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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Kündigung: Probezeit, Ausbildungsverhältnis, Probezeit, Probezeitkündigung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein
Akten­zeichen: 4 Sa 120/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 12.08.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Lübeck, Urteil vom 27.01.2010, 5 Ca 3550/09
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein

Ak­ten­zei­chen: 4 Sa 120/10 5 Ca 3550/09 ArbG Lübeck
(Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben!)

 

Verkündet am 12.08.2010

gez. ...
als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Ur­teil

Im Na­men des Vol­kes

In dem Rechts­streit

pp.

hat die 4. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Schles­wig-Hol­stein auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 12.08.2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt ... als Vor­sit­zen­den und d. eh­ren­amt­li­chen Rich­ter ... als Bei­sit­zer und d. eh­ren­amt­li­chen Rich­ter ... als Bei­sit­zer

für Recht er­kannt:

Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Lübeck vom 27.01.2010 – 5 Ca 3550/09 – wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

 

Rechts­mit­tel­be­leh­rung:

Ge­gen die­ses Ur­teil ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben; im Übri­gen wird auf § 72 a ArbGG ver­wie­sen.

 

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Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten um die Wirk­sam­keit der frist­lo­sen Kündi­gung des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses in­ner­halb der Pro­be­zeit.

Der Kläger ver­ein­bar­te un­ter dem 1. Sep­tem­ber 2009 mit der Be­klag­ten ei­nen Be­rufs­aus­bil­dungs­ver­trag zum Aus­bil­dungs­be­ruf Tisch­ler. Im Aus­bil­dungs­ver­trag heißt es, das Aus­bil­dungs­verhält­nis be­gin­ne am 1. Sep­tem­ber 2009 und en­de am 31. Au­gust 2010, wo­bei die Pro­be­zeit vier Mo­na­te be­tra­ge.

Die­sem Be­rufs­aus­bil­dungs­ver­trag vor­an­ge­gan­gen war ein Be­rufs­aus­bil­dungs­ver­trag zwi­schen dem Kläger und der M. Bau­ge­sell­schaft vom 28. Ju­li 2008, und zwar eben­falls zum Aus­bil­dungs­be­ruf Tisch­ler. In dem Be­rufs­aus­bil­dungs­ver­trag mit der Fir­ma M. hieß es, das Aus­bil­dungs­verhält­nis be­gin­ne am 1. Sep­tem­ber 2008 und en­de am 31. Au­gust 2010. Die Aus­bil­dungs­zeit, die nach der Aus­bil­dungs­ord­nung drei Jah­re be­tra­ge, ver­rin­ge­re sich um zwölf Mo­na­te durch BGJ.

Im zwi­schen dem Kläger und der Be­klag­ten ab­ge­schlos­se­nen Be­rufs­aus­bil­dungs­ver­trag vom 1. Sep­tem­ber 2009 ver­ein­bar­ten die Par­tei­en, dass sich die Aus­bil­dungs­zeit we­gen der zwölf Mo­na­te BGJ und der zwölf Mo­na­te Aus­bil­dung bei der Fir­ma M. um 24 Mo­na­te re­du­zie­re.

Die Fir­ma M. Bau­ge­sell­schaft führ­te sei­ner­zeit die Aus­bil­dung des Klägers nicht fort, weil es in ih­rem Be­trieb nicht aus­rei­chend Ar­beit für Tisch­ler gab. Die Be­klag­te war be­reit, den Kläger für die rest­li­che Aus­bil­dungs­zeit aus­zu­bil­den.

Die Be­klag­te kündig­te das Aus­bil­dungs­verhält­nis während der Pro­be­zeit mit Schrei­ben vom 13. Ok­to­ber 2010.

Der Kläger hat die Kündi­gung für un­wirk­sam ge­hal­ten. Er hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ei­ne Pro­be­zeit könne nur zu Be­ginn ei­nes Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis­ses ver­ein­bart wer­den, nicht je­doch erst im drit­ten Lehr­jahr. Zu­dem sei die Länge der ver-

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ein­bar­ten Pro­be­zeit un­verhält­nismäßig zur Dau­er der Aus­bil­dung von zwölf Mo­na­ten. Der Aus­bil­dungs­ver­trag sei um­ge­schrie­ben wor­den. Das Aus­bil­dungs­verhält­nis bei der Fir­ma M. sei we­der förm­lich auf­ge­ho­ben noch an­der­wei­tig durch Kündi­gung be­en­det wor­den. Es sei zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen am 1. Sep­tem­ber 2009 auf die Be­klag­te um­ge­schrie­ben wor­den.

