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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Geschäftsführervertrag, Wettbewerbsverbot: Verzicht, Wettbewerbsverbot
   
Gericht: Oberlandesgericht München
Akten­zeichen: 7 U 2417/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 28.07.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Landgericht München, Urteil vom 20.10.2009, 13 HKO 5122/09
Arbeitsgericht München, 1500 IN 1646/09
   

OBER­LAN­DES GERICHT MÜNCHEN

 

Ak­ten­zei­chen: 7 U 2417/10
13 HKO 5122/09 LG München I

Verkündet am 28. Ju­li 2010
Die Ur­kunds­be­am­tin: ...

 

IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

 

...
- Kläger und Be­ru­fungs­be­klag­ter -
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte ...

ge­gen

...
- Be­klag­te, am Be­ru­fungs­ver­fah­ren nicht be­tei­ligt - Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter: Rechts­an­walt ...

...
- Gläubi­ge­rin und Be­ru­fungskläge­rin -
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te Rechts­anwälte: ...

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we­gen For­de­rung u.a.

erlässt der 7. Zi­vil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts München durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Ober­lan­des­ge­richt ..., Rich­te­rin am Ober­lan­des­ge­richt ... und Rich­ter am Ober­lan­des­ge­richt ...auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 14. Ju­li 2010 fol­gen­des

En­dur­teil:

I. Un­ter Abände­rung des En­dur­teils des Land­ge­richts München I vom 20. Ok­to­ber 2010 wer­den die vom Kläger am 8. De­zem­ber 2009 in dem beim Amts­ge­richt München un­ter dem Az. 1500 IN 1646/09 über das Vermögen der Be­klag­ten geführ­ten In­sol­venz­ver­fah­ren an­ge­mel­de­ten For­de­run­gen wie folgt zur Ta­bel­le fest­ge­stellt:

70.077,52 € Lohn­for­de­rung
1.181,77 € Zin­sen
2.237,55 € Kos­ten
73.496,84 €  Ge­samt­for­de­rung

In­so­weit wird die Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen. Im Übri­gen wird der Wi­der­spruch der Be­ru­fungskläge­rin vom 14. Ja­nu­ar 2010 für be­gründet erklärt.

II. Von den Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens tra­gen der Kläger 2/5, die Be­ru­fungskläge­rin 3/5. Von den Kos­ten ers­ter In­stanz tra­gen der Kläger 16/25, die Be­klag­te 9/25.

III. Das Ur­teil ist vorläufig voll­streck­bar.

V. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

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Gründe:

I.

Der Kläger, der Be­ru­fungs­be­klag­ter ist, und die Be­ru­fungskläge­rin strei­ten um die Fest­stel­lung ei­ner vom Kläger an­ge­mel­de­ten For­de­rung zur In­sol­venz­ta­bel­le im In­sol­venz­ver­fah­ren über die Be­klag­te.

Der Kläger ist zu­sam­men mit der Be­ru­fungskläge­rin Ge­sell­schaf­ter der Be­klag­ten und war de­ren Geschäftsführer. Im Geschäftsführ­er­dienst­ver­trag vom 27. Mai 2004 war für die Dau­er von zwei Jah­ren ein nach­ver­trag­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot ge­re­gelt, während des­sen sich die Be­klag­te zur Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung ver­pflich­tet hat­te.

Am 3. Sep­tem­ber 2008 kündig­te der Kläger den Geschäftsführ­er­dienst­ver­trag außer­or­dent­lich, mit Schrei­ben vom 18. De­zem­ber 2008 ver­zich­te­te die Be­klag­te auf das im Geschäftsführ­er­dienst­ver­trag nie­der­ge­leg­te Wett­be­werbs­ver­bot.

Der Kläger be­gehr­te von der Be­klag­ten erst­in­stanz­lich sein Geschäftsführer­ge­halt bis zum Zeit­punkt der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung so­wie Scha­dens­er­satz, weil er durch ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten der Be­klag­ten und der Be­ru­fungskläge­rin als Ge­sell­schaf­te­rin der Be­klag­ten zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung ver­an­lasst wor­den sei, und Ka­ren­zentschädi­gung.

