann sie da­her auch be­an­sprucht wer­den? Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Düs­sel­dorf meint: Ja (Ur­teil vom 03.11.2010, 12 Sa 974/10).

Ei­ne Team­spre­che­rin hat­te ih­ren ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber man­gels Dan­kes- und Wunsch­for­mel auf Zeug­nis­er­gän­zung ver­klagt. Das Ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf wies ih­re Kla­ge ab (Ur­teil vom 08.06.2010, 7 Ca 1575/10), weil das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) 2001 ei­nen sol­chen An­spruch ab­ge­lehnt hat­te (Ur­teil vom 20.02.2001, 9 AZR 44/00). Das LAG gab ihr aber Recht. Denn oh­ne ei­ne Ab­schluss­for­mel liegt - je­den­falls bei ei­nem gu­ten Zeug­nis - man­geln­des Wohl­wol­len und da­mit ein Ge­heim­zei­chen vor, so das LAG.

Fa­zit: Die An­sicht des LAG Düs­sel­dorf wird von an­de­ren Ge­rich­ten nicht ge­teilt, zeigt aber, dass Ar­beit­neh­mer Chan­cen ha­ben, auch vor Ge­richt ei­ne Wunsch­for­mel durch­zu­set­zen. So ent­schied das LAG Ba­den-Würt­tem­berg z.B. in ei­nem ähn­li­chen Fall ge­gen den Ar­beit­neh­mer (Ur­teil vom 03.02.2011, 21 Sa 74/10). Des­sen Re­vi­si­on ist nun beim BAG an­hän­gig (9 AZR 227/11). Bis zu ei­ner (neu­en) Grund­satz­ent­schei­dung bleibt die La­ge da­her um­strit­ten. Bes­ser ist es da­her, Zeug­nis­strei­tig­kei­ten zu ver­mei­den und sich mit dem Ar­beit­ge­ber früh­zei­tig zu ei­ni­gen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 16. September 2016

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