We­gen der in ers­ter In­stanz ge­stell­ten Anträge und der von der Be­klag­ten dort ver­tre­te­nen Rechts­auf­fas­sung wird Be­zug ge­nom­men auf den In­halt des Tat­be­stands des an­ge­foch­te­nen Ur­teils.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen und zur Be­gründung aus­geführt, das Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en ha­be erst am 1. Sep­tem­ber 2009 be­gon­nen. Gemäß § 20 Satz 1 BBiG ha­be für die Zeit ab 1. Sep­tem­ber 2009 ei­ne Pro­be­zeit von min­des­tens ei­nem bis ma­xi­mal vier Mo­na­ten ver­ein­bart wer­den können, wo­von die Par­tei­en Ge­brauch ge­macht hätten. Die Pro­be­zeit­ver­ein­ba­rung ver­s­toße nicht ge­gen § 20 BBiG. Da­nach be­gin­ne das Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis mit der Pro­be­zeit. So­fern ein Aus­zu­bil­den­der während der Aus­bil­dung zu ei­nem an­de­ren Aus­bil­der wech­se­le, bedürfe es der er­neu­ten Über­prüfung der Fra­ge, ob sich der Aus­zu­bil­den­de in das be­trieb­li­che Ge­sche­hen ein­ord­nen könne. Die Pro­be­zeit sol­le auch die Möglich­keit ei­ner in­di­vi­du­ell auf den je­wei­li­gen Ver­trags­part­ner zu­ge­schnit­te­nen persönli­chen und fach­li­chen Eig­nungs­prüfung ermögli­chen. Sch­ließlich sei die Ver­ein­ba­rung ei­ner vier­mo­na­ti­gen Pro­be­zeit auch nicht un­verhält­nismäßig. Sie be­we­ge sich im Rah­men des Ge­set­zes.

We­gen der wei­te­ren Be­gründung wird Be­zug ge­nom­men auf den In­halt der Ent­schei­dungs­gründe des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils.

Der Kläger hat ge­gen das ihm am 15. Fe­bru­ar 2010 zu­ge­stell­te Ur­teil am 15. März 2010 mit Fax – und am 16. März 2010 mit Ori­gi­nal­schrift­satz – Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se – nach Verlänge­rung der Frist bis 17. Mai 2010 – am 17. Mai 2010 mit Fax – und am 20. Mai 2010 mit Ori­gi­nal­schrift­satz – be­gründet.

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Der Kläger wie­der­holt sei­nen erst­in­stanz­li­chen Vor­trag und ist der Mei­nung, der Ver­trags­schluss mit der Be­klag­ten zum 1. Sep­tem­ber 2009 ha­be sach­lich ei­ne Fort­set­zung der be­reits be­gon­ne­nen Be­rufs­aus­bil­dung dar­ge­stellt, nicht je­doch den Be­ginn ei­ner neu­en Be­rufs­aus­bil­dung. Nur bei ei­ner neu­en Be­rufs­aus­bil­dung sei es ge­recht­fer­tigt, auch die Pro­be­zeit neu zu ver­ein­ba­ren. Je­den­falls sei ei­ne vier­mo­na­ti­ge Pro­be­zeit im letz­ten Aus­bil­dungs­jahr un­verhält­nismäßig. Er ha­be dann ins­ge­samt sie­ben Mo­na­te Pro­be­zeit zu über­ste­hen ge­habt, nur weil er nicht die Möglich­keit ge­habt ha­be, sei­ne Aus­bil­dung bei der Fir­ma M. zu be­en­den. Im Übri­gen ha­be er be­reits für die Be­klag­te vor Un­ter­zeich­nung des Aus­bil­dungs­ver­tra­ges ge­ar­bei­tet.

Der Kläger be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Lübeck vom 27. Ja­nu­ar 2010 – 5 Ca 3550/09 – ab­zuändern und

1. fest­zu­stel­len, dass das Aus­bil­dungs­verhält­nis der Par­tei­en nicht durch die Kündi­gung vom 13. Ok­to­ber 2009 be­en­det wor­den ist, son­dern zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen über den 13.10.2009 fort­be­steht,

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn für den Mo­nat Ok­to­ber 2009 EUR 354,19 brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 %-Punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit 15.12.2009 zu zah­len.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te ver­tei­digt un­ter Wie­der­ho­lung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts und be­strei­tet im Übri­gen, dass zwi­schen den Par­tei­en be­reits vor schrift­li­cher Un­ter­zeich­nung des Aus­bil­dungs­ver­tra­ges ein sol­cher Aus­bil­dungs­ver­trag zu­stan­de­ge­kom­men sei. Der dies­bezügli­che Vor­trag des Klägers sei zu un­sub­stan­ti­iert. Im Übri­gen wer­de er we­gen Ver­spätung gerügt. Zu­dem sei ei­ne Be­gründung ei­nes Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses be­reits vor dem 1. Sep­tem­ber 2009 – wie sich aus dem schrift­li­chen Aus­bil­dungs­ver­trag er­ge­be – nicht be­ab­sich­tigt ge­we­sen.

