Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Sozialversicherungsrecht
   
Gericht: Landessozialgericht Sachsen-Anhalt
Akten­zeichen: L 1 R 226/07
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 27.01.2011
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Sozialgericht Halle, Urteil vom 7.05.2007, S 13 RA 322/04
   

So­zi­al­ge­richts­bar­keit Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land

Tat­be­stand:

Die Be­tei­lig­ten strei­ten darüber, ob die Kläge­rin als Mo­de­de­si­gne­rin nach dem Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rungs­ge­setz (KSVG) ver­si­che­rungs­pflich­tig ist.

Die ge­bo­re­ne Kläge­rin stu­dier­te von bis an der Hoch­schu­le in H. und er­lang­te ei­nen Ab­schluss als Di­plom-Mo­de­de­si­gne­rin. Da­nach hat­te sie nach ei­ge­nen An­ga­ben ei­nen Lehr­auf­trag am Be­rufs­bil­den­den In­sti­tut H. für De­sign-, Kunst- und Kostümge­schich­te in­ne.

Zum 12. April 1999 zeig­te sie bei dem Fi­nanz­amt H. den Be­ginn ei­ner frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit – Mo­de­de­sign und Ko­or­di­na­ti­on der Fer­ti­gung und Mar­ke­ting, Gra­fik­de­sign, Kostümde­sign – an. Zum 1. Sep­tem­ber 1999 schloss sie mit ei­ner Schnei­de­rin ei­nen Ar­beits­ver­trag, muss­te die­ser aber zum 15. Ok­to­ber 2000 aus be­trieb­li­chen Gründen kündi­gen. Da­nach ar­bei­te sie oh­ne Sch­ließung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges mit ei­ner an­de­ren Schnei­de­rin zu­sam­men. Im Zeit­raum De­zem­ber 2002 bis No­vem­ber 2003 be­zog die Kläge­rin So­zi­al­hil­fe. Während die­ser Zeit führ­te sie Kostümprak­ti­ka bei Film­pro­duk­ti­ons­fir­men durch (vom 2. Ju­li bis zum 21. Au­gust 2003 und vom 25. Au­gust bis zum 2. Ok­to­ber 2003).

In ei­nem Fra­ge­bo­gen der Be­klag­ten gab sie im De­zem­ber 2003 an, als Gar­de­ro­bie­re/Kostümbild­ne­rin bzw. auf dem Ge­biet Mo­de­de­sign (hauptsächlich) für Braut- und Fest­mode/Um­stands­mo­de, Gra­fik­de­sign selbständig künst­le­risch tätig zu sein. Auf Nach­fra­ge der Be­klag­ten erklärte sie, zu 98% die Tätig­keit als Mo­de­de­si­gne­rin und Kostümbild­ne­rin aus­zuüben. Be­gon­nen hätte sie ih­re Tätig­keit im April 1999. Sie leg­te außer­dem ei­nen Fly­er, ei­ne Ko­pie ih­res Ein­trags in den Gel­ben Sei­ten, den Nach­weis ih­res In­ter­net­auf­tritts ( ) und Rech­nun­gen für von ihr er­brach­te Leis­tun­gen vor.

Mit Be­scheid vom 10. März 2004 stell­te die Be­klag­te fest, dass die Kläge­rin nicht der Ver­si­che­rungs­pflicht nach dem KSVG un­ter­lie­ge. Zur Be­gründung führ­te sie u. a. aus, die Tätig­keit könne nicht als künst­le­risch/pu­bli­zis­tisch im Sin­ne des KSVG an­ge­se­hen wer­den. Würden Ein­zelstücke nach ei­ge­nen Entwürfen ma­nu­ell an­ge­fer­tigt, lie­ge nach der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­rich­tes (BSG) kei­ne künst­le­ri­sche Tätig­keit vor, wenn der Pro­du­zent sei­ne Wertschätzung und sein Ein­kom­men nicht al­lein aus sei­ner Ent­wurfstätig­keit, son­dern auch aus dem mit hand­werk­li­cher Qua­lität her­ge­stell­ten End­pro­dukt be­zie­he. Dies gel­te ins­be­son­de­re dann, wenn die­ses End­pro­dukt mit ver­gleich­ba­ren Pro­duk­ten aus in­dus­tri­el­ler oder rein hand­werk­li­cher Tätig­keit kon­kur­rie­re. Der der­zei­ti­ge Tätig­keits­schwer­punkt der Kläge­rin lie­ge in der Maßschnei­de­rei und so­mit im hand­werk­li­chen Be­reich. Es er­fol­ge kei­ne Ver­mark­tung der ei­ge­nen Entwürfe so­wie Kol­lek­tio­nen über Mo­de­fir­men, son­dern es würden Klei­dungsstücke nach Kun­denwünschen ent­wor­fen und er­stellt. Ei­ne er­werbsmäßige Tätig­keits­ausübung im Be­reich Mo­de­de­sign lie­ge da­her trotz vor­han­de­nem Di­plom im Be­reich Mo­de­de­sign nicht vor.

