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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Betriebsratssitzung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 7 ABR 14/92
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 28.10.1992
   
Leit­sätze: Un­ter dem Ta­ges­ord­nungs­punkt "Ver­schie­de­nes" kann der Be­triebs­rat nur dann wirk­sa­me Be­schlüsse fas­sen, wenn er vollzählig ver­sam­melt ist und kein Be­triebs­rats­mit­glied der Be­schlußfas­sung wi­der­spricht.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht München, Beschluß vom 03.10.1989 - 33 BV 168/88
Landesarbeitsgericht München, Beschluß vom 28.11.1991 - 6 TaBV 5/90
   

7 ABR 14/92
6 TaBV 5/90 München


Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
28. Ok­to­ber 1992

Be­schluß

Höhmann,

Reg.-Ober­se­kretärin

als Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le 

In dem Be­schlußver­fah­ren



 

un­ter Be­tei­li­gung 

pp. 

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hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts in der Sit­zung vom 28. Ok­to­ber 1992 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter Dr. Sei­den­sti­cker, die Rich­ter Prof. Dr. Steck­han und Krem­hel­mer so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Met­zin­ger und Prof. Dr. Knapp für Recht er­kannt:

Auf die Rechts­be­schwer­de der Be­tei­lig­ten zu 1) bis 3) wird der Be­schluß des Lan­des­ar­beits­ge­richts München vom 28. No­vem­ber 1991 - 6 TaBV 5/90 - auf­ge­ho­ben.

Die Sa­che wird zur an­der­wei­ti­gen Anhörung und Ent­schei­dung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

V o n R e c h t s w e g e n !

G r ü n d e :

A. Das Be­triebs­rats­mit­glied Pe­ter R (Be­tei­lig­ter zu 2) nahm in der Zeit vom 15. Mai 1988 bis 21. Mai 1988 am Be­triebsräte­kurs B 4 (The­ma­tik: Fle­xi­ble Ar­beits­zei­ten und un­geschütz­te Ar­beits­verhält­nis­se) des Bil­dungs­werks der an­trag­stel­len­den Ge­werk­schaft (Be­tei­lig­te zu 1) in H teil. Dafür wur­den ihm von der An­trag­stel­le­rin für Un­ter­kunft und Ver­pfle­gung, an­tei­li­ge Kurs­gebühr, Fahrt und Spe­sen ins­ge­samt 806,00 DM in Rech­nung ge­stellt. Der Be­tei­lig­te zu 2) hat den Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch
 


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ge­gen sei­ne Ar­beit­ge­be­rin (Be­tei­lig­te zu 4) mit Schrei­ben vom 21. Mai 1988 an die An­trag­stel­le­rin ab­ge­tre­ten.

Der Teil­nah­me des Be­tei­lig­ten zu 2) an der Schu­lungs­ver­an­stal­tung lag ein Be­schluß des Be­triebs­rats (Be­tei­lig­ter zu 3) vom 10. Sep­tem­ber 1987 zu­grun­de, der durch die acht an­we­sen­den Mit­glie­der des elfköpfi­gen Be­triebs­rats ein­stim­mig ge­faßt wor­den war. In der La­dung zu die­ser Be­triebs­rats­sit­zung wa­ren als Ta­ges­ord­nungs­punk­te auf­geführt:

"1. Geschäfts­ord­nung
2. Ar­beits­zeit­verkürzung
3. Ver­schie­de­nes"

In der fol­gen­den Be­triebs­rats­sit­zung vom 8. Ok­to­ber 1987 wur­de das Pro­to­koll über die Sit­zung vom 10. Sep­tem­ber 1987 ver­le­sen. Hier­bei wa­ren die Be­triebs­rats­mit­glie­der, die am 10. Sep­tem­ber 1987 ent­schul­digt ge­fehlt hat­ten, an­we­send. Ei­ne Abände­rung des Pro­to­kolls vom 10. Sep­tem­ber 1987 er­folg­te nicht.

