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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Diskriminierung: Alter, Altersdiskriminierung, Ruhestand, Beamter
   
Gericht: Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz
Akten­zeichen: 2 A 11201/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 25.02.2011
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: VG Neustadt (Weinstraße), Urteil vom 24.09.2010, 6 K 105/10.NW
   

 

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt
Rhein­land-Pfalz

Ur­teil

Im Na­men des Vol­kes

In dem Ver­wal­tungs­rechts­streit

…,

- Kläger und Be­ru­fungskläger -

 

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Hünlein Rechts­anwälte, Eschen­hei­mer An­la­ge 1, 60316 Frank­furt,

 

ge­gen

 

das Land Rhein­land-Pfalz, ver­tre­ten durch die Mi­nis­te­rin für Bil­dung, Wis­sen­schaft, Ju­gend und Kul­tur, Mitt­le­re Blei­che 61, 55116 Mainz,

- Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te -

 

 

we­gen Hin­aus­schie­bens des Ru­he­stan­des

 

hat der 2. Se­nat des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz in Ko­blenz auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 25. Fe­bru­ar 2011, an der teil­ge­nom­men ha­ben

Präsi­dent des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Prof. Dr. Mey­er
Rich­ter am Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Bo­ni­kow­ski
Rich­ter am Ober­ver­wal­tungs­ge­richt St­einkühler
eh­ren­amt­li­cher Rich­ter An­ge­stell­ter Em­rich
eh­ren­amt­li­cher Rich­ter Land­rat a.D. Schra­der

für Recht er­kannt:

Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts Neu­stadt an der Wein­s­traße vom 24. Sep­tem­ber 2010 wird zurück­ge­wie­sen.

Der Kläger trägt die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens.

Das Ur­teil ist we­gen der Kos­ten vorläufig voll­streck­bar.

Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

 

Tat­be­stand

Der Kläger be­gehrt sei­ne Wei­ter­ver­wen­dung im ak­ti­ven Dienst des Be­klag­ten auch nach Er­rei­chen der Al­ters­gren­ze.

Der 1944 ge­bo­re­ne Kläger war Pro­fes­sor für An­ge­wand­te In­ge­nieur­wis­sen­schaf­ten an der Fach­hoch­schu­le K. Auf sei­nen An­trag schob das be­klag­te Land mit Be­scheid vom 12. Ja­nu­ar 2009 den Be­ginn sei­nes Ru­he­stands um ein Jahr hin­aus. Hier­bei wies es dar­auf hin, die vom Fach­be­reich des Klägers und dem Präsi­den­ten der Fach­hoch­schu­le dar­ge­leg­ten Schwie­rig­kei­ten bei der Stel­len­neu­be­set­zung recht­fer­tig­ten ein Hin­aus­schie­ben nur um ein Jahr. In die­ser Zeit be­ste­he aus­rei­chend Ge­le­gen­heit, die Nach­fol­ge des Klägers zu re­geln.

Am 12. Ok­to­ber 2009 be­an­trag­te die­ser, sei­nen Ru­he­stands­be­ginn er­neut hin­aus­zu­schie­ben. Der De­kan des Fach­be­reichs führ­te hier­zu ge­genüber dem Präsi­den­ten der Fach­hoch­schu­le aus, es bestünden wei­ter­hin Schwie­rig­kei­ten, frei­wer­den­de Stel­len zeit­nah und kom­pe­tent zu be­set­zen. Der Fach­be­reich befür­wor­te des­halb die Verlänge­rung der Dienst­zeit er­fah­re­ner Kol­le­gen. Zu­dem sei er dar­an in­ter­es­siert, Pla­nungs­si­cher­heit in der­ar­ti­gen An­ge­le­gen­hei­ten zu be­kom­men. Der Präsi­dent der Fach­hoch­schu­le hin­ge­gen ver­nein­te in sei­ner Stel­lung­nah­me an das Mi­nis­te­ri­um für Bil­dung, Wis­sen­schaft, Ju­gend und Kul­tur ein dienst­li­ches In­ter­es­se an ei­nem wei­te­ren Hin­aus­schie­ben der Pen­sio­nie­rung mit der Be­gründung, aus­weis­lich der Stel­lung­nah­me des Fach­be­reichs ha­be sich des­sen La­ge seit dem Jahr 2008 nicht maßgeb­lich verändert. Ei­ne jähr­li­che Verlänge­rung der Dienst­zeit führe zu­dem zu beträcht­li­chen Pro­ble­men bei der Pla­nung der Lehr­ver­an­stal­tun­gen.

Un­ter Ver­weis hier­auf lehn­te der Be­klag­te mit Be­scheid vom 3. De­zem­ber 2009 den An­trag des Klägers ab. Des­sen Wi­der­spruch wies er mit Wi­der­spruchs­be­scheid vom 25. Ja­nu­ar 2010 zurück und führ­te zur Be­gründung aus, die Fach­hoch­schu­le ha­be ein dienst­li­ches In­ter­es­se an der Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers ver­neint. Der Fach­be­reich ha­be kei­ne Lehr­ver­an­stal­tun­gen be­nannt, die oh­ne den Kläger nicht ab­ge­deckt wer­den könn­ten. Die­ser sei auch nicht in lau­fen­de For­schungs­pro­jek­te ein­ge­bun­den. Die Ein­schrei­be­zah­len in den be­trof­fe­nen Stu­di­engängen ließen kei­ne Über­las­tung der vor­han­de­nen Lehr­per­so­nen er­ken­nen.