Ge­gen den Be­scheid er­hob die Kläge­rin am 7. April 2004 Wi­der­spruch, den sie u. a. da­mit be­gründe­te, dass sich ih­re Tätig­keit auf den krea­ti­ven und ge­stal­te­ri­schen An­teil bei der Er­schaf­fung der Mo­de be­schränke. Die An­nah­me ei­ner über­wie­gend "maßschnei­de­ri­schen" Tätig­keit tref­fe auf sie

- 2 -

nicht zu. Dafür fehl­ten ihr die Aus­bil­dung und die hand­werk­li­chen Fähig­kei­ten. Ih­re Entwürfe sei­en nicht mit in­dus­tri­el­ler bzw. rein hand­werk­li­cher Kon­fek­ti­on ver­gleich­bar. Als di­plo­mier­te Mo­de­de­si­gne­rin ge­stal­te sie Entwürfe und las­se die­se von ei­ner Schnei­der­meis­te­rin fer­ti­gen. Die Zu­ord­nung zum Be­reich der Kunst sei nach der Recht­spre­chung un­pro­ble­ma­tisch, wenn sich die Tätig­keit nicht auf die Her­stel­lung des End­pro­duk­tes er­stre­cke, wie dies et­wa bei ei­nem De­si­gner der Fall sei, der sich al­lein mit der An­fer­ti­gung von Entwürfen beschäfti­ge. Außer­dem be­schrieb sie den Ab­lauf der Zu­sam­men­ar­beit mit ih­ren Kun­din­nen und teil­te mit, dass sie Aus­stel­lungstücke z. B. für Mo­den­schau­en ge­stal­te, die Uni­ka­te sei­en und di­rekt nach der Mo­den­schau ver­kauft würden.

Mit Wi­der­spruchs­be­scheid vom 9. Ju­ni 2004 wies die Be­klag­te den Wi­der­spruch der Kläge­rin zurück. Nach den von der Kläge­rin ein­ge­reich­ten Un­ter­la­gen be­ste­he ih­re er­werbsmäßige Tätig­keit im Ent­wurf und dem Ver­kauf ein­zel­ner Be­klei­dungsstücke. Da­bei hand­le es sich je­doch nicht um ei­ne künst­le­ri­sche Tätig­keit im Sin­ne des § 2 KSVG. Es rei­che nicht, dass die her­ge­stell­ten Pro­duk­te ge­stal­te­ri­sche Ele­men­te mit ei­genschöpfe­ri­schem Cha­rak­ter auf­wie­sen und als Uni­ka­te ge­fer­tigt würden, denn ge­stal­te­ri­sche Ele­men­te sei­en bei zahl­rei­chen Ar­bei­ten un­ab­ding­bar, die un­zwei­fel­haft dem Be­reich des Hand­werks zu­ge­ord­net wer­den müss­ten. Ge­ra­de dem Kunst­hand­werk sei ein ge­stal­te­ri­scher Frei­raum im­ma­nent und es blei­be den­noch Hand­werk. Un­pro­ble­ma­tisch sei ei­ne Zu­ord­nung zum Be­reich der Kunst hin­ge­gen bei ei­nem De­si­gner, der sich al­lein mit der An­fer­ti­gung von Entwürfen beschäfti­ge. Ei­ne rei­ne De­si­gnertätig­keit lie­ge bei der Kläge­rin je­doch nicht vor. In ei­nem ähn­lich ge­la­ger­ten Fall ha­be das So­zi­al­ge­richt Ber­lin ent­schie­den, dass ei­ne Tätig­keit im Be­reich Ent­wurf, Re­kon­struk­ti­on, Ver­trieb und Be­ra­tung hin­sicht­lich "klas­si­scher Gar­tenmöbel" nicht künst­le­risch im Sin­ne des KSVG sei (Ur­teil vom 18. Ju­ni 1999, Az: S 75 KR 797/97). Zu­dem ha­be das BSG in Grenzfällen zwi­schen künst­le­ri­scher und kunst­hand­werk­li­cher Tätig­keit ent­schie­den, dass ei­ne Zu­ord­nung zum Be­reich der Kunst nur vor­zu­neh­men sei, wenn der Be­tref­fen­de mit sei­nen Wer­ken in ein­schlägi­gen fach­kun­di­gen Krei­sen als Künst­ler an­er­kannt und be­han­delt wer­de (Ur­teil vom 24. Ju­ni 1998, Az: B 3 KR 13/97 R).