Die An­trag­stel­le­rin hat die An­sicht ver­tre­ten, die Be­schlußfas­sung des Be­triebs­rats über die Ent­sen­dung des be­tei­lig­ten Be­triebs­rats­mit­glieds zur Schu­lungs­ver­an­stal­tung sei rechts­wirk­sam er­folgt. Die­se Be­schlußfas­sung ha­be un­ter dem Ta­ges­ord­nungs­punkt "Ver­schie­de­nes" statt­fin­den dürfen, wie dies beim be­tei­lig­ten Be­triebs­rat seit Jah­ren üblich ge­we­sen sei. Je­den­falls sei da­durch, daß in der Be­triebs­rats­sit­zung vom 8. Ok­to­ber 1987 ge­gen das ver­le­se­ne Pro­to­koll aus der Sit­zung vom 10. Sep­tem­ber 1987 auch von den da­mals ab­we­sen­den Be­triebs­rats­mit­glie­dern kei­ne Ein­wen­dun­gen er­ho­ben wor­den sei­en, ein et­wai­ger La­dungs­man­gel ge­heilt wor­den.
 


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Die An­trag­stel­le­rin hat be­an­tragt:

Die Ar­beit­ge­be­rin wird ver­pfli­chet, der An­trag­stel­le­rin die an sie ab­ge­tre­te­nen Schu­lungs­kos­ten für die Be­triebsräteschu­lung vom 15. Mai bis 21. Mai 1988 in Höhe von 806,00 DM nebst 4 % Zin­sen seit 31. Ju­li 1988 zu be­zah­len.Die be­tei­lig­te Ar­beit­ge­be­rin hat be­an­tragt, den An­trag zu-rück­zu­wei­sen. Sie hält die Be­schlußfas­sung des Be­triebs­rats über die Ent­sen­dung des be­tei­lig­ten Be­triebs­rats­mit­glieds für un­wirk­sam, weil die­ser Ta­ges­ord­nungs­punkt in der La­dung nicht ent­hal­ten ge­we­sen sei; un­ter dem Ta­ges­ord­nungs­punkt "Ver­schie­de­nes" sei ei­ne Be­schlußfas­sung nicht möglich. Die­ser Man­gel sei auch durch die Ver­le­sung des Pro­to­kolls in der nächs­ten Sit­zung und das Un­ter­blei­ben von Ein­wen­dun­gen nicht ge­heilt wor­den.


Das Ar­beits­ge­richt hat den An­trag zurück­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­schwer­de zurück­ge­wie­sen und die Rechts­be­schwer­de zu­ge­las­sen. Mit ih­rer Rechts­be­schwer­de ver­fol­gen die Be­tei­lig­ten zu 1) bis 3) den An­trag wei­ter, während die be­tei­lig­te Ar­beit­ge­be­rin um Zurück­wei­sung der. Rechts­be­schwer­de bit­tet.

B. Die Rechts­be­schwer­de ist zulässig und be­gründet. Sie führt zur Auf­he­bung des an­ge­foch­te­nen Be­schlus­ses und zur Zurück­ver­wei­sung der Sa­che an das Lan­des­ar­beits­ge­richt.


I. Ent­ge­gen der An­sicht der Rechts­be­schwer­de­er­wi­de­rung steht der Zulässig­keit der Rechts­be­schwer­de nicht ent­ge­gen, daß sich
 


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die An­trag­stel­le­rin, die I , im Jah­re 1989 auf­gelöst hat.

