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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Zeugnis, Zeugnis: Bedauernsformel, Zeugnis: Geheimcode
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 9 AZR 227/11
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 11.12.2012
   
Leit­sätze:

1. Aus­sa­gen über persönli­che Emp­fin­dun­gen des Ar­beit­ge­bers in ei­ner Schluss­for­mel, zB Dank für die Zu­sam­men­ar­beit, gehören nicht zum er­for­der­li­chen In­halt ei­nes Ar­beits­zeug­nis­ses.


2. Ist der Ar­beit­neh­mer mit ei­ner vom Ar­beit­ge­ber in das Zeug­nis auf­ge­nom­me­nen Schluss­for­mel nicht ein­ver­stan­den, hat er kei­nen An­spruch auf Ergänzung oder Um­for­mu­lie­rung der Schluss­for­mel, son­dern nur An­spruch auf die Er­tei­lung ei­nes Zeug­nis­ses oh­ne Schluss­for­mel.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Stuttgart Kammern Aalen, Urteil vom 18.6.2010 - 13 Ca 308/09
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 3.2.2011 - 21 Sa 74/10
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


9 AZR 227/11
21 Sa 74/10
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ba­den-Würt­tem­berg

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
11. De­zem­ber 2012

UR­TEIL

Jatz, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­onskläger,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Neun­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 11. De­zem­ber 2012 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Brühler, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Suckow und Klo­se so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Spie­ker­mann und Ro­pertz für Recht er­kannt:
 


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1. Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ba­den-Würt­tem­berg vom 3. Fe­bru­ar 2011 - 21 Sa 74/10 - wird zurück­ge­wie­sen.


2. Der Kläger hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über den In­halt ei­nes Ar­beits­zeug­nis­ses


Die Be­klag­te be­treibt Baumärk­te. Der Kläger war bei ihr vom 1. Ju­li 1998 bis zum 28. Fe­bru­ar 2009 beschäftigt, zu­letzt als Markt­lei­ter mit ei­ner Brut­to­mo­nats­vergütung iHv. 5.000,00 Eu­ro.


Die Be­klag­te er­teil­te dem Kläger un­ter dem Da­tum des 28. Fe­bru­ar 2009 ein Zeug­nis mit ei­ner über­durch­schnitt­li­chen Be­ur­tei­lung. Die­ses en­det mit den Sätzen:


„Herr J schei­det zum 28.02.2009 aus be­triebs­be­ding­ten Gründen aus un­se­rem Un­ter­neh­men aus.

Wir wünschen ihm für die Zu­kunft al­les Gu­te.“

Der Kläger ist der Auf­fas­sung, der ver­wen­de­te Schluss­satz sei un­zu­rei­chend. Er ent­wer­te sein gu­tes Zeug­nis. Dies ge­sche­he je­den­falls da­durch, dass der Schluss­satz kei­nen Dank für die bis­he­ri­ge Zu­sam­men­ar­beit be­inhal­te. Bei ei­ner gu­ten Leis­tungs- und Führungs­be­ur­tei­lung ent­spre­che es der Üblich­keit und auch der Er­war­tung ei­nes po­ten­zi­el­len neu­en Ar­beit­ge­bers, dass dem Ar­beit­neh­mer am En­de des Zeug­nis­tex­tes für die Zu­sam­men­ar­beit ge­dankt und ihm für die Zu­kunft - und zwar so­wohl pri­vat als auch be­ruf­lich - al­les Gu­te gewünscht wer­de.