Das Land­ge­richt hat auf­grund münd­li­cher Ver­hand­lung vom 18. Au­gust 2009 mit En­dur­teil vom 20. Ok­to­ber 2009 die Be­klag­te zur Zah­lung des an­tei­li­gen Sep­tem­ber­ge­halts 2008 so­wie ei­ner mo­nat­li­chen Ka­ren­zentschädi­gung bis ein­sch­ließlich 4. Sep­tem­ber 2010 ver­ur­teilt. So­weit der Kläger Scha­dens­er­satz be­gehr­te, hat es die Kla­ge ab­ge­wie­sen, weil es ein ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten der Be­klag­ten, wel­ches den Kläger be­rech­tigt hätte, sei­nen Geschäftsführ­er­dienst­ver­trag außer­or­dent­lich zu kündi­gen, ver­nein­te.

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Am 8. Ok­to­ber 2009 wur­de über das Vermögen der Be­klag­ten das In­sol­venz­ver­fah­ren eröff­net.

Der Kläger hat sei­ne im En­dur­teil des Land­ge­richts München I vom 20. Ok­to­ber 2010 fest­ge­stell­te For­de­rung in Höhe von 124.660,07 € so­wie sei­nen Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch gemäß Kos­ten­fest­set­zungs­be­schluss des Land­ge­richts München I vom 2. De­zem­ber 2009 in Höhe von 2.184 € beim In­sol­venz­ver­wal­ter der Be­klag­ten an­ge­mel­det. Die Be­ru­fungskläge­rin, selbst Gläubi­ge­rin der Be­klag­ten, hat die For­de­run­gen des Klägers be­strit­ten. Ih­ren im In­sol­venz­ver­fah­ren erklärten Wi­der­spruch ver­folgt sie mit der Be­ru­fung wei­ter. Nach ih­rer Auf­fas­sung sei das En­dur­teil des Land­ge­richts rechts­feh­ler­haft, weil es Ka­ren­zentschädi­gung für ein nach­ver­trag­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot zu­ge­spro­chen ha­be, ob­wohl es ei­nen Grund für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung des Klägers nicht ge­se­hen hat. Das ver­trag­li­che Wett­be­werbs­ver­bot und da­mit die Re­ge­lung über die Ka­ren­zentschädi­gung sei­en zu­dem nach §§ 242, 138 Abs. 1 BGB nich­tig. Da die Be­klag­te auf das Wett­be­werbs­ver­bot ver­zich­tet ha­be und we­gen des Ver­hal­tens des Klägers selbst zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung be­rech­tigt ge­we­sen wäre, sei ei­ne even­tu­el­le Entschädi­gungver­pflich­tung hinfällig. Hilfs­wei­se be­ruft sich die Be­klag­te dar­auf, dass im Übri­gen Ka­ren­zentschädi­gung nur bis zum 18. De­zem­ber 2008 ge­schul­det sei und auch nicht in der vom Land­ge­richt zu­er­kann­ten Höhe.

Die Be­ru­fungskläge­rin be­an­tragt in zwei­ter In­stanz,

den in dem In­sol­venz­ver­fah­ren des Amts­ge­richts München, Az. 1500 IN 1646/09, am 14. Ja­nu­ar 2010 erklärten Wi­der­spruch der Be­ru­fungskläge­rin ge­gen die vom Kläger im ge­nann­ten In­sol­venz­ver­fah­ren un­ter dem 8. De­zem­ber 2009 an­ge­mel­de­te For­de­rung (126.844,07 €) un­ter Ände­rung des Ur­teils des Land­ge­richts München I, Az. 13 HKO 5122/09, und Kla­ge­ab­wei­sung für be­gründet zu erklären.

