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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Abmahnung, Persönlichkeitsrecht, Abmahnung: Widerruf
   
Gericht: Landesarbeitsgericht München
Akten­zeichen: 11 Sa 520/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 30.12.2010
   
Leit­sätze:

1. Es be­steht kein Wi­der­rufs­an­spruch des Ar­beit­neh­mers, wenn in Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen, die später rechts­kräftig für un­wirk­sam erklärt wur­den, die Rechts­be­haup­tung ar­beits­ver­trags­wid­ri­gen Ver­hal­tens auf­ge­stellt wor­den war. Ein ent­spre­chen­der An­spruch kann bei of­fen­sicht­lich ehr­kränken­den Äußerun­gen ge­ge­ben sein.

 

2. Der Schutz des Persönlich­keits­rechts im Be­reich der So­zi­al­sphäre reicht nicht so weit, in der (be­trieb­li­chen) Öffent­lich­keit nur so dar­ge­stellt zu wer­den, wie man sich selbst sieht oder von an­de­ren gern ge­se­hen wer­den würde (BVerfGE 99, 194).

 

3. Die ge­richt­li­che Fest­stel­lung der Rechts­un­wirk­sam­keit von Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen be­gründet für sich al­lein kei­ne In­for­ma­ti­ons­ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers an al­le (Kon­zern-)Mit­ar­bei­ter.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht München, Urteil vom 02.04.2009, 32 Ca 5328/09
   

11 Sa 520/09

32 Ca 5328/09
(ArbG München) 

 

Verkündet am: 22.09.2010


 

He­ger
Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le

 

Lan­des­ar­beits­ge­richt München

Im Na­men des Vol­kes

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

M. G.


- Kläger und Be­ru­fungskläger -


Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter:


ge­gen


Fir­ma Te. Da. E. GmbH


- Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te -


Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:

 

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hat die 11. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts München auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 22. Sep­tem­ber 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Müller und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Wah­ba und Wit­ty


 

für Recht er­kannt:

1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das En­dur­teil des Ar­beits­ge­richts München vom 02.04.2009 - 32 Ca 5328/09 - wird auf Kos­ten des Klägers zurück­ge­wie­sen.


2. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.


Tat­be­stand:


Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, die rechts­kräftig fest­ge­stell­te Rechts­un­wirk­sam­keit zwei­er von ihr erklärter Ab­mah­nun­gen und zwei­er Kündi­gungs­erklärun­gen an al­le ih­re Mit­ar­bei­ter so­wie welt­weit an al­le Mit­ar­bei­ter der Kon­zern­fir­men (insg. ca. 9.000) schrift­lich mit­zu­tei­len, außer­dem auch, dass die Be­klag­te die Be­haup­tung nicht auf­recht er­hal­te, der Kläger ha­be sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten in der Ver­gan­gen­heit ver­letzt.


Der Kläger war seit dem 15.03.2003 bei der Be­klag­ten in der Funk­ti­on ei­nes Prüfungs­lei­ters der „In­ter­nen Re­vi­si­on“ zu ei­nem Mo­nats­ge­halt in Höhe von 0,- € brut­to beschäftigt.


Un­ter dem Da­tum 10.10.2003 er­teil­te die Be­klag­te dem Kläger zwei Ab­mah­nun­gen. Die ei­ne Ab­mah­nung be­an­stan­de­te die Wei­ge­rung des Klägers, trotz aus­drück­li­cher Wei­sung sei­nes Vor­ge­setz­ten, Da­ten ei­nes Kon­zern­un­ter­neh­mens auf dem von der Be­klag­ten zur Verfügung ge­stell­ten Rech­ner zu spei­chern. Die zwei­te Ab­mah­nung be­traf das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­ten des Klägers.
 


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Die Ab­mah­nun­gen ha­ben fol­gen­den Wort­laut:


„Sehr ge­ehr­ter Herr G.,


Ihr nach­fol­gend dar­ge­stell­tes Ver­hal­ten gibt uns Ver­an­las­sung, Sie auf die ord­nungs­gemäße Erfüllung Ih­rer ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen mit Nach­druck hin­zu­wei­sen:


In der KW 39 wa­ren Sie mit Ih­rem Vor­ge­setz­ten H. bei TD. Ihr Vor­ge­setz­ter nahm sich der Ak­ti­vitäten für Sar­ba­nes-Ox­ley selbst an, um ei­ne rei­bungs­lo­se Zu­sam­men­ar­beit mit un­se­rem Part­ner De. & To. zu gewähr­leis­ten. Am 23.09.2003 wur­den Sie von Ih­rem Vor­ge­setz­ten auf­ge­for­dert, die ver­trau­li­chen Do­ku­men­te von TD. in Emp­fang zu neh­men, die in Form von Hard-Co­pies und teil­wei­se in File-For­mat, De. & To. be­reit­ge­stellt wer­den soll­ten.


Als Team­lea­der wa­ren Sie für die Be­reit­stel­lung ver­ant­wort­lich und so­mit auch für ei­nen störungs­frei­en Ab­lauf. Sie ha­ben sich je­doch ge­wei­gert, die­se Do­ku­men­te ent­ge­gen­zu­neh­men mit der Be­gründung, dass kein En­cryp­ti­on-Soft­ware auf Ih­rem Lap­top sei und Sie die Ver­ant­wor­tung für D&P-Kol­le­gen nicht über­neh­men wer­den.


Dar­auf­hin wur­den Sie in­for­miert, dass zwi­schen TD. und De. & To. ein Ver­trag exis­tiert, wel­cher ei­ne so­ge­nann­te „non-dis­clo­sure“-Klau­sel enthält, die spe­zi­ell sol­che Fälle re­gelt. Darüber hin­aus wur­de Ih­nen erklärt, dass die­ser Ver­trag mit Hin­weis auf „pro­fes­sio­nal stan­dards for ex­ter­nal ac­coun­tants“ ab­ge­schlos­sen wur­de. Trotz die­ser Ausführun­gen ha­ben Sie sich wei­ter­hin ge­wei­gert, den An­wei­sun­gen Ih­res Vor­ge­setz­ten Fol­ge zu leis­ten und die Do­ku­men­te ent­ge­gen­zu­neh­men und sind da­mit auch Ih­rer Ver­ant­wor­tung als Team­lea­der nicht ge­recht ge­wor­den.


Durch Ihr Ver­hal­ten ha­ben Sie sich nicht nur den An­wei­sun­gen Ih­res Vor­ge­setz­ten wi­der­setzt, son­dern auch die Durchführung des Auf­tra­ges verzögert und da­mit die in­ef­fi­zi­en­te Ausführung ver­ur­sacht.


Ein sol­ches Fehl­ver­hal­ten können wir nicht un­be­an­stan­det hin­neh­men und mah­nen Sie da­her aus­drück­lich ab.
 


- 4 -

In Ih­rem ei­ge­nen In­ter­es­se for­dern wir Sie auf, den An­wei­sun­gen Ih­res Vor­ge­setz­ten künf­tig Fol­ge zu leis­ten, da­mit ein störungs­frei­er Ab­lauf gewähr­leis­tet bleibt. An­dern­falls müssen Sie mit der Kündi­gung Ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses rech­nen.


...“

und

„Sehr ge­ehr­ter Herr G.,


Ihr Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­ten gibt uns lei­der An­lass zu Be­an­stan­dun­gen. Be­reits in der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit ha­ben Sie Kol­le­gen in ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Art und Wei­se per Mail an­ge­gan­gen. Dar­auf­hin fan­den Gespräche so­wohl mit be­trof­fe­nen Kol­le­gen als auch mit Ih­rem Vor­ge­setz­ten statt. Sie wur­den nicht nur über die Grundsätze im Um­gang mit Kol­le­gen/Vor­ge­setz­ten in­for­miert, son­dern auch aus­drück­lich auf­ge­for­dert, die­ses Ver­hal­ten ab­zu­stel­len und dem be­trof­fe­nen Kol­le­gen ei­ne schrift­li­che Ent­schul­di­gung zu­kom­men zu las­sen.


