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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Kündigung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Nürnberg
Akten­zeichen: 7 Sa 521/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 25.01.2011
   
Leit­sätze: Kündigt der Ar­beit­ge­ber das Ar­beits­verhält­nis or­dent­lich oder außer­or­dent­lich, ist der Ar­beit­neh­mer un­abhängig von der Fra­ge, ob die Kündi­gung wirk­sam ist, auf Ver­lan­gen des Ar­beit­ge­bers zur Her­aus­ga­be des ihm über­las­se­nen PKW ver­pflich­tet. Et­was an­de­res gilt - in An­leh­nung an den An­spruch auf tatsächli­che Beschäfti­gung - nur dann, wenn die Kündi­gung of­fen­sicht­lich un­wirk­sam ist. Ver­wei­gert der Ar­beit­neh­mer die Her­aus­ga­be des Fahr­zeugs, kann dies ei­nen Grund für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung dar­stel­len. Im Ein­zel­fall kann ei­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung ge­bo­ten sein.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bayreuth, Urteil vom 13.04.2010, 3 Ca 1540/09
   

7 Sa 521/10
3 Ca 1540/09
(Ar­beits­ge­richt Bay­reuth) ...

Verkündet am: 25.01.2011


...

Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le


Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg

Im Na­men des Vol­kes

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

Dr. H... S...


- Kläger und Be­ru­fungs­be­klag­ter -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te/r:
Rechts­an­walt K... D...

ge­gen

Fir­ma T... K... GmbH,
ver­tre­ten durch die Geschäftsführer R... T... und M... T...


- Be­klag­te und Be­ru­fungskläge­rin -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te/r: Syn­di­zi H... und Kol­le­gen,
 


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hat die 7. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nürn­berg auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 25. Ja­nu­ar 2011 durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt Weißen­fels und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Rieg­ler und Brat­kow­ski

für Recht er­kannt:

1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Teil­ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bay­reuth vom 13.04.2010 wird kos­ten­pflich­tig zurück-ge­wie­sen.

2. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten um die Wirk­sam­keit ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung.

Der Kläger trat zum 01.08.2003 bei der Be­klag­ten als kaufmänni­scher Lei­ter ein. Dem Ar­beits­verhält­nis lag ein schrift­li­cher Dienst­ver­trag vom 10.06.2003 zu­grun­de. Zif­fer 2 Ab­satz 7 des Dienst­ver­trags lau­tet:

„Hin­sicht­lich . . . und ei­nes zur Verfügung ge­stell­ten Fir­men-PKWs . . . gel­ten die fir­men­in­ter­nen Re­ge­lun­gen, bzw. der ge­son­der­te KFZ-Nut­zungs­ver­trag.“

Nach Zif­fer 2.1 der Dienst­wa­gen­re­ge­lung der Be­klag­ten vom Ja­nu­ar 2007 kann das Fahr­zeug in an­ge­mes­se­nem Um­fang auch pri­vat ge­nutzt wer­den, so­weit dienst­li­che Be­lan­ge dem nicht ent­ge­gen­ste­hen. Un­ter 8.4 der Dienst­wa­gen­re­ge­lung heißt es:

„In je­dem Fall ist das Fahr­zeug inkl. al­ler da­zu­gehören­den Pa­pie­re so­wie des Zu­behörs spätes­tens mit Ab­lauf des An­stel­lungs­verhält­nis­ses des Mit­ar­bei­ters an die T... K... GmbH zurück­zu­ge­ben. So­fern ei-
 


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ne Frei­stel­lung mit der Ver­trags­auflösung ver­bun­den ist, muss das Fahr­zeug mit Be­ginn der Frei­stel­lung entschädi­gungs­los ab­ge­ge­ben wer­den. Ge­gen den Her­aus­ga­be­an­spruch steht dem Nut­zer in kei­nem Fal­le ein Zurück­be­hal­tungs­recht zu.“

Ein Ex­em­plar der Dienst­wa­gen­re­ge­lung ist vom Kläger un­ter­schrie­ben.

Ein for­mu­larmäßiger Kfz-Über­las­sungs­ver­trag vom Mai 2007 enthält fol­gen­de Re­ge­lun­gen:

„1. Der PKW wird dem Mit­ar­bei­ter zur dienst­li­chen Nut­zung über­las­sen. Pri­va­te Nut­zung im Rah­men des übli­chen ist ge­stat­tet.
. . .
9. Die Fahr­zeugüber­las­sung kann von der Fir­ma je­der­zeit wi­der­ru­fen wer­den. Sie en­det ins­be­son­de­re au­to­ma­tisch und oh­ne Aus­spruch ei­ner Kündi­gung mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses. Der Mit­ar­bei­ter ist ver­pflich­tet, im Fal­le ei­ner Kündi­gung oder Frei­stel­lung das Fahr­zeug um­ge­hend am Be­triebs­sitz zu-rück­zu­ge­ben und mit al­len Zu­behörtei­len zur Verfügung zu stel­len.“

Ein Ver­trags­ex­em­plar wur­de sei­tens der Be­klag­ten un­ter­zeich­net, der Kläger hat dar­auf nicht un­ter­schrie­ben.