Ei­nen auf das vorläufi­ge Hin­aus­schie­ben des Ru­he­stand­s­ein­tritts ge­rich­te­ten Eil­an­trag des Klägers, zu des­sen Be­gründung er sich auf ein hier­an be­ste­hen­des dienst­li­ches In­ter­es­se so­wie dar­auf be­rief, die Ver­wei­ge­rung sei­ner Wei­ter­beschäfti­gung stel­le ei­ne un­zulässi­ge Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung dar, lehn­te das Ver­wal­tungs­ge­richt mit Be­schluss vom 22. Fe­bru­ar 2010 ab.

Mit sei­ner be­reits am 3. Fe­bru­ar 2010 er­ho­be­nen Kla­ge hat der Kläger be­an­tragt,

den Be­scheid des Be­klag­ten vom 3. De­zem­ber 2009 in Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 25. Ja­nu­ar 2010 auf­zu­he­ben und den Be­klag­ten zu ver­pflich­ten, sei­nen An­trag vom 12. Ok­to­ber 2009 un­ter Be­ach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Ge­richts neu zu be­schei­den.

Der Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat die Kla­ge mit Ur­teil vom 24. Sep­tem­ber 2010 ab­ge­wie­sen. Ein er­neu­tes Hin­aus­schie­ben des Ru­he­stands sei nach der Pen­sio­nie­rung des Klägers nicht mehr möglich. Sei­nen Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch könne er auch nicht auf ei­ne ver­meint­li­che Un­wirk­sam­keit der be­am­ten­recht­li­chen Al­ters­gren­ze stützen. Die­se ver­s­toße nicht ge­gen das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung, weil sie un­ter an­de­rem durch den ge­sell­schaft­li­chen Kon­sens ge­recht­fer­tigt sei, dem zu­fol­ge älte­re Beschäftig­te ab ei­nem ge­wis­sen Al­ter zurück­tre­ten und ih­ren Ar­beits­platz für jünge­re Kol­le­gen frei­ma­chen müss­ten. Dies si­che­re zu­dem ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Al­ters­struk­tur und ei­ne gleichmäßige Wis­sens­wei­ter­ga­be. Auf­grund der Verlänge­rungsmöglich­keit im Ein­zel­fall so­wie der fi­nan­zi­el­len Ab­si­che­rung durch das Ru­he­ge­halt wer­de auch der Grund­satz der Verhält­nis­mäßig­keit ge­wahrt.

Mit sei­ner vom Ver­wal­tungs­ge­richt zu­ge­las­se­nen Be­ru­fung rügt der Kläger, die zwangs­wei­se Zur­ru­he­set­zung bei Er­rei­chen der Al­ters­gren­ze stel­le ei­ne nach dem Eu­ro­pa­recht un­zulässi­ge Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung dar. Ins­be­son­de­re fehl­ten hin­rei­chend nach­voll­zieh­ba­re und recht­lich fest­ge­leg­te Kri­te­ri­en dafür, wann ein Al­ters­auf­bau der Ver­wal­tung als (un-)güns­tig ein­zu­stu­fen sei. Dies so­wie der Ver­weis auf die Einschätzungs­präro­ga­ti­ve des Ge­setz­ge­bers ver­hin­de­re ei­ne Über­prüfung von des­sen Mo­ti­ven und be­gründe die Ge­fahr ei­ner Aushöhlung des Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bots. Zu­dem sei nicht er­sicht­lich, war­um ei­ne güns­ti­ge Al­ters­schich­tung ein aus­nahms­lo­ses Her­aus­drängen der älte­ren Be­am­ten er­for­de­re. Die über­kom­me­ne Vor­stel­lung der ver­mu­te­ten Dienst­unfähig­keit nach Er­rei­chen der Al­ters­gren­ze be­ru­he auf der Recht­spre­chung des Reichs­ge­richts zu ei­ner Zeit, in der die durch­schnitt­li­che Le­bens­er­war­tung um 20 Jah­re nied­ri­ger ge­we­sen sei. Neue Er­kennt­nis­se der For­schung würden igno­riert. Da­nach las­se die Leis­tungs­fähig­keit nicht ab ei­nem be­stimm­ten Al­ter ty­pi­scher­wei­se nach. Viel­mehr sei der Al­te­rungs­pro­zess in­di­vi­du­ell ver­schie­den. Die Re­ge­lung sei darüber hin­aus we­der er­for­der­lich noch an­ge­mes­sen. Sie ste­he im Wi­der­spruch zu Ver­su­chen des Be­klag­ten, Be­am­te durch fi­nan­zi­el­le An­rei­ze zu ei­ner Verlänge­rung der Dienst­zeit zu be­we­gen. Auch sei nicht gewähr­leis­tet, dass für Aus­schei­den­de tatsächlich Jünge­re ein­ge­stellt würden. Sch­ließlich ha­be der Be­klag­te bei der Ab­leh­nung sei­nes An­trags ver­kannt, dass aus­weis­lich des geänder­ten Wort­lauts des § 55 Lan­des­be­am­ten­ge­setz – LBG – ein Hin­aus­schie­ben des Ru­he­stand­s­ein­tritts kein be­son­de­res dienst­li­ches In­ter­es­se mehr er­for­de­re. Der Fach­be­reich ha­be un­ver­ändert Schwie­rig­kei­ten, freie Stel­len adäquat zu be­set­zen. Dem hätte durch ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers Rech­nung ge­tra­gen wer­den können und müssen.

