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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Kündigung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm
Akten­zeichen: 4 Sa 2230/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 20.04.2011
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bochum, Urteil vom 8.07.2010, 4 Ca 734/10
   

4 Sa 2230/10

4 Ca 734/10 ArbG Bo­chum

 

Verkündet am 20.04.2011

Dersch­ka Re­gie­rungs­beschäftig­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäft­stsel­le

 

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In Sa­chen

hat die 4. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 20.04.2011
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Deven­ter
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Lu­ther und Hüls­mann

für Recht er­kannt:

Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bo­chum vom 08. Ju­li 2010 – 4 Ca 734/10 – ab­geändert.

Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

Der Kläger trägt die Kos­ten des Rechts­streits.

Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

 

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Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner außer­or­dent­li­chen, hilfs­wei­se or­dent­li­chen ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Kündi­gung.

Der am 14.03.1982 ge­bo­re­ne und le­di­ge Kläger war seit dem 25.06.2004 bei der Be­klag­ten sechs St­un­den wöchent­lich bei ei­ner pau­scha­len Mo­nats­vergütung i.H.v. 400,00 € als Te­le­fo­na­gent beschäftigt. Die Be­klag­te be­treibt ein Call-Cen­ter. Auf­ga­be des Klägers war es, te­le­fo­ni­sche Wa­ren­be­stel­lun­gen ent­ge­gen­zu­neh­men. Der Ver­lauf ei­nes der­ar­ti­gen Te­le­fon­gesprächs ist bei der Be­klag­ten durch ein sog. Stan­dardskript in we­sent­li­chen Tei­len vor­ge­ge­ben. Die Ver­ab­schie­dungs­for­mel soll da­nach lau­ten „Ich dan­ke Ih­nen für Ih­re Be­stel­lung bei Q1! Auf Wie­derhören." oder „Ich dan­ke für Ih­re Be­stel­lung bei Q1 und wünsche Ih­nen noch ei­nen schönen Tag/Abend! Auf Wie­derhören."

Die Be­klag­te über­wacht Ver­kauf­ste­le­fo­na­te ge­le­gent­lich durch sog. Su­per­vi­so­ren. Auf die­se Wei­se er­lang­te sie Kennt­nis da­von, dass der Kläger am 19.01.2010 drei Te­le­fo­na­te mit Kun­den mit den Wor­ten be­en­de­te: „Je­sus hat Sie lieb! Vie­len Dank für Ih­ren Ein­kauf bei Q1 und ei­nen schönen Tag!" Am 21.01.2010 ver­ab­schie­de­te der Kläger er­neut zwei Kun­den mit die­sen Wor­ten. Dies nah­men die Su­per­vi­so­ren F1 und A2 zum An­lass, den Kläger dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die von ihm gewähl­te Ver­ab­schie­dung nicht den Vor­ga­ben des Stan­dardskripts ent­spre­che. Der Kläger er­wi­der­te, er müsse zwei Ver­pflich­tun­gen nach­kom­men, nämlich de­nen ge­genüber der Be­klag­ten und de­nen ge­genüber Gott. Durch die von ihm gewähl­te Ver­ab­schie­dungs­for­mel könne er bei­den Ver­pflich­tun­gen ge­recht wer­den. Als ihm der Su­per­vi­sor A2 dar­auf­hin ei­ne der­ar­ti­ge Ver­ab­schie­dung un­ter­sag­te und an­de­ren­falls die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses an­droh­te, erklärte der Kläger, auf­grund sei­ner tie­fen re­li­giösen Über­zeu­gung könne er die­ser Wei­sung nicht fol­gen. Er sei be­reit, dafür al­le Kon­se­quen­zen zu tra­gen. Am 22.01.2010 führ­ten Mit­ar­bei­ter der Per­so­nal­ver­wal­tung der Be­klag­ten mit dem Kläger ein wei­te­res Gespräch, in dem die­ser auf sei­ner Hal­tung be­harr­te und er­neut erklärte, er würde dafür auch die

 

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Kon­se­quen­zen tra­gen. Er wol­le über­le­gen, ob er von sich aus das Ar­beits­verhält­nis kündi­ge. Der Kläger wur­de dar­auf­hin von sei­ner Ver­pflich­tung zur Ar­beits­leis­tung vorläufig frei­ge­stellt und dar­um ge­be­ten, der Be­klag­ten sei­ne Ent­schei­dung bis zum 25.01.2010 mit­zu­tei­len. Am 28.01.2010 fand ein letz­tes Gespräch zwi­schen dem Kläger und Ver­tre­tern der Be­klag­ten statt, in dem ihm noch ein­mal dar­ge­legt wur­de, dass aus de­ren Sicht ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung nicht möglich sei, so­fern er die Ver­ab­schie­dung mit den Wor­ten „Je­sus Chris­tus liebt Dich" künf­tig nicht un­ter­las­se. Der Kläger ent­geg­ne­te, er wer­de sein Ver­hal­ten nicht ändern, wol­le aber am Ar­beits­verhält­nis fest­hal­ten, um den Glau­ben Got­tes ver­brei­ten zu können.

Dar­auf­hin hörte die Be­klag­te den bei ihr ge­bil­de­ten Be­triebs­rat am 29.01.2010 zu ei­ner be­ab­sich­tig­ten außer­or­dent­li­chen, hilfs­wei­se or­dent­li­chen Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem Kläger an. We­gen der Ein­zel­hei­ten der schrift­li­chen Be­triebs­rats­anhörung wird auf den Anhörungs­bo­gen vom 29.01.2010, den die Be­klag­te in der Be­ru­fungs­in­stanz über­reicht hat, auf Ak­ten­blatt 96 ver­wie­sen, hin­sicht­lich der An­la­ge da­zu auf Ak­ten­blatt 33-39. Der Be­triebs­rat wi­der­sprach der be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung. Die Be­klag­te hat gleich­wohl das Ar­beits­verhält­nis mit dem Kläger durch Schrei­ben vom 03.02.2010 frist­los, hilfs­wei­se zum 30.04.2010 gekündigt.

Im An­schluss an die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren mach­te der Kläger in ei­nem ge­son­der­ten Rechts­streit, der beim Ar­beits­ge­richt Bo­chum un­ter dem Ak­ten­zei­chen 1 Ca 3221/10 geführt wird, ei­nen Beschäfti­gungs­an­spruch gel­tend. Im Rah­men die­ses Ver­fah­rens erklärte der Kläger durch Schrift­satz sei­ner Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 17.03.2011, er sei be­reit, bis zu ei­ner Ent­schei­dung des Kündi­gungs­schutz­rechts­streits durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt auf den christ­li­chen Zu­satz in Te­le­fo­na­ten zu ver­zich­ten. We­ni­ge Ta­ge vor der münd­li­chen Ver­hand­lung im vor­lie­gen­den Be­ru­fungs­ver­fah­ren rief der Kläger persönlich bei der Geschäfts­stel­le des Lan­des­ar­beits­ge­richts an, um sich zu er­kun­di­gen, ob ihm für die Teil­nah­me an der münd­li­chen Ver­hand­lung Rei­se­kos­ten gewährt wer­den könn­ten. Er be­en­de­te die­ses Te­le­fo­nat oh­ne re­li­giösen Zu­satz.

