Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Berufskrankheit
   
Gericht: Verwaltungsgericht Aachen
Akten­zeichen: 1 K 1203/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 14.04.2011
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen:
   

Ver­wal­tungs­ge­richt Aa­chen, 1 K 1203/09

 

Te­nor:

Der Be­klag­te wird un­ter Auf­he­bung des Be­schei­des der P. S. vom 00.00.0000 so­wie de­ren Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 00.00.0000 ver­pflich­tet, die Er­kran­kung der Kläge­rin an ei­ner Seh­nen­schei­den­entzündung im rech­ten Arm als Be­rufs­krank­heit im Sin­ne der Nr. 2101 der Be­rufs­krank­hei­ten­lis­te an­zu­er­ken­nen.

Der Be­klag­te trägt die Kos­ten des Ver­fah­rens.

Das Ur­teil ist we­gen der Kos­ten vorläufig voll­streck­bar. Der Be­klag­te kann die Voll­stre­ckung durch Si­cher­heits­leis­tung in Höhe von 110 vom Hun­dert des auf­grund des Ur­teils voll­streck­ba­ren Be­tra­ges ab­wen­den, wenn nicht die Kläge­rin vor der Voll­stre­ckung Si­cher­heit in Höhe von 110 vom Hun­dert des je­weils zu voll­stre­cken­den Be­tra­ges leis­tet.

 

Tat­be­stand:

Die am 24. Ja­nu­ar 1972 ge­bo­re­ne Kläge­rin steht als Steu­er­amt­frau bei dem Fi­nanz­amt E. im Dienst des Be­klag­ten. Nach Ein­tritt in die Fi­nanz­ver­wal­tung im Au­gust 1991 er­folg­te ein Erst­ein­satz in der Ver­an­la­gungs­stel­le. Vom 4. De­zem­ber 1994 bis zum 31. Au­gust 2003 war sie im Ar­beits­ge­biet "Voll­stre­ckung/Er­he­bungs­stel­le" tätig. Seit 1. Sep­tem­ber 2003 wird sie als Sach­be­ar­bei­te­rin in der Stel­le für In­for­ma­ti­ons­tech­nik (ITST) ein­ge­setzt. Von Mai 2002 bis Sep­tem­ber 2003 war sie zu 80 % und seit dem 1. März 2005 zu 90 % teil­zeit­beschäftigt.

Am 14. Au­gust 2007 er­stat­te­te der Arzt für Chir­ur­gie (plas­ti­sche Chir­ur­gie - Hand­chir­ur­gie) Dr. med. X. C. aus F. im Fall der Kläge­rin ei­ne "Ärzt­li­che An­zei­ge bei Ver­dacht auf ei­ne Be­rufs­krank­heit" an die Lan­des­un­fall­kas­se Nord­rhein-West­fa­len, die der Kläge­rin mit Schrei­ben vom 10. Sep­tem­ber 2007 ei­nen Fra­ge­bo­gen bezüglich der bei ihr dia­gnos­ti­zier­ten Seh­nen­schei­den­entzündung zu­kom­men ließ. Nach Zu­sen­dung des aus­gefüll­ten Fra­ge­bo­gens lei­te­te die Lan­des­un­fall­kas­se Nord­rhein-West­fa­len die An­zei­ge mit Schrei­ben vom 8. Ok­to­ber 2007 an das Fi­nanz­amt E. wei­ter und wies dar­auf hin, dass die Kläge­rin als Be­am­tin von der Un­fall­ver­si­che­rung be­freit sei und zu dem Per­so­nen­kreis gehöre, dem Un­fallfürsor­ge im Rah­men des Be­am­ten­ver­sor­gungs­ge­set­zes zu gewähren sei. Dies ver­an­lass­te das Fi­nanz­amt E. , un­ter dem 6. No­vem­ber 2007 ei­ne "Ärzt­li­che An­zei­ge bei Ver­dacht auf ei­ne Be­rufs­krank­heit" an die Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on S. (OFD) zu er­stat­ten. Auf Wunsch der P. schil­der­te die Kläge­rin un­ter dem 28. No­vem­ber 2007 ih­re Er­kran­kung und die Art ih­rer Tätig­keit. Sie führ­te aus, sie ver­rich­te zu ca. 90 % sie­ben St­un­den täglich Ar­bei­ten am PC. Durch die ständig wie­der­keh­ren­den, gleichförmi­gen

- 2 -

Be­we­gun­gen durch Be­die­nen der PC-Maus und -Tas­ta­tur sei­en bei ihr di­ver­se ge­sund­heit­li­che Be­schwer­den zunächst im rech­ten, später auch im lin­ken Arm ent­stan­den. Schmer­zen bestünden so­wohl an bei­den Ell­bo­gen, Un­ter­ar­men als auch in den Händen. We­gen der ge­nau­en Dia­gno­sen fügte sie ein At­test des Dr. med. C. vom 27. No­vem­ber 2007 bei.