Am 5. Ju­li 2004 hat die Kläge­rin Kla­ge bei dem So­zi­al­ge­richt Hal­le (SG) er­ho­ben. Sie ar­bei­te als frei­be­ruf­li­che di­plo­mier­te Mo­de­de­si­gne­rin und ent­wer­fe spe­zi­el­le Klei­dungsstücke als Uni­ka­te. Bei den Entwürfen hand­le es sich um ih­re schöpfe­ri­sche Leis­tung und nicht nur ei­ne kunst­hand­werk­li­che Ge­stal­tung. Sie er­ar­bei­te Vor­mo­del­le und ge­be Stoff- bzw. Ma­te­ri­al­pro­ben an die Kun­den. Es entstünden die Persönlich­keit des Kun­den un­ter­strei­chen­de Ein­zelstücke. Die ex­ter­nen Nähar­bei­ten setz­ten nur ih­re ei­genschöpfe­ri­sche Leis­tung um und stünden im Hin­ter­grund. Erst die hand­werk­li­che Um­set­zung las­se den künst­le­ri­schen Ent­wurf re­al wer­den. Der Ver­weis der Be­klag­ten auf das Ur­teil des BSG vom 24. Ju­ni 1998, wel­ches zu ei­nem Feintäschner er­gan­gen sei, sei ver­fehlt. Grundsätz­lich hand­le es sich bei Mo­de­de­sign um Kunst.

Die Be­klag­te hat dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Kläge­rin ih­re Braut­mo­den wie je­de an­de­re Maßschnei­de­rei ver­kau­fe und mit ih­ren Pro­duk­ten in Kon­kur­renz mit den sons­ti­gen An­bie­tern tre­te. Sie hat noch­mals auf das Ur­teil des BSG vom 24. Ju­ni 1998 hin­ge­wie­sen. Da­nach könne, wenn Ein­zelstücke nach ei­ge­nen Entwürfen ma­nu­ell ge­fer­tigt würden, nicht al­lein an den ei­genschöpfe­ri­schen An­teil an­ge­knüpft wer­den, so­lan­ge der Pro­du­zent sei­ne Wertschätzung und sein Ein­kom­men auch aus dem mit hand­werk­li­cher Qua­lität her­ge­stell­ten End­pro­dukt be­zie­he, zu­mal wenn es sich um ei­nen Ge­brauchs­ge­gen­stand han­de­le, der mit ver­gleich­ba­ren Pro­duk­ten aus in­dus­tri­el­ler oder hand­werk­li­cher Fer­ti­gung kon­kur­rie­re. Die Kläge­rin ste­he auf­grund der Verkäufe für die hand­werk­li­che Qua­lität der Braut­mo­den ein. Recht­lich ge­se­hen lie­ge ei­ne rei­ne De­si­gnertätig­keit nicht vor. Das BSG stel­le in solch ei­nem Fall auf die An­er­ken­nung in den so ge­nann­ten Fach­krei­sen ab. Die­se An­er­ken­nung ha­be die Kläge­rin nicht nach­ge­wie­sen.

Mit Ur­teil vom 7. Mai 2007 hat das SG un­ter Auf­he­bung des Be­schei­des vom 10. März 2004 in der Fas­sung des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 9. Ju­ni 2004 fest­ge­stellt, dass die Kläge­rin seit dem 15. De­zem­ber 2003 nach § 1 KSVG ver­si­che­rungs­pflich­tig ist. Sie sei selbständi­ge Künst­le­rin im Sin­ne des KSVG, da sie bil­den­de Kunst schaf­fe. Aus den Ma­te­ria­li­en zum KSVG er­ge­be sich, dass auf je­den Fall sol­che künst­le­ri­schen Tätig­kei­ten um­fasst sein sol­len, mit de­nen sich der "Be­richt der Bun­des­re­gie­rung über die wirt­schaft­li­che und die so­zia­le La­ge der künst­le­ri­schen Be­ru­fe (Künst­ler­be­richt)" aus dem Jah­re 1975 beschäftigt ha­be. Der Ge­setz­ge­ber ha­be da­mit ei­nen an der Ty­po­lo­gie von Ausübungs­for­men ori­en­tier­ten Kunst­be­griff vor­ge­ge­ben, der in al­ler Re­gel dann erfüllt sei, wenn das zu be­ur­tei­len­de Werk den Gat­tungs­an­for­de­run­gen ei­nes be­stimm­ten Kunst­typs ent­spre­che. Bei die­sen Be­rufs­fel­dern sei das so­zia­le Schutz­bedürf­nis zu un­ter­stel­len, oh­ne dass es auf die Qua­lität der künst­le­ri­schen Tätig­keit an­kom­me oder ei­ne be­stimm­te Werk- und Ge­stal­tungshöhe vor­aus­ge­setzt wer­de.

