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HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

 

LAG Nie­der­sach­sen, Be­schluss vom 08.10.2018, 12 Ta 279/18

   
Schlagworte: Einstweilige Verfügung, Beschäftigungsanspruch
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Niedersachsen
Aktenzeichen: 12 Ta 279/18
Typ: Beschluss
Entscheidungsdatum: 08.10.2018
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Hannover, Beschluss vom 10.09.2018, 13 Ga 8/18
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen

Be­schluss

12 Ta 279/18
13 Ga 8/18 (Ar­beits­ge­richt Han­no­ver)

In dem Be­schwer­de­ver­fah­ren

XXX, An­trag­stel­ler und Be­schwer­deführer,
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte XXX

ge­gen

XXX, An­trags­geg­ner und Be­schwer­de­geg­ner,
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Kanz­lei XXX,

hat die 12. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nie­der­sach­sen oh­ne münd­li­che Ver­hand­lung am 8. Ok­to­ber 2018 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Wal­kling be­schlos­sen:

1. Dem An­trags­geg­ner wird un­ter Abände­rung des Be­schlus­ses des Ar­beits­ge­richts Han­no­ver vom 10.09.2018 - 13 Ga 8/18 - im We­ge der einst­wei­li­gen Verfügung auf­ge­ge­ben, den An­trag­stel­ler bis zu ei­ner erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist am 31.12.2018 als Schul­lei­ter der XXX­schu­le XXX zu ver­trags­gemäßen Be­din­gun­gen zu beschäfti­gen.

2. Die Kos­ten des Ver­fah­rens trägt der An­trags­geg­ner.

3. Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des wird auf x.xxx,00 € fest­ge­setzt.


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Gründe:

I.

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob der An­trags­geg­ner im We­ge der einst­wei­li­gen Verfügung zu ver­pflich­ten ist, den An­trag­stel­ler bis zum Ab­lauf der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist am 31.12.2018 zu beschäfti­gen.

Auf Ba­sis des schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom 10.11.1986 ist der An­trag­stel­ler als ge­werb­li­cher Mit­ar­bei­ter seit dem 01.01.1987 zunächst mit der Auf­ga­ben­stel­lung ei­nes Lehr-As­sis­ten­ten für den An­trags­geg­ner tätig ge­wor­den. Im wei­te­ren Ver­lau­fe des Ar­beits­verhält­nis­ses ist der An­trag­stel­ler in die Po­si­ti­on des Schul­lei­ters der XXX­schu­le in XXX auf­gerückt. Er er­ziel­te zu­letzt ein mo­nat­li­ches Brut­to­ge­halt von x.xxx,00 € brut­to.

Auf der Sit­zung des Ge­samt­vor­stan­des des An­trags­geg­ners am 22.04.2018 wur­den mögli­che per­so­nel­le An­pas­sun­gen bezüglich der XXX­schu­le in XXX erörtert. Mit Schrei­ben vom 22.05.2018 sprach der An­trags­geg­ner dem An­trag­stel­ler ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit Wir­kung zum 31.12.2018 aus. Der An­trag­stel­ler übte sei­ne Tätig­keit in den Mo­na­ten von Mai bis ein­sch­ließlich En­de Au­gust 2018 zunächst wei­ter aus. Mit Schrei­ben vom 31.08.2018 stell­te der An­trags­geg­ner den An­trag­stel­ler un­ter Fort­zah­lung der Vergütung bis zum En­de der Kündi­gungs­frist am 31.12.2018 von der Ar­beits­leis­tung frei.

Am 07.09.2018 ging beim Ar­beits­ge­richt Han­no­ver ein An­trag des An­trags­stel­lers auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung zur Durch­set­zung sei­nes Beschäfti­gungs­an­spruchs bis zum En­de der Kündi­gungs­frist ein. Die­ser An­trag wur­de vom Ar­beits­ge­richt mit Be­schluss vom 10.09.2018 oh­ne vor­he­ri­ge münd­li­che Ver­hand­lung zurück­ge­wie­sen. In der Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt zen­tral dar­auf ab­ge­stellt, dass an ei­ne Leis­tungs­verfügung (hier auf tatsächli­che Beschäfti­gung) ho­he An­for­de­run­gen zu stel­len sei­en und dass der An­trags­stel­ler ein be­son­de­res Beschäfti­gungs­in­ter­es­se nicht ha­be glaub­haft ma­chen können. Die­ser Be­schluss wur­de am 12.09.2018 an die Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des An­trag­stel­lers zu­ge­stellt. Die hier­ge­gen ge­rich­te­te so­for­ti­ge Be­schwer­de ein­sch­ließlich Be­gründung ist am 13.09.2018 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen. Die­ses hat mit Be­schluss vom 15.09.2018 ent­schie­den, der Be­schwer­de nicht ab­zu­hel­fen und hat die An­ge­le­gen­heit dem Lan­des­ar­beits­ge­richt zur Ent­schei­dung vor­ge­legt. Auf ent­spre­chen­de Auf­la­ge des Lan­des­ar­beits­ge­richts er­wi­der­te nach Zu­stel­lung der An­trags­schrift der An­trags­geg­ner mit Schrift­satz vom 28.09.2018 un­ter Beifügung ei­ner Ei­des­statt­li­chen Ver­si­che­rung des Vor­stan­des des An­trags­geg­ners, N.N.