 

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Der Kläger hat vor­ge­tra­gen, wie der Be­klag­ten seit lan­gem be­kannt sei, sei er tief re­li­giös. Mit der von ihm gewähl­ten Ver­ab­schie­dungs­for­mel ha­be er sich bemüht, so­wohl sei­nen Ver­pflich­tun­gen ge­genüber Gott als auch ge­genüber der Be­klag­ten als Ar­beit­ge­be­rin ge­recht zu wer­den. Es ge­he ihm al­lein um den Hin­weis an die Kun­den, dass Chris­tus je­den Men­schen lie­be. Dies sei ei­ne Aus­sa­ge, die je­der­mann zur Kennt­nis neh­men, darüber nach­den­ken oder igno­rie­ren könne. Zwar sei der Be­klag­ten dar­in zu fol­gen, dass die­se ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an ha­be, dass Kun­den durch sei­ne Äußerun­gen kei­nen An­s­toß nähmen und er kei­nen An­lass zu Be­schwer­den ge­be. Dies je­doch sei auch nicht der Fall ge­we­sen. Nicht in ei­nem ein­zi­gen Fall sei es zu ei­ner ne­ga­ti­ven Re­ak­ti­on ge­kom­men oder gar so­weit, dass ein Kun­de vom Kauf Ab­stand ge­nom­men ha­be.

Die Be­klag­te hat dem­ge­genüber vor­ge­tra­gen, die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung sei ge­recht­fer­tigt. Die An­wei­sung, die Ver­ab­schie­dung von Kun­den nicht mit der Erwähnung der Lie­be Je­su Chris­ti zu be­den­ken, sei von ih­rem Di­rek­ti­ons­recht ge­deckt ge­we­sen. Durch sei­ne strik­te und un­umstößli­che Wei­ge­rung, ei­ne sol­che Ver­ab­schie­dung zu un­ter­las­sen, ha­be der Kläger in er­heb­li­chem Um­fang ge­gen sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten ver­s­toßen. Zwar sei ihm zu­zu­ge­ste­hen, dass sein Ver­hal­ten auch während der Ar­beit von sei­ner Glau­bensüber­zeu­gung be­stimmt wer­de. Die Schran­ke die­ser Frei­heit fin­de sich aber in ih­ren ei­ge­nen Grund­rechts­po­si­tio­nen, na­ment­lich in der Be­rufs­ausübungs­frei­heit gemäß Art. 12 Abs. 1 Satz 2 GG. Sie ha­be ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an, dass Kun­den an Äußerun­gen von Call-Agen­ten kei­nen An­s­toß nähmen und aus die­sem Grund Te­le­fon­gespräche oh­ne po­li­ti­sche oder re­li­giöse Mei­nungsäußerun­gen der Te­le­fo­na­gen­ten er­folg­ten. Es sei na­he­lie­gend, dass Äußerun­gen, die nicht im Zu­sam­men­hang mit dem Kauf­geschäft stünden, son­dern mit de­nen streit­ba­re sub­jek­ti­ve An­sich­ten ver­mit­telt würden, zu ei­ner Verärge­rung von Kun­den führen könn­ten. Dem Kläger sei es zu­zu­mu­ten, auf die­se In­ter­es­sen Rück­sicht zu neh­men, weil sonst An­lass zur Be­sorg­nis bestünde, dass ein An­ru­fer von ei­nem Kauf Ab­stand neh­men könne oder als Kun­de gänz­lich ver­lo­ren ge­he. Auf­grund der dau­er­haf­ten endgülti­gen Wei­ge­rung des Klägers, ei­ner rechtmäßigen Wei­sung im Rah­men ih­res Di­rek­ti­ons­rechts Fol­ge zu leis­ten, fal­le auch die ge­bo­te­ne In­ter­es­sen­abwägung zu des­sen Las­ten aus.

 

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Das Ar­beits­ge­richt Bo­chum hat durch Ur­teil vom 08.07.2010 wie folgt ent­schie­den:

„1. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung vom 03.02.2010 nicht be­en­det wur­de.

2. Die Be­klag­te trägt die Kos­ten des Rechts­streits.

3. Der Streit­wert wird auf 1.200,00 € fest­ge­setzt."

Zur Be­gründung nimmt das Ar­beits­ge­richt Bo­chum an, der Wirk­sam­keit der Kündi­gung vom 03.02.2010 ste­he be­reits ent­ge­gen, dass die­ser ei­ne ord­nungs­gemäße Be­triebs­rats­anhörung nicht vor­an­ge­gan­gen sei. Die Be­klag­te ha­be zwar vor­ge­tra­gen, dass sie den Be­triebs­rat am 29.01.2010 an­gehört ha­be und ha­be da­zu Tei­le der schrift­li­chen Be­triebs­rats­anhörung, nämlich die An­la­ge zum Anhörungs­schrei­ben, vor­ge­legt. Das Anhörungs­schrei­ben selbst ha­be sie trotz aus­drück­li­chem ge­richt­li­chen Hin­weis nicht vor­ge­legt. Nach­dem die Be­triebs­rats­anhörung Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung für ei­ne Kündi­gung sei, tref­fe die dies­bezügli­che Dar­le­gungs- und Be­weis­last grundsätz­lich den Ar­beit­ge­ber. Dem vor­ge­leg­ten Anhörungs­schrei­ben sei­en zwar die von der Be­klag­ten an­ge­nom­me­nen Kündi­gungs­gründe zu ent­neh­men ge­we­sen. An­ga­ben zu den So­zi­al­da­ten des Klägers fehl­ten je­doch gänz­lich, ob­wohl dies zu je­der ord­nungs­gemäßen Be­triebs­rats­anhörung gehöre. Be­reits dies führe zur Rechts­un­wirk­sam­keit der streit­be­fan­ge­nen Kündi­gung. Die­se sei außer­dem aus ma­te­ri­el­len Gründen un­wirk­sam. Die vom Kläger bei der Ver­ab­schie­dung von Kun­den ver­wen­de­te von sei­nem christ­li­chen Glau­ben ge­prägte Ver­ab­schie­dungs­for­mel sei von der Be­klag­ten hin­zu­neh­men. Der Kläger schul­de ihr kei­nen be­din­gungs­lo­sen Ge­hor­sam. Viel­mehr führe die Berück­sich­ti­gung sei­ner durch Art. 4 Abs. 1 u. 2 GG geschütz­ten Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit da­zu, dass die im Di­rek­ti­ons­recht ih­ren Aus­druck fin­den­de Un­ter­neh­mer­frei­heit der Be­klag­ten zurück­ste­hen müsse. Rea­le Gefähr­dun­gen ih­res Er­werbs­in­ter­es­ses ha­be die Be­klag­te nicht dar­zu­stel­len ver­mocht. Ei­ne Be­ein­träch­ti­gung der zeit­lich zu­vor lie­gen­den Geschäfts­vorfälle sei durch die erst im Nach­hin­ein er­fol­gen­de Ab­schieds­grußfor­mel nicht zu befürch­ten. Die bloße Befürch­tung, es könne auf­grund des christ­lich ge­prägten Grußes zu Kon­flik­ten zwi­schen An­ru­fern und an­de­ren Te­le­fo­nis­ten kom­men, sei kei­ne aus­rei­chen­de Grund­la­ge, um die re­li­giösen Grund­rech­te des Klägers zu ver­drängen. Was für das