Der Kläger und Be­ru­fungs­be­klag­te be­an­tragt in zwei­ter In­stanz,

die von ihm am 08. De­zem­ber 2009 zur In­sol­venz­ta­bel­le an­ge­mel­de­ten For­de­run­gen fest­zu­stel­len.

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We­gen der wei­te­ren tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen wird ergänzend auf das En­dur­teil des Land­ge­richts München I vom 20. Ok­to­ber 2009 (Bl. 373/386 d. A.) so­wie hin­sicht­lich des wei­te­ren Vor­brin­gens auf die Schriftsätze der Par­tei­en so­wie das Pro­to­koll der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 14. Ju­li 2010 (Bl. 452/454 d. A.) Be­zug ge­nom­men. Der Kos­ten­fest­set­zungs­be­schluss des Land­ge­richts München I vom 2. De­zem­ber 2009 (Bl. 388/389 d.A.) ist durch Be­schluss vom 23. De­zem­ber 2009 (Bl. 393 d.A.) auf­ge­ho­ben wor­den.

II.

Die Be­ru­fung der Be­ru­fungskläge­rin ist zulässig.

1. Die Be­ru­fung ist statt­haf­ter Rechts­be­helf, um den Wi­der­spruch der Be­ru­fungskläge­rin ge­gen die vom Kläger an­ge­mel­de­ten For­de­run­gen wei­ter zu ver­fol­gen (§§ 180 Abs. 2, 179 Abs. 2 In­sO).

2. Die Be­ru­fungskläge­rin ist als In­sol­venzgläubi­ge­rin be­ru­fungs­be­rech­tigt. Aus-weis­lich der In­sol­venz­ta­bel­le (An­la­ge BB 1) hat die Be­ru­fungskläge­rin zwei For­de­run­gen zur Ta­bel­le an­ge­mel­det, da­von ei­ne nach­ran­gi­ge For­de­rung nach § 39 In­sO. Ob­wohl nach dem in­so­weit un­be­strit­te­nen Vor­trag des Klägers das für die Be­klag­te zuständi­ge In­sol­venz­ge­richt nach § 174 Abs. 3 In­sO nicht be­son­ders zur An­mel­dung von For­de­run­gen nach­ran­gi­ger Gläubi­ger auf­ge­for­dert hat, steht der Be­ru­fungskläge­rin auch als nach­ran­gi­ge In­sol­venzgläubi­ge­rin ein Wi­der­spruchs­recht zu. An­ders als bei §§ 75 Abs. 1, 77 Abs. 1 Satz 2 In­sO schließt § 178 Abs. 1 Satz 1 In­sO nach­ran­gi­ge In­sol­venzgläubi­ger nicht vom Wi­der­spruchs­recht aus. Ein nach­ran­gi­ger In­sol­venzgläubi­ger muss sich zum Er­halt des Wer­tes sei­ner For­de­rung ge­gen un­be­rech­tig­te For­de­run­gen nicht nach­ran­gi­ger Gläubi­ger zur Wehr set­zen können. Sonst wären die Rech­te der nach­ran­gi­gen Gläubi­ger er­heb­lich verkürzt (so Schu­ma­cher, in: Münch­Kom­mIn­sO, 2. Aufl. 2008, § 178 Rd­nr. 21; Sinz,

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in: Uh­len­bruck, In­sO, 13. Aufl., 2010, § 176 Rd­nr. 26; Spe­co­vi­us, in: Braun, In­sO, 4. Aufl. 2010, § 178 Rd­nr. 3 mit Fn 3).

III.

Die Be­ru­fung der Be­ru­fungskläge­rin ist in Tei­len be­gründet. Dem Kläger steht ge­gen die Be­klag­te nur der Ge­halts­an­spruch für den Mo­nat Sep­tem­ber 2008, be­an­tragt in Höhe von 1.281,96 €, so­wie Ka­ren­zentschädi­gung für die Mo­na­te Ok­to­ber 2008 bis ein­sch­ließlich De­zem­ber 2009 in Höhe von mo­nat­lich 4.591,70 €, je­weils nebst Zin­sen, zu. In­so­weit ist die an­ge­mel­de­te For­de­rung des Klägers zur In­sol­venz­ta­bel­le im Ver­fah­ren über das Vermögen der Be­klag­ten fest­zu­stel­len und die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen. Darüber hin­aus ist der Wi­der­spruch der Be­ru­fungs­be­klag­ten für be­gründet zu erklären.