Der Kläger hat, so­weit für die Re­vi­si­on von In­ter­es­se, be­an­tragt, 


die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihm ein neu­es Ar­beits­zeug­nis zu er­tei­len, wel­ches sich von dem un­ter dem 28. Fe­bru­ar 2009 er­teil­ten Zeug­nis le­dig­lich da­hin ge­hend un­ter­sch­ei-


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det, dass der letz­te Satz des Zeug­nis­tex­tes wie folgt um­for­mu­liert wird:

„Wir be­dan­ken uns für die langjähri­ge Zu­sam­men­ar­beit und wünschen ihm für sei­ne pri­va­te und be­ruf­li­che Zu­kunft al­les Gu­te.“

Zu ih­rem Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag hat die Be­klag­te die Auf­fas­sung ver­tre­ten, es feh­le an ei­ner An­spruchs­grund­la­ge für die vom Kläger be­gehr­te Zeug­nis­be­rich­ti­gung. Ei­ne Üblich­keit, die vom Kläger ver­lang­te Schluss­for­mu­lie­rung in Zeug­nis­se auf­zu­neh­men, sei nicht er­kenn­bar. So­weit der Kläger in den gu­ten Wünschen für die Zu­kunft ei­nen Wi­der­spruch zum übri­gen Zeug­nis­in­halt se­he, ge­bie­te der Verhält­nismäßig­keits­grund­satz je­den­falls, den be­haup­te­ten Wi­der­spruch da­durch auf­zulösen, dass der Kläger ein Zeug­nis oh­ne Dank und gu­te Wünsche er­hal­te.

Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts ab­geändert und die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Der Kläger be­gehrt mit sei­ner Re­vi­si­on die Wie­der­her­stel­lung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung.

Ent­schei­dungs­gründe

Die zulässi­ge Re­vi­si­on ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen. Der Kläger hat kei­nen An­spruch auf Er­tei­lung ei­nes Zeug­nis­ses mit dem be­gehr­ten Schluss­satz.


I. Ein An­spruch auf die be­gehr­te Schluss­for­mel folgt nicht aus § 109 Abs. 1 Ge­wO. Das von der Be­klag­ten er­teil­te Zeug­nis enthält die nach die­ser Vor­schrift er­for­der­li­chen An­ga­ben.


1. Gemäß § 109 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 Ge­wO ist der Ar­beit­ge­ber nur ver­pflich­tet, An­ga­ben zu Art und Dau­er der Tätig­keit in das Zeug­nis auf­zu­neh­men und die­se auf Wunsch des Ar­beit­neh­mers um An­ga­ben zu Leis­tung und Ver­hal­ten im Ar­beits­verhält­nis zu ergänzen (qua­li­fi­zier­tes Zeug­nis).
 


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a) So­weit der Kläger gel­tend macht, in der Pra­xis wie­sen Zeug­nis­se darüber hin­aus ne­ben gu­ten Wünschen für die Zu­kunft auch Dan­kes­for­meln auf, wo­bei die gu­ten Wünsche aus­drück­lich auf die pri­va­te und be­ruf­li­che Zu­kunft be­zo­gen würden, fehlt rechts­me­tho­disch ein An­satz­punkt, den Aus­druck sol­cher persönli­cher Emp­fin­dun­gen durch den Ar­beit­ge­ber de le­ge la­ta zum In­halt des ge­setz­li­chen Zeug­nis­an­spruchs zu ma­chen.

b) Der Se­nat ver­kennt nicht, dass po­si­ti­ve Schlusssätze ge­eig­net sein können, die Be­wer­bungs­chan­cen des Ar­beit­neh­mers zu erhöhen (vgl. be­reits BAG 20. Fe­bru­ar 2001 - 9 AZR 44/00 - zu B I 2 b bb (3) der Gründe, BA­GE 97, 57). Ein Zeug­nis, in dem der Ar­beit­ge­ber sei­nen Dank für die gu­ten Leis­tun­gen zum Aus­druck bringt und dem Ar­beit­neh­mer für die be­ruf­li­che Zu­kunft wei­ter­hin al­les Gu­te wünscht, wird auf­ge­wer­tet. Frei­lich be­steht die Be­deu­tung von Schlusssätzen ge­ra­de dar­in, dass der Ar­beit­ge­ber Erklärun­gen ab­gibt, die über den von ihm ge­schul­de­ten Zeug­nis­in­halt hin­aus­ge­hen.