Den­noch müssen wir fest­stel­len, dass Sie, trotz der statt­ge­fun­de­nen Gespräche, die­se abfälli­ge und un­kol­le­gia­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­art wei­ter fort­set­zen. Am 30.07.2003 wur­de Ihr Vor­ge­setz­ter H. durch Kol­le­gen aus dem Head­quar­ters USA in­for­miert, dass Sie ge­genüber un­se­rem Part­ner, De. & To., so­wie - zum wie­der­hol­ten Ma­le - ge­genüber Kol­le­gen aus dem I. A. abfälli­ge Be­mer­kun­gen geäußert ha­ben.


Durch Ihr un­pro­fes­sio­nel­les und un­kol­le­gia­les Ver­hal­ten ha­ben Sie nicht nur dem An­se­hen der Ab­tei­lung I. A. ge­scha­det, son­dern auch die Zu­sam­men­ar­beit in­tern wie ex­tern emp­find­lich gestört. Wir können die­ses Ver­hal­ten nicht länger dul­den und mah­nen Sie hier­mit ab.


Wir for­dern Sie drin­gend auf, die­ses Ver­hal­ten so­fort ein­zu­stel­len. Fer­ner for­dern wir Sie auf, die schrift­li­che Ent­schul­di­gung dem be­trof­fe­nen Kol­le­gen un­verzüglich zu­kom­men zu las­sen. Soll­ten Sie dem nicht nach­kom­men und Grund zu wei­te­ren Be­an­stan­dun­gen ge­ben, müssen Sie mit der Kündi­gung Ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses rech­nen.
 

..."


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Der Pro­ku­rist der Be­klag­ten setz­te die Mit­glie­der der Ab­tei­lung „In­ter­ne Re­vi­si­on“, Herrn A., Frau B. und Herrn O., am 03.11.2003 von bei­den Ab­mah­nun­gen in Kennt­nis.


Nach Dar­stel­lung des Klägers wur­den auch zahl­rei­che wei­te­re Mit­ar­bei­ter der Kon­zern­mut­ter und ih­rer Toch­ter­ge­sell­schaf­ten über sei­ne Ab­mah­nun­gen in­for­miert.


Mit Schlus­s­ur­teil vom 09.08.2005 ver­ur­teil­te das Ar­beits­ge­richt München (8 Ca 402/04) die Be­klag­te u. a. da­zu, bei­de Ab­mah­nun­gen aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen und zu ver­nich­ten.


Am 22.12.2003 erklärte die Be­klag­te ge­genüber dem Kläger ei­ne außer­or­dent­li­che, hilfs­wei­se frist­ge­rech­te Kündi­gung aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen. Die­se Kündi­gung hat u. a. fol­gen­den Wort­laut:


„Sehr ge­ehr­ter Herr G.,


hier­mit kündi­gen wir Ihr Ar­beits­verhält­nis außer­or­dent­lich und frist­los mit so­for­ti­ger Wir­kung.


Hilfs­wei­se kündi­gen wir Ihr Ar­beits­verhält­nis or­dent­lich - un­ter Berück­sich­ti­gung der Kündi­gungs­frist von drei Mo­na­ten zum Quar­tals­en­de - zum 31. März 2004. In die­sem Fal­le sind Sie mit so­for­ti­ger Wir­kung bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist un­ter An­rech­nung Ih­res be­ste­hen­den Ur­laubs­an­spruchs und un­ter Fort­zah­lung der Vergütung von Ih­rer Ar­beits­leis­tung frei­ge­stellt.


...“


Am 10.08.2005 erklärte die Be­klag­te er­neut vor­sorg­lich ei­ne außer­or­dent­lich be­triebs­be­ding­te Kündi­gung, hilfs­wei­se ei­ne or­dent­li­che be­triebs­be­ding­te Kündi­gung. Die­se Kündi­gung hat u. a. fol­gen­den Wort­laut:


„Sehr ge­ehr­ter Herr G.,


ob­wohl das Ar­beits­ge­richt München in dem Ur­teil vom 09.08.2005 Ih­rer Kündi­gungs­schutz­kla­ge statt­ge­ge­ben hat, hal­ten wir nach wie vor an der Wirk­sam­keit der außer­or­dent­li­chen


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Kündi­gung vom 22.12.2003 bzw. der hilfs­wei­se erklärten or­dent­li­chen Kündi­gung vom 22.12.2003 fest.


Vor die­sem Hin­ter­grund erklären wir die nach­fol­gen­de Kündi­gung le­dig­lich höchst vor­sorg­lich und hilfs­wei­se für den Fall, dass die bei­den vor­ge­nann­ten Kündi­gun­gen vom 22.12.2003 tatsächlich un­wirk­sam ge­we­sen sein soll­ten.


Un­ter Berück­sich­ti­gung der vor­ste­hen­den Erklärun­gen kündi­gen wir hier­mit ein mit Ih­nen even­tu­ell be­ste­hen­des Ar­beits­verhält­nis höchst vor­sorg­lich außer­or­dent­lich be­triebs­be­dingt mit so­for­ti­ger Wir­kung, hilfs­wei­se or­dent­lich be­triebs­be­dingt, zum Ab­lauf des 31.12.2005.


Fer­ner stel­len wir Sie mit so­for­ti­ger Wir­kung un­wi­der­ruf­lich von Ih­rer Ver­pflich­tung zur Ar­beits­leis­tung frei un­ter An­rech­nung von even­tu­ell be­ste­hen­den Teil- und/oder Rest­ur­laubs­ansprüchen. Die­se Frei­stel­lung ändert nichts dar­an, dass die oben erklärte außer­or­dent­li­che be­triebs­be­ding­te Kündi­gung wir­ken soll.


...“


Nach Dar­stel­lung des Klägers hat­te der Lei­ter der Ab­tei­lung „In­ter­ne Re­vi­si­on“ auch hier­von Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten so­wie der Mut­ter- und Toch­ter­ge­sell­schaf­ten in­for­miert.


Mit Schlus­s­ur­teil vom 09.08.2005 (8 Ca 402/04) und En­dur­teil vom 30.05.2007 (20 Ca 13029/05) stell­te das Ar­beits­ge­richt die je­wei­li­ge Rechts­un­wirk­sam­keit der erklärten Kündi­gun­gen fest.


Sämt­li­che vor­ge­nann­ten Ge­richts­ent­schei­de sind zwi­schen­zeit­lich nach zum Teil durch­geführ­ten Be­ru­fungs- und Re­vi­si­ons­ver­fah­ren zu­guns­ten des Klägers, be­zo­gen auf die vor­ge­nann­ten Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen, rechts­kräftig ent­schie­den, in­so­weit ge­stell­te Auflösungs­anträge wur­den letzt­lich eben­so rechts­kräftig zurück­ge­wie­sen.


Zu wei­te­ren nach­fol­gend erklärten Kündi­gun­gen sind noch Ver­fah­ren, ne­ben an­de­ren Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen den Par­tei­en, anhängig.


Der Kläger hat vor­ge­tra­gen, die An­spruchs­grund­la­ge für die streit­be­fan­ge­nen Anträge ergäbe sich aus den Ent­schei­dungs­gründen des Ur­teils des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom

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15.04.1999, 7 AZR 716/97. Die Be­klag­te ha­be die er­teil­ten Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen so­wie de­ren Be­gründun­gen in­ner­halb des Kon­zerns der Be­klag­ten kom­mu­ni­ziert und ver­brei­tet. Dies sei schon des­halb ei­ne Rechts­ver­let­zung durch die Be­klag­te, da die Un­ter­rich­tung durch den Ab­tei­lungs­lei­ter nicht un­ter dem Sie­gel der Ver­schwie­gen­heit oder der Ver­trau­lich­keit er­folgt sei. Außer­dem ha­be der Vor­ge­setz­te des Klägers bei Be­kannt­ga­be der Ab­mah­nung an die an­we­sen­den Mit­ar­bei­ter erklärt: „Wer nicht mit­zieht, fliegt!“


Nach fest­ge­stell­ter Rechts­un­wirk­sam­keit der er­teil­ten Ab­mah­nun­gen und erklärten Kündi­gun­gen ha­be die Be­klag­te bis heu­te kei­nen An­lass für ei­nen Wi­der­ruf ge­se­hen. Die Be­ein­träch­ti­gun­gen der Rech­te des Klägers dau­er­ten da­her an. Da­durch sei er in sei­nem An­se­hen wei­ter­hin be­ein­träch­tigt.


