Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Betriebsratswahl
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Akten­zeichen: 7 TaBV 764/11
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 19.07.2011
   
Leit­sätze:

1. Ei­ner Vor­schlags­lis­te zur Be­triebs­rats­wahl (" Min­der­heits­lis­te") ste­hen nach der Wahl im Zu­sam­men­hang mit der Geschäftsführung des neu gewähl­ten Be­triebs­rats kei­ne "ei­ge­nen" Auf­ga­ben und Be­fug­nis­se zu. Sie kann da­her nicht aus ei­ge­nem Recht vom Ar­beit­ge­ber oder von dem "Be­triebs­rat", dem ih­re Mit­glie­der selbst an­gehören, die Be­reit­stel­lung von Sach­mit­teln zur al­lei­ni­gen Verfügung ver­lan­gen.

2. Die Mit­glie­der ei­ner sol­chen Min­der­heits­lis­te ha­ben ge­genüber dem Be­triebs­rats­gre­mi­um kei­nen An­spruch auf Be­reit­stel­lung ei­nes Raums so­wie ent­spre­chen­der Büro­mit­tel wie Com­pu­ter, Schreib­tisch etc. zur al­lei­ni­gen Verfügung. Das Be­triebs­rats­gre­mi­um ent­schei­det in ei­ge­ner Au­to­no­mie darüber, wie es sei­ne per­so­nel­len und sach­li­chen Res­sour­cen für sei­ne Be­triebs­rats­ar­beit am bes­ten nutzt.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Beschluss vom 7.02.2011, 17 BV 14806/10
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ber­lin-Bran­den­burg

 

Verkündet

am 19. Ju­li 2011

Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)

7 TaBV 764/11

17 BV 14806/10
Ar­beits­ge­richt Ber­lin  

H.,
Ge­richts­beschäftig­te
als Ur­kunds­be­am­ter/in
der Geschäfts­stel­le

 

Be­schluss

In Sa­chen

pp

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 7. Kam­mer,
auf die Anhörung vom 19. Ju­li 2011
durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt R. als Vor­sit­zen­de
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter H. und B.

be­schlos­sen:

I. Die Be­schwer­de der Be­tei­lig­ten zu 2) bis 5) ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 07. Fe­bru­ar 2011 - 17 BV 14806/10 - wird eben­so wie die Anträge der Be­tei­lig­ten zu 6) zurück­ge­wie­sen.

II. Die Rechts­be­schwer­de wird nicht zu­ge­las­sen.

 

- 3 -

Gründe


1. Die Be­tei­lig­ten strei­ten darüber, ob der Be­triebs­rat ei­ner bei der Wahl an­ge­tre­te­nen Lis­te bzw. de­ren in den Be­triebs­rat gewähl­ten Mit­glie­dern Räum­lich­kei­ten und Sach­mit­tel zur al­lei­ni­gen Nut­zung über­las­sen muss.

Die Be­tei­lig­te zu 8 (im fol­gen­den Ar­beit­ge­be­rin) ist ein in­ter­na­tio­nal täti­ges Un­ter­neh­men der Au­to­mo­bil­in­dus­trie, das un­ter an­de­rem ein Werk in Ber­lin un­terhält. Der Be­tei­lig­te zu 7 ist der dort nach den Grundsätzen der Verhält­nis­wahl gewähl­te Be­triebs­rat (im fol­gen­den Be­triebs­rat) mit 21 Mit­glie­dern, von de­nen 6 Mit­glie­der frei­ge­stellt sind. Die Be­tei­lig­ten zu 1 bis 5 sind Mit­glie­der die­ses Be­triebs­rats. Sie kan­di­dier­ten bei den Be­triebs­rats­wah­len 2010 für die Vor­schlags­lis­te „Al­ter­na­ti­ve“. Die Be­tei­lig­te zu 6 ist die Vor­schlags­lis­te „Al­ter­na­ti­ve“.

Bei den Be­triebs­rats­wah­len im März 2010 stan­den 3 Vor­schlags­lis­ten zur Wahl. Es ent­fie­len mit 1.403 Stim­men 15 Be­triebs­rats­sit­ze auf die Vor­schlags­lis­te der IG-Me­tall, mit 526 Wähler­stim­men 5 Sit­ze auf die Vor­schlags­lis­te „Al­ter­na­ti­ve“ und 1 Sitz auf die Lis­te „Fai­re Ba­sis“. Fünf der frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glie­der stam­men aus der Vor­schlags­lis­te der IG-Me­tall, ein frei­ge­stell­tes Be­triebs­rats­mit­glied aus der Vor­schlags­lis­te „Al­ter­na­ti­ve“. Da­bei han­del­te es sich zu­letzt um den An­trags­stel­ler zu 3.

Die Ar­beit­ge­be­rin stell­te dem Be­triebs­rat auf dem Be­triebs­gelände ein ei­ge­nes Gebäude mit ei­nem Se­kre­ta­ri­at, 7 Büroräum­en so­wie zwei Be­spre­chungs­zim­mer zur Verfügung. Drei der Büroräume sind mit ei­nem Ar­beits­platz so­wie Be­spre­chungsmöglich­kei­ten aus­ge­stat­tet, 3 Büroräume mit je­weils zwei Ar­beitsplätzen und 1 Raum mit vier Ar­beitsplätzen. Die Ar­beitsplätze sind mit Schreib­ti­schen, Com­pu­tern, Te­le­fo­nen und Schränken ein­ge­rich­tet. Die Be­spre­chungs­zim­mer sind je­weils mit ei­nem PC aus­ge­stat­tet. Zu ih­rer Nut­zung be­darf es der vor­he­ri­gen An­mel­dung im Se­kre­ta­ri­at des Be­triebs­rats.

Die Ver­tei­lung der Büroräume er­folg­te der­ge­stalt, dass der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den und ih­rem Stell­ver­tre­ter (bei­de frei­ge­stellt und von der IG-Me­tall-Lis­te) ei­ner der Büroräume mit ei­nem Ar­beits­platz und Be­spre­chungsmöglich­kei­ten zu­ge­wie­sen wur­de, den drei wei­te­ren frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glie­der, die aus der IG-Me­tall-Lis­te stam­men, zwei der Büroräume mit je­weils zwei Ar­beitsplätzen und dem frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glied der Lis­te „Al­ter­na­ti­ve“ ei­ner der Büroräume mit zwei Ar­beitsplätzen, den sich die­ser mit ei­nem nicht frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glied aus der IG-Me­tall-Lis­te, der in den Be­triebs­aus­schuss gewählt wur­de, tei­len muss. Der drit­te Büro­raum mit nur ei­nem Ar­beits­platz wird von dem

 

- 4 -

Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­ter ge­nutzt. Der Büro­raum mit vier Ar­beitsplätzen ist für die nicht frei­ge­stell­ten Mit­glie­der vor­ge­se­hen. Die­se Ver­tei­lung wur­de mit ei­nem Be­schluss des Be­triebs­rats vom 21. Ja­nu­ar 2011 bestätigt.

Mit Schrei­ben ih­res Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ten vom 21.05.2010 (Bl. 22 und 23 d.A.) for­der­ten die An­trag­stel­ler die Ar­beit­ge­be­rin auf, dem da­mals noch frei­ge­stell­ten An­trags­stel­ler zu 1 ei­nen ei­ge­nen ab­sch­ließba­ren Büro­raum mit ent­spre­chen­dem PC, Te­le­fon-, Fax- und In­ter­net­an­schluss für die Be­triebs­rats­ar­beit zur Verfügung zu stel­len. Die­sem Schrei­ben war ei­ne Gebühren-Be­rech­nung ih­res Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ten über 402,82 EUR bei­gefügt (Bl. 24 d.A.). Mit Schrei­ben ih­res Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ten vom 25. Mai 2011 (Bl. 25 d.A.) wand­ten sie sich zu­gleich an den Be­triebs­rat und for­der­ten die­sen auf, sich bei der Ar­beit­ge­be­rin für die Be­reit­stel­lung ei­nes ei­ge­nen Büro­raums ein­zu­set­zen.

