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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Diskriminierung: Bewerbung, Bewerbung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg
Akten­zeichen: 3 Ta 119/07
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 13.08.2007
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen:
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ba­den-Würt­tem­berg

 

Verkündet

am 13.08.2007

Ak­ten­zei­chen (Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben)

3 Ta 119/07

36 Ca 700/07
(ArbG Stutt­gart - Kn. LB -)

 

Be­schluss


Im Be­schwer­de­ver­fah­ren mit den Be­tei­lig­ten

1.
- Kläger/Be­schwer­deführer -

Proz.-Bev.:

2.
- Be­klag­ter/Be­tei­lig­ter -

Proz.-Bev.:

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg – 3. Kam­mer –
durch den Vi­ze­präsi­den­ten des Lan­des­ar­beits­ge­richts Dr. Nat­ter
oh­ne münd­li­che Ver­hand­lung am 13.08.2007

be­schlos­sen:

1. Die so­for­ti­ge Be­schwer­de des Be­tei­lig­ten Ziff. 1 ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart - Kam­mern Lud­wigs­burg - vom 04.06.2007 - 36 Ca 700/07 - wird zurück­ge­wie­sen.

2. Die Rechts­be­schwer­de wird nicht zu­ge­las­sen.

 

- 2 -

G r ü n d e :

I.

Der Be­tei­lig­te Ziff. 1 (im fol­gen­den: Kläger) wen­det sich mit sei­ner so­for­ti­gen Be­schwer­de ge­gen die Zurück­wei­sung sei­nes An­trags auf Be­wil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe.

Der am 14.01.1952 ge­bo­re­ne, le­di­ge Kläger be­warb sich mit Schrei­ben vom 10.12.2006 auf die von dem Be­tei­lig­ten Ziff. 2 (im fol­gen­den: Be­klag­ten) aus­ge­schrie­be­nen Stel­le ei­ner/ei­nes Ju­ris­tin/Ju­ris­ten. Die Stel­le war bei der Ar­beits­ge­mein­schaft Ar­beits­lo­sen­geld II an­ge­sie­delt und nach der Ent­gelt­grup­pe 10 TVöD do­tiert. Er­war­tet wur­den ver­tief­te Kennt­nis­se der Leis­tungs­gewährung nach dem SGB II und des Un­ter­halts­rechts. Für das Be­wer-bungs­schrei­ben ver­wen­de­te der Kläger sei­nen frühe­ren Brief­kopf als zu­ge­las­se­ner Rechts-an­walt, wo­bei der Brief­kopf mit zahl­rei­chen "xxx" und ma­schi­nen­schrift­li­chen Ände­run­gen ver­se­hen war. In der Fußzei­le des Be­wer­bungs­schrei­bens war ein Text als "Ce­te­ro Cen­seo" ein­gefügt, den der Kläger für den größten Teil sei­ner der­zei­ti­gen Geschäfts­post ein­sch­ließlich Be­wer­bungs­schrei­ben ver­wen­det. Die­ser Text lau­tet wie folgt:

"Im übri­gen bin ich der Mei­nung, dass die Her­ren Lust­mol­che und Sit­ten­strol­che, wel­che als die "Her­ren Frei­er" re­gelmäßig in Bor­del­len ver­keh­ren, zu ei­ner Son­der­ab­ga­be (Bor­dell oder Bor­del­l­um­satz­steu­er) her­an­ge­zo­gen wer­den müss­ten. Mit die­sem Steu­er­auf­kom­men soll­te die Le­bens­si­tua­ti­on der Men­schen in Pfle­ge­hei­men und Be­hin­der­ten­ein­rich­tun­gen ver­bes­sert wer­den."

Der Be­wer­bung war u.a. ein Licht­bild bei­gefügt, das den Kläger anläss­lich ei­nes Schach­tur­niers vor ei­nem Schach­brett sit­zend zeigt. Auf dem wei­ter bei­gefügten Le­bens­lauf war im Kopf ein­ge­tippt "Ein­satz­be­reit! Lässt sich kein X für ein U vor­ma­chen!"