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We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en in der Be­ru­fung wird Be­zug ge­nom­men auf den In­halt der dort ge­wech­sel­ten Schriftsätze.

Ent­schei­dungs­gründe:

Die Be­ru­fung des Klägers ist zulässig. Sie ist statt­haft und frist- und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den. In der Sa­che hat sie kei­nen Er­folg. Das Ar­beits­ge­richt hat mit zu­tref­fen­der Be­gründung die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Die Be­klag­te hat das Aus­bil­dungs­verhält­nis gemäß § 22 Abs. 1 BBiG wirk­sam in­ner­halb der Pro­be­zeit oh­ne Ein­hal­ten ei­ner Kündi­gungs­frist gekündigt. Die Par­tei­en ha­ben in ih­rem Be­rufs­aus­bil­dungs­ver­trag wirk­sam ei­ne Pro­be­zeit gemäß § 20 Satz 1 BBiG be­gründet. Es ist nicht zu be­an­stan­den, dass in­so­weit trotz des drit­ten Aus­bil­dungs­jah­res ei­ne Pro­be­zeit von vier Mo­na­ten fest­ge­legt wur­de. Im Übri­gen er­gibt sich auch kei­ne an­de­re Be­trach­tung un­ter Berück­sich­ti­gung der Ar­gu­men­ta­ti­on des Klägers, wo­nach er be­reits vor Ab­schluss des schrift­li­chen Aus­bil­dungs­ver­tra­ges für die Be­klag­te tätig ge­wor­den sein will. Da­zu im Ein­zel­nen:

1. Die Ver­ein­ba­rung der Pro­be­zeit ist wirk­sam, ob­wohl sich der Kläger zu die­sem Zeit­punkt am Be­ginn des drit­ten Aus­bil­dungs­jah­res be­fand. Das Ar­beits­ge­richt hat mit zu­tref­fen­der Be­gründung in Übe­rein­stim­mung mit der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung aus­geführt, dass bei ei­nem Wech­sel des Aus­bil­ders auch ei­ne neue Pro­be­zeit ver­ein­bart wer­den müsse. Zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen wird aus­drück­lich Be­zug ge­nom­men auf die zu­tref­fen­den Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts. Le­dig­lich ergänzend wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass § 20 Satz 1 BBiG auf das Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis ab­stellt. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klägers han­del­te es sich bei der Ver­ein­ba­rung zwi­schen den Par­tei­en je­doch nicht um die Fort­set­zung ei­nes be­reits be­ste­hen­den Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis­ses be­zie­hungs­wei­se des­sen Um­schrei­bung, son­dern um die Neu­be­gründung ei­nes Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis­ses, wenn auch nur noch mit ei­ner Aus­bil­dungs­zeit von ei­nem Jahr an­ge­sichts der vor­he­ri­gen ab­sol­vier­ten und an­zu­rech­nen­den 24 Mo­na­te. Denn das Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis stellt je­weils auf die Ver­trags­par­tei­en ab. Wech­selt al­so der Aus­zu­bil­den­de sei­nen Aus­bil­der, so muss er­neut ei­ne Pro­be­zeit ver­ein­bart wer­den, auch wenn sich der Aus­bil­dungs­be­ruf nicht ändert. Dies ist – so­weit er­kenn­bar – in Recht-

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spre­chung und Li­te­ra­tur un­strei­tig. Be­reits das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat in der Ent­schei­dung vom 27. No­vem­ber 1991 – 2 AZR 263/91 – (zi­tiert nach JURIS Rn. 53) aus­geführt, es sei für die ein­stu­fi­ge Aus­bil­dung nicht be­strit­ten, dass bei Fort­set­zung der Aus­bil­dung in ei­nem an­de­ren Aus­bil­dungs­be­trieb ei­ne er­neu­te Pro­be­zeit zu ver­ein­ba­ren sei. Dies hat auch das Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz mit Ur­teil vom 19.04.2001 – 9 Sa 1507/00 – so ent­schie­den. Die An­er­ken­nung ei­nes vor­an­ge­gan­ge­nen Aus­bil­dungs­jah­res bei ei­nem an­de­ren Aus­bil­der hin­dert al­so nicht, ei­ne er­neu­te Pro­be­zeit für das an­sch­ließen­de Aus­bil­dungs­verhält­nis rechts­wirk­sam zu ver­ein­ba­ren. Auch in der Li­te­ra­tur ist dies – so­weit er­kenn­bar – völlig un­strei­tig (Wohl­ge­muth u. a., BBiG, 3. Aufl., § 20 Rn. 12; Ben­ecke und Her­genröder BBiG § 20 Rn. 4; Lei­ne­mann und Tau­bert, BBiG, 2. Aufl. § 20 Rn. 22).