Un­ter dem 19. No­vem­ber 2007 er­teil­te der Fach­arzt für Ar­beits­me­di­zin, N. P1. , von der N1. S1. -S2. GmbH & Co. KG nach ei­ner er­go­no­mi­schen Be­ra­tung am Ar­beits­platz die Emp­feh­lung, der Kläge­rin ein Gel-Mou­se­pad und ei­ne er­go­no­mi­sche Maus zur Verfügung zu stel­len, die ei­ne ver­ti­ka­le Hand­hal­tung ermöglich­ten. Auf der Grund­la­ge ei­ner Un­ter­su­chung des Chef­arz­tes der Ab­tei­lung für Hand­chir­ur­gie, Plas­ti­sche Chir­ur­gie und Brand­ver­letz­te an der Be­rufs­ge­nos­sen­schaft­li­chen Un­fall­kli­nik E1. , Dr. med. K., ge­lang­te das Ge­sund­heits­amt des Krei­ses E. , das von der P. S. um ei­ne amtsärzt­li­che Stel­lung­nah­me ge­be­ten wor­den war, zu dem Er­geb­nis, dass ei­ne Be­rufs­er­kran­kung der Kläge­rin an bei­den Ar­men (Epi­con­dy­li­tis hu­me­ri ra­dia­lis beid­seits, Ten­do­va­gini­tis ste­no­sans de Quer­vain rechts) im Sin­ne der Nr. 2101 der An­la­ge zur Be­rufs­krank­hei­ten­ver­ord­nung (Be­rufs­krankei­ten­lis­te) we­der un­ter me­di­zi­ni­schen noch un­ter ar­beits­tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­ge.

Mit Be­scheid vom 4. Sep­tem­ber 2008 lehn­te die P. S. die An­er­ken­nung der Seh­nen­schei­den­entzündung der Kläge­rin als Be­rufs­er­kran­kung nach Nr. 2101 der Be­rufs­krankei­ten­lis­te un­ter Hin­weis auf das amtsärzt­li­che Gut­ach­ten ab.

Auf den Wi­der­spruch der Kläge­rin vom 24. Sep­tem­ber 2008 hol­te die P. S. ei­ne ergänzen­de Stel­lung­nah­me des Ge­sund­heits­am­tes des Krei­ses E. ein, das un­ter Hin­weis auf ei­ne ergänzen­de Äußerung des Dr. med. K. mit Be­richt vom 14. April 2009 bei sei­ner bis­he­ri­gen Einschätzung ver­blieb.

Mit Wi­der­spruchs­be­scheid vom 2. Ju­ni 2009 ver­wies die P. S. auf die­se Einschätzung und wies den Wi­der­spruch un­ter Wie­der­ho­lung der Ausführun­gen aus dem Erst­be­scheid zurück.

Die Kläge­rin hat am 2. Ju­li 2009 Kla­ge er­ho­ben. Sie ver­folgt ihr Be­geh­ren auf An­er­ken­nung der Seh­nen­schei­den­entzündung als Be­rufs­er­kran­kung wei­ter und führt aus, seit den Mo­na­ten Ju­ni/Ju­li 2000 ha­be sie über­wie­gend am PC ge­ar­bei­tet, was zu­vor nur in ge­rin­ge­rem Um­fang der Fall ge­we­sen sei. Be­reits kur­ze Zeit da­nach ha­be sie ers­te Schmer­zen ver­spürt und sich in ärzt­li­che Be­hand­lung be­ge­ben müssen. Seit die­ser Zeit lei­de sie an der Seh­nen­schei­den­entzündung. Die­se sei ent­ge­gen der An­nah­me des Dr. med. K. auch durch ein MRT be­legt. Ei­ne an­de­re Ur­sa­che als die seit dem Jahr 2000 ex­trem ge­stei­ger­te PC-Ar­beit sei nicht er­kenn­bar. Nach­dem ihr zwi­schen­zeit­lich ein lei­dens­ge­rech­ter Ar­beits­platz ein­ge­rich­tet wor­den sei und sie mit Sprach­steue­rung und oh­ne Be­die­nung ei­ner PC-Maus ar­bei­ten könne, hätten sich die Be­schwer­den ge­bes­sert.

Die Kläge­rin be­an­tragt, den Be­klag­ten un­ter Auf­he­bung des Be­schei­des der OFD S. vom 00.00.0000 so­wie de­ren 10 Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 00.00.0000 zu ver­pflich­ten, ih­re Seh­nen­schei­den­entzündung im rech­ten Arm als Be­rufs­er­kran­kung nach Nr. 2101 der Be­rufs­krank­hei­ten­lis­te an­zu­er­ken­nen.

Der Be­klag­te be­an­tragt, 

die Kla­ge ab­zu­wei­sen. 

Die Kläge­rin erfülle we­der die ver­fah­rens­recht­li­chen noch die ma­te­ri­el­len 