Die be­gehr­ten Un­ter­rich­tun­gen sei­en schließlich auch not­wen­dig und hin­rei­chend um die Be­ein­träch­ti­gung der Persönlich­keits­rech­te des Klägers zu be­sei­ti­gen. Er selbst könne dies aus tech­ni­schen Gründen nicht leis­ten, da die Be­klag­te auf der Ebe­ne ih­res In­tra­nets mit­tels Fil­ter Mit­tei­lun­gen über sei­ne pri­va­te E-Mail-Adres­se ver­hin­de­re.

Die gel­tend ge­mach­ten Ansprüche sei­en we­der auf­grund ei­ner un­wirk­sa­men ar­beits­ver­trag­li­chen Aus­schluss­klau­sel noch nach all­ge­mei­nen Grundsätzen ver­wirkt und auch nicht verjährt.


Der Kläger hat zu­letzt erst­in­stanz­lich be­an­tragt:


Es wird be­an­tragt, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ih­re Mit­ar­bei­ter so­wie die­je­ni­gen der Te. Da. C. und ih­rer Toch­ter­ge­sell­schaf­ten so­wohl in deut­scher als auch in eng­li­scher Spra­che schrift­lich da­von in Kennt­nis zu set­zen, dass


1. sie vom Ar­beits­ge­richt München rechts­kräftig da­zu ver­ur­teilt wor­den ist, die Ab­mah­nung ge­genüber dem Kläger vom 10.10.2003 hin­sicht­lich ei­ner ver­meint­li­chen Ar­beits­ver­wei­ge­rung aus sei­ner Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen und zu ver­nich­ten,


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2. sie vom Ar­beits­ge­richt München rechts­kräftig da­zu ver­ur­teil wor­den ist, die Ab­mah­nung ge­genüber dem Kläger vom 10.10.2003 hin­sicht­lich sei­nes Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­tens aus sei­ner Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen und zu ver­nich­ten,


3. das Ar­beits­ge­richt München rechts­kräftig die Un­wirk­sam­keit der je­weils ver­hal­tens­be­ding­ten außer­or­dent­li­chen und frist­lo­sen so­wie or­dent­li­chen und frist­ge­rech­ten Kündi­gun­gen ge­genüber dem Kläger vom 22.12.2003 fest­ge­stellt hat,


4. das Ar­beits­ge­richt München rechts­kräftig die Un­wirk­sam­keit der je­weils be­triebs­be­ding­ten außer­or­dent­li­chen und frist­lo­sen so­wie or­dent­li­chen und frist­ge­rech­ten Kündi­gun­gen ge­genüber dem Kläger vom 10.08.2005 fest­ge­stellt hat und dass


5. sie die Be­haup­tung nicht auf­recht­erhält, der Kläger ha­be sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten ver­letzt.


Die Be­klag­te hat dem­ge­genüber be­an­tragt,


die Kla­ge ab­zu­wei­sen.


Sie hat die vom Kläger ge­stell­ten Anträge man­gels Be­stimmt­heit als un­zulässig er­ach­tet; sie besäßen kei­nen voll­stre­ckungsfähi­gen In­halt. Der Kläger be­zie­he sich auf ei­ne nicht näher be­zeich­ne­te Viel­zahl von Per­so­nen, die na­ment­lich nicht be­zeich­net sei­en.


Für die ver­folg­ten Anträge be­ste­he kei­ne An­spruchs­grund­la­ge, die von ihm zi­tier­te Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts sei nicht ein­schlägig.


Die vom Kläger be­an­stan­de­te In­for­ma­ti­on des sei­ner­zei­ti­gen Di­rek­tors ge­genüber den Ab­tei­lungs­mit­glie­dern ha­be kei­ne Rechts­ver­let­zung dar­ge­stellt, da die ge­ge­be­ne In­for­ma­ti­on ob­jek­tiv zu­tref­fend ge­we­sen sei, nämlich da­hin­ge­hend, dass er zwei Ab­mah­nun­gen hin­sicht­lich sei­nes Ver­hal­tens er­hal­ten ha­be. Auf­grund des zwi­schen­zeit­lich lan­gen Zeit­ab­laufs be­ste­he auch kei­ne an­dau­ern­de Rechts­be­ein­träch­ti­gung des Klägers mehr.

 

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Ei­ne tech­ni­sche Fil­ter­blo­cka­de sei­ner pri­va­ten E-Mail-Adres­se be­ste­he nicht.


Sch­ließlich sei­en auch die gel­tend ge­mach­ten Ansprüche be­reits durch das Ein­grei­fen der ver­trag­li­chen Aus­schluss­frist und nach all­ge­mei­nen Grundsätzen ver­wirkt. Der gel­tend ge­mach­te An­spruch im Hin­blick auf die Ab­mah­nun­gen vom 10.10.2003 sei verjährt.


Das Ar­beits­ge­richt München hat mit Ur­teil vom 02.04.2009, auf das we­gen der tat­be­stand­li­chen Fest­stel­lun­gen und sei­ner Ent­schei­dungs­gründe Be­zug ge­nom­men wird, die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Es hat sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen dar­auf gestützt, dass ne­ben be­ste­hen­den Be­den­ken hin­sicht­lich der Be­stimmt­heit der An­trag­stel­lung die Kla­ge je­den­falls un­be­gründet sei, da ei­ne Rechts­grund­la­ge für die be­gehr­te Ver­pflich­tung der Be­klag­ten nicht er­sicht­lich sei.


Ge­gen die­ses dem Kläger am 09.06.2009 zu­ge­stell­te En­dur­teil ließ die­ser mit Schrift­satz sei­ner an­walt­schaft­li­chen Pro­zess­ver­tre­tung vom 30.06.2009, ein­ge­gan­gen beim Lan­des­ar­beits­ge­richt München am 01.07.2009, Be­ru­fung ein­le­gen, die am 09.09.2009 nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 10.09.2009 be­gründet wur­de.


Der Kläger trägt vor, dass ihm ein Be­sei­ti­gungs-/Wi­der­rufs­an­spruch hin­sicht­lich der mit den er­teil­ten Ab­mah­nun­gen ver­bun­de­nen Be­haup­tun­gen ar­beits­ver­trag­li­cher Pflicht­verstöße zu­kom­me.


So be­gründe­ten ehr­kränken­de Kund­ge­bun­gen für den Ver­letz­ten ei­nen qua­si­ne­ga­to­ri­schen Be­sei­ti­gungs­an­spruch in Form ei­nes Wi­der­rufs­an­spruchs.


Auch nach Ent­fer­nung der Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te könne nach der Recht­spre­chung auf Wi­der­ruf der in ihr ent­hal­te­nen Erklärun­gen ge­klagt wer­den.


Der Kläger bekämpft das erst­in­stanz­li­che Ur­teil hauptsächlich da­mit, dass das Erst­ge­richt so­wohl die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung als auch die ent­spre­chen­den Li­te­ra­tur­mei­nun­gen nicht er­kannt und un­berück­sich­tigt ge­las­sen ha­be. Bei Be­ein­träch­ti­gun­gen sei­ner Persönlich­keits­rech­te käme es nicht dar­auf an, ob die­se die Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten und der Kon­zern­un­ter­neh­men mögli­cher­wei­se nicht in­ter­es­sier­ten.

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Um mögli­chen Be­den­ken hin­sicht­lich der Zulässig­keit der Kla­ge zu be­geg­nen, wer­de im We­ge ei­ner Kla­ge­er­wei­te­rung in Form ei­ner Stu­fen­kla­ge die na­ment­li­che Be­nen­nung der zu in­for­mie­ren­den Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten und der Kon­zern­un­ter­neh­men be­gehrt.


Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Erst­ge­richts sei­en sämt­li­che Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen qua­si­ne­ga­to­ri­schen Be­sei­ti­gungs- bzw. Wi­der­rufs­an­spruch ge­ge­ben.


