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HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

 

LAG Köln, Ur­teil vom 17.01.2011, 5 Sa 1237/10

   
Schlagworte: Befristung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Köln
Aktenzeichen: 5 Sa 1237/10
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 17.01.2011
   
Leitsätze: Eine Projektbefristung setzt voraus, dass es sich um eine vorübergehende und gegenüber den Daueraufgaben des Arbeitgebers abgrenzbare Zusatzaufgabe handelt, deren zeitliche Dauer auf einer sorgfältigen Prognose des Arbeitgebers beruht.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 25.06.2010, 5 Ca 1542/10
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, 5 Sa 1237/10

 

Te­nor:

1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 25.06.2010 – 5 Ca 1542/10 – wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.

2. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

 

Tat­be­stand

Der Kläger wen­det sich mit der Kla­ge ge­gen die Rechts­wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tung.

Der Kläger war bei der be­klag­ten B f A zunächst durch Ar­beits­ver­trag vom 20.02.2008 (Bl. 4 f. d. A.) in der Zeit vom 22.02.2008 bis 31.01.2009 als voll­beschäftig­ter An­ge­stell­ter beschäftigt. Tätig­keits­ort des Klägers war zunächst die A f A in K .

Nach we­ni­gen Tätig­keits­ta­gen auf dem ihm zunächst zu­ge­wie­se­nen Ar­beits­platz in Köln (Bl. 36 d. A.) wur­de der Kläger auf­grund ver­schie­de­ner Ab­ord­nungs­schrei­ben (Bl. 38 - 41 d. A.) be­reits mit Wir­kung ab dem 26.02.2008 zur A f A B (re­gio­na­ler IT-Ser­vice) ab­ge­ord­net.

Ein wei­ter be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag wur­de mit dem Kläger am 27.01.2009 ab­ge­schlos­sen für die Zeit vom 01.01.2009 bis zum 06.02.2010 (Bl. 6 f. d. A.). Die Ab­ord­nung zur A f A B wur­de durch meh­re­re Ab­ord­nungs­schrei­ben (Bl. 44 - 47 d. A.) bis zum 06.02.2010 verlängert.

Mit dem streit­ge­genständ­li­chen drit­ten be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag wur­de ein

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be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis für die Zeit vom 07.02.2010 bis zum 31.12.2010 ab­ge­schlos­sen (Bl. 8 f. d. A.).
In dem hier­zu dem Kläger über­sand­ten Geschäfts­ver­tei­lungs­schrei­ben vom 27.01.2010 (Bl. 49 d. A.) hieß es u. a.:

„Hin­sicht­lich ih­rer Tätig­keitsüber­tra­gung und ih­rer Ein­grup­pie­rung er­ge­ben sich da­bei kei­ne Ände­run­gen.“

Der Kläger hat die Be­fris­tung des letz­ten Ar­beits­ver­tra­ges für rechts­un­wirk­sam ge­hal­ten und durch am 24.02.2010 ein­ge­gan­ge­ne Kla­ge die Rechts­un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung gel­tend ge­macht. Die Be­klag­te hat sich erst­in­stanz­lich auf ei­ne Sach­grund­be­fris­tung für den Zeit­raum 07.02.2010 bis 31.12.2010 we­gen des Pro­jekts „In­stal­la­ti­on der pro­fes­sio­nel­len IT-Be­ra­tung“ (Bl. 48 d. A.) be­ru­fen.

Der Kläger hat den an­ge­ge­be­nen Sach­grund be­strit­ten. Er hat vor­ge­tra­gen, er sei seit Be­ginn sei­ner Tätig­keit in das Ta­ges­geschäft „Re­mo­te-Sup­port“ voll ein­ge­bun­den ge­we­sen. Nur vorüber­ge­hend ha­be er we­ni­ge Mi­nu­ten bzw. St­un­den in der Zeit vom 01.03. bis zum 21.03.2010 in der an­ge­ge­be­nen IT-Be­ra­tung ge­ar­bei­tet. Seit­dem 22.03.2010 sei er nicht mehr in die­se IT-Be­ra­tung ein­ge­bun­den ge­we­sen.

Zwi­schen­zeit­lich sei An­fang Mai 2010 ei­ne Frau S J bei der Be­klag­ten ein­ge­stellt wor­den, die aus­sch­ließlich die IT-Be­ra­tung be­treut ha­be. Außer­dem fin­de die­se IT-Be­ra­tung aus­sch­ließlich in der Dienst­stel­le B statt, doch sei sein Dienst­ort laut Ar­beits­ver­trag K .

