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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Elternzeit, Elterngeld
   
Gericht: Bundessozialgericht
Akten­zeichen: B 10 EG 3/12 R
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 27.06.2013
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Sozialgericht Bayreuth - S 10 EG 16/07
Bayerisches Landessozialgericht - L 12 EG 27/08
   

BUN­DESSO­ZIAL­GERICHT

Verkündet am

27. Ju­ni 2013

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

in dem Rechts­streit


Az: B 10 EG 3/12 R


L 12 EG 27/08 (Baye­ri­sches LSG)

S 10 EG 16/07 (SG Bay­reuth)
..............,

Kläge­rin und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: ..............,


g e g e n

Frei­staat Bay­ern,
ver­tre­ten durch das Zen­trum Bay­ern Fa­mi­lie und

So­zia­les, He­gel­s­traße 2, 95447 Bay­reuth,

Be­klag­ter und Re­vi­si­onskläger.

Der 10. Se­nat des Bun­des­so­zi­al­ge­richts hat auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 27. Ju­ni 2013 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter Prof. Dr. L o y t v e d , die Rich­ter K r u s c h i n s k y und O t h m e r so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter C o s s m a n n und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin T h e o b a l d für Recht er­kannt:

Die Re­vi­si­on des Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Baye­ri­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts vom 23. No­vem­ber 2011 wird zurück­ge­wie­sen.

Der Be­klag­te hat der Kläge­rin die außer­ge­richt­li­chen Kos­ten für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren zu er­stat­ten.

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G r ü n d e :

I

Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die Be­zugs­dau­er des der Kläge­rin zu­ste­hen­den El­tern­gel­des nach dem Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­setz (BEEG).

Die Kläge­rin und ihr Ehe­mann (Kläger im Rechts­streit B 10 EG 8/12 R) sind El­tern der am 9.2.2007 ge­bo­re­nen Zwil­lin­ge E. und R. . Bei­de wa­ren bis zur Ge­burt der Kin­der als Be­am­te voll er­werbstätig. Die Kläge­rin be­fand sich in der Zeit vom 9.2.2007 bis 22.6.2007 in Mut­ter­schutz und er­hielt hier­bei Bezüge nach be­am­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten. Da­nach nahm sie vom 25.6.2007 bis 11.4.2008, ihr Ehe­mann vom 12.3.2007 bis 20.3.2008 El­tern­zeit.


Mit Schrei­ben vom 12.4.2007 be­an­trag­ten bei­de El­tern­tei­le El­tern­geld. Die Kläge­rin be­an­spruch­te hier­bei El­tern­geld für den ers­ten bis zwölf­ten Le­bens­mo­nat ih­rer Toch­ter E. so­wie für die Le­bens­mo­na­te 13 und 14 ih­res Soh­nes R. . Ihr Ehe­mann be­gehr­te El­tern­geld für den zwei­ten bis zwölf­ten Le­bens­mo­nat von R. so­wie für die Le­bens­mo­na­te 13 und 14 von E. . Nach­dem der Be­klag­te dar­auf hin­ge­wie­sen hat­te, dass bei Mehr­lings­ge­bur­ten El­tern­geld nur ein­mal gewährt wer­de, hiel­ten die Kläge­rin und ihr Ehe­mann in ers­ter Li­nie an der be­gehr­ten Auf­tei­lung des El­tern­geld­be­zu­ges fest, erklärten je­doch hilfs­wei­se, dass die Kläge­rin für den ers­ten bis sechs­ten Le­bens­mo­nat und der Ehe­mann für den zwei­ten bis neun­ten Le­bens­mo­nat der Zwil­lin­ge El­tern­geld er­hal­ten sol­le.

Mit Be­scheid vom 21.6.2007 gewähr­te der Be­klag­te der Kläge­rin El­tern­geld für den ers­ten bis sechs­ten Le­bens­mo­nat bei­der Kin­der un­ter An­rech­nung der während des Mut­ter­schut­zes er­hal­te­nen Bezüge. Er zahl­te für den fünf­ten Le­bens­mo­nat 774,48 Eu­ro und für den sechs­ten Le­bens­mo­nat 1659,62 Eu­ro, je­weils ein­sch­ließlich des mo­nat­li­chen Erhöhungs­be­tra­ges für das Zwil­lings­kind in Höhe von 300 Eu­ro. Mit Be­scheid vom sel­ben Ta­ge be­wil­lig­te er dem Ehe­mann vorläufig El­tern­geld für den zwei­ten bis neun­ten Le­bens­mo­nat der Kin­der nebst Erhöhungs­be­trag von 300 Eu­ro. Den Wi­der­spruch der Kläge­rin wies der Be­klag­te mit Wi­der­spruchs­be­scheid vom 4.10.2007 zurück.


Das So­zi­al­ge­richt (SG) Bay­reuth hat die Kla­ge mit Ge­richts­be­scheid vom 14.4.2008 ab­ge­wie­sen. Das Baye­ri­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt (LSG) hat den Ge­richts­be­scheid so­wie die an­ge­grif­fe­nen Be­schei­de ab­geändert und den Be­klag­ten zur Be­wil­li­gung von wei­te­ren sechs Mo­na­ten El­tern­geld für das Kind E. (sieb­ter bis zwölf­ter Le­bens­mo­nat) an die Kläge­rin ver­pflich­tet. Im Übri­gen hat es die Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen (Ur­teil vom 23.11.2011). Es hat sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen auf fol­gen­de Erwägun­gen gestützt:


Den An­spruch auf Gewährung von zwei wei­te­ren Mo­na­ten El­tern­geld für ih­ren Sohn R. ha­be die Kläge­rin aus­weis­lich des zu­letzt in der münd­li­chen Ver­hand­lung ge­stell­ten An­tra­ges nicht

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mehr auf­recht er­hal­ten. Die wei­ter­ver­folg­te Kla­ge sei nur zum Teil be­gründet. Die Kläge­rin ha­be An­spruch auf wei­te­re sechs Mo­na­te El­tern­geld für ih­re Toch­ter E. , denn die­se Mo­na­te sei­en nicht durch ih­ren Ehe­mann ver­braucht wor­den.

