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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Betriebsratsbüro, Betriebsrat: Internetzugang
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Niedersachsen
Akten­zeichen: 3 TaBV 47/06
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 08.09.2016
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen:
   

IM NA­MEN DES VOL­KES

BESCHLUSS

In dem Be­schluss­ver­fah­ren

An­trag­stel­ler, Be­tei­lig­ter zu 1) und Be­schwer­de­geg­ner

u n d

An­trags­geg­ne­rin, Be­tei­lig­te zu 2) und Be­schwer­deführe­rin

hat die 3. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen auf Grund der Anhörung am 9. März 2007 durch

den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Vo­gel­sang,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn Förs­ter,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn Hol­lin­ger
 

be­schlos­sen:

Die Be­schwer­de der Be­tei­lig­ten zu 2) ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Han­no­ver vom 13.04.2006 – 4 BV 10/05 – wird zurück­ge­wie­sen.

Die Rechts­be­schwer­de wird nicht zu­ge­las­sen.

Gründe

I.

Im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren be­gehrt der An­trag­stel­ler, dass ihm die Be­tei­lig­te zu 2) ei­nen Zu­gang zum In­ter­net zur Verfügung stellt.

Die Be­tei­lig­te zu 2) ist ein Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men, das bun­des­weit in ver­schie­de­nen Fi­lia­len ins­ge­samt ca. 38.000 Ar­beit­neh­mer beschäftigt. An­trag­stel­ler ist der in der Fi­lia­le A-Stadt ge­bil­de­te, aus sie­ben Mit­glie­dern be­ste­hen­de Be­triebs­rat. Ein Mit­glied des Be­triebs­rats ist gleich­zei­tig stell­ver­tre­ten­der Ge­samt­be­triebs­rats­vor­sit­zen­der. Ihm hat die Be­tei­lig­te zu 2) ei­nen PC mit In­ter­net­zu­gang zur Verfügung ge­stellt. Im Übri­gen sind in der Fi­lia­le in A-Stadt nur zwei PC’s vor­han­den, und zwar ein Com­pu­ter für die Vi­su­al Mer­chan­di­ser so­wie ein so­ge­nann­ter Ad­min-PC im Kas­senbüro. Bei­de Com­pu­ter ha­ben kei­nen In­ter­net­an­schluss. Auf Sei­ten der Be­tei­lig­ten zu 2) be­steht ein In­ter­net­zu­gang nur bei der Ver­wal­tung in D-Stadt.

Der Be­tei­lig­te zu 1) hat die An­sicht ver­tre­ten, der Zu­gang zum In­ter­net sei als er­for­der­li­ches Sach­mit­tel zur Erfüllung sei­ner Auf­ga­ben an­zu­se­hen. Je­des Be­triebs­rats­mit­glied müsse in der La­ge sein, sich mit Hil­fe des In­ter­nets um­fas­send und schnell über ak­tu­el­le ar­beits- und be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­gen zu in­for­mie­ren. Hier­durch würden der Be­tei­lig­ten zu 2) auch kei­ne zusätz­li­chen Kos­ten ent­ste­hen, im Ge­gen­teil: Es sei so­gar von ei­ner Er­spar­nis aus­zu­ge­hen, weil nicht so­viel Zeit für Re­cher­chen und In­for­ma­ti­on ver­wen­det wer­den müsse, wie dies durch das Stu­di­um von Ge­set­zen, Kom­men­ta­ren und Li­te­ra­tur er­for­der­lich sei. Zeit­in­ten­siv sei auch die ständi­ge Ak­tua­li­sie­rung der vor­han­de­nen Lo­se­blatt­samm­lun­gen.

Der An­trag­stel­ler hat be­an­tragt,

den Ar­beit­ge­ber zu ver­pflich­ten, dem Be­triebs­rat ei­nen Zu­gang zum In­ter­net zur Verfügung zu stel­len.

Die Be­tei­lig­te zu 2) hat be­an­tragt,

den An­trag ab­zu­wei­sen.