Durch den (et­wa am 14. April 1989 ge­faßten, ver­glei­che den Sach­ver­halt des BAG Ur­teils vom 25. Sep­tem­ber 1990 - 3 AZR 266/89 - AP Nr. 8 zu § 9 TVG 1969) Auflösungs­be­schluß ist die An­trag­stel­le­rin, ein nicht­rechtsfähi­ger Ver­ein, le­dig­lich in das Li­qui­da­ti­ons­sta­di­um ge­tre­ten. Bis zur Be­en­di­gung der Li­qui­da­ti­on gilt der Ver­ein als fort­be­ste­hend, so­weit der Zweck der Li­qui­da­ti­on es er­for­dert (5 49 Abs. 2 BGB bzw. § 54 Satz 1 i. V. m. § 730 Abs. 2 Satz 1 BGB). So­lan­ge der Ver­ein noch ei­nen Rechts­streit im ei­ge­nen Na­men führt, ist die Li­qui­da­ti­on noch nicht be­en­det. Daß die An­trag­stel­le­rin durch ih­re Auflösung und die Ab­tre­tung ih­rer For­de­run­gen und Rech­te aus den von ihr ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen auf ei­ne an­de­re Ge­werk­schaft ih­re Ta­riffähig­keit ver­lo­ren hat (BAG Ur­teil vom 25. Sep­tem­ber 1990, aaO), ist für den vor­lie­gen­den Rechts­streit un­er­heb­lich, weil die An­trag­stel­le­rin hier nicht ih­re Rechts­stel­lung als Ta­rif­ver­trags­par­tei, son­dern ei­ne gewöhn­li­che schuld­recht­li­che For­de­rung gel­tend macht.

II. Die Rechts­be­schwer­de ist be­gründet, weil das Lan­des­ar­beits­ge­richt die er­for­der­li­che Prüfung un­ter­las­sen hat, ob der Be­triebs­rat sei­nen zunächst feh­ler­haf­ten Be­schluß, den Be­tei­lig­ten zu 2) zur Schu­lungs­ver­an­stal­tung vom 15. bis 21. Mai 1988 zu ent­sen­den, später in wirk­sa­mer Wei­se rechtsgültig ge­faßt hat.

1. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die gel­tend ge­mach­te For­de­rung

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des Be­triebs­rats über die Teil­nah­me des Be­tei­lig­ten zu 2) an der Schu­lungs­ver­an­stal­tung ge­fehlt ha­be. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat hier­zu im we­sent­li­chen aus­geführt, die Vor­schrift des § 29 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG, nach der der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de die Mit­glie­der des Be­triebs­rats zu den Sit­zun­gen recht­zei­tig un­ter Mit­tei­lung der Ta­ges­ord­nung zu la­den hat, gehöre zu den we­sent­li­chen und un­ver­zicht­ba­ren Ver­fah­rens­vor­schrif­ten, von de­ren Be­ach­tung die Rechts­wirk­sam­keit der Be­triebs­rats­be­schlüsse abhänge. Die Mit­tei­lung ei­nes Ta­ges­ord­nungs­punk­tes "Ver­schie­de­nes" ste­he in­so­weit dem Feh­len ei­ner Ta­ges­ord­nung gleich. Denn der ge­setz­ge­be­ri­sche Zweck, die zur Sit­zung er­schei­nen­den Be­triebs­rats­mit­glie­der nicht mit ih­nen un­be­kann­ten Ta­ges­ord­nungs­punk­ten zu über­ra­schen oder ver­hin­der­te Be­triebs­rats­mit­glie­der zu über­ge­hen, wer­de durch den Ta­ges­ord­nungs­punkt "Ver­schie­de­nes" ver­fehlt. Dar­an ände­re auch der Um­stand nichts, daß schon bis­her von Fall zu Fall un­ter dem Punkt "Ver­schie­de­nes" Be­schlüsse über die Ent­sen­dung von Be­triebs­rats­mit­glie­dern zu Schu­lun­gen ge­faßt wor­den sei­en, weil es in­so­weit an ei­nem ge­ne­rel­len Be­schluß zur Geschägts­ord­nung feh­le. Auch sei kei­ne Hei­lung des Man­gels der feh­len­den Ta­ges­ord­nung er-folgt. Am 10. Sep­tem­ber .1987 sei der Be­triebs­rat nicht vollzählig ge­we­sen, was ei­ne ord­nungs­gemäße Ergänzung der Ta­ges­ord­nung aus-schließe. In der Sit­zung vom 8. Ok­to­ber 1987 sei kei­ne er­neu­te Be­schlußfas­sung er­folgt.