- 3 -

Vor­aus­set­zun­gen für die An­er­ken­nung nach § 31 Abs. 3 Satz 1 Be­amt­VG. In for­mel­ler Hin­sicht sei der An­trag ver­spätet ge­stellt wor­den. Gemäß der auch auf die An­er­ken­nung ei­ner Be­rufs­er­kran­kung an­wend­ba­ren Vor­schrift des § 45 Abs. 1 Satz 1 Be­amt­VG sei­en Unfälle, aus de­nen Un­fallfürsor­geansprüche ent­ste­hen könn­ten, in­ner­halb ei­ner Aus­schluss­frist von zwei Jah­ren nach dem Ein­tritt des Un­falls bei dem Dienst­vor­ge­setz­ten des Ver­letz­ten zu mel­den. Da­bei be­gin­ne der Lauf der ge­setz­li­chen Mel­de- und Aus­schluss­frist mit dem ob­jek­ti­ven Auf­tre­ten der Krank­heit, oh­ne dass es dar­auf an­kom­me, ob der Be­am­te er­kannt ha­be, dass er sich ei­ne Be­rufs­er­kran­kung zu­ge­zo­gen ha­be. Die Mel­de­frist ha­be für die Kläge­rin im Jahr 2000 be­gon­nen, als die Er­kran­kung der Seh­nen­schei­de erst­mals auf­ge­tre­ten sei. Ei­ne Dienst­un­fall­mel­dung ha­be sie aber erst im Ja­nu­ar 2007 ab­ge­ge­ben. Sie könne sich nicht auf die Fris­ter­leich­te­rung des § 45 Abs. 2 Be­amt­VG be­ru­fen, weil sie auch die drei­mo­na­ti­ge Mel­de­frist nach Satz 2 die­ser Vor­schrift nicht ein­ge­hal­ten ha­be. Aus Ab­rech­nungs­un­ter­la­gen des Dr. med. C. ge­he her­vor, dass die Er­kran­kung be­reits im Ju­ni 2004 be­kannt ge­we­sen sei. Schon da­mals hätten sich so­mit An­halts­punk­te er­ge­ben können, die ei­ne Be­rufs­er­kran­kung möglich er­schei­nen ließen. Außer­dem sei die An­er­ken­nung ei­ner Be­rufs­er­kran­kung zwi­schen dem be­han­deln­den Arzt und der Be­rufs­ge­nos­sen­schaft of­fen­bar be­reits im Fe­bru­ar 2007 be­spro­chen und ab­ge­rech­net wor­den. Da­mit hätten sich spätes­tens zu die­sem Zeit­punkt aus­rei­chen­de An­halts­punk­te er­ge­ben, die ei­ne Be­rufs­er­kran­kung möglich er­schei­nen ließen. Die Un­fal­l­an­zei­ge vom 5. No­vem­ber 2007 sei dem­gemäß ver­fris­tet er­folgt. Die Kläge­rin lei­de auch nicht an ei­ner Be­rufs­krank­heit. Sie sei nämlich nicht ei­ner Ge­fahr der Er­kran­kung be­son­ders aus­ge­setzt ge­we­sen. Ein Er­fah­rungs­satz des In­halts, dass Be­diens­te­ten, die ei­ne Tas­ta­tur und ei­ne Com­pu­ter-Maus in der von der Kläge­rin prak­ti­zier­ten In­ten­sität nutz­ten, ei­ne Er­kran­kung im Sin­ne der Nr. 2101 der Be­rufs­krankei­ten­lis­te mit er­heb­lich erhöhter Wahr­schein­lich­keit dro­he, las­se sich nicht fest­stel­len. Zwar sei­en bun­des­weit im Jahr 2009 ins­ge­samt 743 Ver­dachtsfälle ei­ner Be­rufs­krank­heit nach Nr. 2101 der An­la­ge zur BKV an­ge­zeigt wor­den, es sei­en aber nur 19 Fälle an­er­kannt wor­den. Die An­er­ken­nung ei­ner Be­rufs­krank­heit set­ze den Nach­weis ei­ner Viel­zahl von Re­fe­renzfällen ent­spre­chen­der Er­kran­kun­gen auf­grund der je­weils schädi­gen­den be­ruf­li­chen Tätig­keit vor­aus, die nicht er­bracht wor­den sei. Die Kläge­rin sei auch nicht ge­zwun­gen wor­den, al­le Tätig­kei­ten zu un­ter­las­sen, die für die Ent­ste­hung, die Ver­schlim­me­rung oder das Wie­der­auf­le­ben der Krank­heit ursächlich wa­ren oder sein könn­ten, da sie wei­ter­hin ih­re bis­he­ri­ge Beschäfti­gung ver­rich­te; hier­an ände­re auch nichts, dass sie seit dem 21. Ja­nu­ar 2011 wie­der un­un­ter­bro­chen dienst­unfähig er­krankt sei.

Die Kam­mer hat durch Ein­ho­lung ei­nes schrift­li­chen ar­beits­me­di­zi­ni­schen Sach­verständi­gen­gut­ach­tens des Di­rek­tors des In­sti­tuts für Ar­beits­me­di­zin und So­zi­al­me­di­zin des V. B. , Uni­ver­sitätspro­fes­sor Dr. med. U. L. , Be­weis über die Fra­ge er­ho­ben, ob es sich bei den Be­schwer­den der Kläge­rin um Er­kran­kun­gen der Seh­nen­schei­den oder des Seh­nengleit­ge­we­bes so­wie der Seh­nen- oder Mus­kel­ansätze han­de­le, die zur Un­ter­las­sung al­ler Tätig­kei­ten ge­zwun­gen ha­ben, die für die Ent­ste­hung, die Ver­schlim­me­rung oder das Wie­der­auf­le­ben ursächlich wa­ren oder sein könn­ten (Be­rufs­krank­hei­ten­lis­te Nr. 2101), be­ja­hen­den­falls, ob die­se Er­kran­kun­gen al­lein oder mit­ursächlich durch die Erhöhung der PC-Ar­beits­zei­ten der Kläge­rin ab Ju­li 2000 ent­stan­den sei­en; we­gen des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me wird auf das ar­beits­me­di­zi­ni­sche Gut­ach­ten vom 13. De­zem­ber 2010 ver­wie­sen.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird Be­zug ge­nom­men auf 15 den In­halt der Ge­richts­ak­te und der bei­ge­zo­ge­nen Per­so­nal­ak­ten und Ver­wal­tungs­vorgänge, die Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung ge­we­sen sind.