Die Be­tei­lig­te zu 2) hat die An­sicht ver­tre­ten, bei der Ent­schei­dung, ob ein In­ter­net­zu­gang er­for­der­lich sei, müss­ten die be­trieb­li­chen Verhält­nis­se berück­sich­tigt wer­den. Be­trieb­lich sei es je­doch ge­ra­de so, dass für die Mit­ar­bei­ter in der Fi­lia­le A-Stadt ge­ra­de kein In­ter­net­zu­gang be­ste­he, und zwar auch nicht für die Fi­li­al­lei­tung. Hätte der Be­triebs­rat ei­nen In­ter­net­zu­gang, wäre sie (die An­trags­geg­ne­rin) ge­ra­de­zu ge­zwun­gen, auch der Fi­li­al­lei­tung ei­nen PC mit In­ter­net­zu­gang zur Verfügung zu stel­len. Sie müss­te dann so­gar ih­re ge­sam­te tech­ni­sche Aus­stat­tung in al­len ca. 260 Fi­lia­len völlig verändern. Darüber hin­aus be­ste­he die Ge­fahr, dass die Zu­gangs­be­rech­ti­gung zum In­ter­net zweck­wid­rig ver­wen­det wer­de.

Durch Be­schluss vom 13.04.2006 hat das Ar­beits­ge­richt der Be­tei­lig­ten zu 2) auf­ge­ge­ben, dem An­trag­stel­ler ei­nen Zu­gang zum In­ter­net zur Verfügung zu stel­len. We­gen der Be­gründung der Ent­schei­dung wird auf die Ausführun­gen un­ter II. des an­ge­foch­te­nen Be­schlus­ses (Blatt 57/58 d. A.) Be­zug ge­nom­men. Der Be­schluss ist der Be­tei­lig­ten zu 2) am 01.06.2006 zu­ge­stellt wor­den. Sie hat hier­ge­gen am Mon­tag, dem 03.07.2006, Be­schwer­de ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­schwer­de­be­gründungs­frist bis zum 01.09.2006 am 31.08.2006 be­gründet.

Die Be­tei­lig­te zu 2) ist der An­sicht, der Ar­beit­ge­ber sei nicht ver­pflich­tet, dem Be­triebs­rat die­sel­ben Sach­mit­tel zur Verfügung zu stel­len, wie sie von ihm be­nutzt würden. Nur so­weit sich Auf­ga­ben von Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat berühr­ten, könne der Ein­satz mo­der­ner Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel auf Ar­beit­ge­ber den er­for­der­li­chen Um­fang der dem Be­triebs­rat zur Verfügung stel­len­den Sach­mit­tel be­ein­flus­sen. An­sprech­part­ner für den Be­triebs­rat sei al­lein die Fi­li­al­lei­tung der Fi­lia­le in A-Stadt, die den Kern der Ar­beit­ge­ber­funk­tio­nen im Be­reich der per­so­nel­len und so­zia­len Mit­be­stim­mung ausübe. Auch wenn die Fi­li­al­lei­tung in Ein­z­elfällen Rück­spra­che mit ei­nem Mit­ar­bei­ter der Rechts­ab­tei­lung oder der Geschäftsführung hal­te, lie­ge die letz­te Ent­schei­dung über be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che An­ge­le­gen­hei­ten bei der Fi­li­al­lei­tung. Zu berück­sich­ti­gen sei fer­ner das un­ter­neh­me­ri­sche Kon­zept der Be­tei­lig­ten zu 2), we­der den Mit­ar­bei­tern noch den Fi­li­al­lei­tun­gen ei­nen PC mit In­ter­net­zu­gang zur Verfügung zu stel­len. Durch das Stel­len ei­nes In­ter­net­zu­gangs entstünde ein Un­gleich­ge­wicht bei der Ver­hand­lungsstärke von Fi­li­al­lei­tung und Be­triebs­rat. Die Kon­trol­le der In­ter­net­nut­zung würde darüber hin­aus Kos­ten in der­zeit nicht ab­seh­ba­rer Höhe ver­ur­sa­chen.

