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LAG Nie­der­sach­sen: In­ter­net­zu­gang für Be­triebs­rat

In­ter­net­zu­gang für den Be­triebs­rat ei­ner Fi­lia­le auch dann, wenn die Fi­li­al­lei­tung vor Ort kei­nen In­ter­net­zu­gang hat: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Be­schluss vom 09.03.2007 - 3 TaBV 47/06

22.07.2007. Der Be­triebs­rat hat ei­nen gest­z­li­chen An­spruch dar­auf, mit den üb­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und In­for­ma­ti­ons­mit­teln aus­ge­stat­tet zu wer­den.

Da­bei heißt "üb­lich" nach der Recht­spre­chung der Ar­beits­ge­rich­te nicht in ers­ter Li­nie "über­all ver­brei­tet", son­dern "be­triebs­üb­lich". Das be­deu­tet, dass der Be­triebs­rat im All­ge­mei­nen nicht mehr an Bü­ro­tech­nik, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik und In­for­ma­ti­ons­mit­teln ver­lan­gen kann, als der Ar­beit­ge­ber selbst für sich bzw. sei­ne Per­so­nal­sach­be­ar­bei­ter zur Ver­fü­gung stellt.

Al­ler­dings kann der Be­triebs­rat ei­ner ört­li­chen Fi­lia­le ei­nen In­ter­net­zu­gang mög­li­cher­wei­se auch dann ver­lan­gen, wenn die Fi­li­al­lei­tung vor Ort kei­nen Zu­gang zum world wi­de web hat - näm­lich dann, wenn die Un­ter­neh­mens­zen­tra­le bzw. die dor­ti­ge Per­so­nal­ab­tei­lung das In­ter­net be­nutzt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Be­schluss vom 09.03.2007, 3 TaBV 47/06.

Internet für den Betriebsrat einer Filiale auch dann, wenn die Filialleitung keinen Internetzugang hat?

§ 40 Abs.2 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) be­stimmt, dass der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat "in er­for­der­li­chem Um­fang" In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik für sei­ne lau­fen­de Geschäftsführung zur Verfügung zu stel­len hat. Hier­un­ter kann auch der Zu­gang des Be­triebs­rats zum In­ter­net gehören.

Al­ler­dings ver­langt das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG), dass der Be­trie­brat, wenn er ei­nen In­ter­net­zu­gang ver­langt, in sei­ner kon­kre­ten All­tags­ar­beit auf ei­nen sol­chen Zu­gang an­ge­wie­sen ist. Es kommt dar­auf an, dass der Be­triebs­rat auf­grund der kon­kre­ten be­trieb­li­chen Verhält­nis­se und mit Blick auf sei­ne ge­setz­li­chen Auf­ga­ben als Be­triebs­rat das In­ter­net als Mit­tel zur In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung für er­for­der­lich hal­ten kann.

Ge­richts­ver­fah­ren, die das Recht des Be­triebs­rats auf ei­nen Zu­gang zum world wi­de web be­tref­fen, können da­her un­ter­schied­lich aus­ge­hen.

So hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt in ei­nem Be­schluss vom 03.09.2003 (AZ: 7 ABR 8/03) zu­guns­ten des Be­triebs­rats ent­schie­den, da in dem strei­ti­gen Be­trieb an mehr als 90 Ar­beitsplätzen be­reits ein Zu­gang zum In­ter­net be­stand und "an­ge­sichts die­ser elek­tro­ni­schen In­fra­struk­tur des Be­triebs" für den strei­ti­gen In­ter­net­zu­gang des Be­triebs­rats kei­ne zusätz­li­chen In­ves­ti­tio­nen oder tech­ni­schen Ein­rich­tun­gen not­wen­dig sei­en.

In ei­nem Be­schluss vom 23.08.2006 (AZ: 7 ABR 55/05) ent­schied das BAG da­ge­gen zu­guns­ten des Ar­beit­ge­bers und wies das Be­geh­ren des Be­triebs­rats auf ei­nen In­ter­net­zu­gang zurück. Hier lag der Fall so, dass der für ei­nen Fi­li­al­be­trieb ei­ner Bau­markt­ket­te zuständi­ge Be­triebs­rat ei­nen In­ter­net­zu­gang in "sei­ner" Fi­lia­le be­an­sprucht hat­te, was das BAG im Hin­blick auf die ge­rin­ge Aus­stat­tung der Fi­lia­le mit EDV-Ar­beitsplätzen und In­ter­net­zugängen zurück­wies. Da­bei lies das BAG aber durch­bli­cken, dass der Be­triebs­rat kon­kre­te­re An­ga­ben zu der Not­wen­dig­keit ei­nes In­ter­net­zu­gangs für die Erfüllung sei­ner Ar­beits­auf­ga­ben hätte ma­chen sol­len.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen hat­te jetzt zu ent­schei­den, ob der für ei­nen Fi­li­al­be­trieb zuständi­ge Be­triebs­rat ei­nes bun­des­weit täti­gen Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­mens ei­nen In­ter­net­zu­gang auch dann be­an­spru­chen kann, wenn die ört­li­che Fi­li­al­lei­tung kei­nen sol­chen Zu­gang hat.