Die Kläge­rin ha­be während des Mut­ter­schut­zes vom 9.2. bis 22.6.2007 Dienst­bezüge nach be­am­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten er­hal­ten. Nach § 4 Abs 3 S 2 BEEG gälten da­her die ers­ten fünf Le­bens­mo­na­te bei­der Zwil­lin­ge als Mo­na­te, für die sie El­tern­geld be­zie­he. Die­se Fik­ti­on er­fas­se im Hin­blick auf das im El­tern­geld­recht gel­ten­de Le­bens­mo­nats­prin­zip je­weils auch dann den gan­zen Le­bens­mo­nat des Kin­des, wenn wie hier nicht für den gan­zen Mo­nat Mut­ter­schafts­geld bzw die ent­spre­chen­den Dienst­bezüge zustünden. Darüber hin­aus könne die Kläge­rin für E. zusätz­lich zu den be­reits be­wil­lig­ten sechs Mo­na­ten wei­te­re sechs Mo­na­te El­tern­geld bis zu ei­ner Ge­samt­be­zugs­dau­er von zwölf Mo­na­ten be­an­spru­chen. Dem ste­he nicht ent­ge­gen, dass dem Ehe­mann der Kläge­rin für die Zwil­lin­ge be­reits acht Mo­na­te El­tern­geld be­wil­ligt wor­den sei­en. Die­se Mo­nats­beträge ha­be der Ehe­mann für den Sohn R. und nicht für die Toch­ter E. be­zo­gen.


El­tern­geld ste­he den El­tern für den Fall, dass bei­de Part­ner auf Er­werbstätig­keit ver­zich­te­ten, für je­den der bei­den Zwil­lin­ge zu. Un­abhängig da­von, ob das Wort "ein" in § 1 Abs 1 BEEG als Zahl­wort oder als un­be­stimm­ter Ar­ti­kel ge­braucht wer­de, las­se sich dem Wort­laut des § 1 Abs 1 BEEG nicht ent­neh­men, dass bei zwei oder mehr Kin­dern der An­spruch auf El­tern­geld nur ein-mal be­ste­he. Viel­mehr be­zie­he sich der An­spruch des Be­rech­tig­ten auf El­tern­geld bei Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen des Abs 1 auf ein be­stimm­tes (na­ment­lich zu be­nen­nen­des) Kind. Dies sei bei der Kläge­rin ih­re Toch­ter E. . Dass das BEEG kei­ne dem § 3 Abs 1 S 2 Ge­setz zum Er­zie­hungs­geld und zur El­tern­zeit (BErzGG) ent­spre­chen­de Re­ge­lung be­inhal­te, führe zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis. Denn dar­aus könne nur der Schluss ge­zo­gen wer­den, dass nach dem BEEG ei­ner ein­zel­nen be­treu­en­den Per­son nicht für je­den Mehr­ling je­weils ein An­spruch auf El­tern­geld zu­ste­he. Dies sei aber nicht die hier strei­ti­ge Fra­ge.

Die von dem Be­klag­ten ver­tre­te­ne Auf­fas­sung, El­tern­geld ste­he bei ei­nem gleich­zei­ti­gen Ver­zicht bei­der El­tern­tei­le auf Er­werbstätig­keit nicht für je­den ein­zel­nen Zwil­ling, son­dern für den zwei­ten Zwil­ling nur in Höhe des Erhöhungs­be­tra­ges nach § 2 Abs 6 BEEG zu, sei dem Wort­laut des § 1 Abs 1 BEEG iVm § 2 Abs 6 BEEG nicht zu ent­neh­men und ver­s­toße zu­dem ge­gen Art 3 Abs 1 Grund­ge­setz (GG). Denn für den Fall, dass ein wei­te­res Ge­schwis­ter­kind in­ner­halb des Be­zugs­zeit­raums von El­tern­geld für ein Kind ge­bo­ren wer­de, ha­be der an­de­re El­tern­teil für das zwei­te Ge­schwis­ter­kind An­spruch auf El­tern­geld nach den ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen. Glei­ches gel­te für den Fall, dass kurz nach der Ge­burt ei­nes Kin­des ein wei­te­res Kind ad­op­tiert wer­de. Mehr­lings­ge­bur­ten un­ter­schie­den sich von die­sen Kon­stel­la­tio­nen nur durch ei­nen kürze­ren Zeit­raum zwi­schen der Ge­burt bzw Auf­nah­me des ers­ten und des wei­te­ren Kin­des. Die­ser Un­ter­schied recht­fer­ti­ge ge­mes­sen am Ziel des BEEG, ei­ne Ein­kom­mens­min­de­rung durch die Be­treu­ung des Kin­des im ers­ten Le­bens­jahr zu ver­hin­dern, ei­ne un­glei­che Be­hand­lung bei­der Grup­pen nicht.

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Dem ste­he auch nicht § 2 Abs 6 BEEG ent­ge­gen, der für Mehr­lings­ge­bur­ten ei­nen mo­nat­li­chen Zu­schlag von 300 Eu­ro vor­se­he. Die­se Re­ge­lung sol­le nach der Ge­set­zes­be­gründung (BT-Drucks 16/1889 S 21) ähn­lich dem Ge­schwis­ter­bo­nus nach § 2 Abs 4 S 1 BEEG den zusätz­li­chen Be­treu­ungs­auf­wand ab­gel­ten, der bei ei­ner be­rech­tig­ten Per­son auf­tre­te, die gleich-zei­tig zwei oder mehr Kin­der glei­chen Al­ters be­treue. So­fern wie im vor­lie­gen­den Fall bei­de El­tern­tei­le für je­weils ein Kind El­tern­geld be­an­trag­ten, ent­fal­le die­se Mehr­be­las­tung, so­dass der Mehr­lings­zu­schlag ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin nicht zu gewähren sei.