Mit Schrei­ben vom 09.11.2009 kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis frist­los, hilfs­wei­se or­dent­lich zum 31.05.2010. Das Kündi­gungs­schrei­ben wur­de dem Kläger am 09.11.2009 von Herrn L... und Frau D...-K... persönlich in sei­nem Büro über­ge­ben. Der Kläger wur­de von Herrn L... auf­ge­for­dert, die Fahr­zeug­schlüssel her­aus­zu­ge­ben, was der Kläger ver­wei­ger­te. Nach ei­ni­gem Hin- und Her ließ Herr L... den Kläger mit dem Fahr­zug vom Hof fah­ren.

In ei­nem Schrei­ben vom 10.11.2009 for­der­te die Be­klag­te den Kläger auf, das Fahr­zeug un­verzüglich auf dem Fir­men­gelände ab­zu­ge­ben. Gleich­zei­tig teil­te sie mit, dass dies auch für das rest­li­che Fir­men­ei­gen­tum gel­te. Die Be­klag­te setz­te ei­ne „letz­te Frist“ bis 11.11.2009, 16.00 Uhr. Für den Fall, dass der Kläger die­se Frist nicht ein­hal­te, kündig­te die Be­klag­te ei­ne Straf­an­zei­ge an.


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Herr L... teil­te dem Pro­zess­ver­tre­ter des Klägers am 11.11.2009 te­le­fo­nisch mit, es ge­be ei­ne un­ter­schrie­be­ne Dienst­wa­gen­re­ge­lung, auf­grund de­rer der Kläger zur Rück­ga­be des Fahr­zeu­ges ver­pflich­tet sei. Auf Bit­te des Pro­zess­ver­tre­ters über­mit­tel­te Herr L... die­sem am sel­ben Tag per Fax ei­ne Dienst­wa­gen­re­ge­lung Stand 11-2008 so­wie das Schrei­ben vom 10.11.2009.

Der Kläger er­hob ge­gen die Kündi­gun­gen vom 09.11.2009 am 12.11.2009 die vor­lie­gen­de Kündi­gungs­schutz­kla­ge. Die Kla­ge­schrift enthält in An­trag III ei­nen all­ge­mei­nen Fest­stel­lungs­an­trag.

Mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom sel­ben Tag bat der Kläger die Be­klag­te um „un­verzügli­che Mit­tei­lung der Kündi­gungs­gründe“. Gleich­zei­tig bat er um die kurz­fris­ti­ge Über­las­sung des un­ter­schrie­be­nen Kfz-Nut­zungs­ver­trags. Un­ter Hin­weis dar­auf, dass ei­ne der­ar­ti­ge Ver­ein­ba­rung von ihm nicht un­ter­schrie­ben wor­den sei, teil­te der Kläger mit, ei­ne Rück­ga­be­ver­pflich­tung be­ste­he nicht.

In ei­nem Te­le­fo­nat mit dem Pro­zess­ver­tre­ter des Klägers am 12.11.2009 erklärte der Pro­zess­ver­tre­ter der Be­klag­ten, der Kläger müsse we­gen der Ver­wei­ge­rung der Kfz-Rück­ga­be mit ei­ner wei­te­ren frist­lo­sen Kündi­gung rech­nen.

Der Kläger gab am 12.11.2009 Black­ber­ry, Han­dy und ei­ne Ar­beits­be­schei­ni­gung in der Pfor­te der Be­klag­ten ab.

Das Fahr­zeug gab er nicht zurück. Es war bis 16.12.2009 in sei­nem Be­sitz.

Die Be­klag­te kündig­te mit Schrei­ben vom 24.11.2009 das Ar­beits­verhält­nis frist­los, hilfs­wei­se or­dent­lich zum 31.05.2010. Mit Schrift­satz vom 28.02.2010, der am 01.03.2010 beim Ar­beits­ge­richt Bay­reuth ein­ging, er­wei­ter­te der Kläger den An­trag III um die Fest­stel­lung, dass das Ar­beits­verhält­nis auch nicht durch die Kündi­gung vom 24.11.2009 auf­gelöst wor­den sei.

