Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Kündigung: Außerordentlich, Geschäftsführer
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm
Akten­zeichen: 17 Sa 537/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 26.08.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Dortmund, Urteil vom 17.02.2010, 10 Ca 4029/09
   

17 Sa 537/10

10 Ca 4029/09 ArbG Dort­mund

 

Verkündet am 26.08.2010

Woisch­ke Re­gie­rungs­beschäftig­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In dem Ver­fah­ren

hat die 17. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 26.08.2010
durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt Held-We­sen­dahl
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Plümpe und Kor­te

f ü r Recht er­kannt :

Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Dort­mund vom 17.02.2010 – 10 Ca 4029/09 – wird zurück­ge­wie­sen.

Die Kläge­rin trägt die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens.

Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

 

- 2 - 

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob das zwi­schen ih­nen be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis durch Kündi­gung der Be­klag­ten be­en­det ist.

Die am 12.05.1960 ge­bo­re­ne, ge­schie­de­ne, nie­man­dem zum Un­ter­halt ver­pflich­te­te Kläge­rin war seit dem 17.11.1986 bei der Be­klag­ten tätig. Seit dem 01.01.2003 ist sie Sach­be­ar­bei­te­rin in der Ge­wer­be­mel­de­stel­le, die seit Fe­bru­ar 2003 zu den Bürger­diens­ten zählt. Ab Ja­nu­ar 2009 er­folg­te die Ein­ar­bei­tung der Kläge­rin in Führer­schein­an­ge­le­gen­hei­ten.

Sie er­ziel­te zu­letzt aus der Ent­gelt­grup­pe 8 des auf das Ar­beits­verhält­nis an­wend­ba­ren TVöD-VKA ein Brut­to­mo­nats­ge­halt von 2.900,00 €.

Im Ok­to­ber 2008 wur­den die pfänd­ba­ren Ge­halts­beträge der Kläge­rin zu Guns­ten ei­nes Gläubi­gers gepfändet und ihm über­wie­sen. Seit dem 12.11.2008 be­dient die Be­klag­te den Pfändungs- und Über­wei­sungs­be­schluss.

Im De­zem­ber 2008 teil­te die Kläge­rin der Be­klag­ten auf Rück­spra­che mit, die An­ge­le­gen­heit sei geklärt und der Gläubi­ger wer­de auf­grund ih­rer frei­wil­li­gen Zah­lun­gen die Pfändung „zurück­zie­hen". Tatsächlich muss­te der Pfändungs- und Über­wei­sungs­be­schluss wei­ter­hin be­dient wer­den.

Die Kläge­rin ist nach der Geschäfts­an­wei­sung über die kas­senmäßige Ab­wick­lung von Ver­wal­tungs­geschäften vom 25.07.2007 zur Führung ei­nes Hand­vor­schus­ses und zur An­nah­me und Aus­zah­lung von Zah­lungs­mit­tel ermäch­tigt. Im Hin­blick dar­auf for­der­te die Be­klag­te die Fach­be­reichs­lei­tung auf, über die Ermäch­ti­gung un­ter Berück­sich­ti­gung der nicht un­er­heb­li­chen Pfändung neu zu ent­schei­den, die Team­lei­tung zu ver­an­las­sen, über­ra­schen­de Kas­sen­prüfun­gen durch­zuführen.

 

- 3 - 

Ei­ne ers­te Prüfung fand am 03.06.2009 statt und er­brach­te kei­ne auffälli­gen Er­geb­nis­se.

Am 25.06.2009 führ­te der Vor­ge­setz­te W6 ein Gespräch mit der Kläge­rin, des­sen In­halt strei­tig ist.

Am 03.08.2009 prüfte die Team­lei­te­rin H3 er­neut die Kas­se der Kläge­rin. Sie zog den stell­ver­tre­ten­den Be­reichs­lei­ter G2 hin­zu. Es wur­de fest­ge­stellt, dass sich in dem Kas­sen­be­stand von ins­ge­samt 828,00 € Falsch­geld i.H.v. 650,00 € in fünf Fünf­zi­g­eu­ro- und vier Hun­der­t­eu­ro­schei­nen be­fand. Noch am sel­ben Tag er­stat­te­te die Be­klag­te An­zei­ge bei der Po­li­zei. Das ge­gen die Kläge­rin ge­rich­te­te Er­mitt­lungs­ver­fah­ren wird von der Staats­an­walt­schaft Dort­mund un­ter dem Ak­ten­zei­chen 170 Js 1169/09 geführt.

Noch am 03.08.2009 er­hielt die Kläge­rin ei­ne Ein­la­dung zu ei­nem Per­so­nal­gespräch am 04.08.2009. In An­we­sen­heit des Per­so­nal­rats­mit­glie­des S2 wur­de sie mit dem Sach­ver­halt kon­fron­tiert, dass sich in ih­rer Bar­kas­se nach Auf­fas­sung der Be­klag­ten of­fen­sicht­lich er­kenn­ba­res Falsch­geld be­fand. Die Kläge­rin erklärte, sie ha­be die Geld­schei­ne nicht als Falsch­geld er­kannt. In­ner­halb der letz­ten sechs bis sie­ben Wo­chen ha­be der Kas­sen­au­to­mat häufi­ger Geld­schei­ne nicht an­ge­nom­men. Sie ha­be zwei- bis drei­mal ver­sucht, die Geld­schei­ne ein­zu­zah­len. Die nicht an­ge­nom­me­nen Schei­ne ha­be sie dann se­pa­rat in ei­nem Um­schlag in ei­ner dienst­li­chen Geld­ta­sche auf­ge­ho­ben. Be­reits seit Ju­ni/Ju­li 2009 ha­be sie ih­re pri­va­te Geldbörse mit zu dem Kas­sen­au­to­ma­ten ge­nom­men, um nicht an­ge­nom­me­ne Geld­schei­ne aus ih­rem pri­va­ten Be­stand zu er­set­zen. Sie ha­be die Ein­zah­lungs­vorgänge nicht ab­bre­chen wol­len. Die nicht an­ge­nom­me­nen Geld­schei­ne ha­be sie durch ei­ge­nes Bar­geld er­setzt. An­hand der ge­sam­mel­ten nicht an­ge­nom­me­nen Geld­schei­ne ha­be sie später an­zei­gen wol­len, dass der Kas­sen­au­to­mat nicht rich­tig funk­tio­nie­re. Auf­grund ei­ner Über­las­tungs­si­tua­ti­on ha­be sie ei­ne ru­hi­ge Pha­se ab­war­ten wol­len, um das Pro­blem mit dem Vor­ge­setz­ten zu be­spre­chen. Die im April 2008 ihr ge­genüber schrift­lich ge­trof­fe­ne An­wei­sung, Pro­ble­me mit der Büro­kas­se oder dem Kas­sen­au­to­ma­ten zu do­ku­men­tie­ren und die­se so­fort der stell­ver­tre­ten­den Be­reichs­lei­tung und dem Team­lei­ter G2 schrift­lich mit­zu­tei­len, ha­be sie nicht be­folgt. Am 29.07.2009 ha­be sie dann die se­pa­rat

 

- 4 - 

ge­sam­mel­ten Geld­schei­ne im Wer­te von 650,00 € in die Bar­kas­se ge­legt und sich 650,00 € zwecks Er­stat­tung ih­rer Vorschüsse her­aus­ge­nom­men. Sie ha­be am 30.07.2009 noch ein­mal pro­bie­ren wol­len, die Geld­schei­ne im Kas­sen­au­to­ma­ten zu plat­zie­ren. An­sch­ließend ha­be sie zu ih­rem Vor­ge­set­zen ge­hen wol­len. Ei­ne krank­heits­be­ding­te Ar­beits­unfähig­keit am 30.07. und 31.07.2009 ha­be sie dar­an ge­hin­dert.

Am 06.08.2009 lud die Be­klag­te die Kläge­rin zu ei­ner Anhörung zu der be­ab­sich­tig­ten frist­lo­sen Kündi­gung ins Per­so­nal­amt ein. Ihr jet­zi­ger Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter teil­te per Fax vom 06.08.2009 mit, dass die Kläge­rin auf ei­ne Anhörung am 07.08.2009 ver­zich­te.