Der Kläger be­an­tragt,

un­ter Auf­he­bung des Be­schei­des des Be­klag­ten vom 3. De­zem­ber 2009 in Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 25. Ja­nu­ar 2010 fest­zu­s­tel­len, dass der Kläger über den 28. Fe­bru­ar 2010 hin­aus als Pro­fes­sor in ei­nem ak­ti­ven Be­am­ten­verhält­nis ver­blie­ben und nicht gemäß § 54 Abs. 1 LBG in den Ru­he­stand ge­tre­ten ist,

hilfs­wei­se,

fest­zu­stel­len, dass die mit Be­scheid des Be­klag­ten vom 3. De­zem­ber 2009 er­folg­te Ab­leh­nung des An­trags des Klägers auf Hin­aus­schie­ben sei­nes Ru­he­stan­des um ein wei­te­res Jahr rechts­wid­rig und dem An­trag des Klägers zu ent­spre­chen war.

Der Be­klag­te ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil und be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stands wird auf die zu den Ge­richts­ak­ten ge­reich­ten Schriftsätze der Be­tei­lig­ten, die bei­ge­zo­ge­nen Ver­wal­tungs­vorgänge (1 Heft) so­wie die Ge­richts­ak­te 6 L 108/10.NW ver­wei­sen, die Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung wa­ren.

 

Ent­schei­dungs­gründe

Die Be­ru­fung hat kei­nen Er­folg.

Der Kläger hat we­der ei­nen An­spruch auf die Fest­stel­lung sei­nes Ver­bleibs im ak­ti­ven Be­am­ten­verhält­nis (I.) noch dar­auf fest­zu­stel­len, dass die Ab­leh­nung des wei­te­ren Hin­aus­schie­bens sei­nes Ein­tritts in den Ru­he­stand rechts­wid­rig war (II.).

I. So­weit der Kläger die Fest­stel­lung be­gehrt, er sei über den 28. Fe­bru­ar 2010 hin­aus im ak­ti­ven Be­am­ten­verhält­nis ver­blie­ben, hat das Ver­wal­tungs­ge­richt die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen. Der Kläger ist mit Ab­lauf der im Be­scheid vom 12. Ja­nu­ar 2009 be­stimm­ten Frist für das Hin­aus­schie­ben des Ein­tritts in den Ru­he­stand aus dem ak­ti­ven Dienst aus­ge­schie­den (1.). Der da­nach al­lein an die Voll­endung ei­nes be­stimm­ten Le­bens­al­ters ge­knüpfte Ru­he­stands­be­ginn verstößt we­der ge­gen das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz – AGG – (2.) noch steht er im Wi­der­spruch zu eu­ro­pa­recht­li­chen Vor­ga­ben (3.).

1. Gemäß § 54 Abs. 1 LBG in Ver­bin­dung mit § 25 Be­am­ten­sta­tus­ge­setz
– Be­am­tStG – bil­det für Be­am­te das voll­ende­te 65. Le­bens­jahr die Al­ters­gren­ze; sie tre­ten mit dem En­de des Mo­nats, in dem sie die­se er­rei­chen, in den Ru­he­stand. Die­se nach § 190 LBG grundsätz­lich auch für Hoch­schul­leh­rer gel­ten­de Vor­schrift wird durch § 52 Abs. 3 Hoch­schul­ge­setz – Hoch­SchG – in­so­weit mo­di­fi­ziert, als Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren im Be­am­ten­verhält­nis auf Le­bens­zeit erst mit dem Ab­lauf des letz­ten Mo­nats des Se­mes­ters, in dem sie die Al­ters­gren­ze er­rei­chen, in den Ru­he­stand tre­ten. Der da­nach für den Kläger gel­ten­de Zeit­punkt der Ver­set­zung in den Ru­he­stand am 28. Fe­bru­ar 2009 – die Voll­en­dung des 65. Le­bens­jah­res und das Se­mes­ter­en­de fal­len vor­lie­gend zu­sam-men – wur­de mit Be­scheid des Be­klag­ten vom 12. Ja­nu­ar 2009 um ein Jahr hin­aus­ge­scho­ben, wes­halb der Kläger mit Ab­lauf des 28. Fe­bru­ar 2010 in den Ru­he­stand ge­tre­ten ist.

2. Der Re­ge­lung des § 54 Abs. 1 LBG steht § 7 Abs. 1 AGG nicht ent­ge­gen. Da­nach dürfen Beschäftig­te nicht we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des
– u. a. des Al­ters – be­nach­tei­ligt wer­den. Dies gilt gemäß § 24 Nr. 1 AGG un­ter Berück­sich­ti­gung ih­rer be­son­de­ren Rechts­stel­lung ent­spre­chend für die Be­am­tin­nen und Be­am­ten der Länder. Zwar be­inhal­tet § 54 Abs. 1 LBG ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters, weil die Be­trof­fe­nen al­lein auf­grund des Er­rei­chens der Al­ters­gren­ze vom ak­ti­ven Dienst aus­ge­schlos­sen wer­den. Sie ist je­doch durch § 10 AGG ge­recht­fer­tigt, dem zu­fol­ge ei­ne sol­che un­ter­schied­li­che Be­hand­lung er­fol­gen darf, wenn sie ob­jek­tiv an­ge­mes­sen so­wie durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt ist und wenn die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind. Gemäß § 10 Satz 3 Nr. 5 AGG ist ins­be­son­de­re ei­ne Ver­ein­ba­rung zulässig, wel­che die Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses oh­ne Kündi­gung zu ei­nem Zeit­punkt vor­sieht, zu dem der Beschäftig­te ei­ne Ren­te we­gen Al­ters be­an­tra­gen kann. In ent­spre­chen­der An­wen­dung auf das Be­am­ten­verhält­nis gemäß § 24 Nr. 1 AGG folgt hier­aus die Zulässig­keit ei­nes zwangs­wei­sen Aus­schei­dens aus dem ak­ti­ven Dienst mit Er­rei­chen der Al­ters­gren­ze, weil gemäß § 4 Abs. 2 Be­am­ten­ver­sor­gungs­ge­setz mit Be­ginn des Ru­he­stands der An­spruch des Be­am­ten auf Ru­he­ge­halt ent­steht.