Der An­trag­stel­ler macht mit sei­ner so­for­ti­gen Be­schwer­de gel­tend, dass der An­trags­geg­ner kei­ner­lei sach­li­chen Gründe für die mit Schrei­ben vom 31.08.2018 er­folg­te Frei­stel­lung vor­ge-


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tra­gen ha­be. Ver­trag­lich ha­be sich der An­trags­geg­ner die Möglich­keit der Frei­stel­lung eben­falls nicht vor­be­hal­ten. In ei­ner sol­chen Kon­stel­la­ti­on über­wie­ge das Beschäfti­gungs­in­ter­es­se des An­trag­stel­lers und sei auch ein ent­spre­chen­der Verfügungs­grund oh­ne Wei­te­res zu be­ja­hen.

Der An­trag­stel­ler be­an­tragt,

1. Dem An­trags­geg­ner wird un­ter Abände­rung des Be­schlus­ses des Ar­beits­ge­richts Han­no­ver, Az: 13 Ga 8/18, vom 10.09.2018 im We­ge der einst­wei­li­gen Verfügung auf­ge­ge­ben, den An­trag­stel­ler bis zu ei­ner erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist am 31.12.2018 als Schul­lei­ter der XXX­schu­le in XXX zu ver­trags­gemäßen Be­din­gun­gen zu beschäfti­gen.

2. Die Kos­ten des Rechts­streits trägt der An­trags­geg­ner.

Der An­trags­geg­ner be­an­tragt,

die so­for­ti­ge Be­schwer­de des An­trag­stel­lers zurück­zu­wei­sen.

Der An­trags­geg­ner be­ruft sich dar­auf, dass die Funk­ti­on des An­trag­stel­lers als Schul­lei­ter mit Wir­kung zum 01.09.2018 er­satz­los weg­ge­fal­len sei. Ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung des An­trag­stel­lers auf die­ser Po­si­ti­on sei dem An­trags­geg­ner mit­hin unmöglich ge­wor­den. Ergänzend wird auf die Be­schwer­de­er­wi­de­rung des An­trags­geg­ners vom 28.09.2018 ver­wie­sen.

II.

Die statt­haf­te und form- so­wie frist­ge­recht ein­ge­leg­te so­for­ti­ge Be­schwer­de des An­trag­stel­lers ist zulässig und be­gründet.

Man­gels des Vor­lie­gens ei­ner ver­trag­li­chen Ermäch­ti­gung oder glaub­haft ge­mach­ter ent­ge­gen­ste­hen­der In­ter­es­sen des An­trags­geg­ners ist die­ser ver­pflich­tet, den Kläger bis zum Ab­lauf der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist am 31.12.2018 zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen als Schul­lei­ter zu beschäfti­gen. Für den ent­spre­chen­den An­trag des An­trag­stel­lers lie­gen so­wohl ein Verfügungs­an­spruch als auch ein Verfügungs­grund vor.

1.

Der Beschäfti­gungs­an­spruch des An­trag­stel­lers ba­siert auf dem zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis, wel­ches sich im Lau­fe der Zeit auf die Po­si­ti­on des Schul­lei­ters der XXX­schu­le in XXX des An­trags­geg­ners kon­kre­ti­siert hat.