Mit Schrei­ben vom 10.08.2009 (Bl. 77 bis 80 d.A.) hörte die Be­klag­te den Per­so­nal­rat zu ih­rer Ab­sicht an, das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin frist­los, hilfs­wei­se frist­los mit so­zia­ler Aus­lauf­frist zu be­en­den. Sie führ­te u.a. aus, es sei da­von aus­zu­ge­hen, dass die fal­schen Geld­schei­ne von der Kläge­rin hätten er­kannt wer­den müssen. Nur in ih­rer Kas­se hätten sich der­ar­ti­ge Schei­ne be­fun­den. Es sei höchst un­wahr­schein­lich, dass die gefälsch­ten Schei­ne gleich­ar­ti­ger Her­stel­lung ihr von im­mer wie­der glei­chen Kun­den über­ge­ben wor­den sei­en. Es könne auch die An­nah­me der Geld­schei­ne in ei­ner Sum­me nach Über­prüfung des Kas­sen­jour­nals aus­ge­schlos­sen wer­den. Es be­ste­he des­halb der be­gründe­te Ver­dacht, dass die Kläge­rin ei­nen Be­trag von 650,00 € aus ih­rer Bar­kas­se ge­gen fal­sche Geld­schei­ne aus­ge­tauscht ha­be.

Mit Schrei­ben vom 12.08.2009 (Bl. 31 d.A.) teil­te der Per­so­nal­rat mit, in sei­ner Sit­zung am 13.08.2009 über die Anhörung be­ra­ten zu ha­ben, die Vor­la­ge zur Kennt­nis zu neh­men und auf ei­ne Stel­lung­nah­me zu ver­zich­ten.

Mit Schrei­ben vom 13.08.2009 (Bl. 3, 4 d.A.) kündig­te die Be­klag­te das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis frist­los, er­satz­wei­se frist­los mit so­zia­ler Aus­lauf­frist bis zum 31.03.2010.

Ge­gen die ihr am 14.08.2009 (Bl. 32 d.A.) zu­ge­gan­ge­ne Kündi­gung wen­det sich die Kläge­rin mit ih­rer am 19.08.2009 bei dem Ar­beits­ge­richt Dort­mund ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge.

 

- 5 - 

Sie hat be­haup­tet:

Sie sei durch die Pfändungs­maßnah­me im Ok­to­ber 2008 nicht in Zah­lungs­schwie­rig­kei­ten ge­kom­men.

Im Rah­men ih­rer Be­fug­nis, Bar­geld ein­zu­neh­men, ha­be sie die ver­ein­nahm­ten Beträge je­weils in das Sys­tem ein­bu­chen müssen. Die­ses ge­be vor, dass bei ei­nem Wert von 1.000,00 € au­to­ma­tisch ein Ab­schluss ge­macht wer­den müsse.

Sie ha­be die­sen Kas­sen­ab­schluss ein- bis drei­mal wöchent­lich durch­geführt, sich zum Kas­sen­au­to­ma­ten be­ge­ben und das Bar­geld ein­ge­zahlt. Nicht nur sie selbst, son­dern auch an­de­re Kol­le­gen hätten je­doch Schwie­rig­kei­ten mit dem Au­to­ma­ten. Die­ser ha­be Geld­schei­ne teil­wei­se nicht an­ge­nom­men. Das Pro­blem sei all­ge­mein be­kannt ge­we­sen, oh­ne dass Ab­hil­fe ge­schaf­fen wor­den sei.

Am 25.06.2009 ha­be sie Herrn W6 mit­ge­teilt, dass im­mer dann, wenn der Au­to­mat den ei­nen oder an­de­ren Schein nicht an­neh­me, sie die­sen mit ih­rem ei­ge­nen Geld fütte­re, da­mit der Ab­schluss „sau­ber" sei. Herr W6 ha­be sich über­rascht ge­zeigt und nach­ge­fragt. Sie ha­be ihm bestätigt, ei­nen Vor­ge­setz­ten mit dem Pro­blem nicht be­hel­li­gen zu können, da ih­re Vor­ge­setz­ten auf­grund der er­heb­lich an­ge­spann­ten Per­so­nal­si­tua­ti­on sich um die­ses Pro­blem nicht gekümmert, son­dern die Mit­ar­bei­ter sich selbst über­las­sen hätten.

In den fol­gen­den Wo­chen ha­be sie im­mer dann, wenn der Au­to­mat Schei­ne nicht an­ge­nom­men ha­be, die­se Schei­ne aus ih­rem ei­ge­nen Bar­be­stand er­setzt. Sie ha­be die nicht an­ge­nom­me­nen Schei­ne zur Sei­te ge­legt, um das Gespräch mit Herrn W6 neu zu su­chen. Als es ihr nicht mehr möglich ge­we­sen sei, aus ei­ge­nen Mit­teln die Lücke zu schließen, ha­be sie die bei­sei­te ge­leg­ten Schei­ne in die Kas­se zurück­ge­legt.

Sie ha­be kein Falsch­geld her­ge­stellt. Die­ses sei auch nicht auf den ers­te Blick als sol­ches er­kenn­bar ge­we­sen. Je­den­falls ha­be sie selbst nicht er­kannt, dass es sich

 

- 6 - 

bei den vom Kas­sen­au­to­ma­ten nicht an­ge­nom­me­nen Schei­nen um Falsch­geld ge­han­delt ha­be. Sie ha­be un­ter ei­nem er­heb­li­chen Ar­beits­druck ge­stan­den. Da­durch sei ein „Tun­nel­blick" ent­stan­den. Hin­zu kom­me, dass sie sich ei­ner au­genärzt­li­chen Be­hand­lung ha­be un­ter­zie­hen müssen.

Mit­te Ju­ni 2009 sei sie aus der Woh­nung ih­res Le­bens­gefähr­ten aus­ge­zo­gen.

Da der Kas­sen­au­to­mat häufi­ger Schei­ne nicht an­ge­nom­men ha­be, sei sie auch nicht auf die Idee ge­kom­men, die­sen Vor­gang ei­nem Vor­ge­setz­ten an­zu­zei­gen.

Natürlich könne sie nicht mehr sa­gen, wer ihr die Schei­ne zu­ge­tra­gen ha­be.

Frau H3 ha­be sie mit der Kas­sen­prüfung un­er­war­tet kon­fron­tiert. Sie ha­be die Prüfung auch nicht mit ihr zu­sam­men durch­geführt, son­dern sie ge­be­ten, Herrn G2 an­zu­ru­fen, der hin­zu­ge­kom­men sei. Bei­de sei­en mit dem Geld ver­schwun­den, oh­ne dass sie über­haupt die Ge­le­gen­heit ge­habt ha­be, sich an der Kas­sen­prüfung zu be­tei­li­gen. Sie wis­se des­halb nicht, was mit den Schei­nen ge­sche­hen sei. Sie be­strei­te, dass die streit­ge­genständ­li­chen Schei­ne über­haupt in der Kas­se ge­le­gen hätten. Die Sum­me von 650,00 € sei al­ler­dings von der Be­klag­ten zu­tref­fend an­ge­ge­ben wor­den. Zu der Qua­lität der Geld­schei­ne könne sie nichts sa­gen.

Sie ha­be je­doch bei­de Mit­ar­bei­ter dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es sich um Schei­ne hand­le, die der Au­to­mat nicht an­ge­nom­men ha­be. Sie ha­be auch auf ih­re Ab­sicht auf­merk­sam ge­macht, mit Herrn W6 ein Gespräch zu führen.

In dem Gespräch vom 04.08.2009 ha­be sie in al­len Ein­zel­hei­ten erklärt, in wel­cher Be­las­tungs­si­tua­ti­on sie sich be­fun­den ha­be. Noch am sel­ben Tag hätten wei­te­re acht Mit­ar­bei­ter den Per­so­nal­rats­vor­sit­zen­den M1 dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sie die glei­chen Schwie­rig­kei­ten mit dem Au­to­ma­ten hätten.

Die ord­nungs­gemäße Per­so­nal­rats­anhörung be­strei­te sie mit Nicht­wis­sen.

