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HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

 

EuGH, Ur­teil vom 06.09.2011, C-108/10 - Scat­to­lon

   
Schlagworte: Lohn, Betriebsübergang
   
Gericht: Europäischer Gerichtshof
Aktenzeichen: C-108/10
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 06.09.2011
   
Leitsätze:
Vorinstanzen:
   


UR­TEIL DES GERICH­TSHOFS (Große Kam­mer)

6. Sep­tem­ber 2011(*)

„So­zi­al­po­li­tik – Richt­li­nie 77/187/EWG – Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men – Be­grif­fe ‚Un­ter­neh­men‘ und ‚Über­gang‘ – Öffent­lich-recht­li­cher Veräußerer und öffent­lich-recht­li­cher Er­wer­ber – An­wen­dung des für den Er­wer­ber gel­ten­den Ta­rif­ver­trags ab dem Zeit­punkt des Über­gangs – Be­hand­lung hin­sicht­lich Lohn und Ge­halt – Berück­sich­ti­gung des beim Veräußerer er­reich­ten Dienst­al­ters“

In der Rechts­sa­che C‑108/10

be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom Tri­bu­na­le di Ve­ne­zia (Ita­li­en) mit Ent­schei­dung vom 4. Ja­nu­ar 2010, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 26. Fe­bru­ar 2010, in dem Ver­fah­ren

Iva­na Scat­to­lon

ge­gen

Mi­nis­te­ro dell’Istru­zio­ne, dell’Uni­ver­sità e del­la Ri­cer­ca

erlässt

DER GERICH­TSHOF (Große Kam­mer)

un­ter Mit­wir­kung des Präsi­den­ten V. Skou­ris, der Kam­mer­präsi­den­ten J. N. Cun­ha Ro­d­ri­gues, K. Lena­erts, J.‑C. Bo­ni­chot, J.‑J. Ka­sel und D. Šváby, der Rich­ter G. Ares­tis, A. Borg Bart­het, M. Ilešič (Be­richt­er­stat­ter), der Rich­te­rin C. Toa­der so­wie des Rich­ters M. Saf­jan,

Ge­ne­ral­an­walt: Y. Bot,

Kanz­ler: A. Im­pel­liz­ze­ri, Ver­wal­tungsrätin,

auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 1. Fe­bru­ar 2011,

un­ter Berück­sich­ti­gung der Erklärun­gen

– von Frau Scat­to­lon, ver­tre­ten durch N. Zam­pie­ri, A. Cam­pe­san und V. De Mi­che­le, av­vo­ca­ti,

– der ita­lie­ni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch G. Pal­mie­ri als Be­vollmäch­tig­te im Bei­stand von L. D’Ascia, av­vo­ca­to del­lo Sta­to,

– der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch C. Cat­t­ab­ri­ga und J. En­e­gren als Be­vollmäch­tig­te,

nach Anhörung der Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts in der Sit­zung vom 5. April 2011

fol­gen­des

Ur­teil

Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung der Richt­li­nie 77/187/EWG des Ra­tes vom

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14. Fe­bru­ar 1977 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Be­triebs­tei­len (ABl. L 61, S. 26) und der Richt­li­nie 2001/23/EG des Ra­tes vom 12. März 2001 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len (ABl. L 82, S. 16) so­wie die Aus­le­gung all­ge­mei­ner Rechts­grundsätze.

Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Frau Scat­to­lon und dem Mi­nis­te­ro dell’Istru­zio­ne, dell’Uni­ver­sità e del­la Ri­cer­ca (ita­lie­ni­sches Mi­nis­te­ri­um für Un­ter­richt, Uni­ver­sitäten und For­schung, im Fol­gen­den: Mi­nis­te­ri­um) we­gen des beim Über­gang von Frau Scat­to­lon in den Dienst des Mi­nis­te­ri­ums nicht berück­sich­tig­ten Dienst­al­ters, das sie bei der Ge­mein­de Scorzè, ih­rem frühe­ren Ar­beit­ge­ber, er­reicht hat­te.

Recht­li­cher Rah­men

Uni­ons­recht

Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 77/187 in der ursprüng­li­chen Fas­sung lau­tet:

„Die­se Richt­li­nie ist auf den Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Be­triebs­tei­len auf ei­nen an­de­ren In­ha­ber durch ver­trag­li­che Über­tra­gung oder durch Ver­schmel­zung an­wend­bar.“

Gemäß Art. 2 die­ser Richt­li­nie war un­ter „Veräußerer“ je­de natürli­che oder ju­ris­ti­sche Per­son zu ver­ste­hen, die auf­grund ei­nes Über­gangs im Sin­ne von Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie als In­ha­ber aus dem Un­ter­neh­men aus­schei­det, und un­ter „Er­wer­ber“ je­de natürli­che oder ju­ris­ti­sche Per­son, die auf­grund ei­nes sol­chen Über­gangs In­ha­ber des Un­ter­neh­mens wird.

Art. 3 Abs. 1 und 2 der Richt­li­nie 77/187 be­stimm­te:

„(1) Die Rech­te und Pflich­ten des Veräußerers aus ei­nem zum Zeit­punkt des Über­gangs im Sin­ne des Ar­ti­kels 1 Ab­satz 1 be­ste­hen­den Ar­beits­ver­trag oder Ar­beits­verhält­nis ge­hen auf Grund des Über­gangs auf den Er­wer­ber über.
...

(2) Nach dem Über­gang im Sin­ne des Ar­ti­kels 1 Ab­satz 1 erhält der Er­wer­ber die in ei­nem Kol­lek­tiv­ver­trag ver­ein­bar­ten Ar­beits­be­din­gun­gen bis zu der Kündi­gung oder dem Ab­lauf des Kol­lek­tiv­ver­trags bzw. bis zum In­kraft­tre­ten oder bis zu der An­wen­dung ei­nes an­de­ren Kol­lek­tiv­ver­trags in dem glei­chen Maße auf­recht, wie sie in dem Kol­lek­tiv­ver­trag für den Veräußerer vor­ge­se­hen wa­ren.

Die Mit­glied­staa­ten können den Zeit­raum der Auf­recht­er­hal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen be­gren­zen, so­fern die­ser nicht we­ni­ger als ein Jahr beträgt.“

Art. 4 der Richt­li­nie 77/187 lau­te­te:

„(1) Der Über­gang ei­nes Un­ter­neh­mens, Be­trie­bes oder Be­triebs­teils stellt als sol­cher für den Veräußerer oder den Er­wer­ber kei­nen Grund zur Kündi­gung dar. Die­se Be­stim­mung steht et­wai­gen Kündi­gun­gen aus wirt­schaft­li­chen, tech­ni­schen oder or­ga­ni­sa­to­ri­schen Gründen, die Ände­run­gen im Be­reich der Beschäfti­gung mit sich brin­gen, nicht ent­ge­gen.
...

(2) Kommt es zu ei­ner Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­trags oder Ar­beits­verhält­nis­ses, weil der Über­gang im Sin­ne des Ar­ti­kels 1 Ab­satz 1 ei­ne we­sent­li­che Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen zum Nach­teil des Ar­beit­neh­mers zur Fol­ge hat, so ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Be­en­di­gung des

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Ar­beits­ver­trags oder Ar­beits­verhält­nis­ses durch den Ar­beit­ge­ber er­folgt ist.“

Nach In­kraft­tre­ten der Richt­li­nie 98/50/EG des Ra­tes vom 29. Ju­ni 1998 zur Ände­rung der Richt­li­nie 77/187/EWG (ABl. L 201, S. 88), de­ren Um­set­zungs­frist für die Mit­glied­staa­ten am 17. Ju­li 2001 ab­lief, lau­te­te Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 77/187:

„a) Die­se Richt­li­nie ist auf den Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- bzw. Be­triebs­tei­len auf ei­nen an­de­ren In­ha­ber durch ver­trag­li­che Über­tra­gung oder durch Ver­schmel­zung an­wend­bar.

b) Vor­be­halt­lich Buch­sta­be a) und der nach­ste­hen­den Be­stim­mun­gen die­ses Ar­ti­kels gilt als Über­gang im Sin­ne die­ser Richt­li­nie der Über­gang ei­ner ih­re Iden­tität be­wah­ren­den wirt­schaft­li­chen Ein­heit im Sin­ne ei­ner or­ga­ni­sier­ten Zu­sam­men­fas­sung von Res­sour­cen zur Ver­fol­gung ei­ner wirt­schaft­li­chen Haupt- oder Ne­bentätig­keit.

c) Die­se Richt­li­nie gilt für öffent­li­che und pri­va­te Un­ter­neh­men, die ei­ne wirt­schaft­li­che Tätig­keit ausüben, un­abhängig da­von, ob sie Er­werbs­zwe­cke ver­fol­gen oder nicht. Bei der Über­tra­gung von Auf­ga­ben im Zu­ge ei­ner Um­struk­tu­rie­rung von Ver­wal­tungs­behörden oder bei der Über­tra­gung von Ver­wal­tungs­auf­ga­ben von ei­ner Behörde auf ei­ne an­de­re han­delt es sich nicht um ei­nen Über­gang im Sin­ne die­ser Richt­li­nie.“

Die Richt­li­nie 77/187 in der durch die Richt­li­nie 98/50 geänder­ten Fas­sung wur­de aus Gründen ei­ner Ko­di­fi­zie­rung durch die Richt­li­nie 2001/23 auf­ge­ho­ben.

Der Wort­laut von Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23 ent­spricht dem von Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 77/187 in der durch die Richt­li­nie 98/50 geänder­ten Fas­sung. Die in der Richt­li­nie 2001/23 ent­hal­te­nen Be­griffs­be­stim­mun­gen für „Veräußerer“ und „Er­wer­ber“ stim­men im We­sent­li­chen mit de­nen in Art. 2 der Richt­li­nie 77/187 übe­rein.

Art. 3 Abs. 1 und 3 der Richt­li­nie 2001/23 ent­spricht im We­sent­li­chen Art. 3 Abs. 1 und 3 der Richt­li­nie 77/187. Art. 4 der Richt­li­nie 2001/23 wie­der­um ent­spricht Art. 4 der Richt­li­nie 77/187.

Na­tio­na­les Recht

Art. 2112 des Co­di­ce ci­vi­le

In Ita­li­en wur­de die Richt­li­nie 77/187 und da­nach die Richt­li­nie 2001/23 ins­be­son­de­re durch Art. 2112 des Co­di­ce ci­vi­le um­ge­setzt. Die­ser lau­tet: „Bei ei­nem Un­ter­neh­mensüber­gang wird das Ar­beits­verhält­nis mit dem Er­wer­ber fort­ge­setzt, und der Ar­beit­neh­mer behält al­le sich dar­aus er­ge­ben­den Rech­te. ... Der Er­wer­ber hat die ... Kol­lek­tiv­verträge ..., die zum Zeit­punkt des Über­gangs in Kraft wa­ren, bis zu de­ren Ab­lauf an­zu­wen­den, so­fern die­se ... nicht durch an­de­re auf das Un­ter­neh­men des Er­wer­bers an­wend­ba­re [Kol­lek­tiv­verträge] er­setzt wer­den.“

Art. 8 des Ge­set­zes Nr. 124/99 und die Mi­nis­te­ri­al­de­kre­te zu des­sen Um­set­zung

In Ita­li­en wur­den an den öffent­li­chen Schu­len bis 1999 Hilfs­diens­te, dar­un­ter ins­be­son­de­re die Rei­ni­gung und In­stand­hal­tung so­wie all­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­hilfs­diens­te, zum ei­nen von Ver­wal­tungs-, tech­ni­schem und Hilfs­per­so­nal (im Fol­gen­den: ATA-Per­so­nal) des Staa­tes und zum an­de­ren von lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten, wie z. B. den Ge­mein­den, er­bracht. Die lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten erfüll­ten die­se Auf­ga­ben ent­we­der mit ih­rem ei­ge­nen ATA-Per­so­nal oder durch Be­auf­tra­gung pri­va­ter Un­ter­neh­men.