 

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is­la­mi­sche Kopf­tuch gel­te, ha­be erst Recht für den christ­lich ge­prägten Ab­schieds­gruß zu gel­ten. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils wird auf Ak­ten­blatt 48-54 Be­zug ge­nom­men.

Ge­gen das der Be­klag­ten am 07.12.2010 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die­se mit am 15.12.2010 ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit am 04.01.2011 ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz be­gründet.

Die Be­klag­te trägt vor, der Kläger ha­be die Be­triebs­rats­anhörung gar nicht zum In­halt sei­nes Vor­trags ge­macht, ins­be­son­de­re nicht die ord­nungs­gemäße Anhörung des Be­triebs­rats be­strit­ten. Gleich­wohl ha­be sie die An­la­ge vor­ge­legt, mit der sie ih­ren Be­triebs­rat über die Kündi­gungs­gründe un­ter­rich­tet ha­be. Dar­aus sei je­den­falls der Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses er­sicht­lich. Das Al­ter des Klägers und sei­nen Per­so­nen­stand ha­be sie nicht zur Be­gründung der Kündi­gung her­an­ge­zo­gen. Der Ar­beit­ge­ber müsse dem Be­triebs­rat die So­zi­al­da­ten des Ar­beit­neh­mers dann nicht mit­tei­len, wenn die­se für sei­nen Kündi­gungs­ent­schluss oh­ne Be­deu­tung sei­en. Des­sen un­ge­ach­tet ha­be sie dem Be­triebs­rat am 29.01.2010 auch ein ent­spre­chen­des Deck­blatt mit den So­zi­al­da­ten des Klägers über­reicht. Rechts­feh­ler­haft sei die An­sicht des Ar­beits­ge­richts, sie ha­be die vom Kläger bei der Ver­ab­schie­dung von Kun­den ver­wen­de­te Ver­ab­schie­dungs­for­mel hin­zu­neh­men, da ei­ne rea­le Gefähr­dung nicht zu er­ken­nen sei und zu­dem die Ver­ab­schie­dung zeit­lich dem Geschäfts­ab­schluss nach­fol­ge. Ob ei­ne rea­le Gefähr­dung vor­lie­ge, sei ir­re­le­vant. Sie könne nicht al­le Gespräche des Klägers über­wa­chen, wes­halb ihr ein Nach­weis über kon­kre­te Be­schwer­den nicht möglich sei. Ein Kun­de könne un­be­merkt nach ei­nem für ihn störend emp­fun­de­nen An­lass vom Wa­ren­kauf Ab­stand neh­men, et­wa in­dem er zu­ge­sand­te Wa­ren oh­ne An­ga­be von Gründen zurück­sen­de. Es sei of­fen­sicht­lich, dass welt­an­schau­li­che oder re­li­giöse Äußerun­gen im Rah­men ei­nes Kauf­geschäftes der­art un­gewöhn­lich sei­en, dass die­se sich störend auf die vor­ver­trag­li­che und ver­trag­li­che Kun­den­be­zie­hung aus­wirk­ten. Sie ha­be ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an, dass Kauf­gespräche sach­lich ver­lie­fen. Die­ses In­ter­es­se ge­he dem In­ter­es­se des Klägers an der Ver­brei­tung sei­ner re­li­giösen An­sich­ten vor. Die­ser sei nicht be­rech­tigt ge­we­sen, sich ih­ren Ar­beits­an­wei­sun­gen be­harr­lich zu wi­der­set­zen. Die Zu­wei­sung des In­halts der Ar­beits­leis­tung sei durch ihr Di­rek­ti­ons­recht ge­deckt ge­we­sen. Sie ha­be da­mit das le­gi­ti­me Ziel ver­folgt,

 

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Kon­flik­te mit Kun­den und Dis­kus­sio­nen zu ver­mei­den. Auch ha­be sie zu be­sor­gen, dass die bei ihr beschäftig­ten Te­le­fo­na­gen­ten die Gesprächsführung nicht gemäß ih­rer je­wei­li­gen re­li­giösen und welt­an­schau­li­chen An­sich­ten ge­stal­te­ten. Im­mer­hin sei­en bei ihr ca. 900 Ar­beit­neh­mer un­ter­schied­li­cher Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit und Welt­an­schau­ung beschäftigt. Die Kauf­abwick­lung sei nicht das ge­eig­ne­te Fo­rum, um welt­an­schau­li­che oder re­li­giöse An­sich­ten zu ver­brei­ten oder die­se zu dis­ku­tie­ren. Die Grund­rechts­be­ein­träch­ti­gung des Klägers wei­se ei­ne nicht er­heb­li­che In­ten­sität auf, da die­ser in Teil­zeit le­dig­lich sechs St­un­den wöchent­lich beschäftigt wor­den sei und des­halb nur ei­ne ge­rin­ge zeit­li­che Ein­schränkung der von ihm in An­spruch ge­nom­me­nen Re­li­gi­ons­ausübung er­fah­re. Da er sich be­harr­lich wei­ge­re, sich wie vor­ge­ge­ben neu­tral von Kun­den zu ver­ab­schie­den und er zu­dem das Ar­beits­verhält­nis als Me­di­um zur Ver­brei­tung sei­nes Glau­bens nut­zen wol­le, sei ihr ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung nicht zu­mut­bar.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

1. das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bo­chum vom 08.07.2010, AZ: 4 Ca 734/10, zu ändern und

2. die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der Kläger be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Er ver­tei­digt die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung und trägt vor, er sei als gläubi­ger Christ ver­pflich­tet, stets sei­nen Glau­ben zu be­kun­den und wei­ter­zu­tra­gen. Da­zu se­he er sich auf­grund ver­schie­de­ner Bi­bel­stel­len ver­pflich­tet. Die Art und Wei­se, in der er dies tue, stel­le in kei­ner Wei­se ei­ne Belästi­gung dar. Zu kei­nem Zeit­punkt ha­be es Kon­flik­te oder Dis­kus­sio­nen zwi­schen ihm und Kun­den ge­ge­ben. Die Be­klag­te hal­te sta­tis­tisch ge­nau fest, bei wel­chen Mit­ar­bei­tern es wie vie­le Ver­trags­schlüsse ge­be und ins­be­son­de­re auch, wie vie­le Verträge un­ter Rück­ga­be der Wa­ren in­ner­halb der ge­setz­li­chen Frist rück­ab­ge­wi­ckelt würden. Im Verhält­nis zu sei­nen Kol­le­gen sei es da­bei zu kei­ner­lei Be­ein­träch­ti­gun­gen ge­kom­men.