Ent­schei­dungs­gründe: 

- 4 -

Die zulässi­ge Kla­ge ist be­gründet.

Die Kläge­rin hat An­spruch auf An­er­ken­nung ih­rer Seh­nen­schei­den­entzündung im rech­ten Arm als Be­rufs­krank­heit. Die an­ge­foch­te­nen Be­schei­de sind rechts­wid­rig und ver­let­zen sie in ih­ren Re­chen, § 113 Abs. 5 Satz 1 der Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung (Vw­GO).

Rechts­grund­la­ge für ih­ren An­spruch ist § 31 Abs. 3 Satz 1 des Be­am­ten­ver­sor­gungs­ge­set­zes (Be­amt­VG). Er­krankt ein Be­am­ter, der nach der Art sei­ner dienst­li­chen Ver­rich­tung der Ge­fahr der Er­kran­kung an be­stimm­ten Krank­hei­ten be­son­ders aus­ge­setzt ist, an ei­ner sol­chen Krank­heit, so gilt dies als Dienst­un­fall, es sei denn, dass der Be­am­te sich die Krank­heit außer­halb des Diens­tes zu­ge­zo­gen hat. Nach Satz 3 be­stimmt die Bun­des­re­gie­rung durch Rechts­ver­ord­nung die in Be­tracht kom­men­den Krank­hei­ten. Die Kläge­rin lei­det an ei­ner sol­chen Er­kran­kung (1.), gehört zu ei­nem be­son­ders gefähr­de­ten Per­so­nen­kreis (2.) und hat die An­er­ken­nung als Be­rufs­krank­heit recht­zei­tig gel­tend ge­macht (3.).

1. Die Er­kran­kung der Kläge­rin ist in der seit dem 1. De­zem­ber 1997 als An­la­ge zu der Be­rufs­krank­hei­ten-Ver­ord­nung vom 31. Ok­to­ber 1997 er­las­se­nen Be­rufs­krank­hei­ten­lis­te (BGBl. I 2623, 2625) auf­geführt. De­ren Nr. 2101 er­fasst Er­kran­kun­gen der Seh­nen­schei­den oder des Seh­nengleit­ge­we­bes so­wie der Seh­nen- oder Mus­kel­ansätze, die zur Un­ter­las­sung al­ler Tätig­kei­ten ge­zwun­gen ha­ben, die für die Ent­ste­hung, die Ver­schlim­me­rung oder das Wie­der­auf­le­ben ursächlich wa­ren oder sein können. So­wohl nach den Fest­stel­lun­gen ih­res be­han­deln­den Arz­tes Dr. med. C. als auch nach dem vom Ge­richt ein­ge­hol­ten me­di­zi­ni­schen Sach­verständi­gen­gut­ach­ten des Prof. Dr. med. U. L. lei­det die Kläge­rin seit dem Jahr 2001 an ei­ner Ten­do­va­gini­tis de Quer­vain, an ei­ner Epi­con­dy­li­tis hu­merora­dia­lis beid­seits mit Zu­stand nach ope­ra­ti­ver Ver­sor­gung rechts so­wie an ei­nem Zu­stand nach Sul­cus-ul­naris-Syn­drom rechts mit ope­ra­ti­ver Ver­sor­gung im Ju­li 2004. Die­se Er­kran­kung wird von Nr. 2101 der Be­rufs­krank­hei­ten­lis­te er­fasst.

2. Die Kläge­rin war der Art ih­rer dienst­li­chen Ver­rich­tung nach der Ge­fahr der Er­kran­kung an ei­ner Seh­nen­schei­den­entzündung auch be­son­ders aus­ge­setzt. Bei der Be­ur­tei­lung die­ses Tat­be­stands­merk­mals kommt es nicht auf den all­ge­mei­nen In­halt der Dienst­auf­ga­ben der Kläge­rin an. Ent­schei­dend ist viel­mehr die von ihr kon­kret aus­geübte dienst­li­che Ver­rich­tung, vgl. Bau­er in: Stegmüller/Schmal­ho­fer/Bau­er, Be­am­ten­ver­sor­gungs­recht des Bun­des und 22 der Länder, Lo­se-Blatt-Samm­lung Stand: Ok­to­ber 2010, Erläute­rung 16 Nr. 4.1.1 zu § 31.

Die be­son­de­re Ge­fahr der Er­kran­kung muss für ge­ra­de die­se dienst­li­che Tätig­keit ty­pisch und in er­heb­lich höhe­rem Maße als bei der übri­gen Bevölke­rung be­ste­hen, d. h., die kon­kre­te dienst­li­che Tätig­keit muss ih­rer Art nach er­fah­rungs­gemäß ei­ne ho­he Wahr­schein­lich­keit ge­ra­de die­ser Er­kran­kung in sich ber­gen,

vgl. Plog/Wie­dow, Kom­men­tar zum Bun­des­be­am­ten­ge­setz mit Be­am­ten­ver­sor­gungs­ge­setz, § 31 Rn. 187 m. w. N.; Brock­haus in: Schütz/Mai­wald, Be­am­ten­recht des Bun­des und der Länder, Lo­se-Blatt-Samm­lung Stand: Au­gust 2008, § 31 Be­amt­VG Rn. 169 m. w. N.