Das ATA-Per­so­nal der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten wur­de nach dem na­tio­na­len Kol­lek­tiv­ver­trag – Sek­tor lo­ka­le Ge­bietskörper­schaf­ten – vergütet (Con­trat­to col­let­tivo na­zio­na­le di La­voro – Re­gio­ni Au­to­no­mie lo­ca­li, im Fol­gen­den: CCNL der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten). Da­ge­gen wur­de das in den öffent­li­chen Schu­len ein­ge­setz­te ATA-Per­so­nal des Staa­tes nach dem na­tio­na­len

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Kol­lek­tiv­ver­trag – Sek­tor Schu­len – be­zahlt (Con­trat­to Col­let­tivo Na­zio­na­le di La­voro del­la Scuo­la, im Fol­gen­den: CCNL der Schu­len).

Das Ge­setz Nr. 124/99 zur An­nah­me von Eil­be­stim­mun­gen im Be­reich Schul­per­so­nal (Leg­ge n. 124, dis­po­si­zio­ni ur­gen­ti in ma­te­ria di per­so­na­le sco­las­ti­co) vom 3. Mai 1999 (GURI Nr. 107 vom 10. Mai 1999, S. 4, im Fol­gen­den: Ge­setz Nr. 124/99) sah vor, dass das in den öffent­li­chen Schu­len beschäftig­te ATA-Per­so­nal der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten ab dem 1. Ja­nu­ar 2000 vom Staat über­nom­men wur­de.

Art. 8 Abs. 1 und 2 des Ge­set­zes Nr. 124/99 be­stimmt hier­zu Fol­gen­des:

„(1) Das ATA-Per­so­nal der staat­li­chen Ein­rich­tun­gen und Schu­len ... un­ter­steht dem Staat. Die Be­stim­mun­gen, nach de­nen die­ses Per­so­nal von den Ge­mein­den und Pro­vin­zen zur Verfügung ge­stellt wird, wer­den auf­ge­ho­ben.

(2) Das von lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten zum Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens des vor­lie­gen­den Ge­set­zes in staat­li­chen schu­li­schen Ein­rich­tun­gen beschäftig­te Per­so­nal im Sin­ne von Abs. 1 wird vom Staat über­nom­men und nach funk­tio­na­len Qua­li­fi­ka­tio­nen und Be­rufs­pro­fi­len zur Er­le­di­gung der die­sen Pro­fi­len ent­spre­chen­den Auf­ga­ben ein­ge­ord­net. Das Per­so­nal, des­sen Qua­li­fi­ka­tio­nen und Pro­fi­le in­ner­halb des staat­li­chen ATA-Per­so­nals kei­ne Ent­spre­chung hat, kann sich in­ner­halb von drei Mo­na­ten nach In­kraft­tre­ten des vor­lie­gen­den Ge­set­zes für die lo­ka­le Ge­bietskörper­schaft ent­schei­den, von der es her­kommt. Das von die­sem Per­so­nal bei der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaft, von der es her­kommt, er­reich­te Dienst­al­ter wird in recht­li­cher und wirt­schaft­li­cher Hin­sicht eben­so an­er­kannt wie sein Recht, in der An­fangs­zeit die Stel­le bei­zu­be­hal­ten, so­fern sie verfügbar ist.“

Die Durchführung des Ge­set­zes Nr. 124/99 er­folg­te durch das De­kret über den Über­gang des ATA-Per­so­nals der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten auf den Staat nach Art. 8 des Ge­set­zes Nr. 124/99 (de­cre­to tras­fe­ri­men­to del per­so­na­le ATA dag­li enti lo­ca­li al­lo Sta­to, ai sen­si dell’art. 8 del­la leg­ge 3 mag­gio 1999, n. 124) vom 23. Ju­li 1999 (GURI Nr. 16 vom 21. Ja­nu­ar 2000, S. 28, im Fol­gen­den: Mi­nis­te­ri­al­de­kret vom 23. Ju­li 1999), des­sen Art. 3 be­stimmt:

„...

In ei­nem De­kret ... wer­den die Ein­stu­fungs­kri­te­ri­en im Schul­sek­tor fest­ge­legt, um die Ent­gelt­re­ge­lung für das be­tref­fen­de Per­so­nal in Be­zug auf Ar­beits­ent­gelt, Ge­halts­zu­la­gen und An­er­ken­nung des bei den lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten er­reich­ten Dienst­al­ters in recht­li­cher und wirt­schaft­li­cher Hin­sicht so­wie im Hin­blick auf des­sen Aus­wir­kung auf die Ver­sor­gung nach Ab­schluss ei­nes Kol­lek­tiv­ver­trags ... zwi­schen der [Agen­zia per la rap­pre­sent­an­za ne­go­zia­le del­le pubb­li­che ammi­nis­tra­zio­ni (Agen­tur für die Ver­tre­tung der öffent­li­chen Ver­wal­tun­gen bei den Ta­rif­ver­hand­lun­gen), im Fol­gen­den: ARAN] und den ... Ge­werk­schaf­ten ... an die Ent­gelt­re­ge­lung die­ses Sek­tors an­zu­pas­sen. ...“

Art. 9 des Mi­nis­te­ri­al­de­krets vom 23. Ju­li 1999 lau­tet:

„Der Staat tritt ab 24. Mai 1999 in die von den lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten ge­schlos­se­nen, even­tu­ell später er­neu­er­ten Verträge, so­weit sie die Erfüllung von ATA-Auf­ga­ben an staat­li­chen Schu­len si­cher­stel­len, ein, statt Ar­beit­neh­mer ein­zu­stel­len. ... Un­be­scha­det der wei­te­ren Er­brin­gung von Tätig­kei­ten durch Drit­te ... auf­grund der gel­ten­den Rechts­vor­schrif­ten tritt der Staat in die von den lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten mit den Un­ter­neh­men ge­schlos­se­nen Verträge ... über die ATA-Auf­ga­ben ein, zu de­ren Erfüllung die lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten an­stel­le des Staa­tes ge­setz­lich ver­pflich­tet ge­we­sen sind. ...“

Die in Art. 3 des Mi­nis­te­ri­al­de­krets vom 23. Ju­li 1999 vor­ge­se­he­ne Ver­ein­ba­rung zwi­schen ARAN und den Ge­werk­schaf­ten wur­de am 20. Ju­li 2000 un­ter­zeich­net und durch das Mi­nis­te­ri­al­de­kret zur Ge­neh­mi­gung der Ver­ein­ba­rung vom 20. Ju­li 2000 zwi­schen ARAN und den Ver­tre­tern der Ar­beit­neh­mer­or­ga­ni­sa­tio­nen und Ge­werk­schafts­verbände bezüglich der Ein­stu­fungs­kri­te­ri­en für das

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in den Schul­sek­tor über­nom­me­ne ehe­ma­li­ge Per­so­nal der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten (de­cre­to re­ce­pi­men­to dell’ac­cor­do ARAN – Rap­pre­sen­tan­ti del­le or­ga­niz­za­zio­ni e con­fe­dera­zio­ni sinda­ca­li in da­ta 20 lug­lio 2000, sui cri­te­ri di in­qua­dra­men­to del per­so­na­le già di­pen­den­te de­gli enti lo­ca­li e tran­si­ta­to nel com­par­to scuo­la) vom 5. April 2001 ge­neh­migt (GURI Nr. 162 vom 14. Ju­li 2001, S. 27, im Fol­gen­den: Mi­nis­te­ri­al­de­kret vom 5. April 2001).

In die­ser Ver­ein­ba­rung heißt es:

„Ar­ti­kel 1 – An­wen­dungs­be­reich

Die vor­lie­gen­de Ver­ein­ba­rung gilt ab dem 1. Ja­nu­ar 2000 für das gemäß Art. 8 des [Ge­set­zes Nr. 124/99] und ... des Mi­nis­te­ri­al­de­krets ... vom 23. Ju­li 1999 in den Schul­sek­tor über­nom­me­ne Per­so­nal der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten ...

Ar­ti­kel 2 – Ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen

(1) Ab dem 1. Ja­nu­ar 2000 ist der [CCNL der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten] nicht mehr auf das von der vor­lie­gen­den Ver­ein­ba­rung er­fass­te Per­so­nal an­wend­bar ...; ab dem­sel­ben Zeit­punkt un­ter­liegt die­ses Per­so­nal dem [CCNL der Schu­len] ein­sch­ließlich al­ler die Vergütungs­zu­la­ge be­tref­fen­den Ver­ein­ba­run­gen, so­weit in den nach­ste­hen­den Ar­ti­keln nicht an­ders ge­re­gelt.
...

Ar­ti­kel 3 – Ein­stu­fung und Ar­beits­ent­gelt

(1) Die in Art. 1 der vor­lie­gen­den Ver­ein­ba­rung ge­nann­ten Ar­beit­neh­mer wer­den auf der Ge­halts­ska­la ... nach den nach­ste­hen­den Mo­da­litäten auf der Ge­halts­stu­fe ent­spre­chend den je­wei­li­gen be­ruf­li­chen Qua­li­fi­ka­tio­nen im Schul­sek­tor ein­ge­stuft. Die­sen Ar­beit­neh­mern ... wird die Ge­halts­stu­fe zu­ge­wie­sen, die ih­rem am 31. De­zem­ber 1999 be­zo­ge­nen Jah­res­ar­beits­ent­gelt ent­spricht oder un­mit­tel­bar dar­un­ter liegt. Das Jah­res­ar­beits­ent­gelt setzt sich aus dem Ge­halt, der in­di­vi­du­el­len Dienst­al­ters­zu­la­ge so­wie, wenn hier­auf An­spruch be­steht, [aus den im CCNL der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten vor­ge­se­he­nen Zu­la­gen] zu­sam­men. Ei­ne et­wai­ge Dif­fe­renz zwi­schen dem auf­grund der Ein­stu­fung ge­schul­de­ten Ar­beits­ent­gelt und dem vom Ar­beit­neh­mer am 31. De­zem­ber 1999 be­zo­ge­nen Ar­beits­ent­gelt im obi­gen Sin­ne wird die­sem ad per­so­nam aus­ge­zahlt und durch Um­rech­nung in ei­nen Zeit­wert für den Auf­stieg in die nächsthöhe­re Ge­halts­stu­fe berück­sich­tigt. Das von der vor­lie­gen­den Ver­ein­ba­rung er­fass­te Per­so­nal erhält die be­son­de­re Ge­halts­zu­la­ge, die in dem am 31. De­zem­ber 1999 be­zo­ge­nen Ent­gelt ent­hal­ten ist, wenn die­se höher ist als die für ei­ne ent­spre­chen­de Qua­li­fi­ka­ti­on im Schul­sek­tor gewähr­te Zu­la­ge. ...
...