 

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In der münd­li­chen Ver­hand­lung am 20.04.2011 gab die Kam­mer dem Kläger Ge­le­gen­heit, ihr in Ergänzung zu sei­nem schriftsätz­li­chen Vor­brin­gen sei­ne re­li­giösen Über­zeu­gun­gen dar­zu­le­gen. Er erklärte da­zu, er sei nach ei­nem persönli­chen Er­leb­nis ir­gend­wann nach dem Jahr 2008 da­zu über­ge­gan­gen, die frag­li­che Ver­ab­schie­dungs­for­mel zu ver­wen­den. Auf­grund sei­ner christ­li­chen Über­zeu­gung und ent­spre­chen­der Bi­bel­stel­len se­he er sich da­zu ver­pflich­tet, das Wort Got­tes zu sa­gen und zu ver­brei­ten. Ergänzend erklärte der Kläger­ver­tre­ter, zwar ha­be der Kläger sich für ei­ne vorüber­ge­hen­de Zeit be­reit­ge­fun­den, auf die re­li­giöse Ver­ab­schie­dung zu ver­zich­ten. Dies sei aber al­lein vor dem Hin­ter­grund er­heb­li­cher fi­nan­zi­el­ler Be­las­tun­gen ge­sche­hen.

Hin­sicht­lich des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf die zu Pro­to­koll ge­nom­me­nen Erklärun­gen ergänzend ver­wie­sen.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist zulässig. Sie ist nach § 64 Abs. 2 ArbGG statt­haft und wur­de form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet.

Die Be­ru­fung ist auch be­gründet und führt dem­ent­spre­chend zu ei­ner Abände­rung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en en­de­te durch wirk­sa­me außer­or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 03.02.2010. Die hier­ge­gen er­ho­be­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge war da­her ab­zu­wei­sen. Im Ein­zel­nen hat die Kam­mer die nach­fol­gen­den Erwägun­gen an­ge­stellt:

Die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 03.02.2010 ist wirk­sam und be­en­de­te mit ih­rem Zu­gang das zwi­schen den Par­tei­en be­gründe­te Ar­beits­verhält­nis. Die Wirk­sam­keit ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung be­stimmt sich nach § 626 BGB. Nach § 626 Abs. 1 BGB kann ein Ar­beits­verhält­nis aus wich­ti­gem Grund oh­ne

 

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Ein­hal­tung ei­ner Kündi­gungs­frist gekündigt wer­den, wenn Tat­sa­chen vor­lie­gen, auf­grund de­rer dem Kündi­gen­den un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann. Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, der die Kam­mer folgt, ist da­bei die Wirk­sam­keit der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung in zwei Stu­fen zu prüfen. Zunächst ist fest­zu­stel­len, ob ein Kündi­gungs­grund vor­liegt, der „an sich" ge­eig­net ist, das Ar­beits­verhält­nis oh­ne Ein­hal­tung ei­ner Frist auf­zulösen. In ei­nem zwei­ten Schritt sind so­dann die In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le um­fas­send ge­gen­ein­an­der ab­zuwägen (ErfK/Müller-Glöge, 11. Aufl. 2011, § 626 BGB, Rn. 15 m.w.N.).

In­dem der Kläger es in Gesprächen am 21., 22. und am 28.01.2010 ge­genüber Mit­ar­bei­tern der Be­klag­ten ab­lehn­te, bei Ver­kauf­ste­le­fo­na­ten den von die­ser vor­ge­ge­be­nen Ab­schieds­gruß oh­ne ei­nen re­li­giösen Zu­satz zu ver­wen­den, wei­ger­te er sich be­harr­lich, die ihm aus dem Ar­beits­ver­trag ob­lie­gen­den Ver­trags­pflich­ten zu be­ach­ten. Nach­dem er zu­vor am 19. und 21.01.2010 in min­des­tens fünf Te­le­fo­na­ten ent­ge­gen ei­ner all­ge­mei­nen Wei­sung der Be­klag­ten in Form des sog. Stan­dardskripts ei­ne hier­von ab­wei­chen­de Ver­ab­schie­dung gewählt hat­te, stellt sich die Wei­ge­rungs­hal­tung des Klägers als sog. be­harr­li­che Ver­let­zung sei­ner Ar­beits­pflicht dar. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, die die Kam­mer teilt, stellt ei­ne nach­hal­ti­ge rechts­wid­ri­ge und schuld­haf­te Ar­beits­ver­wei­ge­rung an sich ei­nen wich­ti­gen Grund i.S.d. § 626 Abs. 1 BGB dar, der für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung ge­eig­net ist. Auf­grund sei­nes Wei­sungs­rechts kann der Ar­beit­ge­ber ei­nem Ar­beit­neh­mer ein­sei­tig be­stimm­te Ar­bei­ten un­ter Be­ach­tung bil­li­gen Er­mes­sens i.S.v. § 315 Abs. 3 BGB zu­wei­sen, so­weit das Wei­sungs­recht nicht durch Ge­setz, Ta­rif­ver­trag, Be­triebs­ver­ein­ba­rung oder Ein­zel­ar­beits­ver­trag ein­ge­schränkt ist. Wei­gert sich der Ar­beit­neh­mer, die ihm im Rah­men ei­ner rechtmäßigen Ausübung des Wei­sungs­rechts zu­ge­wie­se­ne Tätig­keit aus­zuführen, so kann dies als sog. be­harr­li­che Ar­beits­ver­wei­ge­rung den Aus­spruch ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung recht­fer­ti­gen. Da­bei setzt die be­harr­li­che Ar­beits­ver­wei­ge­rung in der Per­son des Ar­beit­neh­mers Nach­hal­tig­keit im Wil­len vor­aus; der Ar­beit­neh­mer muss die ihm über­tra­ge­ne Ar­beit be­wusst und nach­hal­tig nicht leis­ten wol­len. Dafür genügt es nicht, dass ein­ma­lig ei­ne Wei­sung des

 

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Ar­beit­ge­bers nicht be­folgt wird, viel­mehr muss ei­ne in­ten­si­ve Wei­ge­rung vor­lie­gen (BAG, Ur­teil vom 19.04.2007 – 2 AZR 78/06 = AP Nr. 77 zu § 611 BGB Di­rek­ti­ons­recht: BAG, Ur­teil vom 05.04.2001 – 2 AZR 580/99 = NJW 2002, 698ff.; BAG, Ur­teil vom 09.05.1996 – 2 AZR 387/95 = NJW 1997, 274 ff.; BAG, Ur­teil vom 31.01.1985 – 2 AZR 486/83 = NJW 1986, 743 f.; ErfK, a.a.O., § 626 BGB Rn. 70).