Da die Ar­beit­ge­be­rin die Be­reit­stel­lung wei­te­rer Räum­lich­kei­ten für den Be­triebs­rat ab­lehn­te und auch die Gebühren­rech­nung nicht be­glich, ver­fol­gen die aus der Vor­schlags­lis­te Al­ter­na­ti­ve stam­men­den Be­triebs­rats­mit­glie­der ih­re Ansprüche in Be­zug auf die Räum­lich­kei­ten und Sach­mit­tel ge­richt­lich zu­letzt aus­sch­ließlich ge­genüber dem Be­triebs­rat wei­ter, wo­bei die Anträge zunächst erst­in­stanz­lich im Anhörungs­ter­min da­hin­ge­hend klar­ge­stellt wur­den, dass die als Be­tei­lig­te zu 6 be­nann­te „Be­triebs­rats­lis­te Al­ter­na­ti­ve“ das Ver­fah­ren nicht be­trei­be.

Das Ar­beits­ge­richt Ber­lin hat mit Be­schluss vom 7. Fe­bru­ar 2011 die Anträge zurück­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, den Lis­ten­ver­tre­tern stünde un­ter kei­nem er­denk­li­chen Ge­sichts­punkt ein ge­gen den Be­triebs­rat ge­rich­te­ter An­spruch auf Über­las­sung ei­nes Rau­mes zur al­lei­ni­gen Nut­zung zu. § 40 Be­trVG stel­le dafür kei­ne ge­eig­ne­te An­spruchs­grund­la­ge dar, da sich die­ser auf das Verhält­nis zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat be­zie­he. Der Be­triebs­rat ent­schei­de über den Um­gang mit den ihm vom Ar­beit­ge­ber be­reit­ge­stell­ten Mit­teln durch Mehr­heits­be­schluss nach § 33 Be­trVG. Der Ver­weis auf den Min­der­hei­ten­schutz ge­he fehl. Das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz ga­ran­tie­re kei­nen ab­so­lu­ten Min­der­hei­ten­schutz. Kon­kre­te Ansprüche könn­ten dar­aus nicht ab­ge­lei­tet wer­den. So­weit die An­trags­stel­ler den Be­triebs­rats­be­schluss zur Ver­tei­lung der Räum­lich­kei­ten als rechts­wid­rig an­ge­grif­fen hätten, feh­le es an ei­nem die Un­wirk­sam­keit be­gründen­den Sach­vor­trag. Die vor­ge­brach­ten Be­den­ken beträfen al­len­falls Zweckmäßig­keits­erwägun­gen, die nicht zu über­prüfen sei­en. So­weit die An­trag­stel­ler mit ver­schie­de­nen Fall­bei­spie­len die Not­wen­dig­keit ei­ge­ner Räum­lich­kei­ten auf­zei­gen woll­ten, wi­der­spre­che das dar­in zum Aus­druck ge­kom­me­ne Verständ­nis der Lis­ten­ver­tre­ter von der

 

- 5 -

Be­triebs­rats­ar­beit dem kla­ren Wort­laut des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes. Auch mit ei­nem Ver­s­toß ge­gen § 78 Be­trVG könne der An­spruch nicht be­gründet wer­den. Die­se Vor­schrift gewähre oh­ne­hin nur Un­ter­las­sungs­ansprüche. Ei­nen An­spruch auf Frei­stel­lung von den Kos­ten hätten die Lis­ten­ver­tre­ter eben­falls nicht. Die Gel­tend­ma­chung ei­nes An­spruchs auf ei­nen ei­ge­nen Raum ge­genüber der Ar­beit­ge­be­rin sei of­fen­kun­dig nicht er­for­der­lich ge­we­sen, da die­se dem Be­triebs­rat aus­rei­chend Räum­lich­kei­ten zur Verfügung ge­stellt ha­be. Auf die Ver­tei­lung der Räum­lich­kei­ten in­ner­halb des Be­triebs­rats ha­be die Ar­beit­ge­be­rin kei­nen Ein­fluss. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens der Be­tei­lig­ten so­wie der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung wird auf den an­ge­foch­te­nen Be­schluss Be­zug ge­nom­men.

Ge­gen die­sen den An­trags­stel­lern am 3. März 2011 zu­ge­stell­ten Be­schluss rich­tet sich ih­re Be­schwer­de, die sie mit ei­nem beim Lan­des­ar­beits­ge­richt am 1. April 2011 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz ein­ge­legt und mit ei­nem beim Lan­des­ar­beits­ge­richt nach Verlänge­rung der Be­gründungs­frist bis zum 17. Mai 2011 am 17. Mai 2011 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet ha­ben.

Die An­trags­stel­ler und Be­schwer­deführer wen­den sich mit recht­li­chen Ausführun­gen ins­be­son­de­re zu Art. 3 GG und zum Min­der­hei­ten­schutz, der aus ih­rer Sicht ei­nen ei­ge­nen Raum für ih­re Lis­te für de­ren Frak­ti­ons­ar­beit, zu­min­dest aber für ihr frei­ge­stell­tes Mit­glied er­for­de­re, ge­gen die ar­beits­ge­richt­li­che Ent­schei­dung.

Nach­dem mit Schrift­satz vom 12. Ju­li 2011 die Be­triebs­rats­lis­te Al­ter­na­ti­ve er­wei­ternd auf der An­trag­stel­ler­sei­te in das Ver­fah­ren ein­ge­tre­ten ist, und nach­dem der Be­tei­lig­te zu 1 sei­nen An­trag zurück­ge­nom­men hat, be­an­tra­gen die Be­tei­lig­ten zu 2 – 6 zu­letzt den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 07.02.2011 Az.: 17 BV 14806/10 auf­zu­he­ben und

1. Dem Be­triebs­rat auf­zu­ge­ben, den An­trag­stel­ler zu 6) – der Frak­ti­on bzw. Lis­te „Al­ter­na­ti­ve“ -, ei­nen Büro­raum mit Büroar­beits­platz (d.h. min­des­tens: Schreib­tisch, PC, Dru­cker, Te­le­fon, Fax nebst ent­spre­chen­den An­schlüssen und Ak­ten­schrank) für ih­re Be­triebs­ratstätig­keit zur al­lei­ni­gen Verfügung durch ih­re Mit­glie­der – d.h. oh­ne die­sen Raum mit ei­nem an­de­ren Be­triebs­rats­mit­glied ei­ner an­de­ren Lis­te oh­ne ih­re Zu­stim­mung tei­len zu müssen – zu stel­len,

 

- 6 - 

2. hilfs­wei­se für den Fall der Zurück­wei­sung dem Be­triebs­rat auf­zu­ge­ben, den Be­triebs­rats­mit­glie­dern der Frak­ti­on bzw. Lis­te „Al­ter­na­ti­ve“ ei­nen Büro­raum mit Büroar­beits­platz (d.h. min­des­tens: Schreib­tisch, PC, Dru­cker, Te­le­fon, Fax nebst ent­spre­chen­den An­schlüssen und Ak­ten­schrank) für ih­re Be­triebs­ratstätig­keit zur al­lei­ni­gen Verfügung durch ih­re Mit­glie­der – d.h. oh­ne die­sen Raum mit ei­nem an­de­ren Be­triebs­rats­mit­glied ei­ner an­de­ren Lis­te oh­ne ih­re Zu­stim­mung tei­len zu müssen – zu stel­len,

