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Ge­halts­er­hö­hung per Ge­setz?

Hes­si­sches Ge­setz über Ein­kom­mens­ver­bes­se­run­gen für Ta­rif­be­schäf­tig­te im Öf­fent­li­chen Dienst des Lan­des Hes­sen: Ge­setz­ent­wurf der Frak­ti­on der CDU vom 21.08.2007, Hes­si­scher Land­tag, Drucks. 16/7637

24.10.2007. Nach­dem sich die hes­si­sche Lan­des­re­gie­rung im Mai 2007 mit dem Deut­schen Be­am­ten­bund (Lan­des­bund Hes­sen) über ei­ne An­he­bung der Be­zü­ge von Be­am­ten und Rich­tern so­wie von Ver­sor­gungs­emp­fän­gern in Hes­sen ge­ei­nigt hat­te, ver­han­del­te sie auch mit der Ge­werk­schaft ver.di über ei­ne dem­ent­spre­chen­de Ein­kom­mens­ver­bes­se­rung für die An­ge­stell­ten im öf­fent­li­chen Dienst.

Die­se Ver­hand­lun­gen wur­den durch den Ta­rif­ver­trag über die Ver­ein­ba­rung ei­ner Meist­be­güns­ti­gungs­klau­sel (TV-Meist­be­güns­ti­gung) vom 09.02.2005 blo­ckiert. Nach die­sem bis zum 31.12.2007 gel­ten­den Ta­rif­ver­trag ist die Ge­werk­schaft ver.di näm­lich an die In­hal­te der von ihr ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­ver­trä­ge im Sin­ne ei­ner „recht­li­chen Brei­ten­wir­kung“ ge­bun­den:

Wenn die ver.di für ein oder meh­re­re Bun­des­län­der ei­nen Ta­rif­ver­trag ab­schließt, der vom TVöD in den Be­rei­chen Ar­beits­zeit und Son­der­zah­lun­gen ab­wei­chen­de In­hal­te hat oder beim Ent­gelt für die Ar­beit­ge­ber güns­ti­ge­re Re­ge­lun­gen ent­hält, so gilt die rechts­ver­bind­li­che Un­ter­schrift der ver.di un­ter den aus­ge­han­del­ten Ta­rif­ver­trag zu­gleich als un­wi­der­ruf­li­ches An­ge­bot an den Bund und die Ver­ei­ni­gung der Kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de, die Re­ge­lun­gen des Ta­rif­ver­trags in den TVöD zu über­neh­men.

Der Bund und die Ver­ei­ni­gung der Kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de kön­nen je­der für sich bin­nen ei­ner Frist von vier Wo­chen nach Kennt­nis­nah­me des ent­spre­chen­den Ta­rif­ver­trags das An­ge­bot schrift­lich an­neh­men. An­ders ge­sagt: Von der ver.di aus­ge­han­del­te Ab­wei­chun­gen vom TVöD ha­ben mög­li­cher­wei­se so­fort ei­ne für die Ar­beit­ge­ber­sei­te güns­ti­ge „Brei­ten­wir­kung“ für den ge­sam­ten öf­fent­li­chen Dienst land­auf land­ab.

Um ei­ne sol­che – un­ge­woll­te – bun­des­wei­te Aus­wir­kung ei­nes für Hes­sen be­schlos­se­nen Ta­rif­ver­trags zu ver­mei­den, ha­ben die Lan­des­re­gie­rung und die ver.di ih­re Ta­rif­ge­sprä­che vor­über­ge­hend bis zum Aus­lau­fen des TV-Meist­be­güns­ti­gung am Jah­res­en­de aus­ge­setzt.

Die­se Si­tua­ti­on nahm die CDU-Frak­ti­on im Hes­si­schen Land­tag im Au­gust 2007 zum An­lass, um ein Ge­setz in den Land­tag ein­zu­brin­gen, dem zu­fol­ge das Land Hes­sen als Ge­setz­ge­ber auf ei­ge­ne Faust ei­ne Lohn­er­hö­hung für sei­ne Ta­rif­an­ge­stell­ten um­set­zen soll. Dem Ge­setz­ent­wurf zu­fol­ge sol­len die Ar­beit­neh­mer im No­vem­ber bzw. De­zem­ber 2007 ei­ne Ein­mal­zah­lung und ab April 2008 ei­ne lau­fen­de Lohn­er­hö­hung er­hal­ten. Das Ge­setz soll erst am 31.12.2012 au­ßer Kraft tre­ten.

Ob­wohl der Ge­setz­ent­wurf aus­drück­lich das Recht der Ta­rif­par­tei­en, ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen durch Ta­rif­ver­trag zu ver­ein­ba­ren, „un­be­rührt“ sein lässt bzw. re­spek­tiert (§ 5 des Ent­wur­fes), sind Ge­werk­schaf­ten und die SPD-Op­po­si­ti­on in Hes­sen von die­sem Vor­schlag nicht be­geis­tert.

Ein­ge­wandt wird im We­sent­li­chen, dass die Lohn­fest­set­zung für die Be­schäf­tig­ten im öf­fent­li­chen Dienst per (Lan­des-) Ge­setz den Ge­werk­schaf­ten – hier al­so vor al­lem der ver.di – ihr an­ge­stamm­tes und grund­recht­lich durch Art.9 Abs.3 Grund­ge­setz (GG) ga­ran­tier­tes Be­tä­ti­gungs­feld näh­me, d.h. die Ta­rif­au­to­no­mie ver­let­ze.

Ob die­ses Ar­gu­ment stich­hal­tig ist, wird sich im Lau­fe der nächs­ten Mo­na­te zei­gen, falls das Ge­setz ent­spre­chend dem Ent­wurf be­schlos­sen wer­den soll­te: Dann näm­lich wird die ver.di – spä­tes­tens nach Aus­lau­fen des TV-Meist­be­güns­ti­gung – mit der hes­si­schen Lan­des­re­gie­rung er­neut über ei­nen Ta­rif­ver­trag ver­han­deln, der rein recht­lich oh­ne wei­te­res ne­ben dem Hes­si­schen Ein­kom­mens­ver­bes­se­rungs­ge­setz be­ste­hen könn­te.

Ei­ne an­de­re Fra­ge ist na­tür­lich, ob ein sol­cher Ta­rif­ver­trag über­haupt noch zu­stan­de kommt und ob die Ge­werk­schaft hier­über noch druck­voll ver­han­deln kann, wenn die Ar­beit­neh­mer be­reits ei­ne (ge­setz­li­che) Lohn­er­hö­hung er­hal­ten ha­ben. Nur dann, wenn Ta­rif­ver­hand­lun­gen durch die ge­setz­li­che Lohn­fest­set­zung fak­tisch ver­un­mög­licht wer­den, könn­te man über ei­ne mög­li­che Ver­let­zung der Ta­rif­au­to­no­mie durch das Ein­kom­mens­ver­bes­se­rungs­ge­setz dis­ku­tie­ren.

Die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer in Hes­sen je­den­falls ha­ben kei­nen ju­ris­ti­schen Grund, sich über das Ein­kom­mens­ver­bes­se­rungs­ge­setz zu be­schwe­ren, da ih­re Rechts­si­tua­ti­on durch die­ses Ge­setz le­dig­lich ver­bes­sert, nicht aber ver­schlech­tert wird.

Nä­he­res zu die­sem The­ma fin­den Sie un­ter:

 

Letzte Überarbeitung: 29. Juni 2016

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