3. Die Fest­le­gung ei­ner all­ge­mei­nen Al­ters­gren­ze wi­der­spricht darüber hin­aus nicht den Vor­ga­ben der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (ABl EG Nr. L 303 S. 16).

Zwar liegt gemäß Art. 2 Abs. 1, 2 in Ver­bin­dung mit Art. 1 RL 2000/78/EG grund­sätz­lich ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung vor, wenn – wie durch § 25 Be­am­tStG in Ver­bin­dung mit § 54 Abs. 1 LBG, § 52 Abs. 3 Hoch­SchG – ei­ne Per­son we­gen des Al­ters ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt als ei­ne an­de­re Per­son. Je­doch können die Mit­glied­staa­ten nach Art. 6 Abs. 1 RL 2000/78/EG vor­se­hen, dass Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len, wenn sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen, im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt und wenn die Mit­tel zur Er­rei­chen die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind vor­lie­gend erfüllt.

a) Der Ge­setz­ge­ber ver­folgt mit dem zwangs­wei­sen Aus­schei­den des Be­am­ten aus dem ak­ti­ven Dienst bei Er­rei­chen der Al­ters­gren­ze ein le­gi­ti­mes Ziel im Sin­ne des Art. 6 Abs. 1 RL 2000/78/EG.

aa)In­so­weit hat er die Fort­gel­tung der Al­ters­gren­ze in § 37 Lan­des­be­am­ten­ge­setz vom 20. Ok­to­ber 2010 (GVBl. S. 319), der in­halts­gleich mit § 54 Abs. 1 LBG ist und am 1. Ju­li 2012 in Kraft tritt, noch im un­mit­tel­ba­ren zeit­li­chen Zu­sam­men­hang mit dem hier um­strit­te­nen Zeit­punkt des Ru­he­stands­be­ginns be­kräftigt und da­mit be­gründet, sie die­ne dem Er­halt und der Förde­rung der Funk­ti­onsfähig­keit der öffent­li­chen Ver­wal­tung durch ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Al­ters­struk­tur, dem Schutz der Be­am­ten vor ei­ner übermäßi­gen Be­las­tung im Al­ter so­wie der Ent­las­tung des Ar­beits­mark­tes durch Schaf­fung zusätz­li­cher bzw. frühe­rer Ein­stel­lungs­möglich­kei­ten (vgl. LT-Drucks. 15/4465, S. 103).

Die­se Gründe für die Einführung und Auf­recht­er­hal­tung der all­ge­mei­nen Al­ters­gren­ze sind un­ge­ach­tet des Um­stands zu berück­sich­ti­gen, dass sie ih­ren Nie­der­schlag nicht im Wort­laut des § 25 Be­am­tStG in Ver­bin­dung mit § 54 Abs. 1 LBG, § 52 Abs. 3 Hoch­SchG ge­fun­den ha­ben. Art. 6 Abs. 1 RL 2000/78/EG setzt nicht vor­aus, dass die nach dem Al­ter dif­fe­ren­zie­ren­de Re­ge­lung ei­nen aus­drück­li­chen Hin­weis auf das mit ihr ver­folg­te Ziel enthält. Aus­rei­chend ist viel­mehr, wenn an­de­re – aus dem all­ge­mei­nen Kon­text der be­tref­fen­den Maßnah­me ab­ge­lei­te­te – An­halts­punk­te wie ins­be­son­de­re die Ge­setz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en die Fest­stel­lung des hin­ter die­ser Maßnah­me ste­hen­den Ziels ermögli­chen (vgl. EuGH, Ur­teil vom 16. Ok­to­ber 2007 – Rs. C-411/05 – [Pa­la­ci­os de la Vil­la], NJW 2007, 3339 [3340]; Ur­teil vom 5. März 2009 – Rs. C-388/07 – [Age Con­cern Eng­land], NZA 2009, 305 [308]). Der Ge­setz­ge­ber war da­her ent­ge­gen der An­sicht des Klägers ins­be­son­de­re nicht ver­pflich­tet, die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes aus­ge­gli­che­nen Al­ters­auf­baus im Ge­setz ab­sch­ließend fest­zu­le­gen.

bb)Die Schaf­fung ei­ner aus­ge­wo­ge­nen Al­ters­struk­tur und die Ent­las­tung des Ar­beits­mark­tes sind Zie­le, die ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters recht­fer­ti­gen. Es kann des­halb da­hin­ge­stellt blei­ben, ob auch der Ge­sichts­punkt des Schut­zes älte­rer Be­am­ter vor Über­las­tung den An­for­de­run­gen des Art. 6 Abs. 1 RL 2000/78/EG genügt.