Dem­ge­genüber hat sich die Be­klag­te dar­auf be­ru­fen, dass es sich um ein ein­ma­lig an­fal­len­des, zeit­lich be­grenz­tes Pro­jekt ge­han­delt ha­be. Die Be­klag­te ha­be zu Be­ginn des Jah­res 2010 pro­gnos­ti­ziert, dass die In­stal­la­ti­on der IT-Be­ra­tung bis En­de 2010 ab­ge­schlos­sen sein wer­de.

Durch Ur­teil vom 25.06.2010 hat das Ar­beits­ge­richt der Kla­ge in vol­lem Um­fang 1stattgegeben und fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en auf­grund der Be­fris­tung vom 27.01.2010 nicht mit Ab­lauf des 31.12.2010 en­den wird.

Zur Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt dar­auf ab­ge­stellt, dass die Be­klag­te im an­geführ­ten Be­fris­tungs­grund nicht hin­rei­chend dar­zu­tun ver­mocht ha­be. Ins­be­son­de­re ha­be sie nicht vor­ge­tra­gen, dass der Kläger in dem von der Be­klag­ten an­geführ­ten Um­fang in dem von der Be­klag­ten ge­nann­ten Pro­jekt tatsächlich ein­ge­setzt wor­den sei. Die Be­klag­te ha­be ins­be­son­de­re dem Vor­trag des Klägers nicht wi­der­spro­chen, wo­nach er in dem an­ge­ge­be­nen Pro­jekt nur ganz kur­ze Pha­sen im März 2010 ein­ge­setzt wor­den sei, nach dem 22.03.2010 je­doch über­haupt nicht mehr. Wei­ter ha­be der Kläger in­so­weit un­wi­der­spro­chen vor­ge­tra­gen, dass für die ei­gent­li­che IT-Be­ra­tung ei­ne Frau J An­fang Mai bei der Be­klag­ten neu ein­ge­stellt wor­den sei, spe­zi­ell für die­se Auf­ga­be. Da­mit ha­be die Be­klag­te nicht schlüssig dar­ge­legt, dass der Kläger tatsächlich im Rah­men der an­ge­ge­be­nen Sach­grund­be­fris­tung ein­ge­setzt wer­de.

Ge­gen die­ses Ur­teil rich­tet sich die form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te und be­gründe­te Be­ru­fung der Be­klag­ten. Zur Be­gründung trägt die Be­klag­ten­sei­te vor, Be­fris­tungs­grund sei nicht die IT-Be­ra­tung son­dern das Pro­jekt „In­stal­la­ti­on der pro­fes­sio­nel­len IT-Be­ra­tung“ ge­we­sen. Da­bei sei das Er­ar­bei­ten von Emp­feh­lun­gen, wie der Um­gang der Mit­ar­bei­ter/in­nen mit ih­rer Hard- und Soft­ware pro­fes­sio­nel­ler, qua­li­ta­ti­ver und quan­ti­ta­ti­ver ge­stal­tet wer­den könne, Pro­jek­tin­halt ge­we­sen. Nach der da­ma­li­gen Pla­nung ha­be die­ses Er­rich­tungs­pro­jekt En­de 2010/An­fang 2011 von der Pla­nungs- in die Durchführungs­pha­se über­ge­hen sol­len. Mit E-Mail vom 21.01.2010 ha­be der Lei­ter des re­gio­na­len IT-Ser­vice den IS-Per­so­nal­ser­vice und den IS-In­ter­ner Dienst­be­trieb bei der A f A um Verlänge­rung des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem

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Kläger mit fol­gen­dem Be­fris­tungs­grund ge­be­ten:

Der re­gio­na­le IT-Ser­vice möch­te ne­ben sei­nen Dienst­leis­tungs­auf­ga­ben ser­vice­ori­en­tiert auf die An­wen­de­rin­nen und An­wen­der zu­ge­hen. Da­zu möch­te der RITS zusätz­lich zu sei­nen Li­ni­en­auf­ga­ben die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen in der Hand­ha­bung der Ar­beits­mit­tel (so­wohl Hard- und Soft­ware; MAP, Soft­ware AGS Te­le­fo­nie, Ab­la­gen­ver­wal­tung etc). be­ra­ten. Die­ses Feld der IT-Be­ra­tung möch­ten wir Im Jahr 2010 kon­zep­tio­nell an­denken.“

