Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Zeug­nis ein­kla­gen - aber wann?

Ei­ne Zeug­nis­kla­ge setzt ei­nen er­folg­lo­sen Ab­hol­ver­such des Ar­beit­neh­mers oder die of­fen­sicht­li­che Er­folg­lo­sig­keit ei­nes sol­chen Ver­suchs vor­aus: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Be­schluss vom 06.02.2013, 10 Ta 31/13

24.04.2013. Ar­beit­neh­mer ha­ben ei­nen An­spruch auf Er­tei­lung ei­nes Zeug­nis­ses, wenn das Ar­beits­ver­hält­nis en­det.

Der Zeug­nis­an­spruch ist ei­ne Hol­schuld. Das be­deu­tet, dass der Ar­beit­ge­ber das Zeug­nis schrei­ben und im Be­trieb zur Ab­ho­lung be­reit­le­gen muss, d.h. der Ar­beit­neh­mer muss es sich ab­ho­len (Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 08.03.1995, 5 AZR 848/93).

Ob­wohl es üb­lich ist, dass Ar­beit­ge­ber ei­nem aus­ge­schie­de­nen Ar­beit­neh­mer das Ar­beits­zeug­nis per Post nach Hau­se schi­cken, sind sie da­zu recht­lich nicht ver­pflich­tet. Wer da­her oh­ne ei­nen er­folg­lo­sen Ver­such, sich sein Zeug­nis im Be­trieb ab­zu­ho­len, auf Zeug­nis­er­tei­lung klagt, ris­kiert die Be­las­tung mit Ge­richts­ge­büh­ren: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Be­schluss vom 06.02.2013, 10 Ta 31/13.

Wann sollte man auf Erteilung eines Zeugnisses klagen?

Wie oft im Le­ben kommt es auch bei Kla­gen auf Er­tei­lung ei­nes Zeug­nis­ses auf den rich­ti­gen Zeit­punkt an.

Wer sich nach Be­en­di­gung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses mit ei­ner Zeug­nis­kla­ge zu lan­ge Zeit lässt, ris­kiert, dass die Ar­beits­ge­rich­te den An­spruch auf Er­tei­lung ei­nes Zeug­nis­ses ab­wei­sen, weil sie ihn als "ver­wirkt" an­se­hen. Ansprüche können nämlich nach Treu und Glau­ben (§ 242 Bürger­li­ches Ge­setz­buch - BGB) we­gen Ver­wir­kung nicht mehr gel­tend ge­macht wer­den, wenn sich der An­spruchs­be­rech­tig­te all­zu lan­ge nicht auf sei­nen An­spruch be­ru­fen hat (Zeit­mo­ment) und der Schuld­ner da­her dar­auf ver­trau­en konn­te, er müsse den An­spruch nicht mehr erfüllen (Um­stands­mo­ment).

Mit der Ver­wir­kung des Zeug­nis­an­spruchs sind die Ar­beits­ge­rich­te schnell bei der Hand. An­geb­lich soll der Zeug­nis­an­spruch je nach den Umständen des Fal­les schon vier bis sechs Mo­na­te nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ver­wirkt sein. Es ist Ar­beit­neh­mern da­her drin­gend zu ra­ten, sich mit der Durch­set­zung des Zeug­nis­an­spruchs nicht zu viel Zeit zu las­sen.

An­de­rer­seits wird der An­spruch auf Er­tei­lung ei­nes "qua­lif­zier­ten", d.h. auf Leis­tung und Führung be­zo­ge­nen (End-)Zeug­nis­ses erst mit Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses fällig und das auch nur dann, wenn der Ar­beit­neh­mer ein sol­ches Zeug­nis ver­langt. Denn da­zu heißt es in § 109 Abs.1 Satz 3 Ge­wer­be­or­dung (Ge­wO), dass der Ar­beit­neh­mer ein qua­lif­zier­tes Zeug­nis "ver­lan­gen kann", so dass der Ar­beit­ge­ber oh­ne ei­ne sol­che Bit­te ein qua­lif­zier­tes Zeug­nis gar nicht er­stel­len muss.

Da­her soll­te man ei­ne Zeug­nis­kla­ge auch nicht vor­schnell er­he­ben, wie ei­ne ak­tu­el­le Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg zeigt.

Der Fall des LAG: Arbeitgeber signalisiert, dass ein Zeugnis rechtzeitig zur Abholung bereit liegt, doch statt zum Betrieb geht der Arbeitnehmer zum Gericht

Im Streit­fall en­de­te das Ar­beits­verhält­nis ei­nes kaufmänni­schen An­ge­stell­ten am 31.07.2012. Be­reits vor­ab im Ju­li reich­te der An­ge­stell­te ei­nen Zeug­nis­ent­wurf ein, zu dem der Ar­beit­ge­ber erklärte, dass er in­halt­lich in Ord­nung ge­he und am Stich­tag (31.07.2012) un­ter­schrie­ben wer­de.