Der Streitfall: Hamburger Unternehmenszentrale nutzt das Internet, die örtliche Filialleitung nicht, und an dieser soll sich der Betriebsrat orientieren

In dem vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen ent­schie­de­nen Fall steu­er­te die Un­ter­neh­mens­zen­tra­le in Ham­burg al­le we­sent­li­chen Per­so­nal­fra­gen und ist da­her oft An­sprech­part­ner der Be­triebsräte, die vor Ort in den 260 deutsch­land­weit er­rich­te­ten Fi­lia­len ihr Amt ausüben.

In den Fi­lia­len gab es zwar EDV-Ar­beitsplätze, doch wa­ren die­se nicht mit ei­nem Zu­gang zum In­ter­net aus­ge­stat­tet. So war es auch in der Fi­lia­le, de­ren Be­triebs­rat für sich ei­nen In­ter­net­zu­gang ver­lang­te.

Da­bei ver­wies der Be­triebs­rat auf die Not­wen­dig­keit, re­gelmäßig mit der Ham­bur­ger Un­ter­neh­mens­zen­tra­le bzw. der dor­ti­gen Per­so­nal­ab­tei­lung zu kom­mu­ni­zie­ren; die­se ha­be aber ei­nen In­ter­net­zu­gang. Außer­dem ar­gu­men­tier­te der Be­triebs­rat da­mit, dass er mit Hil­fe des In­ter­net ak­tu­el­le In­for­ma­tio­nen des Ge­wer­be­auf­sichts­am­tes, des In­te­gra­ti­ons­am­tes oder der Be­rufs­ge­nos­sen­schaft re­cher­chie­ren könne.

Der Ar­beit­ge­ber wand­te da­ge­gen ein, dass auch die ört­li­che Geschäfts­lei­tung kei­nen sol­chen Zu­gang hätte. Würde man da­her dem Be­triebs­rat ei­nen sol­chen Zu­gang eröff­nen, müss­te man auch den Geschäfts­lei­tun­gen in al­len 260 Fi­lia­len ei­nen Zu­gang zu­ge­ste­hen, was mit er­heb­li­chen Kos­ten ver­bun­den wäre. Außer­dem sei mit ei­ner In­ter­net­ver­bin­dung im­mer die Ge­fahr des Miss­brauchs ver­bun­den.

Das Ar­beits­ge­richt gab dem Be­triebs­rat Recht. Der Ar­beit­ge­ber leg­te dar­auf­hin Be­schwer­de zum Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen ein.

LAG Niedersachsen: Filial-Betriebsrat kann einen Zugang zum Internet verlangen

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen ent­schied eben­falls zu­guns­ten des Be­triebs­rats. Zur Be­gründung heißt es:

Der Ar­beit­ge­ber könne sein un­ter­neh­me­ri­sches Kon­zept, die Fi­lia­len im all­ge­mei­nen nicht mit In­ter­net­zugängen aus­zu­stat­ten, auch dann auf­recht­er­hal­ten, wenn er dem Wun­sche des Be­triebs­rats nach ei­nem In­ter­net­zu­gang nach­kom­me.

Ins­be­son­de­re zwingt nach An­sicht des LAG die Aus­stat­tung des Be­triebs­ratsbüros mit ei­nem In­ter­net­zu­gang nicht zu ei­ner glei­chen Aus­stat­tung sämt­li­cher Fi­lia­len bzw. der dor­ti­gen Lei­terbüros, da das Ni­veau der tech­ni­schen Aus­stat­tung der Fi­li­al­lei­tun­gen nicht durch das Ni­veau der Aus­stat­tung des Be­triebs­rats be­stimmt wer­de. Der Hin­weis des Ar­beit­ge­bers auf die Möglich­keit des Miss­brauchs ei­ner In­ter­net­ver­bin­dung über­zeug­te das LAG eben­falls nicht, da Miss­brauchsmöglich­kei­ten bei al­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln ge­ge­ben sei­en.

Fa­zit: Auf­grund der von Fall zu Fall schwan­ken­den Recht­spre­chung des BAG ist Be­triebsräten zu emp­feh­len, ih­re For­de­rung nach ei­nem In­ter­net­zu­gang an­hand ih­rer kon­kre­ten Ar­beits­abläufe zu be­gründen, d.h. die Häufig­keit der In­for­ma­ti­ons­ge­win­nung mit Hil­fe des In­ter­nets zur Bewälti­gung der alltägli­chen Auf­ga­ben des Be­triebs­rats möglichst ge­nau zu do­ku­men­tie­ren und ggf. in ei­nem ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss­ver­fah­ren vor­zu­tra­gen. Dann be­ste­hen an­ge­sichts im­mer wei­ter sin­ken­der Kos­ten für ei­nen In­ter­net­zu­gang gu­te Chan­cen für den Be­triebs­rat, die­sen Wunsch zu rea­li­sie­ren.

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Letzte Überarbeitung: 8. September 2016

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