Der Kläger ist von der Aus­bil­dung Voll­ju­rist. Er leg­te am 18.03.1980 sein ers­tes ju­ris­ti­sches Staats­ex­amen mit der No­te "be­frie­di­gend" (7,25 Punk­te) und am 22.09.1982 sein zwei­tes ju­ris­ti­sches Staats­ex­amen eben­falls mit der No­te "be­frie­di­gend" (7,34 Punk­te) ab. Von 1982 bis 1998 war er als selbständi­ger Rechts­an­walt in ver­schie­de­nen Be­zir­ken tätig. Am 29.01.1999 ver­zich­te­te er aus wirt­schaft­li­chen Gründen auf die Zu­las­sung als Rechts­an­walt. In sei­nem Le­bens­lauf ist an­ge­ge­ben: "Seit 01.02.2000 von be­zahl­ter Ar­beit aus­ge­schlos­sen" und "seit 01.01.2005 im Zu­ge der so­ge­nann­ten Re­form Harz IV auf Bahn­hofs­pen­ner­ni­veau ver­harzt". Des wei­te­ren ist im Le­bens­lauf ver­merkt "Fe­bru­ar 2004 Be­wer­bung als Vor­stands­vor­sit­zen­der der Bun­des­agen­tur für Ar­beit, Nürn­berg, aus­erwählt: Herr Wei­se".

 

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Mit Schrei­ben vom 12.01.2007 bat der Kläger den Be­klag­ten um Mit­tei­lung des Ver­fah­rens-stan­des des Be­wer­bungs­ver­fah­rens. Mit Schrei­ben vom 15.01.2007 ant­wor­te­te der Be­klag­te, dass sich das Aus­wahl­ver­fah­ren verzögert ha­be. Mit Schrei­ben vom 20.02.2007 teil­te der Be­klag­te dem Kläger mit, dass die Stel­le lei­der ei­ner an­de­ren Be­wer­be­rin über­tra­gen wor­den sei.

Mit Schrei­ben vom 27.02.2007 teil­te der Kläger dem Be­klag­ten mit, dass er Scha­den­er­satz­ansprüche in Höhe von 6 Brut­to­mo­nats­gehältern gel­tend ma­che. Er be­gründe­te dies da­mit, dass der be­gründe­te Ver­dacht ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung we­gen sei­nes Al­ters, sei­nes Ge­schlechts, sei­ner Ar­beits­lo­sig­keit und sei­ner po­li­ti­schen Betäti­gung be­ste­he.

Mit sei­ner am 12.04.2007 ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat der Kläger Scha­den­er­satz in Höhe von 6 Brut­to­mo­nats­gehältern be­gehrt. Zu­gleich hat er die Be­wil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe be­an­tragt. Im Rah­men des Güte­ter­mins am 31.05.2007 überg­a­ben die Be­klag­ten­ver­tre­ter ver­schie­de­ne hand­schrift­li­che Schrei­ben des Klägers. In ei­nem Schrei­ben vom 12.05.2007 hat­te der Kläger als Ver­gleichsmöglich­keit vor­ge­schla­gen, ihn auf die eben­falls zu be­set­zen­de Stel­le ei­nes So­zi­al­de­zer­nen­ten "zu hie­ven". Auf die­se Stel­le hat­te sich der Kläger eben­falls be­wor­ben.

Mit Be­schluss vom 04.06.2007 wies das Ar­beits­ge­richt den An­trag des Klägers auf Be­wil­li-gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den ge­stell­ten An­trag zurück. Der Be­schluss wur­de dem Kläger am 11.06.2007 zu­ge­stellt. Mit Schrift­satz vom 05.06.2007 er­wei­ter­te der Kläger die Kla­ge um den An­trag, ihm ein Schmer­zens­geld in Höhe von min­des­tens € 4.000,00 zu be­zah­len. Im Rah­men die­ses Schrift­sat­zes nahm der Kläger um­fang­reich da­zu Stel­lung, aus wel­chen Gründen er in der Fußzei­le sei­ner Geschäfts­post den oben an­ge­ge­be­nen Text ein-füge. Er zi­tier­te hier­bei aus sei­nem Schrei­ben an das Job­cen­ter Stutt­gart-West vom 19.06.2006, in dem es aus­zugs­wei­se heißt:

"Nach­dem die Rot­licht­bran­che of­fen­bar boomt, können Sie ja ver­su­chen, wei­te­re ar­beits­lo­se jun­ge Da­men an Frau "N." (Stu­dio A. in S) zu ver­mit­teln. Viel­leicht be­geg­net dann ja ei­ne so ver­mit­tel­te im SM-Stu­dio ih­rem frühe­ren Chef wie­der, der sie ge­feu­ert hat. ... Welch ein "Hal­looo" wäre das wohl ....?!"

Der Kläger be­an­trag­te, auch für die er­wei­ter­te Kla­ge Pro­zess­kos­ten­hil­fe zu be­wil­li­gen. Mit Be­schluss vom 03.07.2007 wies das Ar­beits­ge­richt die­sen An­trag auf wei­te­re Pro­zess­kos­ten­hil­fe zurück. Der Be­schluss wur­de dem Kläger am 10.07.2007 zu­ge­stellt. Die hier­ge­gen ge­rich­te­te so­for­ti­ge Be­schwer­de des Klägers ging am 10.08.2007 ein; sie ist Ge­gen­stand ei­nes ge­son­der­ten Be­schwer­de­ver­fah­rens.