2. Aus § 109 Abs. 1 Ge­wO lässt sich kei­ne Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers ab­lei­ten, auf die Ge­samt­no­te ab­ge­stimm­te Schlusssätze zu for­mu­lie­ren. Ei­ne sol­che Ver­pflich­tung würde im Er­geb­nis auch nur be­deu­ten, dass der Ar­beit­ge­ber die be­reits ab­ge­ge­be­ne Leis­tungs- und Ver­hal­tens­be­ur­tei­lung mit an­de­ren Wor­ten noch­mals for­mel­haft wie­der­holt (BAG 20. Fe­bru­ar 2001 - 9 AZR 44/00 - zu B I 2 b bb (3) der Gründe, BA­GE 97, 57). § 109 Abs. 1 Ge­wO ver­langt ei­ne sol­che Ver­pflich­tung zur „dop­pel­ten“ Leis­tungs- und Ver­hal­tens­be­ur­tei­lung nicht. Dies bestätigt die Ge­set­zes­ge­schich­te. Die Vor­schrift wur­de durch das Drit­te Ge­setz zur Ände­rung der Ge­wer­be­ord­nung und sons­ti­ger ge­wer­be­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 24. Au­gust 2002 (BGBl. I S. 3412) ein­geführt. Dem Ge­setz­ge­ber war zu die­sem Zeit­punkt die zu § 630 BGB er­gan­ge­ne Recht­spre­chung des Se­nats be­kannt, der­zu­fol­ge ein An­spruch des Ar­beit­neh­mers auf ei­nen Dank und gu­te Wünsche aus­drücken­den Schluss­satz nicht be­steht. Den­noch wur­de in das Ge­setz kei­ne Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers auf­ge­nom­men, im Ar­beits­zeug­nis persönli­che Emp­fin­dun­gen, wie Be­dau­ern über das Aus­schei­den des Ar­beit­neh­mers, Dank für die ge­leis­te­te Ar­beit oder gu­te Wünsche für die Zu­kunft, zum Aus­druck zu brin­gen.

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3. Ei­ne ver­trag­li­che Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zur Er­tei­lung ei­nes Zeug­nis­ses mit Aus­druck des Dan­kes für die Zu­sam­men­ar­beit wur­de we­der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt fest­ge­stellt noch vom Kläger be­haup­tet.


II. Ent­ge­gen der Rechts­an­sicht der Re­vi­si­on folgt auch aus dem in § 109 Abs. 2 Ge­wO nor­mier­ten Grund­satz der Zeug­nis­klar­heit kein An­spruch des Klägers auf den ver­lang­ten Schluss­satz: „Wir be­dan­ken uns für die langjähri­ge Zu­sam­men­ar­beit und wünschen ihm für sei­ne pri­va­te und be­ruf­li­che Zu­kunft al­les Gu­te.“

1. Nach § 109 Abs. 2 Satz 1 Ge­wO muss das Zeug­nis klar und verständ­lich for­mu­liert sein. Die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt die For­mu­lie­rung im Zeug­nis:


„Wir wünschen ihm für die Zu­kunft al­les Gu­te.“

2. Es kann of­fen­blei­ben, ob der von der Be­klag­ten ver­wen­de­te Schluss­satz ent­spre­chend der Rechts­auf­fas­sung des Klägers auf­grund der über­durch­schnitt­li­che Leis­tungs- und Ver­hal­tens­be­ur­tei­lung im Zeug­nis ein Ge­heim­zei­chen iSd. § 109 Abs. 2 Satz 2 Ge­wO enthält. Nach die­ser Vor­schrift darf ein Zeug­nis kei­ne Merk­ma­le oder For­mu­lie­run­gen ent­hal­ten, die den Zweck ha­ben, ei­ne an­de­re als aus der äußeren Form oder aus dem Wort­laut er­sicht­li­che Aus­sa­ge über den Ar­beit­neh­mer zu tref­fen. Selbst wenn in der For­mu­lie­rung „Wir wünschen ihm für die Zu­kunft al­les Gu­te“ auf­grund des feh­len­den Dan­kes für die langjähri­ge Zu­sam­men­ar­beit ein Ge­heim­zei­chen in die­sem Sin­ne zu se­hen wäre, führ­te dies nicht zu ei­nem Ergänzungs­an­spruch. Ist der Ar­beit­neh­mer mit ei­ner vom Ar­beit­ge­ber in das Zeug­nis auf­ge­nom­me­nen Schluss­for­mel nicht ein­ver­stan­den, kann er nur die Er­tei­lung ei­nes Zeug­nis­ses oh­ne die­se For­mu­lie­rung ver­lan­gen. Ein An­spruch auf Er­tei­lung ei­nes Zeug­nis­ses mit ei­nem vom Ar­beit­neh­mer for­mu­lier­ten Schluss­satz be­steht nicht (aA LAG Düssel­dorf 3. No­vem­ber 2010 - 12 Sa 974/10 - zu II der Gründe, NZA-RR 2011, 123; LAG Köln 29. Fe­bru­ar 2008 - 4 Sa 1315/07 - zu B der Gründe).


a) Ge­gen ei­nen An­spruch auf Auf­nah­me ei­ner zusätz­li­chen Dan­kes­for­mel spricht schon der Wort­laut des § 109 Abs. 2 Satz 2 Ge­wO, wo­nach das Zeug­nis kei­ne Merk­ma­le oder For­mu­lie­run­gen ent­hal­ten darf, die den Zweck ha­ben,
 


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ei­ne an­de­re als aus der äußeren Form oder aus dem Wort­laut er­sicht­li­che Aus­sa­ge über den Ar­beit­neh­mer zu tref­fen. Sei­ner For­mu­lie­rung nach enthält das Ge­setz da­mit le­dig­lich ei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch. Die­sem wird genüge ge­tan, wenn der Ar­beit­ge­ber auf Ver­lan­gen des Ar­beit­neh­mers ein Zeug­nis oh­ne je­de Schluss­for­mel zu er­tei­len hat.


b) Wünscht der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer - wie die Be­klag­te dem Kläger - im Zeug­nis „für die Zu­kunft al­les Gu­te“, er­gibt sich auch un­ter dem Ge­sichts­punkt der Selbst­bin­dung kein An­spruch auf die vom Kläger be­gehr­te For­mu­lie­rung. Der Ar­beit­ge­ber ist zwar an den In­halt ei­nes er­teil­ten Zeug­nis­ses grundsätz­lich ge­bun­den (vgl. hier­zu BAG 21. Ju­ni 2005 - 9 AZR 352/04 - zu I 2 der Gründe mwN, BA­GE 115, 130). Die Bin­dung an den Aus­druck persönli­cher Emp­fin­dun­gen, wie Dank, Be­dau­ern oder gu­te Wünsche für die Zu­kunft, ist je­doch auf den Aus­druck der je­wei­li­gen Emp­fin­dung be­schränkt und führt des­halb nicht zu ei­ner Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers, an­de­re Emp­fin­dun­gen im Zeug­nis zu for­mu­lie­ren, von de­nen der Ar­beit­neh­mer meint, dass sie sein Ar­beit­ge­ber ha­ben müsse. Oh­ne ge­setz­li­che Grund­la­ge kann der Ar­beit­ge­ber nicht ver­ur­teilt wer­den, das Be­ste­hen von persönli­chen Emp­fin­dun­gen, wie zB Dank­bar­keit, dem Ar­beit­neh­mer ge­genüber schrift­lich zu be­schei­ni­gen (vgl. BAG 20. Fe­bru­ar 2001 - 9 AZR 44/00 - zu B I 2 b bb (4) der Gründe, BA­GE 97, 57). Da­bei ist zu berück­sich­ti­gen, dass sich ein Zeug­nis nicht in ers­ter Li­nie an den Ar­beit­neh­mer persönlich rich­tet. Das Zeug­nis dient dem Ar­beit­neh­mer vor al­lem als Be­wer­bungs­un­ter­la­ge und ist in­so­weit Drit­ten, ins­be­son­de­re mögli­chen künf­ti­gen Ar­beit­ge­bern, Grund­la­ge für ih­re Per­so­nal­aus­wahl (BAG 14. Ok­to­ber 2003 - 9 AZR 12/03 - zu III 2 der Gründe, BA­GE 108, 86; vgl. auch be­reits BAG 8. Fe­bru­ar 1972 - 1 AZR 189/71 - BA­GE 24, 112, 115). Ob der Ar­beit­ge­ber sei­ne Emp­fin­dun­gen in ei­nem primär an ei­nen ihm un­be­kann­ten Drit­ten ge­rich­te­ten Zeug­nis zum Aus­druck bringt, ist zu­vor­derst ei­ne Fra­ge des persönli­chen Stils. In­so­fern lässt das Feh­len des Dan­kes eher Rück­schlüsse auf den Zeug­nis­ver­fas­ser als auf den Be­ur­teil­ten zu.