Die Be­rech­nung des El­tern­gel­des un­ter Berück­sich­ti­gung der Kir­chen­steu­er sei hin­ge­gen rechtmäßig. Der Ab­zug der Kir­chen­steu­er von dem Ein­kom­men aus nicht­selbstständi­ger Ar­beit er­ge­be sich aus § 2 Abs 7 S 1 und 3 BEEG. Bei der El­tern­geld­be­rech­nung sol­le das Ein­kom­men berück­sich­tigt wer­den, dass der an­spruchs­be­rech­tig­ten Per­son zu­letzt tatsächlich mo­nat­lich zur Verfügung ge­stan­den ha­be und das nun we­gen der Un­ter­bre­chung oder Ein­stel­lung der Er­werbstätig­keit nicht mehr zur Verfügung ste­he. Ei­nen Ver­s­toß ge­gen Art 3 Abs 1 GG se­he der Se­nat nicht.

Ge­gen die­ses Ur­teil hat der Be­klag­te die vom LSG zu­ge­las­se­ne Re­vi­si­on ein­ge­legt. Er rügt ei­ne Ver­let­zung der §§ 1 bis 4, 10 und 11 BEEG. Da­zu trägt er vor:


Die Auf­fas­sung des LSG, dass El­tern­geld den El­tern von Zwil­lin­gen für den Fall, dass bei­de El­tern­tei­le auf Er­werbstätig­keit ver­zich­te­ten, für je­den der bei­den Zwil­lin­ge zu­ste­he, sei nicht zu­tref­fend. Aus dem Ge­set­zes­wort­laut des § 1 Abs 1 BEEG er­ge­be sich kein Hin­weis dar­auf, dass bei mehr­fa­cher Erfüllung der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen meh­re­re Ansprüche entstünden. Die Ent­schei­dung des LSG ste­he auch mit der Ge­set­zes­sys­te­ma­tik nicht im Ein­klang. Die Be­stim­mung des § 1 BEEG ent­hal­te kei­ne Re­ge­lung über den An­spruchs­um­fang; die­ser sei viel-mehr in den §§ 2 bis 4 BEEG ge­re­gelt. Für Mehr­lings­ge­bur­ten sei ei­ne ein­deu­ti­ge Re­ge­lung in § 2 Abs 6 BEEG vor­ge­se­hen, die kei­ne Grund­la­ge mehr ha­be, wenn bei­de El­tern­tei­le für je­den Zwil­ling ei­nen ei­genständi­gen An­spruch auf El­tern­geld hätten. Aus § 2 Abs 6 BEEG er­ge­be sich ein­deu­tig und zwin­gend ei­ne Erhöhung des El­tern­gel­des bei Mehr­lings­ge­bur­ten für das zwei­te und je­des wei­te­re Kind; ei­ne Aus­le­gung, wo­nach die­se Erhöhung nicht zu gewähren sei, wenn sich bei­de El­tern­tei­le um die Mehr­lin­ge kümmer­ten, sei an­ge­sichts des kla­ren Wort­lauts nicht möglich. Fer­ner hätte das LSG nach sei­ner Ar­gu­men­ta­ti­on die Gewährung des Ge­schwis­ter­bo­nus nach § 2 Abs 4 BEEG be­ja­hen müssen. Zu­dem ver­weh­re das LSG den El­tern mit sei­ner Aus­le­gung die Vergüns­ti­gun­gen nach § 3 Abs 2 S 1 Halbs 2, § 10 Abs 4 und § 11 S 3 BEEG und ver­let­ze auch die­se Vor­schrif­ten.

Das LSG set­ze sich mit § 3 Abs 1 S 2 BErzGG aus­ein­an­der, über­se­he hier­bei je­doch, dass für den Be­reich der El­tern­zeit in § 15 Abs 2 S 3 BEEG - wie be­reits zu­vor in § 15 Abs 2 S 3 BErzGG - ei­ne aus­drück­li­che Re­ge­lung er­folgt sei, wo­nach bei meh­re­ren Kin­dern für je­des Kind An­spruch auf El­tern­zeit be­ste­he. Ei­ner sol­chen Re­ge­lung hätte es nicht be­durft, wenn sich be-reits aus § 15 Abs 1 BErzGG bzw BEEG, der dem § 1 Abs 1 BEEG ent­spre­che, bei Mehr­lin­gen
 


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ein An­spruch auf El­tern­zeit für je­den Mehr­ling ergäbe. Zu­dem las­se sich aus dem Um­stand, dass die Be­stim­mung des § 3 Abs 1 S 2 BErzGG nicht in das BEEG über­nom­men wor­den sei, al­lein der Schluss zie­hen, dass ge­ra­de nicht für je­den Mehr­ling je­weils ein An­spruch auf El­tern­geld zu­ste­hen sol­le. Das LSG las­se hier­bei auch un­be­ach­tet, dass Er­zie­hungs­geld nach § 3 Abs 1 S 1 und Abs 2 S 1 BErzGG nur ei­ner be­rech­tig­ten Per­son ge­zahlt wor­den sei.


Fer­ner er­ge­be sich aus der Ge­set­zes­be­gründung zu § 4 BEEG ein­deu­tig ei­ne Be­schränkung des El­tern­geld­be­zugs auf 14 Mo­nats­beträge; ei­ne Ver­viel­fa­chung bei Mehr­facherfüllung ei­ner An­spruchs­vor­aus­set­zung sei da­mit aus­ge­schlos­sen. Dies wer­de durch den Ge­set­zes­zweck bestätigt, wo­nach das BEEG in ers­ter Li­nie die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on der El­tern in den ers­ten 14 Mo­na­ten nach der Ge­burt si­chern sol­le. Bei Mehr­lin­gen sei der Ein­kom­mens­ver­lust nicht größer.


Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des LSG lie­ge kein Ver­s­toß ge­gen Art 3 Abs 1 GG vor, da die vom LSG ge­bil­de­ten Grup­pen be­reits nicht mit­ein­an­der ver­gleich­bar sei­en. Maßstab hierfür sei das Ziel des BEEG, El­tern bei der Si­che­rung der Le­bens­grund­la­ge in den ers­ten 14 Le­bens­mo­na­ten des Kin­des zu un­terstützen. Ab­ge­stellt wer­de da­her auf die Frühpha­se des neu­ge­bo­re­nen Kin-des. Der Zeit­raum der Frühpha­se bei ei­ner Mehr­lings­ge­burt un­ter­schei­de sich vom Zeit­raum der Frühpha­sen bei kur­zen Ge­bur­ten­fol­gen. Denn bei ei­ner Mehr­lings­ge­burt lie­ge ei­ne ge­mein­sa­me Frühpha­se vor, während bei Ge­bur­ten­fol­gen meh­re­re Frühpha­sen bestünden. Da­her bestünden ge­wich­ti­ge Un­ter­schie­de zwi­schen die­sen Grup­pen, die de­ren Un­gleich­be­hand­lung recht­fer­tig­ten. Auch das Ge­setz un­ter­schei­de zwi­schen die­sen Grup­pen, da es in § 2 Abs 4 S 2 BEEG ei­nen Ge­schwis­ter­bo­nus vor­se­he, auf den bei ei­nem Fol­ge­kind ein An­spruch be­ste­he. Ein wei­te­rer Un­ter­schied be­ste­he hin­sicht­lich des Ver­brauchs von Mo­nats­beträgen durch den Be­zug von Mut­ter­schafts­geld nach § 4 Abs 3 S 2 BEEG, da sich die­se Zeiträume bei kur­zen Ge­bur­ten­fol­gen ad­dier­ten, bei Mehr­lings­ge­bur­ten hin­ge­gen ein ein­heit­li­cher Zeit­raum vor­lie­ge. El­tern die gleich­zei­tig Kin­der mit dem Ziel der An­nah­me als Kind in den Haus­halt auf­ge­nom­men hätten, würden nicht bes­ser ge­stellt, da auf sie § 2 Abs 6 BEEG ent­spre­chend an­zu­wen­den sei.


Sch­ließlich ha­be sich das LSG nicht mit dem Ur­teil des BSG vom 16.2.1989 (4 REg 6/88 - BS­GE 64, 296 = SozR 7833 § 3 Nr 1) zum An­spruch auf Er­zie­hungs­geld nach dem BErzGG (idF vom 6.12.1985) bei Mehr­lin­gen aus­ein­an­der ge­setzt. In die­sem Ur­teil ha­be das BSG fest­ge­stellt, die Ver­fas­sung ge­be we­der ei­nen An­spruch auf ein zwei­tes oder drit­tes usw Er­zie­hungs­geld oder auf Er­zie­hungs­geld für ei­nen verlänger­ten Be­zugs­zeit­raum noch ver­pflich­te sie den Ge­setz­ge­ber, ei­ne sol­che Re­ge­lung zu tref­fen. Die­se Grundsätze könn­ten auf den vor­lie­gen­den Fall über­tra­gen wer­den.


Der Be­klag­te be­an­tragt,
das Ur­teil des Baye­ri­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts vom 23. No­vem­ber 2011 auf­zu­he­ben, so­weit es die Gewährung von El­tern­geld für wei­te­re sechs Mo­na­te be­trifft, und die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen den Ge­richts­be­scheid des So­zi­al­ge­richts Bay­reuth vom 14. April 2008 vollständig zurück­zu­wei­sen.
 


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Die Kläge­rin be­an­tragt,
die Re­vi­si­on des Be­klag­ten zurück­zu­wei­sen.

Sie hält das an­ge­grif­fe­ne Ur­teil für zu­tref­fend.

II

Die Re­vi­si­on des be­klag­ten Frei­staa­tes ist zulässig. Sie ist vom LSG zu­ge­las­sen wor­den und da­mit statt­haft (§ 160 Abs 1 SGG). Der Be­klag­te hat bei der Ein­le­gung und Be­gründung der Re­vi­si­on For­men und Fris­ten ein­ge­hal­ten. Die Re­vi­si­ons­be­gründung erfüllt die Vor­aus­set­zun­gen des § 164 Abs 2 S 3 SGG.


Die Re­vi­si­on ist nicht be­gründet.

Der Be­klag­te hat der Kläge­rin El­tern­geld nebst Mehr­lings­zu­schlag (§ 2 Abs 6 BEEG) für den ers­ten bis sechs­ten Le­bens­mo­nat der Zwil­lin­ge gewährt. Das LSG hat die­se Be­wil­li­gung - ent­spre­chend dem An­trag der Kläge­rin - auf das Kind E. be­zo­gen und der Kläge­rin El­tern­geld oh­ne Mehr­lings­zu­schlag für den sieb­ten bis zwölf­ten Le­bens­mo­nat von E. zu­ge­spro­chen. Im Übri­gen hat es die - auf Nicht­berück­sich­ti­gung der Kir­chen­steu­er bei der Be­rech­nung des El­tern­gel­des ge­rich­te­te - Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen. Da al­lein der Be­klag­te ge­gen das Be­ru­fungs­ur­teil Re­vi­si­on ein­ge­legt hat, ist der kla­ge­ab­wei­sen­de Ge­richts­be­scheid des SG vom 14.4.2008 rechts­kräftig ge­wor­den, so­weit er wei­ter­ge­hen­de Ansprüche der Kläge­rin be­trifft. Dem­ent­spre­chend ist ins­be­son­de­re über die Höhe des El­tern­gel­des der Kläge­rin nicht zu ent­schei­den.

1. Der An­spruch der Kläge­rin auf El­tern­geld rich­tet sich nach den am 1.1.2007 in Kraft ge­tre­te­nen Vor­schrif­ten des BEEG vom 5.12.2006 (BGBl I 2748). So­weit die späte­ren Ände­run­gen des BEEG (erst­mals durch das Ge­setz vom 19.8.2007 - BGBl I 1970) über­haupt die den strei­ti­gen An­spruch berühren­den Be­stim­mun­gen der §§ 1, 2 und 4 BEEG be­tref­fen, sind sie im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren nicht an­wend­bar. Die durch das Ge­setz vom 19.8.2007 er­folg­te Ände­rung be­zieht sich auf den hier nicht ein­schlägi­gen Abs 7 des § 1 BEEG. Bei der ers­ten Ände­rung der §§ 2 und 4 BEEG durch das Ge­setz vom 17.1.2009 (BGBl I 61) mit Wir­kung zum 24.1.2009 war der El­tern­geld­zah­lungs­zeit­raum be­reits ab­ge­schlos­sen (vgl BSG Ur­teil vom 18.8.2011 - B 10 EG 5/11 R - SozR 4-7837 § 2 Nr 11 Rd­Nr 27 mwN), so­dass die­se Neu­re­ge­lung des Ge­set­zes den vor­lie­gend zu be­ur­tei­len­den An­spruch der Kläge­rin nicht er­fasst.


