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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Tarifvertrag, Tarifpluralität
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 10 AS 3/10
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 23.06.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Mannheim, Urteil vom 31.07.2007, 12 Ca 120/07
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 22.01.2008, 14 Sa 87/07
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

10 AS 3/10

4 AZR 549/08 (A) Bun­des­ar­beits­ge­richt

BESCHLUSS

In Sa­chen

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Kläger, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­ons­be­klag­ter,

hat der Zehn­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Be­ra­tung vom 23. Ju­ni 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Mi­kosch, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Rein­fel­der und Mest­werdt so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Thiel und Pe­tri be­schlos­sen:


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Der Zehn­te Se­nat schließt sich der Auf­fas­sung des Vier­ten Se­nats an, dass die Rechts­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­trags, die den In­halt, den Ab­schluss und die Be­en­di­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen ord­nen, nach § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG in den je­wei­li­gen Ar­beits­verhält­nis­sen ei­nes Be­trie­bes un­mit­tel­bar gel­ten und die­se durch das Ta­rif­ver-trags­ge­setz vor­ge­se­he­ne Gel­tung nicht da­durch ver­drängt wird, dass für den Be­trieb kraft Ta­rif­bin­dung des Ar­beit­ge­bers nach § 3 Abs. 1 TVG mehr als ein Ta­rif­ver­trag gilt, für Ar­beits­verhält­nis­se der­sel­ben Art im Fal­le ei­ner Ta­rif­bin­dung ei­nes oder meh­re­rer Ar­beit­neh­mer al­ler­dings je­weils nur ein Ta­rif­ver­trag („Ta­rifp­lu­ra­lität“).

Gründe

I. Der Vier­te Se­nat hat gem. § 45 Abs. 3 Satz 1 ArbGG an­ge­fragt, ob der
Zehn­te Se­nat an sei­ner Rechts­auf­fas­sung zur ein­ge­schränk­ten Gel­tung von § 4 Abs. 1 Satz 1 TVG im Fal­le der sog. Ta­rifp­lu­ra­lität bei Ta­rif­gel­tung kraft Ko­ali­ti­ons­mit­glied­schaft nach § 3 Abs. 1 TVG festhält. Der Zehn­te Se­nat hat bis­her an­ge­nom­men, nach dem Grund­satz der Spe­zia­lität kom­me hier al­lein der Ta­rif­ver­trag zur An­wen­dung, der dem Be­trieb räum­lich, be­trieb­lich, fach­lich und persönlich am nächs­ten ste­he und des­halb den Er­for­der­nis­sen und Ei­gen­ar­ten des Be­triebs und der dar­in täti­gen Ar­beit­neh­mer am bes­ten ge­recht wer­de (Se­nat 18. Ok­to­ber 2006 - 10 AZR 576/05 - Rn. 31 mwN, BA­GE 120, 1).

II. Der Zehn­te Se­nat schließt sich der Auf­fas­sung an, § 4 Abs. 1 Satz 1
TVG gel­te auch dann un­ein­ge­schränkt, wenn in ei­nem Be­trieb kraft Ta­rif­bin­dung des Ar­beit­ge­bers nach § 3 Abs. 1 TVG auf meh­re­re Ar­beits­verhält­nis­se der­sel­ben Art ver­schie­de­ne Ta­rif­verträge zur An­wen­dung kom­men. Das Ta­rif-ver­trags­ge­setz ord­net in § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 die un­mit­tel­ba­re und zwin­gen­de Wir­kung der Nor­men ei­nes Ta­rif­ver­trags im Ar­beits­verhält­nis bei­der­seits Ta­rif­ge­bun­de­ner an. Es be­steht kein hin­rei­chen­der Grund, die da­mit im Ge­setz an­ge­leg­te Möglich­keit aus­zu­sch­ließen, dass für ver­schie­de­ne Ar­beit­neh­mer im Be­trieb un­ter­schied­li­che Ta­rif­verträge gel­ten. Ins­be­son­de­re enthält das Ta­rif­ver-trags­ge­setz kei­nen in­so­weit vor­ge­hen­den all­ge­mei­nen Grund­satz der Ta­rif­ein-


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heit. Die durch bei­der­sei­ti­ge Ver­bands­mit­glied­schaft oder durch Ver­bands­mit­glied­schaft und ei­ge­nen Ab­schluss des Ta­rif­ver­trags le­gi­ti­mier­te Gel­tung der Ta­rif­nor­men darf nicht ent­ge­gen der ein­deu­ti­gen ge­setz­li­chen Re­ge­lung auf­ge­ho­ben wer­den. An­ge­sichts der vom Vier­ten Se­nat im Be­schluss vom 27. Ja­nu­ar 2010 (- 4 AZR 549/08 (A) -) ausführ­lich und über­zeu­gend dar­ge­leg­ten Be­gründung sieht der Zehn­te Se­nat von ei­ner wei­te­ren Be­gründung ab.

Mi­kosch W. Rein­fel­der Mest­werdt

Thiel Pe­tri

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