Die Be­klag­te ha­be un­strei­tig zu­min­dest die Ab­tei­lungs­mit­glie­der da­von in Kennt­nis ge­setzt, dass der Kläger zwei Ab­mah­nun­gen hin­sicht­lich sei­nes Ver­hal­tens und später auch zwei Kündi­gun­gen er­hal­ten ha­be. Darüber sei­en auch zahl­rei­che Mit­ar­bei­ter außer­halb der Ab­tei­lung „In­ter­ne Re­vi­si­on“ über die Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen in­for­miert wor­den. Die Be­klag­te ha­be in­so­weit kein be­rech­tig­tes In­ter­es­se für ei­ne der­ar­ti­ge In­for­ma­ti­on vor­ge­tra­gen. Durch die Be­haup­tung, der Kläger ha­be ei­ne Ar­beits­ver­wei­ge­rung be­gan­gen, wer­de der Ar­beit­neh­mer bei Ver­brei­tung ei­ner dar­auf gestütz­ten Ab­mah­nung in sei­nem all­ge­mei­nen Persönlich­keits­recht ver­letzt. Glei­ches gel­te für die Ver­brei­tung ei­ner Ab­mah­nung, mit der - un­zu­tref­fend - das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers gerügt wur­de. Ent­spre­chen­des gel­te für die Ver­brei­tung ei­ner außer­or­dent­li­chen und frist­lo­sen Kündi­gung aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen, die in Wirk­lich­keit nicht vor­ge­le­gen hätten. Glei­ches gel­te für die be­triebs­be­dingt erklärte Kündi­gung, da die­se von den Mit­ar­bei­tern zu­tref­fend als Trotzkündi­gun­gen ver­stan­den wor­den sei­en.


Es be­ste­he auch ei­ne an­dau­ern­de Rechts­be­ein­träch­ti­gung, da die Be­klag­te bis heu­te kei­ner­lei An­stal­ten ge­trof­fen ha­be, die von ihr über den Kläger in Form der Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen in der Be­leg­schaft ver­brei­te­ten Un­rich­tig­kei­ten ir­gend­wie rich­tig zu stel­len. Die Fort­dau­er der Rechts­be­ein­träch­ti­gung ergäbe sich auch aus denk­ba­ren Nach­fra­gen denk­ba­rer neu­er Ar­beit­ge­ber nach er­folg­ter Be­wer­bung um ein neu­es Ar­beits­verhält­nis.

Die be­gehr­te In­for­ma­ti­on der Mit­ar­bei­ter könne die Be­ein­träch­ti­gung des Persönlich­keits­rechts des Klägers auch tatsächlich be­sei­ti­gen. Der Wi­der­ruf sei der Be­klag­ten auch oh­ne Wei­te­res zu­mut­bar, da sie die zu in­for­mie­ren­den Mit­ar­bei­ter über das In­tra­net des Kon­zerns kostengüns­tig und oh­ne Wei­te­res er­rei­chen könne.

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Der Kläger stellt zu­letzt fol­gen­de Anträge:


1. Das En­dur­teil des Ar­beits­ge­richts München vom 02.04.2009 - Az.: 32 Ca 5328/09 - wird auf­ge­ho­ben.


2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, die Mit­ar­bei­ter


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so­wohl in deut­scher als auch in eng­li­scher Spra­che schrift­lich da­von in Kennt­nis zu set­zen, dass


2.1 sie vom Ar­beits­ge­richt München rechts­kräftig da­zu ver­ur­teilt wor­den ist, die Ab­mah­nung ge­genüber dem Kläger vom 10.10.2003 hin­sicht­lich ei­ner ver­meint­li­chen Ar­beits­ver­wei­ge­rung aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen und zu ver­nich­ten,


2.2 sie vom Ar­beits­ge­richt München rechts­kräftig da­zu ver­ur­teilt wor­den ist, die Ab­mah­nung ge­genüber dem Kläger vom 10.10.2003 hin­sicht­lich sei­nes Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­tens aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen und zu ver­nich­ten,


2.3 das Ar­beits­ge­richt München rechts­kräftig die Un­wirk­sam­keit der je­weils ver­hal­tens­be­ding­ten außer­or­dent­li­chen und frist­lo­sen so­wie or­dent­li­chen und frist­ge­rech­ten Kündi­gun­gen ge­genüber dem Kläger vom 22.12.2003 fest­ge­stellt hat,

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2.4 das Ar­beits­ge­richt München rechts­kräftig die Un­wirk­sam­keit der je­weils be­triebs­be­ding­ten außer­or­dent­li­chen und frist­lo­sen so­wie or­dent­li­chen und frist­ge­rech­ten Kündi­gun­gen ge­genüber dem Kläger vom 10.08.2005 fest­ge­stellt hat und dass


2.5 sie die Be­haup­tung nicht auf­recht­erhält, der Kläger ha­be bis 31.08.2009 sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten ver­letzt.


3. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, dem Kläger die Vor- und Fa­mi­li­en­na­men al­ler in
An­trag Ziff. 2 noch nicht auf­geführ­ten Mit­ar­bei­ter von sich so­wie der Te. Da. C. und ih­rer Kon­zern­ge­sell­schaf­ten

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zu be­nen­nen.

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4. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, er­for­der­li­chen­falls die Rich­tig­keit und Vollständig­keit ih­rer An­ga­ben an Ei­des Statt zu ver­si­chern.


5. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, die im An­trag Ziff. 3 zu be­nen­nen­den Mit­ar­bei­ter so­wohl in deut­scher als auch in eng­li­scher Spra­che schrift­lich da­von in Kennt­nis zu set­zen, dass


5.1 sie vom Ar­beits­ge­richt München rechts­kräftig da­zu ver­ur­teilt wor­den ist, die Ab­mah­nung ge­genüber dem Kläger vom 10.10.2003 hin­sicht­lich ei­ner ver­meint­li­chen Ar­beits­ver­wei­ge­rung aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen und zu ver­nich­ten,


5.2 sie vom Ar­beits­ge­richt München rechts­kräftig da­zu ver­ur­teilt wor­den ist, die Ab­mah­nung ge­genüber dem Kläger vom 10.10.2003 hin­sicht­lich sei­nes Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­tens aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen und zu ver­nich­ten,


5.3 das Ar­beits­ge­richt München rechts­kräftig die Un­wirk­sam­keit der je­weils ver­hal­tens­be­ding­ten außer­or­dent­li­chen und frist­lo­sen so­wie or­dent­li­chen und frist­ge­rech­ten Kündi­gun­gen ge­genüber dem Kläger vom 22.12.2003 fest­ge­stellt hat,


5.4 das Ar­beits­ge­richt München rechts­kräftig die Un­wirk­sam­keit der je­weils be­triebs­be­ding­ten außer­or­dent­li­chen und frist­lo­sen so­wie or­dent­li­chen und frist­ge­rech­ten Kündi­gun­gen ge­genüber dem Kläger vom 10.08.2005 fest­ge­stellt hat und dass


5.5 sie die Be­haup­tung nicht auf­recht­erhält, der Kläger ha­be bis 31.08.2009 sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten ver­letzt.


Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.
 