Als Ka­ta­log­be­ruf sei im Künst­ler­be­richt auch der Mo­de­de­si­gner auf­geführt. Ent­schei­dend sei des­halb,

- 3 -

ob dem Schaf­fen der Kläge­rin ei­ne ei­genschöpfe­ri­sche Leis­tung zu­grun­de lie­ge, die über den Be­reich des hand­werk­li­chen hin­aus­ge­he. Dies sei bei der Kläge­rin der Fall, denn sie ver­ar­bei­te aus­sch­ließlich ei­ge­ne Entwürfe und fer­ti­ge je­den Ent­wurf in­di­vi­du­ell für den Kun­den an. Ein Ge­stal­tungs­spiel­raum be­ste­he trotz der Kun­denwünsche. Die krea­ti­ve Ge­stal­tung der Braut- und Fest­mode ste­he da­bei im Vor­der­grund ih­rer Ar­beit, während die tech­ni­sche und hand­werk­li­che Um­set­zung le­dig­lich der Voll­endung des Ge­samt­wer­kes die­ne. Dass die von der Kläge­rin aus­geübte Tätig­keit auch hand­werk­lich sei, spre­che nicht ge­gen das Vor­lie­gen ei­ner künst­le­ri­schen Tätig­keit. Ei­ne Viel­zahl künst­le­ri­scher Tätig­kei­ten ha­be auch hand­werk­li­che As­pek­te, z. B. die Bild­haue­rei. Nach den An­ga­ben der Kläge­rin ste­he der hand­werk­li­che As­pekt bei ihr im Hin­ter­grund. Dies er­ge­be sich ins­be­son­de­re aus dem de­tail­liert ge­schil­der­ten Schaf­fens­pro­zess, der Aus­druck der ei­genschöpfe­ri­schen Tätig­keit sei. Sch­ließlich spre­che auch die Aus­bil­dung der Kläge­rin als di­plo­mier­te Mo­de­de­si­gne­rin für das Vor­lie­gen ei­ner künst­le­ri­schen Tätig­keit.

Die An­er­ken­nung der Kläge­rin als Künst­le­rin schei­te­re auch nicht dar­an, dass sie in fach­kun­di­gen Krei­sen nicht als Künst­le­rin an­er­kannt und be­han­delt wer­de. Ei­ne sol­che An­er­ken­nung lie­ge viel­mehr im Fall der Kläge­rin vor. Sie ha­be ei­nen Lehr­auf­trag ge­habt, neh­me an Hoch­zeits- und Mo­de­mes­sen teil, or­ga­ni­sie­re sol­che Mes­sen und sei auch in die Ju­ry für ein Mo­de­cas­ting be­ru­fen wor­den. An das Er­for­der­nis der An­er­ken­nung in Fach­krei­sen dürf­ten oh­ne­hin kei­ne erhöhten An­for­de­run­gen ge­stellt wer­den, da bei der Ausübung ei­nes Ka­ta­log­be­ru­fes in al­ler Re­gel Kunst ge­schaf­fen wer­de und für den Kunst­be­griff des KSVG an­ge­sichts des Zwecks der Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rung, nämlich Schutz des we­ni­ger er­folg­rei­chen Künst­lers, ein re­la­tiv ge­rin­ges Ni­veau aus­rei­che.

Ge­gen das ihr am 21. Mai 2007 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Be­klag­te am 4. Ju­ni 2007 Be­ru­fung bei dem Lan­des­so­zi­al­ge­richt Sach­sen-An­halt ein­ge­legt. Sie ist der An­sicht, die Kläge­rin sei kei­ne Mo­de­de­si­gne­rin im Rechts­sin­ne. Zu be­ach­ten sei, dass die Kläge­rin ei­ne Tätig­keit ausübe, die auch ein zu­las­sungs­frei­es Hand­werk nach An­la­ge B (Nr. 19) zur Hand­werks­ord­nung (HwO) dar­stel­le (Da­men- und Her­ren­schnei­der). Ei­ne sol­che Tätig­keit sei nach der Recht­spre­chung des BSG grundsätz­lich nicht zum Be­reich der Kunst zu zählen. Die da­her ent­schei­den­de An­er­ken­nung der Kläge­rin in fach­kun­di­gen Krei­sen als Künst­le­rin sei nicht nach­ge­wie­sen. Die vom SG zu­grun­de ge­leg­ten Tat­sa­chen reich­ten nicht aus. Mo­de­de­si­gner nähmen in der Re­gel an Mo­de- und Hoch­zeits­mes­sen teil; die Or­ga­ni­sa­ti­on ei­ner sol­chen Mes­se könne nicht mit der Teil­nah­me an ei­ner Kunst­aus­stel­lung der bil­den­den Kunst gleich­ge­setzt wer­den. Auch die Ju­ro­rentätig­keit für ein Mo­de­cas­ting sei spe­zi­fisch auf den Mo­de­be­reich be­schränkt.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

das Ur­teil des So­zi­al­ge­richts Hal­le vom 7. Mai 2007 auf­zu­he­ben und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des So­zi­al­ge­richts Hal­le vom 7. Mai 2007 zurück­zu­wei­sen.

Sie hält das Ur­teil für zu­tref­fend. Die Be­klag­te er­ken­ne im Er­geb­nis ih­ren Hoch­schul­ab­schluss nicht an und ver­ken­ne das Be­rufs­bild ei­ner Mo­de­de­si­gne­rin, wel­ches sich von dem ei­ner Schnei­de­rin un­ter­schei­de. Die­se Tätig­kei­ten be­herr­sche sie über­haupt nicht.