Et­was an­de­res mag nur dann gel­ten, wenn zum Bei­spiel mit dem­sel­ben Aus­bil­der ein art­ver­wand­tes Aus­bil­dungs­verhält­nis neu be­gründet oder ein Ver­trag für ei­nen Aus­bil­dungs­be­ruf ab­ge­schlos­sen wird, der auf die vor­he­ri­ge Aus­bil­dung mit dem­sel­ben Aus­bil­den­den auf­baut. Denn in sol­chen Fällen hat­ten die Ver­trags­par­tei­en be­reits hin­rei­chend Ge­le­gen­heit, die dem Sinn und Zweck der Pro­be­zeit ent­spre­chen­den Über­prüfun­gen vor­zu­neh­men. Dies gilt aber nicht bei ei­nem Wech­sel des Aus­bil­ders, und zwar auch dann nicht, wenn sich der Aus­bil­dungs­be­ruf nicht verändert. In ei­nem sol­chen Fall ist es dem neu­en Aus­bil­der noch nicht möglich ge­we­sen, die Eig­nung des Aus­zu­bil­den­den für den zu er­ler­nen­den Be­ruf fest­zu­stel­len und zu er­pro­ben, in­wie­weit sich der Aus­zu­bil­den­de in den Be­trieb einfügt.

2. Auch die Ver­ein­ba­rung ei­ner vier­mo­na­ti­gen Pro­be­zeit ist nicht zu be­an­stan­den, und zwar auch nicht an­ge­sichts des Um­stan­des, dass sie zu Be­ginn des drit­ten Aus­bil­dungs­jah­res ver­ein­bart wur­de. Das Ge­setz lässt in § 20 Satz 2 BBiG ei­ne höchs­tens vier­mo­na­ti­ge Pro­be­zeit zu. Es ist des­halb recht­lich in Ord­nung, wenn die Ver­trags­par­tei­en die­se Frist auch vollständig ausschöpfen. Ei­ne Be­gren­zung un­ter dem Ge­sichts­punkt der Verhält­nismäßig­keit ist nicht an­ge­zeigt, und zwar auch nicht vor dem Hin­ter­grund, dass sich der Aus­zu­bil­den­de mögli­cher­wei­se zwei Jah­re lang schon bewährt hat. Dies ge­schah eben nicht bei dem neu­en Aus­bil­der, son­dern an an­de­ren Stel­len. Der neue Aus­bil­der muss aber die Möglich­keit ha­ben, un­ter Ausschöpfung der vom Ge­setz vor­ge­se­he­nen Höchst­frist die Eig­nung des Aus­zu­bil­den-

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den für sei­nen Aus­bil­dungs­be­trieb zu über­prüfen. Je­de Be­schnei­dung der Höchst­fris­ten und da­mit im Ge­setz nicht vor­ge­se­he­ne zwin­gen­de Re­du­zie­rung die­ser Höchst­frist un­ter dem Ge­sichts­punkt der Verhält­nismäßig­keit wäre willkürlich. Es steht im Er­mes­sen der Ver­trags­par­tei­en, ob sie die Höchst­frist ausschöpfen. Die­ses Er­mes­sen darf nicht durch das Ge­richt er­setzt wer­den.