Maßge­bend ist da­mit, ob die kon­kret aus­geübte dienst­li­che Ver­rich­tung ih­rer Art nach und im Be­son­de­ren nach den zur frag­li­chen Zeit tatsächlich be­ste­hen­den Verhält­nis­sen und Be­gleit­umständen die be­son­de­re Gefähr­dung mit sich ge­bracht hat,

vgl. Wil­helm in: GKÖD, Be­am­ten­recht des Bun­des und der Länder, Lo­se-Blatt-Samm­lung Lie­fe­rung 1/11, O § 31 Rn. 117.

- 5 -

Da­bei kommt es für die Prüfung, ob ei­ne be­son­de­re Gefähr­dung in die­sem Sin­ne vor­ge­le­gen hat, nicht auf die in­di­vi­du­el­le Ver­an­la­gung des ein­zel­nen Be­am­ten an, son­dern dar­auf, ob die Tätig­keit selbst nach der - aus ei­ner Viel­zahl von Fällen ge­won­ne­nen - Er­fah­rung (ge­ne­rell) mit ho­her Wahr­schein­lich­keit un­ter den ge­ge­be­nen Verhält­nis­sen zu der in­fra­ge ste­hen­den Er­kran­kung führt,

vgl. Brock­haus, a. a. O., Rn. 170 m. w. N. 28

So liegt der Fall hier. a) Die An­nah­me, dass die Kläge­rin zu ei­nem Per­so­nen­kreis zählt, der nach der kon­kre­ten Art der aus­geübten Tätig­keit be­son­ders gefähr­det ist, an ei­ner Seh­nen­schei­den­entzündung zu er­kran­ken, fin­det ih­re Stütze zunächst in zahl­rei­chen Pu­bli­ka­tio­nen, nach de­nen die Seh­nen­schei­den­entzündung als ty­pi­sches Krank­heits­bild bei sol­chen Per­so­nen fest­zu­stel­len ist, die in ei­nem ho­hen Maße für ih­re be­ruf­li­che Tätig­keit auf die Ar­beit an ei­nem Com­pu­ter an­ge­wie­sen sind. So fin­det sich in der on­line-Aus­ga­be der Apo­the­ken-Um­schau un­ter der Ru­brik "Krank­hei­ten A-Z" die Fest­stel­lung: "Zwei­te Haupt­ur­sa­che: Com­pu­ter­ar­beit. Wer den gan­zen Tag am Schreib­tisch sitzt und im­mer mit der glei­chen Hand bzw. den­sel­ben Fin­gern Maus und Tas­ta­tur be­dient, kann die­se Körper­tei­le chro­nisch über­las­ten." (www.apo­the­ken-um­schau.de). In dem In­ter­net­auf­tritt "ak-me­di­zin" fin­det sich un­ter dem Stich­wort "Seh­nen­schei­den­entzündung, Krank­heit un­se­rer Zeit" die Be­mer­kung, dass die Be­las­tung der Seh­nen am Ar­beits­platz oft durch Schreib­ar­bei­ten, vor al­lem an Tas­ta­tu­ren, er­folgt (www.ak-me­di­zin.de/seh­nen). Der In­ter­net­dienst "On­me­da: Me­di­zin und Ge­sund­heit" weist dar­auf hin, dass die fal­sche Com­pu­ter-Maus oder ei­ne falsch ein­ge­stell­te Tas­ta­tur häufig Fak­to­ren sei­en, die ei­ne übermäßige Rei­bung und ei­ne nach­fol­gen­de Seh­nen­schei­den­entzündung begüns­ti­gen, was da­zu geführt ha­be, dass die­se Er­kran­kung in der Zwi­schen­zeit als Be­rufs­krank­heit an­er­kannt wor­den sei. Zu den be­trof­fe­nen Be­rufs­grup­pen zähl­ten un­ter an­de­rem Men­schen, die über­wie­gend am Com­pu­ter ar­bei­te­ten, was die ent­spre­chen­den Entzündun­gen am Hand­ge­lenk begüns­ti­ge (www.on­me­da.de/krank­hei­ten /seh­nen­schei­den­entzündung.html). In dem In­ter­net­auf­tritt von Wi­ki­pe­dia heißt es hier­zu, dass Fehl­hal­tun­gen oder ei­ne un­er­go­no­mi­sche Aus­stat­tung an Com­pu­ter­ar­beitsplätzen zu ei­nem manch­mal um­gangs­sprach­lich als "Maus­arm" be­zeich­ne­ten Re­pe­ti­ti­ve-Strain-In­ju­ry-Syn­drom führen können. Häufig be­trof­fe­ne Be­rufs­grup­pen sei­en Schreib­kräfte und Soft­ware-Ent­wick­ler (http://de.wi­ki­pe­dia.org/wi­ki/se­hen­schei­den­entz%C3%BCn­dung).