3. hilfs­wei­se für den Fall des Un­ter­lie­gens mit die­sen Anträgen dem Be­triebs­rat auf­zu­ge­ben, dem für die Be­triebs­rats­ar­beit frei­ge­stell­ten An­trags­stel­ler zu 3 – im Fal­le der Ver­hin­de­rung dem je­weils in die­se Funk­ti­on nachrücken­den Be­triebs­rats­mit­glied der Lis­te „Al­ter­na­ti­ve“ ei­nen Büro­raum mit Büroar­beits­platz (d.h. min­des­tens: Schreib­tisch, PC, Dru­cker, Te­le­fon, Fax nebst ent­spre­chen­den An­schlüssen und Ak­ten­schrank) für sei­ne/ih­re Be­triebs­ratstätig­keit zur al­lei­ni­gen Verfügung durch ih­re Mit­glie­der – d.h. oh­ne die­sen Raum mit ei­nem an­de­ren Be­triebs­rats­mit­glied ei­ner an­de­ren Lis­te oh­ne sei­ne/ih­re Zu­stim­mung tei­len zu müssen – zu stel­len

4. hilfs­wei­se für den Fall des Un­ter­lie­gens mit die­sem An­trag dem Be­triebs­rat auf­zu­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, dem für die Be­triebs­rats­ar­beit frei­ge­stell­ten An­trag­stel­ler zu 3 – im Fal­le der Ver­hin­de­rung dem je­weils in die­se Funk­ti­on nachrücken­den Be­triebs­rats­mit­glied der Lis­te „Al­ter­na­ti­ve“ – nicht die al­lei­ni­ge Nut­zung des ihm zu­ge­wie­se­nen Büro­raums zu er­lau­ben und statt­des­sen die ständi­ge Mit­nut­zung die­ses Büro­raums durch ein an­de­res Be­triebs­rats­mit­glied an­zu­wei­sen bzw. zu dul­den, oh­ne dass der An­trag­stel­ler zu 3 oder ein als Ver­tre­ter nachrücken­des Be­triebs­rats­mit­glied der Lis­te „Al­ter­na­ti­ve“ die­ser ge­mein­sa­men Nut­zung zu­ge­stimmt hat,

5. hilfs­wei­se für den Fall des Un­ter­lie­gens mit die­sen bei­den Hilfs­anträgen, fest­zu­stel­len, dass der Be­schluss des Be­triebs­rats vom 21.01.2011 über die Raum­ver­tei­lung (Ta­ges­ord­nungs­punkt 4) un­wirk­sam ist.

6. Der Ar­beit­ge­be­rin auf­zu­ge­ben, die Be­tei­lig­ten zu 1) bis 5) von der Gebühren­rech­nung der Rechts­anwälte B. G. H. Nr. 8902 v. 25.5.2010 i.H.v. 402,82 € frei­zu­stel­len.

 

- 7 - 

Die Be­tei­lig­ten zu 7 und 8 be­an­tra­gen je­weils

Die Be­schwer­de zurück­zu­wei­sen.

Die Be­tei­lig­ten zu 7 und 8 ver­tei­di­gen den ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss mit Rechts­ausführun­gen.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Be­tei­lig­ten im Be­schwer­de­ver­fah­ren wird auf die Schriftsätze der An­trag­stel­ler und Be­schwer­deführer vom 17. Mai 2011 (Bl. 179 – 203 d.A) und vom 12. Ju­li 2011 (Bl. 223 – 226 d.A.) so­wie auf den­je­ni­gen des Be­triebs­rats vom 16. Ju­ni 2011 (Bl. 212 – 214 d.A.) und der Ar­beit­ge­be­rin vom 6. Ju­li 2011 (Bl. 217 -218 d.A.) Be­zug ge­nom­men.

2. Die gemäß §§ 8 Abs. 4, 87, 66 Abs. 1 ArbGG statt­haf­te und zulässi­ge Be­schwer­de hat in der Sa­che kei­nen Er­folg. Die Anträge der Be­tei­lig­ten zu 6 er­wei­sen sich be­reits als un­zulässig, die Anträge der Be­tei­lig­ten zu 2 bis 5 er­wei­sen sich zum Teil als un­zulässig und so­weit sie zulässig sind als un­be­gründet.

2.1. Am Ver­fah­ren wa­ren ne­ben den An­trag­stel­lern so­wohl der Be­triebs­rat als auch die Ar­beit­ge­be­rin be­tei­ligt. Die Be­tei­lig­ten zu 2 bis 5 sind eben­so wie die Be­tei­lig­te zu 6, die Be­triebs­rats­lis­te Al­ter­na­ti­ve, als An­trags­stel­ler am Be­schluss­ver­fah­ren zu be­tei­li­gen. Der Be­triebs­rat war zu be­tei­lig­ten, weil er im We­sent­li­chen Adres­sat der Anträge ist, der Adres­sat im Be­schluss­ver­fah­ren ist aber im­mer anhörungs­be­rech­tigt. Auch ist der Be­triebs­rat durch das Be­geh­ren un­mit­tel­bar in sei­ner be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Stel­lung be­trof­fen. Die Ar­beit­ge­be­rin ist gemäß § 83 Abs. 3 ArbGG im Be­schluss­ver­fah­ren stets zu be­tei­li­gen. Sie ist außer­dem auch Adres­san­tin des Kos­ten­frei­stel­lungs­an­tra­ges.

2.2 Die im We­ge der An­trags­er­wei­te­rung im Be­schwer­de­ver­fah­ren ge­stell­ten Haupt- und Hilfs­anträge der Be­triebs­rats­lis­te „Al­ter­na­ti­ve“ sind un­zulässig. Zwar war die Be­triebs­rats­lis­te Al­ter­na­ti­ve für das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren als be­tei­lig­tenfähig an­zu­se­hen. Die An­trags­er­wei­te­rung im Be­schwer­de­ver­fah­ren er­weist sich auch als sach­dien­lich. Der Be­triebs­rats­lis­te „Al­ter­na­ti­ve“ fehlt es in­des für ih­re Anträge an der nach § 81 Abs. 1 ArbGG er­for­der­li­chen An­trags­be­fug­nis.

2.2.1 Die Vor­schlags­lis­te „Al­ter­na­ti­ve“ war im vor­lie­gen­den Be­schluss­ver­fah­ren als be­tei­lig­tenfähig im Sin­ne von § 10 ArbGG an­zu­se­hen. Dies gilt schon des­halb, weil im Streit

 

- 8 -

um die Par­tei- bzw. Be­tei­lig­tenfähig­keit die be­trof­fe­ne Par­tei als par­teifähig an­zu­se­hen ist (vgl. Mat­thes in Ger­mel­mann ArbGG 7. Aufl. Rz. 43). Zu­dem war zu berück­sich­ti­gen, das die Vor­schlags­lis­te „Al­ter­na­ti­ve“ ei­ge­ne Anträge stellt und für sich in An­spruch nimmt, als „Ko­ali­ti­on“ bzw. „Frak­ti­on“ In­ha­be­rin ei­ge­ner Rech­te aus dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz zu sein. Wären ei­ner Vor­schlags­lis­te sol­che Rech­te aus dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz zu­ge­wie­sen, wäre sie als Stel­le im Sin­ne von § 10 Satz 1 Halbs. 2 ArbGG – un­ter an­de­rem – in Ver­fah­ren nach § 2 a Abs. 1 Nr. 1 ArbGG be­tei­lig­tenfähig. In ei­nem sol­chen Fall der „Dop­pel­re­le­vanz“ recht­lich be­deut­sa­mer Umstände so­wohl für die Zulässig­keit als auch für die Be­gründet­heit ei­nes An­tra­ges ist es ge­recht­fer­tigt, das Vor­lie­gen der Ver­fah­rens­vor­aus­set­zun­gen an­zu­neh­men, um ei­ne der Rechts­kraft fähi­ge Sach­ent­schei­dung zu ermögli­chen (BAG v. 19.09.2006 – 1 ABR 53/05 – NJW 2007, 1018; Hess. LAG v. 23.10.2008 – 9 TaBV 155/08 – in ju­ris; i.E. auch Mat­thes in Ger­mel­mann ArbGG 7. Aufl. § 10 Rz. 31). Dies gilt je­den­falls vor­lie­gend zu­min­dest für die An­nah­me der Be­tei­lig­tenfähig­keit der Be­triebs­rats­lis­te Al­ter­na­ti­ve. Da­bei ist es auch nicht von vor­ne­her­ein aus­ge­schlos­sen, dass ei­ner Vor­schlags­lis­te nach § 14 Be­trVG, § 6 ff. WO ei­ge­ne Rech­te zu­ste­hen können (so z.B. zum Grund­rechts­schutz ei­ner Be­wer­ber­lis­te nach Art. 9 Abs. 1 GG je­den­falls bis zur Be­triebs­rats­wahl Rieb­le/Wie­bau­er Mei­nungs­kampf im Be­trieb ZfA 2010, 63, 124).