 

- 7 - 

Die Kläge­rin hat be­an­tragt

fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 13.08.2009, zu­ge­gan­gen am 14.08.2009 auf­gelöst wor­den ist, son­dern zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen fort­be­steht,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, sie zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen als Mit­ar­bei­te­rin im Straßen­ver­kehrs­amt wei­ter zu beschäfti­gen.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Sie hat un­ter Vor­la­ge von Farb­ko­pi­en (Bl. 74 d.A.) be­haup­tet:

Es ha­be sich of­fen­kun­dig um Falsch­geld ge­han­delt. Die fal­schen Geld­schei­ne hätten sich wie Plas­tik an­gefühlt. Es ha­be sich um schlech­te Farb­ko­pi­en ge­han­delt, die auf­ein­an­der ge­legt und zum Teil mit Te­sa­film zu­sam­men­ge­klebt wor­den sei­en. Zu­dem stimm­ten die Farb­kom­bi­na­tio­nen of­fen­sicht­lich nicht mit den Far­ben ech­ter Geld­schei­ne übe­rein. Die Ränder sei­en teil­wei­se schräg ab­ge­schnit­ten wor­den. Die Schei­ne sei­en mit ei­ner dünnen Fo­lie über­zo­gen, die bei min­des­tens ei­nem Geld­schein den Geld­schein­rand über­ra­ge. Sie sei­en auch fühl­bar di­cker und stei­fer als ech­te Bank­no­ten. Des­halb knit­ter­ten sie nicht.

Es be­ste­he der Ver­dacht, dass die Kläge­rin Geld aus der Kas­se ge­gen Falsch­geld aus­ge­tauscht ha­be. An­sons­ten hätte sie nämlich die Fälschung un­mit­tel­bar er­ken­nen müssen.

Al­lein in ih­rer Kas­se hätten sich der­ar­ti­ge Schei­ne be­fun­den. Außer­dem ha­be es sich um meh­re­re Schei­ne ge­han­delt, die die Kläge­rin nicht in ei­ner Sum­me an­ge­nom­men ha­be, die ihr wohl auch nicht im­mer wie­der glei­che Kun­den „un­ter­ge­ju­belt" hätten.

 

- 8 - 

Die Ein­las­sung der Kläge­rin, sie ha­be im Hin­blick auf die Pro­ble­me mit dem Kas­sen­au­to­ma­ten das Falsch­geld bei­sei­te ge­legt, oh­ne es als sol­ches zu er­ken­nen, sei schon des­halb nicht nach­voll­zieh­bar, weil sie sich mehr­fach mit den Geld­schei­nen ha­be beschäfti­gen müssen. Sie ha­be auch kei­ne Ver­an­las­sung ge­habt, das Geld außer­halb der Kas­se auf­zu­be­wah­ren und nicht z.B. als Wech­sel­geld zu ver­wen­den oder es an­stel­le des von ihr an­geb­lich ein­ge­zahl­ten persönli­chen Gel­des an sich zu neh­men.

Die Be­tei­li­gung des Per­so­nal­rats sei ord­nungs­gemäß er­folgt. Auch die Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te sie un­ter­rich­tet wor­den und ha­be die Kündi­gungs­ab­sicht zur Kennt­nis ge­nom­men.

Mit Ur­teil vom 17.02.2010 hat das Ar­beits­ge­richt Dort­mund die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

Es hat aus­geführt:

Die außer­or­dent­li­che frist­lo­se Kündi­gung sei wirk­sam.

Es be­ste­he zu­min­dest der drin­gen­de Ver­dacht, dass die Kläge­rin in schwer­wie­gen­dem Maße pflicht­wid­rig ge­han­delt ha­be und da­durch das Ver­trau­ens­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en so zerstört sei, dass der Be­klag­ten ei­ne wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit nicht zu­mut­bar sei.

Es könne da­hin­ge­stellt blei­ben, ob die Kläge­rin das von ihr in die Kas­se ge­leg­te Falsch­geld selbst her­ge­stellt ha­be. Ent­schei­dend sei, dass al­le In­di­zi­en so gut wie kei­ne an­de­re Möglich­keit zu­ließen, als dass die Kläge­rin die Vermögens­in­ter­es­sen der Be­klag­ten be­wusst ver­nachlässigt ha­be, sie be­wusst ei­nen Fehl­be­trag in ih­rer Kas­se durch Falsch­geld her­bei­geführt ha­be.

Wie sich schon aus der von der Be­klag­ten vor­ge­leg­ten Fo­to­gra­fie der Fünf­zi­g­eu­ro- und Hun­der­t­eu­ro­schei­ne er­ge­be, lägen Fälschun­gen vor. Die Kläge­rin ha­be zu­min­dest nach Vor­la­ge der Fo­to­gra­fie nicht mehr be­strit­ten, dass es sich um die

 

- 9 - 

von ihr in die Kas­se ge­leg­ten Schei­ne hand­le. Im Übri­gen hätte es an­dern­falls ei­ner sub­stan­ti­ier­ten Stel­lung­nah­me be­durft.

Es sprächen al­le In­di­zi­en dafür, dass die Kläge­rin ent­ge­gen ih­rer Ein­las­sung ge­wusst ha­be, dass es sich um gefälsch­te Geld­schei­ne ge­han­delt ha­be. Ha­be sie die Ein­ga­be des gefälsch­ten Gel­des zu­sam­men mit an­de­ren Geld­schei­nen in den Kas­sen­au­to­mat ver­sucht, ha­be sie gefälsch­te und ech­te Schei­ne un­mit­tel­bar nach­ein­an­der in der Hand hal­ten müssen, so dass ihr der Un­ter­schied hätte auf­fal­len müssen. Das gel­te ins­be­son­de­re für die Zeit der ge­trenn­ten Auf­be­wah­rung der Geld­schei­ne.

Es sei un­glaubwürdig, dass die Kläge­rin trotz vor­lie­gen­der Zah­lungs­schwie­rig­kei­ten über länge­re Zeit 650,00 € von ih­rem Geld in den Kas­sen­au­to­ma­ten ein­ge­zahlt ha­be, oh­ne je­weils ihr Geld ge­gen das in den Kas­sen­au­to­ma­ten an sich ein­zu­zah­len­de Geld zu tau­schen. Es sei auch nicht nach­voll­zieh­bar, war­um sie nicht ver­sucht ha­be, die vom Kas­sen­au­to­ma­ten nicht an­ge­nom­me­nen Schei­ne als Wech­sel­geld ein­zu­set­zen.

Ge­genüber ih­rem Vor­ge­setz­ten W6 ha­be sie den Ein­druck er­weckt, sie neh­me ei­nen Tausch vor. Sie hätte aber ge­ra­de Ver­an­las­sung ge­habt, ihm mit­zu­tei­len, dass sie mit ih­rem Geld in Vor­schuss tre­te und nicht be­reit sei, es ge­gen das vom Au­to­mat nicht an­ge­nom­me­ne Geld zu tau­schen, dass sie die­ses aber auch nicht wie­der in Um­lauf brin­gen wol­le.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils wird auf Bl. 89 bis 97 d.A. Be­zug ge­nom­men.

Ge­gen das ihr am 22.03.2010 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Kläge­rin am 19.04.2010 bei dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm ein­ge­hend Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 22.06.2010 am 15.06.2010 ein­ge­hend be­gründet.

Sie rügt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil als feh­ler­haft und führt aus:

 

- 10 - 

Der Per­so­nal­rat sei nicht ord­nungs­gemäß be­tei­ligt wor­den.

Zu Un­recht sei das erst­in­stanz­li­che Ge­richt da­von aus­ge­gan­gen, dass sie nicht mehr be­strei­te, dass es sich bei den gefälsch­ten Geld­schei­nen um Geld­schei­ne aus ih­rer Kas­se hand­le. Sie ha­be natürlich nicht mehr in Er­in­ne­rung, wie die Schei­ne im Ein­zel­nen aus­ge­se­hen hätten.

Ihr sei ei­ne Fälschung je­den­falls nicht auf­ge­fal­len.

Sie ha­be da­mals un­ter er­heb­li­chem be­ruf­li­chen und pri­va­ten Druck ge­stan­den, so dass ihr die Un­ter­schie­de zu Ori­gi­nal­geld­schei­nen nicht auf­ge­fal­len sei­en. Zu berück­sich­ti­gen sei, dass die Schwie­rig­kei­ten bei Ein­zah­lun­gen in den Kas­sen­au­to­ma­ten nor­mal ge­we­sen sei­en. Ihr sei es als ge­naue und pflicht­be­wuss­te Mit­ar­bei­te­rin al­lein dar­um ge­gan­gen, kei­ne Lücke in der Kas­se bei der Ta­ges­ab­rech­nung zu hin­ter­las­sen. Al­lein des­halb ha­be sie ei­ge­nes Geld ein­ge­setzt.