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Sie hält die in der Be­ru­fungs­in­stanz vor­ge­nom­me­ne Kla­geände­rung für un­zulässig, da sie die­ser nicht zu­stim­me und die Kla­geände­rung auch nicht sach­dien­lich sei. Im Übri­gen ver­tei­digt sie das erst­in­stanz­li­che Ur­teil. Die vom Kläger in Be­zug ge­nom­me­nen Ent­schei­dun­gen würden auf den vor­lie­gen­den Sach­ver­halt schon des­halb nicht pas­sen, da ehr­ver-let­zen­de Be­haup­tun­gen über ihn nicht auf­ge­stellt wor­den sei­en. Sie ha­be le­dig­lich an ein­zel­ne Per­so­nen wei­ter­ge­ge­ben, dass er zwei Ab­mah­nun­gen hin­sicht­lich sei­nes Ver­hal­tens er­hal­ten ha­be. Nicht ein­mal er selbst ha­be vor­ge­tra­gen, dass durch sie wei­ter­ge­ge­ben wor­den sei, we­gen wel­chen kon­kre­ten Ver­hal­tens er ab­ge­mahnt wor­den sei. Die bloße Mit­tei­lung ge­genüber ei­nem Mit­ar­bei­ter, dass ei­ne Ab­mah­nung we­gen sei­nes Ver­hal­tens er­teilt wor­den sei, stel­le aber kei­ner­lei ehr­ver­let­zen­de Be­haup­tung und auch kei­ne Ver­let­zung sei­nes Persönlich­keits­rechts dar. Wei­ter­hin sei in den ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen, die die Be­klag­te zur Ent­fer­nung der Ab­mah­nun­gen aus der Per­so­nal­ak­te des Klägers ver­pflich­tet hätten, nicht fest­ge­stellt wor­den, dass die in den Ab­mah­nun­gen ihm ge­genüber ent­hal­te­nen Tat­sa­chen un­zu­tref­fend oder nicht nach­weis­bar ge­we­sen wären. Die Ge­rich­te sei­en viel­mehr der Auf­fas­sung ge­we­sen, dass die Tat­sa­chen nicht aus­rei­chend für die er­teil­ten Ab­mah­nun­gen ge­we­sen sei­en.


Es lie­ge schließlich auch kei­ne fort­dau­ern­de Rechts­be­ein­träch­ti­gung des Klägers vor, was sich aus sei­ner Ab­we­sen­heit vom Be­trieb nach nun­mehr fast sechs Jah­ren ergäbe. Hin­zu tre­te, dass die be­gehr­te Un­ter­rich­tung der welt­weit et­wa 9.000 Mit­ar­bei­ter nach ei­nem der­art lan­gen Zeit­raum in kei­ner Wei­se der Be­deu­tung des Klägers in sei­ner Funk­ti­on als Ma­na­ger In­ter­nal Au­dit entspräche.


Es lie­ge wei­ter­hin auch kei­ne Persönlich­keits­rechts­ver­let­zung vor, da nicht je­de un­rich­ti­ge Be­haup­tung ei­ner Ver­let­zung ar­beits­ver­trag­li­cher Pflich­ten dar­un­ter ein­zu­ord­nen wäre.


Letzt­lich be­ste­he der nun­mehr zusätz­lich er­folg­te Aus­kunfts­an­spruch zur na­ment­li­chen Be­nen­nung sämt­li­cher et­wa 9.000 Mit­ar­bei­ter im Kon­zern­ver­bund nicht, da ein sol­cher An­spruch des Klägers nur dann denk­bar sei, wenn der Haupt­an­spruch be­ste­hen würde.


Der Kläger trägt er­wi­dernd vor, dass die Be­klag­te auch die Gründe für sei­ne Ab­mah­nun­gen kom­mu­ni­ziert ha­ben müsse, da sie vor­ge­tra­gen ha­be, dass die ihm ge­genüber er­teil-

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ten zwei Ab­mah­nun­gen von al­len Mit­glie­dern der Ab­tei­lung mit Wohl­wol­len auf­ge­nom­men wor­den sei­en. Ei­ne wohl­wol­len­de Auf­nah­me sei aber nur bei Mit­tei­lung der ein­zel­nen Gründe denk­bar.


Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten ha­be das Ar­beits­ge­richt München mit Ent­scheid vom 09.08.2005 die sach­li­che Un­rich­tig­keit der in den Ab­mah­nun­gen ent­hal­te­nen Vorwürfe fest­ge­stellt, da das Ar­beits­ge­richt aus­geführt ha­be, dass „die zwei­te die­ser Ab­mah­nun­gen ... zwar in­halt­lich genügend kon­kret“ sei, „der er­ho­be­ne Vor­wurf der Pflicht­ver­let­zung“ je­doch nicht zu­träfe. Die Wei­ge­rung des Klägers, Do­ku­men­te auf sei­nem Note­book auf­zu­be­wah­ren, sei trotz der An­wei­sung sei­nes Vor­ge­setz­ten be­rech­tigt ge­we­sen. Die an­dau­ern­de Rechts­be­ein­träch­ti­gung fol­ge auch dar­aus, dass, ob­gleich die Be­klag­te zwi­schen­zeit­lich wei­te­re Kündi­gun­gen erklärt ha­be, er ge­gen die­se vor­ge­he und be­ab­sich­ti­ge, nach ei­nem erst­in­stanz­lich aus­ge­ur­teil­ten An­spruch vor­aus­sicht­lich im 2. Quar­tal des Ka­len­der­jah­res 2010 sei­ne tatsächli­che Wei­ter­beschäfti­gung bei ihr un­verzüglich durch­zu­set­zen. Aus die­sen Gründen kom­me es nicht dar­auf an, wann sie ih­re Mit­ar­bei­ter in­for­miert ha­be. Denn mit der tatsächli­chen Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers würden ih­re ob­jek­tiv un­rich­ti­gen Auskünf­te sei­nen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen un­ver­meint­lich in Er­in­ne­rung ge­ru­fen.


We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des zweit­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens wird auf die Schriftsätze vom 09.09.2009, 16.11.2009, 22.02.2010 und 17.09.2010 Be­zug ge­nom­men.


Ent­schei­dungs­gründe:


I.

Die gem. § 64 Abs. 2 ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung des Klägers ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG, 519, 520 ZPO) und da­her auch in­so­weit zulässig.



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II.


Die Be­ru­fung des Klägers hat in der Sa­che kei­nen Er­folg. Die Kla­ge ist zwar zulässig, je­doch un­be­gründet, da ihm die gel­tend ge­mach­ten Be­sei­ti­gungs-, Wi­der­rufs- und Aus­kunfts­ansprüche nicht zu­ste­hen, weil nach dem Kla­ge­vor­brin­gen we­der ei­ne rechts­wid­ri­ge Ver­let­zung der geschütz­ten Persönlich­keits­rech­te des Klägers ge­ge­ben ist noch im Fal­le un­ter­stell­ter Ver­let­zung von Persönlich­keits­rech­ten die­se Ver­let­zung an­dau­ert und die be­gehr­te In­for­ma­ti­on so­wie der Wi­der­ruf auch nicht ge­eig­net sind, die et­wa an­dau­ern­den Be­ein­träch­ti­gun­gen zu be­sei­ti­gen.


1. Die Kla­ge ist als Leis­tungs­kla­ge und auch mit der zu­letzt kla­ge­er­wei­ternd gel­tend ge­mach­ten Stu­fen­kla­ge auf Aus­kunft gem. § 254 ZPO ent­spre­chend zulässig, da da­mit die gem. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO er­for­der­li­che Kon­kre­ti­sie­rung noch hin­rei­chend ge­ge­ben ist.


Die im Be­ru­fungs­rechts­zug er­folg­te Kla­geände­rung in Form der auf Aus­kunft ge­rich­te­ten Stu­fen­kla­ge ist gem. § 533 ZPO zulässig, da sie ei­ner­seits trotz Wi­der­spruchs der Be­klag­ten durch die er­ken­nen­de Kam­mer für sach­dien­lich er­ach­tet wird, weil ei­ne pro­zessöko­no­mi­sche Ge­sam­tent­schei­dung des Streitstoffs in der Sa­che her­bei­geführt wer­den kann und an­de­rer­seits die Kla­geände­rung auch auf Tat­sa­chen gestützt wer­den kann, die das Be­ru­fungs­ge­richt sei­ner Ver­hand­lung und Ent­schei­dung über die Be­ru­fung oh­ne­hin nach § 529 ZPO zu­grun­de zu le­gen hat­te (§ 533 Satz 1 Nr. 2 ZPO).