Das Ge­richt hat den Recht­streit mit den Be­tei­lig­ten in ei­nem Ter­min erörtert und wei­te­re Un­ter­la­gen von der Kläge­rin an­ge­for­dert. Nach ei­ner vor­ge­leg­ten Ge­wer­be­kar­te der Hand­werks­kam­mer H. ist sie seit dem 1. De­zem­ber 2005 mit dem zu­las­sungs­frei­en Hand­werk "Da­men- und Her­ren­schnei­der" in die Ge­wer­be­rol­le ein­ge­tra­gen. Außer­dem ist sie seit dem 1. Ja­nu­ar 2007 mit dem Han­dels­ge­wer­be – Ver­kauf von Braut- und Fest­moden, fest­li­che Kin­der­mo­de, Ac­ces­soires – bei dem Be­zirks­amt B. ein­ge­tra­gen (Ge­wer­be­an­mel­dung vom 14. De­zem­ber 2006). Wei­ter hat die Kläge­rin ih­re Ein­kom­men­steu­er­be­schei­de für die Jah­re 2003 bis 2008, Ge­winn­ermitt­lun­gen für das Jahr 2009 und die Ab­schrift ei­nes GbR-Ge­sell­schafts­ver­tra­ges ein­ge­reicht. Die Be­tei­lig­ten ha­ben ei­ner Ent­schei­dung oh­ne münd­li­che Ver­hand­lung zu­ge­stimmt.

Die Ge­richts­ak­te und die Ver­wal­tungs­ak­te der Be­klag­ten ha­ben vor­ge­le­gen und wa­ren Ge­gen­stand der Be­ra­tung. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach­ver­hal­tes und des Sach­vor­tra­ges der Be­tei­lig­ten wird ergänzend auf den In­halt der Ge­richts­ak­te und der Ver­wal­tungs­ak­te ver­wie­sen.

Ent­schei­dungs­gründe:

- 4 -

Die nach § 143 des So­zi­al­ge­richts­ge­set­zes (SGG) statt­haf­te und auch im Übri­gen zulässi­ge Be­ru­fung der Be­klag­ten ist teil­wei­se be­gründet.

Der Be­scheid der Be­klag­ten vom 10. März 2004 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 9. Ju­ni 2004 be­schwert die Kläge­rin, so­weit es die Be­klag­te da­mit auch ab­ge­lehnt hat, die Ver­si­che­rungs­pflicht der Kläge­rin nach dem KSVG für den Zeit­raum vom 1. Ja­nu­ar 2006 bis zum 31. De­zem­ber 2006 fest­zu­stel­len.

Da­bei hat das Ge­richt bei ei­nem Be­scheid, der die Ver­si­che­rungs­pflicht fest­stellt oder die Fest­stel­lung der Ver­si­che­rungs­pflicht ab­lehnt, den Zeit­raum bis zum Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung zu prüfen, da es sich um ei­nen Dau­er­ver­wal­tungs­akt han­delt. Der Be­scheid be­schränkt sich nämlich nicht auf ei­ne ein­ma­li­ge Re­ge­lung (da­zu z. B. Schütze in von Wul­ffen, SGB X, 6. Aufl., § 45, Rd­nr. 63 f.). Bei ei­nem Ver­wal­tungs­akt mit Dau­er­wir­kung sind Rechts- und Sach­ver­haltsände­run­gen bis zum Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung zu berück­sich­ti­gen (Cas­ten­diek in Lüdt­ke u. a., SGG, 3. Aufl., § 54, Rd­nr. 56).

Nach § 1 KSVG wer­den selbständi­ge Künst­ler und Pu­bli­zis­ten in der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung, in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung und in der so­zia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung ver­si­chert, wenn sie die künst­le­ri­sche oder pu­bli­zis­ti­sche Tätig­keit er­werbsmäßig und nicht nur vorüber­ge­hend ausüben und im Zu­sam­men­hang mit der künst­le­ri­schen oder pu­bli­zis­ti­schen Tätig­keit nicht mehr als ei­nen Ar­beit­neh­mer beschäfti­gen, es sei denn, die Beschäfti­gung er­folgt zur Be­rufs­aus­bil­dung oder ist ge­ringfügig im Sin­ne des § 8 des Vier­ten Bu­ches des So­zi­al­ge­setz­bu­ches (SGB IV). Nach § 2 Satz 1 KSVG ist Künst­ler im Sin­ne des KSVG, wer Mu­sik, dar­stel­len­de oder bil­den­de Kunst schafft, ausübt oder lehrt.

Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des BSG hat der Ge­setz­ge­ber, der in § 2 Satz 1 KSVG nur all­ge­mein von "Künst­lern" und "künst­le­ri­schen Tätig­kei­ten" spricht, auf ei­ne De­fi­ni­ti­on des Kunst­be­griffs be­wusst ver­zich­tet. Der Be­griff ist des­halb aus dem Re­ge­lungs­zweck des KSVG un­ter Berück­sich­ti­gung der all­ge­mei­nen Ver­kehrs­auf­fas­sung und der his­to­ri­schen Ent­wick­lung zu er­sch­ließen (BSG, Ur­teil vom 15. No­vem­ber 2007, Az: B 3 KS 3/07 R, do­ku­men­tiert in ju­ris, Rd­nr. 10 mit wei­te­ren Ver­wei­sen). Aus den Ma­te­ria­li­en zum KSVG er­gibt sich, dass der Be­griff der Kunst trotz sei­ner Unschärfe auf je­den Fall sol­che künst­le­ri­schen Tätig­kei­ten um­fasst, mit de­nen sich der "Be­richt der Bun­des­re­gie­rung über die wirt­schaft­li­che und so­zia­le La­ge der künst­le­ri­schen Be­ru­fe (Künst­ler­be­richt)" aus dem Jah­re 1975 beschäftigt hat­te (a. a. O.). Der Ge­setz­ge­ber hat da­mit ei­nen an der Ty­po­lo­gie von Ausübungs­for­men ori­en­tier­ten Kunst­be­griff vor­ge­ge­ben, der in al­ler Re­gel dann erfüllt ist, wenn das zu be­ur­tei­len­de Werk den Gat­tungs­an­for­de­run­gen ei­nes be­stimm­ten Kunst­typs ent­spricht. Bei die­sen Be­rufs­fel­dern ist das so­zia­le Schutz­bedürf­nis zu un­ter­stel­len, oh­ne dass es auf die Qua­lität der künst­le­ri­schen Tätig­keit an­kommt oder ei­ne be­stimm­te Werk- und Ge­stal­tungshöhe vor­aus­ge­setzt wird (a. a. O.). Vor­aus­set­zung ist al­ler­dings, dass die künst­le­ri­schen Ele­men­te das Ge­samt­bild der Beschäfti­gung prägen, die Kunst al­so den Schwer­punkt der Be­rufs­ausübung bil­det (BSG, Ur­teil vom 23. März 2006, Az: B 3 KR 9/05 R, do­ku­men­tiert in ju­ris, Rd­nr. 12).

Ei­ne Mo­de­de­si­gne­rin bzw. ein Mo­de­de­si­gner gehört zu den Künst­lern, bei de­nen das so­zia­le Schutz­bedürf­nis zu un­ter­stel­len ist. Im "Künst­ler­be­richt" (BT­Drs. 7/3071) sind zwar die Mo­de­de­si­gner als Be­rufs­grup­pe ne­ben den Gra­phik-De­si­gnern, In­dus­trie-De­si­gnern und Fo­to­de­si­gnern nicht auf­geführt (S. 6), bei den den In­dus­trie-De­si­gnern zu­ge­schrie­be­nen künst­le­ri­schen Tätig­kei­ten fin­det sich je­doch das Pro­dukt-De­sign (S. 7), zu de­nen auch das Mo­de­de­sign zu zählen ist. Dafür spricht auch die Ver­ord­nung zur Durchführung des KSVG vom 23. Mai 1984 (BGBl. I S. 709, außer Kraft), in der die Mo­de­de­si­gner mit den Gra­fik-, Tex­til-, In­dus­trie­de­si­gnern und Lay­ou­tern dem Be­reich bil­den­de Kunst zu­ge­ord­net wor­den sind (§ 2 Abs. 2 Nr. 9 der Ver­ord­nung; eben­so LSG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 15. Au­gust 1997, Az: L 4 KR 1911/95; LSG Nie­der­sach­sen-Bre­men, Ur­teil vom 16. Sep­tem­ber 2009, Az: L 4 KR 216/07, LSG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 30. Ju­ni 2010, Az: L 9 KR 578/07; al­le do­ku­men­tiert in ju­ris; sie­he auch Fin­ke/Brach­mann/Nord­hau­sen, KSVG, 4. Aufl., § 2, Rd­nr. 16).

Das Ge­richt ist über­zeugt, dass die Kläge­rin als Mo­de­de­si­gne­rin und da­mit als Künst­le­rin tätig ist (und zwar seit dem 12. April 1999, dem ge­genüber dem Fi­nanz­amt an­ge­zeig­ten Be­ginn). Dafür spricht schon der Um­stand, dass die Kläge­rin ei­nen ent­spre­chen­den Ab­schluss durch ihr Stu­di­um er­wor­ben hat. Nach den vor­ge­leg­ten Un­ter­la­gen ist sie auch tatsächlich als Mo­de­de­si­gne­rin tätig und tritt ent­spre­chend wer­bend am Markt auf. In Wer­be­ma­te­ria­len, in Zei­tungs- bzw. Zeit­schrif­ten­ar­ti­keln und dem In­ter­net­auf­tritt wird die Kläge­rin als Mo­de­de­si­gne­rin be­schrie­ben. In von ihr ge­schlos­se­nen Verträgen be­zeich­net sie sich als Mo­de­de­si­gne­rin und sie mel­de­te sich ent­spre­chend bei dem Fi­nanz­amt an. Sie bie­tet Leis­tun­gen aus dem Be­reich des Mo­de­de­signs an und er­bringt sie auch.