2.2.2 Die im Be­schwer­de­ver­fah­ren vor­ge­nom­me­ne An­trags­er­wei­te­rung auf die Be­triebs­rats­lis­te Al­ter­na­ti­ve er­weist sich auch als sach­dien­lich im Sin­ne von § 533 ZPO. Denn mit die­sem An­trag kann der zwi­schen den Be­tei­lig­ten schwe­len­de Streit über evtl. be­ste­hen­de Rech­te und Be­fug­nis­se der Be­triebs­rats­mit­glie­der aus der Vor­schlags­lis­te Al­ter­na­ti­ve bzw. de­ren Rech­te und Be­fug­nis­se um­fas­send und endgültig zwi­schen den Be­tei­lig­ten geklärt wer­den. Die Vor­aus­set­zun­gen von § 533 Halbs. 2 ZPO lie­gen un­zwei­fel­haft vor.

2.2.3 Der An­trag der Be­triebs­rats­lis­te Al­ter­na­ti­ve er­weist sich in­des aus an­de­ren Gründen als un­zulässig. Der Be­triebs­rats­lis­te Al­ter­na­ti­ve fehlt es an der An­trags­be­fug­nis im Sin­ne von § 81 Abs. 1 ArbGG. Die Be­triebs­rats­lis­te Al­ter­na­ti­ve macht kei­ne ei­ge­nen ma­te­ri­el­len Rech­te aus dem Be­triebs­ver­fas­sungs­recht gel­tend. Das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz sieht sol­che ei­ge­ne Rech­te ei­ner Wahl­lis­te bei der Ausübung der Be­triebs­ratstätig­keit nicht vor. Sie er­ge­ben sich auch nicht aus Art. 9 GG.

2.2.3.1 Das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz kennt Vor­schlags­lis­ten nur als Grund­la­ge der Wahl der Mit­glie­der ein­sch­ließlich der Nachrücker für den Be­triebs­rat. Nach § 14 Be­trVG können

 

- 9 -

die wahl­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mer und die im Be­trieb ver­tre­te­nen Ge­werk­schaf­ten Wahl­vor­schläge ma­chen. Gibt es meh­re­re Vor­schlags­lis­ten, er­folgt die Wahl nach den Grundsätzen der Verhält­nis­wahl (§ 14 Abs. 1 Be­trVG). Auch die Wahl­ord­nung enthält in Be­zug auf die Vor­schlags­lis­ten nur Re­ge­lun­gen zur Vor­be­rei­tung ei­ner ord­nungs­gemäßen Wahl.

Schon im Rah­men der Wahl wird den Vor­schlags­lis­ten ei­ne ei­genständi­ge Rechts­po­si­ti­on, aus der ei­ge­ne Rech­te ab­zu­lei­ten wären, nicht zu­ge­ord­net. In der Wahl­ord­nung ist al­lein ei­ne In­for­ma­ti­ons­pflicht des Wahl­vor­stan­des ge­genüber den Lis­ten­ver­tre­tern für den Fall der Ungültig­keit oder Be­an­stan­dung der Vor­schlags­lis­te vor­ge­se­hen (§ 7 Abs. 2 WO), und die­se sind bei der Los­ent­schei­dung über die fest­zu­le­gen­de Rei­hen­fol­ge der Vor­schlags­lis­ten zu in­for­mie­ren (§ 10 Abs. 1 WO). Die Wahl­an­fech­tung ih­rer­seits ist in­des den ein­zel­nen wahl­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mern, den im Be­trieb ver­tre­te­nen Ge­werk­schaf­ten und dem Ar­beit­ge­ber vor­be­hal­ten. Die Wahl­vor­schlags­lis­ten, die von Mängeln der Be­triebs­rats­wahl be­trof­fen sein könn­ten, sind als An­fech­tungs­be­rech­tig­te nicht vor­ge­se­hen (§ 19 Be­trVG).

Ent­ge­gen der An­nah­me der An­trags­stel­ler kom­men für die Zeit nach der Wahl den Vor­schlags­lis­ten ei­ge­ne Auf­ga­ben und Be­fug­nis­se bei der Geschäftsführung des Be­triebs­rats nicht zu. Die Vor­schlags­lis­ten die­nen al­lei­ne noch als Grund­la­ge für die Be­stim­mung der nachrücken­den Be­triebs­rats­mit­glie­der. Für das Nachrücken soll sich nämlich bei der Zu­sam­men­set­zung des Be­triebs­rats das ursprüng­li­che Wahl­er­geb­nis wi­der­spie­geln. So­weit bei der Wahl des Vor­sit­zen­den (§ 26 Be­trVG), der Wahl der frei­zu­stel­len­den Be­triebs­rats­mit­glie­der oder sons­ti­ger Gre­mi­en gleich­wohl von „Vor­schlags­lis­ten“ die Re­de ist, die dann zur Verhält­nis­wahl führen, han­delt es sich da­bei um gänz­lich neue, ggf. so­gar an­de­re nur für die je­wei­li­ge Wahl auf­zu­stel­len­de Lis­ten. Bei­spiels­wei­se könn­te ei­ne sol­che wei­te­re Wahl auch in den Fällen, in de­nen der Be­triebs­rat auf der Grund­la­ge meh­re­rer Lis­ten nach den Grundsätzen der Verhält­nis­wahl gewählt wor­den ist, gleich­wohl mit nur ei­ner Lis­te nach dem Mehr­heits­prin­zip statt­fin­den. Denn die­se Lis­te wird wie­der­um al­lei­ne von den Mit­glie­dern des gewähl­ten Be­triebs­rats auf­ge­stellt. Auch hier­aus wird deut­lich, dass die für die Wahl be­stimm­ten Vor­schlags­lis­ten für die nach­fol­gen­den Vorgänge oh­ne Be­lang sind. Hat aber die ursprüng­li­che „Vor­schlags­lis­te“ in der Zeit nach der Kon­sti­tu­ie­rung des Be­triebs­rats kei­ne Be­deu­tung mehr, so er­gibt sich dar­aus zu­gleich, dass ihr in die­ser Pha­se nicht nur kei­ne ei­ge­nen Rech­te mehr zu­ste­hen, son­dern dass sie dann im Grund­satz be­triebs­ver­fas­sungs­recht­lich nicht mehr exis­tent ist.