1. Be­an­trag­tes Sep­tem­ber­ge­halt 2008:

Dem Kläger steht das be­an­trag­te Sep­tem­ber­ge­halt in Höhe von 1.281,96 € zu. Die Be­ru­fungs­be­klag­te, die das En­dur­teil des Land­ge­richts München I vom 20. Ok­to­ber 2009 zwar auch in­so­weit an­greift, hat hier­ge­gen kei­ne Be­ru­fungsrügen vor­ge­tra­gen.

2. Ka­ren­zentschädi­gung:

a) Die Be­ru­fungskläge­rin rügt zwar die Ausführun­gen des an­ge­grif­fe­nen Ur­teils in­so­weit zu Recht, als das Land­ge­richt ei­ne wirk­sa­me Kündi­gung ver­neint, gleich­wohl dem Kläger oh­ne Ver­trags­be­en­di­gung ei­ne nach­ver­trag­li­che Ka­ren­zentschädi­gung zu­ge­spro­chen hat. Dies ist ein rechts­feh­ler­haf­ter Wi­der­spruch. Der An­spruch des Klägers auf Ka­ren­zentschädi­gung ist aber aus an­de­ren Gründen ent­stan­den. Auch wenn, wie das Erst­ge­richt meint, ein wich­ti­ger Grund für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung des Klägers am 3. Sep­tem­ber 2008 nicht vor­ge­le­gen ha­be,

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woll­te der Kläger mit sei­nen Erklärun­gen vom 3. Sep­tem­ber 2008 (An­la­ge K 47 [Nie­der­le­gung der Geschäftsführ­ertätig­keit], An­la­ge K 48 [Kündi­gung des Geschäftsführ­er­dienst­ver­trags]) ei­ne so­for­ti­ge endgülti­ge Be­en­di­gung sei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses bei der Be­klag­ten er­rei­chen. Be­son­ders deut­lich wird dies in den Schrei­ben des Kläger­ver­tre­ters vom 24. Sep­tem­ber (An­la­ge K 49) und 2. Ok­to­ber 2008 (An­la­ge K 19), die unüber­brück­ba­re Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten zwi­schen dem Kläger ei­ner­seits und der Be­klag­ten so­wie der Be­ru­fungskläge­rin als de­ren Ge­sell­schaf­te­rin of­fen­le­gen. Ei­ne Be­en­di­gung der Beschäfti­gung des Klägers ent­sprach aber auch dem In­ter­es­se und dem Wil­len der Be­klag­ten. Mit Schrei­ben vom 5. Sep­tem­ber 2008 (An­la­ge BB 4) for­der­te sie den Kläger zur Her­aus­ga­be des Dienst­wa­gens, sämt­li­cher in sei­nem Be­sitz be­find­li­chen Un­ter­la­gen und Geschäfts­da­ten so­wie des Büro­schlüssels auf und gab ihm Ge­le­gen­heit, sei­ne persönli­chen Sa­chen mit­zu­neh­men. Mit Schrei­ben vom 30. Sep­tem­ber 2008 (An­la­ge BB 3) äußer­te die Be­klag­te die Auf­fas­sung, dass kein An­stel­lungs­verhält­nis mehr be­ste­he. Da­mit en­de­te spätes­tens mit Ab­lauf des Mo­nats Sep­tem­ber 2008 ein­ver­nehm­lich das Geschäftsführ­er­dienst­verhält­nis des Klägers bei der Be­klag­ten.