Er­neut sei dar­auf zu ver­wei­sen, dass den Vor­ge­setz­ten die Schwie­rig­kei­ten mit dem Kas­sen­au­to­ma­ten be­kannt ge­we­sen sei­en. Sie ver­wei­se auf das Gespräch mit Herrn W7 vom 25.06.2009.

Die Kennt­nis der Vor­ge­setz­ten er­ge­be sich auch aus ei­ner Ant­wort der Be­klag­ten vom 7.9.2009 (Bl.141 bis 142 d.A.) auf ei­ne An­fra­ge des Per­so­nal­rats vom 4.8.2009 und aus ei­ner Stel­lung­nah­me des Per­so­nal­rats vom 10.09.2009 (Bl. 138 bis 140 d.A.).

Es sei auf je­den Fall un­erläss­lich, die Falsch­geld­schei­ne in Au­gen­schein zu neh­men.

Es sei auch Be­weis darüber zu er­he­ben, dass das Falsch­geld anläss­lich der Kas­sen­prüfung in ih­rer Kas­se vor­ge­fun­den wor­den sei. Die Kas­sen­prüfung sei teil­wei­se oh­ne sie vor­ge­nom­men wor­den.

 

- 11 - 

Die von ihr ge­son­dert auf­ge­ho­be­nen Geld­schei­ne sei­en auch nach Ein­la­ge in die Bar­kas­se iden­ti­fi­zier­bar ge­blie­ben, da sie mit ei­ner Heft­klam­mer zu­sam­men­ge­fasst ge­we­sen sei­en.

Sie ge­he da­von aus, dass ihr die fal­schen Geld­schei­ne bei meh­re­ren Ver­wal­tungs­vorgängen über­ge­ben wor­den sei­en, zu­mal es im Rah­men der Ge­wer­be­an­mel­dung Leu­te ge­be, die im­mer wie­der Ge­wer­be­an­mel­dun­gen für an­de­re Per­so­nen vornähmen.

Anläss­lich ih­res Woh­nungs­aus­zugs ha­be sie ihr Bru­der un­terstützt.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

un­ter Abände­rung des am 17.02.2010 verkünde­ten Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Dort­mund, Az. 10 Ca 4029/09 fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Beschäfti­gungs­verhält­nis nicht durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 13.08.2009, zu­ge­gan­gen am 14.08.2009 auf­gelöst wor­den ist,
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, sie zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen als Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te in der Ent­gelt­grup­pe 8 be­schränkt auf den Zeit­raum bis zur Rechts­kraft der Ent­schei­dung über den Kündi­gungs­schutz­an­trag wei­ter zu beschäfti­gen.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Sie ver­tritt die Auf­fas­sung, die Be­ru­fung sei un­zulässig, da so­wohl die Be­ru­fungs­schrift als auch die Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift in der Un­ter­schrif­ten­zei­le kei­ne Un­ter­schrif­ten aus­wie­sen, son­dern al­len­falls an­deu­tungs­wei­se Pa­ra­phie­run­gen. Die­se wi­chen zu­dem von dem ge­gen­sei­ti­gen Zeich­nungs­bild ab, so dass sich die Fra­ge stel­le, ob den An­for­de­run­gen nach § 130 ZPO aus­rei­chend Genüge ge­tan sei.

 

- 12 - 

Die Be­klag­te ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil und führt aus:

Be­reits aus der von ihr erst­in­stanz­lich vor­ge­leg­ten Fo­to­gra­fie der Geld­schei­ne sei klar er­sicht­lich ge­we­sen, dass sie gefälscht sei­en.

Zu Recht sei das erst­in­stanz­li­che Ge­richt nach Vor­la­ge die­ser Fo­to­gra­fi­en da­von aus­ge­gan­gen, dass die Kläge­rin nicht mehr be­strei­te, dass es sich um die von ihr in die Kas­se ge­leg­ten Schei­ne hand­le.

Schon auf­grund ih­rer be­ruf­li­chen Er­fah­rung mit Bar­geld­no­ten hätte der Kläge­rin in je­dem Fall auf­fal­len müssen, dass sie Falsch­geld in den Händen ge­hal­ten ha­be. So sei dies bei der Kas­sen­prüfung der Team­lei­te­rin H3 un­mit­tel­bar auf­ge­fal­len.

Er­heb­li­chen Stress am Ar­beits­platz ha­be sie nicht sub­stan­ti­iert dar­ge­legt.

Im Übri­gen ha­be die Kläge­rin nach ih­ren An­ga­ben mehr­fach Kon­takt mit den fal­schen Geld­schei­nen ge­habt.

An­ge­sichts ih­rer Ein­kom­mens- und Vermögens­verhält­nis­se sei auch nicht nach­voll­zieh­bar, dass sie 650,00 € aus ih­ren Bar­mit­teln ver­aus­lagt ha­ben will.

Sie ha­be ih­rem Vor­ge­setz­ten am 25.06.2009 ge­ra­de nicht mit­ge­teilt, dass sie mit ei­ge­nem Geld in Vor­schuss tre­te. Ge­ra­de im Hin­blick auf die Schwie­rig­kei­ten, die streit­ge­genständ­li­chen Geld­schei­ne dem Kas­sen­au­to­ma­ten zu­zuführen, hätte sie zusätz­lich Kol­le­gen be­fra­gen oder ein Bank­no­ten­prüfgerät ein­set­zen müssen.

Die vor­ge­leg­te Fo­to­ko­pie bil­de die bei der Kas­sen­prüfung vor­ge­fun­de­nen fal­schen Bank­no­ten ab. Die Kas­se sei im Bei­sein der Kläge­rin ge­prüft wor­den.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Par­tei­vor­brin­gens wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf die Sit­zungs­pro­to­kol­le Be­zug ge­nom­men.

Das Ge­richt hat Be­weis er­ho­ben über die Be­haup­tung der Be­klag­ten, bei fünf anläss­lich der Kas­sen­prüfung vor­ge­fun­de­nen Fünf­zi­g­eu­ro­schei­nen und bei vier

 

- 13 - 

Hun­der­t­eu­ro­schei­nen hand­le es sich um Falsch­geld, durch In­au­gen­schein­nah­me der von der Be­klag­ten im Kam­mer­ter­min vor­ge­leg­ten Geld­schei­ne. We­gen des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me wird auf das Sit­zungs­pro­to­koll vom 26.08.2010 (Bl. 237 bis 238 d.A.) ver­wie­sen.

Nach Durchführung der Be­weis­auf­nah­me hat die Kläge­rin erklärt, das Ge­richt dürfe nun­mehr da­von aus­ge­hen, dass die vor­ge­leg­ten Schei­ne bei der Kas­sen­prüfung vor­ge­fun­den wor­den sei­en.

Ent­schei­dungs­gründe

I.

Die gemäß §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1, 64 Abs. 2 c, 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG, 519, 520 ZPO an sich statt­haf­te so­wie frist­ge­recht ein­ge­leg­te Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Dort­mund vom 17.02.2010 ist auch form­ge­recht ein­ge­legt wor­den. So­wohl die Be­ru­fungs- als auch die Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift sind von dem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin ei­genhändig un­ter­zeich­net wor­den.

Die Un­ter­schrift soll be­le­gen, dass sich der Un­ter­zeich­ner zu der schrift­li­chen Pro­zess­hand­lung be­kennt und sie be­wir­ken will. Ein bloßes Hand­zei­chen ist des­halb nicht aus­rei­chend. Al­ler­dings sind an die ei­genhändi­ge Un­ter­schrift kei­ne ho­hen An­for­de­run­gen zu stel­len. Da­mit die Iden­tität nach­prüfbar ist, muss die Un­ter­schrift zwar den vol­len Na­mens­zug er­fas­sen. Es muss je­doch nicht je­der Buch­sta­be ein­zeln les­bar sein, so­lan­ge der ge­schrie­be­ne Na­me über ei­ne ge­krümm­te oder ei­ne Schlängel­li­nie hin­aus­geht. Es scha­det auch nicht, wenn die Un­ter­schrif­ten des Ur­he­bers deut­lich von­ein­an­der ab­wei­chen (BGH 21.06.1990, 1 ZB 6/90, MDR 1991, 223; Ei­che­le/Hirtz/Ober­heim, Hand­buch Be­ru­fung im Zi­vil­pro­zess, 2. Aufl., V Rd­nr. 203, 205, 206).