Dass ei­ne langjähri­ge dienst­li­che Tätig­keit an PC-Stan­dard-Tas­ta­tu­ren und -Mäusen für die Entzündun­gen der Seh­nen­schei­den der Fin­ger, wenn nicht die ein­zig denk­ba­re, so doch die we­sent­li­che mit­wir­ken­de Ur­sa­che sein kann, ist auch in der Recht­spre­chung in­zwi­schen an­er­kannt,

vgl. VG Göttin­gen, Ur­teil vom 22.08.2006 - 3 A 38/05 -, ju­ris. 

Die­ser Ent­schei­dung lag - in glei­cher Wei­se wie hier - der Fall ei­ner Be­am­tin zu­grun­de, die ge­sund­heit­lich nicht mehr in der La­ge war, Ar­bei­ten mit Stan­dard-Tas­ta­tu­ren und -Mäusen durch­zuführen.

Vor die­sem Hin­ter­grund er­weist sich das Sach­verständi­gen­gut­ach­ten des Prof. Dr. med. U. L. vom 13. De­zem­ber 2010 als nach­voll­zieh­bar und über­zeu­gend. Die ihm durch Be­weis­be­schluss vom 8. Ju­li 2010 ge­stell­te, an den Wort­laut der Nr. 2101 der Be­rufs­krank­hei­ten­lis­te an­ge­lehn­te Be­weis­fra­ge, ob es sich bei den Be­schwer­den der Kläge­rin um Er­kran­kun­gen der Seh­nen­schei­den oder des Seh­nengleit­ge­we­bes so­wie der Seh­nen- oder Mus­kel­ansätze han­de­le, die zur Un­ter­las­sung al­ler Tätig­kei­ten ge­zwun­gen ha­ben, die für die Ent­ste­hung, die Ver­schlim­me­rung oder das Wie­der­auf­le­ben ursächlich wa­ren oder sein können, hat er un­ein­ge­schränkt be­jaht. Er führt aus, dass in An­be­tracht der ak­ten­kun­di­gen Dia­gno­sen, der ausführ­lich dar­ge­stell­ten Tätig­keits­be­schrei­bung und

- 6 -

dem Be­schwer­de­ver­lauf ein Zu­sam­men­hang zwi­schen der be­ruf­li­chen PC-Tätig­keit und der Schädi­gung der Kläge­rin im Be­reich der obe­ren Ex­tre­mitäten hin­rei­chend wahr­schein­lich sei. Des Wei­te­ren legt er dar, dass sie durch die kon­kret von ihr durch­geführ­ten dienst­li­chen Ver­rich­tun­gen in ei­nem höhe­ren Maße als die übri­ge Bevölke­rung ei­ner be­son­de­ren Gefähr­dung durch die ab Mit­te 2000 durch­geführ­ten PC-Tätig­kei­ten aus­ge­setzt war. Die Kam­mer hat kei­ne Ver­an­las­sung, an die­sen sach­verständi­gen Äußerun­gen zu zwei­feln.

b) Die An­nah­me, dass die Kläge­rin mit ih­rer kon­kre­ten Tätig­keit der Ge­fahr ei­ner Er­kran­kung der in Re­de ste­hen­den Art be­son­ders aus­ge­setzt ge­we­sen ist, wird nicht da­durch ernst­haft in Fra­ge ge­stellt, dass den An­ga­ben des Be­klag­ten zu­fol­ge ei­ne große Zahl von Be­diens­te­ten im Be­reich der Fi­nanz­ver­wal­tung in glei­cher Wei­se wie die Kläge­rin Com­pu­ter-Tas­ta­tu­ren und -Mäuse be­nutzt, oh­ne an ei­ner Seh­nen­schei­den­entzündung zu er­kran­ken. Über­prüfba­re Zah­len und Be­le­ge hierfür hat der Be­klag­te nicht vor­ge­legt. Al­lein der Um­stand, dass nach ei­nem "Be­richt der Bun­des­re­gie­rung über den Stand von Si­cher­heit und Ge­sund­heit bei der Ar­beit und über das Un­fall- und Be­rufs­krank­hei­ten­ge­sche­hen in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land im Jahr 2009" (BT-Druck­sa­che 17/4300 vom 16.12.2010) von 743 im Jahr 2009 an­ge­zeig­ten Ver­dachtsfällen nach Nr. 2101 nur 19 Fälle als Be­rufs­krank­heit an­er­kannt wor­den sind, sagt nichts über die deut­lich ge­stei­ger­te Gefähr­dung der mit PC-Tas­ta­tu­ren und -Mäusen ar­bei­ten­den Beschäftig­ten im Ver­gleich zur Ge­samt­bevölke­rung aus. Denn zum Ei­nen sind nach § 9 Abs. 1 Satz 2 Sieb­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch - Ge­setz­li­che Un­fall­ver­si­che­rung - (SGB VII) nur sol­che Krank­hei­ten in die Be­rufs­krank­hei­ten­lis­te auf­zu­neh­men, die nach den Er­kennt­nis­sen der me­di­zi­ni­schen Wis­sen­schaft durch be­son­de­re Ein­wir­kun­gen ver­ur­sacht sind, de­nen be­stimm­te Per­so­nen­grup­pen durch ih­re ver­si­cher­te Tätig­keit in er­heb­lich höhe­rem Gra­de als die übri­ge Bevölke­rung aus­ge­setzt sind. Al­lein die Auf­nah­me der Seh­nen­schei­den­entzündung in die Be­rufs­krank­hei­ten­lis­te spricht so­mit dafür, dass der Ver­ord­nungs­ge­ber an­ge­nom­men hat, dass es ei­nem Per­so­nen­kreis gibt oder ge­ben kann, der für die­se Er­kran­kung be­son­ders anfällig ist. Dass es bis­her nur we­ni­ge Be­diens­te­te gibt, die sich un­mit­tel­bar auf die Be­die­nung der PC-Maus und der P'C-Tas­ta­tur als Ur­sa­che für ih­re Er­kran­kung be­ru­fen, dürf­te dem Um­stand ge­schul­det sein, dass der mögli­che Ur­sa­chen­zu­sam­men­hang noch nicht all­ge­mein be­kannt ist und die An­er­ken­nung zah­lenmäßig des­halb erst am An­fang steht. Im­mer­hin liegt die Seh­nen­schei­den­entzündung in dem ge­nann­ten Be­richt mit ei­ner An­er­ken­nungs­quo­te von 1,2 vom Hun­dert der ge­mel­de­ten Ver­dachtsfälle aber an sechs­ter Stel­le der ge­sam­ten An­er­ken­nun­gen, oh­ne dass er­kenn­bar ist, wie vie­le Fälle aus dem Be­reich der Fi­nanz­ver­wal­tung stam­men.