Die Be­klag­te stütz­te die außer­or­dent­li­che Kündi­gung vom 09.11.2009 auf ih­rer An­sicht nach be­ste­hen­de schwer­wie­gen­de Versäum­nis­se des Klägers als kaufmänni­scher Lei­ter im Hin­blick auf ein stra­te­gi­sches In­ves­ti­ti­ons­pro­jekt.


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Das Ar­beits­ge­richt Bay­reuth stell­te mit Teil­ur­teil vom 13.04.2010 fest, dass das Ar­beits­verhält­nis we­der durch die außer­or­dent­li­che Kündi­gung vom 09.11.2009 noch durch die außer­or­dent­li­che Kündi­gung vom 24.11.2009 auf­gelöst wor­den sei, son­dern zu­min­dest bis 16.03.2010 fort­be­stan­den ha­be.

Das Ur­teil wur­de der Be­klag­ten am 18.06.2010 zu­ge­stellt.

Die Be­klag­te leg­te ge­gen das Ur­teil am 12.07.2010 Be­ru­fung ein, so­weit dar­in die Un­wirk­sam­keit der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung vom 24.11.2009 fest­ge­stellt wur­de, und be­gründe­te sie am 06.08.2010.

Die Be­klag­te trägt vor, dem Kläger sei am 05.06.2007 ein Kfz-Über­las­sungs­ver­trag mit an­lie­gen­der Dienst­wa­gen­re­ge­lung vor­ge­legt wor­den. Der Kläger ha­be zwar (nur) auf der Dienst­wa­gen­re­ge­lung un­ter­schrie­ben. Er ha­be aber mit sei­ner Un­ter­schrift die Re­ge­lun­gen des Kfz-Über­las­sungs­ver­trags wie auch die Dienst­wa­gen­re­ge­lung zur Kennt­nis ge­nom­men. Er ha­be so­mit auch die bei Frei­stel­lung/Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses be­ste­hen­de Re­ge­lung der zwin­gen­den Rück­ga­be des Dienst­fahr­zeu­ges ge­kannt und die­se ak­zep­tiert.

Die Be­klag­te führt aus, der Kläger ha­be Herrn L... am 09.11.2009 ver­si­chert, er wer­de das Fahr­zeug am nächs­ten Tag zu­verlässig zurück­brin­gen. Sie macht gel­tend, der Kläger ha­be ihr das Fahr­zeug un­ter vorsätz­li­cher Miss­ach­tung der Her­aus­ga­be­pflicht vor­ent­hal­ten. Mit ei­ner Bil­li­gung die­ses Ver­hal­tens durch sie, die Be­klag­te, ha­be er von vorn­her­ein nicht rech­nen können, wes­halb ei­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung nicht ge­bo­ten sei. Der Kläger müsse spätes­tens durch die frist­lo­se Kündi­gung vom 09.11.2009 er­kannt ha­ben, dass er sich kor­rekt zu ver­hal­ten ha­be. Darüber hin­aus sei ei­ne Ab­mah­nung ge­genüber dem Pro­zess­ver­tre­ter des Klägers er­folgt.

Die Be­klag­te be­an­tragt:

1. Das Teil­ur­teil vom 13.04.2010 des Ar­beits­ge­richts Bay­reuth, Az. 3 Ca 1540/09, wird ab­geändert.

2. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en durch die außer­or­dent­li­che Kündi­gung vom 24.11.2009 be­en­det wur­de.


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Der Kläger be­an­tragt:

1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Teil­ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bay­reuth vom 13.04.2010 wird auf Kos­ten der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen.

2. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

Der Kläger trägt vor, er ha­be nie­mals be­haup­tet, er würde das Dienst­fahr­zeug nicht zurück­ge­ben. Er ha­be viel­mehr im­mer be­tont, dass er dies selbst­verständ­lich so­fort tun wer­de, wenn es ei­ne ihm auf­ge­zeig­te Rechts­grund­la­ge, z.B. ein gülti­ges Ver­trags­werk ge­be.

Ei­ne Be­weis­auf­nah­me hat nicht statt­ge­fun­den.

Ent­schei­dungs­gründe:

Die Be­ru­fung ist zulässig. Sie ist statt­haft, § 64 Ab­satz 1und Ab­satz 2 c) ArbGG, so­wie form- und frist­ge­recht ein­ge­legt wor­den, § 66 Ab­satz 1 Satz 1und 2 ArbGG.

Die Be­ru­fung ist un­be­gründet.

Das Erst­ge­richt ist zu Recht zu dem Er­geb­nis ge­kom­men, dass die außer­or­dent­li­che Kündi­gung vom 24.11.2009 das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en nicht be­en­det hat.