 

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Am 11.07.2007 leg­te der Kläger ge­gen den Erst­be­schluss des Ar­beits­ge­richts über die Zu-rück­wei­sung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe beim Lan­des­ar­beits­ge­richt so­for­ti­ge Be­schwer­de ein. Nach Rück­ga­be der Be­schwer­de­schrift an das Ar­beits­ge­richt half die­ses mit Be­schluss vom 20.07.2007 der Be­schwer­de nicht ab und leg­te die Sa­che dem Lan­des­ar­beits­ge­richt zur Ent-schei­dung vor.


II.

Die so­for­ti­ge Be­schwer­de des Klägers ist gemäß § 127 Abs. 2 Satz 2 ZPO statt­haft. Sie ist auch gemäß § 569 Abs. 1 und 2, § 127 Abs. 2 Satz 3 ZPO form- und frist­ge­recht ein­ge­legt wor­den. Die so­for­ti­ge Be­schwer­de ist al­ler­dings un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat die be-an­trag­te Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den An­trag aus der Kla­ge­schrift zu Recht ver­sagt.

1. Gemäß § 114 ZPO erhält ei­ne Par­tei, die nach ih­ren persönli­chen und wirt­schaft­li­chen Verhält­nis­sen die Kos­ten der Pro­zessführung nicht, nur zum Teil oder nur in Ra­ten auf­brin­gen kann, Pro­zess­kos­ten­hil­fe, wenn die be­ab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung hin­rei­chend Aus­sicht auf Er­folg bie­tet und nicht mut­wil­lig er­scheint. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (BVerfG, 13.03.1990 - 2 BvR 94/88 u. a. - NJW 1991, 413; BVerfG, 07.04.2000 - 1 BvR 81/00 - NJW 2000, 1937; BVerfG, 03.06.2003 - 1 BvR 13055/02 - NJW - RR 2003, 1216) ge­bie­tet das Grund­ge­setz ei­ne weit­ge­hen­de An­glei­chung der Si­tua­ti­on von be­mit­tel­ten und un­be­mit­tel­ten Par­tei­en bei der Ver­wirk­li­chung des Rechts­schut­zes. Es ist zwar ver­fas­sungs­recht­lich un­be­denk­lich, die Gewährung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe da­von abhängig zu ma­chen, dass die be­ab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Er­folg hat und nicht mut­wil­lig er­scheint. Die Prüfung der Er­folgs­aus­sich­ten soll je­doch nicht da­zu die­nen, die Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung selbst in das sum­ma­ri­sche Ver­fah­ren der Pro­zess­kos­ten­hil­fe zu ver­la­gern und die­ses an die Stel­le des Haupt­sa­che­ver­fah­rens tre­ten zu las­sen. Das Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ver­fah­ren will den Recht­schutz, den der Rechts­staats­grund­satz er­for­dert, nicht selbst bie­ten, son­dern zugäng­lich ma­chen. Hier­aus folgt, dass die Fach­ge­rich­te die An­for­de­run­gen an die Er­folgs­aus­sicht nicht über­span­nen dürfen.

2. Nach die­sen Maßstäben hat das Ar­beits­ge­richt den An­trag auf Be­wil­li­gung von Pro­zess-kos­ten­hil­fe für den An­trag aus der Kla­ge­schrift zu­tref­fend zurück­ge­wie­sen. Hier­bei schei­tert der gel­tend ge­mach­te Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG schon dar­an, dass nach den Ge­samt­umständen des vor­lie­gen­den Falls von ei­ner ernst­haf­ten Be­wer­bung des Klägers um die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le nicht aus­ge­gan­gen wer­den kann. Viel­mehr dient die Be­wer­bung des Klägers aus­sch­ließlich da­zu, ei­ner­seits ei­ne Geld­quel­le zu er­sch­ließen und an­de­rer­seits - wohl über­wie­gend - die Behörden und Ge­rich­te aus

 

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Frus­tra­ti­on über sei­nen so­zia­len Ab­stieg mit schein­bar ernst­haft for­mu­lier­ten Schriftsät-zen zu beschäfti­gen. Letzt­lich dient das ge­sam­te Ver­fah­ren da­zu, das Sys­tem des staat-li­chen Rechts­schut­zes ad ab­sur­dum zu führen und der Lächer­lich­keit preis­zu­ge­ben.