Die Vor­aus­set­zun­gen der sog. be­harr­li­chen Ar­beits­ver­wei­ge­rung sind erfüllt. Der Kläger hat zunächst in min­des­tens fünf Fällen am 19. und 21.01.2010 ge­gen ei­ne Wei­sung der Be­klag­ten in Form des sog. Stan­dardskripts über das Führen von Ver­kauf­ste­le­fo­na­ten ver­s­toßen. Da­nach hat er in ins­ge­samt drei Gesprächs­run­den, zunächst am 21.01.2010 ge­genüber zwei Su­per­vi­so­ren und dann am 22. und 28.01.2010 ge­genüber Mit­ar­bei­tern der Per­so­nal­ab­tei­lung der Be­klag­ten, es ab­ge­lehnt, sich bei der Ver­ab­schie­dung von An­ru­fern auf die sei­tens der Be­klag­ten vor­ge­ge­be­ne Ver­ab­schie­dungs­for­mel zu be­schränken und hat statt­des­sen dar­auf be­stan­den, „Je­sus hat Sie lieb" hin­zu­zufügen. Da­mit hat er un­miss­verständ­lich zum Aus­druck ge­bracht, dass er auch zukünf­tig nicht be­reit ist, die dies­bezügli­che ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Wei­sung zu be­ach­ten. Die in­ten­si­ve und nach­hal­ti­ge Wei­ge­rung er­gibt sich oh­ne Wei­te­res aus dem Um­stand, dass der Kläger auch nach ei­ni­gen Ta­gen Be­denk­zeit von sei­ner Hal­tung nicht abrücken woll­te, ob­wohl ihm für die­sen Fall ei­ne Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses un­miss­verständ­lich in Aus­sicht ge­stellt wor­den war.

Die ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Wei­sung, Kun­den­gespräche mit ei­ner stan­dar­di­sier­ten Ver­ab­schie­dungs­for­mel zu be­en­den, war vom ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Di­rek­ti­ons­recht nach § 106 Satz 1 Ge­wO ge­deckt. Da­nach kann der Ar­beit­ge­ber In­halt, Ort und Zeit der Ar­beits­leis­tung nach bil­li­gem Er­mes­sen näher be­stim­men, so­weit die­se Ar­beits­be­din­gun­gen nicht durch den Ar­beits­ver­trag, Be­stim­mun­gen ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung, ei­nes an­wend­ba­ren Ta­rif­ver­trags oder ge­setz­li­che Vor­schrif­ten fest­ge­legt sind. Ei­ne Ein­schränkung des Di­rek­ti­ons­rechts der Be­klag­ten durch Ar­beits­ver­trag, Be­triebs­ver­ein­ba­rung, Ta­rif­ver­trag oder Ge­setz ist im vor­lie­gen­den Fall nicht er­sicht­lich. Die Wei­sung der Be­klag­ten, bei der Ver­ab­schie­dung von Kun­den auf re­li­giöse Zusätze zu ver­zich­ten, ver­stieß auch nicht ge­gen bil­li­ges Er­mes­sen. Ih­re Be­ach­tung war dem Kläger zu­zu­mu­ten.

 

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Zwar muss der Ar­beit­ge­ber bei der Ausübung sei­nes Wei­sungs­rechts die durch Art. 4 Abs. 1 und 2 GG grund­recht­lich geschütz­te Glau­bens­frei­heit des Ar­beit­neh­mers be­ach­ten und auf ei­nen dem Ar­beit­ge­ber of­fen­bar­ten Glau­bens- oder Ge­wis­sens­kon­flikt Rück­sicht neh­men (BAG, Ur­teil vom 10.10.2002 – 2 AZR 472/01 = NJW 2003, 1685 ff.; BAG, Ur­teil vom 24.05.1989 – 2 AZR 285/88 = NJW 1990, 203 ff.). Un­ge­ach­tet der Fra­ge, ob ein Ar­beit­neh­mer bei Ausübung sei­ner ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­ten Tätig­keit für sich in An­spruch neh­men darf, ziel­ge­rich­tet für sei­nen Glau­ben zu wer­ben (ver­nei­nend ArbG Reut­lin­gen, Ur­teil vom 05.01.1993 – 1 Ca 378/92 = BB 1993, 1012 LS), hat der Kläger im vor­lie­gen­den Fall je­den­falls kei­ne Gründe plau­si­bel ge­macht, die da­zu führen könn­ten, dass bei der Ausübung ih­res Di­rek­ti­ons­rechts die Be­lan­ge der Be­klag­ten zurück­ste­hen müss­ten. Durch Art. 4 Abs. 1 und 2 GG wird die Glau­bens- und Re­li­gi­ons­frei­heit für Je­der­mann ver­fas­sungs­recht­lich geschützt. Die Glau­bens­frei­heit um­fasst nicht nur die in­ne­re Frei­heit, zu glau­ben oder nicht zu glau­ben, son­dern auch die äußere Frei­heit, den Glau­ben zu ma­ni­fes­tie­ren, zu be­ken­nen und zu ver­brei­ten. Da­zu gehört auch das Recht des Ein­zel­nen, sein ge­sam­tes Ver­hal­ten an den Leh­ren sei­nes Glau­bens aus­zu­rich­ten und sei­ner in­ne­ren Glau­bensüber­zeu­gung gemäß zu han­deln (BVerfG, Ent­schei­dung vom 19.10.1971 – 1 BvR 387/65 = JR 1972, 339 ff.; Leib­holz/Rinck, GG, Lo­se­blatt­samm­lung, Stand Ja­nu­ar 2010, Art. 4 GG Rn. 46 m.w.N.). Das in Re­de ste­hen­de Ver­hal­ten muss nicht all­ge­mein von den Gläubi­gen ge­teilt wer­den. Für ei­ne zulässi­ge Be­ru­fung auf Art. 4 GG kommt es nur dar­auf an, dass es über­haupt von ei­ner wirk­lich re­li­giösen Über­zeu­gung ge­tra­gen und nicht an­ders mo­ti­viert ist. An­de­ren­falls würde den Ge­rich­ten ei­ne Be­wer­tung von Glau­bens­hal­tun­gen oder die Prüfung von theo­lo­gi­schen Leh­ren auf­gebürdet, die sie nicht leis­ten können und nicht leis­ten dürfen (BAG, Ur­teil vom 10.10.2002, a.a.O.; LAG Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 20.01.2009 – 5 Sa 270/08 – ju­ris; LAG Hamm, Ur­teil vom 08.11.2007 – 15 Sa 271/07 = LA­GE Art. 4 GG Nr. 5). Dies be­deu­tet al­ler­dings nicht, dass je­de Wei­sung, die ir­gend­ei­ne Berührung mit ei­ner Glau­bens- oder Ge­wis­sens­ent­schei­dung hat, un­wirk­sam wäre (LAG München, Ur­teil vom 13.11.2008 – 2 Sa 699/08 = AE 2009, 61 ff.). Nicht je­de Hand­lung, die im wei­tes­ten Sinn auf re­li­giöse An­sich­ten zurück­geführt wer­den kann, wird durch die Glau­bens­frei­heit geschützt. Er­for­der­lich ist, dass es sich um ei­ne zwin­gen­de Ver­hal­tens­re­gel han­delt, von der der Be­trof­fe­ne nicht oh­ne in­ne­re Not ab­se­hen kann. Ob dies der Fall ist, hängt auch vom Selbst­verständ­nis der be­trof­fe­nen Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft ab, wo­bei den Be­trof­fe­nen im Zwei­fels­fall ei­ne