Tatsächlich sei der Kläger bis En­de März 2010 auch in dem Pro­jekt „In­stal­la­ti­on“ ein­ge­setzt wor­den. Ab An­fang April sei der Kläger so­dann wie­der in der Auf­ga­be Vor-Ort-Sup­port und Re­mo­te-Sup­port tätig ge­wor­den, weil auf Wei­sung der Haupt­stel­le in N das RITS ver­früht und über­ra­schend be­reits Mit­te 2010 mit der Um­set­zung der IT-Be­ra­tung be­gin­nen soll­te, wo­mit sich das Pro­jekt „In­stal­la­ti­on“ von selbst er­le­digt ha­be. Im Ju­li 2010 sei der Kläger so­dann in den Be­reich „In­fra­struk­tur“ RITS nach K ge­wech­selt. Nach­dem dem Pro­jekt „Pro­jek­tie­rung der pro­fes­sio­nel­len IT-Be­ra­tung“ be­en­det ge­we­sen sei und die pro­fes­sio­nel­le IT-Be­ra­tung selbst durch­zuführen ge­we­sen sei, wofür ein IT-Tech­ni­ker benötigt und Frau S J ein­ge­stellt wor­den sei, sei für den Kläger im Be­reich pro­fes­sio­nel­ler IT-Be­ra­tung kein Raum mehr ge­we­sen. Der Kläger über­se­he zu­dem, dass er im März auch die Auf­ga­be der Ti­cket­aus­wer­tung und Ti­cket­ana­ly­se im Rah­men des Pro­jekts ge­habt ha­be.

Die Be­klag­te be­an­tragt, 

un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Köln vom 25.06.2010 - 5 Ca 1542/10 - die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der Kläger be­an­tragt 

die Be­ru­fung der Be­klag­ten kos­ten­pflich­tig zurück­zu­wei­sen. 

Der Kläger ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil. Die Be­klag­te ha­be we­der erst­in­stanz­lich noch in der Be­ru­fungs­schrift dar­ge­legt, auf­grund wel­cher Umstände zum Zeit­punkt des Ver­trags­ab­schlus­ses En­de Ja­nu­ar 2010 sich der Ein­satz des Klägers im Be­reich „In­stal­la­ti­on der pro­fes­sio­nel­len IT-Be­ra­tung“ er­ge­ben hätte und auf­grund wel­cher Umstände sich dies im Nach­hin­ein als falsch her­aus­ge­stellt ha­ben soll­te. Denn der Kläger sei - wie erst­in­stanz­lich un­be­strit­ten vor­ge­tra­gen - le­dig­lich im März 2010 in sehr ge­rin­gem Um­fang in der „IT-Be­ra­tung“ tätig ge­we­sen. Der Kläger sei des­halb be­reits in der tatsächli­chen „IT-Be­ra­tung“ von An­wen­dern, al­so Mit­ar­bei­tern der Be­klag­ten tätig ge­we­sen, nicht je­doch im Be­reich der Kon­zep­ti­on, Pla­nung oder In­stal­la­ti­on ei­ner pro­fes­sio­nel­len IT-Be­ra­tung. Ins­ge­samt sei der Kläger aus­sch­ließlich an 11 Ta­gen im März 2010 in ei­nem Um­fang von 10 St­un­den und 10 Mi­nu­ten im Be­reich der tatsächli­chen IT-Be­ra­tung tätig ge­we­sen. Dem ste­he ge­genüber, dass die Be­klag­te im RITS K die IT-Be­ra­tung be­reits tatsächlich durch­geführt ha­be. Die­se IT-Be­ra­tung der An­wen­der, al­so nicht de­ren Kon­zep­ti­on, Pla­nung oder In­stal­la­ti­on ha­be im April 2010 be­reits ei­nen Um­fang von 691 St­un­den ge­habt. Ent­ge­gen dem Vor­trag der Be­klag­ten sei tatsächlich zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des letz­ten be­fris­te­ten Ver­tra­ges vom Ja­nu­ar 2010 nicht ge­plant ge­we­sen, im Jah­re 2010 Struk­tu­ren und Pro­zes­se zu schaf­fen, die ei­ne pro­fes­sio­nel­le IT-Be­ra­tung ab dem Jah­re 2011 si­cher­stel­len soll­ten. Es möge zwar sein, dass in­so­weit ein Stra­te­gie­pa­pier „IT-Stra­te­gie 2015“ exis­tie­re. Dies ha­be aber nicht mit der tatsächli­chen Ein­satz­pla­nung hin­sicht­lich des Klägers zu tun. Dem Kläger sei mit Schrei­ben vom 27.01.2010 ge­ra­de ver­deut­licht wor­den, dass sich hin­sicht­lich der Tätig­keitsüber­tra­gung kei­ne Ände­run­gen ergäben. Dem­ent­spre­chend sei der Kläger ja auch un­verändert in der A in B tätig und dort­hin bis zum 30.06.2010 wei­ter­hin ab­ge­ord­net wor­den.