2. Nach § 1 Abs 1 BEEG hat An­spruch auf El­tern­geld, wer ei­nen Wohn­sitz oder sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in Deutsch­land hat (Nr 1), mit sei­nem Kind in ei­nem Haus­halt lebt (Nr 2), die­ses Kind selbst be­treut und er­zieht (Nr 3) und kei­ne oder kei­ne vol­le Er­werbstätig­keit ausübt

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(Nr 4). Die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt die Kläge­rin für den strei­ti­gen Zeit­raum (sie­ben­ter bis zwölf­ter Le­bens­mo­nat der Kin­der). Dass bei ihr die in­so­weit be­deut­sa­men Tat­sa­chen vor­lie­gen, hat das LSG fest­ge­stellt.

3. Der Um­fang des Leis­tungs­an­spruchs der Kläge­rin er­gibt sich aus § 4 BEEG. Dar­in ist ge­re­gelt:

(1) El­tern­geld kann in der Zeit vom Tag der Ge­burt bis zur Voll­endung des 14. Le­bens­mo­nats des Kin­des be­zo­gen wer­den. Für an­ge­nom­me­ne Kin­der und Kin­der iS des § 1 Abs 3 Nr 1 kann El­tern­geld ab Auf­nah­me bei der be­rech­tig­ten Per­son für die Dau­er von bis zu 14 Mo­na­ten, längs­tens bis zur Voll­endung des ach­ten Le­bens­jah­res des Kin­des be­zo­gen wer­den.
(2) El­tern­geld wird in Mo­nats­beträgen für Le­bens­mo­na­te des Kin­des ge­zahlt. Die El­tern ha­ben ins­ge­samt An­spruch auf zwölf Mo­nats­beträge. Sie ha­ben An­spruch auf zwei wei­te­re Mo­nats­beträge, wenn für zwei Mo­na­te ei­ne Min­de­rung des Ein­kom­mens aus Er­werbstätig­keit er­folgt. Die El­tern können die je­wei­li­gen Mo­nats­beträge ab­wech­selnd oder gleich­zei­tig be­zie­hen.
(3) Ein El­tern­teil kann höchs­tens für zwölf Mo­na­te El­tern­geld be­zie­hen. Le­bens­mo­na­te des Kin­des, in de­nen nach § 3 Abs 1 oder 3 an­zu­rech­nen­de Leis­tun­gen zu­ste­hen, gel­ten als Mo­na­te, für die die be­rech­tig­te Per­son El­tern­geld be­zieht. ...

a) Eben­so wie sich die An­spruchs­be­rech­ti­gung nach § 1 Abs 1 BEEG auf ein be­stimm­tes Kind be­zieht, ist der Be­zugs­zeit­raum auf Le­bens­mo­na­te des Kin­des aus­ge­rich­tet. Dar­aus er­gibt sich für den er­ken­nen­den Se­nat, dass je­der El­tern­teil für je­des Kind die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen für El­tern­geld erfüllen kann und ihm dann grundsätz­lich - zu­sam­men mit dem an­de­ren El­tern­teil - für die ers­ten 14 Le­bens­mo­na­te des be­tref­fen­den Kin­des - un­ter Berück­sich­ti­gung von zwei Part­ner­mo­na­ten - bis zu 14 Mo­nats­beträge El­tern­geld zu­ste­hen. Da­bei kann er al­lein für die­ses Kind höchs­tens zwölf Mo­nats­beträge er­hal­ten. Für El­tern von Mehr­lin­gen gilt in­so­weit nichts an­de­res. § 2 Abs 6 BEEG sieht bei Mehr­lings­ge­bur­ten le­dig­lich ei­ne Erhöhung des El­tern­gel­des für das zwei­te und je­des wei­te­re Kind vor, ver­drängt je­doch nicht ei­nen auf Ein­kom­mens­er­satz ge­rich­te­ten El­tern­geld­an­spruch für Mehr­lings­kin­der. Ein mehr­fa­cher Ein­kom­mens­aus­gleich für den­sel­ben Be­rech­tig­ten wird durch § 3 Abs 2 BEEG aus­ge­schlos­sen. Für die­ses Ge­setz­verständ­nis sind fol­gen­de Erwägun­gen maßge­bend:

aa) We­der in § 1 noch in § 4 BEEG fin­den sich Son­der­re­ge­lun­gen für Mehr­lings­kin­der. Der Ge­set­zes­wort­laut be­zieht sich je­weils auf ein be­stimm­tes Kind (§ 1 Abs 1 Nr 2 BEEG: "mit sei­nem Kind in ei­nem Haus­halt"; § 1 Abs 1 Nr 3 BEEG: "die­ses Kind selbst be­treut"; § 4 Abs 1 S 1 BEEG: "bis zur Voll­endung des 14. Le­bens­mo­nats des Kin­des"; § 4 Abs 2 S 1 BEEG: "für Le­bens­mo­na­te des Kin­des"). § 2 Abs 6 BEEG be­trifft dem Wort­laut nach nur die Höhe des zu-ste­hen­den El­tern­gel­des.


bb) Auch aus der Ge­set­zes­ent­wick­lung ist nicht ab­zu­lei­ten, dass Zwil­lings­el­tern nur ei­nen El­tern­geld­an­spruch für höchs­tens 14 Le­bens­mo­na­te er­hal­ten sol­len.