2. Kei­ne Persönlich­keits­rechts­ver­let­zung


Der Kläger be­gehrt mit Ziff. 2.5 und 5.5 sei­ner Be­ru­fungs­anträge ei­nen mo­di­fi­zier­ten Wi­der­ruf, be­zo­gen auf die von der Be­klag­ten erklärten streit­ge­genständ­li­chen Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen, so­wie darüber hin­aus­ge­hend die In­for­ma­ti­on der ca. 9.000 welt­wei­ten Mit­ar­bei­ter im Kon­zern­ver­bund der Be­klag­ten von der Tat­sa­che der Fest­stel­lung der Rechts­un­wirk­sam­keit der erklärten streit­ge­genständ­li­chen Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen durch die Ar­beits­ge­richts­bar­keit in München.

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a) So­wohl für den be­gehr­ten mo­di­fi­zier­ten Wi­der­ruf als auch für die dar­auf auf­bau­en­de Be­kannt­ga­be ist Vor­aus­set­zung für den gel­tend ge­mach­ten Kla­ge­an­spruch, dass der Kläger durch die rechts­kräftig fest­ge­stell­ten un­wirk­sam erklärten Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen von der Be­klag­ten rechts­wid­rig in sei­nem be­ruf­li­chen Fort­kom­men oder sei­nem Persönlich­keits­recht ver­letzt wor­den ist und ihm des­we­gen ein schuld­recht­li­cher (§ 611 BGB i. V. m. § 242 BGB) oder ein qua­si­ne­ga­to­ri­scher An­spruch aus § 1004 BGB ana­log zu­steht (vgl. BAG v. 15.04.1999, 7 AZR 716/97 - zit. n. Ju­ris).


Dies ist we­der durch die bloße Tat­sa­che der von der Be­klag­ten erklärten Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen noch nach Form und In­halt der Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen ent­spre­chend des kläge­ri­schen Sach­vor­brin­gens ge­ge­ben.


b) Das zi­vil­recht­li­che all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht, ab­ge­lei­tet aus der ver­fas­sungs­kon­for­men An­wen­dung und Aus­le­gung der Ge­ne­ral­klau­seln (vgl. BVerfGE 7, 188), ge­nießt als sons­ti­ges Recht den Schutz der ab­so­lu­ten Rech­te i. S. d. § 823 Abs. 1 BGB. Geschützt ist das Recht des Ein­zel­nen auf Ach­tung sei­ner per­so­na­len und so­zia­len Iden­tität so­wie Ent­fal­tung und Ent­wick­lung sei­ner in­di­vi­du­el­len Persönlich­keit (vgl. BGHZ 13, 334) ge­genüber dem Staat und im pri­va­ten Rechts­ver­kehr (vgl. BGHZ 24, 76; 27, 284). Die vom Kläger gel­tend ge­mach­te Be­ein­träch­ti­gung des so­zia­len Gel­tungs­an­spruchs be­trifft die So­zi­al­sphäre. Der Persönlich­keits­schutz ist hier je­doch we­ni­ger weit­ge­hend wie im Be­reich der Pri­vat- und schließlich der In­tim­sphäre (vgl. BGH NJW 2005, 592 und Pa­landt, BGB, Nr. 69. Aufl., § 823 Rn. 94 u. 96 m. w. N.). Hier­bei be­darf es we­gen des of­fe­nen Tat­be­stands bei der Be­ein­träch­ti­gung ei­ner ge­wis­sen Er­heb­lich­keit und be­reits hier ei­ner In­ter­es­sen­abwägung (vgl. BGH NJW 2006, 830).


c) Hin­zu kom­men muss die Wi­der­recht­lich­keit des Ein­griffs als Vor­aus­set­zung für je­den Ab­wehran­spruch. Auf­grund des of­fe­nen Tat­be­stan­des gilt hier nicht der Grund­satz, dass die Tat­be­standsmäßig­keit die Rechts­wid­rig­keit in­di­ziert (vgl. BGHZ 24, 72; 36, 77; 45, 296 ff).


Grundsätz­lich fehlt es an der Rechts­wid­rig­keit, wenn ein ge­setz­lich ge­re­gel­tes Ver­fah­ren der Rechts­pfle­ge be­trie­ben wird, auch wenn sich das Be­geh­ren als un­ge­recht­fer­tigt er-
 


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weist (vgl. Pa­landt, aaO, § 823 Rn. 37 m. w. N.). Ent­spre­chen­des gilt auch für die Ausübung ar­beits­recht­li­cher Ge­stal­tungs­rech­te. Die Rechts­wid­rig­keits­gren­ze ist je­doch bei be­wusst un­wah­ren Be­haup­tun­gen und dif­fa­mie­ren­der Schmähkri­tik über­schrit­ten.


Dies ist je­doch vor­lie­gend bei den vom Kläger be­an­stan­de­ten Ab­mah­nun­gen und streit­ge­genständ­li­chen Kündi­gungs­erklärun­gen nicht der Fall ge­we­sen.


d) Zunächst ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Be­klag­te durch den langjährig an­er­kann­ten und von der Recht­spre­chung im Rah­men des ul­ti­ma-ra­tio-Prin­zips bei Kündi­gun­gen bestätig­ten Grund­satz be­rech­tigt und ver­pflich­tet war, bei be­ab­sich­tig­ten Kündi­gun­gen im steu­er­ba­ren Ver­hal­tens­be­reich ei­nes Ar­beit­neh­mers ei­ne Ab­mah­nung vor­ge­hend zu erklären. Dies ist nun­mehr auch ge­setz­lich für Dau­er­schuld­verhält­nis­se in § 314 Abs. 2 BGB nor­miert. Die bloße Ausübung des in­so­weit auch der Be­klag­ten zu­kom­men­den Rüge­rechts durch die streit­ge­genständ­li­chen Ab­mah­nun­gen vom 10.10.2003 stellt da­her kei­nen rechts­wid­ri­gen Ein­griff in Persönlich­keits­rech­te des Klägers dar, auch wenn in der Fol­ge die Rechts­un­wirk­sam­keit der erklärten Ab­mah­nun­gen fest­ge­stellt wur­de.


e) Darüber hin­aus stellt auch die Wei­ter­ga­be der In­for­ma­ti­on über ein der­ge­stalt aus­geübtes Rüge­recht an Mit­ar­bei­ter der Ar­beit­ge­be­rin noch kei­nen rechts­wid­ri­gen Ein­griff in das Persönlich­keits­recht des Klägers dar. Auf­grund der Ein­bin­dung in ar­beits- und per­so­nal­tei­li­ge Ar­beits­abläufe ist die Kennt­nis­nah­me an­de­rer Mit­ar­bei­ter re­gelmäßig zu er­war­ten, zum Teil so­gar ge­bo­ten.


Aus den vor­ge­nann­ten recht­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten vor und bei Aus­spruch ei­ner Kündi­gung ist ein vom Ar­beit­ge­ber wahr­ge­nom­me­nes Rüge­recht im Ar­beits­verhält­nis ein nicht un­gewöhn­li­cher und re­la­tiv häufi­ger Vor­gang. So­weit nicht Form und In­halt ei­ner er­teil­ten Ab­mah­nung oder Kündi­gungs­erklärung über den Rüge­cha­rak­ter hin­aus un­zulässig in das all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht des Ar­beit­neh­mers in Form ei­ner Ehr­kränkung ein­grei­fen und der­ar­ti­ges Drit­ten mit­ge­teilt wird, ist die In­for­ma­ti­on an­de­rer Mit­ar­bei­ter hier­von ein so­zi­al­adäqua­ter Aus­fluss der be­ste­hen­den ar­beits­recht­li­chen Be­zie­hun­gen, so­lan­ge der Ar­beit­neh­mer nicht ziel­ge­rich­tet „an den Pran­ger ge­stellt“ wird.