 

- 14 - 

Hier weist die Un­ter­schrift des kläge­ri­schen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten so­wohl in der Be­ru­fungs- als auch in der Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift ein deut­lich er­kenn­ba­res P mit an­sch­ließen­der Schlängel­li­nie auf, die durch ei­nen eben­falls klar er­kenn­ba­ren I-Punkt aus­rei­chend auf den Na­men P6 hin­weist.

II.

Die Be­ru­fung ist un­be­gründet.

Zu Recht hat das erst­in­stanz­li­che Ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis hat durch die außer­or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 13.08.2009 mit ih­rem Zu­gang am 14.08.2009 sein En­de ge­fun­den.

1. Die zulässi­ge Kündi­gungs­schutz­kla­ge ist un­be­gründet.

a) Die Kündi­gung ist nicht gemäß § 74 Abs. 5 LPVG NW un­wirk­sam. Der bei der Be­klag­ten be­ste­hen­de Per­so­nal­rat ist mit Schrei­ben vom 10.08.2009 – wie das erst­in­stanz­li­che Ge­richt zu Recht fest­ge­stellt hat – ord­nungs­gemäß im Sin­ne des § 74 Abs. 4 LPVG NW an­gehört wor­den. Er ist in aus­rei­chen­dem Um­fang über die Per­so­na­li­en der Kläge­rin, ih­re Beschäfti­gungs­zeit, die Kündi­gungs­art und die Kündi­gungs­gründe in­for­miert wor­den und konn­te sich ein ei­ge­nes Bild von den die Be­klag­te zur Kündi­gung ver­an­las­sen­den Tat­sa­chen ma­chen. Die Kläge­rin be­schränkt sich in der Be­ru­fungs­be­gründung dar­auf, die Ord­nungs­gemäßheit der Per­so­nal­rats­be­tei­li­gung wei­ter­hin mit Nicht­wis­sen zu be­strei­ten.

Hat der Ar­beit­ge­ber auf das zunächst zulässi­ge Be­stri­ten der Ord­nungs­gemäßheit der Per­so­nal­rats­be­tei­li­gung im Ein­zel­nen – wie hier durch Vor­la­ge des Anhörungs­schrei­bens - dar­ge­legt, dass er den Per­so­nal­rat ord­nungs­gemäß an­gehört hat, darf sich der Ar­beit­neh­mer nicht mehr dar­auf be­schränken, die Anhörung mit Nicht­wis­sen zu be­strei­ten. Er hat sich viel­mehr gemäß § 138 Abs. 1, Abs. 2 ZPO vollständig über den vom Ar­beit­ge­ber vor­ge­tra­ge­nen Sach­ver­halt zu erklären und im Ein­zel­nen zu be­zeich­nen, ob er rügen will, das Gre­mi­um sei ent­ge­gen der Be­haup­tung des Ar­beit­ge­bers über­haupt nicht an­gehört wor­den, oder in wel­chen

 

- 15 - 

ein­zel­nen Punk­ten er die tatsächli­chen Erklärun­gen des Ar­beit­ge­bers für falsch oder die mit­ge­teil­ten Tat­sa­chen für un­vollständig hält. Dies er­for­dert ge­ge­be­nen­falls ei­nen wei­te­ren Sach­vor­trag des Ar­beit­ge­bers und ermöglicht ei­ne Be­weis­auf­nah­me des Ge­richts über die tatsächlich strei­ti­gen Tat­sa­chen (BAG 23.06.2005 – 2 AZR 193/04, NZA 2005, 1233).

Das Anhörungs­ver­fah­ren war vor Kündi­gungs­zu­gang ab­ge­schlos­sen. Mit Schrei­ben vom 12.08.2009 (13.08.?) hat der Per­so­nal­rat nach Be­ra­tung in sei­ner Sit­zung vom 13.08.2009 aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, nicht wei­ter Stel­lung neh­men zu wol­len.

b) Die Be­klag­te hat die zweiwöchi­ge Kündi­gungs­erklärungs­frist, § 626 Abs. 2 BGB, ge­wahrt. Sie hat frühes­tens am 03.08.2009 anläss­lich der Kas­sen­prüfung Kennt­nis von den Tat­sa­chen er­wor­ben, die nach ih­rer Auf­fas­sung die Kündi­gung we­gen des Ver­dach­tes recht­fer­ti­gen, die Kläge­rin ha­be Bar­geld aus der Kas­se ge­gen Falsch­geld ge­tauscht. Die Kündi­gungs­erklärungs­frist en­de­te mit dem 17.08.2009. Die Kündi­gung ging am 14.08.2009 zu.

c) Die Kläge­rin hat auf­grund ih­res Al­ters zum Zeit­punkt des Kündi­gungs­zu­gangs von 49 Jah­ren und auf­grund der Dau­er des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses von mehr als 22 Jah­ren gemäß § 34 Abs. 2 TVöD-VKA ei­nen be­son­de­ren Kündi­gungs­schutz er­wor­ben. Sie ist nur noch aus wich­ti­gem Grund künd­bar.

Der TVöD-VKA ist un­strei­tig auf das Ar­beits­verhält­nis an­wend­bar.

Die Be­klag­te hat das Ar­beits­verhält­nis ent­spre­chend frist­los und hilfs­wei­se aus wich­ti­gem Grund mit ei­ner so­zia­len Aus­lauf­frist gekündigt.

d) Die Kündi­gung ist durch Tat­sa­chen ge­recht­fer­tigt, auf­grund de­rer es der Be­klag­ten un­ter Berück­sich­ti­gung der Umstände des Ein­zel­falls und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le un­zu­mut­bar war, das Ar­beits­verhält­nis we­nigs­tens für die Dau­er ei­ner so­zia­len Aus­lauf­frist fort­zu­set­zen, die im­mer dann zur Ver­mei­dung von Wer­tungs­wi­dersprüchen zu gewähren ist, wenn auch bei un­ter­stell­ter or­dent­li­cher Künd­bar­keit die Ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist nach Abwägung der

 

- 16 -

bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen zu­mut­bar wäre (BAG 02.03.2006 – 2 AZR 53/05, NZA – RR 2006, 636; 13.04.2000 – 2 AZR 259/99, BA­GE 94, 228; KR-Fi­scher­mei­er, 9. Aufl., § 626 BGB Rd­nr. 304).

Die Wirk­sam­keit der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung ist in zwei Stu­fen zu prüfen. Zunächst müssen Tat­sa­chen vor­lie­gen, die an sich ge­eig­net sind, ei­nen wich­ti­gen Grund zu bil­den. Im zwei­ten Schritt ist fest­zu­stel­len, ob un­ter Abwägung der Umstände des Ein­zel­falls ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung zu­mut­bar ist (BAG 27.04.2006 – 2 AZR 415/05, EzA § 626 BGB 2002 Nr. 17).

aa) Die Be­klag­te be­ruft sich zur Be­gründung der Kündi­gung auf den Ver­dacht, die Kläge­rin ha­be ei­ne schwer­wie­gen­de Pflicht­ver­let­zung be­gan­gen.

Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann nicht nur ei­ne er­wie­se­ne Pflicht­ver­let­zung, son­dern kann be­reits der Ver­dacht ei­ner straf­ba­ren Hand­lung mit Be­zug zum Ar­beits­verhält­nis oder zu ei­ner er­heb­li­chen Ver­trags­ver­let­zung ge­eig­net sein, ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung zu recht­fer­ti­gen (BAG 03.07.2003 - 2 AZR 437/02, AP BGB § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 38).

Der Ver­dacht ei­ner der­ar­ti­gen Hand­lung stellt ge­genüber dem Tat­vor­wurf ei­nen ei­genständi­gen Kündi­gungs­grund dar. Ei­ne Ver­dachtskündi­gung kommt aber nur in Be­tracht, wenn drin­gen­de, auf ob­jek­ti­ven Tat­sa­chen be­ru­hen­de schwer­wie­gen­de Ver­dachts­mo­men­te vor­lie­gen und die­se ge­eig­net sind, das für die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses er­for­der­li­che Ver­trau­en bei ei­nem verständi­gen und ge­recht abwägen­den Ar­beit­ge­ber zu zerstören und der Ar­beit­ge­ber al­le zu­mut­ba­ren An­stren­gun­gen zur Aufklärung des Sach­ver­halts un­ter­nom­men, ins­be­son­de­re dem Ar­beit­neh­mer Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me ge­ge­ben hat (BAG 29.11.2007 – 2 AZR 724/06, AP BGB § 626 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 40). Ge­ra­de der Ver­dacht muss das zur Fortführung des Ar­beits­verhält­nis­ses er­for­der­li­che Ver­trau­en in die Red­lich­keit des Ar­beit­neh­mers zerstört oder zu ei­ner un­zu­mut­ba­ren Be­las­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses geführt ha­ben.