(1) Bei der Ent­schei­dung, wel­ches kon­kre­te Ziel von meh­re­ren im Be­reich der Ar­beits- und So­zi­al­po­li­tik sie ver­fol­gen wol­len, ha­ben die Mit­glied­staa­ten ei­nen wei­ten Er­mes­sens­spiel­raum. Hier­bei sind sie nicht an die in Art. 6 Abs. 1 RL 2000/78/EG ge­nann­ten Zie­le ge­bun­den. Die­se ha­ben viel­mehr nur ei­nen Hin­weis­cha­rak­ter mit der Fol­ge, dass der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber auch an­de­re Zie­le ver­fol­gen kann, so­fern sie im Sin­ne der vor­ge­nann­ten Vor­schrift le­gi­tim und die Un­gleich­be­hand­lung zu ih­rer Er­rei­chung an­ge­mes­sen und er­for­der­lich ist. Maßgeb­lich ist in­so­weit al­lein, dass es sich um so­zi­al­po­li­ti­sche Zie­le wie sol­che aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt oder be­ruf­li­che Bil­dung han­delt (vgl. EuGH, Ur­teil vom 16. Ok­to­ber 2007 – Rs. C-411/05 – [Pa­la­ci­os de la Vil­la], NJW 2007, 3339 [3341]; Ur­teil vom 5. März 2009 – Rs. C-388/07 – [Age Con­cern Eng­land], NZA 2009, 305 [308]; Ur­teil vom 28. April 2010 – Rs. C-45/09 – [Ro­sen­bladt], ju­ris Rn. 40).

(2) Das Ziel, freie Stel­len für die Auf­nah­me Ar­beits­su­chen­der oder für den be­ruf­li­chen Auf­stieg jünge­rer Be­am­ter zu schaf­fen, un­terfällt den Be­rei­chen der Beschäfti­gungs­po­li­tik und des Ar­beits­mark­tes im Sin­ne des Art. 6 Abs.1 RL 2000/78/EG. Hier­bei kommt es nicht dar­auf an, dass je­de ein­zel­ne Stel­le tatsäch­lich mit jünge­ren Be­wer­bern be­setzt wird, so­lan­ge der Ge­setz­ge­ber – wie vor­lie­gend – ins­ge­samt be­ab­sich­tigt, den fort­lau­fen­den Ein- und Auf­stieg von Be­rufs­anfängern zu gewähr­leis­ten. An­dern­falls wäre es bei­spiels­wei­se unmöglich, Pen­sio­nie­run­gen zum An­lass für Stel­len­ein­spa­run­gen oder für ei­ne Um­struk­tu­rie­rung zu neh­men.

Aber auch bei der Si­cher­stel­lung ei­nes gleichmäßigen Al­ters­auf­baus in der Ver­wal­tung han­delt es sich um ein le­gi­ti­mes Ziel im Sin­ne des Art. 6 Abs. 1 RL 2000/78/EG. Hier­bei ist zu berück­sich­ti­gen, dass die au­to­ma­ti­sche Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses bei Er­rei­chen des Ein­tritts­al­ters der staat­li­chen Al­ters­ver­sor­gung in vie­len EU-Mit­glied­staa­ten üblich ist. Der­ar­ti­ge Re­ge­lun­gen be­ru­hen auf ei­nem Aus­gleich po­li­ti­scher, wirt­schaft­li­cher, so­zia­ler, de­mo­gra­fi­scher und haus­halts­be­zo­ge­ner Erwägun­gen durch den na­tio­na­len Ge­setz­ge­ber und sind Aus­druck ei­nes langjähri­gen ge­sell­schaft­li­chen Kon­sen­ses. Da­her recht­fer­tigt nicht nur die Ein­stel­lung jünge­rer Ar­beit­neh­mer, son­dern auch die Ermögli­chung ei­nes in der Al­ters­struk­tur aus­ge­wo­ge­nen Per­so­nal­auf­baus grundsätz­lich die mit der Einführung ei­ner Al­ters­gren­ze ein­her­ge­hen­de Un­gleich­be­hand­lung (vgl. EuGH, Ur­teil vom 28. April 2010 – Rs. C-45/09 – [Ro­sen­bladt], ju­ris Rn. 44 f., 66 ff.).

cc) Dem steht nicht ent­ge­gen, dass der Ge­setz­ge­ber in § 55 LBG ein Hin­aus­schie­ben des Ein­tritts in den Ru­he­stand ermöglicht und die­sen in § 6b Lan­des­be­sol­dungs­ge­setz – LBesG – mit fi­nan­zi­el­len An­rei­zen ver­se­hen hat. Hier­mit soll al­lein dem Um­stand Rech­nung ge­tra­gen wer­den, dass in Aus­nah­me­fällen ein dienst­li­ches In­ter­es­se an der vorüber­ge­hen­den Wei­ter­beschäfti­gung ei­nes Be­am­ten be­ste­hen kann. So­weit der Kläger auf Über­le­gun­gen in der Ver­gan­gen­heit ver­weist, die Al­ters­gren­ze hin­aus­zu­schie­ben, sind die­se nicht Ge­setz ge­wor­den und da­her un­be­acht­lich.

b) Die Einführung und Auf­recht­er­hal­tung ei­ner Al­ters­gren­ze ist zur Er­rei­chung der vor­ge­nann­ten Zie­le an­ge­mes­sen und er­for­der­lich.

