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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: AGB-Kontrolle, Gleichstellungsabrede
   
Gericht: Hessisches Landesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 20 Sa 638/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 04.12.2008
   
Leit­sätze:

1. Ein ar­beits­ver­trag­li­che klei­ne dy­na­mi­sche Ver­wei­sungs­klau­sel ist nicht als bloße Gleich­stel­lungs­klau­sel aus­zu­le­gen, wenn der Gleich­stel­lungs­zweck im Wort­laut der Klau­sel kei­nen Nie­der­schlag ge­fun­den hat (wie BAG 23.1.2008 - 4 AZR 602/06 - ju­ris; 18.04.2007 - 4 AZR 652/05 - EzA § 3 TVG Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 35; 14.12.2005 - 4 AZR 536/04 - EzA § 3 TVG Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 32).

2. Ver­trau­ens­schutz für vor dem 1. Ja­nu­ar 2002 ab­ge­schlos­se­ne Verträge ist zeit­lich nicht un­be­grenzt zu gewähren, weil dies ei­nen Wer­tungs­wi­der­spruch zu Art. 229 § 5 Satz 2 EGBGB be­deu­te­te, der ei­ne ge­setz­li­che Ver­trau­ens­schutz­re­ge­lung für Dau­er­schuld­verhält­nis­se dar­stellt, die vor dem In­kraft­tre­ten des Ge­set­zes zur Mo­der­ni­sie­rung des Schuld­rechts vom 26. No­vem­ber 2001 ab­ge­schlos­sen wur­den (ent­ge­gen BAG, 14.12.2005 - 4 AZR 536/04 - EzA § 3 TVG Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 32). Je­den­falls mit Ver­strei­chen ei­nes Jah­res seit Ankündi­gung der Recht­spre­chungsände­rung in der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 14.12.2005 entfällt nach dem Rechts­ge­dan­ken des Art. 229 § 5 Satz 2 EGBGB der Ver­trau­ens­schutz für die Aus­le­gung von klei­nen dy­na­mi­schen Ver­wei­sungs­klau­seln als Gleich­stel­lungs­ab­re­den in Alt­verträgen.

3. Die Gewährung von Ver­trau­ens­schutz für die Aus­le­gung von klei­nen dy­na­mi­schen Ver­wei­sungs­klau­seln als Gleich­stel­lungs­ab­re­de in Alt­verträgen zu­guns­ten des nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Be­triebs­er­wer­bers schei­det grundsätz­lich aus, wenn das oder die dem Be­triebsüber­gang zu­grun­de lie­gen­den Rechts­geschäfte erst nach Ankündi­gung der Recht­spre­chungsände­rung in der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 14.12.2005 vor­ge­nom­men wur­den. Nicht der Alt­ver­trag als sol­cher ge­nießt Ver­trau­ens­schutz, so dass in ihn nach § 613 a Abs. 1 Satz 1 BGB ein­ge­tre­ten wer­den könn­te, son­dern der­je­ni­ge, der im Ver­trau­en auf ei­ne ge­fes­tig­te Recht­spre­chung vor de­ren Ände­rung dis­po­niert hat (an­ders im Er­geb­nis BAG 23.1.2008 - 4 AZR 602/06 - ju­ris).

4. Nimmt der ta­rif­ge­bun­de­ne Be­triebs­veräußerer in al­len von ihm stan­dardmäßig ver­wen­de­ten Ar­beits­verträgen auf den Ta­rif­ver­trag Be­zug, der für ihn räum­lich ein­schlägig ist, beschäftigt er aber ei­nen Großteil sei­ner Ar­beit­neh­mer in sei­nen außer­halb des räum­li­chen Gel­tungs­be­reichs die­ses Ta­rif­ver­trag lie­gen­den Be­trie­ben, schei­det die Aus­le­gung der Be­zug­nah­me­klau­sel als Gleich­stel­lungs­klau­se auch dann aus, wenn man aus Gründen des Ver­trau­ens­schut­zes die ge­fes­tig­te frühe­re Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur Aus­le­gung ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me­klau­seln an­wen­de­te. Bei der In­be­zug­nah­me sol­cher Ta­rif­verträge, die für ei­nen großen Teil der Ar­beit­neh­mer auch bei de­ren Ge­werk­schafts­zu­gehörig­keit nicht nor­ma­tiv gälten, ist die Prämis­se der frühe­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, der Ar­beit­ge­ber wol­le mit der Be­zug­nah­me­klau­sel le­dig­lich die u. U. feh­len­de Ge­werk­schafts­zu­gehörig­keit er­set­zen, die er nicht er­fra­gen dürfe, nicht erfüllt.

5. So­weit das Bun­des­ar­beits­ge­richt in der Ent­schei­dung vom 21.08.2002 (4 AZR 263/01 - AP Nr. 21 zu § 157) in ei­nem Fall, in dem nur ein ge­rin­ger Teil der Ar­beit­neh­mer außer­halb des räum­li­chen Gel­tungs­be­reichs des in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­ver­trags beschäftigt war, an­ders ent­schie­den hat, be­gründet die­se Ent­schei­dung als Ein­zel­fall je­den­falls kei­nen Ver­trau­ens­schutz (eben­so LAG Düssel­dorf, 28.03.2008 - 9 Sa 2103/07 - ju­ris).

6. Es kommt für die Fra­ge der Aus­le­gung in die­sem Fall nicht dar­auf an, ob der­je­ni­ge Ar­beit­neh­mer, der kla­ge­wei­se die Ta­rif­loh­nerhöhung auf­grund ei­ner dy­na­mi­schen Ver­wei­sungs­klau­sel gel­tend macht, sei­ner­seits zu der Grup­pe der außer­halb des räum­li­chen Gel­tungs­be­reichs des Ta­rif­ver­trags täti­gen Ar­beit­neh­mer gehört und ob ihm er­kenn­bar war, dass der ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beit­ge­ber auch außer­halb des räum­li­chen Gel­tungs­be­reichs die­ses Ta­rif­ver­trags beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer stan­dardmäßig in den Ar­beits­verträgen auf den Ta­rif­ver­trag Be­zug ge­nom­men hat. Ent­schei­dend war nach der frühe­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts nämlich ge­ra­de nicht, was dem Ar­beit­neh­mer als Ver­trags­part­ner er­kenn­bar war, son­dern wel­chen Zwick der Ar­beit­ge­ber ty­pi­scher­wei­se tatsächlich ver­folgt, wenn sich aus den kon­kre­ten Umständen nicht an­de­res er­gibt.

7. Das Vor­lie­gen auch der Vor­aus­set­zun­gen des § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB steht der An­wen­dung des § 613 a Abs. 1 Satz 1 BGB nicht ent­ge­gen (eben­so LAG Schles­wig-Hol­stein, 17.07.2008 - 3 Sa 159/08 - ju­ris).

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Offenbach, Urteil vom 04.03.2008,6 Ca 778/07
   

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