Die Be­tei­lig­te zu 2) be­an­tragt,

1. Der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Han­no­ver vom 13.04.2006, Ak­ten­zei­chen 4 BV 10/05, wird ab­geändert,

2. Der An­trag des An­trag­stel­lers wird zurück­ge­wie­sen.

Der Be­tei­lig­te zu 1) be­an­tragt,

die Be­schwer­de zurück­zu­wei­sen.

Er ist der An­sicht, An­sprech­part­ner des Be­triebs­rats sei auch die Un­ter­neh­mens­lei­tung in D-Stadt. So sei, wie sich aus der Fax-Nr. er­ge­be, die An­fra­ge we­gen des In­ter­net­zu­gangs von D-Stadt ab­ge­lehnt wor­den. Auch in an­de­ren anhängi­gen Be­schluss­ver­fah­ren sei­en ver­gleichs­wei­se Lösun­gen nicht möglich ge­we­sen, da nach Aus­sa­ge der je­wei­li­gen Pro­zess­ver­tre­ter erst „Rück­spra­che mit D-Stadt“ zu hal­ten ge­we­sen sei.
Die Fi­li­al­lei­tung könne im Übri­gen je­der­zeit auf Mit­ar­bei­ter des A.-Büros und de­ren tech­ni­sche Ein­rich­tun­gen zurück­grei­fen und fer­ner auf die Per­so­nal­ab­tei­lung und de­ren tech­ni­sche Ein­rich­tun­gen. Er­for­der­lich sei der In­ter­net­zu­gang auch, um all­ge­mei­ne In­for­ma­tio­nen des Ge­wer­be­auf­sichts­am­tes, des In­te­gra­ti­ons­am­tes oder der Be­rufs­ge­nos­sen­schaf­ten er­lan­gen zu können. Auch ein­fa­che Auskünf­te, wie Bahn­auskünf­te für Rei­sen ließen sich so er­heb­lich schnel­ler ab­ar­bei­ten.

II.

Die Be­schwer­de der Be­tei­lig­ten zu 2) ist statt­haft, sie ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den, §§ 87, 89, 76 ArbGG. Sie ist da­mit ins­ge­samt zulässig.

Die Be­schwer­de ist je­doch nicht be­gründet, weil das Ar­beits­ge­richt dem An­trag des An­trag­stel­lers zu Recht statt­ge­ge­ben hat.

Die Be­tei­lig­te zu 2) ist gemäß § 40 Abs. 2 Be­trVG ver­pflich­tet, dem An­trag­stel­ler ei­nen In­ter­net­an­schluss zur Verfügung zu stel­len. Nach die­ser Be­stim­mung hat der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat für die lau­fen­de Geschäftsführung sach­li­che Mit­tel in er­for­der­li­chem Um­fang zur Verfügung zu stel­len, wo­bei aus­drück­lich be­stimmt ist, dass hier­zu auch In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik in er­for­der­li­chem Um­fang gehört. Die Prüfung, ob das ver­lang­te Sach­mit­tel für die Er­le­di­gung von Be­triebs­rats­auf­ga­ben er­for­der­lich und des­halb vom Ar­beit­ge­ber zur Verfügung zu stel­len ist, ob­liegt dem Be­triebs­rat. Er darf die­se Ent­schei­dung aber nicht al­lein an sei­nem sub­jek­ti­ven Bedürf­nis aus­rich­ten, viel­mehr wird von ihm ver­langt, dass er bei sei­ner Ent­schei­dungs­fin­dung die be­trieb­li­chen Verhält­nis­se und die sich ihm stel­len­den Auf­ga­ben berück­sich­tigt. Da­bei hat er die In­ter­es­sen der Be­leg­schaft an ei­ner sach­ge­rech­ten Ausübung des Be­triebs­rats­am­tes und be­rech­tig­te In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers, auch so­weit sie auf ei­ne Be­gren­zung sei­ner Kos­ten­tra­gungs­pflicht ge­rich­tet sind, ge­gen­ein­an­der ab­zuwägen (st.Rspr. des BAG, s. z.B. BAG, Be­schluss vom 03.09.2003 – 7 ABR 8/03 – AP 79 zu § 40 Be­trVG 1972 = NZA 2004, 280; BAG, Be­schluss vom 23.08.2006 – 7 ABR 55/05 – n.v.).

