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In Deutsch­land gibt es vie­le un­be­setz­te Aus­bil­dungs­plät­ze

Lehr­lin­ge wer­den knapp - Su­che auch jen­seits der Lan­des­gren­ze

02.04.2012 (dpa/th) - Thü­rin­ger Un­ter­neh­men wol­len künf­tig mehr jun­ge Leu­te aus dem Aus­land für ei­ne Aus­bil­dung ge­win­nen.

"Be­son­ders in der Dienst­leis­tungs­bran­che und im Ho­tel- und Gast­stät­ten­ge­wer­be fehlt es an qua­li­fi­zier­ten Be­wer­bern", sag­te der Ab­tei­lungs­lei­ter Aus- und Wei­ter­bil­dung bei der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Er­furt, Tho­mas Fahl­busch, in ei­ner Um­fra­ge der Nach­rich­ten­agen­tur dpa.

Doch auch in den meis­ten an­de­ren Bran­chen be­ste­he ein Man­gel an Kan­di­da­ten. Nach An­ga­ben der Lan­des­ar­beits­agen­tur ha­ben sich im Frei­staat bis Mit­te März 8.200 Lehr­stel­len­be­wer­ber ge­mel­det. Die Zahl der an­ge­bo­te­nen Aus­bil­dungs­plät­ze stieg um 6 Pro­zent auf et­wa 10.900. Da­mit setz­te sich der Trend des ver­gan­ge­nen Jah­res fort.

"Es be­steht ein ho­hes Ri­si­ko, dass der ge­stie­ge­ne Aus­bil­dungs­be­darf der Thü­rin­ger Un­ter­neh­men nicht ge­deckt wer­den kann", er­klär­te der Chef der Lan­des­ar­beits­agen­tur, Kay Se­ni­us. "Wir schau­en uns da­her auch im Aus­land für un­se­re Mit­glie­der um", sag­te Fahl­busch.

Bis­her sei ver­sucht wor­den, 15 Stel­len mit jun­gen Leu­ten aus dem Aus­land zu be­set­zen. "Zwölf der In­ter­es­sen­ten sind ge­blie­ben", be­rich­te­te Fahl­busch. Den Kon­takt hat die IHK über Schul­lei­ter in Ost-Un­garn her­ge­stellt. "Die Ju­gend­li­chen sol­len Ver­trau­en in un­se­re Fir­men und ei­ne Aus­bil­dung hier be­kom­men. Es nützt nichts, wenn sie die Aus­bil­dung mit­ten­drin ab­bre­chen." Die­sen Weg der Fach­kräf­te­ge­win­nung hal­ten auch Ar­beits­markt­ex­per­ten für sinn­voll.

Nach Mei­nung von Her­bert Brü­cker, Ab­tei­lungs­lei­ter am In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB) in Nürn­berg, ist nicht mit ei­nem Zu­strom aus­län­di­scher Schul­ab­gän­ger zu rech­nen.

"Das Lohn­ge­fäl­le zwi­schen Deutsch­land und Po­len ist bei­spiels­wei­se im­mer noch sehr groß. Aber die kar­gen Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen deut­scher Un­ter­neh­men sind selbst für Ost­eu­ro­pä­er kein gro­ßer An­reiz", sag­te Brü­cker. Hin­zu kä­men die oft hö­he­ren Ver­gü­tun­gen von Un­ter­neh­men in West­deutsch­land. "Da muss man an­de­re We­ge fin­den." Fir­men könn­ten Un­ter­künf­te be­reit­stel­len, Sprach­kur­se und Ver­pfle­gung an­bie­ten.

Den Weg der IHK Er­furt hält er für rich­tig. "Un­ter­neh­men müs­sen di­rekt in den dor­ti­gen Schu­len und auf Mes­sen für ei­ne Aus­bil­dung in Deutsch­land wer­ben", be­ton­te der IAB-For­scher. "Ei­ni­ge un­se­rer Fir­men or­ga­ni­sie­ren den Aus­zu­bil­den­den be­reits Woh­nun­gen und schie­ßen teil­wei­se auch et­was hin­zu", be­rich­te­te Fahl­busch. "An­sons­ten ver­su­chen wir, mit den Kar­rie­re­aus­sich­ten und den Über­nah­me­chan­cen zu über­zeu­gen."

Das Elek­tro­bau-Un­ter­neh­men HBS aus Oet­ters­dorf im Saa­le-Or­la-Kreis sucht für das nächs­te Aus­bil­dungs­jahr nach Azu­bis auch im Aus­land. "Wir ha­ben ins­ge­samt 42 Aus­bil­dungs­stel­len zum In­dus­trie­elek­tri­ker zu be­set­zen. Die wer­den wir al­lein mit Deut­schen nicht be­set­zen kön­nen. Des­halb su­chen wir ak­tu­ell in Spa­ni­en, Un­garn und Ru­mä­ni­en", be­rich­te­te Ge­schäfts­füh­rer Dan­ny Schind­ler.

Da­zu sei Kon­takt über ex­ter­ne Be­ra­ter und die Au­ßen­han­dels­kam­mer her­ge­stellt wor­den. "Wir ha­ben bis­her kei­ne Er­fah­run­gen." Die Neu­an­kömm­lin­ge sol­len je­doch gut auf­ge­nom­men wer­den. "Die Spra­che ist da­bei das wich­tigs­te. Auf un­se­ren Bau­stel­len soll wei­ter Deutsch ge­spro­chen wer­den."

Die Ver­bes­se­rung von Sprach­kennt­nis­sen hält auch der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der IHK Süd­thü­rin­gen, Ralf Pie­ter­was, für wich­tig. "Die Ju­gend­li­chen müs­sen Si­cher­heit in der Spra­che be­kom­men, um hier Fuß zu fas­sen." In Süd­thü­rin­gen ge­be es zwar ins­ge­samt 33 Aus­zu­bil­den­de mit aus­län­di­schen Päs­sen.

"Die Mehr­heit ist aber wahr­schein­lich hier auf­ge­wach­sen", räum­te Pie­ter­was ein. "Bis­her tun wir noch zu we­nig." Er set­ze auf ei­ne An­wer­bung von Aus­zu­bil­den­den und Fach­kräf­ten aus den süd­eu­ro­päi­schen Län­dern wie Grie­chen­land oder Spa­ni­en, die der­zeit in der Kri­se steck­ten. "Dort gibt es ei­ne hor­ren­de Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit", sag­te der IHK-Ge­schäfts­füh­rer in Suhl.

Für den Ar­beits­markt-Ex­per­ten Brü­cker ver­spricht die­ser Ver­such we­ni­ger Er­folg als ei­ne Aus­rich­tung nach Os­ten. "Das Lohn­ge­fäl­le ist hier zu ge­ring."

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Letzte Überarbeitung: 13. Mai 2014

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