Ar­ti­kel 9 – Grund­ge­halt und Ge­halts­zu­la­ge

(1) Ab dem 1. Ja­nu­ar 2000 gel­ten al­le Be­stim­mun­gen fi­nan­zi­el­ler Art des [CCNL der Schu­len] für das von der vor­lie­gen­den Ver­ein­ba­rung er­fass­te Per­so­nal ent­spre­chend den in die­sem CCNL vor­ge­se­he­nen Mo­da­litäten.

(2) Ab dem 1. Ja­nu­ar 2000 erhält das von der vor­lie­gen­den Ver­ein­ba­rung er­fass­te Per­so­nal vorläufig ei­ne in­di­vi­du­el­le Ge­halts­zu­la­ge gemäß der in der Ta­bel­le im An­hang des [CCNL der Schu­len] ge­nann­ten Brut­to­beträge. ...
...“

Die­se Re­ge­lung führ­te zu Kla­gen von Mit­glie­dern des über­nom­me­nen ATA-Per­so­nals auf vol­le An­er­ken­nung ih­res bei den lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten er­reich­ten Dienst­al­ters. Sie mach­ten hier­zu gel­tend, dass die Kri­te­ri­en, die im Rah­men der durch das Mi­nis­te­ri­al­de­kret vom 5. April 2001

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ge­bil­lig­ten Ver­ein­ba­rung fest­ge­legt wor­den sei­en, zur Fol­ge ge­habt hätten, dass sie ab ih­rer Ein­glie­de­rung in das staat­li­che ATA-Per­so­nal ge­nau­so ein­ge­stuft und vergütet wor­den sei­en wie Mit­glie­der des staat­li­chen ATA-Per­so­nals mit ei­nem ge­rin­ge­ren Dienst­al­ter. Art. 8 des Ge­set­zes Nr. 124/99 schrei­be je­doch vor, dass das von je­dem Mit­glied des über­nom­me­nen ATA-Per­so­nals bei den lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten er­reich­te Dienst­al­ter an­er­kannt wer­den müsse, so dass die­se Mit­glie­der ab dem 1. Ja­nu­ar 2000 je­weils die­sel­be Vergütung er­hal­ten müss­ten wie ein Mit­glied des staat­li­chen ATA-Per­so­nals mit dem­sel­ben Dienst­al­ter.

Die­ser Streit führ­te im Jahr 2005 zu ei­ner Rei­he von Ur­tei­len der Cor­te su­pre­ma di cas­sa­zio­ne(Kas­sa­ti­ons­ge­richts­hof), in de­nen das Ge­richt die­sem Vor­brin­gen im We­sent­li­chen folg­te.

Das Ge­setz Nr. 266/2005

Der ita­lie­ni­sche Ge­setz­ge­ber hat durch An­nah­me ei­ner von der Re­gie­rung vor­ge­schla­ge­nen Ände­rung in Art. 1 des Ge­set­zes Nr. 266/2005 mit Be­stim­mun­gen für die Auf­stel­lung des jähr­li­chen und mehrjähri­gen Staats­haus­halts (Haus­halts­ge­setz 2006) (Leg­ge n. 266, dis­po­si­zio­ni per la for­ma­zio­ne del bi­lan­cio an­nua­le e plu­ri­en­na­le del­le Sta­to [Leg­ge fi­nan­zi­a­ria 2006]) vom 23. De­zem­ber 2005 (GURI Nr. 302 vom 29. De­zem­ber 2005, Supple­men­to or­di­na­rio, im Fol­gen­den: Ge­setz Nr. 266/2005) ei­nen § 218 mit fol­gen­dem Wort­laut ein­gefügt:

„Art. 8 Abs. 2 des [Ge­set­zes Nr. 124/99] ist so zu ver­ste­hen, dass das Per­so­nal der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten, das in das staat­li­che ATA-Per­so­nal ein­ge­glie­dert wor­den ist, nach den funk­tio­nel­len Qua­li­fi­ka­tio­nen und Be­rufs­pro­fi­len der ent­spre­chen­den staat­li­chen Stel­len auf der Grund­la­ge ih­rer Ge­samt­bezüge zum Zeit­punkt des Über­gangs un­ter Zu­wei­sung der Ge­halts­stu­fe, die ih­rem am 31. De­zem­ber 1999 be­zo­ge­nen Jah­res­ar­beits­ent­gelt ent­spricht oder un­mit­tel­bar dar­un­ter liegt, ein­ge­ord­net wird, wo­bei das Jah­res­ar­beits­ent­gelt sich aus dem Ge­halt, der in­di­vi­du­el­len Dienst­al­ters­zu­la­ge und ge­ge­be­nen­falls Zu­la­gen nach dem zum Zeit­punkt der Ein­glie­de­rung in die staat­li­che Ver­wal­tung gel­ten­den [CCNL der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten] zu­sam­men­setzt. Ei­ne et­wai­ge Dif­fe­renz zwi­schen dem An­fangs­ge­halt und dem vom be­trof­fe­nen Per­so­nal am 31. De­zem­ber 1999 be­zo­ge­nen Jah­res­ar­beits­ent­gelt, ... wird ad per­so­nam aus­ge­zahlt und soll durch Um­rech­nung in ei­nen Zeit­wert für den Auf­stieg in die nächsthöhe­re Ge­halts­stu­fe berück­sich­tigt wer­den. Die Voll­stre­ckung der zum Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens des vor­lie­gen­den Ge­set­zes er­gan­ge­nen Ur­tei­le bleibt vor­be­hal­ten.“

Meh­re­re Ge­rich­te rie­fen die Cor­te co­sti­tu­zio­na­le (Ver­fas­sungs­ge­richts­hof) we­gen der Ver­ein­bar­keit von Art. 1 § 218 des Ge­set­zes Nr. 266/2005 mit der ita­lie­ni­schen Ver­fas­sung an, ins­be­son­de­re mit dem Grund­satz der Un­abhängig­keit der rich­ter­li­chen Ge­walt, die es dem Ge­setz­ge­ber ver­bie­te, sich in die ein­heit­li­che Aus­le­gung des Ge­set­zes, die der Cor­te Su­pre­mo di cas­sa­zio­ne vor­be­hal­ten sei, ein­zu­mi­schen.

Mit Ur­teil vom 18. Ju­ni 2007 so­wie mit späte­ren Be­schlüssen ent­schied die Cor­te co­sti­tu­zio­na­le, dass Art. 1 § 218 des Ge­set­zes Nr. 266/2005 nicht wie gel­tend ge­macht ge­gen all­ge­mei­ne Rechts­grundsätze ver­s­toße. Bei die­ser Vor­schrift han­de­le es sich ins­be­son­de­re nicht um ei­ne ge­genüber Art. 8 Abs. 2 des Ge­set­zes Nr. 124/99 neue Re­ge­lung. Sie förde­re den Über­gang von ATA-Per­so­nal der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten zum Staat, denn die­ses Per­so­nal be­fin­de sich in ei­ner an­de­ren Si­tua­ti­on als die zum Zeit­punkt des Über­gangs be­reits auf staat­li­chen Plan­stel­len Beschäftig­ten.

Im Jahr 2008 leg­te die Cor­te su­pre­ma di cas­sa­zio­ne der Cor­te co­sti­tu­zio­na­le ei­ne neue Fra­ge nach der Ver­fas­sungsmäßig­keit des Ge­set­zes Nr. 266/2005 vor, die den in Art. 6 der am 4. No­vem­ber 1950 in Rom un­ter­zeich­ne­ten Eu­ropäischen Kon­ven­ti­on zum Schut­ze der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten (im Fol­gen­den: EM­RK) ver­an­ker­ten Grund­satz ei­nes ef­fek­ti­ven ge­richt­li­chen Rechts­schut­zes be­traf.

Mit Ur­teil vom 16. No­vem­ber 2009 ent­schied die Cor­te co­sti­tu­zio­na­le, dass Art. 1 § 218 des Ge­set­zes Nr. 266/2005 nicht ge­gen die­sen Grund­satz ver­s­toße. Die­se Vor­schrift stel­le ei­ne der

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mögli­chen Aus­le­gun­gen des Art. 8 Abs. 2 des Ge­set­zes Nr. 124/99 und so­mit kei­ne Ver­schlech­te­rung der wohl­er­wor­be­nen Rech­te dar.

In den Jah­ren 2008 und 2009 er­ho­ben die vom Mi­nis­te­ri­um über­nom­me­nen Mit­glie­der des ATA-Per­so­nals der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten beim Eu­ropäischen Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te drei Kla­gen, mit de­nen sie der Ita­lie­ni­schen Re­pu­blik vor­war­fen, durch den Er­lass von Art. 1 § 218 des Ge­set­zes Nr. 266/2005 ge­gen Art. 6 EM­RK und Art. 1 des Zu­satz­pro­to­kolls zur Kon­ven­ti­on zum Schutz der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten ver­s­toßen zu ha­ben. Die­sen Kla­gen wur­de mit Ur­teil vom 7. Ju­ni 2011 statt­ge­ge­ben (Eu­ropäischer Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te, Ur­teil Agra­ti u. a./Ita­li­en).

Aus­gangs­ver­fah­ren und Vor­la­ge­fra­gen

Frau Scat­to­lon, die seit dem 16. Mai 1980 von der Ge­mein­de Scorzè in staat­li­chen Schu­len als Haus­meis­te­rin beschäftigt war, übte die­se Tätig­keit als Mit­glied des ATA-Per­so­nals der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten bis zum 31. De­zem­ber 1999 aus.

Ab dem 1. Ja­nu­ar 2000 wur­de sie gemäß Art. 8 des Ge­set­zes Nr. 124/99 in den staat­li­chen Dienst als Mit­glied des ATA-Per­so­nals des Staa­tes über­nom­men.

Gemäß dem Mi­nis­te­ri­al­de­kret vom 5. April 2001 wur­de Frau Scat­to­lon in ei­ne Ge­halts­stu­fe ein­ge­stuft, die in die­sem Dienst ei­nem Dienst­al­ter von neun Jah­ren ent­sprach.

Da ihr bei der Ge­mein­de Scorzè er­reich­tes Dienst­al­ter von et­wa 20 Jah­ren so­mit nicht an­er­kannt wur­de und sie der Auf­fas­sung ist, da­durch ei­ne er­heb­li­che Lohn­ein­buße er­lit­ten zu ha­ben, er­hob sie am 27. April 2005 beim Tri­bu­na­le di Ve­ne­zia Kla­ge auf An­er­ken­nung ih­res ge­sam­ten ge­nann­ten Dienst­al­ters und als Fol­ge da­von auf Ein­stu­fung in die­sel­be Dienst­al­ters­stu­fe wie das beim Staat beschäftig­te ATA-Per­so­nal mit ei­nem Dienst­al­ter von 15 bis 20 Jah­ren.