Ab dem 1.1.2007 ist das Bun­des­el­tern­geld an die Stel­le des Bun­des­er­zie­hungs­gel­des ge­tre­ten, das von im We­sent­li­chen übe­rein­stim­men­den Vor­aus­set­zun­gen abhängig war (§ 1 Abs 1 Bun-


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de­ser­zie­hungs­geld­ge­setz - BErzGG - vom 6.12.1985, BGBl I 2154). In der ursprüng­li­chen Fas­sung des § 3 Abs 1 BErzGG war un­ter der Über­schrift "Zu­sam­men­tref­fen von Ansprüchen" ge­re­gelt, dass Er­zie­hungs­geld - un­abhängig von der Zahl der be­treu­ten Kin­der - nur ein­mal an ei­ne Per­son gewährt wird (vgl da­zu BSG Ur­teil vom 16.2.1989 - 4 REg 6/88 - BS­GE 64, 296, 298 ff = SozR 7833 § 3 Nr 1 S 2 ff). Die­se Be­stim­mung lässt er­ken­nen, dass es der Ge­setz­ge­ber als er­for­der­lich an­ge­se­hen hat, die Leis­tungs­gewährung aus­drück­lich zu be­schränken, weil sonst bei Erfüllung der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen durch meh­re­re Per­so­nen für meh­re­re Kin­der auch ent­spre­chend vie­le Ansprüche be­ste­hen würden (vgl da­zu BT-Drucks 10/3926 S 2; BT-Drucks 10/3792 S 15 f; BT-Drucks 10/4039 S 2).

§ 3 Abs 1 S 2 BErzGG wur­de dann durch Ge­setz vom 30.6.1989 (BGBl I 1297) mit Wir­kung ab 1.7.1989 da­hin geändert, dass für je­des nach dem 30.6.1989 ge­bo­re­ne Kind Er­zie­hungs­geld gewährt wer­de, falls in ei­nem Haus­halt meh­re­re Kin­der be­treut und er­zo­gen würden (vgl da­zu BT-Drucks 11/4708 S 3 und 5; BT-Drucks 11/4776 S 3). Die­se Re­ge­lung war zwar nach der Grund­kon­zep­ti­on des BErzGG an sich ent­behr­lich, dien­te je­doch mit Blick auf die zu­vor be­ste­hen­de Ein­schränkung der Klar­stel­lung. Zu die­ser Vor­schrift hat das BSG ent­schie­den, dass es sich beim Er­zie­hungs­geld für Zwil­lings­kin­der nicht um ei­nen ein­heit­li­chen, son­dern um zwei ge­trenn­te Ansprüche han­delt, die für je­des Kind ein­zeln zu be­rech­nen sind (vgl BSG Ur­teil vom 30.3.2006 - B 10 EG 5/05 R - SozR 4-7833 § 3 Nr 1 Rd­Nr 15).


Den Ge­setz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en zum BEEG lässt sich ent­neh­men, dass je­der El­tern­teil ei­nen El­tern­geld­an­spruch für ein Kind er­hal­ten soll­te (vgl BT-Drucks 16/1889 S 15 f, 23). Die Ab­sicht ei­ner An­spruchs­be­gren­zung bei Mehr­lin­gen ist nicht er­kenn­bar. Viel­mehr soll­te bei Mehr­lings­ge­bur­ten die be­son­de­re Be­las­tung der El­tern berück­sich­tigt wer­den (vgl BT-Drucks 16/1889 S 21). Erst in der Be­gründung zur Einführung des Be­treu­ungs­gel­des (§§ 4a ff BEEG idF des Ge­set­zes vom 15.2.2013, BGBl I 254) kommt zum Aus­druck, dass die Ver­fas­ser da­von aus­ge­hen, beim El­tern­geld sei in Fällen von Mehr­lings­ge­bur­ten ein Mehr­lings­zu­schlag, je­doch kei­ne mehr-fa­che Leis­tungs­gewährung vor­ge­se­hen (vgl BT-Drucks 17/9917 S 10). Aus die­ser nicht näher be­gründe­ten Be­mer­kung las­sen sich nach Auf­fas­sung des Se­nats kei­ne zwin­gen­den Schlüsse auf die Aus­le­gung des Ge­set­zes zie­hen.


cc) Ei­ne sys­te­ma­ti­sche Be­trach­tung spricht eben­falls für das Aus­le­gungs­er­geb­nis des Se­nats.

Auch der Be­klag­te geht da­von aus, dass bei kur­zer Ge­bur­ten­fol­ge (auf­grund er­neu­ter Schwan­ger­schaft) und bei ei­ner während des El­tern­geld­be­zu­ges er­folg­ten Auf­nah­me ei­nes wei­te­ren Kin­des in den Haus­halt zum Zwe­cke der An­nah­me als Kind (§ 1 Abs 3 Nr 1 BEEG) grundsätz­lich ein neu­er El­tern­geld­an­spruch für zwölf bzw 14 Le­bens­mo­na­te des Kin­des ent­steht. Die Re­ge­lung des § 2 Abs 6 BEEG reicht nicht aus, um bei Mehr­lin­gen - oh­ne ein­deu­ti­ge Be­schränkung des An­spruchs­um­fangs - ei­ne ab­wei­chen­de Hand­ha­bung zu recht­fer­ti­gen. Denn die­se Vor­schrift be­trifft auch im Hin­blick auf ih­re Einfügung in § 2 BEEG al­lein die Höhe des An­spruchs. So­weit der Be­klag­te in Ad­op­ti­onsfällen die zeit­glei­che Erfüllung der An­spruchs­vor­aus-


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set­zun­gen für meh­re­re Kin­der ei­ner Mehr­lings­ge­burt gleich­be­han­deln will, fin­det dies im gel­ten-den Recht kei­ne hin­rei­chen­de Stütze.

Der Mehr­lings­zu­schlag eig­net sich schon des­halb nicht für ei­ne tragfähi­ge sys­te­ma­ti­sche Aus­le­gung, weil er als sol­cher eher ei­ne Fehl­kon­struk­ti­on ist. Sei­ne An­bin­dung an den El­tern­geld­an­spruch führt da­zu, dass er in ei­nem Le­bens­mo­nat der Mehr­lin­ge dop­pelt gewährt wird, für den bei­de El­tern­tei­le El­tern­geld be­an­spru­chen, ob­wohl die el­ter­li­che Be­las­tung, die der Zu­schlag berück­sich­ti­gen soll, in die­sen Mo­na­ten si­cher nicht dop­pelt so groß ist wie in an­de­ren Le­bens­mo­na­ten. Ei­ne wort­laut­ge­treue An­wen­dung des § 2 Abs 6 BEEG führt auch zu ei­ner sach­wid­ri­gen Bes­ser­stel­lung von Mehr­lings­el­tern ge­genüber El­tern, die na­he­zu zeit­gleich meh­re­re Kin­der zum Zwe­cke der An­nah­me als Kind in den Haus­halt auf­neh­men (§ 1 Abs 3 Nr 1 BEEG) und ent­spre­chend eben­falls er­heb­li­che Be­las­tun­gen zu bewälti­gen ha­ben.