- 5 -

Dass sie zu­min­dest ab 2005 Ein­kom­men aus Ge­wer­be­be­trieb als Ein­zel­un­ter­neh­mer gem. §§ 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, 15 Abs. 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) er­zielt hat und nicht mehr aus selbständi­ger frei­be­ruf­li­cher (insb. auch künst­le­ri­scher) Tätig­keit nach §§ 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3, 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG, spricht nicht ge­gen den Tätig­keits­schwer­punkt als Mo­de­de­si­gne­rin. Das Ein­kom­men­steu­er­recht legt nämlich der Ab­gren­zung der künst­le­ri­schen Tätig­keit von an­de­ren selbständi­gen Tätig­kei­ten an­de­re Maßstäbe zu­grun­de (Schmidt, EStG, 26. Aufl., § 18, Rd­nr. 66 f.). Es geht ins­be­son­de­re nicht, wie das KSVG, von ei­ner be­stimm­ten Ty­po­lo­gie von Ausübungs­for­men aus, son­dern ver­langt ei­ne ei­genschöpfe­ri­sche Leis­tung, die ei­ne künst­le­ri­sche Ge­stal­tungshöhe er­rei­chen muss.

Es kommt nicht dar­auf an, wie die Be­klag­te meint, ob die Kläge­rin in fach­kun­di­gen Krei­sen als Künst­le­rin an­er­kannt ist. Nach der Recht­spre­chung des BSG ist die­se An­er­ken­nung nur dann er­for­der­lich, wenn es um die Ab­gren­zung zu ei­nem "krea­ti­ven" Hand­werks­be­ruf geht (BSG, Ur­teil vom 7. Ju­li 2005, Az: B 3 KR 37/04 R, do­ku­men­tiert in ju­ris). Wenn die hand­werk­li­che Betäti­gung ei­ne ei­genschöpfe­ri­sche Kom­po­nen­te erhält, ist ei­ne Zu­ord­nung zur Kunst nur möglich, wenn der Be­trof­fe­ne mit sei­nen Wer­ken den hand­werk­li­chen Bo­den verlässt. Dies lässt sich nur da­durch fest­stel­len, dass er in fach­kun­di­gen Krei­sen als Künst­ler an­er­kannt und be­han­delt wird (a. a. O, Rd­nr. 22). Vor­lie­gend ist die Kläge­rin schon des­halb von § 2 Satz 1 KSVG er­fasst, weil sie Mo­de­de­si­gne­rin ist. Nur wenn sie ei­ne über­wie­gend hand­werk­li­che Tätig­keit ausüben würde, was bei ei­ner Mo­de­de­si­gne­rin nicht der Fall ist, müss­te zur ei­genschöpfe­ri­schen Leis­tung noch die An­er­ken­nung in fach­kun­di­gen Krei­sen hin­zu­kom­men. Unschädlich ist, dass die Kläge­rin auf ih­ren Na­men ein zu­las­sungs­frei­es Hand­werk ein­ge­tra­gen hat. Sie hat zwar nach ei­ge­nen An­ga­ben vor ih­rem Stu­di­um Nähun­ter­richt be­kom­men, des­halb ist sie je­doch kei­ne Schnei­de­rin. Ih­re Entwürfe lässt sie viel­mehr von ei­ner Schnei­der­meis­te­rin an­fer­ti­gen. Die Kläge­rin bleibt trotz­dem nach Einschätzung des Ge­richts im Schwer­punkt De­si­gne­rin.

Sie ist je­doch in ih­rer dem Grun­de nach § 1 KSVG ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Tätig­keit als Mo­de­de­si­gne­rin im Zeit­raum vom 15. De­zem­ber 2003 bis zum 31. De­zem­ber 2005 und ab 1. Ja­nu­ar 2007 nach § 3 Abs. 1 KSVG ver­si­che­rungs­frei.

Nach § 3 Abs. 1 Satz 1 KSVG ist ver­si­che­rungs­frei, wer in dem Ka­len­der­jahr aus selbständi­ger künst­le­ri­scher und pu­bli­zis­ti­scher Tätig­keit vor­aus­sicht­lich ein Ar­beits­ein­kom­men er­zielt, das 3 900 Eu­ro nicht über­steigt. Nach § 3 Abs. 2 Satz 1 KSVG gilt dies nicht bis zum Ab­lauf von drei Jah­ren nach erst­ma­li­ger Auf­nah­me der Tätig­keit. Die Frist von 3 Jah­ren verlängert sich um die Zei­ten, in de­nen kei­ne Ver­si­che­rungs­pflicht nach die­sem Ge­setz oder Ver­si­che­rungs­frei­heit nach § 5 Abs. 1 Nr. 8 KSVG be­steht (§ 3 Abs. 2 Satz 2 KSVG).