 

- 17 - 

Der Ver­dacht ge­gen den Ar­beit­neh­mer kann im Lau­fe des Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung in der Tat­sa­chen­in­stanz rück­wir­kend aus­geräumt oder verstärkt wer­den, wo­bei die (In­diz-) Tat­sa­che bei Kündi­gungs­aus­spruch vor­ge­le­gen ha­ben müssen (BAG 14.09.1994 – 2 AZR 164/94, BA­GE 78, 18).

Die Be­klag­te trägt die vol­le Dar­le­gungs- und Be­weis­last für al­le Umstände des Kündi­gungs­grun­des. Sie ist nicht zwi­schen dem Kündi­gen­den und dem Gekündig­ten der­art auf­zu­tei­len, dass der Kündi­gen­de die ob­jek­ti­ven Merk­ma­le für den Kündi­gungs­grund und die bei der In­ter­es­sen­abwägung für den Gekündig­ten ungüns­ti­gen Umstände und der Gekündig­te sei­ner­seits Recht­fer­ti­gungs­gründe und für ihn ent-las­ten­de Umstände vor­zu­tra­gen und zu be­wei­sen hat (BAG 06.08.1987 – 2 AZR 226/85, EzA § 626 BGB n.F. Nr. 109, KR-Fi­scher­mei­er a.a.O. § 626 BGB Rd­nr. 380). Der Um­fang der Dar­le­gungs- und Be­weis­last des Kündi­gen­den rich­tet sich je­doch da­nach, wie sub­stan­ti­iert sich der Gekündig­te auf die Kündi­gungs­gründe einlässt.

(1) Die Kläge­rin hat, den Ver­dacht der Be­klag­ten, sie ha­be Bar­geld ge­gen Falsch­geld aus­ge­tauscht, als zu­tref­fend un­ter­stellt, in be­son­ders schwe­rem Maße ih­re Pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­letzt, denn er rich­tet sich auf den Ver­such, das Vermögen der Be­klag­ten zu schädi­gen, so­wie auf ei­ne vorsätz­li­che Straf­tat nach § 147 Abs. 1 StGB – In­ver­kehr­brin­gen von Falsch­geld als echt. Ob die Straf­tat ver­sucht oder voll­endet war, kann da­hin­ste­hen, da auch der Ver­such gemäß § 147 Abs. 2 StGB straf­bar ist.

Bei der Be­ur­tei­lung der Schwe­re der Pflicht­ver­let­zung ist ent­schei­dend, dass die Kläge­rin auf­grund ih­rer Tätig­keit be­fugt war, für die Be­klag­te Ver­wal­tungs­gebühren ein­zu­neh­men und zu ver­wal­ten und das Geld nach ei­nem be­stimm­ten Mo­dus der Kas­se der Be­klag­ten zuführen muss­te. We­gen ih­rer Kas­sen­be­fug­nis war die Be­klag­te in be­son­de­rem Maße auf ih­re Red­lich­keit an­ge­wie­sen, da ei­ne Kon­trol­le der Ver­wal­tungs- und Kas­sen­vorgänge nur stich­pro­ben­ar­tig statt­fin­den konn­te.

(2) Der Ver­dacht der Be­klag­ten ist durch ob­jek­ti­ve, im Kündi­gungs­zeit­punkt vor­lie­gen­de Tat­sa­chen be­gründet. Er ist dring­lich.

 

- 18 - 

Der Ver­dacht muss sich aus sol­chen Umständen er­ge­ben, die so be­schaf­fen sind, dass sie ei­nen verständi­gen und ge­recht abwägen­den Ar­beit­ge­ber zum Aus­spruch der Kündi­gung ver­an­las­sen können. Die sub­jek­ti­ve Be­ur­tei­lung des Ar­beit­ge­bers ist un­maßgeb­lich.

Dring­lich ist der Ver­dacht, wenn ei­ne große Wahr­schein­lich­keit dafür be­steht, dass der gekündig­te Ar­beit­neh­mer ei­ne Straf­tat oder Pflicht­ver­let­zung be­gan­gen hat (KR-Fi­scher­mei­er, 9. Aufl., § 626 BGB Rd­nr. 212).

Hier hat die Be­klag­te aus­rei­chend ob­jek­ti­ve Tat­sa­chen vor­ge­tra­gen, die ei­nen dring­li­chen Ver­dacht be­gründen.

Nach Be­en­di­gung der Be­weis­auf­nah­me hat die Kläge­rin un­strei­tig ge­stellt, dass die in Au­gen­schein ge­nom­me­nen Geld­schei­ne bei der Kas­sen­prüfung am 03.08.2009 in ih­rer Bar­kas­se vor­ge­fun­den wur­den.

Die Be­weis­auf­nah­me selbst hat zur Über­zeu­gung der Kam­mer er­ge­ben, dass es sich bei den am 03.08.2009 vor­ge­fun­de­nen fünf Fünf­zi­g­eu­ro- und vier Hun­der­t­eu­ro­schei­ne um Falsch­geld han­delt. Die Fünf­zi­g­eu­ro­schei­ne wei­chen in der Farb­ge­bung auffällig von ech­ten Schei­nen ab. Bei den Hun­der­t­eu­ro­schei­nen sticht das Ho­lo­gramm schon bei flüch­ti­ger Be­trach­tung auf­fal­lend her­vor, wirkt wie auf­ge­setzt. Bei­de Geld­schei­ne wei­sen un­gleichmäßige Ränder auf, weil Vor­der- und Rück­sei­ten je­weils zu­sam­men­ge­klebt wur­den.

Die Fälschun­gen sind der­art „stümper­haft" her­ge­stellt wor­den, dass es selbst bei un­auf­merk­sa­mer Be­trach­tung „ins Au­ge springt", dass es sich um Falsch­geld han­delt. Die Ein­las­sung der Kläge­rin, ihr sei dies nicht auf­ge­fal­len, ist nicht nach­voll­zieh­bar. Schon nach ei­ge­nem Vor­brin­gen hat sie die Geld­schei­ne mehr­fach in Händen ge­hal­ten. Sie hat nach ei­ge­nem Vor­trag die Schei­ne bei den Kun­den ver­ein­nahmt und zur Bar­kas­se ge­nom­men. Nach Er­stel­lung der je­weils vor­ge­schrie­be­nen Zwi­schen­ab­rech­nun­gen hat sie die Geld­schei­ne an sich ge­nom­men, um sie in den Kas­sen­au­to­ma­ten ein­zu­zah­len. Nach Ab­bruch des Ein­zah­lungs­vor­gangs hat sie sie nach ih­rem Be­kun­den ge­gen Bar­geld aus ih­rem

 

- 19 - 

ei­ge­nen Porte­mon­naie aus­ge­tauscht und ge­son­dert auf­be­wahrt. Ein wei­te­res Mal hat sie al­le neun Geld­schei­ne in den Händen ge­hal­ten, als sie ihr „Son­der­de­pot" auflöste und die Schei­ne mit ei­ner Büro­klam­mer zu­sam­men­ge­fasst der Bar­kas­se zuführ­te.

Selbst wenn die Kam­mer zu­guns­ten der Kläge­rin berück­sich­tigt, dass sie un­ter erhöhter be­ruf­li­cher und pri­va­ter An­span­nung stand, ist es schlicht nicht nach­voll­zieh­bar, dass ihr die of­fen­sicht­li­chen Fälschun­gen bei neun Geld­schei­nen an­ge­sichts des häufi­gen Um­gangs ge­ra­de mit die­sen Schei­nen nicht auf­ge­fal­len sein sol­len. Die Of­fen­kun­dig­keit der Fälschun­gen spricht ge­ra­de dafür, dass sie die Geld­schei­ne in den Ver­kehr ge­bracht hat, um sich „ech­tes" Bar­geld zu ver­schaf­fen. Dafür spricht auch, dass die Be­klag­te un­wi­der­spro­chen be­haup­tet hat, ein Be­trag von 650,-- € sei aus­weis­lich des Kas­sen­jour­nals nicht von ei­nem Kun­den ver­ein­nahmt wur­den. Dem­nach müssen meh­re­re ein­zel­ne Ver­wal­tungs­vorgänge mit ein­zel­nen Geld­schei­nen be­zahlt, die Kläge­rin im­mer wie­der mit dem Falsch­geld kon­fron­tiert wor­den sein.