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Un­abhängig da­von han­de­le es sich bei Be­ra­tung und Schu­lung der IT-An­wen­der, al­so den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten, um ei­ne Dau­er­auf­ga­be, die ei­ne Be­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges sach­lich nicht recht­fer­ti­gen könne.

We­gen wei­te­rer Ein­zel­hei­ten des Par­tei­vor­brin­gens wird auf die zwi­schen ih­nen ge­wech­sel­ten Schriftsätze Be­zug ge­nom­men.

Ent­scheid u n g s g r ü n d e

Die zulässi­ge Be­ru­fung der Be­klag­ten ist in der Sa­che nicht an­satz­wei­se be­gründet. Die Be­fris­tung des letz­ten ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­tra­ges ist of­fen­kun­dig rechts­un­wirk­sam.

1. Ein Be­fris­tungs­grund war er­for­der­lich, da ei­ne sach­grund­lo­se Be­fris­tung gemäß § 14 Abs. 2 S. 1 Tz­B­fG auf­grund der Beschäfti­gungs­dau­er von mehr als 2 Jah­ren nicht mehr zulässig war. Als Be­fris­tungs­grund kommt, wo­von auch die Be­klag­te aus­geht, al­lein § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 Tz­B­fG in Fra­ge, wo­nach ei­ne Be­fris­tung ge­recht­fer­tigt sein kann, wenn der be­trieb­li­che Be­darf an ei­ner Ar­beits­leis­tung nur vorüber­ge­hend be­steht.

Die­ser Be­fris­tungs­grund setzt vor­aus, dass im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses mit hin­rei­chen­der Si­cher­heit zu er­war­ten ist, dass nach dem vor­ge­se­he­nen Ver­trags­en­de für die Beschäfti­gung des be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers in dem Be­trieb kein (dau­er­haf­ter) Be­darf mehr be­steht (ständi­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, sie­he BAG, Ur­teil vom 29.07.2009 - 7 AZR 907/07 - ; BAG, 17.01.2007 - 7 AZR 20/06).

Da­bei ist der vorüber­ge­hen­de Be­darf im Sin­ne des § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 Tz­B­fG zu un­ter­schei­den von der re­gelmäßig ge­ge­be­nen Un­si­cher­heit über die zukünf­ti­ge Ent­wick­lung des Ar­beits­kräfte­be­darfs. Die all­ge­mei­ne Un­si­cher­heit über die zukünf­tig be­ste­hen­den Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten recht­fer­ti­gen die Be­fris­tung nicht. Sie gehören zum un­ter­neh­me­ri­schen Ri­si­ko des Ar­beit­ge­bers, das er nicht durch Ab­schluss be­fris­te­ter Ar­beits­verträge auf die Ar­beit­neh­mer abwälzen darf. Nach der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung kann in die­sem Rah­men ei­ne Be­fris­tung auch auf­grund ei­ner Tätig­keit in ei­nem zeit­lich be­grenz­ten Pro­jekt in Be­tracht kom­men; dies aber nur dann, wenn es sich bei der im Rah­men des Pro­jekts zu bewälti­gen­den Auf­ga­be um ei­ne auf vorüber­ge­hen­de Dau­er an­ge­leg­te und ge­genüber den Dau­er­auf­ga­ben des Ar­beit­ge­bers ab­grenz­ba­re Zu­satz­auf­ga­be han­delt. Dies ist nicht der Fall bei Tätig­kei­ten, die der Ar­beit­ge­ber im Rah­men des von ihm ver­folg­ten Be­triebs­zwecks dau­er­haft wahr­nimmt oder zu de­ren Durchführung er ver­pflich­tet ist (sie­he BAG, Ur­teil vom 29.07.2009 - 7 AZR 907/07 -, BAG, Ur­teil vom 11.02.2004 - 7 AZR 362/03 - ; BAG, Ur­teil vom 04.12.20092 - 7 AZR 437/01 - ).