Zwar be­stimmt § 15 Abs 2 S 3 BEEG aus­drück­lich, dass bei meh­re­ren Kin­dern der An­spruch auf El­tern­zeit für je­des Kind be­steht, auch wenn sich die Zeiträume im Sin­ne des Sat­zes 1 (bis zur Voll­endung des drit­ten Le­bens­jah­res des Kin­des) über­schnei­den. Aus dem Feh­len ei­ner ent­spre­chen­den Re­ge­lung für das El­tern­geld kann nach Auf­fas­sung des Se­nats nicht der Schluss ge­zo­gen wer­den, dass bei meh­re­ren Kin­dern nicht gleich­zei­tig meh­re­re El­tern­geld­ansprüche be­ste­hen können. Ab­ge­se­hen da­von, dass der Be­klag­te die­se An­sicht oh­ne­hin nur bei Mehr­lin­gen, nicht aber bei kur­zer Ge­bur­ten­fol­ge ver­tritt, ob­wohl § 15 Abs 2 S 3 BEEG in­so­weit nicht un­ter­schei­det, kann die­se Vor­schrift zwang­los als klar­stel­len­de Re­ge­lung ver­stan­den wer­den. Sie trägt da­bei dem Um­stand Rech­nung, dass man Zeit an sich nicht mehr­fach gleich­zei­tig er­hal­ten kann, während dies bei Geld­leis­tun­gen oh­ne Wei­te­res möglich ist. Da­bei dient § 15 Abs 2 S 3 BEEG in ers­ter Li­nie da­zu, die Über­tra­gung von sich über­schnei­den­den El­tern­zeit­an­tei­len auf an­de­re Zeiträume zu ermögli­chen (vgl § 15 Abs 2 S 4 BEEG).


Mehr­fa­che El­tern­geld­ansprüche bei Mehr­lings­kin­dern wi­der­spre­chen auch sonst nicht der Sys­te­ma­tik des BEEG. Ein mehr­fa­cher Ein­kom­mens­er­satz für den­sel­ben Be­rech­tig­ten wird durch § 3 Abs 2 BEEG aus­ge­schlos­sen. Die­ser lau­tet:


So­weit Be­rech­tig­te an Stel­le des vor der Ge­burt des Kin­des er­ziel­ten Ein­kom­mens aus Er­werbstätig­keit nach der Ge­burt an­de­re Ein­nah­men er­zie­len, die nach ih­rer Zweck­be­stim­mung die­ses Ein­kom­men aus Er­werbstätig­keit ganz oder teil­wei­se er­set­zen, wer­den die­se Ein­nah­men auf das für das er­setz­te Ein­kom­men zu­ste­hen­de El­tern­geld an­ge­rech­net, so­weit letz­te­res den Be­trag von 300 Eu­ro über­steigt; die­ser Be­trag erhöht sich bei Mehr­lings­ge­bur­ten um je 300 Eu­ro für das zwei­te und je­des wei­te­re Kind. ...


Da­nach wird bei der be­rech­tig­ten Per­son auch das dem Ein­kom­mens­er­satz die­nen­de El­tern­geld für das ers­te Kind auf das El­tern­geld für das zwei­te Kind in der Wei­se an­ge­rech­net, dass in­so­weit nur der erhöhte Ba­sis­be­trag ver­bleibt. § 3 Abs 1 Nr 4, Abs 2 BEEG idF vom 10.9.2012 (BGBl I 1878) sieht dies jetzt auch aus­drück­lich vor. Mit­hin er­hal­ten El­tern von Dril­lin­gen, die bei­de zur Be­treu­ung der Kin­der ih­re Er­werbstätig­keit un­ter­bre­chen, ma­xi­mal nur je­weils ein El-


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tern­geld mit Ein­kom­mens­er­satz, während sie für die ers­ten 14 Le­bens­mo­na­te des drit­ten Kin­des zu­sam­men ma­xi­mal nur 14 Mo­nats­beträge in Höhe des erhöhten Ba­sis­be­tra­ges be­an­spru­chen können.


dd) Sch­ließlich ent­spricht die Auf­fas­sung des er­ken­nen­den Se­nats auch dem Sinn und Zweck des El­tern­gel­des.

Ziel des El­tern­gel­des ist es vor al­lem, Fa­mi­li­en bei der Si­che­rung ih­rer Le­bens­grund­la­ge zu un­terstützen, wenn sich die El­tern vor­ran­gig um die Be­treu­ung ih­rer Kin­der kümmern (vgl BT-Drucks 16/1889 S 2; BT-Drucks 16/2454 S 2). Je­der be­treu­en­de El­tern­teil, der sei­ne Er­werbstätig­keit un­ter­bricht oder re­du­ziert, soll ei­nen an sei­nem in­di­vi­du­el­len Ein­kom­men ori­en­tier­ten Aus­gleich für die fi­nan­zi­el­len Ein­schränkun­gen im ers­ten Le­bens­jahr des Kin­des er­hal­ten (vgl BT-Drucks 16/1889 S 2, 15; BT-Drucks 16/2454 S 2). Durch die Be­treu­ung des Kin­des sol­len die El­tern kei­ne all­zu großen Ein­kom­mens­ein­bußen fürch­ten müssen (vgl BT-Drucks 16/10770 S 5 f). Das El­tern­geld soll in­so­weit die Wahl­frei­heit zwi­schen Fa­mi­lie und Be­ruf stärken und rich­tet sich im Kern an Er­werbstäti­ge, die durch die Be­treu­ung ei­nes Kin­des ei­nem Bruch in der Er­werbs­bio­gra­phie aus­ge­setzt sind bzw Ein­kom­mens­ein­bußen hin­zu­neh­men ha­ben (BSG Ur­teil vom 15.12.2011 - B 10 EG 1/11 R - SozR 4-7837 § 4 Nr 3 Rd­Nr 40).