b) Mit Be­en­di­gung des Geschäftsführ­er­dienst­ver­trags be­stand für den Kläger ab 1. Ok­to­ber 2008 das nach­ver­trag­li­che Wett­be­werbs­ver­bot des § 8 Nr. 3 des Geschäftsführ­er­dienst­ver­trags (An­la­ge K 1) und da­mit die Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zur Zah­lung der Ka­ren­zentschädi­gung nach § 8 Nr. 4 des Geschäftsführ­er­dienst­ver­trags. Das Wett­be­werbs­ver­bot war ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­be­klag­ten nicht nach § 138 Abs. 1 BGB in Ver­bin­dung mit Art. 2 Abs. 1, Art. 12 Abs. 1 GG nich­tig. Es dien­te dem geschäft­li­chen In­ter­es­se und Schutz der Be­klag­ten so­wie de­ren neu­ar­ti­gen Al­che­my-Tech­no­lo­gie und er­schwer­te nach Ort (be­schränkt auf das Ge­biet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land), Zeit (auf zwei Jah­re) und Ge­gen­stand (er­kenn­bar ver­gleich­ba­re Tätig­kei­ten wie bei der Be­klag­ten) die Be­rufs­ausübung und wirt­schaft­li­che Tätig­keit

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des Klägers nicht un­bil­lig (vgl. Alt­mep­pen, in: Roth/Alt­mep­pen, Gmb­HG, 6. Aufl., 2009, § 6 Rd­nr. 80; eben­so die For­mu­lie­rung des nicht be­an­stan­de­ten Wett­be­werbs­ver­bots in dem der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 4. März 2002 [ab­ge­druckt in: NJW 2002, 1875] zu­grun­de­lie­gen­den Sach­ver­halt).

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­ru­fungskläge­rin lässt we­der das "Weg­lau­fen" des Klägers noch ein even­tu­el­les Recht der Be­klag­ten zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung aus wich­ti­gem Grund die Pflicht zur Zah­lung der Ka­ren­zentschädi­gung ent­fal­len. Wie un­ter a) auf­ge­zeigt, er­folg­te die Be­en­di­gung des Geschäftsführ­er­dienst­ver­trags letzt­lich ein­ver­nehm­lich, so dass es auf wei­ter­ge­hen­de, nicht aus­geübte Ge­stal­tungs­rech­te nicht an­kommt.

c) Auf­grund der Erklärung der Be­klag­ten vom 18. De­zem­ber 2008 (An­la­ge K 53), mit der die­se auf die Ein­hal­tung des nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bots ver­zich­tet hat, ist die Zah­lung der Ka­ren­zentschädi­gung bis zum 31. De­zem­ber 2009 be­grenzt. Die Be­klag­te war be­rech­tigt, nach Be­en­di­gung des An­stel­lungs­ver­trags auf das Wett­be­werbs­ver­bot zu ver­zich­ten (et­wa OLG Düssel­dorf NJW-RR 1997, 164, 166/167; Alt­mep­pen, in: Roth/Alt­mep­pen, Gmb­HG, aaO., § 6 Rd­nr. 81; Bau­er/Dil­ler, Gmb­HR 1999, 885, 893; Marsch-Bar­ner/Diek­mann, in: MünchH­db-GesR III, 3. Aufl. 2009, § 43 Rd­nr. 76; Pa­ef­gen, in: Großkom­men­tar zum Gmb­HG, 2006, § 35 Rd­nr. 257). Die­ser Ver­zicht wirkt sich auf die Zah­lung der Ka­ren­zentschädi­gung aus, weil das Wett­be­werbs­ver­bot zum Schutz der Ge­sell­schafts­in­ter­es­sen be­steht (so aus­drück­lich BGH NJW 1992, 1892, 1893; NJW 2002, 1875, 1876; sie­he auch Goet­te, in: Fest­schr. für Wie­de­mann 1982, 873, 884). Al­ler­dings ist auch das Dis­po­si­ti­ons­bedürf­nis des Geschäftsführers zu berück­sich­ti­gen, der bis zur Ausübung des Ver­zichts auf das Wett­be­werbs­ver­bot da­von aus­geht, er müsse sei­nen künf­ti­gen Le­bens­un­ter­halt auf ei­nem an­de­ren, ihm we­ni­ger geläufi­gen Geschäfts­sek­tor als dem­je­ni­gen der Ge­sell­schaft su­chen