Der Kläger hat die Drei­wo­chen­frist zur Kla­ge­er­he­bung ge­wahrt, §§ 4, 13 Ab­satz 1 Satz 2, 7 KSchG.

Der Kläger hat zwar erst nach Ab­lauf der Frist, nämlich mit Schrift­satz vom 28.02.2010
 


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sei durch die Kündi­gung vom 24.11.2009 nicht be­en­det wor­den. Die Drei­wo­chen­frist ist in­des durch den all­ge­mei­nen Fest­stel­lungs­an­trag vom 12.11.2009 ge­wahrt wor­den.

Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann ein Ar­beit­neh­mer ne­ben der nach § 4 KSchG ge­gen ei­ne Kündi­gung ge­rich­te­ten Kla­ge ei­ne all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge nach § 256 ZPO auf Fest­stel­lung des Fort­be­stands des Ar­beits­verhält­nis­ses zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen über den Kündi­gungs­end­ter­min hin­aus er­he­ben und da­mit zwei selbständi­ge pro­zes­sua­le Ansprüche gel­tend ma­chen. Bei ei­ner zulässi­gen all­ge­mei­nen Fest­stel­lungs­kla­ge nach § 256 ZPO wird nach die­ser Recht­spre­chung der Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses, und zwar un­ter Ein­be­zie­hung even­tu­el­ler Kündi­gun­gen, ge­prüft; es sei­en des­halb al­le nach dem Vor­trag der Par­tei­en in Be­tracht kom­men­den Be­en­di­gungs­gründe zu erörtern. Bei der Fra­ge, ob sich ein all­ge­mei­ner Fest­stel­lungs­an­trag auf ei­nen be­stimm­ten Be­en­di­gungs­tat­be­stand be­zie­he oder nicht, sei ent­schei­dend zu berück­sich­ti­gen, ob für den Ar­beit­ge­ber hin­rei­chend er­kenn­bar wer­de, dass der Ar­beit­neh­mer je­den Be­en­di­gungs­tat­be­stand an­grei­fen wol­le. Durch die Frist des § 4 KSchG sol­le si­cher ge­stellt wer­den, dass der Ar­beit­ge­ber, wenn er nicht als­bald nach Ab­lauf von drei Wo­chen nach Zu­gang der Kündi­gung ei­ne ge­gen die­se Kündi­gung ge­rich­te­te Kla­ge er­hal­te, auf die Recht­fer­ti­gung der Kündi­gung im Um­fang der Fik­ti­ons­wir­kung des § 7 KSchG ver­trau­en könne. Sei durch ei­ne Kla­ge­er­he­bung si­cher­ge­stellt, dass der Ar­beit­ge­ber un­ter Wah­rung der Frist des § 4 KSchG ge­warnt sei, so sei die Funk­ti­on der Norm erfüllt (vgl. Bun­des­ar­beits­ge­richt - 12.05.2005 - 2 AZR 426/04 = AP Nr. 53 zu § 4 KSchG 1969 und NZA 2005/1259).

Aus die­sem Grund wahrt ein all­ge­mei­ner Fest­stel­lungs­an­trag die Frist des § 4 KSchG auch hin­sicht­lich wei­te­rer, noch nicht aus­ge­spro­che­ner Kündi­gun­gen, wenn der Kläger da­mit zum Aus­druck brin­gen will, er sei mit kei­nem Be­en­di­gungs­tat­be­stand ein­ver­stan­den.

Das er­ken­nen­de Ge­richt hat bezüglich die­ser Recht­spre­chung zwar recht­li­che Be­den­ken, weil die Recht­spre­chung auf ei­ne Vor­rats­kla­ge hin­ausläuft, die in der Zi­vil­pro­zess­ord­nung kei­ne Stütze fin­det, folgt ihr in­des gleich­wohl, um die Par­tei­en nicht in unnöti­ge Rechts­mit­tel zu zwin­gen. Ins­be­son­de­re ist nicht da­mit zu rech­nen, dass das Bun­des­ar­beits­ge­richt sei­ne ge­fes­tig­te Recht­spre­chung ändern wird.


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Ge­mes­sen an den vom Bun­des­ar­beits­ge­richt auf­ge­stell­ten Kri­te­ri­en hat der Kläger mit dem all­ge­mei­nen Fest­stel­lungs­an­trag die Drei­wo­chen­frist ge­wahrt. Aus dem An­trag selbst er­gibt sich, dass der Kläger sich ge­gen je­den Be­en­di­gungs­tat­be­stand wen­den will.

Die außer­or­dent­li­che Kündi­gung ist un­wirk­sam.