Die Mit­glied­staa­ten verfügen bei der Ent­schei­dung, wel­che Maßnah­men sie zum Er­rei­chen ei­nes le­gi­ti­men Zie­les er­grei­fen, und ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Fest­le­gung ei­nes Zeit­punkts für den Ru­he­stand­s­ein­tritt der Beschäftig­ten über ei­nen wei­ten Er­mes­sens­spiel­raum. Zwar darf die­ser nicht zu ei­ner Aushöhlung des Ver­bots der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung führen. Die ge­richt­li­che Über­prüfung be­schränkt sich je­doch dar­auf, ob die Maßnah­men kohärent bzw. die ver­folg­ten Zie­le nicht wi­dersprüchlich sind und da­mit als nicht un­vernünf­tig er­schei­nen (vgl. EuGH, Ur­teil vom 16. Ok­to­ber 2007 – Rs. C-411/05 – [Pa­la­ci­os de la Vil­la], NJW 2007, 3339 [3341]; Ur­teil vom 5. März 2009 – Rs. C-388/07 – [Age Con­cern Eng­land], NZA 2009, 305 [308]; Ur­teil vom 18. Ju­ni 2009 – Rs. C-88/08 – [Hütter], NVwZ 2009, 1089 [1091]).

Da­nach be­geg­net die zwangs­wei­se Be­en­di­gung des ak­ti­ven Dienst­verhält­nis­ses mit Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res – auch im Hoch­schul­be­reich – kei­nen recht­li­chen Be­den­ken. Sie ist Er­geb­nis ei­nes Aus­gleichs di­ver­gie­ren­der rechtmäßiger In­ter­es­sen, der sich in ei­nen viel­schich­ti­gen Zu­sam­men­hang von Be­zie­hun­gen des Ar­beits­le­bens einfügt und eng mit po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen im Be­reich Ru­he­stand und Beschäfti­gung ver­knüpft ist. Sie bie­tet den Be­am­ten ei­nen lang­fris­tig vor­her­seh­ba­ren Ein­tritt in den Ru­he­stand und ermöglicht gleich­zei­tig dem Dienst­herrn ei­ne ge­wis­se Fle­xi­bi­lität in sei­ner Per­so­nal­pla­nung (vgl. EuGH, Ur­teil vom 28. April 2010 – Rs. C-45/09 – [Ro­sen­bladt], ju­ris Rn. 68 f.).

Auf­grund der not­wen­di­gen Be­fug­nis des Ge­setz­ge­bers zur Ge­ne­ra­li­sie­rung ist er hier­bei nicht ge­hal­ten, Al­ters­gren­zen in­di­vi­du­ell für ein­zel­ne Be­am­ten­grup­pen ein­zufüh­ren oder aus­zu­ge­stal­ten. Viel­mehr kann er statt des­sen Son­derfällen durch ei­ne aus­nahms­wei­se Verlänge­rung der ak­ti­ven Dienst­zeit – wie in § 55 Abs. 1 LBG vor­ge­se­hen – Rech­nung tra­gen. Auch muss er nicht erst ei­ne schwie­ri­ge Ar­beits­markt­si­tua­ti­on ab­war­ten, son­dern kann be­reits de­ren Ent­ste­hung ent­ge­gen­wir­ken. Et­wai­ge Schwie­rig­kei­ten bei der Neu­be­set­zung von Stel­len an der Fach­hoch­schu­le Kai­sers­lau­tern oder in dem vom Kläger wahr­ge­nom­me­nen Fach­ge­biet be­gründen des­halb auch nicht für die­sen Be­reich die Un­verhält­nismäßig­keit der Auf­recht­er­hal­tung der Al­ters­gren­ze. In­so­weit kommt hin­zu, dass die Ent­sch­ei­dung, ein Pro­fes­so­ren­amt an­zu­stre­ben, auf­grund der Dau­er der Qua­li­fi­ka­ti­on hierfür nur lang­fris­tig ge­trof­fen wer­den kann. Die an­ge­sichts be­grenz­ter Stel­len­zah­len oh­ne­hin große Un­ge­wiss­heit darüber, ob die lan­gen Zei­ten für den Er­werb des Eig­nungs­nach­wei­ses zur Ver­lei­hung ei­ner Pro­fes­sur führen, würde durch ei­nen un­be­grenzt mögli­chen Ver­bleib der Stel­len­in­ha­ber im Amt zusätz­lich erhöht. Es bestünde die Ge­fahr, dass sich noch we­ni­ger – grundsätz­lich ge­eig­ne­te – Kan­di­da­ten für ei­ne Hoch­schul­lauf­bahn und die da­mit zunächst ver­bun­de­nen Ent­beh­run­gen und Un­si­cher­hei­ten ent­schei­den. Ge­ra­de in „Man­gelfächern“ hätte dies gra­vie­ren­de Fol­gen für die Qua­lität von For­schung und Leh­re. Zu­gleich ermöglicht die Be­gren­zung der ak­ti­ven Dienst­zeit ei­nen gleich­mäßige­ren Al­ters­auf­bau und da­mit ei­ne kon­ti­nu­ier­li­che Wis­sens­wei­ter­ga­be so­wie ein re­gelmäßiges Ein­brin­gen neu­er Ide­en. Auch in­so­weit er­scheint es des­halb nicht un­vernünf­tig, mit der Ein­führung ei­ner Re­gel­al­ters­gren­ze ei­ner Übe­r­al­te­rung ent­ge­gen­zu­wir­ken, in­no­va­ti­ves Han­deln zu fördern und die Zu­kunfts­chan­cen Jünge­rer zu berück­sich­ti­gen (vgl. hier­zu VGH RP, Be­schluss vom 2. No­vem­ber 2006 – VGH B 27/06 und VGH A 28/06 –, AS 34, 38 [45]; zum im Hoch­schul­be­reich be­ste­hen­den Bedürf­nis nach In­no­va­ti­on OVG RP, Be­schluss vom 23. No­vem­ber 2006 – 2 B 11281/06.OVG –, AS 34, 70 [72]; s. a. EuGH, Ur­teil vom 18. No­vem­ber 2010 – Rs. C-250/09 – [Ge­or­giev], NJW 2011, 42 [45]).