c) Ein An­spruch auf Er­tei­lung ei­nes Zeug­nis­ses mit dem vom Kläger be­gehr­ten Schluss­satz folgt auch nicht aus der von ihm be­haup­te­ten Üblich­keit
 


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ei­ner sol­chen Schluss­for­mel. Des­halb kann da­hin­ste­hen, ob der Kläger die Üblich­keit des ver­lang­ten Schluss­sat­zes im Zu­sam­men­hang mit der von der Be­klag­ten er­teil­ten Leis­tungs- und Ver­hal­tens­be­ur­tei­lung aus­rei­chend dar­ge­tan hat. Un­abhängig von dem tatsächli­chen Ge­brauch von Schluss­for­meln in der Pra­xis lässt sich die Recht­spre­chung zum be­red­ten Schwei­gen in Zeug­nis­sen nicht auf das Feh­len von Schlusssätzen über­tra­gen (vgl. BAG 20. Fe­bru­ar 2001 - 9 AZR 44/00 - zu B I 2 b bb (1) der Gründe, BA­GE 97, 57). Dies gilt auch für den Fall, dass ein vor­han­de­ner Schluss­satz ei­nen ver­meint­lich übli­chen Teil nicht enthält. Zwar trifft es zu, dass ein Zeug­nis grundsätz­lich dort kei­ne Aus­las­sun­gen ent­hal­ten darf, wo der verständi­ge Le­ser ei­ne po­si­ti­ve Her­vor­he­bung er­war­tet. An­spruch auf aus­drück­li­che Be­schei­ni­gung be­stimm­ter Merk­ma­le hat da­her der Ar­beit­neh­mer, in des­sen Be­rufs­kreis dies üblich ist und bei dem das Feh­len ei­ner ent­spre­chen­den Aus­sa­ge im Zeug­nis sein be­ruf­li­ches Fort­kom­men be­hin­dern könn­te (BAG 12. Au­gust 2008 - 9 AZR 632/07 - Rn. 21 mwN, BA­GE 127, 232). Die­se Recht­spre­chung zur un­zulässi­gen Aus­las­sung be­trifft je­doch nur den ge­setz­lich ge­schul­de­ten Zeug­nis­in­halt (BAG 20. Fe­bru­ar 2001 - 9 AZR 44/00 - aaO). Hier­zu gehört die Schluss­for­mel nicht. Der kun­di­ge Zeug­nis­le­ser weiß, dass sich aus dem Ge­setz kein An­spruch auf den Aus­druck persönli­cher Emp­fin­dun­gen in ei­ner Schluss­for­mel er­gibt und des­halb die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ei­nen sol­chen An­spruch ver­neint hat. Dem­ent­spre­chend lässt sich aus ei­nem Ar­beits­zeug­nis oh­ne Schluss­for­mel nicht der Schluss zie­hen, der Ver­fas­ser ha­be hier­mit ei­ne be­son­de­re Aus­sa­ge tref­fen und sei­ne Leis­tungs- und Ver­hal­tens­be­ur­tei­lung re­la­ti­vie­ren wol­len.


