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Schwarz-Rot streicht Zu­satz­pau­scha­len - Pfle­ge­bei­trag steigt

Uni­on und SPD le­gen ih­ren Ge­sund­heits­streit bei: Die SPD fei­ert das Aus von Pau­schalbei­trä­gen. Die Uni­on hat Zu­satz­be­las­tun­gen der Wirt­schaft ver­hin­dert. Ver­si­cher­te müs­sen mehr für Pfle­ge zah­len

23.11.2013. (dpa) - Uni­on und SPD wol­len Kran­ken­ver­si­cher­te künf­tig von pau­scha­len Zu­satz­bei­trä­gen in Eu­ro und Cent ver­scho­nen.

Statt­des­sen sol­len die ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen wie­der un­ter­schied­lich ho­he pro­zen­tua­le Bei­trags­sät­ze er­he­ben kön­nen.

Der Pfle­ge­bei­trag soll spä­tes­tens zum 1. Ja­nu­ar 2015 um 0,3 und spä­ter um wei­te­re 0,2 Pro­zent­punk­te er­höht wer­den.

Dar­auf ei­nig­ten sich bei­de Sei­ten nach teils zä­hen Ver­hand­lun­gen in ih­ren Ko­ali­ti­ons­ge­sprä­chen, wie die Chef­un­ter­händ­ler Jens Spahn (CDU) und Karl Lau­ter­bach (SPD) am Frei­tag in Ber­lin mit­teil­ten.

Die Op­po­si­ti­on kri­ti­sier­te, die Ver­si­cher­ten müss­ten die Ze­che zah­len.

Die Ar­beit­ge­ber sol­len nicht zur De­ckung der zu er­war­ten­den Kos­ten­stei­ge­run­gen bei Ge­sund­heit in zwei­stel­li­ger Mil­li­ar­den­hö­he her­an­ge­zo­gen wer­den. "Das ist ein wich­ti­ges Si­gnal für die Ar­beits­plät­ze in Deutsch­land, dass der Ar­beit­ge­ber­an­teil fest­ge­schrie­ben bleibt", sag­te Spahn. Für die SPD ist das En­de der Zu­satz­pau­scha­len zen­tral. "Das ist heu­te das his­to­ri­sche En­de der Kopf­pau­scha­len", sag­te Lau­ter­bach. Er emp­feh­le der SPD-Ba­sis ei­ne An­nah­me des Kom­pro­mis­ses beim Mit­glie­der­ent­scheid zur Ko­ali­ti­on.

Die Zu­satz­bei­trä­ge in Eu­ro und Cent zu­las­ten der Ver­si­cher­ten kön­nen Kran­ken­kas­sen heu­te ein­for­dern, wenn sie nicht ge­nug Geld aus dem Ge­sund­heits­fonds be­kom­men. Der Bei­trags­satz soll bei 14,6 Pro­zent des Ein­kom­mens fi­xiert wer­den. Die Kas­sen kön­nen aber laut Kom­pro­miss pro­zen­tua­le Zu­satz­bei­trä­ge von ih­ren Mit­glie­dern ver­lan­gen.

Heu­te liegt der Bei­trags­satz bei 15,5 Pro­zent, wo­von die Ar­beit­ge­ber aber nur 7,3 Pro­zent, die Ar­beit­neh­mer 0,9 Punk­te mehr zah­len müs­sen. Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­an­teil sol­len künf­tig bei 7,3 Pro­zent blei­ben. Der pro­zen­tua­le Zu­satz­bei­trag dürf­te zu­nächst bei den meis­ten Kas­sen bei den 0,9 Pro­zent lie­gen, die heu­te der Son­der­bei­trag aus­macht. Aber sie kön­nen die­sen Satz auch in­di­vi­du­ell sen­ken oder er­hö­hen. Ex­per­ten er­war­ten we­gen stei­gen­der Kos­ten ab 2016 hö­he­re Pro­zent­sät­ze bei vie­len Kas­sen.

Ein So­zi­al­aus­gleich aus Steu­er­mit­teln ist nicht mehr vor­ge­se­hen - durch die pro­zen­tua­le Er­he­bung wer­den Ge­ring­ver­die­ner au­to­ma­tisch ge­rin­ger be­las­tet. Al­le Bei­trags­ein­nah­men sol­len über den Ge­sund­heits­fonds so aus­ge­gli­chen wer­den, dass Ver­si­che­run­gen mit vie­len Ge­ring­ver­die­nern nicht schlech­ter ge­stellt sind.

In der Pfle­ge gilt der­zeit ein Bei­trags­satz von 2,05, für Kin­der­lo­se von 2,3 Pro­zent. Die Er­hö­hung um 0,3 Punk­te bräch­te rund drei Mil­li­ar­den Eu­ro ein. Mit zwei Mil­li­ar­den sol­len Leis­tun­gen ver­bes­sert wer­den. Zu­dem soll ab 2015 da­mit die all­ge­mei­ne Teue­rung in den Leis­tun­gen aus­ge­gli­chen wer­den. Rund ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro pro Jahr soll in ei­nen neu­en Pfle­ge­vor­sor­ge­fonds flie­ßen. Die­se Rück­la­ge hat­te die Uni­on ge­for­dert - für den stei­gen­den Pfle­ge­be­darf. Er soll von der Bun­des­bank ver­wal­tet wer­den.

In ei­nem zwei­ten Schritt sol­len wei­te­re 0,2 Pro­zent­punk­te für die Pfle­ge da­zu­kom­men: Al­le De­menz­kran­ke sol­len Leis­tun­gen er­hal­ten.

"Es be­steht die Chan­ce, dass es zum ers­ten Mal ei­ne Ko­ali­ti­on gibt, bei der es nicht we­gen der Fi­nan­zie­rung von Ge­sund­heit und Pfle­ge ei­nen mo­na­te­lan­gen Streit gibt", sag­te Spahn. Der Kom­pro­miss sei mit den Spit­zen von Uni­on und SPD ab­ge­stimmt. Er sol­le als Bun­des­ge­setz um­ge­setzt wer­den, wenn es ei­ne gro­ße Ko­ali­ti­on gibt.

CSU-Ge­sund­heits­ex­per­te Jo­han­nes Sing­ham­mer sag­te der dpa: "Für die Pa­ti­en­ten wich­tig ist, dass es ei­ne gleich­mä­ßi­ge Ver­sor­gung in Stadt und Land ge­ben soll." Re­gio­na­le Un­ter­schie­de wür­den be­rück­sich­tigt, die Haus­ärz­te ge­stärkt.

Die Grü­nen-Po­li­ti­ke­rin­nen Ma­ria Klein-Schme­inck und Eli­sa­beth Schar­fen­berg kri­ti­sier­ten, bei den Fi­nan­zen ge­he es zu­las­ten der Ver­si­cher­ten. "Das wer­den die Kran­ken­ver­si­cher­ten sehr schnell zu spü­ren be­kom­men." Kath­rin Vog­ler (Lin­ke) zog den Schluss: "Die In­ter­es­sen der Ar­beit­ge­ber ha­ben in der gro­ßen Ko­ali­ti­on obers­te Prio­ri­tät." Kas­sen­ver­bands-Che­fin Do­ris Pfeif­fer lob­te die ge­plan­te Fi­nanz­au­to­no­mie der Kas­sen. Arzt­ver­bän­de kri­ti­sier­ten die Plä­ne.

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Letzte Überarbeitung: 28. März 2014

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