 

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a)

Der Ar­beit­ge­ber ist grundsätz­lich ver­pflich­tet, sei­nen Ar­beit­neh­mer ver­trags­gemäß zu beschäfti­gen, wenn die­ser es ver­langt. Rechts­grund­la­ge ei­nes sol­chen Beschäfti­gungs­an­spruchs des Ar­beit­neh­mers ist das Ar­beits­ver­trags­recht. Der An­spruch ist ab­zu­lei­ten aus den §§ 611, 613 BGB in Ver­bin­dung mit § 242 BGB. Die Ge­ne­ral­klau­sel des § 242 BGB wird da­bei aus­gefüllt durch die Wer­tent­schei­dung der Art.1 und 2 GG (BAG, Großer Se­nat, Be­schluss vom 27.02.1985 - GS 1/84 -, zu C 12 der Gründe, Rn. 38). Da der all­ge­mei­ne Beschäfti­gungs­an­spruch aus ei­ner sich aus Treu und Glau­ben er­ge­ben­den Pflicht des Ar­beit­ge­bers her­zu­lei­ten ist, muss er al­ler­dings dort zurück­tre­ten, wo über­wie­gen­de schutz­wer­te In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers ent­ge­gen­ste­hen. Der Ar­beit­ge­ber ist nach Treu und Glau­ben nicht ver­pflich­tet, die In­ter­es­sen des Ar­beit­neh­mers oh­ne Rück­sicht auf ei­ge­ne über­wie­gen­de und schutz­wer­te In­ter­es­sen zu fördern. Des­halb be­darf es, wenn der Ar­beit­ge­ber we­gen im Ein­zel­fall ent­ge­gen­ste­hen­der ei­ge­ner In­ter­es­sen die Beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers ab­lehnt, ei­ner Abwägung der bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen zur Fest­stel­lung, ob das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der Nicht­beschäfti­gung schutzwürdig ist und über­wiegt. Das kann et­wa der Fall sein beim Weg­fall der Ver­trau­ens­grund­la­ge, bei Auf­trags­man­gel oder bei ei­nem demnächst zur Kon­kur­renz ab­wan­dern­den Ar­beit­neh­mer aus Gründen der Wah­rung von Be­triebs­ge­heim­nis­sen. An­de­rer­seits kann sich auf Sei­ten des Ar­beit­neh­mers das all­ge­mei­ne ide­el­le Beschäfti­gungs­in­ter­es­se im Ein­zel­fal­le noch durch be­son­de­re In­ter­es­sen ide­el­ler und/oder ma­te­ri­el­ler Art verstärken, et­wa Gel­tung in der Be­rufs­welt, Aus­bil­dung, Er­hal­tung von Fach­kennt­nis­sen (BAG, Großer Se­nat, Be­schluss vom 27.02.1985 - GS 1/84 -, zu C 13 der Gründe, Rn. 55). Da­nach hat der Ar­beit­neh­mer ge­gen den Ar­beit­ge­ber grundsätz­lich ei­nen Beschäfti­gungs­an­spruch. Es ist nicht er­for­der­lich, dass die Verfügungskläge­rin ihr all­ge­mei­nes ide­el­les Beschäfti­gungs­in­ter­es­se im Ein­zel­fall ge­son­dert be­gründet. Viel­mehr be­steht es auf­grund der grund­recht­li­chen Her­lei­tung des all­ge­mei­nen Beschäfti­gungs­an­spruchs zunächst oh­ne wei­te­res. Im Rah­men der so­dann durch­zuführen­den In­ter­es­sen­abwägung sind im Ein­zel­fall ent­ge­gen­ste­hen­de schutz­wer­te In­ter­es­sen des An­trags­geg­ners dem vom An­trag­stel­ler hier nur all­ge­mein be­gründe­ten Beschäfti­gungs­in­ter­es­se ge­genüber­zu­stel­len. Da­bei muss der Ar­beit­ge­ber den Aus­nah­me­tat­be­stand, dass sein In­ter­es­se an der Nicht­beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers schutzwürdig ist und das all­ge­mei­ne Beschäfti­gungs­in­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers über­wiegt, dar­le­gen und ggf. be­wei­sen bzw. glaub­haft ma­chen. Die Dar­le­gung die­ses Aus­nah­me­tat­be­stands muss ins­be­son­de­re mit Rück­sicht auf den Persönlich­keits­schutz des Ar­beit­neh­mers durch Art.1 und 2 GG hin­rei­chend kon­kret sein (LAG Ham­burg, Ur­teil vom 23.08.2017 - 5 Sa­Ga 2/17 -, Rn. 42 - 44).

b)

Im vor­lie­gen­den Fall hat der An­trags­geg­ner nichts von Sub­stanz ein­ge­wandt, wel­ches dem ar­beits­ver­trag­lich be­gründe­ten Beschäfti­gungs­an­spruch des An­trag­stel­lers ent­ge­gen­ste­hen