d) Auch aus dem „Wohl­wol­lens­grund­satz“ er­gibt sich kein An­spruch auf Ergänzung des Zeug­nis­ses um die vom Kläger be­gehr­te For­mu­lie­rung (aA LAG Düssel­dorf 3. No­vem­ber 2010 - 12 Sa 974/10 - zu II 2 der Gründe, NZA-RR 2011, 123). Ein Zeug­nis soll zwar von verständi­gem Wohl­wol­len ge­genüber dem Ar­beit­neh­mer ge­tra­gen sein und ihm das wei­te­re Fort­kom­men nicht un­ge­recht­fer­tigt er­schwe­ren (vgl. BAG 8. Fe­bru­ar 1972 - 1 AZR 189/71 - BA­GE 24, 112, 114 f. mwN). Die­ser Grund­satz ist je­doch nicht ge­eig­net, über die in § 109 Ge­wO vom Ge­setz­ge­ber fest­ge­leg­ten Ansprüche bezüglich des In­halts von Zeug­nis­sen hin­aus wei­te­re Ansprüche von Ar­beit­neh­mern zu be­gründen. Ein
 


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Zeug­nis muss nur im Rah­men der Wahr­heit verständig wohl­wol­lend sein (st. Rspr., vgl. BAG 9. Sep­tem­ber 1992 - 5 AZR 509/91 - zu III der Gründe, AP BGB § 630 Nr. 19 = EzA BGB § 630 Nr. 15; 8. Fe­bru­ar 1972 - 1 AZR 189/71 - aaO). Da­mit ver­pflich­tet der „Wohl­wol­lens­grund­satz“ den Ar­beit­ge­ber nur, bei der Erfüllung der durch § 109 Ge­wO be­gründe­ten Pflich­ten Wohl­wol­len wal­ten zu las­sen. Der Grund­satz be­schreibt nur das „Wie“ der Leis­tungs­er­brin­gung und setzt in­so­fern das Be­ste­hen ei­nes An­spruchs vor­aus.


e) Grundsätz­lich kor­re­spon­diert mit der feh­len­den Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers, persönli­che Emp­fin­dun­gen, wie Be­dau­ern, Dank oder gu­te Wünsche, im Ar­beits­zeug­nis zum Aus­druck zu brin­gen, der An­spruch des Ar­beit­neh­mers auf Er­tei­lung ei­nes Zeug­nis­ses oh­ne ei­nen ent­spre­chen­den Schluss­satz. Da ei­ne Schluss­for­mel nach dem Ge­setz nicht zum er­for­der­li­chen Zeug­nis­in­halt gehört, hat der Ar­beit­neh­mer An­spruch auf die Ent­fer­nung ei­ner vom Ar­beit­ge­ber ver­wand­ten Schluss­for­mel un­abhängig da­von, ob in die­ser tatsächlich ein Ge­heim­zei­chen iSd. § 109 Abs. 2 Satz 2 Ge­wO zu se­hen ist. Die Er­tei­lung ei­nes Zeug­nis­ses oh­ne je­den Schluss­satz hat der Kläger nicht ver­langt. Dies hat er in der Re­vi­si­ons­ver­hand­lung noch­mals klar­ge­stellt, als er das An­ge­bot der Be­klag­ten ab­ge­lehnt hat, den Schluss­satz im Zeug­nis „Wir wünschen ihm für die Zu­kunft al­les Gu­te“ zu strei­chen.


III. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO. 


Brühler 

Suckow 

Klo­se

Ro­pertz 

Spie­ker­mann

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