c) Der Be­klag­te hat nicht dar­ge­legt, dass sich die Kläge­rin die Er­kran­kung außer­halb des Diens­tes zu­ge­zo­gen hat. So wie der Be­am­te im Rah­men des § 31 Abs. 1 Satz 1 Be­amt­VG und auch für das Vor­lie­gen ei­ner Be­rufs­krank­heit nach Abs. 3 die­ser Vor­schrift ent­spre­chend den all­ge­mei­nen Be­weis­grundsätzen den vol­len Be­weis für das Vor­lie­gen der Er­kran­kung er­brin­gen muss, ist der Be­klag­te ge­hal­ten, den Be­weis dafür zu er­brin­gen, dass die Er­kran­kung außer­halb des Diens­tes ver­ur­sacht wor­den ist,

vgl. Wil­helm a.a.O., O § 31, Rd­nr. 121; Bau­er a.a.O., Rd­nr. 16; Plog/Wie­dow a.a.O., Rd­nr. 192.

Hier­zu fin­det sich in den an­ge­foch­te­nen Be­schei­den le­dig­lich die Be­haup­tung, dass die Er­kran­kung auf die bei der Kläge­rin vor­lie­gen­de Fi­bro­my­al­gie und auf an­la­ge- bzw. kon­sti­tu­tio­nell be­ding­te Fak­to­ren zurück­zuführen sei, oh­ne dass dies hin­rei­chend be­legt wird. So­weit der Be­klag­te sich hierfür auf das Gut­ach­ten des Dr. med. K. vom 26. März 2008 und des­sen Be­fund ei­ner Fi­bro­my­al­gie stützt, hat die­ses dem ge­richt­lich be­stell­ten Sach­verständi­gen vor­ge­le­gen. Ab­ge­se­hen da­von, dass ei­ne Seh­nen­schei­den­entzündung

- 7 -

nicht als Be­schwer­de­bild die­ser Krank­heit ge­nannt wird,

vgl. bei­spiels­wei­se Prof. Dr. med. Jo­hann Bau­er, www.fms-uer.com/bau­er/fra­gen/sta­tis­tik/bo­dy_sta­tis­tik.html, hat Prof. Dr. med. U. L. in sei­nem Gut­ach­ten aus­drück­lich fest­ge­stellt, dass sich kli­nisch für das Vor­lie­gen ei­ner Fi­bro­my­al­gie kein An­halt er­ge­ben ha­be. Be­gründe­te Zwei­fel an die­ser Fest­stel­lung sind we­der vor­ge­tra­gen noch er­sicht­lich.

3. Die An­er­ken­nung der Seh­nen­schei­den­entzündung der Kläge­rin als Be­rufs­krank­heit im Sin­ne des § 31 Abs. 3 Satz 1 Be­amt­VG schei­tert nicht an ei­ner ver­späte­ten Mel­dung der Er­kran­kung. Al­ler­dings grei­fen die Be­stim­mun­gen des § 45 Abs. 1 und 2 Be­amt­VG, wo­nach Unfälle, aus de­nen Un­fallfürsor­geansprüche ent­ste­hen können, in­ner­halb ei­ner Aus­schluss­frist von zwei Jah­ren nach dem Ein­tritt des Un­falls bei dem Dienst­vor­ge­setz­ten des Ver­letz­ten zu mel­den sind bzw. Un­fallfürsor­ge nach Ab­lauf der Aus­schluss­frist nur gewährt wird, wenn seit dem Un­fall noch nicht zehn Jah­re ver­gan­gen sind und gleich­zei­tig glaub­haft ge­macht wird, dass mit der Möglich­keit ei­ner den An­spruch auf Un­fallfürsor­ge be­gründen­den Fol­ge des Un­falls nicht ha­be ge­rech­net wer­den können oder dass der Be­rech­tig­te durch außer­halb sei­nes Wil­lens lie­gen­de Umstände ge­hin­dert wor­den ist, den Un­fall zu mel­den, nach ih­rem Sinn und Zweck auch für Krank­hei­ten, die un­ter den Vor­aus­set­zun­gen des § 31 Abs. 3 Be­amt­VG als Dienst­un­fall gel­ten,

vgl. BVerwG, Be­schluss vom 01.08.1985 - 2 B 34.84 -, Buch­holz 232.5 § 45 Be­amt­VG Nr. 1 und ju­ris.