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Da in der all­ge­mei­nen Ver­kehrs­an­schau­ung auch in­zwi­schen hin­rei­chend be­kannt ist, dass ge­genüber er­teil­ten Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen der Rechts­weg zu den Ge­rich­ten für Ar­beits­sa­chen be­schrit­ten wer­den kann und da­mit ei­ne erklärte Ab­mah­nung so­wie ei­ne Kündi­gung hin­sicht­lich ih­rer Rechts­wirk­sam­keit im­mer un­ter dem Vor­be­halt der ge­richt­li­chen Über­prüfung steht, kann in ei­ner erklärten Ab­mah­nung oder Kündi­gung auch noch nicht grundsätz­lich ein rechts­er­heb­li­cher Ein­griff in die So­zi­al­sphäre des Klägers ge­se­hen wer­den. Dies gilt im kon­kre­ten Fall vor­lie­gend auch für den von ihm be­an­stan­de­ten Vor­wurf ei­nes ver­trags­wid­ri­gen Ver­hal­tens. Je­de Ab­mah­nung oder Kündi­gung, so sie über­haupt ei­nen hin­rei­chen­den recht­li­chen An­satz ha­ben will, be­zeich­net grundsätz­lich ein aus Sicht des Erklären­den rechts­wid­ri­ges Ver­hal­ten.


f) Der Sach­vor­trag des Klägers, auch in der Be­ru­fungs­in­stanz, be­legt in kei­ner Wei­se, dass die ihm er­teil­ten Ab­mah­nun­gen die vor­ge­nann­ten Grenz­li­ni­en über­schrit­ten hätten. Da­mit stellt sich auch die Wei­ter­ga­be an Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten - un­strei­tig ist dies zwi­schen den Par­tei­en nur im Be­reich der Ab­tei­lung des Klägers - kei­ne die Er­heb­lich­keits­schwel­le über­schrei­ten­de Ver­let­zung sei­nes Persönlich­keits­rechts dar. Er hat nicht im Ein­zel­nen dar­ge­stellt, wel­che ehr­kränken­den Äußerun­gen die Be­klag­te in ih­ren Ab­mah­nun­gen wie auch in den erklärten Kündi­gun­gen ver­wandt ha­ben soll. Der Kläger belässt es bei ei­ner pau­scha­len Wer­tungs­be­haup­tung.


Der Wort­laut der bei­den Ab­mah­nungs- und Kündi­gungs­erklärun­gen lässt nicht ein­mal an­satz­wei­se ehr­kränken­de Erklärun­gen er­ken­nen.


Da­bei ist er dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Schutz des Persönlich­keits­rechts nicht so weit reicht, dass er An­spruch dar­auf hätte, in der Öffent­lich­keit nur so dar­ge­stellt zu wer­den, wie er sich selbst sieht oder von an­de­ren ge­se­hen wer­den möch­te (vgl. BVerfGE 99, 194 - Hellnwein).


So­weit der Kläger vor­ge­tra­gen hat, die Be­klag­te ha­be die er­teil­ten Ab­mah­nun­gen in­halt­lich im Ein­zel­nen an Mit­ar­bei­ter wei­ter­ge­ge­ben, ist die­ser von ihr be­strit­te­ne Sach­vor­trag von ihm nicht näher sub­stan­zi­iert wor­den. Un­strei­tig ist le­dig­lich, dass sie In­for­ma­tio­nen an Mit­ar­bei­ter über er­teil­te Ab­mah­nun­gen wei­ter­ge­ge­ben hat mit dem Hin­weis, dass in ei­nem Fal­le ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten, im an­de­ren Fal­le ein nicht aus­rei­chen­des Kom-
 


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mu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­ten ab­ge­mahnt wor­den sei. Dies stellt je­doch in kei­nem Fal­le be­reits ei­ne ehr­ver­let­zen­de Äußerung dar.


3. Kei­ne an­dau­ern­de Rechts­be­ein­träch­ti­gung


a) Da ein Wi­der­rufs­an­spruch dem Schutz des Be­trof­fe­nen vor ei­ner an­hal­ten­den Be­ein­träch­ti­gung sei­ner Rech­te dient, setzt er ne­ben dem Vor­lie­gen ent­spre­chen­der Rechts­ver­let­zun­gen auch vor­aus, dass die­se Rechts­be­ein­träch­ti­gun­gen an­dau­ern (vgl. BAG v. 15.04.1999, aaO). Selbst wenn man zu Guns­ten des Klägers ei­ne Rechts­ver­let­zung in Form ei­ner rechts­wid­ri­gen Be­ein­träch­ti­gung sei­ner Persönlich­keits­rech­te un­ter­stel­len würde, lässt sein Sach­vor­trag kei­ne an­dau­ern­de rechts­er­heb­li­che Be­ein­träch­ti­gung er­ken­nen. Der Rechts­ver­s­toß muss ei­ne ste­tig neu fließen­de Quel­le der Rufschädi­gung dar­stel­len (vgl. BGH v. 10.12.1969, I ZR 20/68, zit. n. Ju­ris).


Wie schon das Reichs­ge­richt (vgl. RGZ 163, 210, 215) her­vor­ge­ho­ben hat, sind nur bei Be­ach­tung die­ser Vor­aus­set­zung die­je­ni­gen Ge­fah­ren genügend aus­ge­schal­tet, die mit der Zu­las­sung der Wi­der­rufs­kla­ge ver­bun­den sind und die das Reichs­ge­richt in der Pro­zess­sucht, Recht­ha­be­rei und über­trie­be­nen Emp­find­lich­keit so­wie in der Rück­wir­kung auf die Frei­heit der Mei­nungsäußerung in Wort und Schrift und in der weit­ge­hen­den Aushöhlung des Schut­zes des § 193 StGB er­blick­te.


b) Was die Fra­ge der all­ge­mei­nen Rufschädi­gung be­trifft, so ist der mit den er­teil­ten Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen er­ho­be­ne Vor­wurf des ar­beits­ver­trags­wid­ri­gen Ver­hal­tens des Klägers schon sei­nem In­halt nach nicht so ein schwer­wie­gen­der und die persönli­chen Ei­gen­schaf­ten kenn­zeich­nen­der Vor­wurf, dass oh­ne Hin­zu­tre­ten wei­te­rer be­son­de­rer An­halts­punk­te an­ge­nom­men wer­den könn­te, die­ser wer­de sei­nen persönli­chen und be­trieb­li­chen Ruf noch nach Jah­ren ernst­haft be­ein­träch­ti­gen. Die be­an­stan­de­ten Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen fal­len nach Form und In­halt in kei­ner Wei­se aus dem Rah­men tagtägli­cher Recht­saus­ein­an­der­set­zun­gen vor den deut­schen Ge­rich­ten für Ar­beits­sa­chen. Die Empörung des Klägers mag sub­jek­tiv vor­han­den sein, ist aber nach Einschätzung der Kam­mer ob­jek­tiv über­zo­gen. Außer­dem kann er, ins­be­son­de­re im Fal­le ei­nes tatsächli­chen Wie­der­an­tritts sei­ner Tätig­keit, wie aber auch der­zeit, bei et­wa in­ter­es­sier­ten Per­so­nen dar­auf hin­wei­sen, dass er nach Durchführung des rechtsförmi­gen

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ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens so­wohl hin­sicht­lich der aus­ge­spro­che­nen Ab­mah­nun­gen als auch der Kündi­gun­gen ob­siegt ha­be.


c) Hin­zu tritt wei­ter­hin, dass der Kläger in kei­ner Wei­se - noch da­zu sub­stan­zi­iert - vor­ge­tra­gen hat, dass die Be­klag­te nach rechts­kräfti­ger Fest­stel­lung der Rechts­un­wirk­sam­keit der von ihr erklärten Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen wei­ter­hin ge­genüber Drit­ten die Rechts­wirk­sam­keit die­ser Maßnah­men im Zu­sam­men­hang mit wei­te­ren dis­kri­mi­nie­ren­den Äußerun­gen, be­zo­gen auf den Kläger, be­haup­tet hätte.


Ei­ne fort­wir­ken­de Her­ab­set­zung sei­nes Rufs oder die Be­ein­träch­ti­gung in sei­nem be­ruf­li­chen Fort­kom­men ist für die Kam­mer über sei­ne ei­ge­ne über­poin­tiert wir­ken­de Dar­stel­lung hin­aus nicht er­kenn­bar.


d) Dies gilt auch für die von ihm noch bemühten Ansprüche aus sei­ner be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­stel­lung, die er nach der zu­letzt durch­geführ­ten Be­triebs­rats­wahl mit ei­ner auf ihn ent­fal­len­den Stim­me als denk­ba­res Er­satz­mit­glied re­kla­miert. Durch die von ihm er­strit­te­ne Fest­stel­lung der Rechts­un­wirk­sam­keit der erklärten Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen ist nicht er­kenn­bar, dass er darüber hin­aus und nun­mehr fort­wir­kend in nen­nens­wer­tem Maße in sei­nem so­zia­len An­se­hen und Auf­tre­ten be­ein­träch­tigt wäre. Im Ge­gen­teil, es be­steht durch­aus auch die Möglich­keit, dass er auf die­ser Ba­sis als be­son­ders kämp­fe­risch en­ga­gier­ter Be­triebs­rats­anwärter und Ar­beits­kol­le­ge an­ge­se­hen wird.