Nach dem Er­lass des Art. 1 § 218 des Ge­set­zes Nr. 266/2005 setz­te das Tri­bu­na­le di Ve­ne­zia das Ver­fah­ren aus und leg­te der Cor­te co­sti­tu­zio­na­le die Fra­ge der Ver­ein­bar­keit die­ser Be­stim­mung mit ins­be­son­de­re den Grundsätzen der Rechts­si­cher­heit und des ef­fek­ti­ven ge­richt­li­chen Rechts­schut­zes vor. Mit Be­schluss vom 9. Ju­ni 2008 stell­te die Cor­te con­sti­tu­zio­na­le un­ter Hin­weis auf ihr Ur­teil vom 18. Ju­ni 2007 fest, dass der ge­nann­te Art. 1 § 218 nicht wie gel­tend ge­macht ge­gen all­ge­mei­ne Rechts­grundsätze ver­s­toße.

Un­ter die­sen Umständen hat das Tri­bu­na­le di Ve­ne­zia das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:

1. Sind die Richt­li­nie 77/187 und/oder die Richt­li­nie 2001/23 oder an­de­re für an­wend­bar ge­hal­te­ne Vor­schrif­ten des Uni­ons­rechts da­hin aus­zu­le­gen, dass sie auf ei­nen Tat­be­stand der Über­tra­gung des mit Hilfs­diens­ten der Rei­ni­gung und In­stand­hal­tung der staat­li­chen Schul­gebäude be­trau­ten Per­so­nals von lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten (Ge­mein­den und Pro­vin­zen) auf den Staat an­ge­wandt wer­den können, wenn die Über­tra­gung zum Ein­tritt in Ver­pflich­tun­gen nicht nur hin­sicht­lich der Tätig­keit und der Be­zie­hun­gen zum ge­sam­ten be­trof­fe­nen Per­so­nal (Schul­die­nern), son­dern auch hin­sicht­lich der zur Er­brin­gung die­ser Dienst­leis­tun­gen an pri­va­te Un­ter­neh­men ver­ge­be­nen öffent­li­chen Auf­träge geführt hat?

2. Ist die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses gemäß Art. 3 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 77/187 (zu­sam­men mit der Richt­li­nie 98/50 in die Richt­li­nie 2001/23 über­nom­men) im Sin­ne ei­ner Quan­ti­fi­zie­rung der beim Er­wer­ber an das Dienst­al­ter an­knüpfen­den Geld­leis­tun­gen zu ver­ste­hen, die auch sämt­li­che vom über­tra­ge­nen Per­so­nal zurück­ge­leg­ten Jah­re, ein­sch­ließlich der der Beschäfti­gung beim Veräußerer, berück­sich­tigt?

3. Sind Art. 3 der Richt­li­nie 77/187 und/oder die Richt­li­ni­en 98/50 und 2001/23 da­hin

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aus­zu­le­gen, dass die Rech­te des Ar­beit­neh­mers, die auf den Er­wer­ber über­ge­hen, auch vom Ar­beit­neh­mer beim Veräußerer er­wor­be­ne güns­ti­ge Rechts­po­si­tio­nen wie das Dienst­al­ter um­fas­sen, wenn an die­ses gemäß dem für den Er­wer­ber gel­ten­den Ta­rif­ver­trag Ansprüche fi­nan­zi­el­ler Art an­knüpfen?

4. Sind die all­ge­mei­nen Grundsätze des gel­ten­den Uni­ons­rechts, nämlich die Grundsätze der Rechts­si­cher­heit, des Ver­trau­ens­schut­zes, der pro­zes­sua­len Waf­fen­gleich­heit und des ef­fek­ti­ven ge­richt­li­chen Rechts­schut­zes so­wie des Rechts auf ein un­abhängi­ges Ge­richt und ge­ne­rell auf ein fai­res Ver­fah­ren, die von Art. 6 EUV in Ver­bin­dung mit Art. 6 EM­RK und den Art. 46, 47 und 52 Abs. 3 der Char­ta fest­ge­legt sind, da­hin aus­zu­le­gen, dass sie nach ei­ner er­heb­li­chen Zeit­span­ne (fünf Jah­re) dem Er­lass ei­ner Vor­schrift über die maßgeb­li­che Aus­le­gung durch die Ita­lie­ni­sche Re­pu­blik ent­ge­gen­ste­hen, die von der aus­zu­le­gen­den Vor­schrift ab­weicht und der ständi­gen und ge­fes­tig­ten Aus­le­gung des zur Wah­rung der ein­heit­li­chen Aus­le­gung des Ge­set­zes be­ru­fe­nen Or­gans wi­der­spricht und bei der es sich darüber hin­aus um ei­ne Vor­schrift han­delt, die für die Ent­schei­dung von Rechts­strei­tig­kei­ten er­heb­lich ist, an de­nen die Ita­lie­ni­sche Re­pu­blik selbst als Par­tei be­tei­ligt ist?

Ver­fah­ren vor dem Ge­richts­hof

Mit Schrift­satz vom 9. Ju­ni 2011 hat die Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens in An­be­tracht des Ur­teils Agra­ti u. a./Ita­li­en die Wie­de­reröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung be­an­tragt.

Der Ge­richts­hof kann nach ständi­ger Recht­spre­chung gemäß Art. 61 sei­ner Ver­fah­rens­ord­nung von Amts we­gen, auf Vor­schlag des Ge­ne­ral­an­walts oder auf An­trag der Par­tei­en die Wie­de­reröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung an­ord­nen, wenn er sich für un­zu­rei­chend un­ter­rich­tet hält oder der An­sicht ist, dass der Rechts­streit im Hin­blick auf ein zwi­schen den Par­tei­en nicht erörter­tes Vor­brin­gen ge­prüft wer­den muss (vgl. ins­be­son­de­re Ur­tei­le vom 14. De­zem­ber 2004, Swe­dish Match, C-210/03, Slg. 2004, I-11893, Rand­nr. 25, vom 26. Ju­ni 2008, Bur­da, C-284/06, Slg. 2008, I-4571, Rand­nr. 37, und vom 17. März 2011, AJD Tu­na, C-221/09, Slg. 2011, I-0000, Rand­nr. 36).

Der Ge­richts­hof hält sich im vor­lie­gen­den Fall für ei­ne Ant­wort auf das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen für hin­rei­chend un­ter­rich­tet. Das Er­su­chen muss nicht im Hin­blick auf ein Vor­brin­gen ge­prüft wer­den, das vor ihm noch nicht erörtert wor­den ist.

Der An­trag der Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens, er­neut in die münd­li­che Ver­hand­lung ein­zu­tre­ten, oder, hilfs­wei­se, wei­te­re schrift­li­che Erklärun­gen ein­rei­chen zu können, ist so­mit zurück­zu­wei­sen.

Zu den Vor­la­ge­fra­gen

Zur ers­ten Fra­ge

Mit sei­ner ers­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob die Über­nah­me des bei ei­ner Behörde ei­nes Mit­glied­staats beschäftig­ten Per­so­nals, das mit der Er­brin­gung von Hilfs­diens­ten an Schu­len be­traut ist, durch ei­ne an­de­re Behörde ei­nen „Un­ter­neh­mensüber­gang“ im Sin­ne der Re­ge­lung der Uni­on zur Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer dar­stellt.

Da sich auf die ge­nann­te Re­ge­lung nur Per­so­nen be­ru­fen können, die in dem be­tref­fen­den Mit­glied­staat als Ar­beit­neh­mer nach na­tio­na­lem Ar­beits­recht geschützt sind (vgl. ins­be­son­de­re Ur­tei­le vom 10. De­zem­ber 1998, Hi­dal­go u. a., C-173/96 und C-247/96, Slg. 1998, I-8237, Rand­nr. 24, und vom 14. Sep­tem­ber 2000, Col­li­no und Chiap­pe­ro, C-343/98, Slg. 2000, I-6659, Rand­nr. 36), ist zunächst dar­auf hin­zu­wei­sen, dass das in den öffent­li­chen Schu­len in Ita­li­en beschäftig­te ATA-Per­so­nal gemäß den von der ita­lie­ni­schen Re­gie­rung un­be­strit­te­nen Fest­stel­lun­gen des vor­le­gen­den Ge­richts ei­nen sol­chen Schutz ge­nießt. Dar­aus folgt, dass die Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens die Uni­ons­re­ge­lung zur Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer in

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An­spruch neh­men kann, so­weit die in die­ser Re­ge­lung auf­geführ­ten spe­zi­fi­schen An­wen­dungs­vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind.

Außer­dem ist ein­lei­tend fest­zu­stel­len, dass die Über­nah­me des ge­nann­ten Per­so­nals am 1. Ja­nu­ar 2000 er­folg­te, d. h. vor Ab­lauf der den Mit­glied­staa­ten ge­setz­ten Frist für die Um­set­zung der Richt­li­nie 98/50 und vor Er­lass der Richt­li­nie 2001/23. In­fol­ge­des­sen ist die vom vor­le­gen­den Ge­richt auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge an­hand der ursprüng­li­chen Fas­sung der Richt­li­nie 77/187 zu prüfen (vgl. ent­spre­chend Ur­tei­le vom 20. No­vem­ber 2003, Ab­ler u. a., C-340/01, Slg. 2003, I-14023, Rand­nr. 5, und vom 9. März 2006, Wer­hof, C-499/04, Slg. 2006, I-2397, Rand­nrn. 15 und 16).

Die Richt­li­nie 77/187 in ih­rer ursprüng­li­chen Fas­sung war nach ih­rem Art. 1 Abs. 1 „auf den Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Be­triebs­tei­len auf ei­nen an­de­ren In­ha­ber durch ver­trag­li­che Über­tra­gung oder durch Ver­schmel­zung an­wend­bar“. Es ist da­her zu prüfen, ob die Über­nah­me des bei ei­ner Behörde ei­nes Mit­glied­staats beschäftig­ten Per­so­nals, das mit Ar­bei­ten wie den im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den be­traut war, durch ei­ne an­de­re Behörde sämt­li­che in die­ser Vor­schrift ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen erfüllt.

Zum Vor­lie­gen ei­nes Un­ter­neh­mens im Sin­ne der Richt­li­nie 77/187

Der Be­griff „Un­ter­neh­men“ im Sin­ne von Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 77/187 um­fasst jeg­li­che auf Dau­er an­ge­leg­te wirt­schaft­li­che Ein­heit, un­abhängig von ih­rer Rechts­form und der Art ih­rer Fi­nan­zie­rung. Um ei­ne sol­che Ein­heit han­delt es sich bei je­der hin­rei­chend struk­tu­rier­ten und selbständi­gen Ge­samt­heit von Per­so­nen und Sa­chen zur Ausübung ei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit mit ei­ge­nem Zweck (Ur­tei­le vom 10. De­zem­ber 1998, Hernández Vi­dal u. a., C-127/96, C-229/96 und C-74/97, Slg. 1998, I-8179, Rand­nrn. 26 und 27, vom 26. Sep­tem­ber 2000, Ma­y­eur, C-175/99, Slg. 2000, I-7755, Rand­nr. 32, und Ab­ler u. a., Rand­nr. 30, vgl. auch in Be­zug auf Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23 Ur­tei­le vom 13. Sep­tem­ber 2007, Joui­ni u. a., C-458/05, Slg. 2007, I-7301, Rand­nr. 31, und vom 29. Ju­li 2010, UGT-FSP, C-151/09, Slg. 2010, I-0000, Rand­nr. 26).