Am 07.08.2012 for­der­te der An­ge­stell­te den Ar­beit­ge­ber auf, ihm das Zeug­nis bin­nen drei Ta­gen zu über­sen­den, wor­auf­hin der Ar­beit­ge­ber am 17.08.2012 mit­teil­te, dass das Zeug­nis un­ter­schrie­ben zur Ab­ho­lung im Be­trieb be­reit lie­ge.

Zwi­schen­zeit­lich (am 15.08.2012) hat­te der An­ge­stell­te aber schon Kla­ge auf Er­tei­lung ei­ner Zeug­nis­ses ein­ge­reicht, die dem Ar­beit­ge­ber am 21.08.2012 zu­ge­stellt wur­de. Und an­statt sich das Zeug­nis im Be­trieb ab­zu­ho­len, war­te­te der An­ge­stell­te den Güte­ter­min vor dem Ar­beits­ge­richt am 13.09.2012 ab, um sich Zeug­nis im Ge­richts­saal über­ge­ben zu las­sen.

Da der Pro­zess we­gen an­de­rer Ansprüche wei­ter fort­ge­setzt wur­de, kam es zu ei­nem wei­te­ren Ge­richts­ter­min (Kam­mer­ter­min), in dem die Par­tei­en den Streit in be­zug auf das Zeug­nis übe­rein­stim­mend für er­le­digt erklärten. Das Ar­beits­ge­richt brumm­te dem An­ge­stell­ten dar­auf­hin 272,00 EUR Ge­richts­kos­ten für die Zeug­nis­kla­ge auf.

Da­ge­gen leg­te der An­ge­stell­te Be­schwer­de ein, die das Ar­beits­ge­richt dem LAG vor­leg­te.

LAG Berlin-Brandenburg: Wer ohne vorherigen Abholversuch ein Zeugnis einklagt, hat in der Regel die Kosten zu tragen

Das LAG erklärte die Kos­ten­ent­schei­dung für rech­tens, so dass der An­ge­stell­te auf den 272,00 EUR Ge­richts­kos­ten sit­zen blieb.

Zur Be­gründung ver­weist das LAG dar­auf, dass ein Zeug­nis nun ein­mal ei­ne Hol­schuld und kei­ne Schick- oder Bring­schuld ist. Und da der An­ge­stell­te hier vor Kla­ge­er­he­bung kei­nen Ver­such un­ter­nom­men hat­te, das Zeug­nis im Be­trieb ab­zu­ho­len, hat­te er die Kla­ge oh­ne recht­lich be­gründe­ten An­lass bzw. vor­schnell er­ho­ben.

Außer­dem, so das LAG, hätte er die Ge­richts­kos­ten ver­mei­den können, wenn er die Kla­ge so­fort nach dem 17.08.2012 (und da­mit noch vor Zu­stel­lung der Kla­ge) zurück­ge­nom­men hätte. Denn an die­sem Tag hat­te er ja er­fah­ren, dass das Zeug­nis zur Ab­ho­lung be­reit lie­ge. Ei­ne Kla­gerück­nah­me hätte der An­ge­stell­te auch im Güte­ter­min noch erklären können.

Fa­zit: Will der Ar­beit­neh­mer ein Zeug­nis ein­kla­gen, trägt er ein (ge­rin­ges) Kos­ten­ri­si­ko, wenn er vor­schnell zu Ge­richt zieht. Denn ob­wohl er gemäß § 12a Ar­beits­ge­richts­ge­setz (ArbGG) auch im Fal­le der Ab­wei­sung sei­ner Kla­ge nicht da­zu ver­pflich­tet ist, dem Ar­beit­ge­ber die Kos­ten für des­sen an­walt­li­che Ver­tre­tung zu er­stat­ten, kann er mit (über­schau­ba­ren) Ge­richts­kos­ten be­las­tet wer­den, wenn er sei­ne ver­frühte Kla­ge nicht vor Stel­lung der Anträge im Kam­mer­ter­min zurück­nimmt.

An­ders ist es al­ler­dings dann, wenn der Ar­beit­ge­ber mit­teilt, dass er das Zeug­nis per Post über­sandt ha­be - nur dass es dort nicht an­ge­kom­men ist. Denn beim Post­ver­sand tun Ar­beit­ge­ber mehr bzw. et­was an­de­res, als sie recht­lich ge­se­hen müss­ten. Geht das Zeug­nis dann auf dem Post­weg ver­lo­ren, müssen Ar­beit­ge­ber es noch ein­mal aus­stel­len, wie das LAG Rhein­land-Pfalz ent­schie­den hat (Be­schluss vom 15.03.2011, 10 Ta 45/11 - wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 11/150 Ar­beits­zeug­nis - Überg­a­be: Be­weis­last für Überg­a­be des Zeug­nis­ses).

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 30. September 2016

Bewertung: Zeug­nis ein­kla­gen - aber wann? 4.5 von 5 Sternen (6 Bewertungen)

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880