a) Ei­ne Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne der An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­vor­schrif­ten kommt nur dann in Be­tracht, wenn der Be­wer­ber ob­jek­tiv für die zu be­set­zen­de Stel­le in Be­tracht kommt und ei­ne sub­jek­tiv ernst­haf­te Be­wer­bung vor­liegt. Die­sen Grund­satz hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt be­reits zur frühe­ren Vor­schrift des § 611a BGB (be­tref­fend das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot we­gen des Ge­schlechts) ent­wi­ckelt. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG 12.11.1998 - 8 AZR 365/99 - AP BGB § 611a Nr. 16; BAG 27.04.2000 - 8 AZR 295/99 - zi­tiert nach Ju­ris) so­wie der In­stanz­ge­rich­te (vgl. nur LAG Ber­lin 14.07.2004 - 15 Sa 417/04 - NZA-RR 2005, 124; LAG Ber­lin 30.03.2006 - 10 Sa 2395/05 - LA­GE § 611a BGB 2002 Nr. 1) war der Schutz­zweck des da­ma­li­gen § 611a Abs. 2 BGB die Entschädi­gung des ob­jek­tiv ge­eig­ne­ten Be­wer­bers we­gen der durch sein Ge­schlecht be­ding­ten Be­nach­tei­li­gung im Ver­fah­ren. Die da­ma­li­ge Vor­schrift stell­te nicht auf die for­ma­le Po­si­ti­on ei­nes al­lein durch die Ein­rei­chung ei­nes Be­wer­bungs­schrei­bens be­gründe­ten Sta­tus als "Be­wer­ber" ab, son­dern auf die ma­te­ri­ell zu be­stim­men­de ob­jek­ti­ve Eig­nung als Be­wer­ber. Im Be­set­zungs­ver­fah­ren konn­te da­nach nur der­je­ni­ge Be­wer­ber im Rechts­sin­ne be­nach­tei­ligt wer­den, der sich sub­jek­tiv ernst­haft be­wor­ben hat­te und ob­jek­tiv für die zu be­set­zen­de Stel­le in Be­tracht kam. An die­ser Sach­la­ge hat sich durch die Ver­ab­schie­dung des all­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes vom 14.08.2006 nichts geändert. (Schleu­se­ner/Suckow/ Voigt, AGG, § 7 Rz 8; Bau­er/Göpfert/Krie­ger, AGG, § 6 Rz. 12).

b) Nach die­sen Grundsätzen lässt sich zwar nicht ver­nei­nen, dass der Kläger für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le ei­ner/ei­nes Ju­ris­tin/Ju­ris­ten für die Ar­beits­ge­mein­schaft Ar­beits­lo­sen­geld II im Team Un­ter­halt ob­jek­tiv in Be­tracht kam. Der Kläger ist Voll­ju­rist mit zwei be­frie­di­gen­den Staats­ex­ami­na. Mit dem Un­ter­halts­recht hat­te sich der Kläger während sei­ner langjähri­gen Pra­xis als Rechts­an­walt be­fasst. Miit der Leis­tungs­gewährung nach dem SGB II war der Kläger seit 01.01.2005 in ei­ge­ner Sa­che ver­traut.

c) Hin­ge­gen kann von ei­ner sub­jek­tiv ernst­haf­ten Be­wer­bung im vor­lie­gen­den Fall nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Die Form der Be­wer­bung und das nach­fol­gen­de Ver­fah­ren spre­chen für sich.

aa) Ers­tes In­diz für die man­geln­de Ernst­haf­tig­keit ist der vom Kläger als "Ce­ter­um Cen­seo" be­zeich­ne­te Text, der im Sach­ver­halt die­ses Be­schlus­ses auf­geführt ist. Ge­ra­de als Voll­ju­rist und langjähri­ger Rechts­an­walt war dem Kläger be­wusst,

 

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dass es ge­gen jeg­li­che Übung im Geschäfts­le­ben verstößt, der­ar­ti­ge Be­mer­kun­gen in der Geschäfts­post an­zu­brin­gen. Be­mer­kens­wert ist wei­ter das bei­gefügte Licht­bild, das den Kläger vor ei­nem Schach­brett sit­zend anläss­lich ei­nes Schach­tur­niers zeigt, fer­ner die Be­mer­kung im Le­bens­lauf "seit 01.01.2005 im Zu­ge der so­ge­nann­te Re­form Harz IV auf Bahn­hofs­pen­ner­ni­veau ver­harzt" und die wei­te­re An­ga­be über ei­ne er­folg­lo­se Be­wer­bung als Vor­stands­vor­sit­zen­der der Bun­de-sagen­tur für Ar­beit. Die­se Be­son­der­hei­ten der Be­wer­bung muss­ten bei je­dem Ar­beit­ge­ber den Ein­druck her­vor­ru­fen, der Be­wer­ber le­ge es von vorn­her­ein nicht dar­auf an, in die en­ge­re Aus­wahl zu ge­lan­gen. Der Kläger war sich auch des­sen be­wusst, dass er mit der Form sei­ner Be­wer­bung eben die­sen Ef­fekt er­reich­te.