 

- 10 - 

2.2.3.2 Die­se Re­ge­lun­gen im Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz ste­hen nicht in Wi­der­spruch zu Art 9 Abs. 3 GG. Der dort fest­ge­leg­te Schutz der Ko­ali­ti­ons­frei­heit er­for­dert es nicht, ei­ne bei der Wahl an­ge­tre­te­nen Min­der­heits­lis­te ei­ge­ne Rech­te auch bei der nach­fol­gen­den Be­triebs­ratstätig­keit, um die es bei den vor­lie­gen­den Anträgen geht, zu­zu­ord­nen. Zwar ist im Grund­satz da­von aus­zu­ge­hen, dass Ko­ali­tio­nen im Sin­ne des Art. 9 Abs. 3 GG auch spe­zi­fisch ko­ali­ti­ons­gemäße Be­fug­nis­se im Rah­men der Be­triebs­rats-/Per­so­nal­rats­wah­len zu­ste­hen (vgl. BVerfG v. 23.03.1982 – 2 BvL 1/81 - BVerfGE 60, 162-175; v. 16.10.1984 – 2 BvL 20 und 21/81 – BverfGE 67, 369, 370; BAG v. 21.07.2004 – 7 ABR 58/03). Je­doch ist be­reits zwei­fel­haft, ob ei­ne zur Wahl ge­bil­de­te Vor­schlags­lis­te über­haupt ei­ne Ko­ali­ti­on im Sin­ne von Art. 9 Abs. 3 GG dar­stellt; je­den­falls würde sich hier­aus kei­ne Rechts­po­si­ti­on da­hin ab­lei­ten las­sen, dass sol­chen Vor­schlags­lis­ten in­ner­halb der Geschäftsführung des Be­triebs­rats ei­genständi­ge Funk­tio­nen mit ei­ge­nen Rech­ten zu­kom­men würde. Dem stünde be­reits ent­ge­gen, dass die Ausübung des Be­triebs­rats­am­tes für sich ge­nom­men kei­ne Betäti­gung in­ner­halb der Ko­ali­ti­ons­frei­heit dar­stellt (vgl. BVerfG vom 27.3.1979 – 2 BvR 1011/78 – BverfGE 51 77 ff.; BVerfG vom 26.5.1970 – 2 BvR 311/67 – BverfGE 28, 314). Der Be­triebs­rat und auch je­des sei­ner Mit­glie­der - ein­mal gewählt – ist Re­präsen­tant al­ler Beschäftig­ten und in de­ren In­ter­es­se tätig, auch so­weit die­se nicht oder in an­de­ren Ge­werk­schaf­ten or­ga­ni­siert sind (vgl. BVerfG v. 27.3.1979 – 2 BvR 1011/78 – a.a.O.); dies gilt auch so­weit die­se Beschäftig­ten nicht die je­wei­li­gen Wahl­lis­ten nicht un­terstützt ha­ben.

Aus die­sen Gründen schei­det auch der von der Be­triebs­rats­lis­te Al­ter­na­ti­ve in An­spruch ge­nom­me­ne Frak­ti­ons­sta­tus zur Be­gründung ei­ner An­spruchs­be­fug­nis aus. Ei­nen sol­chen Frak­ti­ons­sta­tus, bei der die ein­zel­nen Lis­ten in­ner­halb der Be­triebs­ratstätig­keit ei­ge­ne Po­li­tik be­trei­ben und ver­fol­gen würden, sieht das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz bei der Aus­ge­stal­tung des Be­triebs­rats­am­tes für den Be­triebs­rat und sei­ne Mit­glie­der nicht vor. Die un­ter­schied­li­chen Mei­nun­gen und An­sich­ten der Mit­ar­bei­ter, die sich in den Lis­ten wi­der­spie­geln, wer­den aus­rei­chend durch die im Ge­setz für ein­zel­ne Wah­len vor­ge­se­he­nen Grundsätze der Verhält­nis­wahl ge­wahrt. So­weit sie sich über die gewähl­ten Mit­glie­der in den Be­triebs­rat hin­ein fort­set­zen, sind sie dort Ge­gen­stand der Dis­kus­sio­nen im Gre­mi­um, das sei­ner­seits sei­ne Be­schlüsse mit Mehr­heit fasst, § 33 Abs. 1 Be­trVG. Be­triebs­rats­mit­glie­der oder Grup­pen von Be­triebs­rats­mit­glie­dern, die im Rah­men des Mehr­heits­be­schlus­ses mit ih­rer Auf­fas­sung un­ter­le­gen sind, sind da­durch nicht be­reits in ih­ren Rech­ten ver­letzt.

Auch der von der Be­triebs­rats­lis­te Al­ter­na­ti­ve an­geführ­te „Min­der­heits­schutz“ er­for­dert kei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung. Ab­ge­se­hen da­von, dass der Min­der­heits­schutz oh­ne­hin kein all­ge­mei­nes Prin­zip des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes dar­stellt, son­dern nur für be­stimm­te

 

- 11 -

vom Ge­setz­ge­ber aus­drück­lich ge­re­gel­te Fälle bei den Wah­len zu den ein­zel­nen Gre­mi­en gilt (std. Rspr. vgl. BAG v. 21.07.2004 – 7 ABR 58/03 – BA­GE 111, 269 ff.), er­for­der­te er es nicht auch ei­ner Vor­schlags­lis­te im Rah­men der (späte­ren) Be­triebs­ratstätig­keit ei­ge­ne Rech­te zu­zu­wei­sen. Sol­che könn­ten – ih­re Exis­tenz ein­mal un­ter­stellt – oh­ne­hin in glei­cher Wei­se von ein­zel­nen Be­triebs­rats­mit­glie­dern gel­tend ge­macht wer­den.

2.2.4 Fehlt es aber an ei­ge­nen Rech­ten der Lis­te Al­ter­na­ti­ve, die die­se im Rah­men des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens gel­tend ma­chen könn­te, kann sie auch nicht an­trags­be­fugt sein. So­wohl ih­re Haupt- als auch ih­re Hilfs­anträge, die oh­ne­hin auf die Gel­tend­ma­chung von Rech­ten Drit­ter, nämlich ih­rer Mit­glie­der ge­rich­tet sind, sind un­zulässig.

2.3 Der Haupt­an­trag der Be­tei­lig­ten zu 2 bis 5 ist eben­falls un­zulässig. Mit die­sem be­geh­ren die An­trags­stel­ler dem Be­triebs­rat auf­zu­ge­ben, der Be­triebs­rats­lis­te Al­ter­na­ti­ve ei­nen Büro­raum zu über­las­sen. In­so­weit fehlt es den Be­tei­lig­ten zu 2 bis 5 eben­falls an der An­trags­be­fug­nis nach § 81 Abs. 1 ArbGG. Im Be­schluss­ver­fah­ren ist ein Be­tei­lig­ter nur in­so­weit an­trags­be­fugt, als er ei­ge­ne Rech­te gel­tend macht (BAG v. 21.07.2004 – 7 ABR 58/03 a.a.O.). Mit ih­rem Haupt­an­trag ma­chen die ein­zel­nen Mit­glie­der der Be­triebs­rats­lis­te aber ein frem­des, nämlich das (ver­meint­li­che) Recht der Be­triebs­rats­lis­te Al­ter­na­ti­ve, der Be­tei­lig­ten zu 6, gel­tend.

2.4 Der ers­te Hilfs­an­trag der Be­tei­lig­ten zu 2 bis 5 ist zulässig aber un­be­gründet. Die An­trags­stel­len­den Be­triebs­rats­mit­glie­der ha­ben kei­nen An­spruch ge­gen den Be­triebs­rat dar­auf, dass die­ser ih­nen ei­nen der Büroräume zu ih­rer al­lei­ni­gen Nut­zung überlässt.

2.4.1 Die Be­tei­lig­ten zu 2 bis 5 sind im Rah­men die­ses An­tra­ges an­trags­be­fugt. Sie ma­chen in­so­weit ein ei­ge­nes Recht, nämlich die Über­las­sung von Räum­lich­kei­ten an sie als Mit­glie­der der Be­triebs­rats­lis­te Al­ter­na­ti­ve, gel­tend.