Es ist da­her nicht er­kenn­bar, dass nach Ent­fer­nung der Ab­mah­nun­gen aus der Per­so­nal­ak­te so­wie Fest­stel­lung der Rechts­un­wirk­sam­keit der Kündi­gung die in den Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen auf­ge­stell­ten Rechts­mei­nun­gen schwer­wie­gen­de Störun­gen des Ar­beits­verhält­nis­ses so­wie Be­ein­träch­ti­gun­gen des Persönlich­keits­rechts des Klägers nach sich zie­hen könn­ten, was je­doch zu­min­dest Vor­aus­set­zung für ei­nen ent­spre­chen­den Wi­der­rufs­an­spruch wäre (vgl. LAG Frank­furt v. 15.08.1997, 13 Sa 1365/96, zit. n. Ju-ris).


e) Ei­ne fort­wir­ken­de Persönlich­keits­rechts­ver­let­zung liegt auch nicht durch die - vom Kläger be­haup­te­te und von der Be­klag­ten be­strit­te­ne - Äußerung sei­nes Vor­ge­setz­ten im Zu­sam­men­hang mit der Wei­ter­ga­be der In­for­ma­ti­on über die er­teil­te Ab­mah­nung vor,

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nach der sein Vor­ge­setz­ter ge­sagt ha­be: „Wer hier nicht mit­zieht, fliegt!“ Die­se Be­haup¬tung kann zu Guns­ten des Klägers als zu­tref­fend un­ter­stellt wer­den, denn sie führt nicht zu ei­ner Be­ein­träch­ti­gung ihm zu­kom­men­der Rech­te, ins­be­son­de­re nicht von rechts­er­heb­li­chen Persönlich­keits­rech­ten. Die­se Äußerung des Vor­ge­setz­ten würde le­dig­lich ei­ne mögli­che An­dro­hung von Sank­tio­nen ge­genüber an­de­ren Mit­ar­bei­tern dar­stel­len, wenn sie sich mögli­cher­wei­se eben­so oder ähn­lich wie der Kläger ver­hiel­ten. Dies be­ein­träch­tigt aber kei­ne Rechts­po­si­tio­nen des Klägers oder des­sen Persönlich­keits­recht, da da­mit kein wei­ter­ge­hen­des Un­wert­ur­teil über ihn ver­bun­den ist und auch für außen­ste­hen­de Drit­te so­wie die Empfänger der In­for­ma­ti­on bzw. der An­dro­hung er­kenn­bar sein konn­te, dass die Äußerung le­dig­lich auf der sub­jek­ti­ven Be­wer­tung der Rechts­la­ge durch den Vor­ge­setz­ten ba­sier­te.


4. Kei­ne hin­rei­chen­de Be­sei­ti­gungs­wir­kung

Es fehlt letzt­lich - bei un­ter­stell­ter Rechts­ver­let­zung - auch an dem er­for­der­li­chen Merk­mal, dass die Rechts­be­ein­träch­ti­gung durch den be­gehr­ten Wi­der­ruf auch hin­rei­chend be­sei­tigt wer­den könn­te (vgl. BAG v. 15.04.1999, aaO; BGHZ 14, 163 (173); BGHZ GS 34, 99 (102)). Hier ist zunächst zu berück­sich­ti­gen, dass die Rechts­be­ein­träch­ti­gung auf Sei­ten des Klägers, so­weit sie un­ter­stellt wird, be­reits da­durch be­sei­tigt ist, dass rechts­kräftig die Rechts­un­wirk­sam­keit der erklärten Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen fest­ge­stellt ist.


Die be­gehr­te schrift­li­che In­for­ma­ti­on - sei es auch über das In­tra­net - ist un­verhält­nismäßig. In­so­weit fehlt die im Wi­der­rufs­be­reich je­weils er­for­der­li­che In­ter­es­sen­abwägung sei­tens des Klägers. Denn er hat nicht ein­mal annähernd be­haup­tet, dass die welt­weit et­wa 9.000 täti­gen Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten in ei­ner nen­nens­wer­ten An­zahl von den be­an­stan­de­ten Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen Kennt­nis er­langt hätten, ge­schwei­ge denn, dass sie der­zeit im­mer noch Kennt­nis ha­ben. Letzt­lich ver­langt er bei ei­ner weit über­wie­gen­den Zahl von Ar­beit­neh­mern der Be­klag­ten bzw. im Kon­zern­ver­bund die erst­ma­li­ge In­for­ma­ti­on über die in­kri­mi­nier­ten Vorgänge. Hierfür be­steht je­doch we­der ein Rechts­an­spruch noch ei­ne Ver­an­las­sung.

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5. Ins­ge­samt kein An­spruch


Zu­sam­men­fas­send ist da­her fest­zu­hal­ten, dass kei­ne der Vor­aus­set­zun­gen für die Zu­bil­li­gung ei­nes Un­ter­rich­tungs-/Wi­der­rufs­an­spruchs sei­tens des Klägers ge­genüber der Be­klag­ten ge­ge­ben ist.

6. Kein Aus­kunfts­an­spruch der Na­men al­ler Mit­ar­bei­ter


Da der Wi­der­rufs­an­spruch be­reits nicht ge­ge­ben ist, folgt hier­aus auch, dass ein et­wai­ger Aus­kunfts­an­spruch hin­sicht­lich der Vor- und Zu­na­men al­ler im Kon­zern­ver­bund täti­gen Mit­ar­bei­ter nicht be­steht.


Im Übri­gen könn­te sich ein et­wai­ger An­spruch oh­ne­hin nicht auf an­de­re ju­ris­ti­sche Per­so­nen ne­ben der Be­klag­ten er­stre­cken, un­be­scha­det ei­nes Kon­zern­ver­bun­des, da in­so­weit im Ein­zel­fall dar­zu­stel­len wäre - wie auch bei den Mit­ar­bei­tern der Be­klag­ten -, wel­che Per­so­nen von ihr über die er­teil­ten Ab­mah­nun­gen und Kündi­gun­gen über­haupt in­for­miert wur­den. Hier­auf be­zieht sich je­doch der deut­lich aus­ufern­de, glo­ba­le Aus­kunfts­an­trag des Klägers nicht.


7. Nach­dem, wie dar­ge­stellt, ein Rechts­an­spruch des Klägers auf Wi­der­ruf, Be­sei­ti­gung und Aus­kunft nicht ge­ge­ben ist, kann als ent­schei­dungs­un­er­heb­lich da­hin­ste­hen, ob bei be­ste­hen­dem An­spruch die­ser we­gen Ein­grei­fens von Aus­schluss­fris­ten, aus Ver­wir­kungs­ge­sichts­punk­ten oder we­gen der er­ho­be­nen Verjährungs­ein­re­de ganz oder teil­wei­se nicht durch­setz­bar wäre.


III.


Die Kos­ten­ent­schei­dung er­folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO.

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IV.


Ge­gen die­ses Ur­teil fin­det ein Rechts­mit­tel nicht statt, denn es liegt kein ge­setz­li­cher Grund vor, die Re­vi­si­on zu­zu­las­sen, da auf der Ba­sis der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs und des Bun­des­ar­beits­ge­richts ei­ne zwi­schen den Par­tei­en strit­ti­ge Ent­schei­dung im Ein­zel­fall ge­trof­fen wur­de (§ 72 Abs. 2 ArbGG). Auf die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de (§ 72 a ArbGG) wird hin­ge­wie­sen.


Müller 

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