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würde. Ins­be­son­de­re hat der An­trags­geg­ner nicht glaub­haft ge­macht, dass ihm ei­ne ver­trags­gemäße Beschäfti­gung des An­trag­stel­lers unmöglich wäre. Die in der Ei­des­statt­li­chen Ver­si­che­rung des Vor­stan­des N.N. vom 28.09.2018 ent­hal­te­ne apo­dik­ti­sche Be­haup­tung: „Seit dem 1. Sep­tem­ber 2018 gibt es den Ar­beits­platz des Schul­lei­ters nicht mehr" ist nicht aus­rei­chend. Auch wenn der An­trags­geg­ner die or­ga­ni­sa­to­ri­sche und un­ter­neh­me­ri­sche Ho­heit darüber hat, ob und mit wel­cher per­so­nel­len Struk­tur er die XXX­schu­le in XXX fortführt, so hat er doch die ein­ge­gan­ge­nen ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen zu be­ach­ten. Dem An­trags­geg­ner war be­kannt, dass der seit Ja­nu­ar 1987 bei ihr beschäftig­te An­trag­stel­ler über ei­ne ent­spre­chend lan­ge Kündi­gungs­frist verfügt. Hier­auf hätte er sei­ne - be­haup­te­te Um­struk­tu­rie­rungs­maßnah­me ein­stel­len können und müssen. Es ist vom An­trags­geg­ner über­haupt nicht plau­si­bel ge­macht, war­um, nach­dem der An­trag­stel­ler zunächst nach Aus­spruch der Kündi­gung noch über drei Mo­na­te beschäftigt wor­den ist ei­ne wei­te­re Beschäfti­gungsmöglich­keit ab dem 01.09.2018 plötz­lich nicht mehr be­ste­hen soll.

Da­ne­ben hat der An­trags­geg­ner auch kei­ner­lei Gründe vor­ge­tra­gen, auf­grund de­rer ihm ei­ne tatsächli­che Beschäfti­gung des An­trag­stel­lers im lau­fen­den Beschäfti­gungs­verhält­nis un­zu­mut­bar sein soll­te. Ins­be­son­de­re ist dem An­trag­stel­ler we­der ei­ne Il­loya­lität oder be­triebsstören­des Ver­hal­ten un­ter­stellt wor­den. Sch­ließlich hat sich der An­trags­geg­ner we­der im schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag vom 10.11.1986 noch in ei­nem et­wai­gen Ände­rungs­ver­trag das Recht vor­be­hal­ten, den An­trag­stel­ler für den Lauf der Kündi­gungs­frist von der Pflicht zur Ar­beits­leis­tung ein­sei­tig frei­zu­stel­len. Vor die­sem Hin­ter­grund ist der An­trags­geg­ner ge­hal­ten, den all­ge­mei­nen Beschäfti­gungs­an­spruch des An­trag­stel­lers zu re­spek­tie­ren.

2.

Für den vor­lie­gen­den Ein­zel­fall kann auch das Vor­lie­gen ei­nes Verfügungs­grun­des be­jaht wer­den.

a)

Die be­son­de­ren Vor­aus­set­zun­gen des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes lie­gen vor. Es be­steht ein Verfügungs­grund (§§ 935, 940 ZPO i.V.m. § 62 Abs. 2 Satz 1 ArbGG). Die vorläufi­ge Durch­set­zung des Beschäfti­gungs­an­spruchs des An­trag­stel­lers ist eil­bedürf­tig, auch wenn da­mit der An­spruch an je­dem Tag der tatsächli­chen Beschäfti­gung zum Nach­teil des An­trags­geg­ners je­weils endgültig erfüllt wird. Die Eil­bedürf­tig­keit en­det, so­bald ei­ne erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che über den - einst­wei­lig gel­tend ge­mach­ten - Beschäfti­gungs­an­spruch er­geht, spätes­tens mit Ab­lauf des 31. De­zem­ber 2017.

Der Verfügungs­grund folgt in die­sen Fällen be­reits aus dem Um­stand, dass der im Rah­men der Prüfung des Verfügungs­an­spruchs an­ge­nom­me­ne Beschäfti­gungs­an­spruch mit je­dem Tag der Nicht­beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers we­gen Zeit­ab­laufs je­weils nicht nach­hol­bar ist