 

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Dar­le­gungs­last trifft (BVerfG, Be­schluss vom 27.01.2007 – 2 BvR 26/07 = NJW 2007, 1865 ff.; Leib­holz/Rinck, a.a.O. Rn. 47; LAG Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 20.01.2009, a.a.O.; zur eben­falls durch Art. 4 GG geschütz­ten Ge­wis­sens­frei­heit auch BAG, Ur­teil vom 20.12.1984 – 2 AZR 436/83 = NJW 1986, 85 ff.; Leu­ze, RdA 1993, 16, 18). Als Ge­wis­sens­ent­schei­dung an­zu­er­ken­nen ist je­de ernst­li­che sitt­li­che Ent­schei­dung, die der Ein­zel­ne in ei­ner be­stimm­ten La­ge als für sich bin­dend und un­be­dingt ver­pflich­tend in­ner­lich erfährt und ge­gen die er nicht oh­ne erns­te Ge­wis­sens­not han­deln könn­te. Im Kon­flikt­fall muss der Ar­beit­neh­mer sei­ne Ent­schei­dung im Ein­zel­nen dar­le­gen oder erläutern. Es muss hier­bei er­kenn­bar sein, dass es sich um ei­ne nach außen tre­ten­de, ra­tio­nal mit­teil­ba­re und in­ter­sub­jek­tiv nach­voll­zieh­ba­re Tie­fe, Ernst­haf­tig­keit und ab­so­lu­te Ver­bind­lich­keit ei­ner Selbst­be­stim­mung han­delt (BAG, Ur­teil vom 24.05.1989 – 2 AZR 285/88 = NJW 1990, 203 ff.; APS-Dörner, Kündi­gungs­recht, 3. Aufl. 2007, § 626 BGB Rn. 201).

Ge­mes­sen an die­sen Grundsätzen ver­moch­te der Kläger we­der an­hand des schriftsätz­li­chen Sach­vor­trags sei­ner Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten noch im Rah­men ei­ner persönli­chen Anhörung in der münd­li­chen Ver­hand­lung nach­voll­zieh­bar dar­zu­le­gen, dass er in ei­ne erns­te Ge­wis­sens­not ge­ra­ten würde, wenn er bei der Ver­ab­schie­dung von Kun­den der Be­klag­ten da­von absähe, auf den von ihm gewähl­ten re­li­giösen Zu­satz zu ver­zich­ten. Schon die Be­gründung, mit der der Kläger sich ge­hal­ten sieht, die­sen re­li­giösen Zu­satz zu ver­wen­den, ist we­nig an­schau­lich und für die Kam­mer letzt­lich nicht nach­voll­zieh­bar. Der Kläger hat sich schriftsätz­lich pau­schal dar­auf be­ru­fen, er se­he sich als gläubi­ger Christ auf­grund ver­schie­de­ner Bi­bel­stel­len ver­pflich­tet, stets sei­nen Glau­ben zu be­kun­den und wei­ter­zu­tra­gen. Wel­che Bi­bel­stel­len er im Ein­zel­nen da­mit kon­kret an­spre­chen möch­te, hat er nicht mit­ge­teilt. Da in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land sich zahl­rei­che Men­schen als gläubi­ge Chris­ten ver­ste­hen, von de­nen nach dem Kennt­nis­stand der Kam­mer es sonst je­doch nie­mand als ver­pflich­tend an­sieht, bei der Ver­ab­schie­dung sei­ne re­li­giöse Über­zeu­gung kund­tun zu müssen, hätte man von dem Kläger er­war­ten müssen, dass er der Kam­mer sei­ne Glau­bensüber­zeu­gung näher dar­legt. Dies ver­moch­te er je­doch auch im Rah­men der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht. Auch dar­in hat er sich le­dig­lich in pau­scha­ler Wei­se auf sei­ne christ­li­che Über­zeu­gung und auf ent­spre­chen­de Bi­bel­stel­len be­zo­gen, oh­ne dies im Ein­zel­nen zu erläutern. Es kommt hin­zu, dass es kon­kre­ten An­lass gibt, an ei­nem unlösba­ren Ge­wis­sens­kon­flikt

 