2.4.2 Der An­trag ist in­des nicht be­gründet. Die Be­tei­lig­ten zu 2 bis 5 ha­ben aus kei­nem recht­li­chen Ge­sichts­punkt her­aus ei­nen An­spruch ge­gen den Be­triebs­rat auf Be­reit­stel­lung ei­nes Büro­raums ein­sch­ließlich der im An­trag ge­nann­ten Sach­mit­tel.

2.4.2.1 Der An­spruch der Be­tei­lig­ten zu 2 bis 5 er­gibt sich nicht aus § 40 Abs. 2 Be­trVG. Da­nach hat der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat für die Sit­zun­gen, die Sprech­stun­den und die lau­fen­de Geschäftsführung in er­for­der­li­chem Um­fang Räume, sach­li­che Mit­tel, In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel so­wie Büro­per­so­nal zur Verfügung zu stel­len. Schon aus dem

 

- 12 -

Wort­laut der Vor­schrift folgt, dass § 40 Be­trVG das Verhält­nis des Ar­beits­ge­bers zum Be­triebs­rat re­gelt. Er hat dem Be­triebs­rat als Gre­mi­um die für des­sen Tätig­keit er­for­der­li­chen Mit­tel zur Verfügung zu stel­len. Dass dies ge­sche­hen ist, ist zwi­schen den Be­tei­lig­ten un­strei­tig. Die Norm kann – ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­tei­lig­ten zu 2 bis 5 - nicht er­wei­ternd auf Strei­tig­kei­ten in­ner­halb des Be­triebs­rats über die Ver­tei­lung der be­reit­ge­stell­ten Mit­tel aus­ge­legt wer­den. Dem steht ihr ein­deu­ti­ger, ei­ner an­de­ren Aus­le­gung nicht zugäng­li­cher Wort­laut ent­ge­gen.

Aber auch Sinn und Zweck der Norm er­lau­ben ei­ne sol­che Aus­le­gung nicht. § 40 Abs. 2 Be­trVG sieht für den Ar­beit­ge­ber die Be­reit­stel­lung der er­for­der­li­chen Mit­tel für die Tätig­keit des Be­triebs­rats und sei­ner Mit­glie­der im Rah­men ih­rer Be­triebs­ratstätig­keit durch den Ar­beit­ge­ber vor. Nur in die­sem Um­fang kann der Be­triebs­rat Mit­tel ver­lan­gen und nach die­sen Maßstäben muss er die ihm zur Verfügung ge­stell­ten Mit­tel sei­ner­seits auch ein­set­zen. Das be­deu­tet zu­gleich, dass die Mit­tel sei­tens des Gre­mi­ums da­nach zu ver­tei­len sind, wie sie für sei­ne Be­triebs­rats­ar­beit, nicht aber für et­wai­ge Frak­ti­ons- und Lis­ten­ar­beit benötigt wer­den. Bei der Nut­zung der dem Be­triebs­rat zur Verfügung ge­stell­ten Mit­tel geht es um die Funk­ti­onsfähig­keit des Be­triebs­rats. Wel­ches Be­triebs­rats­mit­glied wel­che Mit­tel benötigt, be­stimmt sich da­nach al­lei­ne nach des­sen kon­kre­ter Ar­beit für den Be­triebs­rat, nicht aber nach der An­zahl sei­ner Wähler­stim­men oder der Zu­gehörig­keit zu ei­ner be­stimm­ten Lis­te.

In­so­weit schei­det auch ein Re­kurs auf Art. 3 Abs. 1 GG aus. Dem Be­triebs­rats­gre­mi­um ist es nach dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz zu­ge­wie­sen, als Gan­zes ef­fek­tiv die In­ter­es­sen der Be­leg­schaft zu ver­tre­ten. Die­se Funk­tio­na­lität ist Maßstab der Be­triebs­rats­ar­beit. Das Gre­mi­um ent­schei­det in ei­ge­ner Au­to­no­mie darüber, wie es die­ser Auf­ga­be am bes­ten ge­recht wer­den kann. Dies be­inhal­tet auch den au­to­no­men Ein­satz sei­ner per­so­nel­len und sach­li­chen Res­sour­cen. Dies be­deu­tet, dass das Gre­mi­um wie­der­um mit Mehr­heits­be­schluss nach § 33 Abs. 1 Be­trVG ent­schei­den kann, in wel­chen Sach­ge­bie­ten es wie tätig wer­den soll und wel­che Per­so­nen und Sach­mit­tel hier zum Ein­satz kom­men soll. So kann es et­wa sein, dass das Gre­mi­um be­son­de­ren Au­gen­merk auf die Fra­ge der Ar­beits­zeit le­gen und dass es des­we­gen ge­ra­de auf die­sem Ge­biet ei­ne Rei­he von ei­ge­nen Ak­ti­vitäten star­tet, hin­sicht­lich de­rer es ei­ner­seits Sach­ver­stand et­wa durch die Teil­nah­me an Schu­lungs­ver­an­stal­tun­gen ge­win­nen will und an­de­rer­seits ho­he Über­zeu­gungs­ar­beit in­ner­halb der Be­leg­schaft leis­ten möch­te. In ei­nem sol­chen Fall wird das Gre­mi­um wie­der­um durch Mehr­heits­be­schluss sich dafür ent­schei­den, wel­che Mit­glie­der des Be­triebs­rats in wel­cher Wei­se ein­ge­setzt wer­den sol­len und wel­chen sach­li­chen Um­fang die Ak­ti­vitäten

 

- 13 -

(z.B. Um­fra­gen in der Be­leg­schaft) er­rei­chen sol­len. Al­le die­se Vorgänge ver­sch­ließen sich ei­ner An­wen­dung des Art. 3 Abs. 1 GG. Denn sie sind nicht auf ei­ne Gleich­be­hand­lung von Be­triebs­rats­mit­glie­dern son­dern auf die ef­fek­ti­ve Ausführung von Be­triebs­rats­ar­beit aus­ge­rich­tet. Für Art. 3 Abs. 1 GG ist hier­bei eben­so we­nig Raum wie für die An­wen­dung von § 75 Be­trVG.

2.4.2.2 Auch aus den Grundsätzen der ver­trau­ens­vol­len Zu­sam­men­ar­beit (§ 2 Abs. 1 Be­trVG) lässt sich der gel­tend ge­mach­te An­spruch der ein­zel­nen Be­triebs­rats­mit­glie­der ge­gen den Be­triebs­rat nicht ab­lei­ten. Hier­bei ist zunächst da­von aus­zu­ge­hen, dass die­se Vor­schrift be­reits von ih­rem Wort­laut her nur das Verhält­nis zwi­schen Be­triebs­rat und Ar­beit­ge­ber, nicht aber das Verhält­nis von ver­schie­de­nen Grup­pie­run­gen in­ner­halb des Be­triebs­rats re­gelt (Fit­ting Be­trVG 25. Aufl. § 2 Rz. 17). Aus die­ser Vor­schrift er­ge­ben sich je­den­falls kei­ne Ansprüche ein­zel­ner Mit­glie­der ge­gen das Be­triebs­rats­gre­mi­um, schon gar nicht sol­che der hier gel­tend ge­mach­ten Art.