Der An­spruch auf El­tern­geld setzt ins­be­son­de­re vor­aus, dass der je­wei­li­ge El­tern­teil ei­ne vor der Ge­burt aus­geübte vol­le Er­werbstätig­keit re­du­ziert oder auf­gibt und der Er­zie­hung und Be­treu­ung sei­nes Kin­des in­so­weit Vor­rang ge­genüber der Er­werbstätig­keit einräumt. Das El­tern­geld un­terstützt El­tern, die sich im ers­ten Le­bens­jahr des Neu­ge­bo­re­nen vor­ran­gig der Be­treu­ung ih­res Kin­des wid­men, bei der Si­che­rung ih­rer Le­bens­grund­la­ge. Denn die Ent­schei­dung, das ei­ge­ne Kind in ei­nem Maße zu be­treu­en, das über das hin­aus geht, das bei vol­ler Er­werbstätig­keit möglich ist, bringt El­tern in ei­ne be­son­de­re La­ge. Mütter und Väter, die der Be­treu­ung ih­res Kin­des ge­genüber der Er­werbstätig­keit Vor­rang einräum­en, ha­ben im Hin­blick auf ih­re in­di­vi­du­el­le wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on und späte­re Möglich­kei­ten der Da­seins­vor­sor­ge bei ty­pi­sie­ren­der Be­trach­tung schlech­te­re Chan­cen als wei­ter voll er­werbstäti­ge El­tern. Das El­tern­geld bie­tet des­halb be­treu­en­den El­tern für die Frühpha­se der El­tern­schaft ei­ne Leis­tung, die ih­nen ih­re ei­ge­ne wirt­schaft­li­che Ab­si­che­rung auch auf Dau­er er­leich­tert (BT-Drucks 16/1889 S 18).


Das El­tern­geld ist da­her in ers­ter Li­nie als Ein­kom­mens­er­satz­leis­tung aus­ge­stal­tet. Es ver­folgt das Ziel, das Ein­kom­men, das auf­grund der Be­treu­ung und Er­zie­hung des Kin­des ausfällt, zu er­set­zen. Bei der Be­mes­sung des El­tern­gel­des knüpft das BEEG an das in den zwölf Ka­len­der­mo­na­ten vor dem Mo­nat der Ge­burt des Kin­des durch­schnitt­lich er­ziel­te mo­nat­li­che Er­werbs­ein­kom­men an (hier­zu vgl BSG Ur­teil vom 18.8.2011 - B 10 EG 8/10 R - Ju­ris Rd­Nr 29 ff). Aus­nah­men von die­ser Ein­kom­mens­er­satz­funk­ti­on stel­len der Ba­sis­be­trag von 300 Eu­ro (§ 2 Abs 5 BEEG), der Ba­sis­ge­schwis­ter­bo­nus von 75 Eu­ro (§ 2 Abs 4 S 1 aE BEEG) so­wie der Mehr­lings­zu­schlag (§ 2 Abs 6 BEEG) dar (vgl da­zu BSG Ur­teil vom 15.12.2011 - B 10 EG 1/11 R - SozR 4-7837 § 4 Nr 3 Rd­Nr 39).
 


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Es ist zwar rich­tig, wenn der Be­klag­te dar­auf hin­weist, dass bei meh­re­ren Kin­dern nur der Be­treu­ungs­auf­wand, aber nicht der Ein­kom­mens­ver­lust des ver­sor­gen­den El­tern­teils größer wird. Da­bei wird je­doch un­berück­sich­tigt ge­las­sen, dass das BEEG, an­ders als das BErzGG (vgl § 3 Abs 1 S 1 BErzGG), nicht nur ei­nem El­tern­teil, son­dern bei­den El­tern­tei­len die Möglich­keit bie­tet, ei­nen Aus­gleich für den durch Be­treu­ung der Kin­der ent­ste­hen­den Ein­kom­mens­ver­lust in An­spruch zu neh­men. Ha­ben die El­tern zu­sam­men nur höchs­tens 14 Mo­nats­beträge zur Verfügung, ver­brau­chen sie die­se al­ler­dings bei gleich­zei­ti­ger In­an­spruch­nah­me ent­spre­chend schnel­ler. Können sie bei Zwil­lin­gen für je­des Kind grundsätz­lich 14 Mo­nats­beträge be­an­spru­chen, sind sie in der La­ge, den vom BEEG be­ab­sich­tig­ten Ein­kom­mens­aus­gleich ent­spre­chend länger zu nut­zen. Im Hin­blick auf die bei Zwil­lin­gen be­ste­hen­de stärke­re Be­las­tung steht die­se Aus­wir­kung mit dem Sinn und Zweck des El­tern­gel­des im Ein­klang.

Zwar mag man be­zwei­feln, ob bei die­ser Aus­ge­stal­tung die zusätz­li­che Gewährung ei­nes Mehr­lings­zu­schla­ges ge­bo­ten er­scheint. Der Se­nat hält es je­doch nicht für möglich, § 2 Abs 6 BEEG so aus­zu­le­gen, dass der Mehr­lings­zu­schlag le­dig­lich für Le­bens­mo­na­te zu zah­len ist, für die nur ei­nem El­tern­teil El­tern­geld zu­steht. Denn die Möglich­keit ei­ner dop­pel­ten Leis­tungs­er­brin­gung ist durch die aus­drück­lich ge­re­gel­te An­bin­dung an den El­tern­geld­an­spruch zwangsläufig be­dingt (vgl § 4 Abs 2 S 4 BEEG). Ei­ne Kor­rek­tur bleibt in­so­weit dem Ge­setz­ge­ber vor­be­hal­ten.

b) Ge­mes­sen an die­sem Verständ­nis des § 4 BEEG hat das LSG den zeit­li­chen Um­fang des Leis­tungs­an­spruchs der Kläge­rin zu­tref­fend be­stimmt. Die da­ge­gen ge­rich­te­te Re­vi­si­on des Be­klag­ten ist un­be­gründet.


Da der Ehe­mann der Kläge­rin nur für den 13. und 14. Le­bens­mo­nat von E. El­tern­geld be­an­sprucht hat, steht der Kläge­rin El­tern­geld für die ers­ten zwölf Le­bens­mo­na­te die­ses Kin­des zu (§ 4 Abs 1 S 1, Abs 2 BEEG).


4. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 193 SGG.

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