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des Klägers bei Be­ach­tung der ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Wei­sung zu zwei­feln. So hat der Kläger in dem nach­fol­gen­den Beschäfti­gungs­pro­zess vor dem Ar­beits­ge­richt Bo­chum durch Schrift­satz sei­ner Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 17.03.2011 aus­drück­lich an­ge­bo­ten, je­den­falls vorüber­ge­hend, nämlich bis zu ei­ner Ent­schei­dung in dem vor­lie­gen­den Be­ru­fungs­ver­fah­ren, auf den christ­li­chen Zu­satz in Te­le­fo­na­ten zu ver­zich­ten. Zwar hat der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te des Klägers in der münd­li­chen Ver­hand­lung erläutert, sein Man­dant ha­be dies vor dem Hin­ter­grund er­heb­li­cher fi­nan­zi­el­ler Be­las­tun­gen an­ge­bo­ten, weil er über kein Ein­kom­men verfügt ha­be. Da­mit lässt sich aber nicht plau­si­bel das Vor­lie­gen ei­nes Ge­wis­sens­kon­flikts erklären. Bei ei­nem un­auflösli­chen Ge­wis­sens­kon­flikt wäre es nach Auf­fas­sung der Kam­mer eher zu er­war­ten ge­we­sen, dass der Kläger an sei­nem Stand­punkt festhält und auch während ei­ner et­wai­gen Pro­zess­beschäfti­gung für sich in An­spruch nimmt, die re­li­giöse Ab­schieds­for­mel wei­ter zu ver­wen­den, zu­mal er in ers­ter In­stanz den Pro­zess ge­won­nen hat. Wenn aber fi­nan­zi­el­le Gründe es ihm aus sei­ner Sicht er­lau­ben, zu­min­dest vorüber­ge­hend von sei­ner Ver­ab­schie­dungs­for­mel Ab­stand zu neh­men, ist schwer erklärlich, wes­halb es ihm dann nicht möglich sein soll, sich ge­ne­rell im Rah­men des Ar­beits­verhält­nis­ses der ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Wei­sung bezüglich der Art und Wei­se der Be­en­di­gung von Te­le­fo­na­ten mit Kun­den zu beu­gen. Da­mit würde er den Be­stand sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses erst gar nicht gefähr­den und sich die ihm aus dem Beschäfti­gungs­verhält­nis zu­fließen­den Ar­beits­einkünf­te er­hal­ten. Es kommt hin­zu, dass auf­grund ei­nes An­rufs des Klägers bei der Geschäfts­stel­le der er­ken­nen­den Kam­mer be­kannt ge­wor­den ist, dass die­ser auch außer­halb des Ar­beits­verhält­nis­ses kei­nes­wegs stets Te­le­fo­na­te mit ei­ner re­li­giösen Grußfor­mel ab­sch­ließt. Bei sei­nem An­ruf hat der Kläger sich in der all­ge­mein übli­chen Art und Wei­se oh­ne re­li­giösen Gruß ver­ab­schie­det. Ei­ne Erklärung dafür ver­moch­te er nicht zu ge­ben. Da er je­den­falls bei die­sem Te­le­fo­nat durch nichts ge­hin­dert war, je­de be­lie­bi­ge von ihm für rich­tig ge­hal­te­ne Ab­schieds­for­mel zu ge­brau­chen, hat die Kam­mer be­gründe­te Zwei­fel, ob der Kläger tatsächlich in erns­te Ge­wis­sens­kon­flik­te ge­rie­te, wenn er im Rah­men sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses dar­auf ver­zich­ten würde, Kun­den­te­le­fo­na­te mit den Wor­ten „Je­sus hat Sie lieb" zu be­en­den.

Nach­dem sich die Kam­mer auf­grund der vor­ge­nann­ten Umstände kei­ne Über­zeu­gung da­von zu ver­schaf­fen ver­moch­te, dass der Kläger sub­jek­tiv mit ei­ner

 

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ab­so­lu­ten Ver­bind­lich­keit ge­hal­ten wäre, Te­le­fo­na­te mit der vor­ge­nann­ten For­mel zu be­en­den, ist es ihm zu­zu­mu­ten, der dies­bezügli­chen ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Wei­sung Fol­ge zu leis­ten. Ein Ar­beit­neh­mer muss nämlich da­mit le­ben können, dass er nicht je­de von ihm ver­lang­te Tätig­keit auch gut­heißen muss (LAG München, Ur­teil vom 13.11.2008, a.a.O.). Da­mit steht zu­gleich fest, dass die ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Wei­sung, wie sie im Stan­dardskript der Be­klag­ten zum Aus­druck kommt, sich im Rah­men bil­li­gen Er­mes­sens i.S.v. § 106 Satz 1 Ge­wO i.V.m. § 315 Abs. 1 BGB ge­hal­ten hat. Dafür strei­tet al­lein schon der Um­stand, dass die Be­klag­te ih­rer­seits die durch Art. 12 Abs. 1 GG ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Un­ter­neh­mer­frei­heit bei der Ausübung ih­res Wei­sungs­rechts für sich in An­spruch neh­men kann (BAG, Ur­teil vom 10.10.2002, a.a.O.). Die Be­klag­te darf da­her von ih­ren Ar­beit­neh­mern al­lein auf­grund der all­ge­mei­nen Über­le­gung, dass Kun­den, die te­le­fo­nisch ei­ne Be­stel­lung auf­ge­ben wol­len, in al­ler Re­gel nicht dar­an in­ter­es­siert sind, mit den Te­le­fo­na­gen­ten pri­va­te Be­lan­ge gleich wel­cher Art aus­zu­tau­schen, ver­bind­li­che Re­geln für den In­halt der Kun­den­te­le­fo­na­te vor­ge­ben. Nach­dem der Kläger kei­ne ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Be­lan­ge für sei­ne Hal­tung dar­zu­le­gen ver­mocht hat, genügt dies­bezüglich ei­ne bloße An­nah­me sei­tens der Be­klag­ten. Sie muss we­der glaub­haft ma­chen, dass tatsächlich ein Teil ih­rer Kun­den es ab­lehnt, mit persönli­chen Über­zeu­gun­gen der Te­le­fo­na­gen­ten kon­fron­tiert zu wer­den, noch muss sie den Nach­weis führen, dass sich tatsächlich nach­tei­li­ge Fol­gen we­gen des Ver­hal­tens des Klägers rea­li­siert ha­ben. Eben dies un­ter­schei­det den vor­lie­gen­den Fall von dem vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen sog. Kopf­tuch-Fall (BAG, Ur­teil vom 10.10.2002, a.a.O.), auf das sich das Ar­beits­ge­richt Bo­chum gestützt hat. In dem vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall ver­moch­te die dor­ti­ge Kläge­rin in nach­voll­zieh­ba­rer Wei­se auf für sie bin­den­de Glau­bens­vor­schrif­ten zu ver­wei­sen.

Nach al­le­dem war im vor­lie­gen­den Fall die Ausübung des ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Di­rek­ti­ons­rechts rechtmäßig und vom bil­li­gen Er­mes­sen der Be­klag­ten ge­tra­gen. Der Kläger wäre da­her ver­pflich­tet ge­we­sen, je­den­falls im An­schluss an die am 22. und 28.01.2010 geführ­ten Gespräche sich be­reit zu fin­den, künf­tig Te­le­fo­na­te an­hand des von der Be­klag­ten vor­ge­ge­be­nen Stan­dardskripts ab­zu­sch­ließen. Da er dies erklärter­maßen un­ter In­k­auf­nah­me ar­beits­recht­li­cher Kon­se­quen­zen ab­lehn­te, lag ei­ne sog. be­harr­li­che Ar­beits­ver­wei­ge­rung im Sin­ne der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vor, so dass die Be­klag­te an sich be­rech­tigt war, das

 

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Ar­beits­verhält­nis mit dem Kläger außer­or­dent­lich nach § 626 Abs. 1 BGB zu kündi­gen.