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und könne dafür auf die Ka­ren­zentschädi­gung zurück­grei­fen (so BGH NJW 2002, 1875, 1876; sie­he auch Zöll­ner/Noack, in: Baum­bach/Hu­eck, Gmb­HG, 19. Aufl. 2010, § 35 Rd­nr. 203). Die Ver­pflich­tung zur Zah­lung der Ka­ren­zentschädi­gung ist da­her zeit­lich be­grenzt, bis der Geschäftsführer sich an die neue La­ge an­pas­sen und ei­ne neue be­ruf­li­che Tätig­keit fin­den kann (vgl. Schnei­der, in: Scholz, Gmb­HG, 10. Aufl. 2007, § 43 Rd­nr. 183; ähn­lich Berg­witz Gmb­HR 2007, 523, 525 ff.).

Da die Par­tei­en im Geschäftsführ­er­dienst­ver­trag vom 27. Mai 2004 (An­la­ge K 1) kei­ne Re­ge­lung für den Fall ge­trof­fen ha­ben, dass die Be­klag­te nach Be­en­di­gung des An­stel­lungs­ver­trags auf das Wett­be­werbs­ver­bot ver­zich­tet, ist die Frist für die Zah­lung der Ka­ren­zentschädi­gung nach den Umständen des Ein­zel­falls un­ter Berück­sich­ti­gung der In­ter­es­sen der be­klag­ten Ge­sellschft und des Klägers zu be­mes­sen (so Pa­ef­gen, in: Großkom­men­tar zum Gmb­HG, aaO., § 35 Rd­nr. 258; auch Goet­te, a.a.O., 873 885). § 75a HGB, der je­doch we­der un­mit­tel­bar noch ana­log auf den GmbH-Geschäftsführer an­wend­bar ist, enthält ei¬ne Frist von ei­nem Jahr ab dem Ver­zicht auf das Wett­be­werbs­ver­bot (dar­auf ab­stel­lend OLG Hamm Gmb­HR 1991, 367/368). Der Bun­des­ge­richts­hof hat in sei­ner Ent­schei­dung vom 4. März 2002 (ab­ge­druckt in: NJW 2002, 1875, 1876) auf ei­ne der Kündi­gungs­frist ent­spre­chen­de Dis­po­si­ti­ons­frist ab­ge­stellt und die Pflicht zur - im kon­kre­ten Fall auf ein Jahr be­grenz­ten - Ka­ren­zentschädi­gung auch des­halb nicht ent­fal­len las­sen, weil der Ver­zicht nicht mit Aus­spruch der Kündi­gung zum Aus­druck ge­bracht wor­den war. Legt man die­se Recht­spre­chung zu­grun­de, ist da­nach zu fra­gen, mit wel­cher Frist und zu wel­chem Zeit­raum die Be­klag­te dem Kläger nach dem 3. Sep­tem­ber 2008 hätte or­dent­lich kündi­gen können. Dies wäre nach § 7 Nr. 2 des Geschäftsführ­er­dienst­ver­trags (An­la­ge K 1) mit Jah­res­frist der 31. De­zem­ber 2009 ge­we­sen. Bis zu die­sem Zeit­punkt ist sie da­her zur Zah­lung der Ka­ren­zentschädi­gung ver­pflich­tet, was vom Erst­ge­richt ver­kannt wird.