Der Be­griff „wirt­schaft­li­che Tätig­keit“, der in der in der vor­ste­hen­den Rand­num­mer wie­der­ge­ge­be­nen De­fi­ni­ti­on ent­hal­ten ist, um­fasst je­de Tätig­keit, die dar­in be­steht, Wa­ren oder Dienst­leis­tun­gen auf ei­nem be­stimm­ten Markt an­zu­bie­ten (Ur­tei­le vom 25. Ok­to­ber 2001, Am­bu­lanz Glöck­ner, C-475/99, Slg. 2001, I-8089, Rand­nr. 19, vom 24. Ok­to­ber 2002, Aéro­ports de Pa­ris/Kom­mis­si­on, C-82/01 P, Slg. 2002, I-9297, Rand­nr. 79, und vom 10. Ja­nu­ar 2006, Cas­sa di Ris­par­mio di Firen­ze u. a., C-222/04, Slg. 2006, I-289, Rand­nr. 108).

Tätig­kei­ten in Ausübung ho­heit­li­cher Be­fug­nis­se sind grundsätz­lich nicht als wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten ein­zu­stu­fen (vgl. ins­be­son­de­re Ur­teil vom 1. Ju­li 2008, MO­TOE, C-49/07, Slg. 2008, I-4863, Rand­nr. 24 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung so­wie in Be­zug auf die Richt­li­nie 77/187 Ur­teil vom 15. Ok­to­ber 1996, Hen­ke, C-298/94, Slg. 1996, I-4989, Rand­nr. 17). Dem­ge­genüber gel­ten Diens­te als wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten, die, oh­ne dass es sich um ei­ne Ausübung ho­heit­li­cher Be­fug­nis­se han­del­te, im all­ge­mei­nen In­ter­es­se und oh­ne Er­werbs­zweck im Wett­be­werb mit den Diens­ten von Wirt­schafts­teil­neh­mern er­bracht wer­den, die ei­nen Er­werbs­zweck ver­fol­gen (vgl. Ur­tei­le vom 23. April 1991, Höfner und El­ser, C-41/90, Slg. 1991, I-1979, Rand­nr. 22, Aéro­ports de Pa­ris/Kom­mis­si­on, Rand­nr. 82, und Cas­sa di Ris­par­mio di Firen­ze u. a., Rand­nrn. 122 und 123).

Im vor­lie­gen­den Fall han­delt es sich bei der Grup­pe der vom Staat über­nom­me­nen Ar­beit­neh­mer, wie sich aus Art. 8 des Ge­set­zes Nr. 124/99 er­gibt, um das in öffent­li­chen Schu­len beschäftig­te ATA-Per­so­nal der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten. Außer­dem er­gibt sich aus den Ak­ten, dass die Tätig­keit die­ses Per­so­nals in Hilfs­diens­ten be­steht, die nötig sind, da­mit die Schu­len den Un­ter­richt un­ter op­ti­ma­len Be­din­gun­gen durchführen können. Die­se Diens­te um­fas­sen ins­be­son­de­re die Rei­ni­gung und In­stand­hal­tung der Räum­lich­kei­ten so­wie Hilfstätig­kei­ten in der Ver­wal­tung.

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Außer­dem er­gibt sich aus dem vom vor­le­gen­den Ge­richt fest­ge­stell­ten Sach­ver­halt so­wie aus Art. 9 des Mi­nis­te­ri­al­de­krets vom 23. Ju­li 1999, dass die ge­nann­ten Diens­te in be­stimm­ten Fällen an pri­va­te Wirt­schafts­teil­neh­mer ver­ge­ben wer­den. Im Übri­gen steht fest, dass die­se Diens­te nicht in Ausübung ho­heit­li­cher Be­fug­nis­se er­bracht wer­den.

Die Ar­bei­ten, die von den im Aus­gangs­ver­fah­ren über­nom­me­nen Ar­beit­neh­mern durch­geführt wer­den, sind so­mit wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten im Sin­ne der ge­nann­ten Recht­spre­chung, die ei­nen ei­ge­nen Zweck ver­fol­gen, nämlich die tech­ni­schen und ad­mi­nis­tra­ti­ven Rah­men­be­din­gun­gen in den Schu­len zu gewähr­leis­ten. Im Übri­gen steht fest, dass das ATA-Per­so­nal als ei­ne struk­tu­rier­te Ge­samt­heit von Ar­beit­neh­mern auf­ge­baut wur­de

Des Wei­te­ren ist in An­be­tracht der in Rand­nr. 42 des vor­lie­gen­den Ur­teils ge­nann­ten Recht­spre­chung und der schrift­li­chen Erklärun­gen der ita­lie­ni­schen Re­gie­rung ers­tens zu prüfen, ob die Qua­li­fi­ka­ti­on des be­tref­fen­den Per­so­nals als „Un­ter­neh­men“ da­durch in Fra­ge ge­stellt wird, dass es kei­ne Vermögens­ge­genstände gibt, zwei­tens, ob die­se Grup­pe von Ar­beit­neh­mern so au­to­nom ist, dass sie als wirt­schaft­li­che Ein­heit und da­mit als Un­ter­neh­men be­zeich­net wer­den kann, und drit­tens, ob es ei­ne Rol­le spielt, dass die ge­nann­ten Ar­beit­neh­mer zur öffent­li­chen Ver­wal­tung gehören.

Was ers­tens das Feh­len von Vermögens­wer­ten an­geht, hat der Ge­richts­hof wie­der­holt fest­ge­stellt, dass es in be­stimm­ten Bran­chen im We­sent­li­chen auf die men­sch­li­che Ar­beits­kraft an­kommt. Un­ter die­sen Umständen kann ei­ne struk­tu­rier­te Ge­samt­heit von Ar­beit­neh­mern trotz des Feh­lens nen­nens­wer­ter ma­te­ri­el­ler oder im­ma­te­ri­el­ler Vermögens­wer­te ei­ner wirt­schaft­li­chen Ein­heit im Sin­ne der Richt­li­nie 77/187 ent­spre­chen (vgl. ins­be­son­de­re in Be­zug auf Rei­ni­gungs­diens­te Ur­tei­le Hernández Vi­dal u. a., Rand­nr. 27, und Hi­dal­go u. a., Rand­nr. 26, vgl. eben­so be­tref­fend die Richt­li­nie 2001/23, Ur­teil vom 20. Ja­nu­ar 2011, CLE­CE, C-463/09, Slg. 2011, I-0000, Rand­nr. 39).

Die­se Recht­spre­chung lässt sich auf den vor­lie­gen­den Fall über­tra­gen, da of­fen­bar kei­ne der Ar­bei­ten, die von der in Re­de ste­hen­den Grup­pe von Ar­beit­neh­mern aus­geführt wer­den, das Vor­han­den­sein nen­nens­wer­ter Vermögens­wer­te er­for­dert. Die Qua­li­fi­zie­rung die­ser Grup­pe von Ar­beit­neh­mern als wirt­schaft­li­che Ein­heit kann al­so nicht auf­grund der Tat­sa­che aus­ge­schlos­sen wer­den, dass die­se Ein­heit außer die­sem Per­so­nal kei­ne ma­te­ri­el­len oder im­ma­te­ri­el­len Vermögens­wer­te um­fasst.

Zwei­tens ist zu der Fra­ge, ob ei­ne Grup­pe von Ar­beit­neh­mern wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren hin­rei­chend au­to­nom ist, fest­zu­stel­len, dass sich der Be­griff der Au­to­no­mie im Kon­text der Uni­ons­re­ge­lung zur Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer auf die Be­fug­nis­se be­zieht, die der Lei­tung der be­tref­fen­den Grup­pe von Ar­beit­neh­mern ein­geräumt sind, um die Ar­beit die­ser Grup­pe re­la­tiv frei und un­abhängig zu or­ga­ni­sie­ren und ins­be­son­de­re Wei­sun­gen zu er­tei­len und Auf­ga­ben auf die zu die­ser Grup­pe gehören­den un­ter­ge­ord­ne­ten Ar­beit­neh­mer zu ver­tei­len, oh­ne dass an­de­re Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren des Ar­beit­ge­bers da­bei da­zwi­schen­ge­schal­tet sind (vgl. Ur­teil UGT-FSP, Rand­nrn. 42 und 43). Auch wenn das Vor­lie­gen ei­ner hin­rei­chend au­to­no­men Ein­heit nicht da­durch aus­ge­schlos­sen wird, dass der Ar­beit­ge­ber der ge­nann­ten Grup­pe von Ar­beit­neh­mern kon­kre­te Ver­pflich­tun­gen auf­er­legt und so auf de­ren Tätig­kei­ten weit­ge­hend Ein­fluss nimmt, muss die ge­nann­te Grup­pe für die Or­ga­ni­sa­ti­on und Durchführung ih­rer Auf­ga­ben doch ei­ne ge­wis­se Frei­heit ha­ben (vgl. in die­sem Sinn Ur­teil Hi­dal­go u. a., Rand­nr. 27).

Im vor­lie­gen­den Fall ist es vor­be­halt­lich ei­ner Prüfung durch das vor­le­gen­de Ge­richt of­fen­bar so, dass das in den Schu­len beschäftig­te ATA-Per­so­nal der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten in­ner­halb der Ver­wal­tung der­sel­ben ei­ne Ein­heit dar­stellt, die ih­re Auf­ga­ben re­la­tiv frei und un­abhängig or­ga­ni­sie­ren und durchführen kann, ins­be­son­de­re durch Wei­sun­gen der mit Ko­or­di­nie­rungs- und Führungs­auf­ga­ben be­trau­ten Mit­glie­der des ge­nann­ten ATA-Per­so­nals.

Was drit­tens die Ein­glie­de­rung des über­nom­me­nen Per­so­nals und sei­ner Ar­bei­ten in die öffent­li­che Ver­wal­tung an­geht, so kann die­ser Um­stand al­lein die An­wend­bar­keit der Richt­li­nie 77/187 auf

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die­se Ein­heit nicht aus­sch­ließen (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Col­li­no und Chiap­pe­ro, Rand­nrn. 33 und 35). Das ge­gen­tei­li­ge Er­geb­nis wäre mit der in Rand­nr. 42 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­geführ­ten Recht­spre­chung nicht ver­ein­bar, wo­nach je­de hin­rei­chend struk­tu­rier­te und selbständi­ge Ge­samt­heit von Per­so­nen und Sa­chen zur Ausübung ei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit mit ei­ge­nem Zweck – un­abhängig von ih­rer Rechts­form und der Art ih­rer Fi­nan­zie­rung – ein Un­ter­neh­men im Sin­ne von Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 77/187 dar­stellt.