Die Ent­schei­dung des Be­triebs­rats über die Er­for­der­lich­keit des ver­lang­ten Sach­mit­tels un­ter­liegt der ar­beits­ge­richt­li­chen Kon­trol­le. Die­se ist auf die Prüfung be­schränkt, ob das ver­lang­te Sach­mit­tel auf Grund der kon­kre­ten be­trieb­li­chen Si­tua­ti­on der Er­le­di­gung der ge­setz­li­chen Auf­ga­ben des Be­triebs­rats dient und der Be­triebs­rat bei sei­ner Ent­schei­dung nicht nur die In­ter­es­sen der Be­leg­schaft berück­sich­tigt, son­dern auch be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers Rech­nung ge­tra­gen hat. Da­bei steht dem Be­triebs­rat im Rah­men der In­ter­es­sen­abwägung ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum zu. Das Ge­richt kann die Ent­schei­dung des Be­triebs­rats nicht durch sei­ne ei­ge­ne er­set­zen (st.Rspr. des BAG, s. z.B. BAG, Be­schluss vom 03.09.2003 – 7 ABR 8/03 – AP 79 zu § 40 Be­trVG 1972 = NZA 2004, 280; BAG, Be­schluss vom 23.08.2006 – 7 ABR 55/05 – n.v.).

Grundsätz­lich gehört zu den sach­li­chen Mit­teln der In­for­ma­ti­ons­tech­nik i. S. von § 40 Abs. 2 Be­trVG auch das In­ter­net. In­so­weit han­delt es sich um ei­ne Quel­le, die ge­eig­net ist, dem Be­triebs­rat die zur Erfüllung sei­ner Auf­ga­ben not­wen­di­gen In­for­ma­tio­nen zu ver­mit­teln. Über das In­ter­net kann er sich nicht nur auf dem schnells­ten Weg über die ar­beits- und be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Ent­wick­lun­gen in der Ge­setz­ge­bung und Recht­spre­chung un­ter­rich­ten, die von den Ge­setz­ge­bungs­or­ga­nen und Ge­rich­ten im In­ter­net dar­ge­stellt wer­den. Darüber hin­aus kann sich der Be­triebs­rat mit Hil­fe der im In­ter­net zur Verfügung ste­hen­den Such­ma­schi­nen zu ein­zel­nen be­trieb­li­chen Pro­blem­stel­lun­gen um­fas­send in­for­mie­ren, oh­ne auf Zu­falls­fun­de in Zeit­schrif­ten oder Zei­tun­gen, ver­al­te­ten Kom­men­tie­run­gen oder länge­re Zeit zurück­lie­gen­den Ge­richts­ent­schei­dun­gen an­ge­wie­sen zu sein (BAG, Be­schluss vom 03.09.2003 – 7 ABR 8/03 – AP 79 zu § 40 Be­trVG 1972 = NZA 2004, 280).

Der er­for­der­li­che Um­fang ei­nes Sach­mit­tels be­stimmt sich nicht aus­sch­ließlich nach dem Aus­stat­tungs­ni­veau des Ar­beit­ge­bers. Dies folgt schon dar­aus, dass die Geschäft­lei­tung ei­nes Be­triebs an­de­re Zie­le ver­folgt als die lau­fen­de Geschäftsführung des Be­triebs­rats. So­weit sich die Auf­ga­ben von Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat je­doch berühren, et­wa bei der be­trieb­li­chen Mit­wir­kung und Mit­be­stim­mung, kann der Ein­satz der mo­der­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel auf Ar­beit­ge­ber­sei­te den er­for­der­li­chen Um­fang der dem Be­triebs­rat zur Verfügung zu stel­len­den Sach­mit­tel be­ein­flus­sen (BAG, Be­schluss vom 03.09.2003 – 7 ABR 8/03 – AP 79 zu § 40 Be­trVG 1972 = NZA 2004, 280).