2.4.2.3 Auch ein An­spruch aus § 78 Be­trVG schei­det aus. Das dort ge­re­gel­te Be­hin­de­rungs­ver­bot ist ein Recht der Be­triebs­rats­mit­glie­der, dass sich auf die Be­hin­de­rung sei­tens Drit­ter be­zieht. Dies kann der Ar­beit­ge­ber, sons­ti­ge Drit­te, Ge­werk­schaf­ten, Ar­beit­ge­ber­verbände u.a sein. Ein An­spruch ein­zel­ner Be­triebs­rats­mit­glie­der ge­gen das Gre­mi­um ist hier­aus nicht ge­ge­ben; das Gre­mi­um, al­so der Be­triebs­rat als Gan­zes, dem die An­trag­stel­ler zu 2 bis 5 eben­falls an­gehören, können Be­triebs­ratstätig­keit nicht be­hin­dern. Dies gilt ins­be­son­de­re für Maßnah­men, die durch Mehr­heits­be­schluss gemäß § 33 Abs. 1 Be­trVG er­folgt sind. Denn ei­ne sol­che Mehr­heits­ent­schei­dung stellt auch dann kei­ne Be­hin­de­rung der ei­ge­nen Ar­beit dar, wenn da­durch dem Wunsch der Min­der­heit nicht Rech­nung ge­tra­gen wird. Im Übri­gen ste­hen dem frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glied aus dem Wahl­vor­schlag Al­ter­na­ti­ve ein ei­ge­ner Ar­beits­platz und die er­for­der­li­chen Sach­mit­tel für sei­ne Be­triebs­ratstätig­keit zur Verfügung. Die nicht frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glie­der können für ih­re Tätig­keit die dafür vor­ge­se­he­nen Ar­beitsplätze nut­zen. Außer­dem be­steht die Möglich­keit, sich im Be­spre­chungs­raum zur Vor- und Nach­be­rei­tung zu tref­fen. Ei­nes ei­ge­nen Raums, der nur den Be­triebs­rats­mit­glie­dern der Be­triebs­rats­lis­te „Al­ter­na­ti­ve“ vor­be­hal­ten wäre, be­darf es für ei­ne ord­nungs­gemäße Be­triebs­rats­ar­beit nicht. Auch in­so­weit ist zu berück­sich­ti­gen, dass das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz die Be­triebs­ratstätig­keit nicht als „Frak­ti­ons­ar­beit“ aus­ge­stal­tet hat. Wie be­reits dar­ge­stellt, sind den Vor­schlags­lis­ten bei der Be­triebs­ratstätig­keit kei­ne Funk­ti­on und kei­ne Rechts­stel­lung zu­ge­wie­sen. So­weit ein­zel­ne Be­triebs­rats­mit­glie­der in ih­rer Be­triebs­ratstätig­keit auch des­halb z.B. von ein­zel­nen Ar­beit­neh­mern in An­spruch ge­nom­men wer­den, weil sie von ei­ner be­stimm­ten

 

- 14 -

Vor­schlags­lis­te gewählt und da­her das Ver­trau­en ih­rer Wähler ge­nießen, be­deu­tet dies nicht zu­gleich, dass dafür ei­ge­ne Räum­lich­kei­ten vor­ge­se­hen wer­den müssen, da­mit der übri­ge Be­triebs­rat da­von kei­ne Kennt­nis erhält. Denn auch in ei­nem sol­chen Fall wer­den die Be­triebs­rats­mit­glie­der nicht als „Frak­ti­ons­mit­glie­der“ son­dern in ih­rer Funk­ti­on als Be­triebs­rats­mit­glie­der und da­mit für den Be­triebs­rat als Gre­mi­um und Re­präsen­tan­ten der ge­sam­ten Be­leg­schaft tätig.

2.4.2.5 Auch der Ge­sichts­punkt des von den An­trags­stel­lern an­geführ­ten Min­der­hei­ten­schut­zes ge­bie­tet es nicht, den An­trags­stel­lern ei­ge­ne Räum­lich­kei­ten für ih­re Be­triebs­rats­ar­beit zur Verfügung zu stel­len. Aus ihm lässt sich ein An­spruch ge­genüber dem Gre­mi­um auf Be­reit­stel­lung ei­nes ei­ge­nen Büros und ei­ge­ner Ar­beits­mit­teln, die aus­sch­ließlich ih­nen zugäng­lich sind, nicht ab­lei­ten. Hier gilt gemäß § 33 Be­trVG für Be­schlüsse des Be­triebs­rats das rei­ne Mehr­heits­prin­zip.

2.5 Der wei­te­re Hilfs­an­trag zu 3 – Be­reit­stel­lung ei­nes ei­ge­nen Büros für das frei­ge­stell­te Be­triebs­rats­mit­glied – er­weist sich in Be­zug auf die An­trags­stel­ler 2, 4 und 5 als un­zulässig. Die­se sind in­so­weit nicht an­trags­be­fugt, da sie ein frem­des Recht, nämlich das be­haup­te­te Recht des frei­ge­stell­ten Be­tei­lig­ten zu 3, gel­tend ma­chen. In Be­zug auf den An­trags­stel­ler zu 3 er­weist sich der An­trag zwar als zulässig, in­des als un­be­gründet. Auch der An­trags­stel­ler zu 3 hat aus kei­ner der an­geführ­ten An­spruchs­grund­la­gen ei­nen An­spruch auf die Über­las­sung ei­nes ei­ge­nen Raums für sei­ne Be­triebs­rats­ar­beit. Auf die obi­gen Ausführun­gen, die auch für die­sen An­spruch gel­ten, wird Be­zug ge­nom­men.

2.6 Der wei­ter da­zu hilfs­wei­se ge­stell­te Un­ter­las­sungs­an­trag ist eben­falls un­be­gründet. Ab­ge­se­hen da­von, dass – wie oben dar­ge­tan – der Be­triebs­rat als Gre­mi­um nicht die „Be­triebs­rats­ar­beit be­hin­dern“ kann, ha­ben die An­trag­stel­ler auch nicht dar­ge­tan, dass das Be­triebs­rats­gre­mi­um die von ih­nen dar­ge­stell­ten Hand­lun­gen, die den Un­ter­las­sungs­an­spruch be­gründen sol­len, über­haupt vor­ge­nom­men hätte. Die An­trag­stel­ler set­zen hier of­fen­bar das Be­triebs­rats­gre­mi­um, dem sie selbst al­ler­dings auch an­gehören, mit Mit­glie­dern der Mehr­heits­lis­te gleich. Dies ist pro­zes­su­al und ma­te­ri­ell­recht­lich nicht wei­terführend.

2.7 Der wei­te­re Hilfs­an­trag auf Fest­stel­lung der Un­wirk­sam­keit des Be­triebs­rats­be­schlus­ses vom 21.01.2011, mit dem die vor­ge­nom­me­ne Raum­ver­tei­lung bestätigt wur­de, hat­te kei­nen Er­folg. Die­sem An­trag er­man­gelt es be­reits an ei­nem Fest­stel­lungs­in­ter­es­se. Denn Be­schlüsse des Be­triebs­rats können nicht selbständig an­ge­foch­ten wer­den. § 19 Be­trVG ist

 

- 15 -

man­gels ge­setz­li­cher Grund­la­ge auf sie nicht an­wend­bar. (BAG v. 21.07.2004 – 7 ABR 58/03 – BA­GE 111, 269 – 275). Aus der be­an­trag­ten Fest­stel­lung las­sen sich kei­ne wei­ter­ge­hen­den Rechts­fol­gen ab­lei­ten, die nicht be­reits in den vor­an­ge­gan­ge­nen Anträgen zu prüfen ge­we­sen wären.

