Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Diskriminierungsverbote
   
Gericht: Bundesverfassungsgericht
Akten­zeichen: 1 BvR 512/11
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 23.12.2013
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.8.2010 - 8 AZR 466/09
   

BUN­DES­VER­FASSUN­GS­GERICHT

- 1 BvR 512/11 -

In dem Ver­fah­ren

über

die Ver­fas­sungs­be­schwer­de

der Frau F&,

- Be­vollmäch­tig­ter: Rechts­an­walt Se­bas­ti­an Busch, Os­dor­fer Weg 25, 22607 Ham­burg -

ge­gen das Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 19. Au­gust 2010 - 8 AZR 466/09 -

u n d An­trag auf Be­wil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe und Bei­ord­nung ei­nes Rechts­an­walts

hat die 3. Kam­mer des Ers­ten Se­nats des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts durch


den Vi­ze­präsi­den­ten Kirch­hof,
den Rich­ter Ma­sing
und die Rich­te­rin Ba­er


gemäß § 93b in Ver­bin­dung mit § 93a BVerfGG in der Fas­sung der Be­kannt­ma­chung vom 11. Au­gust 1993 (BGBl I S. 1473)
am 23. De­zem­ber 2013 ein­stim­mig be­schlos­sen:

Der An­trag auf Be­wil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe und Bei­ord­nung ei­nes Rechts­an­walts wird ab­ge­lehnt, da die be­ab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung oh­ne Aus­sicht auf Er­folg ist.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de wird nicht zur Ent­schei­dung an­ge­nom­men.


- 2-

G r ü n d e :

Die Vor­aus­set­zun­gen für die An­nah­me der Ver­fas­sungs­be­schwer­de lie­gen nicht vor. Sie hat kei­ne grundsätz­li­che ver­fas­sungs­recht­li­che Be­deu­tung (§ 93a Abs. 2 Buch­sta­be a BVerfGG) und ih­re An­nah­me er­scheint auch nicht zur Durch­set­zung von Grund­rech­ten oder grund­rechts­glei­chen Rech­ten der Be­schwer­deführe­rin an­ge­zeigt (§ 93a Abs. 2 Buch­sta­be b BVerfGG). Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de hat kei­ne Aus­sicht auf Er­folg, weil sie un­be­gründet ist.

1. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat das grund­rechts­glei­che Recht der Be­schwer­deführe­rin auf den ge­setz­li­chen Rich­ter aus Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG nicht ver­kannt.

Ge­rich­te ver­let­zen die Vor­la­ge­pflicht nach § 267 Abs. 3 AEUV und da­mit auch das Recht der Par­tei­en aus Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG nur, wenn ihr Um­gang mit der Vor­la­ge­pflicht bei verständi­ger Würdi­gung der das Grund­ge­setz be­stim­men­den Ge­dan­ken nicht ver­tret­bar ist, al­so nicht mehr verständ­lich er­scheint und of­fen­sicht­lich un­halt­bar ist (vgl. BVerfGE 82, 159 <194>; 126, 286 <315>; 128, 157 <187>). Die Hand­ha­bung der Vor­la­ge­pflicht durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt er­scheint hier je­doch nicht of­fen­sicht­lich un­halt­bar. Al­ler­dings hätte es na­he­ge­le­gen, die Gründe der un­ter­las­se­nen Vor­la­ge in der an­ge­grif­fe­nen Ent­schei­dung dar­zu­stel­len, ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund, dass die Be­deu­tung der „ob­jek­ti­ven Eig­nung" für den Be­griff der „ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on" in ei­nem Be­wer­bungs­ver­fah­ren im Sin­ne von Art. 2 Abs. 2a der Richt­li­nie 2000/43/EG so­wie in Art. 2 Abs. 2a der Richt­li­nie 2000/78/EG bis­her nicht Ge­gen­stand ei­ner Aus­le­gung durch den Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on war und die Be­schwer­deführe­rin ei­ne Vor­la­ge die­ser Fra­ge in der Re­vi­si­ons­be­gründung aus­drück­lich an­ge­regt hat. Je­doch er­scheint es ver­tret­bar, die rich­ti­ge An­wen­dung des Uni­ons­rechts vor­lie­gend als der­art of­fen­kun­dig an­zu­se­hen, dass ei­ne ab­wei­chen­de Aus­le­gung durch den Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on le­dig­lich als ent­fern­te Möglich­keit er­scheint und sich da­her auch ei­ne un­be­gründe­te Nicht­vor­la­ge noch im Be­ur­tei­lungs­spiel­raum hält. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt konn­te von ei­ner den na­tio­na­len Ge­rich­ten ob­lie­gen­den An­wen­dung von Uni­ons­recht auf den Ein­zel­fall aus­ge­hen, oh­ne dass es hierfür ei­ner dem Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on ob­lie­gen­den Aus­le­gung des Uni­ons­rechts zwin­gend be­durf­te.

- 3 -

2. Die an­ge­grif­fe­ne Ent­schei­dung ver­letzt die Be­schwer­deführe­rin nicht in ih­rem Grund­recht aus Art. 3 Abs. 1 und Abs. 3 Satz 1 GG oder ih­rer Re­li­gi­ons­frei­heit.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt stellt ent­schei­dend dar­auf ab, dass die Be­schwer­deführe­rin ob­jek­tiv nicht die Vor­aus­set­zung ei­nes ab­ge­schlos­se­nen Hoch­schul­stu­di­ums erfüll­te, ob­wohl dies in der Stel­len­aus­schrei­bung für die zu be­set­zen­de Po­si­ti­on ge­for­dert und auch der späte­ren Ein­stel­lungs­ent­schei­dung tatsächlich zu­grun­de ge­legt wor­den war. Da­her sei sie nicht in ei­ner mit Drit­ten ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ge­we­sen, was Vor­aus­set­zung für das Vor­lie­gen ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne des Gleich­be­hand­lungs­rechts ist (vgl. BAG, Ur­teil vom 5. Fe­bru­ar 2004 - 8 AZR 112/03 -; stRspr). Ge­gen die­se nicht nur for­ma­le, son­dern auch auf die tatsächli­che Ein­stel­lungs­pra­xis ab­he­ben­de Be­trach­tung ist ver­fas­sungs­recht­lich nichts zu er­in­nern.

Ob die Be­klag­te des Aus­gangs­ver­fah­rens, ein Lan­des­ver­band der Dia­ko­nie als kirch­li­chem Wohl­fahrts­ver­band und Teil ei­ner Lan­des­kir­che, auch für verkündi­gungs­fer­ne Tätig­kei­ten die Zu­gehörig­keit zu ei­ner christ­li­chen Kir­che zur Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zung er­he­ben durf­te, war dem­ge­genüber nicht ent­schei­dend. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat aus­drück­lich da­von ab­ge­se­hen, die in­so­fern ein­schlägi­gen Vor­schrif­ten der §§ 8, 9 AGG zu prüfen. Da­von aus­ge­hend muss auch ei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Prüfung hier­zu un­ter­blei­ben.

Die­se Ent­schei­dung ist un­an­fecht­bar.


Kirch­hof 

Ma­sing 

Ba­er

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 1 BvR 512/11  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880