Der Ge­richts­hof hat zwar – wie die ita­lie­ni­sche Re­gie­rung be­merkt – fest­ge­stellt, dass „die struk­tu­rel­le Neu­ord­nung der öffent­li­chen Ver­wal­tung“ und die „Über­tra­gung von Ver­wal­tungs­auf­ga­ben von ei­ner öffent­li­chen Ver­wal­tung auf ei­ne an­de­re“ vom An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 77/187 aus­ge­nom­men sind – was später als Aus­nah­me in Art. 1 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie in der Fas­sung der Richt­li­nie 98/50 so­wie in Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23 auf­ge­nom­men wur­de –, er hat aber auch dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­se Wen­dun­gen, wie der Ge­ne­ral­an­walt in den Nrn. 46 bis 51 sei­ner Schluss­anträge aus­geführt hat, nur die­je­ni­gen Fälle be­tref­fen, in de­nen sich der Über­gang auf Tätig­kei­ten in Ausübung ho­heit­li­cher Be­fug­nis­se be­zieht (Ur­teil Col­li­no und Chiap­pe­ro, Rand­nrn. 31 und 32 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).

Zwar er­gibt sich aus den Ak­ten, dass das Mi­nis­te­ri­um das ATA-Per­so­nal der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten im Rah­men ei­ner Neu­ord­nung der öffent­li­chen Ver­wal­tung in Ita­li­en über­nom­men hat. Der Ge­richts­hof hat je­doch kei­nes­wegs ent­schie­den, dass je­de Über­nah­me im Zu­sam­men­hang mit oder im Rah­men ei­ner Neu­ord­nung der öffent­li­chen Ver­wal­tung vom An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 77/187 aus­ge­nom­men ist, son­dern in der von der ita­lie­ni­schen Re­gie­rung an­geführ­ten Recht­spre­chung le­dig­lich fest­ge­stellt, dass die struk­tu­rel­le Neu­ord­nung der öffent­li­chen Ver­wal­tung und die Über­tra­gung von Ver­wal­tungs­auf­ga­ben von ei­ner öffent­li­chen Ver­wal­tung auf ei­ne an­de­re al­lein und als sol­che kei­nen Über­gang ei­nes Un­ter­neh­mens im Sin­ne der ge­nann­ten Richt­li­nie dar­stel­len (vgl. Ur­tei­le Hen­ke, Rand­nr. 14, Col­li­no und Chiap­pe­ro, Rand­nr. 31, und Ma­y­eur, Rand­nr. 33).

Der Ge­richts­hof hat ins­be­son­de­re ent­schie­den, dass die Bil­dung ei­ner Ver­wal­tungs­ge­mein­schaft und die Über­nah­me be­stimm­ter Be­fug­nis­se der be­tei­lig­ten Ge­mein­den durch die­se Ge­mein­schaft ei­ne Neu­ord­nung ho­heit­li­cher Tätig­kei­ten dar­stellt und da­her nicht un­ter die Richt­li­nie 77/187 fal­len kann (vgl. Ur­teil Hen­ke, Rand­nrn. 16 und 17). In an­de­ren Fällen hat er je­doch fest­ge­stellt, dass die Über­nah­me von Per­so­nal, das in der öffent­li­chen Ver­wal­tung wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten ausübt, un­ter die­se Richt­li­nie fällt (vgl. ins­be­son­de­re Ur­tei­le Hi­dal­go u. a., Rand­nr. 24, so­wie Col­li­no und Chiap­pe­ro, Rand­nr. 32).

Es gibt kei­nen Grund, die­se Recht­spre­chung da­hin fort­zu­ent­wi­ckeln, dass Beschäftig­te im öffent­li­chen Dienst, die als Ar­beit­neh­mer nach na­tio­na­lem Recht geschützt sind und die von ei­nem neu­en Ar­beit­ge­ber in­ner­halb der öffent­li­chen Ver­wal­tung über­nom­men wer­den, den Schutz nach der Richt­li­nie 77/187 al­lein des­halb nicht in An­spruch neh­men könn­ten, weil die­se Über­nah­me im Rah­men ei­ner Neu­ord­nung der ge­nann­ten Ver­wal­tung er­folgt.

Woll­te man die­ser Aus­le­gung fol­gen, könn­te je­de Über­nah­me sol­cher Ar­beit­neh­mer von der be­tref­fen­den Behörde dem An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 77/187 ein­fach un­ter Hin­weis dar­auf ent­zo­gen wer­den, dass die Über­nah­me Teil ei­ner per­so­nel­len Um­struk­tu­rie­rung sei. Da­durch lie­fen große Grup­pen von Ar­beit­neh­mern, die wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten im Sin­ne der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs ausüben, Ge­fahr, den nach die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Schutz zu ver­lie­ren. Die­ses Er­geb­nis wäre so­wohl mit dem Wort­laut von Art. 2 der Richt­li­nie, wo­nach je­de natürli­che oder ju­ris­ti­sche Per­son, die Ar­beit­ge­ber ist, Veräußerer oder Er­wer­ber sein kann, als auch mit dem Er­for­der­nis, die Aus­nah­men von der An­wen­dung der ge­nann­ten Richt­li­nie we­gen des von ihr ver­folg­ten Ziels des so­zia­len Schut­zes eng aus­zu­le­gen, kaum ver­ein­bar (vgl. in Be­zug auf die Richt­li­nie 2001/23 Ur­teil vom 11. Ju­ni 2009, Kom­mis­si­on/Ita­li­en, C-561/07, Slg. 2009, I-4959, Rand­nr. 30 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).

Sch­ließlich ist zu be­to­nen, dass die An­wen­dung der Vor­schrif­ten der Richt­li­nie 77/187 in Fällen wie

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dem des Aus­gangs­ver­fah­rens die Be­fug­nis der Mit­glied­staa­ten zur Ra­tio­na­li­sie­rung ih­rer öffent­li­chen Ver­wal­tung un­berührt lässt. Die An­wen­dung die­ser Richt­li­nie soll le­dig­lich ver­hin­dern, dass die über­nom­me­nen Ar­beit­neh­mer al­lein we­gen des Über­gangs schlech­ter ge­stellt sind als vor der Über­nah­me. Die Richt­li­nie 77/187 nimmt den Mit­glied­staa­ten, wie der Ge­richts­hof wie­der­holt fest­ge­stellt hat und sich im Übri­gen aus ih­rem Art. 4 er­gibt, nicht die Möglich­keit, den Ar­beit­ge­bern zu ge­stat­ten, die Beschäfti­gungs­verhält­nis­se im Sin­ne ei­ner Ver­schlech­te­rung zu ändern, ins­be­son­de­re in Be­zug auf den Kündi­gungs­schutz und die Vergütung. Die Richt­li­nie ver­bie­tet le­dig­lich, dass der­ar­ti­ge Ände­run­gen anläss­lich und we­gen ei­nes Über­gangs vor­ge­nom­men wer­den (vgl. in die­sem Sin­ne ins­be­son­de­re Ur­tei­le vom 10. Fe­bru­ar 1988, Fo­re­nin­gen af Ar­be­jds­le­de­re i Dan­mark, „Dad­dy’s Dance Hall“, 324/86, Slg. 1988, 739, Rand­nr. 17; vom 12. No­vem­ber 1992, Wat­son Rask und Chris­ten­sen, C-209/91, Slg. 1992, I-5755, Rand­nr. 28, so­wie Col­li­no und Chiap­pe­ro, Rand­nr. 52).

Zum Vor­lie­gen ei­nes „Über­gangs“ „durch ver­trag­li­che Über­tra­gung oder durch Ver­schmel­zung“ im Sin­ne der Richt­li­nie 77/187

Die Ent­schei­dung, ob ein „Über­gang“ des Un­ter­neh­mens im Sin­ne von Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 77/187 vor­liegt, rich­tet sich maßgeb­lich da­nach, ob die in Re­de ste­hen­de Ein­heit nach der Über­nah­me durch den neu­en Ar­beit­ge­ber ih­re Iden­tität be­wahrt (vgl. ins­be­son­de­re Ur­tei­le vom 18. März 1986, Spi­jkers, 24/85, Slg. 1986, 1119, Rand­nrn. 11 und 12, und UGT-FSP, Rand­nr. 22).

Wenn die­se Ein­heit oh­ne nen­nens­wer­te Vermögens­wer­te funk­tio­niert, kann die Wah­rung ih­rer Iden­tität nach ih­rer Über­nah­me nicht von der Über­nah­me der­ar­ti­ger Vermögens­wer­te abhängen (Ur­tei­le Hernández Vi­dal u. a., Rand­nr. 31, Hi­dal­go u. a., Rand­nr. 31, und UGT-FSP, Rand­nr. 28).

In die­sem Fall, der im Aus­gangs­rechts­streit, wie vor­ste­hend in Rand­nr. 50 die­ses Ur­teils fest­ge­stellt wor­den ist, vor­liegt, be­wahrt die in Re­de ste­hen­de Grup­pe von Ar­beit­neh­mern ih­re Iden­tität, wenn der neue Ar­beit­ge­ber die be­tref­fen­de Tätig­keit wei­terführt und ei­nen nach Zahl und Sach­kun­de we­sent­li­chen Teil der Ar­beit­neh­mer über­nimmt (vgl. Ur­tei­le Hernández Vi­dal u. a., Rand­nr. 32, und UGT-FSP, Rand­nr. 29).

Der Ge­richts­hof hat die Wen­dung „durch ver­trag­li­che Über­tra­gung oder durch Ver­schmel­zung“, die auch in Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 77/187 ent­hal­ten ist, so­wohl auf­grund der Ab­wei­chun­gen in den Sprach­fas­sun­gen die­ser Richt­li­nie als auch we­gen des un­ter­schied­li­chen In­halts der Be­grif­fe im na­tio­na­len Recht so weit aus­ge­legt, dass sie dem Zweck der Richt­li­nie, die Ar­beit­neh­mer bei ei­ner Über­tra­gung ih­res Un­ter­neh­mens zu schützen, ge­recht wird (Ur­tei­le vom 19. Mai 1992, Red­mond Sticht­ing, C-29/91, Slg. 1992, I-3189, Rand­nrn. 10 und 11, vom 7. März 1996, Merckx und Neu­huys, C-171/94 und C-172/94, Slg. 1996, I-1253, Rand­nr. 28, und Joui­ni u. a., Rand­nr. 24). Er hat da­her fest­ge­stellt, dass der Um­stand, dass der Über­gang auf ein­sei­ti­gen Ent­schei­dun­gen der staat­li­chen Stel­len und nicht auf ei­ner Wil­lensübe­rein­stim­mung be­ruht, die An­wen­dung der Richt­li­nie nicht aus­sch­ließt (vgl. ins­be­son­de­re Ur­tei­le Red­mond Sticht­ing, Rand­nrn. 15 bis 17, Col­li­no und Chiap­pe­ro, Rand­nr. 34, und UGT-FSP, Rand­nr. 25).

Die ita­lie­ni­sche Re­gie­rung macht gel­tend – oh­ne die in den Rand­nrn. 60 bis 63 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­geführ­te Recht­spre­chung oder den Um­stand in Fra­ge zu stel­len, dass der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Über­gang auf dem Ge­setz Nr. 124/99 und so­mit auf ei­ner ein­sei­ti­gen Ent­schei­dung der staat­li­chen Stel­len be­ruht –, dass im vor­lie­gen­den Fall die Über­nah­me des be­trof­fe­nen Per­so­nals durch den ita­lie­ni­schen Staat nur ein An­ge­bot ge­we­sen sei, da es den Mit­glie­dern die­ses Per­so­nals frei­ge­stan­den ha­be, ihr Beschäfti­gungs­verhält­nis bei den lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten fort­zu­set­zen. Des­halb lie­ge kein Über­gang im Sin­ne der Richt­li­nie 77/187 vor.