Zwin­gen­de Vor­aus­set­zung für die An­er­ken­nung ei­nes vorüber­ge­hen­den Be­darfs im Rah­men ei­ner Pro­jekt­beschäfti­gung im Sin­ne des § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 Tz­B­fG ist die Er­stel­lung ei­ner Pro­gno­se, der kon­kre­te An­halts­punk­te zu­grun­de­lie­gen müssen. Die Pro­gno­se ist Teil des Sach­grunds für die Be­fris­tung (BAG, Ur­teil vom 03.11.1999 - 7 AZR 846/98 - ). Die Ver­trags­dau­er muss sich am Sach­grund für die Be­fris­tung ori­en­tie­ren und so mit ihm im Ein­klang ste­hen, dass sie den an­geführ­ten Sach­grund nicht in Fra­ge stellt. Unschädlich ist das bloße Zurück­blei­ben der ver­ein­bar­ten Ver­trags­dau­er hin­ter der bei Ver­trags­schluss vor­aus­seh­ba­ren Dau­er des Be­fris­tungs­grun­des. Geht die Ver­trags­lauf­zeit hin­ge­gen er­heb­lich über die vor­aus­sicht­li­che Dau­er des vorüber­ge­hen­den Be­darfs hin­aus, lässt dies den Schluss dar­auf zu, dass der be­haup­te­te Sach­grund für die Be­fris­tung nur vor­ge­scho­ben ist (sie­he BAG, Ur­teil vom 26.08.1988 - 7 AZR 101/88 - ; BAG, Ur­teil vom 29.07.2009 - 7 AZR 907/07 - ).

2. Un­ter An­wen­dung die­ser Maßstäbe der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung 

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ist ein aus­rei­chen­der Be­fris­tungs­grund nicht an­satz­wei­se ge­ge­ben.

Es ist be­reits nicht er­kenn­bar, dass über­haupt ein zeit­lich ab­grenz­ba­res Son­der­pro­jekt ge­plant ge­we­sen wäre. Der von der Be­klag­ten­sei­te an­geführ­te Be­fris­tungs­ver­merk ist ge­ra­de auch in zeit­li­cher Hin­sicht an Unschärfe nicht zu über­bie­ten. Das an­geb­li­che Pro­jekt „In­stal­la­ti­on der pro­fes­sio­nel­len IT-Be­ra­tung“ wird in dem Be­fris­tungs­ver­merk wie auch in der E-Mail des Lei­ters des re­gio­na­len IT-Ser­vice vom 21.01.2010 nur ne­bulös da­hin­ge­hend um­schrie­ben, dass man die­ses Feld der IT-Be­ra­tung „im Jahr 2010 kon­zep­tio­nell an­denken“ möch­te. Es feh­len jeg­li­che kon­kre­te An­ga­ben darüber, wel­chen zeit­li­chen Um­fang die­ses „Pro­jekt“ im Ein­zel­nen ha­ben soll. Es feh­len An­ga­ben da­zu, wel­che Mit­ar­bei­ter­ka­pa­zitäten hierfür ein­ge­plant wer­den sol­len. Und es ist in kei­ner Wei­se er­sicht­lich, dass die­ses an­geb­li­che Pro­jekt zum En­de des Jah­res 2010 auch tatsächlich be­en­det hätte sein sol­len.

Oh­ne­hin be­ste­hen un­abhängig hier­von durch­grei­fen­de Zwei­fel, ob die in die­sem Be­fris­tungs­ver­merk be­schrie­be­nen Auf­ga­ben für ein be­fris­te­tes Pro­jekt taug­lich sind. Denn die In­stal­la­ti­on ei­ner pro­fes­sio­nel­len IT-Be­ra­tung dürf­te zu den Dau­er­auf­ga­ben ei­ner Ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on gehören, die ih­re Dienst­leis­tun­gen in dem Um­fang wie die Be­klag­te mit Hil­fe von IT und den ent­spre­chend dort täti­gen Mit­ar­bei­tern er­bringt.