Die hier­von Be­trof­fe­nen wie­der­um wer­den durch die zwangs­wei­se Ver­set­zung in den Ru­he­stand nicht übermäßig be­ein­träch­tigt, weil § 54 Abs. 1 LBG nicht nur auf ein be­stimm­tes Al­ter ab­stellt, son­dern glei­cher­maßen den Um­stand berück­sich­tigt, dass die Be­am­ten ab die­sem Zeit­punkt An­spruch auf Ver­sor­gungs­bezüge in Höhe von bis zu 71,75 v.H. ih­rer ru­he­ge­haltfähi­gen Dienst­bezüge ha­ben; zu­dem wer­den die Be­trof­fe­nen durch das au­to­ma­ti­sche Aus­schei­den nicht ge­hin­dert, sich ei­ne neue Beschäfti­gung zu su­chen (vgl. EuGH, Ur­teil vom 16. Ok­to­ber 2007 – Rs.
C-411/05 – [Pa­la­ci­os de la Vil­la], NJW 2007, 3339 [3341]; Ur­teil vom 28. April 2010 – Rs. C-45/09 – [Ro­sen­bladt], ju­ris Rn. 75; Ur­teil vom 18. No­vem­ber 2010
– Rs. C-250/09 – [Ge­or­giev], NJW 2011, 42 [45]).

II. Die Be­ru­fung bleibt auch in­so­weit oh­ne Er­folg, als der Kläger hilfs­wei­se die Fest­stel­lung be­gehrt, die Ab­leh­nung sei­nes An­trags auf ein wei­te­res Hin­aus­schie­ben des Ru­he­stan­des sei rechts­wid­rig ge­we­sen. Der Kläger hat­te kei­nen An­spruch auf ei­ne er­neu­te Verlänge­rung sei­ner ak­ti­ven Dienst­zeit. Der Ab­leh­nungs­be­scheid vom 3. De­zem­ber 2009 und der Wi­der­spruchs­be­scheid vom 25. Ja­nu­ar 2010 wa­ren des­halb rechtmäßig und ver­letz­ten den Kläger nicht in ei­ge­nen Rech­ten (vgl. § 113 Abs. 5 Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung – Vw­GO –).

Gemäß § 55 Abs. 1 LBG kann die obers­te Dienst­behörde auf An­trag des Be­am­ten bis zur Voll­endung des­sen 68. Le­bens­jah­res den Ein­tritt in den Ru­he­stand um ei­ne be­stimm­te Frist, die je­weils ein Jahr nicht über­stei­gen darf, hin­aus­schie­ben, wenn dies im dienst­li­chen In­ter­es­se liegt. Ob das der Fall ist, un­ter­liegt zwar grundsätz­lich der vol­len ge­richt­li­chen Über­prüfung. Die Ent­schei­dung des Dienst­herrn über ei­nen der­ar­ti­gen Verlänge­rungs­an­trag wird je­doch maßge­bend durch ver­wal­tungs­po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen (vor-)ge­prägt, die ih­rer­seits ge­richt­lich nur ein­ge­schränkt über­prüfbar sind. Es ist in ers­ter Li­nie Sa­che des Dienst­herrn, in Ausübung der ihm zu­ge­wie­se­nen Per­so­nal- und Or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­walt zur Um­set­zung ge­setz­li­cher und po­li­ti­scher Zie­le die Auf­ga­ben der Ver­wal­tung fest­zu­le­gen, ih­re Prio­ritäten zu be­stim­men, sie auf die ein­zel­nen Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten zu ver­tei­len und ih­re Erfüllung durch den bestmögli­chen Ein­satz von Per­so­nal so­wie der zur Verfügung ste­hen­den Sach­mit­tel si­cher­zu­stel­len. An­ge­sichts der ihm in­so­weit zu­kom­men­den Einschätzungs­präro­ga­ti­ve und Ge­stal­tungs­frei­heit ist die ge­richt­li­che Kon­trol­le die­ser Ent­schei­dun­gen auf die Prüfung be­schränkt, ob die ge­setz­li­chen Gren­zen des Or­ga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sens über­schrit­ten sind oder von die­sem in un­sach­li­cher Wei­se Ge­brauch ge­macht wor­den ist (vgl. OVG RP, Be­schluss vom 30. Ju­li 2010 – 2 B 10878/10.OVG –, n.v.).