2. Der Se­nat teilt die Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, daß es in den ‚Be­triebs­rats­sit­zun­gen vom 10. Sep­tem­ber 1987 und 8. Ok­to­ber 1987 nicht zu ei­ner wirk­sa­men Be­schlußfas­sung über die Ent­sen­dung des Be­tei­lig­ten zu 2) ge­kom­men war.
 


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a) Nach ständi­ger Recht­spre­chung (vgl. z. B. BAG Ur­teil vom 28. April 1988, BA­GE 58, 221 = AP Nr. 2 zu § 29 Be­trVG 1972) ist die Ein­hal­tung der Vor­schrift des § 29 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG un-ver­zicht­ba­re Vor­aus­set­zung für die Wirk­sam­keit ei­nes Be­triebs­rats­be­schlus­ses. Die vor­he­ri­ge Mit­tei­lung der Ta­ges­ord­nung soll den Be­triebs­rats­mit­glie­dern Ge­le­gen­heit ge­ben, sich ein Bild über die in der Sit­zung zu tref­fen­den Ent­schei­dun­gen zu ma­chen und es ih­nen ermögli­chen, sich auf die Be­ra­tung der ein­zel­nen Ta­ges­ord­nungs­punk­te ord­nungs­gemäß vor­zu­be­rei­ten. Nur bei Kennt­nis der Ta­ges­ord­nung hat ein ver­hin­der­tes Be­triebs­rats­mit­glied die Möglich­keit, sei­ne Be­triebs­rats­kol­le­gen schon vor­her über sei­ne Auf­fas­sung zu un­ter­rich­ten und sie zu über­zeu­gen oder sie ge­ge­be­nen­falls auch nur zu bit­ten, sei­ne Ar­gu­men­te in der Be­triebs­rats­sit­zung zu­min­dest vor­zu­tra­gen.

b) Im Hin­blick auf den Zweck die­ser Vor­schrift leis­tet der Ta­ges­ord­nungs­punkt "Ver­schie­de­nes" nichts; er un­ter­rich­tet die Be­triebs­rats­mit­glie­der al­len­falls da­von, daß von der zeit­li­chen Pla­nung der Sit­zung her ge­se­hen noch mit all­ge­mei­nen Erörte­run­gen zu rech­nen ist bzw. Zeit für wei­te­re An­re­gun­gen zur Verfügung steht. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat da­her rich­tig ge­se­hen, daß im Hin­blick auf ei­ne vom Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den ge­plan­te Be­schlußfas­sung der Ta­ges­ord­nungs­punkt "Ver­schie­de­nes" dem Feh­len ei­ner Ta­ges­ord­nung gleich­steht. Auch in Recht­spre­chung und Schrift­tum außer­halb des Be­triebs­ver­fas­sungs­rechts ist ganz vor­herr­schen­de Auf­fas­sung, daß der Ta­ges­ord­nungs­punkt "Ver­schie­de­nes" nur Dis­kus­sio­nen, aber kei­ne ver­bind­li­che Be­schlußfas­sung ermöglicht (vgl. für das Ver­eins­recht z. B. KG OLGZ 1974, 399, 400; Pa­landt/Hein­richs, BGB, 52. Aufl., § 32 Rz 4; Rei­chert/Dan­ne­cker/

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Kühr, Hand­buch des Ver­eins- und Ver­bands­rechts, 3. Aufl., Rz 547; für das Ak­ti­en­recht Kölner Kom­men­tar zum Ak­ti­en­ge­setz, § 124 Rz 16; für das GmbH-Recht Ha­chen­burg, Großkom­men­tar zum GmbH-Ge­setz, § 51 Rz 8; Roth, Gmb­HG, 2. Aufl., § 51 Rz 3).