3. Der wirk­sa­men Ver­ein­ba­rung der Pro­be­zeit steht auch nicht die Ar­gu­men­ta­ti­on des Klägers ent­ge­gen, er ha­be die Ar­beit schon vor Ab­schluss des schrift­li­chen Aus­bil­dungs­ver­tra­ges auf­ge­nom­men. Zwar ist der Be­rufs­aus­bil­dungs­ver­trag nicht form­ge­bun­den. Ein Schrift­form­ge­bot er­gibt sich we­der aus § 14 IV Tz­B­fG noch aus § 11 Abs. 2 BBiG. Folg­lich kann ein Be­rufs­aus­bil­dungs­ver­trag auch schon vor Un­ter­zeich­nung des schrift­li­chen Aus­bil­dungs­ver­tra­ges ab­ge­schlos­sen wor­den sein mit der Fol­ge, dass mögli­cher­wei­se dann ei­ne später im schrift­li­chen Be­rufs­aus­bil­dungs­ver­trag ver­ein­bar­te Pro­be­zeit nicht mehr wirk­sam ist. Dies setzt aber vor­aus, dass die Ver­trags­par­tei­en be­reits den Wil­len hat­ten, auch un­abhängig von ei­ner schrift­li­chen Nie­der­le­gung des Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis­ses schon zu ei­nem frühe­ren Zeit­punkt das Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis zu be­gründen und in Kraft zu set­zen. Dar­an fehlt es hier. Selbst wenn der Kläger – was die Be­klag­te nicht vollständig in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung in Ab­re­de ge­stellt hat – be­reits im Au­gust 2008 auf ei­ner Bau­stel­le der Be­klag­ten tätig war, so folgt dar­aus noch nicht, dass da­mit be­reits im Au­gust 2008 vor Ab­schluss des schrift­li­chen Aus­bil­dungs­ver­tra­ges ein Be­rufs­aus­bil­dungs­ver­trag zwi­schen den Par­tei­en zu­stan­de ge­kom­men ist. Viel­mehr ist da­von aus­zu­ge­hen, dass der Kläger dann im Au­gust 2008 sich noch im Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis mit der Fir­ma M. be­fand, wo­bei er al­ler­dings be­reits ein­ge­setzt wur­de auf ei­ner Bau­stel­le der Be­klag­ten. Dies be­gründet aber nicht be­reits ein Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis mit der Be­klag­ten. Der Kläger ist in­so­weit dar­auf hin­zu­wei­sen, dass aus­weis­lich des zwi­schen den Par­tei­en ge­schlos­se­nen Be­rufs­aus­bil­dungs­ver­tra­ges vom 01.09.2009 die Aus­bil­dungs­zeit bei der Fir­ma M. mit zwölf Mo­na­ten berück­sich­tigt wur­de, folg­lich für die Zeit vom 01.09.2008 bis 31. Au­gust 2009. Dies be­legt, dass sich der Kläger im Au­gust 2009 un­abhängig von der Fra­ge, wo er tatsächlich ein­ge­setzt wur­de, noch im Aus­bil­dungs­verhält­nis mit der Fir­ma M. be­fand. Dafür spricht wei­ter­hin, dass der Kläger selbst im erst­in­stanz­li­chen Schrift­satz vom 22. Ok­to­ber 2009 vorträgt, das Aus­bil­dungs­verhält­nis bei der Fir­ma M. wur­de we­der förm­lich auf­ge­ho­ben noch an­der-

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wei­tig durch Kündi­gung be­en­det. Mit an­de­ren Wor­ten: Es be­stand so lan­ge fort, bis der Kläger ein Aus­bil­dungs­verhält­nis mit der Be­klag­ten be­gründe­te, al­so bis zum 31. Au­gust 2009. Ein Wil­le des Klägers und der Be­klag­ten, be­reits zu ei­nem frühe­ren Zeit­punkt das Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis zu be­gründen, ist da­her nicht er­kenn­bar. Un­er­heb­lich ist auch, wer für Au­gust 2009 et­wai­ge Zah­lun­gen an den Kläger leis­te­te. Er war noch Aus­zu­bil­den­der bei der Fir­ma M.. Hätte die Be­klag­te – was der Kläger nicht sub­stan­ti­iert be­haup­tet hat – ihn be­reits be­zahlt, hätte sie le­dig­lich die noch be­ste­hen­de Ver­pflich­tung der Fir­ma M. über­nom­men, oh­ne je­doch schon vor Sep­tem­ber 2009 selbst be­reits Aus­bil­de­rin zu wer­den.

Nach al­le­dem ist die Be­ru­fung des Klägers mit der Kos­ten­fol­ge des § 97 ZPO zurück­zu­wei­sen.

An­lass zur Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­steht nicht. Es han­delt sich um ei­ne geklärte Rechts­fra­ge. Zu ver­wei­sen ist in­so­weit so­wohl auf die oben ge­nann­te Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, wei­ter­hin auf die zi­tier­te Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Rhein­land-Pfalz und auf die Kom­men­tarstel­len. Für das Be­ru­fungs­ge­richt gibt es – so­weit er­sicht­lich – kei­ne Stim­me, die die Auf­fas­sung ver­tritt, dass bei ei­nem Wech­sel des Aus­bil­ders ei­ne Pro­be­zeit nicht ver­ein­bart wer­den dürfe. An­ge­sichts die­ser kla­ren Rechts­la­ge be­darf es nicht der Zu­las­sung der Re­vi­si­on.

 

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