Ein An­spruch auf Be­reit­stel­lung des In­ter­net­zu­gangs er­gibt sich zu­dem nach der Recht­spre­chung des BAG nicht al­lein schon auf Grund der fort­schrei­ten­den tech­ni­schen Ent­wick­lung und dem all­ge­mei­nen Ver­brei­tungs­grad der Nut­zung des In­ter­nets. Die fort­schrei­ten­de tech­ni­sche Ent­wick­lung und die Üblickeit der Nut­zung tech­ni­scher Mit­tel sei im Rah­men von § 40 Abs. 2 Be­trVG nur von Be­deu­tung, wenn sie sich in den kon­kre­ten be­trieb­li­chen Verhält­nis­sen nie­der­ge­schla­gen ha­be (BAG, Be­schluss vom 03.09.2003 – 7 ABR 8/03 – AP 79 zu § 40 Be­trVG 1972 = NZA 2004, 280; BAG, Be­schluss vom 23.08.2006 – 7 ABR 55/05 – n.v.).

Un­ter Berück­sich­ti­gung der kon­kre­ten be­trieb­li­chen Verhält­nis­se und der sich ihm stel­len­den Auf­ga­ben durf­te der Be­triebs­rat nach die­sen Grundsätzen im vor­lie­gen­den Fall den Zu­gang zum In­ter­net zum Zwe­cke der In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung für er­for­der­lich hal­ten. Je­den­falls be­wegt sich die von ihm ge­trof­fe­ne Ent­schei­dung im Rah­men des ihm zu­ste­hen­den Be­ur­tei­lungs­spiel­raums. Da­bei kommt der Tat­sa­che, dass die Fi­li­al­lei­tung der Nie­der­las­sung nicht über ein In­ter­net­zu­gang verfügt, kei­ne aus­schlag­ge­ben­de Be­deu­tung zu. Eben­so wie ein ent­spre­chen­des Aus­stat­tungs­ni­veau des Ar­beit­ge­bers für sich ge­nom­men kei­nen An­spruch des Be­triebs­rats auf Zur­verfügung­stel­lung ei­nes In­ter­net­zu­gangs be­gründet, schließt um­ge­kehrt auch ein nied­ri­ge­res Aus­stat­tungs­ni­veau des Ar­beit­ge­bers ei­nen sol­chen An­spruch des Be­triebs­rats nicht von vorn­her­ein aus. Für die Er­for­der­lich­keit ei­nes In­ter­net­zu­gangs spricht im vor­lie­gen­den Fall die Tat­sa­che, dass der Ge­samt­be­triebs­rat über ein der­ar­ti­ges Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel verfügt und dass auch die zen­tra­le Ver­wal­tung der Be­tei­lig­ten zu 2) in D-Stadt der­ar­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel nutzt. Zwar ist An­sprech­part­ner des Be­triebs­rats in sei­ner tägli­chen Ar­beit nach Ein­las­sung der Be­tei­lig­ten zu 2) nicht die Ver­wal­tung in D-Stadt, son­dern die Fi­li­al­lei­tung vor Ort. Die Be­tei­lig­te zu 2) macht in­so­weit aber le­dig­lich gel­tend, dass die Fi­li­al­lei­tung den „Kern der Ar­beit­ge­ber­funk­tio­nen im Be­reich der per­so­nel­len und so­zia­len Mit­be­stim­mung“ ausübe. Kon­tak­te der ört­li­chen Be­triebsräte zur Ver­wal­tung in D-Stadt be­ste­hen auch nach der Ein­las­sung der Be­tei­lig­ten zu 2). Hin­zu kommt, dass Ent­schei­dun­gen, die die Un­ter­neh­mens­po­li­tik ins­ge­samt be­tref­fen, of­fen­bar zen­tral in D-Stadt ge­trof­fen wer­den. Das gilt z. B. auch für die im vor­lie­gen­den Fall zu Grun­de lie­gen­de Pro­ble­ma­tik, ob nämlich für Fi­li­al­lei­tung und Be­triebsräte ein In­ter­net­zu­gang be­reit­ge­stellt wer­den soll. Der An­trag­stel­ler durf­te die Stel­lung ei­nes In­ter­net­an­spruchs auch mit Blick auf die Möglich­keit der Kon­takt­auf­nah­me mit an­de­ren Be­triebsräten an­de­rer Fi­lia­len für er­for­der­lich und ge­bo­ten hal­ten. Hin­zu kommt, dass das In­ter­net dem Be­triebs­rat die Möglich­keit gibt, sich lau­fend und ak­tu­ell über ar­beits- und be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Ent­wick­lun­gen in Ge­setz­ge­bung und Recht­spre­chung zu un­ter­rich­ten, auch wenn dies für sich ge­nom­men noch nicht aus­reicht, um die Er­for­der­lich­keit ei­nes In­ter­net­zu­gangs zu be­gründen. Im Ge­gen­satz zu dem Sach­vor­halt, wie er der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 23.08.2006 zu Grun­de lag, verfügt der Be­triebs­rat im vor­lie­gen­den Fall auch nicht et­wa über ei­nen Zu­gang zu ei­nem be­triebs­ei­ge­nen In­tra­net, mit des­sen Hil­fe er sich ent­spre­chen­de In­for­ma­tio­nen ver­schaf­fen könn­te.