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d) Die Pflicht zu Zah­lung der Ka­ren­zentschädi­gung entfällt auch nicht des­halb, weil der Kläger, so der Vor­trag der Be­ru­fungskläge­rin, der Be­klag­ten mit Gründung der Fa. S. GmbH & Co. KG Wett­be­werb be­trei­be. Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob dem so ist. Die Be­klag­te hat mit Schrei­ben vom 18. De­zem­ber 2008 (An­la­ge K 53) wirk­sam auf das Wett­be­werbs­ver­bot ver­zich­tet, so dass der Kläger nicht ge­gen nach­ver­trag­li­che Pflich­ten verstößt (eben­so Alt­mep­pen, in: Roth/Alt­mep­pen, Gmb­HG, aaO., § 6 Rd­nr. 81).

e) Die Höhe der Ka­ren­zentschädi­gung rich­tet sich nach § 8 Nr. 4 des Geschäftsführ­er­dienst­ver­trags (An­la­ge K 1). Da­nach hat sich die Be­klag­te ver­pflich­tet, dem Kläger ei­ne Entschädi­gung in Höhe von 50 % sei­ner zu­letzt durch­schnitt­lich be­zo­ge­nen mo­nat­li­chen Brut­to-Vergütung zu zah­len. Die Brut­to-Vergütung be­steht nach § 2 Nr. 1 des Geschäftsführ­er­dienst­ver­trags aus ei­nem mo­nat­li­chen Ge­halt, un­strei­tig seit 18. April 2006 in Höhe von 8.500 € brut­to, und nach § 4 des Geschäftsführ­er­dienst­ver­trags aus Ne­ben­leis­tun­gen in Form der Nut­zungsmöglich­keit ei­nes Fir­men­wa­gens auch für pri­va­te Zwe­cke (Nr. 1 Satz 1) und der Zah­lung der Beiträge für ei­ne Pri­vat­haft­pflicht-, ei­ne Di­rekt- und ei­ne Be­ruf­unfähig­keits­ver­si­che­rung (Nr. 3).

Der mo­nat­li­che Wert der Ver­si­che­rungs­beiträge beträgt un­strei­tig 344,64 €. Zwi­schen den Par­tei­en um­strit­ten ist da­ge­gen der mo­nat­li­che Wert der Nut­zungsmöglich­keit des Fir­men­wa­gens auch für pri­va­te Zwe­cke. Während der Kläger un­ter Be­ru­fung auf die ADAC-Au­to­kos­ten­be­rech­nung (An­la­ge K 3) ei­nen mo­nat­li­chen Kos­ten­vor­teil in Höhe von 770 € an­nimmt, setzt die Be­klag­te nur 1 % des An­schaf­fungs­prei­ses in Höhe von un­strei­tig 33.875 € an. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Erst­ge­richts, das sei­ner Be­rech­nung, wie vom Kläger be­an­tragt, die Voll­kos­ten (al­so 770 € mo­nat­lich) zu­grun­de ge­legt hat, ori­en­tiert sich der Se­nat in Übe­rein­stim­mung mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (et­wa in NJW 1999, 3507; Ur­teil vom 25. Ja­nu­ar

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2001, Az. 8 AZR 412/00, Rz. 18-21) zu ent­spre­chen­den Fall­ge­stal­tun­gen im Ar­beits­recht an der abs­trak­ten Be­rech­nung der steu­er­li­chen Be­wer­tung der pri­va­ten Nut­zungsmöglich­keit des § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG. Dies be­ruht dar­auf, dass die Zur­verfügung­stel­lung des Fir­men­wa­gens nicht aus­sch­ließlich zu pri­va­ten Zwe­cken er­folgt, son­dern - auch nach § 4 Nr. 1 des Geschäftsführ­er­dienst­ver­trags vom 27. Mai 2004 (An­la­ge K 1) - zuförderst zu dienst­li­chen Zwe­cken. Der pri­va­te An­teil am Ge­brauchs­wert des Fir­men­wa­gen ist al­so kei­ne fest­ste­hen­de Größe, son­dern verändert sich in Abhängig­keit von der Zeit, in die er für dienst­li­che Zwe­cke ein­zu­set­zen ist. Da­mit beläuft sich der mo­nat­li­che Ge­brauchs­vor­teil für den Fir­men­wa­gen auf 338,75 €.

Die Höhe der Ka­ren­zentschädi­gung beträgt so­mit 50 % der Sum­me aus 8.500 €, 344,64 € und 338,75 €, al­so 4.591,70 €.