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und da­mit endgültig un­ter­geht. Zwar gilt dies um­ge­kehrt in glei­cher Wei­se für den Ar­beit­ge­ber, der zur Beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers ver­pflich­tet wird, so­dass aus sei­ner Sicht das Haupt­sa­che­ver­fah­ren über das Be­ste­hen des Beschäfti­gungs­an­spruchs be­reits vor­weg­ge­nom­men wird. Die fak­ti­sche Vor­weg­nah­me der Haupt­sa­che ist in die­ser Si­tua­ti­on aber un­ver­meid­lich und so­gar ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­ten. Bei­den Par­tei­en steht der An­spruch auf Gewährung ef­fek­ti­ven Rechts­schut­zes zu (Art.2 Abs.1, Art.20 Abs.3 GG), der sich auch auf die Gewährung vorläufi­gen Rechts­schut­zes be­zieht. Einst­wei­li­ger Rechts­schutz darf nicht des­halb ver­wei­gert wer­den, weil er not­wen­dig ei­ne Par­tei endgültig begüns­tigt und die Ge­gen­par­tei endgültig be­las­tet. Ei­ner be­son­de­ren Dring­lich­keits­si­tua­ti­on be­darf es für ei­ne Be­frie­di­gungs­verfügung auf Beschäfti­gung da­bei nicht, weil sich die Dring­lich­keit ei­ner vorläufi­gen Re­ge­lung be­reits aus der be­son­de­ren Rechts­na­tur des Beschäfti­gungs­an­spruchs er­gibt, der aus dem grund­recht­lich geschütz­ten Persönlich­keits­recht des Ar­beit­neh­mers ab­ge­lei­tet wird (BAG, Großer Se­nat, Be­schluss vom 27.02.1985 GS 1/84 -, zu C 12 der Gründe, Rn.38), und dar­aus, den endgülti­gen Ver­lust die­ses im Rah­men der Prüfung des Verfügungs­an­spruchs fest­ge­stell­ten Rechts durch die lan­ge Dau­er ei­nes ent­spre­chen­den Haupt­sa­che­ver­fah­rens zu ver­mei­den.

Auch ei­ne erst­ma­li­ge oder er­neu­te In­ter­es­sen­abwägung im Rah­men des Verfügungs­grun­des ist ent­behr­lich, weil sie be­reits bei der Prüfung des Verfügungs­an­spruchs ab­sch­ließend vor­zu­neh­men ist. Sie ist des­sen Be­stand­teil. Der Beschäfti­gungs­an­spruch des Ar­beit­neh­mers entfällt be­reits dann, wenn ei­ge­ne schutzwürdi­ge In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers das all­ge­mei­ne ide­el­le Beschäfti­gungs­in­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers, ggf. verstärkt durch be­son­de­re In­ter­es­sen ide­el­ler und/oder ma­te­ri­el­ler Art, et­wa Gel­tung in der Be­rufs­welt, Aus­bil­dung, Er­hal­tung von Fach­kennt­nis­sen, über­wie­gen (BAG, Großer Se­nat, Be­schluss vom 27.02.1985 - GS 1/84 -, zu C 13 der Gründe, Rn.55), so­dass sich die Fra­ge der Eil­bedürf­tig­keit sei­ner Durch­set­zung schon nicht mehr stellt oder im um­ge­kehr­ten Fal­le be­steht (LAG Ham­burg, Ur­teil vom 23.08.2017 - 5 Sa­Ga 2/17 -, Rn. 55 - 57; Ko­rinth, Einstw. Rechts­schutz im Ar­beits­ge­richts­ver­fah­ren, 3.Aufl., S.248, Rn.94).

b)

Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen auch im vor­lie­gen­den Fall vor: Der An­trags­geg­ner hat kei­ner­lei schutzwürdi­ge Be­lan­ge vor­ge­tra­gen, wel­che ei­ner tatsächli­chen Beschäfti­gung des An­trag­stel­lers ent­ge­gen­ste­hen könn­ten.

3.

Die­se Ent­schei­dung ist oh­ne ge­son­der­ten Aus­spruch voll­streck­bar. Die dafür not­wen­di­ge Zu­stel­lung des Be­schlus­ses hat gem. § 62 Abs.2 ArbGG i.V.m. §§ 936, 922 Abs.2 ZPO im Par­tei­be­trieb zu er­fol­gen.

 

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Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 91 Abs. 1 ZPO. Die Fest­set­zung des Wer­tes des Streit­ge­gen­stan­des wur­de gemäß § 63 Abs.2 GKG, § 3 ZPO in Höhe von 1/12 der Brut­to­jah­res­vergütung des An­trag­stel­lers vor­ge­nom­men.

Ein wei­te­res Rechts­mit­tel ge­gen die­se Ent­schei­dung ist nicht ge­ge­ben.

Han­no­ver, den 08.10.2018

Der Vor­sit­zen­de der 12. Kam­mer
des Lan­des­ar­beits­ge­richts
Wal­kling
Vor­sit­zen­der Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt

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