Dies zu­grun­de ge­legt, be­geg­net die Ab­leh­nung des An­trags des Klägers kei­nen recht­li­chen Be­den­ken. Der Be­klag­te hat ein dienst­li­ches In­ter­es­se mit dem Hin­weis auf aus­rei­chen­de Ka­pa­zitäten im Fach­be­reich so­wie ei­ne be­ab­sich­tig­te Um­struk­tu­rie­rung ver­neint. Die hier­ge­gen ge­rich­te­ten Einwände des Klägers lau­fen letzt­lich dar­auf hin­aus, ei­ner­seits sei­en sei­ne Nach­fol­ger nicht in der La­ge, die Vor­le­sun­gen eben­so gut zu ge­stal­ten wie er, und an­de­rer­seits sei es der Hoch­schu­le nicht möglich, freie Stel­len neu zu be­set­zen. Hier­aus folgt je­doch kei­ne Er­mes­sens­feh­ler­haf­tig­keit der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung. Der Um­stand, dass Nach­fol­ger des Klägers die zu über­neh­men­den Vor­le­sun­gen erst aus­ar­bei­ten müssen, ist mit je­dem Aus­schei­den aus dem Dienst und der da­mit ein­her­ge­hen­den Not­wen­dig­keit ei­ner Auf­ga­benüber­tra­gung ver­bun­den. Dies kann ein dienst­li­ches In­ter­es­se an ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung eben­so we­nig be­gründen wie sei­ne sub­jek­ti­ve Be­wer­tung der Qua­lität sei­ner und der Vor­le­sun­gen an­de­rer Kol­le­gen. Da­von, dass sich die Hoff­nung, mit dem Neu­zu­schnitt von Pro­fes­su­ren die At­trak­ti­vität der Stel­len stei­gern zu können, tatsächlich rea­li­siert, hängt das Vor­lie­gen ei­nes dienst­li­chen In­ter­es­ses gleich­falls nicht ab. Viel­mehr un­terfällt die­se Einschätzung – und da­mit auch die Möglich­keit, dass sie sich nicht be­wahr­hei­tet – dem Kern­be­reich des Or­ga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sens des Dienst­herrn.

Des Wei­te­ren be­inhal­tet auch die Stel­lung­nah­me des De­kans des Fach­be­reichs vom 21. Ok­to­ber 2009 kei­ne An­halts­punk­te für ei­ne Über­schrei­tung des Or­ga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sens. Die­sen Einwänden ist der Be­klag­te viel­mehr un­ter Ein­be­zie­hung der Ausführun­gen des Präsi­den­ten der Fach­hoch­schu­le hier­zu mit der Be­grün­dung ent­ge­gen ge­tre­ten, der Fach­be­reich ha­be we­der Lehr­ver­an­stal­tun­gen noch For­schungs­vor­ha­ben be­nannt, de­ren Durchführung oh­ne den Kläger nicht möglich wäre.

Sch­ließlich ver­mag auch der geänder­te Wort­laut des § 55 Abs. 1 LBG in der ab dem 1. Au­gust 2007 gel­ten­den Fas­sung nicht, ei­nen Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch des Klägers zu be­gründen. Mit der Er­set­zung der „drin­gen­den dienst­li­chen Be­lan­ge“ durch das „dienst­li­che In­ter­es­se“ woll­te der Ge­setz­ge­ber nicht die An­for­de­run­gen an ein Hin­aus­schie­ben des Ru­he­stands sen­ken. Viel­mehr er­ach­te­te er die bis­he­ri­ge For­mu­lie­rung nur man­gels prak­ti­scher Be­deu­tung für nicht er­for­der­lich (vgl. LT-Drucks. 15/608, S. 11). Des­sen un­ge­ach­tet sind – wie vor­ste­hend aus­geführt – im Fall des Klägers auch die Vor­aus­set­zun­gen der Neu­fas­sung des § 55 Abs. 1 LBG nicht erfüllt.

III. Die Be­ru­fung ist da­her mit der Kos­ten­fol­ge des § 154 Abs. 2 Vw­GO ab­zu­wei­sen. Der Aus­spruch zur vorläufi­gen Voll­streck­bar­keit we­gen der Kos­ten be­ruht auf § 167 Abs. 2 Vw­GO in Ver­bin­dung mit §§ 708 ff. Zi­vil­pro­zess­ord­nung.

Die Re­vi­si­on ist nicht zu­zu­las­sen. Zu­las­sungs­gründe im Sin­ne der §§ 127 Be­am­ten­rechts­rah­men­ge­setz, 132 Abs. 2 Vw­GO lie­gen nicht vor.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung


 


 

 

gez. Prof. Dr. Mey­er
 

gez. Bo­ni­kow­ski
 

gez. St­einkühler

 

 

 

 

 

B e s c h l u s s

Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des wird zu­gleich auch für das erst­in­stanz­li­che Ver­fah­ren auf 35.646,65 € fest­ge­setzt (§ 52 Abs. 5 Satz 2, §§ 40, 47 Abs. 1 und 2, § 63 Abs. 3 Ge­richts­kos­ten­ge­setz – GKG –). Er ent­spricht der Hälf­te des drei­zehn­fa­chen Be­tra­ges des End­grund­ge­hal­tes der Be­sol­dungs­grup­pe C 3 (5.484,10 € im gemäß § 40 GKG maßgeb­li­chen Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung). Hier­bei er­ach­tet der Se­nat die Um­stel­lung des An­trags in ei­nen Haupt- und ei­nen Hilfs­an­trag nicht als Kla­ge­er­wei­te­rung, son­dern als Wei­ter­ver­fol­gung des ursprüng­li­chen Be­geh­rens, des­sen Auf­spal­tung in zwei Anträge al­lein aus ver­wal­tungs­pro­zes­sua­len Gründen er­for­der­lich war.

 


 


 

 

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