3. Zin­sen und außer­ge­richt­li­chen Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten:

Im Erst­ur­teil rechts­feh­ler­frei ti­tu­liert und im Übri­gen mit den Be­ru­fungsrüge nicht an­ge­grif­fen sind die Zin­sen für das be­an­trag­te Sep­tem­ber­ge­halt und die Ka­ren­zentschädi­gung (§§ 286 Abs. 1 und 2 Nr. 1, 288 Abs. 1 BGB in Ver­bin­dung mit § 2 Nr. 1 Satz 1 bzw. § 8 Nr. 4 Satz 2 des Geschäftsführ­er­dienst­ver­trags [An­la­ge K 1]). Eben­falls mit den Be­ru­fungsrügen nicht an­ge­grif­fen sind die in Zif­fer IV. des Erst­ur­teils zu­ge­spro­che­nen außer­ge­richt­li­chen Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten (2.237,55 €).

4. In­halt der Te­n­o­rie­rung:

Im Hin­blick auf das am 8. Ok­to­ber 2009 über das Vermögen der Be­klag­ten eröff­ne­te In­sol­venz­ver­fah­ren (An­la­ge BF 1) sind nach §§ 178 Abs. 1, 179 Abs. 2, 180 Abs. 2, 181 In­sO die an­ge­mel­de­ten For­de­run­gen des Klägers zur Ta­bel­le fest­zu­stel­len, so­weit die Kla­ge be­gründet ist und die For­de­run­gen be­ste­hen. Wie un­ter 1. und 2. aus­geführt schul­det die Be­klag­te dem Kläger

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das Sep­tem­ber­ge­halt (1.281,96 €) so­wie Ka­ren­zentschädi­gung in Höhe von mo­nat­lich 4.591,70 € bis zum 31. De­zem­ber 2009, was — für die Mo­na­te Ok­to­ber bis De­zem­ber 2009 nach § 41 In­sO ab­ge­zinst — ei­ne For­de­rung in Höhe von 68.795,56 €, zu­sam­men mit dem Sep­tem­ber­ge­halt in Höhe von 70.077,52 € er­gibt. Der Zins­er­trag, so­weit be­an­tragt und im Erst­ur­teil zu­ge­spro­chen, beläuft sich für das Sep­tem­ber­ge­halt und für die vom Se­nat fest­ge­stell­te Ka­ren­zentschädi­gung bis zur Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens auf ins­ge­samt 1.181,77 €. Hin­zu kom­men noch die außer­ge­richt­li­chen Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten in Höhe von 2.237,55 €. Der Kos­ten­fest­set­zungs­be­schluss be­tref­fend 2.184 € wur­de in­zwi­schen auf­ge­ho­ben.

IV.

Die Kos­ten­ent­schei­dung er­gibt sich aus § 92 Abs. 1 ZPO, die Ent­schei­dung über die vorläufi­ge Voll­streck­bar­keit aus §§ 708 Nr. 10, 713 ZPO, 26 Nr. 8 EG­Z­PO.

Die Re­vi­si­on ist nicht zu­zu­las­sen, weil kei­ne Zu­las­sungs­gründe vor­lie­gen (§ 543 Abs. 2 ZPO). Die Rechts­sa­che hat we­der grundsätz­li­che Be­deu­tung noch er­for­dert die Fort­bil­dung des Rechts oder die Si­che­rung ei­ner ein­heit­li­chen Recht­spre­chung ei­ne Ent­schei­dung des Re­vi­si­ons- bzw. des Rechts­be­schwer­de­ge­richts. Der Se­nat wen­det bei sei­ner Ent­schei­dung die ober­ge­richt­li­che Recht­spre­chung an und weicht auch nicht von ei­ner Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs oder ei­nes an­de­ren Ober­lan­des­ge­richts ab.

 

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Vor­sit­zen­der Rich­ter 

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Rich­te­rin am Ober­lan­des­ge­richt

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Rich­ter

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