Die ita­lie­ni­sche Re­gie­rung geht hier­bei je­doch von ei­nem Sach­ver­halt aus, der so­wohl durch den Vor­la­ge­be­schluss als auch durch das Ge­setz Nr. 124/99 wi­der­legt wird. Ins­be­son­de­re aus Art. 8 Abs. 2 die­ses Ge­set­zes er­gibt sich nämlich, dass nur die Mit­glie­der des ATA-Per­so­nals, de­ren

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Qua­li­fi­ka­tio­nen und Pro­fi­le in­ner­halb der Dienst­stel­len des Er­wer­bers kei­ne Ent­spre­chung hat­ten, die Möglich­keit hat­ten, sich für ei­ne Fort­set­zung ih­res Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses bei ih­rem ursprüng­li­chen Ar­beit­ge­ber zu ent­schei­den. Aus die­ser Vor­schrift und dem Wort­laut der übri­gen Be­stim­mun­gen des Art. 8 die­ses Ge­set­zes folgt, dass das in den Schu­len beschäftig­te ATA-Per­so­nal der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten ins­ge­samt und grundsätz­lich von dem Über­gang be­trof­fen war.

Nach al­le­dem ist auf die ers­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass die Über­nah­me des bei ei­ner Behörde ei­nes Mit­glied­staats beschäftig­ten Per­so­nals, das mit der Er­brin­gung von Hilfs­diens­ten an Schu­len – dar­un­ter ins­be­son­de­re der In­stand­hal­tung und Hilfstätig­kei­ten in der Ver­wal­tung – be­traut ist, durch ei­ne an­de­re Behörde ei­nen „Un­ter­neh­mensüber­gang“ im Sin­ne der Richt­li­nie 77/187 dar­stellt, wenn die­ses Per­so­nal aus ei­ner struk­tu­rier­ten Ge­samt­heit von Beschäftig­ten be­steht, die als Ar­beit­neh­mer nach dem in­ner­staat­li­chen Recht die­ses Mit­glied­staats geschützt sind.

Zu den Fra­gen 2 und 3

Mit den Fra­gen 2 und 3, die zu­sam­men zu prüfen sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt im We­sent­li­chen wis­sen, ob Art. 3 der Richt­li­nie 77/187 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass für die Be­rech­nung des Ar­beits­ent­gelts von im Sin­ne die­ser Richt­li­nie über­ge­gan­ge­nen Ar­beit­neh­mern der Er­wer­ber das von die­sen Ar­beit­neh­mern beim Veräußerer er­reich­te Dienst­al­ter berück­sich­ti­gen muss.

Da­zu ist zunächst zu prüfen, ob in ei­ner Si­tua­ti­on wie der des Aus­gangs­ver­fah­rens das Ur­teil Col­li­no und Chiap­pe­ro ein­schlägig ist, in dem sich der Ge­richts­hof zu der Fra­ge der An­er­ken­nung des Dienst­al­ters im Fall des Über­gangs ei­nes Un­ter­neh­mens geäußert hat. So­wohl die Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens als auch die ita­lie­ni­sche Re­gie­rung be­ru­fen sich in ih­ren beim Ge­richts­hof ein­ge­reich­ten Erklärun­gen auf die­ses Ur­teil.

In dem ge­nann­ten Ur­teil wur­de ent­schie­den, dass das beim Veräußerer er­reich­te Dienst­al­ter zwar als sol­ches kein Recht dar­stellt, das die über­nom­me­nen Ar­beit­neh­mer ge­genüber dem Er­wer­ber gel­tend ma­chen könn­ten, doch ge­ge­be­nen­falls da­zu dient, be­stimm­te fi­nan­zi­el­le Rech­te der Ar­beit­neh­mer zu be­stim­men, und dass die­se Rech­te grundsätz­lich vom Er­wer­ber in glei­cher Wei­se, wie sie beim Veräußerer be­stan­den, auf­recht­er­hal­ten wer­den müssen (vgl. Ur­teil Col­li­no und Chiap­pe­ro, Rand­nr. 50).

Der Ge­richts­hof hat un­ter Hin­weis dar­auf, dass der Er­wer­ber in an­de­ren Fällen als dem ei­nes Un­ter­neh­mensüber­gangs und im Rah­men des nach dem na­tio­na­len Recht Zulässi­gen die Lohn‑ und Ge­halts­be­din­gun­gen der Ar­beit­neh­mer im Sin­ne ei­ner Ver­schlech­te­rung ändern kann, ent­schie­den, dass Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 77/187 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass der Er­wer­ber bei der Be­rech­nung fi­nan­zi­el­ler Rech­te al­le von dem über­ge­gan­ge­nen Per­so­nal ge­leis­te­ten Dienst­jah­re zu berück­sich­ti­gen hat, so­weit sich ei­ne sol­che Ver­pflich­tung aus dem Ar­beits­verhält­nis zwi­schen die­sem Per­so­nal und dem Veräußerer er­gibt, und dass er dies gemäß den im Rah­men die­ses Verhält­nis­ses ver­ein­bar­ten Mo­da­litäten tun muss (Ur­teil Col­li­no und Chiap­pe­ro, Rand­nrn. 51 und 52).

In dem Rechts­streit zwi­schen Frau Scat­to­lon und dem Mi­nis­te­ri­um steht fest, dass die Rech­te und Pflich­ten des über­ge­gan­ge­nen Per­so­nals und des Veräußerers in ei­nem Kol­lek­tiv­ver­trag, dem CCNL der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten, ge­re­gelt wa­ren, der seit dem 1. Ja­nu­ar 2000, dem Zeit­punkt des Über­gangs, durch den beim Er­wer­ber gel­ten­den Kol­lek­tiv­ver­trag, den CCNL der Schu­len, er­setzt ist. Un­ter die­sen Umständen kann sich die er­be­te­ne Aus­le­gung der Richt­li­nie 77/187 im Ge­gen­satz zu der Rechts­sa­che, in der das Ur­teil Col­li­no und Chiap­pe­ro er­gan­gen ist, nicht nur auf Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie be­zie­hen, son­dern muss, wie der Ge­ne­ral­an­walt in Nr. 75 sei­ner Schluss­anträge aus­geführt hat, auch den Abs. 2 die­ser Vor­schrift berück­sich­ti­gen, der u. a. den Fall er­fasst, dass an­stel­le des beim Veräußerer gel­ten­den Kol­lek­tiv­ver­trags der beim Er­wer­ber gel­ten­de Kol­lek­tiv­ver­trag zur An­wen­dung kommt.

Der Er­wer­ber ist gemäß Art. 3 Abs. 2 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 77/187 ver­pflich­tet, die in ei­nem

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Kol­lek­tiv­ver­trag ver­ein­bar­ten Ar­beits­be­din­gun­gen bis zur Kündi­gung oder zum Ab­lauf des Kol­lek­tiv­ver­trags bzw. bis zum In­kraft­tre­ten oder bis zur An­wen­dung ei­nes an­de­ren Kol­lek­tiv­ver­trags in dem glei­chen Maße auf­recht­zu­er­hal­ten, wie sie in dem Kol­lek­tiv­ver­trag für den Veräußerer vor­ge­se­hen wa­ren. Die Mit­glied­staa­ten können gemäß Un­terabs. 2 die­ser Vor­schrift den Zeit­raum der Auf­recht­er­hal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen be­gren­zen, so­fern die­ser nicht we­ni­ger als ein Jahr beträgt.

Der Ge­richts­hof hat be­reits dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Re­ge­lung nach Art. 3 Abs. 2 Un­terabs. 2 der Richt­li­nie 77/187 dem Un­terabs. 1 die­ser Vor­schrift nicht sei­ne Be­deu­tung neh­men darf. Die­ser Un­terabs. 2 schließt al­so nicht aus, dass die ta­rif­ver­trag­lich fest­ge­leg­ten Ar­beits­be­din­gun­gen, die für das be­tref­fen­de Per­so­nal vor dem Über­gang gal­ten, vor Ab­lauf ei­nes Jah­res nach dem Über­gang, wenn nicht so­gar un­mit­tel­bar ab dem Zeit­punkt des Über­gangs, nicht mehr gel­ten, so­fern ei­ner der im Un­terabs. 1 die­ser Vor­schrift ge­nann­ten Fälle ein­tritt, d. h., Kündi­gung oder Ab­lauf des Kol­lek­tiv­ver­trags oder In­kraft­tre­ten oder An­wen­dung ei­nes an­de­ren Kol­lek­tiv­ver­trags (vgl. Ur­teil vom 9. März 2006, Wer­hof, C-499/04, Slg. 2006, I-2397, Rand­nr. 30, und in Be­zug auf Art. 3 Abs. 3 der Richt­li­nie 2001/23 Ur­teil vom 27. No­vem­ber 2008, Ju­uri, C-396/07, Slg. 2008, I-8883, Rand­nr. 34).

Dem­zu­fol­ge ist die Re­ge­lung nach Art. 3 Abs. 2 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 77/187, wo­nach „[d]er Er­wer­ber die in ei­nem Kol­lek­tiv­ver­trag ver­ein­bar­ten Ar­beits­be­din­gun­gen ... bis zur An­wen­dung ei­nes an­de­ren Kol­lek­tiv­ver­trags in dem glei­chen Maße auf­recht[erhält], wie sie in dem Kol­lek­tiv­ver­trag für den Veräußerer vor­ge­se­hen wa­ren“, da­hin aus­zu­le­gen, dass der Er­wer­ber die nach dem bei ihm gel­ten­den Kol­lek­tiv­ver­trag vor­ge­se­he­nen Ar­beits­be­din­gun­gen – ein­sch­ließlich der­je­ni­gen über das Ar­beits­ent­gelt – ab dem Zeit­punkt des Über­gangs an­wen­den darf.

Nach al­le­dem lässt die Richt­li­nie 77/187 dem Er­wer­ber und den an­de­ren Ver­trags­par­tei­en zwar ei­nen Spiel­raum, um die In­te­gra­ti­on der über­ge­gan­ge­nen Ar­beit­neh­mer in die Lohn- und Ge­halts­struk­tur so zu ge­stal­ten, dass da­bei die Umstände des frag­li­chen Über­gangs an­ge­mes­sen berück­sich­tigt wer­den, doch müssen die gewähl­ten Mo­da­litäten mit dem Ziel der ge­nann­ten Richt­li­nie ver­ein­bar sein. Die­ses Ziel be­steht, wie der Ge­richts­hof wie­der­holt ent­schie­den hat, dar­in, zu ver­hin­dern, dass sich die La­ge der über­ge­gan­ge­nen Ar­beit­neh­mer al­lein auf­grund die­ses Über­gangs ver­schlech­tert (Ur­teil vom 26. Mai 2005, Cel­tec, C-478/03, Slg. 2005, I-4389, Rand­nr. 26 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung, so­wie in Be­zug auf die Richt­li­nie 2001/23 Be­schluss vom 15. Sep­tem­ber 2010, Bri­ot, C-386/09, Slg. 2010, I-0000, Rand­nr. 26).