Gemäß § 626 BGB kann das Ar­beits­verhält­nis aus wich­ti­gem Grund oh­ne Ein­hal­tung ei­ner Kündi­gungs­frist gekündigt wer­den, wenn Tat­sa­chen vor­lie­gen, auf­grund de­rer dem Kündi­gen­den un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann. Das Ge­setz kennt kei­ne „ab­so­lu­ten“ Kündi­gungs­gründe. Viel­mehr ist je­der Ein­zel­fall ge­son­dert zu be­ur­tei­len. Dafür ist nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, der das er­ken­nen­de Ge­richt folgt, zunächst zu prüfen, ob der Sach­ver­halt oh­ne sei­ne be­son­de­ren Umstände „an sich“, d.h. ty­pi­scher­wei­se als wich­ti­ger Grund ge­eig­net ist. Als­dann be­darf es der wei­te­ren Prüfung, ob dem Kündi­gen­den die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses un­ter Berück­sich­ti­gung der kon­kre­ten Umstände des Falls und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le - je­den­falls bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist - zu­mut­bar ist oder nicht (vgl. Bun­des­ar­beits­ge­richt – Ur­teil vom 10.06.2010 - 2 AZR 541/09 = NZA 2010/1227 und DB 2010/2395).

Die Be­klag­te stützt die außer­or­dent­li­che Kündi­gung dar­auf, der Kläger ha­be das ihm über­las­se­ne Fahr­zeug ent­ge­gen ih­rem Her­aus­ga­be­ver­lan­gen nicht her­aus­ge­ge­ben, son­dern wei­ter ge­nutzt. Die­ser Sach­ver­halt ist un­strei­tig.

Die un­be­fug­te Nut­zung ei­nes dem Ar­beit­ge­ber gehören­den PKW stellt an sich ei­nen Grund für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses dar.

Es ist der Be­klag­ten dar­in zu­zu­stim­men, dass die un­be­fug­te Nut­zung ei­nes Kraft­fahr­zeugs ei­ne Straf­tat dar­stellt, nämlich nach § 248b StGB. Ins­be­son­de­re erfüllt auch der­je­ni­ge, der das Fahr­zeug, wie hier, zunächst be­fugt in Ge­brauch nimmt und es später ge­gen den Wil­len des Ei­gentümers (oder des an sei­ner Stel­le Be­rech­tig­ten) un­be­fugt wei­ter nutzt, den ob­jek­ti­ven Tat­be­stand der zi­tier­ten Vor­schrift.


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Ein Ar­beit­neh­mer, der ent­ge­gen dem Ver­lan­gen des Ar­beit­ge­bers ein ihm über­las­se­nes Fahr­zeug nicht zurück­gibt, ver­letzt die In­te­grität von Ei­gen­tum und Vermögen sei­nes Ar­beit­ge­bers und zeigt da­mit ein Ver­hal­ten, das ge­eig­net ist, die Zu­mut­bar­keit sei­ner Wei­ter­beschäfti­gung in Fra­ge zu stel­len.

Dies gilt je­den­falls dann, wenn der Ar­beit­neh­mer ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber kein Recht zum Be­sitz hat, son­dern ver­pflich­tet ist, das Fahr­zeug her­aus­zu­ge­ben.

Dies ist vor­lie­gend der Fall.

Der Kläger war nach Er­halt der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung vom 09.11.2009 ver­pflich­tet, dem Ver­lan­gen der Be­klag­ten nach­zu­kom­men und das Fahr­zeug her­aus­zu­ge­ben.

Der Ar­beit­neh­mer, dem vom Ar­beit­ge­ber ein Fahr­zeug über­las­sen wor­den ist, steht, je­den­falls wenn hier­auf ein ver­trag­li­cher An­spruch be­steht, ge­genüber dem Her­aus­ga­be­ver­lan­gen des Ar­beit­ge­bers ein Recht zum Be­sitz zu, das ei­ne Ein­wen­dung be­gründet. Das Recht zum Be­sitz en­det in­des wie die Lohn­zah­lungs­pflicht oder der Beschäfti­gungs­an­spruch re­gelmäßig dann, wenn das Ar­beits­verhält­nis be­en­det wird. Grundsätz­lich ist der Ar­beit­neh­mer ver­pflich­tet, bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses die dem Ar­beit­ge­ber zu­ste­hen­den Ge­genstände, sei es nun Ei­gen­tum oder Lea­sing­gut, al­so auch das Dienst­fahr­zeug her­aus­zu­ge­ben. Al­ler­dings steht ge­ra­de beim Aus­spruch ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung nicht mit Si­cher­heit fest, ob das Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung recht­lich auf­gelöst wur­de, ins­be­son­de­re ob für die Kündi­gung ein wich­ti­ger Grund im Sin­ne des § 626 Ab­satz 1 BGB vor­ge­le­gen hat. Darüber be­steht frühes­tens mit Er­lass ei­nes der Kündi­gungs­schutz­kla­ge statt­ge­ben­den Ur­teils Klar­heit. Auf­grund der Un­ge­wiss­heit über den Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses, die durch die außer­or­dent­li­che Kündi­gung be­gründet wird, be­steht zunächst grundsätz­lich ein Her­aus­ga­be­an­spruch des Ar­beit­ge­bers an dem Fir­men­fahr­zeug un­ge­ach­tet der Fra­ge, ob die Kündi­gung wirk­sam ist oder nicht. In­so­weit ist das Recht zum Be­sitz nicht an­ders zu be­ur­tei­len als Vergütungs­ansprüche oder ein Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch, die eben­falls da­von abhängen, ob das Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung be­en­det wur­de.