Der An­trag ist zu­dem auch un­be­gründet. Der Be­schluss des Be­triebs­rats vom 21.01.2011 ist wirk­sam. Die An­trag­stel­ler ha­ben über die im Zu­sam­men­hang mit den vor­ran­gig ge­stell­ten Anträgen zu klären­de und zu ver­nei­nen­de Fra­ge, ob ih­re Lis­te oder ihr frei­ge­stell­tes Mit­glied ei­nen An­spruch auf ei­nen ei­ge­nen Raum hat, hin­aus­ge­hend kei­ne Un­wirk­sam­keits­gründe vor­ge­tra­gen. Dar­auf hat das Ar­beits­ge­richt be­reits zu Recht hin­ge­wie­sen. So­weit die An­trag­stel­ler die ord­nungs­gemäße La­dung der Be­triebs­rats­mit­glie­der rügen, ist dies­bezüglich fest­zu­stel­len, dass aus­weis­lich der Teil­neh­mer­lis­te 21 Be­triebs­rats­mit­glie­der ein­sch­ließlich Nachrücker teil­ge­nom­men und ab­ge­stimmt ha­ben. Hier hätten die An­trag­stel­ler, die selbst Mit­glie­der des Be­triebs­rats sind, schon ausführen müssen, wor­in ein Feh­ler lie­gen soll­te. Auch der Ta­ges­ord­nungs­punkt ist mit „Raum­be­le­gung Bau 76“ aus­rei­chend mit­ge­teilt wor­den, ging es doch um ei­ne in­ter­ne Aus­ein­an­der­set­zung des Be­triebs­rats über die Ver­tei­lung der Räume, die seit über ei­nem hal­ben Jahr geführt und für die das Ver­fah­ren beim Ar­beits­ge­richt auch ge­gen den Be­triebs­rat ein­ge­lei­tet wor­den war. Wel­che Vor­schläge über die Ver­tei­lung der Räum­lich­kei­ten den Be­triebs­rats­mit­glie­dern im Vor­feld hätten mit­ge­teilt wer­den sol­len, ver­ra­ten die An­trag­stel­ler nicht. Der ge­richt­li­che Ver­gleichs­vor­schlag war be­reits mit Schrift­satz vom 1.12.2010 sei­tens des Be­triebs­rats ab­ge­lehnt wor­den.

2.8. Aus die­sen Gründen wa­ren al­le Anträge ge­gen den Be­triebs­rats zurück­zu­wei­sen.

3. Der ge­gen die Ar­beit­ge­be­rin ge­rich­te­te An­trag auf Frei­stel­lung von den außer­ge­richt­li­chen Kos­ten konn­te eben­falls kei­nen Er­folg ha­ben. Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht den An­trag zurück­ge­wie­sen, weil die Be­auf­tra­gung des Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ten für Ansprüche ge­gen den Ar­beit­ge­ber of­fen­sicht­lich nicht er­for­der­lich war. Die Ar­beit­ge­be­rin war ih­rer Ver­pflich­tung nach § 40 Be­trVG um­fas­send nach­ge­kom­men, was die An­trag­stel­ler im Ver­fah­ren auch ein­ge­se­hen ha­ben.

Darüber hin­aus er­wei­sen sich die­se außer­ge­richt­li­chen Kos­ten auch des­halb nicht als er­for­der­lich, weil die außer­ge­richt­li­chen Gebühren vor­lie­gend nicht von den ge­setz­lich ge­re­gel­ten Rechts­an­walts­gebühren ge­deckt sind. Die außer­ge­richt­li­che Tätig­keit des Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ten des Be­triebs­rats ist vor­lie­gend mit der für das

 

- 16-

Be­schluss­ver­fah­ren an­ge­fal­le­nen Ver­fah­rens­gebühr nach Nr. 3100 der An­la­ge 1 zum RVG ab­ge­gol­ten.

Nach § 15 Abs. 2 Satz 1 RVG kann ein Rechts­an­walt in der­sel­ben An­ge­le­gen­heit ei­ne Gebühr nur ein­mal for­dern. Zu ei­nem Ver­fah­ren gehören nach § 19 Satz 1 RVG auch al­le Vor­be­rei­tungs-, Ne­ben und Ab­wick­lungstätig­kei­ten und sol­che Ver­fah­ren, die mit ei­nem Ver­fah­ren zu­sam­menhängen, wenn die Tätig­keit nicht nach § 18 RVG ei­ne be­son­de­re An­ge­le­gen­heit ist. Da­bei stimmt der gebühren­recht­li­che Recht­zug i. S. v. § 19 RVG mit dem pro­zes­sua­len Rechts­zug nicht übe­rein. Der Gebühren­rechts­zug be­ginnt mit dem Auf­trag gemäß § 15 Abs. 1 RVG, al­so schon vor der In­an­spruch­nah­me des Ge­richts; die Gebühren ent­gel­ten, so­weit das Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt, die ge­sam­te Tätig­keit des Rechts­an­walts vom Auf­trag bis zur Er­le­di­gung der An­ge­le­gen­heit ab. Ob ei­ne Geschäfts­gebühr für außer­ge­richt­li­che Tätig­kei­ten anfällt oder der An­walt die Ver­fah­rens­gebühr be­an­spru­chen kann, be­stimmt sich da­nach, ob der Rechts­an­walt zunächst nur mit der außer­ge­richt­li­chen Gel­tend­ma­chung der Ansprüche be­auf­tragt und der Pro­zess­auf­trag al­len­falls be­dingt er­teilt wor­den ist oder ob ein un­be­ding­ter Kla­ge­auf­trag er­teilt wor­den ist (vgl. Ge­rold/Schmidt RVG, 19. Aufl., § 19 Rz. 17; Mey­er/Kreus RVG, 4. Aufl., § 19 Rz. 23; OLG Hamm vom 31.10.2005 – 24 W 23/05). Hat der Rechts­an­walt be­reits ei­nen Pro­zess­auf­trag er­hal­ten, fällt die Ver­fah­rens­gebühr an, die gemäß § 19 Abs. RVG auch al­le Tätig­kei­ten ab­gilt, die mit dem Ver­fah­ren zu­sam­menhängen, wo­bei § 19 RVG aus­drück­lich die Vor­be­rei­tung des ge­richt­li­chen An­tra­ges als auch außer­ge­richt­li­che Ver­hand­lun­gen anführt. Für die Geschäfts­gebühr ist kein Raum (Ge­rold/Schmidt RVG, 19. Aufl., § 19 RVG, Rn. 10).

Aus­weis­lich des an­walt­li­chen Schrei­bens aber hat­ten die An­trag­stel­ler ih­rem Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ten be­reits vor des­sen außer­ge­richt­li­cher Tätig­keit den Ver­fah­rens­auf­trag er­teilt. Da­mit ist die Ver­fah­rens­gebühr an­ge­fal­len, die gemäß § 19 Abs. 1 RVG sämt­li­che Tätig­kei­ten in die­sem Zu­sam­men­hang, auch die außer­ge­richt­li­che Tätig­keit zur Auf­for­de­rung der Erfüllung des An­spruchs des Be­triebs­ra­tes, ab­deckt. Für ei­ne wei­te­re Geschäfts­gebühr nach 2300 ist kein Raum. Auf die Möglich­keit der An­rech­nungs­vor­schrif­ten kommt es eben­so we­nig an wie auf die Fra­ge, ob die Ver­fah­rens­kos­ten er­for­der­li­che Kos­ten im Sin­ne von § 40 Be­trVG sind.

4. Aus die­sen Gründen er­weist sich die Be­schwer­de ein­sch­ließlich der An­trags­er­wei­te­rung als un­be­gründet und war zurück­zu­wei­sen. Ei­ner Kos­ten­ent­schei­dung be­durf­te es nicht, da Gebühren und Aus­la­gen im Be­schluss­ver­fah­ren nicht er­ho­ben wer­den.

 

- 17 - 

5. Die Zu­las­sung der Rechts­be­schwer­de kam nicht in Be­tracht, da die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen hierfür nicht vor­la­gen.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­se Ent­schei­dung ist kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.


R.

H.

B.

 

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 7 TaBV 764/11  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880