Zu be­den­ken ist wei­ter, dass nur ei­ne ge­rin­ge Wahr­schein­lich­keit dafür be­steht, dass Geldfälscher sich ge­ra­de die Ge­wer­be- und Führer­schein­stel­le der Be­klag­ten aus­ge­sucht ha­ben, um das Falsch­geld in Um­lauf zu brin­gen, müssen sie doch da­von aus­ge­hen, dass die Mit­ar­bei­ter ge­schult sind und bei dem Zah­lungs­vor­gang je­den­falls auf of­fen­kun­di­ge Fälschun­gen ach­ten. Die Ge­fahr, ent­deckt zu wer­den, wäre nach Einschätzung der Kam­mer höher ge­we­sen, als bei Ein­satz der Geld­schei­ne zur Be­zah­lung im Rah­men von Mas­sen­geschäften des All­tags.

Auffällig ist auch, dass bei kei­nem an­de­ren Sach­be­ar­bei­ter in der Ver­wal­tungs­stel­le Falsch­geld auf­ge­taucht ist. Al­ler­dings ist bei Zu­grun­de­le­gung des Sach­vor­trags der Kläge­rin nicht aus­zu­sch­ließen, dass wie­der­holt Ge­wer­be­an­mel­dun­gen für an­de­re täti­gen­de Per­so­nen zunächst an die Kläge­rin zufällig er­folg­reich Falsch­geld zah­len konn­ten, die­se dann aber we­gen ih­rer Oberflächlich­keit ge­zielt aus­ge­sucht ha­ben.

Bei Ge­samtwürdi­gung al­ler In­di­ztat­sa­chen schließt die­se Möglich­keit je­doch die sehr viel höhe­re Wahr­schein­lich­keit nicht aus, dass die Kläge­rin das Falsch­geld bei der Be­klag­ten ein­ge­setzt hat.

 

- 20 - 

Sie be­fand sich seit No­vem­ber 2008 in ei­ner fi­nan­zi­ell an­ge­spann­ten La­ge, da ihr Geld ei­ner Pfändung und Über­wei­sung durch ei­nen Gläubi­ger un­ter­lag, ihr dem­nach nach ei­ge­nen An­ga­ben nur ein Ge­halts­be­trag von ca. 1.200,-- € ver­blieb.

Es ist – wie schon das erst­in­stanz­li­che Ge­richt aus­geführt hat – kaum nach­voll­zieh­bar, dass sie in die­ser La­ge ei­ge­nes Ka­pi­tal in Höhe von 650,-- € in ei­nem Zeit­raum seit der letz­ten Kas­sen­prüfung am 03.06.2009 von ma­xi­mal zwei Mo­na­ten zu­guns­ten der Be­klag­ten ein­ge­setzt hat.

Hin­zu kommt, dass sie im Ju­ni 2009 aus der Woh­nung ih­res Le­bens­gefähr­ten aus­ge­zo­gen ist. Selbst wenn sie zunächst von ih­rem Bru­der auf­ge­nom­men wur­de, war ein wei­te­rer Geld­be­darf z.B. zur An­mie­tung ei­ner neu­en Woh­nung ab­seh­bar, der sie durch­aus ver­an­lasst ha­ben kann, der Bar­kas­se Falsch­geld im Tausch ge­gen ech­te Geld­schei­ne zu­zuführen.

Die Kam­mer ver­mag auch nicht der Ein­las­sung der Kläge­rin zu fol­gen, sie ha­be ei­ge­ne Geld­mit­tel ein­ge­setzt, die vom Kas­sen­au­to­ma­ten nicht an­ge­nom­me­nen Geld­schei­ne ge­sam­melt, um ih­ren Vor­ge­setz­ten die Mängel des Kas­sen­au­to­ma­ten be­son­ders ver­deut­li­chen zu können, wo­zu es al­ler­dings nicht mehr ge­kom­men sei. Dass der Kas­sen­au­to­mat ge­le­gent­lich Geld­schei­ne nicht an­nimmt, ist un­strei­tig. Un­strei­tig ist auch, dass Kol­le­gen der Kläge­rin die­se Geld­schei­ne durch an­de­re Geld­schei­ne aus dem Wech­sel­geld er­set­zen oder ei­ge­ne Geld­schei­ne im Aus­tausch ein­set­zen. Kein an­de­rer Kol­le­ge hat je­doch ei­ge­ne Bar­mit­tel „vor­ge­streckt". Wie auch ih­re Kol­le­gen, hätte die Kläge­rin vom Kas­sen­au­to­ma­ten nicht an­ge­nom­me­ne Geld­schei­ne der Wech­sel­kas­se zuführen, beim nächs­ten Bar­aus­zah­lungs­vor­gang ein­set­zen und an­de­re Schei­ne aus der Wech­sel­kas­se dem Kas­sen­au­to­ma­ten zuführen können.

Un­verständ­lich bleibt auch, war­um sich die Kläge­rin am 29.07.2009 ent­schlos­sen hat, die zunächst ge­son­dert auf­be­wahr­ten Geld­schei­ne der Bar­kas­se zu­zuführen und den Ge­gen­wert aus dem Wech­sel­geld zu neh­men. Es hätte na­he ge­le­gen, zunächst das Gespräch mit dem Vor­ge­setz­ten zu führen, ihm die ge­sam­mel­ten Schei­ne vor­zu­le­gen, um dann mit sei­nem Wis­sen und Ein­verständ­nis den ent­spre­chen­den Be­trag der Kas­se zu ent­neh­men, zu­mal die Kläge­rin vor dem

 

- 21 - 

Hin­ter­grund der Pfändung und Über­wei­sung zu be­son­ders sorgfälti­gem Um­gang mit dem ihr an­ver­trau­ten Geld an­ge­hal­ten war.

Das Wis­sen, dass die Kläge­rin Bar­geld aus ih­rem ei­ge­nen Vermögen „vor­streckt" und ir­gend­wann – un­kon­trol­lier­bar – den Aus­gleichs­be­trag der Kas­se ent­nimmt, hat­te ihr Vor­ge­setz­ter nicht schon auf­grund des Gesprächs vom 25.06.2009. Selbst wenn sie ihm ge­sagt ha­ben soll­te, sie set­ze mit dem Ziel ei­nes sau­be­ren Kas­sen­ab­schlus­ses ei­ge­ne Geld­schei­ne ein, konn­te er nicht er­ken­nen, dass sie wie ge­sche­hen zu ver­fah­ren be­ab­sich­tig­te.

Ihr Hin­weis, sie ha­be auf­grund des Gesprächs vom 25.06.2009 mit Kas­sen­prüfun­gen in un­re­gelmäßigen Abständen rech­nen müssen, des­halb sei es nicht nach­voll­zieh­bar, dass sie selbst ei­nen der­art ho­hen Falsch­geld­be­trag in die Kas­se ein­ge­legt ha­be, ist verständ­lich, aber nicht durch­grei­fend. Für ih­re Be­haup­tung, sie ha­be vor­ge­habt, kurz­fris­tig nach dem 29.07.2009 das Gespräch mit dem Vor­ge­setz­ten zu su­chen, lie­gen der Kam­mer kei­ne wei­te­ren In­di­ztat­sa­chen vor, die die­se in­ne­re Tat­sa­che be­le­gen könn­ten. Es mag sein, dass die Kläge­rin hoff­te, das Falsch­geld wer­de nicht als sol­ches er­kannt, sie könne es in den Geld­ver­kehr der Be­klag­ten ein­schleu­sen. Es mag auch sein, dass sie nur ei­nen vorüber­ge­hen­den Geld­be­darf de­cken woll­te und das Falsch­geld vor der nächs­ten Kas­sen­prüfung aus­zu­tau­schen hoff­te.