Et­was an­de­res kann – wie beim Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch - nur gel­ten, wenn die be­tref­fen­de Kündi­gung of­fen­sicht­lich un­wirk­sam ist. Ist die Kündi­gung of­fen­sicht­lich un­wirk­sam, be­steht ei­ne ho­he Wahr­schein­lich­keit dafür, dass der Kläger im Pro­zess ob­siegt
 


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und er des­we­gen seit dem tatsächli­chen Aus­schei­den aus dem Ar­beits­verhält­nis ei­nen An­spruch dar­auf hat­te und künf­tig ha­ben wird, dass ihm das Fahr­zeug wei­ter zur Verfügung ge­stellt wird. In die­sem Fal­le kann das In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an der tatsächli­chen Nut­zung über­wie­gen (vgl. hier­zu Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm - Ur­teil vom 09.11.2010 - 12 Sa 1376/10).

Of­fen­sicht­lich un­wirk­sam ist ei­ne Kündi­gung dann, wenn sie oh­ne nähe­re Prüfung und Wer­tung den Ma­kel der Un­wirk­sam­keit auf der Stirn trägt. Dies ist bei­spiels­wei­se der Fall, wenn ei­ne Kündi­gung un­strei­tig oh­ne die er­for­der­li­che behörd­li­che Ge­neh­mi­gung, z.B. bei der Kündi­gung ei­nes schwer­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mers, erklärt wor­den ist oder nicht heil-ba­re for­mel­le Feh­ler, z.B. feh­len­de Schrift­form, vor­lie­gen. Lie­gen der­ar­ti­ge Un­wirk­sam­keits­gründe vor, gibt es kei­nen Spiel­raum hin­sicht­lich der Fra­ge der Wirk­sam­keit der be­tref­fen­den Kündi­gung. Ob das Ver­hal­ten, das für den Ar­beit­ge­ber aus­schlag­ge­bend war, ei­nen wich­ti­gen Grund für ei­ne frist­lo­se Kündi­gung dar­stellt, un­ter­liegt hin­ge­gen ei­ner Wer­tung im Rah­men des § 626 Ab­satz 1 BGB.

Die außer­or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 09.11.2009 war nicht of­fen­sicht­lich un­wirk­sam in die­sem Sin­ne. Die Be­klag­te hat die Kündi­gung auf ih­rer An­sicht nach be­ste­hen­de schwer­wie­gen­de Versäum­nis­se des Klägers als kaufmänni­scher Lei­ter im Hin-blick auf ein stra­te­gi­sches In­ves­ti­ti­ons­pro­jekt gestützt. Schlecht­leis­tun­gen können zwar in al­ler Re­gel le­dig­lich den Aus­spruch ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung recht­fer­ti­gen und dies auch erst dann, wenn ei­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung er­folg­los ge­blie­ben ist. Aus­ge­schlos­sen ist ei­ne der­ar­ti­ge außer­or­dent­li­che Kündi­gung oh­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung in­des nicht (vgl. hier­zu KR, 9. Auf­la­ge, Rd­nr. 442 zu § 626 BGB).

Die Wei­ge­rung des Klägers, das Fahr­zeug her­aus­zu­ge­ben, stellt da­her ei­ne Ver­let­zung der dem Kläger ob­lie­gen­den ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten dar.

Et­was an­de­res er­gibt sich nicht dar­aus, dass nun­mehr rechts­kräftig fest­ge­stellt ist, dass die außer­or­dent­li­che Kündi­gung vom 09.11.2009 das Ar­beits­verhält­nis nicht be­en­det hat. Maßge­bend ist viel­mehr, wie sich die Rechts­la­ge zum Zeit­punkt des Her­aus­ga­be­ver­lan­gens dar­stell­te.