c) Ent­ge­gen der An­sicht der Rechts­be­schwer­de­be­gründung be­steht ge­ra­de auch für das Be­triebs­ver­fas­sungs­recht kein An­laß, die­se stren­gen Maßstäbe auf­zu­lo­ckern und et­wa zwi­schen "we­sent­li­chen" und "un­we­sent­li­chen" Be­schlüssen zu un­ter­schei­den. Be­schlüsse des Be­triebs­rats ha­ben in al­ler Re­gel un­mit­tel­ba­re Aus­wir­kun­gen auch auf die Rechts­stel­lung des Ar­beit­ge­bers; das trifft auch im vor­lie­gen­den Fal­le ei­nes Ent­sen­dungs­be­schlus­ses nach § 37 Abs. 6 Be­trVG zu. In­so­weit ist ei­ne Grenz­zie­hung zwi­schen we­sent­li­chen und un­we­sent­li­chen Be­schlüssen prak­tisch nicht möglich. Es dient da­her der Rechts­klar­heit und da­mit ge­ra­de auch dem rei­bungs­lo­sen Ab­lauf der Be­triebs­rats­ar­beit, wenn auch im Be­triebs­ver­fas­sungs­recht un­ter dem Ta­ges­ord­nungs­munkt "Ver­schie­de­nes" grundsätz­lich kei­ne Be­schlüsse ge­faßt wer­den können, die un­mit­tel­ba­re Rechts­wir­kun­gen er­zeu­gen.

d) Wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt eben­falls zu­tref­fend er­kannt hat, ist ei­ne Hei­lung des da­mit vor­lie­gen­den La­dungs­man­gels auch nicht da­durch ein­ge­tre­ten, daß kei­nes der in der Sit­zung vom 10. Sep­tem­ber 1987 an­we­sen­den Be­triebs­rats­mit­glie­der der Be­schlußfas­sung über die Ent­sen­dung des Be­tei­lig­ten zu 2) wi­der­spro­chen hat und daß die Be­schlußfas­sung ein­stim­mig er­folg­te. Ei­ne der­ar­ti­ge Hei­lung wäre viel­mehr nur möglich ge­we­sen, wenn al­le Be­triebs­rats­mit­glie­der an der Sit­zung teil­ge­nom­men hätten (BAG Ur­teil vom 28. April 1988, BA­GE 58, 221 = AP Nr. 2 zu § 29

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Be­trVG 1972). Dies aber war in der Sit­zung vom 10. Sep­tem­ber 1987 nicht der Fall.

e) Ei­ne Hei­lung des La­dungs­man­gels ist schließlich auch nicht in der Be­triebs­rats­sit­zung vom 8. Ok­to­ber 1987 er­folgt. Ab­ge­se­hen da­von, daß auch in der La­dung zu die­ser Sit­zung ein ent­spre­chen­der Ta­ges­ord­nungs­punkt nicht an­ge­ge­ben wor­den war, ist ein er­neu­ter Be­schluß über die Ent­sen­dung des Be­tei­lig­ten zu 2) zur Schu­lungs­ver­an­stal­tung in die­ser Sit­zung nicht ge­faßt wor­den. Die Ver­le­sung und Ge­neh­mi­gung des Pro­to­kolls der vor­he­ri­gen Sit­zung steht ei­ner er­neu­ten Be­schlußfas­sung nicht gleich. Auch ist un­er­heb­lich, daß die Be­triebs­rats­mit­glie­der, die in der Sit­zung vom 10. Sep­tem­ber 1987 ge­fehlt hat­ten, nun­mehr an­we­send wa­ren und kei­ne Ein­wen­dun­gen ge­gen das Pro­to­koll er­ho­ben. Denn ei­ne er­neu­te Be­schlußfas­sung kann dar­in nicht ge­se­hen wer­den.

3. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hätte je­doch prüfen müssen, ob der Be­triebs­rat in ei­ner späte­ren Sit­zung die Teil­nah­me des Be­tei­lig­ten zu 2) an der Schu­lungs­ver­an­stal­tung in rechts­wirk­sa­mer Wei­se ge­bil­ligt hat. Zu die­ser Prüfung be­steht schon des­halb An­laß, weil sich der Be­triebs­rat auf der Sei­te der an­trag­stel­len­den Ge­werk­schaft am vor­lie­gen­den Be­schlußver­fah­ren be­tei­ligt hat. Soll­te die­ser Be­tei­li­gung ei­ne wirk­sa­me Be­schlußfas­sung des Be­triebs­rats zu­grun­de lie­gen, so hätte der Be­triebs­rat da­mit auch zu er­ken­nen ge­ge­ben, daß die Teil­nah­me des Be­tei­lig­ten zu 2) an der Schu­lungs­ver­an­stal­tung von sei­nem Wil­len ge­tra­gen wird und er die Ar­beit­ge­be­rin für ver­pflich­tet an­sieht, die er­for­der­li­chen Kos­ten die­ser Teil­nah­me zu tra­gen. Denn wäre dem Be­triebs­rat die Un­wirk­sam­keit sei­ner bis­he­ri­gen Be­schlußfas­sung be­wußt ge­we­sen, so hät-

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te er auch die Teil­nah­me des Be­tei­lig­ten zu 2) an ei­ner gleich­ar­ti­gen Schu­lungs­ver­an­stal­tung er­neut be­sch­ließen können. Die Ar­beit­ge­be­rin hätte dann, so­fern die Vor­aus­set­zun­gen von § 37 Abs. 6, § 40 Abs. 1 Be­trVG vor­lie­gen soll­ten, die Kos­ten die­ser Teil­nah­me tra­gen müssen.

4. Im er­neu­ten Be­schwer­de­ver­fah­ren, in dem neu­er Sach­vor­trag wie­der un­ein­ge­schränkt zulässig ist, wird das Lan­des­ar­beits­ge­richt da­her zunächst zu prüfen ha­ben, ob der Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats im vor­lie­gen­den Be­schlußver­fah­ren ei­ne wirk­sa­me Be­schlußfas­sung zu­grun­de liegt, ins­be­son­de­re ob un­ter An­ga­be die­ses/ Ta­ges­ord­nungs­punk­tes wirk­sam zu ei­ner Sit­zung ein­ge­la­den wur­de. Soll­te dies der Fall sein, so ist wei­ter zu prüfen, ob in die­ser Be­schlußfas­sung die Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats ge­se­hen wer­den kann, er se­he die Schu­lungs­teil­nah­me des Be­tei­lig­ten zu 2) als im Sin­ne des § 37 Abs. 6 Be­trVG er­for­der­lich an und hal­te des­halb die Ar­beit­ge­be­rin für zur Kos­ten­tra­gung ver­pflich­tet. Soll­te auch dies zu be­ja­hen sein, wird das Lan­des­ar­beits­ge­richt schließlich zu prüfen ha­ben, ob sich der Be­triebs­rat bei die­ser Würdi­gung im Rah­men des ihm zu­ste­hen­den Be­ur­tei­lungs­spiel­rauMs g@hal­ten hat, ins­be­son­de­re ob er vom Stand­punkt ei­nes un­be­tei­lig­ten Drit­ten aus die Schu­lungs­teil­nah­me des Be­tei­lig­ten zu 2) für er­for­der­lich hal­ten durf­te (vgl. z.B. Se­nats­be­schluß vom 7. Ju­ni 1989 - 7 ABR 26/88 - EzA § 37 Be­trVG 1972 Nr. 98, zu B I 1 der Gründe, m.w.N.).

Dr. Sei­den­sti­cker 

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