bb) Die­se In­di­zi­en wer­den erhärtet durch die im Güte­ter­min vor­ge­leg­ten hand­schrift­li­chen Schrei­ben an den Land­rat persönlich. Hier­in wird im Schrei­ben vom 12.05.2007 als Ver­gleichsmöglich­keit auf­ge­zeigt, den Kläger auf die Po­si­ti­on ei­nes So­zi­al­de­zer­nen­ten "zu hie­ven". Zur Be­gründung für die­sen Ver­gleichs­vor­schlag führt der Kläger aus, die Po­si­ti­on wer­de ent­schei­dend da­zu bei­tra­gen, dass er im Al­ter nicht der Grund­si­che­rung an­heim­fal­le. Er - der Land­rat - wer­de im In­ter­es­se der Steu­er­zah­ler/in­nen han­deln, wenn er dem vor­ge­schla­ge­nen Ver­gleich näher­tre­te. Es be­darf kei­ner nähe­ren Ausführun­gen, dass der Be­klag­te die­sen Ver­gleichs­vor­schlag nur als Pro­vo­ka­ti­on ver­ste­hen konn­te.

cc) Als letz­tes In­diz für die man­geln­de Ernst­haf­tig­keit der Be­wer­bung las­sen sich die um­fang­rei­chen Ausführun­gen des Klägers zum Hin­ter­grund des in sei­nen Geschäfts­brie­fen ver­wen­de­ten "Ce­ter­um Cen­seo" anführen. Un­ter se­xu­el­len An­spie­lun­gen be­fasst sich der Kläger mit den The­men Pro­sti­tu­ti­on, Bor­del­len, Frei­ern und Bor­dell­steu­er, führt aber gleich­zei­tig aus, dies ha­be mit sei­ner Be­wer­bung nichts zu tun. Wel­che Be­deu­tung die ab An­la­ge K 27 vor­ge­leg­ten Schrei­ben, be­tref­fend Do­mi­nas und Rot­licht­mi­lieu, dem­nach ha­ben sol­len, ist un­er­find­lich. Die bei­ge­leg­te Klei­nan­non­ce aus ei­nem Ber­li­ner Ma­ga­zin: "Prallärschi­ges Weib für al­les Un­anständi­ge ge­sucht" und "Al­ter Molch, 57 sucht un­mo­ra­li­sche Frau­en für Sex und Kul­tur" spre­chen eben­falls für sich.

Die Ge­samt­umstände der Be­wer­bung und des wei­te­ren Ver­fah­rens las­sen nur den Schluss zu, dass es dem Kläger ne­ben dem mögli­chen Mo­tiv des Geld­er­werbs in die­sem Ver­fah­ren vor­nehm­lich dar­um geht, Auf­se­hen zu er­re­gen und das Sys­tem des staat­li­chen Rechts­schut­zes lächer­lich zu ma­chen. Es ist zwar durch­aus nach­voll­zieh­bar, dass der Kläger darüber frus­tiert ist, dass er sei­nen Le­bens­un­ter­halt mit Leis­tun­gen nach dem SGB II be­strei­ten muss. Es kann je­doch nicht an­ge­hen, an­geb­li­che Verstöße ge­gen das An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­recht

 

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als In­stru­ment da­zu be­nut­zen, um Pro­test ge­gen die "Hartz"- Ge­setz­ge­bung zum Aus­druck zu brin­gen. Würde der Staat ei­ne sol­che Rechts­ver­fol­gung mit der Gewährung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe un­terstützen, so hätte der Kläger das von ihm an­ge­streb­te Ziel er­reicht.

III.

Ei­ne Kos­ten­ent­schei­dung ist nicht ver­an­lasst. Die Ge­richts­gebühren er­ge­ben sich aus der Ziff. 8614 des Kos­ten­ver­zeich­nis­ses zum Ge­richts­kos­ten­ge­setz. Die Vor­aus­set­zun­gen für die Zu­las­sung der Rechts­be­schwer­de wa­ren nicht ge­ge­ben.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung:

Ge­gen die­sen Be­schluss fin­det ein Rechts­mit­tel nicht statt.

 

gez.
Dr. Nat­ter

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