Gleich­wohl ist die außer­or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 24.11.2009 nicht wirk-
 


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Bei der Prüfung, ob dem Ar­beit­ge­ber ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers trotz Vor­lie­gens ei­ner er­heb­li­chen Pflicht­ver­let­zung je­den­falls bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist zu­mut­bar ist, ist in ei­ner Ge­samtwürdi­gung das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der so­for­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­gen das In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an des­sen Fort­be­stand ab­zuwägen. Es hat ei­ne Be­wer­tung des Ein­zel­falls un­ter Be­ach­tung des Verhält­nismäßig­keits­grund­sat­zes zu er­fol­gen. Die Umstände, an­hand de­rer zu be­ur­tei­len ist, ob dem Ar­beit­ge­ber die Wei­ter­beschäfti­gung zu­mut­bar ist oder nicht, las­sen sich nicht ab­sch­ließend fest­le­gen. Zu berück­sich­ti­gen sind aber re­gelmäßig das Ge­wicht und die Aus­wir­kun­gen ei­ner Ver­trags­pflicht­ver­let­zung - et­wa im Hin­blick auf das Maß ei­nes durch sie be­wirk­ten Ver­trau­ens­ver­lusts und ih­re wirt­schaft­li­chen Fol­gen -, der Grad des Ver­schul­dens des Ar­beit­neh­mers, ei­ne mögli­che Wie­der­ho­lungs­ge­fahr so­wie die Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses und des­sen störungs­frei­er Ver­lauf.

Ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung kommt nur in Be­tracht, wenn es kei­nen an­ge­mes­se­nen Weg gibt, das Ar­beits­verhält­nis fort­zu­set­zen, weil dem Ar­beit­ge­ber sämt­li­che mil­de­ren Re­ak­ti­onsmöglich­kei­ten un­zu­mut­bar sind.

Als mil­de­re Re­ak­tio­nen sind ins­be­son­de­re Ab­mah­nung und or­dent­li­che Kündi­gung an­zu­se­hen. Sie sind dann al­ter­na­ti­ve Ge­stal­tungs­mit­tel, wenn schon sie ge­eig­net sind, den mit der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung ver­folg­ten Zweck - die Ver­mei­dung des Ri­si­kos künf­ti­ger Störun­gen - zu er­rei­chen.

Vor­lie­gend hätte die Be­klag­te den Kläger ab­mah­nen müssen.

Der Kläger hat sich seit dem Her­aus­ga­be­ver­lan­gen der Be­klag­ten dar­auf be­ru­fen, nicht zur Rück­ga­be des Fahr­zeugs ver­pflich­tet zu sein, weil er ei­ne ent­spre­chen­de ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung nicht un­ter­zeich­net ha­be. Ei­ne der­ar­ti­ge Ver­ein­ba­rung liegt auch tatsächlich nicht vor. Die Be­klag­te macht zwar gel­tend, der Kläger ha­be, in­dem er die Dienst­wa­gen­re­ge­lung un­ter­zeich­net ha­be, auch die Re­ge­lun­gen im Kfz-Über­las­sungs­ver­trag an­er­kannt. Die­ser Schluss ist in­des nicht zwin­gend.

Die Re­ge­lungs­wer­ke sind nicht ein­heit­lich. So heißt es un­ter 8.4 der Dienst­wa­gen­re­ge­lung, das Fahr­zeug sei spätes­tens mit Ab­lauf des An­stel­lungs­verhält­nis­ses an die Be­klag­te zurück­zu­ge­ben. Ob das Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung vom 09.11.2009 be­en­det wur­de, war in­des ge­ra­de strei­tig. Da­ge­gen ist nach Zif­fer 9 des Kfz-Über­las­sungs-


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ver­trags das Fahr­zeug be­reits im Fal­le ei­ner Kündi­gung um­ge­hend am Be­triebs­sitz zurück­zu­ge­ben. Nach die­ser Re­ge­lung wird die Rück­ga­be­pflicht be­reits mit dem Aus­spruch ei­ner Kündi­gung aus­gelöst. Wenn der Kläger auf­grund die­ser Umstände nicht da­von aus­ging, die Be­klag­te sei be­rech­tigt, von ihm die Her­aus­ga­be des PKW zu ver­lan­gen, so liegt dar­in ein Um­stand, der bei der Würdi­gung, ob die Kündi­gung be­rech­tigt war, zu­guns­ten des Klägers zu be­ach­ten ist. Dies gilt um­so mehr, als der Kläger sich um­ge­hend von ei­nem Rechts­an­walt be­ra­ten ließ und die­ser, wie von der Be­klag­ten nicht be­strit­ten wird, beim Ar­beits­ge­richt Bay­reuth ei­ne Schutz­schrift ge­gen ei­nen et­wai­gen An­trag auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung der Be­klag­ten auf Her­aus­ga­be des Fahr­zeugs ein­reich­te.