Der Be­triebs­rat hat bei sei­ner Ent­schei­dung ei­ne sach­ge­rech­te, nicht zu be­an­stan­den­de Abwägung der Be­lan­ge bei­der Be­triebs­par­tei­en vor­ge­nom­men. Auch die Be­tei­lig­te zu 2) stellt nicht in Ab­re­de, dass durch die Zur­verfügung­stel­lung ei­nes In­ter­net­zu­gan­ges al­len­falls ge­ringfügi­ge Kos­ten ent­ste­hen. Sie be­strei­tet le­dig­lich, dass die­sen ge­ringfügi­gen Kos­ten auf der an­de­ren Sei­te er­heb­li­che Ein­spa­run­gen (z. B. bei der Be­schaf­fung von Fach­li­te­ra­tur) ent­ge­gen­ste­hen. Die Be­tei­lig­te zu 2) kann nicht mit Er­folg gel­tend ma­chen, im Fal­le ei­ner Er­stel­lung ei­nes In­ter­net­zu­gangs für den Be­triebs­rat müsse auch die Fi­li­al­lei­tung ent­spre­chend aus­ge­stat­tet wer­den. Es mag zwar sein, dass die Aus­stat­tung der Fi­li­al­lei­tung mit ei­nem In­ter­net­zu­gang zweckmäßig wäre, und zwar auch oh­ne dass der Be­triebs­rat glei­cher­maßen über ei­ne sol­che tech­ni­sche Ein­rich­tung verfügt. Ein Rechts­an­spruch für die Beschäftig­ten der Fi­li­al­lei­tung ergäbe sich aus der bloßen Tat­sa­che, dass der Be­triebs­rat ei­nen In­ter­net­zu­gang er­hiel­te, aber nicht. Das Un­ter­neh­mens­kon­zept der Be­tei­lig­ten zu 2) würde hier­durch je­den­falls nicht in Fra­ge ge­stellt. Es gibt kei­ne Vor­schrif­ten, auf Grund de­rer das Aus­stat­tungs­ni­veau des Ar­beit­ge­bers durch das Aus­stat­tungs­ni­veau des Be­triebs­rats be­stimmt wird. Eben­so we­nig kann die Be­tei­lig­te zu 2) mit Er­folg auf die Möglich­keit ei­ner miss­bräuch­li­chen Nut­zung des In­ter­nets und das Er­for­der­nis ent­spre­chen­der Kon­trol­len ver­wei­sen. Der­ar­ti­ge Miss­brauchsmöglich­kei­ten be­ste­hen bei al­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln und ge­ne­rell im Rah­men von Ar­beits­verhält­nis­sen, so­weit Ar­beit­neh­mer (und Be­triebsräte) in ir­gend­ei­ner Wei­se in Kon­takt zu Vermögens­wer­ten des Ar­beit­ge­bers tre­ten.

Gründe, die Rechts­be­schwer­de zu­zu­las­sen, lie­gen nicht vor.

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