Un­abhängig vom vor­her Ge­sag­ten schei­tert die An­er­ken­nung des an­geb­li­chen Pro­jekts als Be­fris­tungs­grund im Sin­ne des § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 Tz­B­fG auch dar­an, dass kei­ner­lei fun­dier­te Pro­gno­se er­stellt wor­den ist, wie dies nach der dar­ge­stell­ten höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung Vor­aus­set­zung ge­we­sen wäre. Dass ei­ne sol­che se­riöse Pro­gno­se vollständig ge­fehlt hat, lässt sich schon dar­aus ab­lei­ten, dass nur ca. 6 Wo­chen nach der an­geb­lich auf das Jah­res­en­de 2010 be­zo­ge­nen Pro­gno­se die Wei­sung der Haupt­stel­le in N kam, be­reits Mit­te 2010 mit der Um­set­zung der IT-Be­ra­tung zu be­gin­nen. Die Be­klag­te schreibt selbst in ih­rer Be­ru­fungs­be­gründung, dass die­se Wei­sung ver­früht und über­ra­schend ge­kom­men sei, wo­durch sich das Pro­jekt In­stal­la­ti­on von selbst er­le­digt ha­be. Die­ser Vor­gang öff­net zwar den Blick für we­nig un­ter den ein­zel­nen Ebe­nen ab­ge­stimm­te Pla­nungs­zustände bei der Be­klag­ten. Er un­ter­streicht aber zu­gleich, dass von ei­ner se­riösen, auf so­li­de Fak­ten ge­gründe­ten Pro­gno­se­ent­schei­dung nicht an­satz­wei­se die Re­de sein kann, wenn ein ursprüng­lich für fast ein Jahr ge­plan­tes Pro­jekt sich in­ner­halb we­ni­ger Wo­chen „von selbst er­le­digt“.

Nach al­lem ist be­reits kein kon­kre­tes be­fris­te­tes Pro­jekt er­kenn­bar, dass ei­ne Be­fris­tung gemäß § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 Tz­B­fG recht­fer­ti­gen könn­te.

3. Un­abhängig von den obi­gen Ausführun­gen schei­tert die Be­fris­tung auch dar­an, dass der Kläger tatsächlich in dem an­geb­li­chen Pro­jekt so gut wie nicht ein­ge­setzt wor­den ist. Am klars­ten hat dies die Be­klag­te selbst zum Aus­druck ge­bracht, in­dem sie den Kläger mit Schrei­ben vom 27.01.2010 (Bl. 49 d. A.) mit­ge­teilt hat, dass sich auch für die Zeit des drit­ten be­fris­te­ten Ver­tra­ges vom 06.02.2010 bis zum 31.12.2010 hin­sicht­lich der Tätig­keitsüber­tra­gung und der Ein­grup­pie­rung des Klägers kei­ne Ände­run­gen ergäben. Da­mit wird un­miss­verständ­lich klar­ge­legt, dass es der Be­klag­ten dar­um ging, den Kläger an der bis­he­ri­gen Stel­le wei­ter zu beschäfti­gen. Dem ent­spricht es auch, dass der Kläger nur we­ni­ge Ta­ge und we­ni­ge St­un­den im März 2010 in dem an­geb­li­chen Pro­jekt tätig ge­we­sen ist. Dass statt­des­sen in der IT-Be­ra­tung un­strei­tig ei­ne neue Mit­ar­bei­te­rin ein­ge­stellt wor­den ist, ver­vollständigt das Bild. An­lass zu ei­ner Ver­ta­gung und zu ei­ner noch­ma­li­gen Einräum­ung ei­ner Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me für die Be­klag­ten­sei­te be­stand nicht. Denn die Be­klag­te war durch das erst­in­stanz­li­che Ur­teil be­reits in aus­rei­chen­der Wei­se dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ihr Vor­trag bei Wei­tem nicht aus­rei­chend dafür war, ein be­fris­te­tes Pro­jekt so­wie ei­ne

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Beschäfti­gung des Klägers in die­sem an­neh­men zu können. Zu­dem hätte zusätz­li­ches neu­es Vor­brin­gen gemäß § 67 Abs. 4 ArbGG spätes­tens in der Be­ru­fungs­be­gründung er­fol­gen müssen. Dies ist je­doch nicht ge­sche­hen.

4. Die Be­ru­fung war da­her mit der Kos­ten­fol­ge des § 97 Abs. 1 ZPO zurück­zu­wei­sen. Die Re­vi­si­on war nicht zu­zu­las­sen, da die Rechts­sa­che kei­ne rechts­grundsätz­li­che Be­deu­tung hat­te, son­dern ein Ein­zel­fall auf der Ba­sis der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung zu ent­schei­den war.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil ist kein wei­te­res Rechts­mit­tel ge­ge­ben. Hin­sicht­lich der 

Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wird auf § 72 a ArbGG Be­zug ge­nom­men.

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