Nach § 15 Abs. 1 Satz 1 SGB IV ist Ar­beits­ein­kom­men der nach den all­ge­mei­nen Ge­winn­ermitt­lungs­vor­schrif­ten des Ein­kom­men­steu­er­rechts er­mit­tel­te Ge­winn aus ei­ner selbständi­gen Tätig­keit. In der Re­gel kann der Ge­winn un­verändert den im Ein­kom­men­steu­er­be­scheid aus­ge­wie­se­nen Einkünf­ten aus Ge­wer­be­be­trieb oder selbständi­ger Ar­beit ent­nom­men wer­den (Fi­scher in Schle­gel u. a., ju­ris Pra­xis­kom­men­tar SGB IV, § 15 Rd­nr. 40), da mit der Re­ge­lung des § 15 SGB IV ei­ne vol­le Par­al­le­lität zum Ein­kom­men­steu­er­recht ge­schaf­fen wur­de (BSG, Ur­teil vom 25. Fe­bru­ar 2004, Az: B 5 RJ 56/02 R, do­ku­men­tiert in ju­ris, Rd­nr. 17).

Hin­sicht­lich der Ein­kom­mens­verhält­nis­se ist we­gen des Wort­lauts des § 3 Abs. 1 Satz 1 KSVG ("vor­aus­sicht­lich") ei­ne Pro­gno­se zu tref­fen, die nicht für die Ver­gan­gen­heit kor­ri­giert wer­den kann (sie­he z. B. Hes­si­sches LSG, Ur­teil vom 30. No­vem­ber 1995, Az: L 1 Kr 500/94, do­ku­men­tiert in ju­ris; Schle­gel in Schle­gel u. a., a. a. O., § 8 Rd­nr. 43 zur Maßgeb­lich­keit von be­rech­tig­ten Pro­gno­sen). Hier ist aber in der Ver­gan­gen­heit über­haupt kei­ne Pro­gno­se zu dem Ein­kom­men der Kläge­rin ab­ge­ge­ben wor­den. Ei­ne bis zum 1. De­zem­ber des Vor­jah­res für das fol­gen­de Ka­len­der­jahr an­zu­stel­len­de Pro­gno­se (sie­he § 12 Abs. 1 Satz 1 KSVG) kann an­ge­sichts des Um­stan­des, dass nun­mehr die Ein­kom­men­steu­er­be­schei­de bzw. die Ge­winn­ermitt­lun­gen vor­lie­gen, nicht mehr oh­ne Berück­sich­ti­gung die­ser ab­ge­ge­ben wer­den.

Aus den Ein­kom­men­steu­er­be­schei­den bzw. der Ge­winn­ermitt­lung er­gibt sich, dass die Kläge­rin in den Jah­ren 2003 bis 2005 und 2007 bis 2009 ein Ein­kom­men aus ih­rer künst­le­ri­schen Tätig­keit er­zielt hat, wel­ches un­ter der Gren­ze des § 3 Abs. 1 Satz 1 KSVG lag. Die Drei­jah­res­frist des § 3 Abs. 2 Satz 1 KSVG en­de­te am 12. April 2002, so dass das Un­ter­schrei­ten zu berück­sich­ti­gen ist. Für das Vor­lie­gen ei­nes Verlänge­rungs­tat­be­stan­des nach § 3 Abs. 2 Satz 2 KSVG ist aus den vor­lie­gen­den Un­ter­la­gen nichts er­sicht­lich.

Die Einkünf­te aus Be­tei­li­gun­gen sind da­bei nicht zu berück­sich­ti­gen, da von der Bei­trags­pflicht der

- 6 -

ver­si­cher­ten selbständi­gen Künst­ler und Pu­bli­zis­ten zur ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung grundsätz­lich nur Einkünf­te aus der künst­le­ri­schen und pu­bli­zis­ti­schen Tätig­keit er­fasst wer­den (BSG, Be­schluss vom 15. Ok­to­ber 1995, Az: 3 BK 11/96, do­ku­men­tiert in ju­ris, Rd­nr. 7). Es ist nicht er­sicht­lich, dass die Kläge­rin die Be­tei­li­gungs­einkünf­te aus ih­rer künst­le­ri­schen Tätig­keit er­zielt hat. Nach dem Ge­sell­schafts­ver­trag vom 21. Ja­nu­ar 2007 be­steht der Ge­sell­schafts­zweck in dem Be­trieb ei­nes La­den­lo­kals für Braut- und Fest­moden in B ... Dass die Kläge­rin spe­zi­ell künst­le­ri­sche Tätig­keit zur Er­rei­chung des Zwecks schul­det, er­gibt sich aus den Un­ter­la­gen nicht.

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 193 SGG und berück­sich­tigt, dass die Kläge­rin teil­wei­se Er­folg hat­te.

Der Se­nat hat die Re­vi­si­on nach § 160 Abs. 2 Nr. 1 SGG we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung un­ter Hin­weis auf das bei dem BSG anhängi­ge Ver­fah­ren B 3 KS 4/10 R zu­ge­las­sen.

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht L 1 R 226/07  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880