Im vor­lie­gen­den Fall be­durf­te es auch nicht ei­ner (wei­te­ren) Ab­mah­nung. Die Kam­mer geht da­von aus, dass be­reits das am 22.01.2010 mit dem Kläger geführ­te Gespräch Ab­mah­nungs­cha­rak­ter hat­te. Denn die Be­klag­te erklärte dem Kläger in die­sem Gespräch, dass der Kläger in sei­nen Te­le­fo­na­ten am 19. und 21.01.2010 da­durch ge­gen sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten ver­stieß, in­dem er sich von Kun­den mit dem Zu­satz „Je­sus hat Sie lieb" ver­ab­schie­de­te. Des Wei­te­ren hat sie den Kläger auf­ge­for­dert, sich künf­tig ver­trags­ge­recht zu ver­hal­ten. Sch­ließlich wur­de nach dem un­be­strit­te­nen Sach­vor­trag der Be­klag­ten der Kläger auch dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sie kei­ne Grund­la­ge für ei­ne wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit se­he, falls es ihm nicht möglich sei, sich an ih­re Gesprächs­vor­ga­ben zu hal­ten. Dar­in liegt für den Kläger er­kenn­bar die An­dro­hung ar­beits­recht­li­cher Kon­se­quen­zen für den Fall, dass er nicht be­reit ist, künf­tig der­ar­ti­ge Äußerun­gen zu un­ter­las­sen. Des­sen un­ge­ach­tet hat der Kläger sechs Ta­ge später in ei­nem wei­te­ren Gespräch am 28.01.2010 er­neut dar­auf be­harrt, sein Ver­hal­ten nicht ändern zu wol­len. Ver­steht man das Gespräch vom 22.01.2010 als münd­li­che Ab­mah­nung, dann be­durf­te es in die­ser Si­tua­ti­on schon des­halb kei­ner wei­te­ren Ab­mah­nung, weil ei­ne ein­schlägi­ge Ab­mah­nung be­reits vor­aus­ge­gan­gen war. Des­sen un­ge­ach­tet war hier ei­ne Ab­mah­nung aber auch ent­behr­lich, weil sie nicht ge­eig­net war, den Kläger zu ei­nem ver­trags­ge­rech­ten Ver­hal­ten zu be­we­gen. Nach­dem der Kläger wuss­te, dass der Be­stand sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses da­von abhängig ge­macht wur­de, dass er künf­tig bei der Be­en­di­gung von Kun­den­te­le­fo­na­ten auf re­li­giöse Zusätze ver­zich­tet, brach­te er da­durch, dass er dies aus­drück­lich un­ter In­k­auf­nah­me von Kon­se­quen­zen ab­lehn­te, zum Aus­druck, dass ei­ne Ab­mah­nung wir­kungs­los und da­mit ent­behr­lich ge­we­sen wäre.

Die er­for­der­li­che In­ter­es­sen­abwägung er­gibt, dass im vor­lie­gen­den Fall das In­ter­es­se der Be­klag­ten an ei­ner so­for­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­genüber dem In­ter­es­se des Klägers, das Ar­beits­verhält­nis zu­min­dest bis zum Ab­lauf der Frist für ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung fort­zu­set­zen, über­wiegt. Da­bei hat die Kam­mer zu­guns­ten des Klägers ein­be­zo­gen, dass die­ser im­mer­hin für ei­nen Zeit­raum von mehr als sechs Jah­ren be­an­stan­dungs­frei für die Be­klag­te tätig

 

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ge­we­sen ist und dass die­se ei­nen kon­kre­ten Scha­den durch sein Ver­hal­ten nicht dar­zu­le­gen ver­mocht hat. Wei­ter hat die Kam­mer berück­sich­tigt, dass der Ab­schieds­gruß des Klägers „Je­sus hat Sie lieb" sich nicht als ag­gres­si­ve oder po­la­ri­sie­ren­de Mei­nungsäußerung dar­stellt, son­dern im Ge­gen­teil von ei­ner freund­li­chen und wohl­wol­len­den Grund­hal­tung ge­prägt ist. Dem­ge­genüber muss­te die Kam­mer zu­guns­ten der Be­klag­ten berück­sich­ti­gen, dass der Kläger je­den­falls zum Zeit­punkt des Aus­spruchs der Kündi­gung un­ter kei­nen Umständen da­zu zu be­we­gen war, sein ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten zu be­en­den, son­dern im Ge­gen­teil erklärter­maßen für sich in An­spruch nahm, das Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten auch des­halb fort­set­zen zu wol­len, um den Glau­ben Got­tes ver­brei­ten zu können. Da die Be­klag­te zu ih­rem Kun­den­kreis si­cher­lich nicht nur be­ken­nen­de Chris­ten zählt, son­dern auch Anhänger an­de­rer Glau­bens­rich­tun­gen, Athe­is­ten so­wie Chris­ten, die mit Glau­bens­fra­gen bei der Auf­ga­be ei­ner te­le­fo­ni­schen Be­stel­lung nicht kon­fron­tiert wer­den wol­len, muss­te sie dies nicht hin­neh­men. Wäre sie ver­pflich­tet ge­we­sen, je­den­falls bis zum Ab­lauf der Frist für ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung den Kläger wei­ter­zu­beschäfti­gen, hätte sie zu­gleich hin­neh­men müssen, dass der Kläger ent­ge­gen ih­rer Wei­sung in je­dem Te­le­fo­nat wei­ter­hin sei­ne ei­ge­ne Über­zeu­gung von ei­ner an­ge­mes­se­nen Art der Ver­ab­schie­dung von Kun­den durch­setzt. Da die Be­klag­te kei­ne an­de­re Möglich­keit hat­te, dem zu be­geg­nen, über­wiegt ihr In­ter­es­se, das Ar­beits­verhält­nis mit dem Kläger oh­ne Ein­hal­tung ei­ner Kündi­gungs­frist zu be­en­den. Da die Frist des § 626 Abs. 2 BGB eben­falls er­sicht­lich ge­wahrt ist, er­weist sich da­mit die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung als wirk­sam.

So­weit das Ar­beits­ge­richt Bo­chum an­ge­nom­men hat, dass die Kündi­gung auch nach § 102 Abs. 1 Satz 3 Be­trVG un­wirk­sam sei, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Be­klag­te je­den­falls in zwei­ter In­stanz den zunächst feh­len­den Anhörungs­bo­gen zur Be­triebs­rats­anhörung zur Ak­te ge­reicht hat. An­halts­punk­te für ei­ne un­vollständi­ge oder sonst un­wirk­sa­me Be­triebs­rats­anhörung hat die Kam­mer nicht. Dies wird vom Kläger auch nicht gel­tend ge­macht.

Nach al­le­dem war das erst­in­stanz­li­che Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bo­chum ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 91 ZPO.

 

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Die Kam­mer folgt mit der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung. Gründe für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on nach § 72 Abs. 2 ArbGG sind nicht er­sicht­lich.

RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG

Ge­gen die­ses Ur­teil ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben. We­gen der Möglich­keit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wird auf § 72a ArbGG ver­wie­sen.

 

Deven­ter 

Lu­ther 

Hüls­mann

/Der.

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