Da­bei be­ginnt der Lauf der in § 45 Abs. 2 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Abs. 1 Be­amt­VG ge­for­der­ten Mel­de­frist von zehn Jah­ren in dem Zeit­punkt, in dem der Be­am­te ei­ne Krank­heit fest­stellt, von wel­cher er an­neh­men kann, dass sie auf dienst­li­che Vorgänge zurück­zuführen ist. Er muss in der recht­li­chen Wer­tung, dass tatsächlich ei­ne Be­rufs­krank­heit vor­liegt, kei­ne ab­so­lu­te Si­cher­heit ha­ben. Die­se Wer­tung ist viel­mehr dem Dienst­herrn vor­be­hal­ten. Die in § 45 Abs. 1 und 2 Be­amt­VG ge­re­gel­ten Fris­ten sind an­zu­wen­den auf Unfälle (und Krank­hei­ten), aus de­nen Un­fallfürsor­geansprüche nach dem Be­amt­VG ent­ste­hen können. Dies spricht dafür, dass die Aus­schluss­frist in dem Zeit­punkt zu lau­fen be­ginnt, in dem der Be­am­te die Sym­pto­me der Er­kran­kung fest­stellt, von de­nen er an­neh­men konn­te, dass sie auf dienst­li­che Vorgänge zurück­zuführen wa­ren,

vgl. BVerwG, Be­schluss vom 15.09.1995 - 2 B 46/95 -, Buch­holz 239.1 § 45 Be­amt­VG Nr. 3; ju­ris Rn. 4.

Hier­nach ist be­reits frag­lich, ob die Kläge­rin die Zwei-Jah­res-Frist des § 45 Abs. 1 Satz 1 Be­amt­VG versäumt hat. Al­ler­dings hat sie ih­ren ei­ge­nen An­ga­ben zu­fol­ge die Sym­pto­me der Seh­nen­schei­den­entzündung be­reits seit Ja­nu­ar 2001 be­merkt, wie in dem Er­he­bungs­bo­gen zu ih­rer Un­fal­l­an­zei­ge mit­ge­teilt. Aus den bei­gefügten ärzt­li­chen Ab­rech­nun­gen des Dr. med. C. lässt sich ein Be­ginn der Be­hand­lung im Ju­li 2003 er­se­hen. Ei­ne ers­te Ope­ra­ti­on er­folg­te am 25. Ju­li 2003. Da­nach wäre im Zeit­punkt der Un­fall­mel­dung durch das Fi­nanz­amt E. am 6. No­vem­ber 2007 die Zwei-Jah­res-Frist ver­stri­chen.

Al­lein das Be­mer­ken der Sym­pto­me ei­ner Seh­nen­schei­den­entzündung löst in­des we­der den Be­ginn der zweijähri­gen noch der zehnjähri­gen Mel­de­frist des § 45 Abs. 2 Satz 1 Be­amt­VG aus. Viel­mehr muss­te der Kläge­rin be­wusst sein, dass die­se Er­kran­kung ei­ne Be­rufs­krank­heit sein konn­te. In die­sem Zu­sam­men­hang ist zu berück­sich­ti­gen, dass - wie auch in ih­rem Fall - die ver­mehr­te Ar­beit mit PC-Tas­ta­tu­ren und -Mäusen in den letz­ten zehn Jah­ren deut­lich zu­ge­nom­men hat. Zu­vor fie­len die­se Tätig­kei­ten gar nicht oder

- 8 -

je­den­falls in ge­rin­ge­rem Um­fang an. Ein Zu­sam­men­hang zwi­schen die­sen Ver­rich­tun­gen und dem Auf­tre­ten von Seh­nen­schei­den­entzündun­gen wur­de sei­ner­zeit eher nicht her­ge­stellt. Wie die vor­ge­nann­ten Veröffent­li­chun­gen be­le­gen, änder­te sich dies mit der Zu­nah­me der Com­pu­tertätig­keit, die da­zu führ­te, dass heu­te zahl­rei­che Beschäftig­te in Büros den ab­so­lut größten Teil ih­rer Tätig­keit am PC ver­rich­ten. Ei­nen ent­spre­chen­den Zu­sam­men­hang hat Dr. med. C. erst­mals in sei­ner "Ärzt­li­chen An­zei­ge bei Ver­dacht auf ei­ne Be­rufs­krank­heit" vom 14. Au­gust 2007 ge­genüber der Ver­wal­tungs- Be­rufs­ge­nos­sen­schaft dar­ge­legt. Mit Ein­gang die­ser An­zei­ge (über die Lan­des­un­fall­kas­se) bei dem Fi­nanz­amt E. am 11. Ok­to­ber 2007 lag ei­ne förm­li­che Un­fal­l­an­zei­ge vor, mit der die Drei-Mo­nats-Frist des § 45 Abs. 2 Satz 2 Be­amt­VG ge­wahrt wur­de.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 154 Abs. 1 Vw­GO, die Ent­schei­dung über die vorläufi­ge Voll­streck­bar­keit auf § 167 Vw­GO iVm §§ 708 Nr. 11, 711 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung.

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 1 K 1203/09  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880