Die In­an­spruch­nah­me die­ser Möglich­keit, die für die über­ge­gan­ge­nen Ar­beit­neh­mer nach dem beim Veräußerer gel­ten­den Ta­rif­ver­trag vor­ge­se­he­nen Ar­beits­be­din­gun­gen mit so­for­ti­ger Wir­kung durch die zu er­set­zen, die nach dem beim Er­wer­ber gel­ten­den Ta­rif­ver­trag vor­ge­se­hen sind, darf al­so nicht zum Ziel oder zur Fol­ge ha­ben, dass die­sen Ar­beit­neh­mern ins­ge­samt schlech­te­re Ar­beits­be­din­gun­gen als die vor dem Über­gang gel­ten­den auf­er­legt wer­den. An­dern­falls könn­te die Ver­wirk­li­chung des mit der Richt­li­nie 77/187 ver­folg­ten Ziels in je­dem durch Kol­lek­tiv­verträge ge­re­gel­ten Be­reich leicht in Fra­ge ge­stellt wer­den, was die prak­ti­sche Wirk­sam­keit der Richt­li­nie be­ein­träch­ti­gen würde.

Da­ge­gen kann die Richt­li­nie 77/187 nicht mit Er­folg gel­tend ge­macht wer­den, um beim Über­gang von Un­ter­neh­men ei­ne Ver­bes­se­rung des Ar­beits­ent­gelts oder an­de­rer Ar­beits­be­din­gun­gen zu er­wir­ken. Im Übri­gen steht die­se Richt­li­nie, wie der Ge­ne­ral­an­walt in Nr. 94 sei­ner Schluss­anträge fest­ge­stellt hat, ge­wis­sen Un­ter­schie­den zwi­schen der Ent­loh­nung der über­ge­gan­ge­nen Ar­beit­neh­mer und der Ent­loh­nung der zum Zeit­punkt des Über­gangs be­reits beim Er­wer­ber Beschäftig­ten nicht ent­ge­gen. Zwar können für die Prüfung der Rechtmäßig­keit der­ar­ti­ger Un­ter­schie­de an­de­re Rechts­vor­schrif­ten und -grundsätze in Be­tracht kom­men, doch die ge­nann­te Richt­li­nie ist als sol­che le­dig­lich dar­auf ge­rich­tet, zu ver­hin­dern, dass Ar­beit­neh­mer al­lein we­gen der Über­nah­me durch ei­nen an­de­ren Ar­beit­ge­ber schlech­ter als vor­her ge­stellt sind.

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Im vor­lie­gen­den Fall ist un­strei­tig, dass die Mo­da­litäten für die Über­nah­me des ATA-Per­so­nals der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten in die Diens­te des Mi­nis­te­ri­ums in den Durchführungs­vor­schrif­ten zu Art. 8 Abs. 2 des Ge­set­zes Nr. 124/99 so fest­ge­legt wur­den, dass der beim Mi­nis­te­ri­um gel­ten­de Kol­lek­tiv­ver­trag, der CCNL der Schu­len, für die über­ge­gan­ge­nen Ar­beit­neh­mer ab dem Zeit­punkt des Über­gangs galt, die­se Ar­beit­neh­mer aber nicht das Ar­beits­ent­gelt er­hiel­ten, das ih­rem beim Veräußerer er­reich­ten Dienst­al­ter ent­sprach.

Die Tat­sa­che, dass das Mi­nis­te­ri­um, an­statt die­ses Dienst­al­ter als sol­ches in vol­lem Um­fang an­zu­er­ken­nen, für je­den über­ge­gan­ge­nen Ar­beit­neh­mer ein „fik­ti­ves“ Dienst­al­ter be­rech­net hat, hat für die Fest­set­zung der künf­ti­gen Lohn- und Ge­halts­be­din­gun­gen des über­ge­gan­ge­nen Per­so­nals ei­ne ent­schei­den­de Rol­le ge­spielt. Beim CCNL der Schu­len hängen nämlich Lohn- und Ge­halts­stu­fen so­wie -stei­ge­run­gen weit­ge­hend vom Dienst­al­ter ab, wie es vom Mi­nis­te­ri­um be­rech­net und an­er­kannt wird.

Eben­so ist un­strei­tig, dass die vor dem Über­gang vom ATA-Per­so­nal der lo­ka­len Ge­bietskörper­schaf­ten in den Schu­len aus­geführ­ten Ar­bei­ten de­nen ent­spra­chen, die das beim Mi­nis­te­ri­um beschäftig­te ATA-Per­so­nal ausführt, oder mit die­sen so­gar iden­tisch wa­ren. Dem­zu­fol­ge hätte das beim Veräußerer er­reich­te Dienst­al­ter ei­nes Mit­glieds des über­ge­gan­ge­nen Per­so­nals in glei­cher Höhe fest­ge­setzt wer­den können wie das Dienst­al­ter, das ein Mit­glied des vor dem Über­gang beim Mi­nis­te­ri­um beschäftig­ten ATA-Per­so­nals mit glei­chem Pro­fil er­wor­ben hat­te.

Da es un­ter die­sen Umständen möglich war, durch ei­ne zu­min­dest teil­wei­se An­er­ken­nung des Dienst­al­ters der über­ge­gan­ge­nen Ar­beit­neh­mer zu ver­hin­dern, dass die­se er­heb­li­che Kürzun­gen ih­res Ar­beits­ent­gelts im Ver­gleich zu ih­rer La­ge un­mit­tel­bar vor dem Über­gang hin­neh­men muss­ten, lie­fe es dem Ziel der Richt­li­nie 77/187, wie es in den Rand­nrn. 75 bis 77 des vor­lie­gen­den Ur­teils dar­ge­legt und ab­ge­grenzt wor­den ist, zu­wi­der, wenn das ge­nann­te Dienst­al­ter nicht in dem Maße berück­sich­tigt würde, wie es er­for­der­lich ist, um die Höhe des von die­sen Ar­beit­neh­mern be­zo­ge­nen Ar­beits­ent­gelts in et­wa bei­zu­be­hal­ten (vgl. ent­spre­chend Ur­teil vom 11. No­vem­ber 2004, De­lahaye, C-425/02, Slg. 2004, I-10823, Rand­nr. 34).

Es ist Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, zu prüfen, ob die Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens bei ih­rer Über­nah­me ei­ne der­ar­ti­ge Kürzung des Ar­beits­ent­gelts hin­neh­men muss­te. Da­zu muss es ins­be­son­de­re das Ar­gu­ment des Mi­nis­te­ri­ums prüfen, wo­nach die in Rand­nr. 79 die­ses Ur­teils erwähn­te Be­rech­nung ha­be si­cher­stel­len sol­len, dass das be­trof­fe­ne ATA-Per­so­nal nicht al­lein we­gen des Über­gangs im Ver­gleich zu sei­ner La­ge un­mit­tel­bar vor dem Über­gang ins­ge­samt schlech­ter ge­stellt wer­de.

Nach al­le­dem ist auf die Fra­gen 2 und 3 zu ant­wor­ten, dass Art. 3 der Richt­li­nie 77/187, wenn ein Über­gang im Sin­ne die­ser Richt­li­nie zur so­for­ti­gen An­wen­dung des beim Er­wer­ber gel­ten­den Kol­lek­tiv­ver­trags auf die über­ge­gan­ge­nen Ar­beit­neh­mer führt und die in die­sem Ver­trag vor­ge­se­he­nen Lohn- und Ge­halts­be­din­gun­gen ins­be­son­de­re mit dem Dienst­al­ter ver­knüpft sind, es nicht zulässt, dass die­se Ar­beit­neh­mer er­heb­li­che Kürzun­gen ih­res Ar­beits­ent­gelts im Ver­gleich zu ih­rer La­ge un­mit­tel­bar vor dem Über­gang hin­neh­men müssen, weil ihr Dienst­al­ter, das sie beim Veräußerer er­reicht ha­ben und das dem Dienst­al­ter ent­spricht, das beim Er­wer­ber beschäftig­te Ar­beit­neh­mer er­reicht ha­ben, bei der Be­stim­mung ih­res An­fangs­ge­halts nicht berück­sich­tigt wor­den ist. Es ist Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, zu prüfen, ob es bei dem Über­gang im Aus­gangs­ver­fah­ren zu ei­ner der­ar­ti­gen Kürzung des Ar­beits­ent­gelts ge­kom­men ist.

Zu Fra­ge 4

An­ge­sichts der Ant­wort auf die Fra­gen 2 und 3 braucht nicht mehr ge­prüft zu wer­den, ob die in Re­de ste­hen­de na­tio­na­le Re­ge­lung, wie sie auf die Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens an­ge­wandt wor­den ist, ge­gen die vom vor­le­gen­den Ge­richt in sei­ner vier­ten Fra­ge ge­nann­ten Grundsätze verstößt. Dem­zu­fol­ge braucht die Fra­ge 4 nicht be­ant­wor­tet zu wer­den.

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Kos­ten

Für die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in dem bei dem vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig.

Aus die­sen Gründen hat der Ge­richts­hof (Große Kam­mer) für Recht er­kannt:

1. Die Über­nah­me des bei ei­ner Behörde ei­nes Mit­glied­staats beschäftig­ten Per­so­nals, das mit der Er­brin­gung von Hilfs­diens­ten an Schu­len – dar­un­ter ins­be­son­de­re der In­stand­hal­tung und Hilfstätig­kei­ten in der Ver­wal­tung – be­traut ist, durch ei­ne an­de­re Behörde stellt ei­nen „Un­ter­neh­mensüber­gang“ im Sin­ne der Richt­li­nie 77/187/EWG des Ra­tes vom 14. Fe­bru­ar 1977 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Be­triebs­tei­len dar, wenn die­ses Per­so­nal aus ei­ner struk­tu­rier­ten Ge­samt­heit von Beschäftig­ten be­steht, die als Ar­beit­neh­mer nach dem in­ner­staat­li­chen Recht die­ses Mit­glied­staats geschützt sind.

2. Art. 3 der Richt­li­nie 77/187 lässt, wenn ein Über­gang im Sin­ne die­ser Richt­li­nie zur so­for­ti­gen An­wen­dung des beim Er­wer­ber gel­ten­den Kol­lek­tiv­ver­trags auf die über­ge­gan­ge­nen Ar­beit­neh­mer führt und die in die­sem Ver­trag vor­ge­se­he­nen Lohn‑ und Ge­halts­be­din­gun­gen ins­be­son­de­re mit dem Dienst­al­ter ver­knüpft sind, nicht zu, dass die­se Ar­beit­neh­mer er­heb­li­che Kürzun­gen ih­res Ar­beits­ent­gelts im Ver­gleich zu ih­rer La­ge un­mit­tel­bar vor dem Über­gang hin­neh­men müssen, weil ihr Dienst­al­ter, das sie beim Veräußerer er­reicht ha­ben und das dem Dienst­al­ter ent­spricht, das beim Er­wer­ber beschäftig­te Ar­beit­neh­mer er­reicht ha­ben, bei der Be­stim­mung ih­res An­fangs­ge­halts nicht berück­sich­tigt wor­den ist. Es ist Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, zu prüfen, ob es bei dem Über­gang im Aus­gangs­ver­fah­ren zu ei­ner der­ar­ti­gen Kürzung des Ar­beits­ent­gelts ge­kom­men ist.

Un­ter­schrif­ten

*Ver­fah­rens­spra­che: Ita­lie­nisch.

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