Der Kläger war, hier­von muss aus­ge­gan­gen wer­den, fest da­von über­zeugt, er ha­be trotz der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung vom 09.11.2009 wei­ter­hin ei­nen An­spruch auf die Nut­zung des Fahr­zeugs, weil die Kündi­gung aus sei­ner Sicht un­wirk­sam war. Dies be­deu­tet, dass die Wei­ge­rung des Klägers, das Fahr­zeug her­aus­zu­ge­ben, nicht ei­ne vorsätz­li­che Ver­trags­ver­let­zung dar­stellt, son­dern auf der - al­ler­dings fal­schen - An­nah­me be­ruh­te, nicht zur Her­aus­ga­be ver­pflich­tet zu sein.

Vor die­sem Hin­ter­grund be­durf­te es vor ei­ner Kündi­gung ei­ner er­folg­lo­sen Ab­mah­nung, al­so des Hin­wei­ses der Be­klag­ten, sie wer­de, wenn der Kläger das Fahr­zeug nicht her­aus­ge­be, ei­ne wei­te­re außer­or­dent­li­che Kündi­gung aus­spre­chen.

Die Ab­mah­nung hätte zwar mögli­cher­wei­se nicht be­wirkt, dass sich die Rechts­auf­fas­sung des Klägers änder­te. Der Kläger hätte in­des die Ent­schei­dung ge­habt, ent­we­der sei­nen Rechts­stand­punkt durch­zu­set­zen oder, um sei­nen Ar­beits­platz nicht wei­ter zu gefähr­den, den PKW doch her­aus­zu­ge­ben.

Der Kläger muss­te nicht da­mit rech­nen, dass die Be­klag­te sein Ver­hal­ten zum An­lass neh­men würde, das Ar­beits­verhält­nis zu kündi­gen. Ge­ra­de in die­sem Fall hätten der Be­klag­ten an­de­re, weit­aus ef­fek­ti­ve­re Möglich­kei­ten der Re­ak­ti­on zur Verfügung ge­stan­den, um an das Fahr­zeug zu ge­lan­gen. So hätte die Be­klag­te bei­spiels­wei­se den Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung auf Her­aus­ga­be des PKW be­an­tra­gen können. Hier­mit rech­ne­te der Kläger of­fen­sicht­lich auch, sonst wäre kei­ne Schutz­schrift ein­ge­reicht wor­den.

Ei­ne Ab­mah­nung ist nicht aus­ge­spro­chen wor­den.


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Auch wenn un­strei­tig ist, dass der Pro­zess­ver­tre­ter der Be­klag­ten den Pro­zess­ver­tre­ter des Klägers in ei­nem Te­le­fo­nat am 12.11.2009 dar­auf hin­wies, der Kläger müsse mit ei­ner wei­te­ren frist­lo­sen Kündi­gung rech­nen, wenn er das Fahr­zeug nicht zurück­ge­be, liegt dar­in kei­ne wirk­sa­me Ab­mah­nung des Klägers. Un­abhängig da­von, ob die dem Pro­zess­ver­tre­ter der Be­klag­ten er­teil­te Voll­macht Erklärun­gen die­ser Art um­fass­te, kann ei­ne Ab­mah­nung nur dann Wir­kung ent­fal­ten, vor al­lem ei­ne Warn­funk­ti­on auslösen, wenn der Ar­beit­neh­mer von ihr Kennt­nis er­hal­ten hat. Es lie­gen kei­ne An­halts­punk­te dafür vor, dass dem Kläger die Aus­sa­ge des Pro­zess­ver­tre­ters vor der Rück­ga­be des Fahr­zeugs über­mit­telt wor­den ist.

Die außer­or­dent­li­che Kündi­gung ist da­her zu Un­recht er­folgt und hat das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en nicht be­en­det.

Das Teil­ur­teil des Erst­ge­richts ist so­mit zu­tref­fend, ei­ne Ände­rung nicht ver­an­lasst. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Ab­satz 1 ZPO.

Für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­steht kein ge­setz­lich be­gründe­ter An­lass, § 72 Ab­satz 2 ArbGG.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung:

Ge­gen die­ses Ur­teil fin­det ein Rechts­mit­tel nicht statt. Auf § 72a ArbGG wird hin­ge­wie­sen.

Weißen­fels, Rich­te­rin Vor­sit­zen­de am Lan­des­ar­beits­ge­richt 

Rieg­ler, Eh­ren­amt­li­cher Rich­ter

Brat­kow­ski, Eh­ren­amt­li­cher Rich­ter

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