Zu be­den­ken ist auch, dass sie be­reits im April 2008 die schrift­li­che An­wei­sung er­hielt, Pro­ble­me mit der Büro­kas­se oder dem Kas­sen­au­to­ma­ten zu do­ku­men­tie­ren und dem stell­ver­tre­ten­den Be­reichs­lei­ter G2 zu mel­den. Zu er­war­ten war, dass sie zunächst die­sen Weg ging, um ih­ren Vor­ge­setz­ten ih­re Pro­ble­me mit dem Kas­sen­au­to­ma­ten zu ver­deut­li­chen. Des Ein­sat­zes ei­ge­nen Gel­des hätte es mit­nich­ten be­durft.

Letzt­lich bleibt für die Dring­lich­keit des Ver­dach­tes aus­schlag­ge­bend, dass die Kläger trotz des häufi­gen Um­gangs mit neun Falsch­geld­schei­nen de­ren of­fen­kun­di­ge Fälschung nicht ent­deckt ha­ben will. Ge­wiss­heit über die Tat­be­ge­hung ist für die Kündi­gung we­gen ei­nes drin­gen­den Ver­dach­tes ge­ra­de nicht er­for­der­lich.

 

- 22 - 

(3) Die Be­klag­te hat die Kläge­rin ord­nungs­gemäß zu den Kündi­gungs­vorwürfen an­gehört. Die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung folgt auch nicht aus ei­ner man­gel­haf­ten Anhörung (vgl. KR-Fi­scher­mei­er, a.a.O., § 626 BGB Rd­nr. 230, 231).

Am 04.08.2009 fand im Per­so­nal­amt ein Gespräch statt, in dem der Kläge­rin der Fund von Falsch­geld in ih­rer Kas­se vor­ge­hal­ten wur­de. Die Kläge­rin hat sich da­hin ein­ge­las­sen, sie ha­be die vom Kas­sen­au­to­ma­ten nicht an­ge­nom­me­nen Schei­ne se­pa­rat auf­be­wahrt, am 29.07.2009 der Bar­kas­se zu­geführt und sich den von ihr ver­aus­lag­ten Be­trag von 650,-- € aus der Kas­se ge­nom­men; zu dem be­ab­sich­tig­ten Gespräch mit ih­rem Vor­ge­setz­ten sei es we­gen ih­rer Ar­beits­unfähig­keit nicht ge­kom­men. Da­mit hat­te sie aus­rei­chend Ge­le­gen­heit, den Vor­wurf zu wi­der­le­gen. Auf ei­ne wei­te­re von der Be­klag­ten be­ab­sich­tig­te Anhörung am 07.08.2009 hat sie ver­zich­tet.

b) Die In­ter­es­sen­abwägung muss­te zu Las­ten der Kläge­rin er­fol­gen.

Zwar be­gründet ei­ne schwe­re Pflicht­ver­let­zung kei­nen ab­so­lu­ten Kündi­gungs­grund. Viel­mehr muss gemäß § 626 Abs. 1 BGB das Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le be­ur­teilt wer­den. Da­bei sind al­le für das je­wei­li­ge Ver­trags­verhält­nis in Be­tracht kom­men­den Ge­sichts­punk­te zu be­wer­ten. Da­zu gehören das ge­ge­be­ne Maß der Beschädi­gung des Ver­trau­ens, das In­ter­es­se an der kor­rek­ten Hand­ha­bung der Geschäfts­an­wei­sung, das vom Ar­beit­neh­mer in der Zeit sei­ner un­be­an­stan­de­ten Beschäfti­gung er­wor­be­ne „Ver­trau­en­s­ka­pi­tal" eben­so wie die wirt­schaft­li­chen Fol­gen des Ver­trags­ver­s­toßes. Ins­ge­samt muss sich die so­for­ti­ge Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses als an­ge­mes­se­ne Re­ak­ti­on auf die ein­ge­tre­te­ne Ver­tragsstörung er­wei­sen. Un­ter Umständen kann ei­ne Ab­mah­nung als mil­de­res Mit­tel zur Wie­der­her­stel­lung des für die Fort­set­zung des Ver­tra­ges not­wen­di­gen Ver­trau­ens in die Red­lich­keit des Ar­beit­neh­mers aus­rei­chen (BAG 10.06.2010 – 2 AZR 541/09, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 42/10 zu ei­ner Tatkündi­gung).

 

- 23 - 

Die­se Grundsätze gel­ten auch im Fal­le der Kündi­gung we­gen des Ver­dach­tes ei­ner schwer­wie­gen­den Pflicht­ver­let­zung oder vorsätz­li­chen Straf­tat. Auch in­so­weit ist zu be­ur­tei­len, ob un­ter Be­ur­tei­lung al­ler Umstände des Ein­zel­falls die durch den Ver­dacht ein­ge­tre­te­ne Ver­trau­ensstörung durch mil­de­re Mit­tel be­sei­tigt wer­den kann.

Hier ist das Ar­beits­verhält­nis be­an­stan­dungs­frei über ei­nen Zeit­raum von mehr als 22 Jah­ren durch­geführt wor­den. Die Kam­mer hat auch nicht ver­kannt, dass die zu kei­nem Un­ter­halt ver­pflich­te­te Kläge­rin an­ge­sichts ih­res Al­ters und der Tat­sa­che, dass sie ihr Ar­beits­le­ben im We­sent­li­chen im Diens­te der Be­klag­ten ver­bracht hat, Schwie­rig­kei­ten ha­ben wird, ei­ne neue ver­gleich­ba­re Ar­beits­stel­le zu fin­den, um ih­re ei­ge­ne wirt­schaft­li­che Exis­tenz zu si­chern.

Da­ge­gen steht, dass sie drin­gend verdäch­tigt ist, das in sie ge­setz­te Ver­trau­en in be­son­de­rem Maße durch In­ver­kehr­brin­gen von Falsch­geld miss­braucht zu ha­ben. Die Be­klag­te hat ihr die Ver­ein­nah­mung von Ver­wal­tungs­gebühren und die Kas­senführung an­ver­traut. Die­se Auf­ga­be er­for­dert in be­son­de­rem Maße Red­lich­keit und Ehr­lich­keit.

Der der Be­klag­ten dro­hen­de Vermögens­scha­den ist mit 650,-- € nicht un­er­heb­lich.

Im Hin­blick auf die mas­si­ve Zerrüttung des Ver­trau­ens­verhält­nis­ses ist der Aus­spruch ei­ner Ab­mah­nung der Be­klag­ten nicht als mil­de­res Mit­tel zu­zu­mu­ten. Es ist nicht er­sicht­lich, das die­se ge­eig­net ist, das zerrütte­te Ver­trau­en in die Red­lich­keit der Kläge­rin wie­der her­zu­stel­len.

Die Möglich­keit ei­nes an­der­wei­ti­gen Ein­sat­zes auf ei­ner frei­en Stel­le, die nicht mit der Be­fug­nis der Ver­wal­tung von Geld­mit­tel ver­bun­den ist, ist von der Kläge­rin selbst nicht in den Pro­zess ein­geführt wor­den.

Die Schwe­re des Ver­dach­tes er­for­dert als an­ge­mes­se­ne Re­ak­ti­on die so­for­ti­ge Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses. Der Be­klag­ten ist aus den dar­ge­stell­ten Gründen auch nicht die Ein­hal­tung der so­zia­len Aus­lauf­frist von sechs Mo­na­ten zum Schluss ei­nes Ka­len­der­vier­tel­jah­res ent­spre­chend der längs­ten Kündi­gungs­frist nach § 34

 

- 24 - 

Abs. 1 TVöD-VKA zu­zu­mu­ten. Auch ein or­dent­lich künd­ba­rer Ar­beit­neh­mer wäre bei dem ge­ge­be­nen Sach­ver­halt zu Recht frist­los ent­las­sen wor­den.

2. Da das Ar­beits­verhält­nis durch die außer­or­dent­li­che Kündi­gung mit dem 14.08.2009 be­en­det ist, ist der zulässi­ge Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag eben­falls un­be­gründet.

III.

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 ZPO.

Gründe im Sin­ne des § 72 Abs. 2 ArbGG, die Re­vi­si­on zu­zu­las­sen, lie­gen nicht vor.

RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG

Ge­gen die­ses Ur­teil ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben.
We­gen der Möglich­keit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wird auf § 72a ArbGG ver­wie­sen.

 

Held-We­sen­dahl 

Dr. Plümpe 

Kor­te

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 17 Sa 537/10  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880